Berit«, 6. März. Die wirthschastliche vereinig- ung de- Reichstag- nahm einen von der Commission des Bunde- der Laodwirthe au-gearbeiteteu Entwurf, be« treffend die Zuckerfteuerreform, mit einem Amendement Paasche an. Der frühere Antrag Paasche wird fallen gelaffen.
Berlin, 6. März. Der „Vorwärts" hatte heute be» richtet, daß der Präsident de- Oberverwaltung-gericht-, Persius, sein Demission-gesuch eingereicht habe. Die „Nationalzeitung" bemerkt dazu, unter den Mitgliedern deS Oberverwaltung-gerichte- sei von einem Abschiedsgesuche Persius' nicht- bekannt.
Wilhelm-Hafen, 0. März. Der Kaiser ist an Bord de- „Kurfürst Friedrich Wilhelm" heute früh 6>/z Uhr nach Helgoland abgereist. An Bord der da- Geleit gebenden Schiffe „Fritjofs und „Prinz Wilhelm" hatte sich da- Ge« folge eingeschtfft. Nach den bisherigen Bestimmungen gedenkt der Kaiser von Helgoland, wo er die durch die Sturmfluth verursachten Uferbekchädigungen besichtigen will, am Donnerstag die Fahrt nach Brunsbüttel und am Freitag nach Bremerhaven fortzusetzen. In Bremerhaven ist die Besichtigung der neuen Hafenanlagen in Aussicht genommen.
Budapest, 6. März. Bei Großmargitta (Südungarn) wurde gestern ein D ammd urch bruch vorgenommen, um die Fluth abzuletten. Die Anwohner schaffen auf die Arbeiter, die die Schllffe erwiderten. Der Kampf währte 10 Minuten. Niemand wurde verletzt. Der Durchbruch wurde dann vollzogen. Bisher find 8000 Joch Felder über« schwemmt. — In Nordungarn ist in Folge riesiger Schneefälle der Verkehr vollständig unterbrochen.
Pari-, 6. März. Der „Figaro" meint, die für Kiel bestimmten Schiffe würden dem Mittelmeergeschwader entnommen werden, weil in demselben die vollkommensten Typen vertreten seien. Contreadmiral Demaigret würde die Schiffe commandiren. „Siäcle" und „Estafette" billigen die Entsendung der Schiffe nach Kiel vollkommen. „Echo de Paris", „XIX. Siücle" und „Eclair" sagen, die Lage sei delicat. Die Regierung habe sich mit Geschick au- den Schwierigkeiten gezogen, beitn da die französisch-russische Entente in Kiel ofsiztell zum Ausdruck komme, würden selbst die unversöhnlichsten Patrioten die getroffene Entscheidung nicht mehr bedauern. Die „Petite Rüpublique" sagt, sie habe auch vom streng nationalen Standpunkte nichts gegen die Entscheidung einzuwenden. Bei der delicaten Lage wäre eine Ablehnung gefährlicher gewesen als eine Annahme.
Hüll, 6. März. Heute ist hier eine Ftscherschmack mit der Leiche des Passagier» der „Elbe", Baumann auS Basel, eingetroffen. Die Leiche wurde bei Lowcstost auf- gefischt. Die bei der Leiche vorgefundenen Gegenstände (Geld, Papiere, Trauring und Uhr) wurden dem deutschen Konsul eingehändigt.
Bukarest, 6. März. AuS den Distrieten Gors, Prahova, ArgeSct, Dimdovitza, Buzeu, Bacau und Neamz werden infolge plötzlichen Schmelzens des Schnee- Ue b erfch w emmungen gemeldet.
ShreSdury, 6. März. Bet der Einfahrt tn ein Bleibergwerk sind heute sieben Personen um- Leben gekommen.
Port Eaid, 6. März. Der belgische Dampfer „Friedland", welcher mit 160 Touristen von Newyork nach Jaffa unterwegs war, strandete bei der Einfahrt in den Hafen.
Depeschen deS Bureau „Herold"'.
Berlin, 6. März. Im preußischen Landtage wurde heute der Berg- und Hütten Etat erledigt. Bon dem Handelsetat wurde der Titel „Mintstergehalt" genehmigt.
