Ausgabe 
7.9.1895
 
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Varna abgereist. Die Abreise erfolgte in aller Stille. Bei der Ankunft in Varna hat kein Empfang ftattgefunden. Die Minister weilen noch hier und werden wahrscheinlich heute die direkte Rückfahrt nach Sofia antreten.

Tarnopol. 5. September. Auch in einigen, in der Nähe gelegenen Ortschaften ist die Cholera auSgebrochen. Zwei Personen sind gestorben. Hier ist kein neuer Eholerasall vor­gekommen.

WB. Budapest. 6.September. Erzherzog Ladislaus ist heute Vormittag gestorben.

Der Krieg von 1870)71,

geschildert durch Ausschnitte aus Zeitungs-Nummern jener Zeit.

(Nachdruck verboten.) 7. September.

Ein Besuch in Sedan . . . Als ich über die erste Zugbrücke schritt, sah ich in dem trocknen Wallgraben zahllose, von den Wällen verhungernd herabgestürzte Pferde, unter­mischt mit von Ratten abgenagten menschlichen Leichen- man hätte sich in eine Festung versetzt glauben mögen, die eine mehrmonatliche Belagerung auszuhalten gehabt hätte, anstatt einer zweitägigen Einschließung. Doch die Unmasie der in Sedan gelagerten Truppen erklärte Alles. Das Bild, daS sich beim Eintritt in die eigentliche, recht hübsche Stadt meinen Augen bot, spottet jeder Beschreibung. Noch nie in meinem Leben habe ich eine Stadt so in Schlamm und Schmutz ge­sehen. Vor einem wunderschönen großen Hause, einer Woll- fabrik, stand ein ältlicher Herr. Ich bat ihn um Auskunft über den Weg nach dem Turenneplatz und kam dadurch mit ihm ins Gespräch.(Sott sei ewig gelobt!" rief der Mann au-,daß Ihre Truppen uns endlich von diesen Bestien erlöst haben, die unS seit fünf Tagen plünderten, alle Unzucht trieben, die die wildeste Phantasie sich erdenken mag, auf kein Commando mehr hörten und denen daS Wort DiSciplin nur noch ein leerer nichtssagender Begriff war. Als ich heute früh die ersten preußischen Truppen hier einrücken sah, da ward eS mir sofort klar, warum mit ihnen der Sieg geht, Schritt für Schritt- denn schon die Art und Weise, wie die Leute marschirten, nachdem sie aus einer solchen Schlacht kamen, bewies, daß und welche Ordnung und MannSzucht unter den Preußen herrschen." Und wie der Mann sagte, so war eS in der That. Ich bin seitdem alle Tage in Sedan gewesen und höre mehr und mehr das unbedingteste Lob unserer Truppen auS jedem Munde. Zunächst hat der preußische Commandant es sich angelegen sein laffen, die Stadt und deren nächste Umgebung zu desinficiren und der drohenden HungerSnoth durch Heranziehen von Bedürfnissen aller Art vorzubeugen. Die in den Straßen schwebenden, schrecklichen MiaSmen sind durch große Feuer mitten in den Straßen verscheucht worden, zu deren Unterhaltung man alle die brennbaren Reste deS Krieges, als Lederzeug, Pickel­hauben, Tschakos, Sättel, Pferdegeschirre, Gewehre, Lumpen und Uniformstücke aller Art verwandte. Der fußhohe Schlamm und daS faulende Stroh wurden in hohe Haufen zusammen­gebracht und alle nur irgend aufzutreibenden Fuhrwerke unb Pferde aufgeboten, um Viesen Unrath und die zahllosen Cadaver aus der Stadt zu schaffen, während die Einwohner nicht minder mit Wasser und Besen die Reinigung der Häuser in Angriff nahmen. Bei meinem dritten Besuche hatte Sedan schon ein ganz anderes Ansehen. Doch zu haben war irn ganzen Orte schlechterdings nichts. Nahezu 100 000 franzö- fischeElite"-Truppen hatten fünf Tage hindurch faktisch die Stadt geplündert. Als ich am Freitag, 2. September, zuerst Sedan betrat, sand ich mindestens zwei Drittel der noch in den Straßen sich heruwtreibenden, jedoch entwaffneten franzö­sischen Soldaten betrunken. Ich selbst mußte einen grau« haarigen Artilleristen mit drei chevrons, also mehr als 21jähriger Dienstzeit, der sich in seinem viehischen Zustande an mir vergreifen wollte, niederwerfen, um mich von ihm loszumachen. Wie ein Sack fiel der Mensch zur Erde, wo er in dem Schmutz und Schlamm ruhig und unbekümmert liegen blieb. Die Einwohner Sedans zeigten sich uns äußerst freundlich gesinnt.

