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Samstag den 7. September
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Die Gießener
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Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphifches Correfpondmz-Bureau.
Berlin, 5. September. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht daS Gesetz, betreffend die Bewilligung von Staatsmitteln zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der Arbeiter, die in staatlichen Betrieben beschäftigt find, und von gering besoldeten Staatsbeamten. Ferner einen Erlaß, betreffend die Uebertragung der Verwaltung der auf Grund des Gesetzes vom 16. Juli 1895 in daS Eigenthum des Staate- übergehenden Eisenbahnen an die Eisenbahndirection Erfurt, sowie daS Gesetz, betreffend daS Pfandrecht an Privat Eisenbahnen, Kleinbahnen und die Zwangsvollstreckung an diese, vom 9. August 1895.
Kiel, 5. September. Bei den gestrigen Marineübuvgen In der Strander Bucht kenterte eine Gig mit mehreren Insassen. Hierbei ertranken zwei Matrosen. ES find dies der Obermatrose Hieber vom Panzerschiff „Wörth" und der Obermatrose KlereS vom Panzerschiff „Kurfürst Friedrich Wilhelm".
Esten, 5. September. Der König von Württemberg ist heute Nachmittag, nachdem er die WohlfahrtS- einrtchtuogen des Krupp'schen Etablissements besichtigt und in der Villa Hügel dinirt hatte, wieder abgereist.
Oldenburg, 5. September. Die feierliche Beisetzung der Erbgroßherzogin fand heute Vormittag im Groß- herzoglichen Mausoleum im Beisein des ErbgroßherzogS, deS Großherzogs, der Prinzessin Friedrich Carl, des Herzogs und der Herzogin von Connaught, der Erbprinzesfin von Meiningen und vieler anderer Fürstlichkeiten, sowie der Gesandten und Vertreter vieler ausländischer und deutscher Höfe statt. Ais Vertreter des Kaisers war Prinz Friedrich Leopold, der Bruder der Erbgroßherzogin, erschienen.
Paris, 5. September. Der Bericht des Ackerbau- Ministeriums schätzt die diesjährige Weizenernte auf 119 Millionen Hectoliter.
Paris, 5. September. Heute Nachmittag 3 Uhr wurde rin dürftig gekleidetes Individuum an der Einfahrt des Bankhauses Rothschild überrascht, als es die Zündschnur einer Bombe anzündete. Das Individuum warf die Bombe hin, ohne daß sie explodirte. Der Thäter wurde nach heftigem Widerstande von den Polizisten festgenommen, verweigerte aber die Namensnennung. Nach vorgefundenen Utensilien dürfte der etwa 25jährige Verhaftete ein Barbier- gehtlfe sein. Der Polizeipräfect Leptne begab sich' an den Thatort zur Leitung der Untersuchung. Die Präfectur bewahrt Stillschweigen, sie scheint ein anarchistisches Attentat zu vermuthen. Die Bombe wurde dem Chemiker Girard zur Untersuchung übergeben.
Feuilleton.
Mein Freund Detlev.
Don E. Fahrow.
(Schluß.)
Da erfuhr ich denn, daß der eigensinnige alte Mann am Krankenbette seiner Tochter, in einer Stunde der Angst, daß er sie verlieren könne, ihr Folgendes versprochen hatte: „Wenn Du meinst, daß der junge Windbeutel von Re> ferendar wirklich aushält, selbst wenn er ganz, versteh mich wohl, ganz ohne jede Nachricht von Dir bleibt, so will ich Dir eine leise Möglichkeit eröffnen, eines Tages mit Respect zu melden, Frau Affefforin zu werden. Ich bin nicht undankbar. Laß den jungen Herrn eines Tages irgend etwa- thun, was mich ihm zu ewigem Dank verpflichtet, — zum Beispiel mein Leben retten oder mein brennendes Haus löschen oder sonst eine ähnliche, mich persönlich berührende Heldenthat begehen, — so will ich Euch meine Einwilligung geben. Ich sehe ja doch, daß Du einen Anderen nicht Heiratheft."
Florence hatte anfänglich betrübt den Kopf finken hflen — das alles war ja der reine Hohn und Spott und nur gesagt, um sie zu foppen. Dennoch ergriff nach und nach eine beffere Zuversicht ihr Herz und mit der geistigen Spannkraft überkam auch ihren Körper wieder die alte ^"^Jetzt hatte ich geschrieben, sie sah, daß ich treu aus- gehalten hatte, und sie flüsterte mir nun ihren listigen Plan ins Ohr.
Erschrocken fuhr ich in die Höhe.
„Aber das ist ja höchst gefährlich," rief ich. „Florence, wir können beide das Leben dabet verlieren."
„Und was schadet daS?" schmeichelte sie. „Lieber möchte ich sterben, als so wie bisher weiterleben. — Du
Paris, 5. September. Der Urheber des Attentats gegen das Bankhaus Rothschild sieht dem Anarchisten PauwelS, dem Urheber des Attentats in der Madeletnekirche, ähnlich. Der Attentäter erklärte, er wäre überzeugter Anarchist und hätte die Bombe selbst hergestellt, er habe die Zündschnur mit einer Cigarrette anzünden wollen, die Asche der Cigarrette verhinderte aber, daß die Cigarrette mit der Zündschnur in Berührung kam. Die Bombe wird morgen am Tage von dem Chemiker Girard untersucht.
Depefchcn deS Bureau „Herold".