Berit«, 6 März. Da- Herrenhau - wird am 14. d. M. zusammentreten.
Berlin, 6. März. In der RdichStagSeommission für die Umsturzvorlage wurde heute die Berathung de- § 130 fortgesetzt. Abg. Graf v. Roon (cons.) hat seinen früheren Antrag dahin abgeändert, dem Absatz 2 deS § 130 folgende Fassung zu geben: „Die gleiche Strafe triffr Denjenigen, welcher in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise die Monarchie, die Institute der Ehe, der Familie oder de- EigenthumS durch beschimpfende Aeußerungen öffentlich angreift." Ferner beantragen die Abgg. Graf Roon und Genossen, dem §166 deS Strafgesetzbücher folgende neue Fassung zu geben: „Wer öffentlich tn beschimpfenden Aeuße- rungen den Glauben an Gott ober daS Ehristenthum angreist ober Gott lästert, ober wer öffentlich eine der christlichen Kirchen ober eine onbere mit Korporation-rechten innerhalb des Bundesgebietes bestehenbe ReligtonSgesellschaft ober ihre Einrichtungen ober Gebräuche ober die Heiligkeit deS Eibebeschimpft, ingleichen wer in einer Kirche ober in einem anberen zu religiösen Versammlungen bestimmten Orte beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestraft." Abg. Graf Roon (eons.) bemerkt, gegenüber einer früheren Behauptung deS Abg. Bebel, eS fei leider wahr, daß ein christlicher Staat nicht existire. Da- sei die Folge davon, daß man daS Judenihum gleichberechtigt gemacht habe- dieses Unrecht müsse wieder ausgeglichen werden. Abg. Dr. Barth (frs. Bg.) beantragt, in dem Anträge Roon nach „Ehristenlhum" die Worte „ober daS Jubenthum" einzufügen. Er führt zur Begrünbung auS, daß die Beschimpfungen deS EhristenthumS von benen, welche gegen baS Jubenthum sich richten, weit überboten werben. Abg. Spahn (Etr.) hält bie Aufnahme des Wortes „Ehristenthum" in daS Gesetz für über- flüssig, denn dasselbe sei durch den der christlichen Kirche gewährten gesetzlichen Schutz genügend geschützt. Staats- fecretür Nteberdtng spricht seine Genugthuung darüber auS, daß der Antrag Roon eine Annäherung zwischen den Eon- servativen und dem Centrum ermögliche. Abg. EnnecceruS (nl.) schlägt als Zusatz zu § 130 Absatz 2 vor: „Eine freie wissenschaftliche Erörterung ober historische bezw. künstlerische Behandlung der die Monarchie, Ehe, Familie, daS Eigenthum betreffenden Fragen soll durch vorstehende Bestimmung nicht berührt werden." Nachdem noch Abg. Bebel (Soc.) erklärt, daß er daran festhalte, daß weltliche Strafen für Gottes- lästerung im schärfsten Widerspruche ständen mit dem Begriff der Gottheit, wird die Fortsetzung der Berathung auf Freitag vertagt.
Berlin, 6. März. In der Budget-Commisfion deS Reichstags wurde heute die Position für einen ComMandanten in Altona derathen, welche vorher zu streichen beantragt worden war. Nach längerer Debatte wurde die Forderung genehmigt.
Berlin, 6. März. Nach einer Meldung der „Voss. Ztg." ist der commanbirendeGeneral deS 11.ArmeecorpS, v. Wittich, auSersehen, an Stelle des Generals von Hahnke an die Spitze des Militär-CabinetS zu treten.
Berlin, 6. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die in den Blättern umlaufenden Meldungen über Vorbesprechungen, welche im Reichstage wegen einer Feier des 80. Geburtstages des Fürsten BiSmarck statt- gefunden hätten, als unrichtig. Im Seniorenconvent hat am Montag eine Sitzung ftattgefunben, in welcher jedoch von einer derartigen Feier nicht die Rebe gewesen ist, wie auch speciell Piäsik'ent v. Levetzow in dieser Angelegenheit weder Rückfrage noch Fühlung genommen habe.