Napoleon weilt seit 6. Sept. Abends als Gefangener in WilhelmShöhe bet Kassel, wohin er durch Belgien gebracht worden ist. WilhelmShöhe ist dasselbe Schloß, auf dem sein Ohm alsKönig Lustick" in SauS unb Braus lebte. Auch Napoleons Umgebung ist glänzenb unb erinnert in nichts daran, baß er ein Gefangener ist. Ein ganze Schaar feiner ehemaligen Getreuen hat er bet sich, bazu einen Stall von 86 Pferben! Auf ben Bänken vor der Treppe sitzen plaudernd und rauchend französische Generale in reichen Uniformen, weithin leuchtet das grelle Roth der Beinkleider unb ble schweren Bergolbungen blitzen in der Sonne. Anbere schreiten ble große Treppe herab unb gesellen sich zu einer kleinen Gruppe, welche lebhaft gestikultrenb bei« fammen steht - reich betreßte Diener laufen hin unb her unb einen Augenblick glauben wir unß an baß Hoflager früherer Zeit versetzt, weicheß hier oben sein Wesen trieb. Doch ein Blick auf bie preußischen Wachen, welche den Mittelweg zum Schlöffe absperren, ruft unß bie angenehmere Wirklichkeit inß Gebächtniß zurück, daß diese Herren nicht als Sieger, sondern als Besiegte die herrliche WilhelmShöhe bewohnen, und daß saft dünkt unß ein Traum Napoleon, der Allgefürchtete, hier, unschädlich gemacht ist. Den Kaiser selbst hatten wir heute zu sehen, wiederholt Gelegenheit. Er hat feit 1863, wo wir ihm zum letzten Male begegneten, sehr gealtert - seine Haltung ist gebeugt, krankhaft, unb wenn ein Kasseler Blatt von seinem feurigen, burdjbringenben Blick spricht, so ist dies wahrscheinlich Ironie, da gerade der scheue, niedergeschlagene, müde Blick des Kaisers ihn auffallend kennzeichnet. Haar unb Bart sind vollständig grau, von den historischen Spitzen beß letzteren ist nicht eine Spur zu be­merken. Daß Gesicht ist verwittert und ziemlich gebunfen. Der Kaiser macht um 7 Uhr des Morgcnß bereits Promenaden, raucht viel unb lebt sehr mäßig. Grüße beantwortet er äußerst höflich durch Abziehen der Müyc. (Köln. Ztg.)

London, 7. September. Der kaiserliche Prinz ist in

| Hastings. DieTimes" rätb ben Franzosen, Elsaß unb Lothringen abzutreten.

yllnfere Armeen find im Vormarsch nach Paris" meldet Podbielsky. Da haben wir wieder dieaffenartige Behendigkeit!" Dieses spöttische Scheltwort ist zum höchsten Stegeßruhm geworden. Die Energie und Schnelligkeit der KciegSleitung ist bewundemSwerth. Marschirev, umkehren, schlagen, siegen unb wieder vorwärts marschiren, fast ohne Äthern zu holen, daS mache Einer nach. In 8 Tagen welche Märsche, Kämpfe und Siege! Den Gegner nicht zu Athem kommen zu laffen, darin besteht daS Geheimniß und der SiegeSzug der deutschen Heere. Schon nähern sich die 3. unb 4. Armee in Eilmärschen Paris. Sie scheinen den kürzesten Weg über RheimS und Laon-SoiffonS einzuschlagen. Längstens Anfang nächster Woche stehen sie unter den Mauern vor Paris.