Berlin, 6. März. Der in der Presse zum Ausdruck gekommenen Annahme gegenüber, daß tu der Frage der Auf
hebung de- I e s u i t c n g c s e tz e - die Entscheidung deS Bundes- rathS noch in diese« Monat bevorftehe, erfährt die „Post", daß sich mit dem Anträge deS Grafen Hompesch da- preußische Staat-Ministerium bisher nicht besaßt hat.
Berlin. 6. März. Wie die „Kreuzztg." hört, bestätigt sich die Nachricht, daß Oberpräfident Graf Stolberg seinen Abschied genommen hat.
Berlin, 6. März. Die Anarchisten Matthay und Kampf- «eher haben in einer Versammlung erklärt, die Anarchtsten würden, wenn die Umsturzvorlage angenommen werde, den Kampf gegen die Socialdemokraten ausgeben und in Zukunft gewissermaßen Hand in Hand mit den Socialdemokraten gehen.
Esten a. d. Ruhr, 6. März. Die Influenza hat sich hier al- unheimlicher Gast eingenistet; über 1000 Personen find daran erkrankt.
Wien, 6. März. Die Spiritus Raffinerie Girarbelli und Stern mußte den Betrieb einftellen, weil fämmtliche ihrer ersten Arbeiter wegen langjährig betriebener Diebstähle verhaftet wurden.
Wie«, 6. März. Der seit gestern Abend herrschende starke Schneefall verursacht hier und in der Umgegend große Kalamitäten. Die Aufrechterhaltung de- Tramway, und Bahnverkehr- ist nur sehr schwer zu ermöglichen. Auch suS der Provinz und au- Ungarn treffen sehr trostlose Nach, richten über daS Unwetter ein. Fiume hat seit drei Tage« keine Postverbindung mehr. Der Schaden durch da- Hochwasser in vielen Gegenden Ungarn- ist sehr bedeutend.
Agram, 6. März. AuS Slavonien wird gemeldet, baß durch den ungeheueren Schneefall an den Herbstsaaten unberechenbarer Schaden entstanden ist. Man befürchtet, die Flühjahr-saaten nicht bestellen zu könne«.
Triest, 6. März. DaS Segelschiff „Salvatore", welches seit zwei Monaten fällig ist und 400 Tonnen Wei« auS Messina an Bord hatte, wird als verschollen angesehen, da alle Nachforschungen resultatloS blieben.
Triest, 6. März. Hier herrscht ein furchtbare- Unwetter. Eine orkanartige Bora hat den gefallenen Schnee und Regen in eine GlatteiSfläche verwandelt, welche de« Verkehr sehr gefährdet. Die Theater Vorstellungen sind au- diesem Grunde abgesagt worden.
Brüffel, 6. März. Die Hafenstadt Port of spain aus Trinitad ist heute durch eine furchtbare Feuersbrunst theilweise zerstört worden. Der Materialschaden beträgt 25 Millionen.
©ent, 6. März. DaS Socialistenblatt „Vorwärts" veröffentlicht ein äußerst beleidigendes Gerücht gegen den König Leopold, in welchem dieser al- Papierkönig bezeichnet wird. Die belgischen Blätter protestiren energisch gegen diese Veröffentlichung und geben ihrer royalistischen Gesinnung Ausdruck.
Pari-, 6. März. Die nationale Föderation der Arbeiter- Syndikate Frankreich- richtete an alle Genossenschaften de« dringenden Aufruf, an den Manifestationen am 1. Mai theilzunehmen. In einer Versammlung der Socialisten wurde der General'Au-stand und ein einheitliche- Vorgehen aller Gruppen angeregt.
Pari-, 6. März. In Colonialkreisen ist man der Ansicht, daß die Debatte de- Colonial Budgets nachweisen werde, wie nothwendig für Frankreich eine Eolonial-Armee sei. Man zeigt sich daher mit der von der Regierung getroffene« Anordnung sehr zufrieden, daß alle Colonialtruppen und die Marine-Infanterie, welche früher dem Marine-Ministerium unterstellt waren, jetzt dem Kriegsministerium zugetheilt werden.
ihren Ruf angezogen wurde, sorgte sür eine lebhafte Gesellig- leit. DaS war die Umgebung, in der Marie ihre Jugend verlebte und in der sie den Grund zu der Ausbildung ihre» Geiste- legte. Roland sagt von ihr, sie habe sich mit AuS- nähme der Mathematik, wozu ihr der Sinn fehlte, in allen Zweigen des Wissens einen ansehnlichen Schatz von Kenntnissen ungeeignet. Sie beherrschte da- Französische und da- Englische, kannte die Geschichte der Philosophie und der Litteratur, die Kultur- und Staatengeschichte und war vertraut mit den allgemeinen Gesetzen und Resultaten der Natunvissenschasten. Talent für Singen, Zeichnen u. dgl. besaß sie nicht, dagegen hatte sie die Gadc des Dichten-. Doch hat sie von ihren poetischen Erzeugnissen nur ein dünne- Heftchen auS der Jugendzeit aufbewahrt, alle- Uebrige ober vernichtet. Daß neben der Geistesbildung die Bildung deS Herzens nicht ver« nachläfsigt worden war, bezeugen viele ihrer Jugendfreundinnen, denen sie biß inS späte Alter treu anhing. Ihre Herzens» güte und ihre Bescheidenheit, die niemals Andere ihre geistige Ucderlegenheit fühlen ließ, machten sie bei Jedermann beliebt. Herzen-gute und bescheidene Menschen werden gar oft in den Hintergrund gedrängt, aber hier war cS wiederum die geistige Überlegenheit, die Marie vor diesem Schicksal bewahrte. Sie war so recht eigentlich für eine führende Rolle ge- schaffen. Die Mutter hatte sie srühe verloren, die zweite Gattin de- BaterS war stets kränklich; fo mußte sie die Repräsentation-Pflichten deS Haufe- übernehmen und auch die Erziehung ihrer zahlreichen jüngeren Geschwister leiten, da der Vater von seinem Berufe und feinen wissenschaftlichen Arbeiten ganz in Anspruch genommen war. Wessen Marie sähtg war, bewies fie mit dem, waS sie an ihrem Bruder Karl that. (Karl hat auch nie vergessen, waS er feiner Schwester schuldete, der zweite Band seine- Werke-: „Zeiten, Völker und Menschen" ist ihr in Dankbarkeit zu- geeignet.) Die für da- Leben deS genialen Manne- fo wichtige Episode ist in unserem Buche ausführlich erzählt, »etzhalb wir sie hier kurz berühren wollen. Karl war mit seinem Bruder Wilhelm in den Frankfurter September- Ausstand verwickelt- beide mußten fich eine Zeitlang im Odenwalde versteckt halten und wurden dann »on Marie nach Straßburg in Sicherheit gebracht. Aber den Feuergeist Karl
duldete eß nicht lange in seinem Zuflucht-ort. Als der badische Ausstand au-brach, schloß er sich den Freischaaren an, wurde Redacteur de- Amtsblattes der revolutionären Regierung und dann Adjutant Mieroölawskys. Er focht mit bei Waghäusel und fiel bei der Kapitulation von Rastatt mit Corvin- Truppen in preußische Gefangenschaft. Ihm drohte nun nichts Geringere-, als standrechtlich erschossen zu werden. Raum hatte indessen Schwester Marie von der verzweifelten Lage de» Bruder- gehört, al- sie sich, mit Empfehlungen deS hessischen Ministers Jaup an dessen badische Gottegen versehen, nach Rastatt begab. Dort erzwang sie sich durch ihr bestimmtes und vornehmes Auftreten die Achtung der Befehlshaber, aber ihren Bruder sollte fie doch nur durch einen Zufall sprechen. Die Schritte, die sie zu seiner Rettung that, hatten jedenfalls den Erfolg, daß der Proceß Aufschub erlitt. Hierdurch gewann Karl Zeit, mit