Die General-Versammlung des hessischen Landes-Gewerbevereins

sand gestern Vormittag unter Vorsitz beß Herrn Geh. Bau- rath Dr. Sonne-Darmstadt im Saale derConcordia" zu Alßseid statt, unb war dieselbe auß allen Theilen beß Landes gut besucht. Die Versammlung wurde zunächst be­grüßt Namenß der Stadt Alßfeld von Herrn Bürgermeister Arnold, Namenß beß Alsfelber Ortß-Gewerbevereinß von deffen Vorsitzenben Herrn Rößener, welcher zugleich dem Bedauern über das Ableben beß Vorsitzenben der Großh. Centralstelle, des Herrn Regierungßrath Dr. Hesse, Außdruck gab, Namenß derConcordia" von Herrn Grünewald- Alßfeld. Vor Eintritt in die Tageßordnung gedachte der Vorsitzende der Verluste, die der Verein durch den Tod einiger in Förderung der Vereins-Interessen und damit des ganzen Gewerbeftandeß hervorragend thätig gewesener Mit­glieder, des Geh. Rath Fink, des Regierungßrath Dr. Hesse, des Ministerialrathß Jaup, des Pfarrerß Trautwein-Alßfeld, sowie einiger anderer Mitglieder in Darmstadt und Worms erlitten. DaS Andenken an diese Herren wurde durch Erheben von ben Sitzen geehrt. Uebergehenb zum allgemeinen Bericht, der der Ausführlichkeit wegen nur in großen Zügen erstattet und deffen ßtettire den Mitgliedern nach erfolgter Druck­legung empfohlen wurde, gedenkt der Vorsitzende in erster Linie der Fürsorge, die unser Großherzog allezeit dem Ge- Werbestand zu Theil werden ließ, im Berichtsjahr sei diese Fürsorge zum Ausdruck gekommen durch ein Preisausschreiben Seiner Königs. Hoheit auf vier Pläne für kunstgewerbliche Arbeiten unb Entwürfe- ferner hätte bie Großh. Central- stelle Preisausschreiben erlassen zu Entwürfen für bas Dienst' gebäube derselben, die Großh. Centralftelle selbst habe die Alsfelder Ausstellung durch Uebernahme des PrämiirunqS- geschästs gefördert, sie habe ferner in ben Bereich ihrer Be­ratungen gezogen die Frage wegen Errichtung obligatorischer Handwerkerkammern, über welche ja die Ausfichten sehr aus- etnanbergtngen, ein diesbezüglicher, in heutiger Versammlung von Herrn RechtSanwalt Call mann-Alzey zu motivirender Antrag auf Organisation beß HanbwerkS in den OrtSgewerbe- eretnen unb Bilbung starker Hanbwerker-Comnnsstonen liege bereits vor- weiter sei bie Centralstelle beschäftigt gewesen mit ber Frage der hypothekarischen Sicherung der Hand­werker bei Bauausführungen, über eine Reihe diesbezüglicher Vorschläge werde die Regierung noch besondere Erhebungen anstellen.

Bezüglich der Ausschüffe sei mitzutheilen, daß die Arbeiten des chemischen Untersuchungsarntes und der AuSkunftsstation in erfreulichem Fortschreiten begriffen feien. Die Verhält- nisse der Centralstelle selbst würden durch den demnächst seiner Vollendung entgegengehenden Neubau wesentliche Verbefferung erfahren, und besonders eine übersichtliche Anordnung und Vermehrung der Sammlungen, Modelle und Lehrmittel er­möglichen. Der Stand des Vereinswesens fei ein guter, spezielle Angaben darüber würden noch in dem gedruckten Bericht gemacht, neue OrtSvereine wurden ebenfalls ge­gründet- die LehrlingSfrage habe die Centralftelle gleichfalls eingehend beschäftigt, und zwar in der Hinsicht der lieber« wachung der Lehrlinge durch die OrtSvereine, doch feien die Arbeiten hierüber noch nicht zum Abschluß gelangt. An ben freiwilligen Gesellenprüfungen beteiligten sich ca. 800 Lehr­linge - es soll diesem Gegenstände auch ferner erhöhte Auf­merksamkeit geschenkt werden- die Vermittlung der Central­stelle um Erlangung der Berechtigung zum Einjährig Frei- willigen-Dienst auf Grund beß Handwerkerparagraphen wurde in drei Fällen angerufen. Uebergehend zu ben gewerblichen Unterrichtsanstalten unb Sonntagszeichnenschulen, gebenkt ber Vorsitzenbe ber Verluste, bie ber LanbeSgewerbeverein burch bie infolge Inanspruchnahme burch Amtsgeschäfte erfolgte Amtsnieberlegung ber Herren Oberbürgermeister Gnauth- unb Baurath Renting- Gießen ertragen mutzte. Der Besuch der Schulen war ein guter. An der Ausstellung von Zeich­nungen ber Handwerker- unb Zeichenschulen in Alsselb sinb 5 erweiterte Handwerkerschulen und 20 SonntagSzeichenschulen behelligt, der Eindruck dieser Ausstellung sei ein durchaus befriedigender, besonders seien auch die oberhessischen Schulen in erfreulicher Entwickelung begriffen- die LanbeSbaugewerk- schule Darmstabt konnte sich leider beß nur in geringem Maße zur Verfügung stehenden Raumeß wegen an der Auß- stellung nicht beteiligen. Eine Aenderung im Lehrplan wird die Landeßbaugewerkschule insofern erfahren, alß die Prüfungen anstatt im Frühjahr im Herbst abgehalten werden sollen. Einige, Handwerkerschulen haben durch Neueinführung von Unterrichrßgegenständen eine erhebliche Erweiterung erfahren, u. A. diejenigen von Erbach, Bensheim, Umstadt- auch ein- gehende Erhebungen über bie Frage der Errichtung einer Webeschule in Oberhrssen Haden stattgefunden. Der allgemeine Bericht erwähnt die demnächste Eröffnung beß Neubaueß Großh. Centralftelle- der Mitglieberstanb beß Lanbeßgewerbe- vereinß hat die Zahl von 5500 erreicht, ber Vorsitzenbe constatnte schließlich, baß der Vorwurf, ber Verein habe eine bureaukratische Spitze, ungerechtfertigt sei- bei ber Auß- dehnung beß Vereins, bei den zu berückfichtigenben vielseitigen Verhältniffen fei ganz unmöglich, einen Verein, wie ben