einem Gefährten nach Straßburg zu entkommen. Marie eilte ihm nach und brachte ihn dann glücklich nach Pari-. Dort wurde er Heinrich Heine- Secretär. Aber Marie, die selbst mit Heine niemals tn persönliche Berührung gekommen ist, hielt dessen Einfluß aus den Bruder für schädlich. Auch daS leere Treiben der demagogischen Kreise, in die Karl ge» rathen war, stieß fie ab. Deßhalb bewog sie ihn, wenn auch mit vieler Mühe, nach Bordeaux zu gehen, wohin sie ihm durch ihre Verbindungen von früher gute Empfehlungen verschaffte. Marie war nämlich schon 1845 in Pari» gewesen. Ein Geist wie der ihrige drängte nach Bethätigung; die Verhältnisse der kleinen Provinzialftadt konnten ihr nicht volle Befriedigung gewähren. So hatte fie in jenem Jahre eine Stelle als Gouvernante in Pari- angenommen und war dort mit o eien hochstehenden Persönlichkeiten, u. A. mit Chopin und George Sand, tn Berührung gekommen. Nachdem sie nun ihren Bruder glücklich in Bordeaux wußte, nahm fie, nm seine Schulden zu decken, eine Gouvernantenstelle bei einer englischen Familie an. Zwar ging sie mit dieser nach England, aber die Verhältnisse sagten ihr nicht zu und bald kehrte sie in die deutsche Heimath zurück. Doch nicht um -u rasten, ging sie heim. Die Ersolge, die fie als Erzieherin, erst ihrer Geschwister, bann fremder Kinder, gehabt hatte, drängte« fie zu dem Berufe hin, für den fie geboren |u fei«
schien. Im März 1851 siedelte sie mit ihrem Vater, ihrer unverheiratheten Schwester und ein paar Schülerinnen nach Offenbach über, um dort ein Mädchenpensionat zu gründe«. Bald kam so starker Zuwachs, daß sie, wie sie sagte, schneller die Schülerinnen, al- Tische und Tintenfässer hatte. Rur drei Jahre blieb die Anstalt In Offenbach, wurde dann nach Rödelheim, von da 1866 nach Soden a. T. und schließlich 1871 nach Neuenhain bet Soden verlegt. Anfang 1891 gab Marie Hillebrand ihre Wirksamkeit als Jnstituts- vorstehertn auf und starb am 4. April vorigen Jahre- z« Soden, nachdem ihre letzten Lebensjahre durch körperliche Leiden getrübt waren. Mit ihr schied eine Frau au* dem Leben, der an geistiger Bedeutung und an Erfolgen des Wirken- nur wenige ihre- Geschlecht- gleichgekommen find und wohl auch nur wenige glelchkommen werden.
SS würde unS zu weit führen, wenn wir hier de« »weiten Theil de» Buches von Roland, in welchem der Verfasser die Methode Marie Hillebrand- einer eingehende« Würdigung unterzieht, betrachten wollten. Wir wollen nur darauf Hinweisen, daß diese Methode eine eigenthümliche war, die „natürliche" nannte sie Marie selber. Ihr Grundzug war der, daß sämmtl'che Mädchen zur Miiarbeit an der Erziehung ihrer Mitschülerinnen herangezogen wurden. Marie erregte hierdurch große- Aussehen, fanb selbstverständlich starken Widerspruch, oder gar Geringschätzung, aber die Erfolge, die sie mit ihrem Unterricht erztelte, errangen ihr schließlich doch die Anerkennung auch der Schulbehörde». S- ist unmöglich, in einer knappen Skizye den Inhalt des Buche- zu erschöpfen, wir müssen auf ?as Buch selbst ver- weisen. Der Leser wird e- nicht bereuet, mit einer so bedeutenden Persönlichkeit Bekanntschaft gemacht zu habe». Ganz besondere- Interesse aber gewinnt baß Buch für uns durch die vielen Beziehungen, die die Person Marte H lle- brand» mit unserer Vaterstadt verknüpfend Der Stil des Buche» ist abgerundet und klar. Man fühlt", die französische Rationalität de» Verfasser» höchsten» an de« Gebrauch superlativischer Ausdrücke, die er auf seine H eldin anwendet, herau». Aber man darf nicht vergessen, daß. er fein Buch unter dem Eindruck der frischen Erinnerung an»diese wirklich hochbegabte Persönlichkeit geschrieben hat. K. M.