| ßanbeßgewerbeoerein, dureaukratisch zu leiten; Herr Geh. Baurath Dr. Sonne erklärte, baß er sich in dieser Hinsicht alß erster Diener beß Vereins betrachte.

Hierauf begründete in längerer Ausführung Herr Rechts­anwalt CaIlm ann-Alzey feinen oben erwähnten Antrag In Betreff der Handwerkerkammern. Er ist der Ansicht, daß im Landesgewerbeverein und in den Ortßvereinen Alles baß erstrebt und auSgefÜhrt werden könne, maß von den Hand- werkerkammern, wie sie in Preußen geplant, erwartet werde - die Handwerkerkammern würden, weil für sie die Beitragßpflicht gefordert werde, die kleinen Handwerkervereinigungen, wie man sie in Hesien in den Ortßvereinen habe, vernichten- gerade bie Interessen beß Handwerkß auf bem Lande müßten ge­fördert werden durch locale, nicht durch Berufsfächer zer­gliederte Organisationen- fachliche Verbände sollten nur für baS ganze Land errichtet und diese durch Commissionen der OltSvereine gebildet werden. In keinem Lande hätten die Innungen, als welche man füglich die Handwerkerkammern betrachten könne, fo wenig Fortschritte gemacht wie in Hessen, beweise die-, daß die Handwerker mit den bestehenden Organi­sationen bei unS zufrieden seien - sein Wunsch fei: allgemeine Organisation der Handwerker in localen Vereinen, Einsetzung von Fachcommisfionen für daS ganze Land- müsse durch Vervollkommnung und Ausbau ber bestehenden dahin gestrebt werden, daß Hessen, falls die Frage der Errichtung von Handwerkerkammern im BundeSrath behandelt werde, sagen könne: daß, maß unß die Handwerkerkammern bieten können, haben wir schon. Referent bittet die Erschienenen, seinen Antrag in wohlwollende Erwägung zu ziehen. Der Antrag beß Ortßvereinß Wormß auf Abänderung der §§ 123 und 124 der Gewerbeordnung wird von Instrumenten­macher Joch em-Wormß vertreten. Derselbe bezeichnete den Schutz, den diese Paragraphen den Arbeitgebern auß Contractbruch der Arbeiter bieten, für ungenügend, die Arbeit- geber erhielten in den seltensten Fällen Ersatz für den ihnen durch kündigungslose Lösung beß Arbeitsverhältnisses seitens ber Arbeiter zugefügten Schaben, weil von letzteren gewöhnlich nichts zu haben sei. Referent befürwortet, die Großh. Regierung zu ersuchen, im Bundeßrath für eine Aenderung der Paragraphen 123, 124 event. 124b und dahin zu wirken, baß bei Contractbruch nicht nur Schadenersatz zu leisten, sondern der Contractbrüchige auch zu bestrafen sei. Eine Diß cussion sand nicht statt, sollte nur den Mitgliedern Gelegen­heit gegeben werden, die Motivirung deß Antrags zu hören, um eventuell in ihren Vereinen darüber zu berathen.

DerBefähigungsnachweis im Handwerk" war daß Thema, welches hierauf Herr Reallehrer Kahl von Wimpfen in einem Vortrag behandelte. Redner krrtisirt, nachdem er baß Befremden über den verweigerten Empfang einer Handwerkerdeputation bei bem Kaiser geäußert, bie Beschlüsse beß letzten Hanbwerkertageß zu Halle in Betreff beß Befähigungßnachweiseß. Die Schädigungen, welche baß Handwerk so vielfach erfährt, sucht Redner nicht in dem Mangel einer Maßregel, wie sie ber Befähigungßnachweiß bieten soll, sonbern in der unvollkommenen Organisation unserer gesellschaftlichen Verhältnisse- der technisch unb maschinell vervollkommnete Betrieb vieler Erwerbßzwrige hätte auch ohne Gewerbefreiheit viele kleine Existenzen ver­nichtet- weitere Schädigungen deß Handwerkß seien im Bau­schwindel, der Concourßorbnung, den Wanderlagern u. s. w. zu suchen, gegen welche Auswüchse nicht scharf genug vor­gegangen werden könne. Der feit Jahren in Oesterreich geforderte Befähigungsnachweis habe, wie über die Wahr- nehmungen einer von ber Regierung nach dort entfanbten Commission zu erfahren, den Verfall deß Handwerks nur verschärft. Die moralische Erscheinung, daß durch Forderung beß Befähigungßnachweiseß Jeder, der ein Gewerbe betreiben wolle, sich zu vervollkommnen suchen werde, verkennt gtebnn nicht, aber so wie man sich die Sache vorstelle, werde eS nicht kommen- der Kern sei ein guter, aber man solle mh dem Erbringen beß Nachweiseß früher beginnen, um schon den jungen Handwerker nach seiner Befähigung beurteilen zu können - tüchtige Lehrlinge und Gehülfen würden auch tüchtige Meister werben. Die erhoffte erziehliche Wirkung beß Befähigungßnachweiseß bezweifelt Redner; sei nicht ersichtlich, daß gerade auß Werkstätten der mit Befähigungß­nachweiß außgestaiteten Meister durchweg Guteß hervorgehe, hier sprächen noch andere Umstände mit- schlechte Arbeiten habe auch zu Zeiten der Zunft gegeben; die Beibringung des Besähigungßnachweises für Richter, Aerzte, Apotheker u. s. w., auf welche die Anhänger deß Befähigungsnachweise- hinwiesen, fei begründet in der Verantwortung genanrier Berufe für das Wohl der Menschheit- er könne sonach nur zugestehen die Forderung beß BesähigungSnachweiseß für baß Banhandwerk. Auch die Annahme, daß der erbrachte Befähigungßnachweiß baß Handwerk vor übermäßiger Concurrenz schütze, sei nicht stichhaltig. Die Concurrenz habe andere Ursachen, nicht zum wenigsten unter den Handwerkern selbst, ferner in der Gesängnißarbeit, den Militärwerkftätten, tn der Ueberlegenheit der Jntclligenz, der Maschinen- den Schäden konnte besser durch von höherer Einsicht geleitete Selbsthülse begegnet werben. Redner zählt eine lange Reibe von Nachtheilen auf, die die Einführung beß Befähigung-- nachweiseß mit sich bringen würde unb zwar für daß Hand­werk selbst, wieß auf die Unmöglichkeit der strengen Ab­grenzung von Fabrik- und Handwerksbetrieb, sowie bet verwandten Erwerbszweige hin unb bezeichnete schließlich die Forderung alß eine Gefährdung der Gewerbefreiheit - die Nachtheile, die der Befähigungßnachweiß den Handwerker» bringe, feien größer wie die Vortheile und rathe er dringend, 'm Interesse beß Hanbwerkeß abzusehen von derartigen Projecien. fand nur eine kurze DiScnsfion statt, an der sich die Herren Mach Ul-Alzey und Petri-Gießen de- theitigten, worauf ber Vorsitzende conftatirte, daß man im Allgemeinen wohl mit den Ausführungen deS Herrn Sahl einverstanden fein könne, ohne denselben in allen Punkte« zuzustimmen.

Bei ber hierauf stattfindenden Ausschußwahl wurde« für vier in der Provinz Starkenburg durch Tod auSgeschie-