Berlin, 5. September. Der Kaiser wird heute Abend 11 Uhr von der Wildparkstation nach Swinemünde abreisen. Die Ankunft daselbst erfolgt morgen früh 3*/4 Uhr.
Berlin, 5. September. Wie die „Nordd. Allgem. Ztg." hört, hat Reichskanzler Fürst Hohenlohe Schloß Werkt verlassen und verweilt zur Zeit auf seiner bei Minsk gelegenen Besitzung. Der Reichskanzler hat die Absicht, sich von dort vor seiner Rückkehr nach Deutschland zu kurzem Aufenthalt nach Petersburg zu begeben. Seiner Rückkunft wird am 15. d. M. entgegengesehen.
Berlin, 5. September. Der „RetchSanzeiger" gibt heute amtlich bekannt, daß am 2. Deccmber wiederum eine allgemeine Volkszählung im Deutschen Reiche stattfindet. Dieselbe gelangt in ähnlicher Weise zur Ausführung, wie die früheren Volkszählungen. Jedoch werden diesmal die vorübergehend aus ihrer Haushaltung abwesenden Personen nur dort gezählt, wo sie sich am ZählungStage befinden. Hierdurch wird die ganze Aufnahme wesentlich erleichtert.
Berlin, 5. September. Wie ein Provinzblatt erfährt, ist auch dem Fürsten Bismarck eine Einladung zu dem Festessen in Stettin zugegangen, welches der Kaiser den Vertretern der Provinz Pommern am 9. September gibt. Der Fürst hat indeß mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand abgelehnt.
Berlin, 5. September. Dem „Kleinen Journal" wird aus Sofia telegraphirt, Georgewitsch, einer der Mörder Stambulows, sei aus dem Gesängniß entflohen.
Berlin, 5. September. Die „Kreuzzeitung" leitartikelt heute nochmals über den Trinkspruch des Kaisers am Sedantage und kommt dabei hauptsächlich auf den in der Morgennummer der „Nationalzeitung" gebrachten Artikel, der ebenfalls den Kaisertoast behandelte, zu sprechen. Das Blatt gibt seiner Freude Ausdruck, diesmal bis zu einem gewiffen Grade mit der „Nationalzeitung" übereinstimmen zu können und sagt, die Regierung müffe ihr unerläßlich erscheinende Grundsätze eines gesetzlichen Vorgehens gegen die Ausschreitungen der Socialdemokratte ausstellen, ob als spcciale oder
nicht auch? — Und überdies steht Gott den Liebenden bei! Set nicht verzagt, ich werde es schon geschickt anfangen."
Ich zog mich für den Abend auf mein Zimmer zurück, um dem alten Herrn nicht zu begegnen. Für den nächsten Vormittag war ein längerer Ausflug geplant und da sollte unser tollkühnes Vorhaben ausgesührt werden.
Golden lag am nächsten Morgen die Sonne auf dem glitzernden Schnee der Alpen. Beim Frühstück hatte ich mich mit einigen Herren bekannt gemacht und meine Theilnahme an der beabsichtigten Partie kundgegeben. Niemals werde ich daS erstarrte Gesicht von Florences Vater vergeffen, als er mich vor der Hotelthür erblickte.
Ich nahm den Hut ab und erkundigte mich nach seinem Befinden, und er war so überrascht, daß er mir höflich antwortete, eS gehe ihm gut. Gleich darauf trat er jedoch an Florences Seite, die mir einen zärtlichen Blick und einen leisen Wink mit der Hand zuwarf.
Die Gesellschaft — wir waren etwa zwölf Personen — setzte sich in Bewegung; eS sollte ein flaches, schräges Gletscherfeld besichtigt werden, welches sich, wie man behauptet, sichtbar verschoben habe. — Florence ging rüstig voran und stand bald als die erste am Rande deS Eisfeldes. So sah ich sie wieder zwischen EiS und Schnee wie sechs Jahre vorher im heimischen Thiergarten- ihre goldrothen Löckchen nickten wieder um die klare Stirn und ihre Augen suchten mich. — Einige kühne Herren traten auf das Eis hinaus, wurden aber von dem Führer des Hotels gewarnt: wenn man auSglitte, fei man verloren, am anderen Ende deS Gletschers klaffe eine Schlucht.
„Also ist es hier sehr gefährlich?" fragte Florence, indem sie von ihrem Vater einige Schritte forttrat.
Ein SchreckenSschret antwortete ihr, denn sie war auf dem glatten Eise ausgeglitten und rollte nun hilflos die abschüssige Bahn hinab.
Der alte Herr wollte ihr ncchstürzen, wurde aber von
allgemeine Gesetzgebung gedacht, ob allein im Reich oder auch in Preußen, laffe sie, die „Kreuzzeitung", für jetzt dahingestellt sein. Gelinge es aber im Reichstage nicht, daS ihr gesteckte Ziel zu erreichen, so löse sie den Reichstag aus und appellire an daS Volk. Sollte aber auch dies vergeblich sein, nun dann freilich könne die Nothwendtgkeit sich aufdrängen, an die Treue und den Muth deS Heeres zu apprlliren. Am Schluffe des Artikels drückt die „Kreuzzeitung" noch den Wunsch aus, daß es aber doch dazu nicht kommen möge.
Köln, 5. September. Der Afrikareisende Dr. Baumann ist heute Nachmittag im hiesigen Augusta-HoSpital am Schwarzwaffer-Fteber gestorben.
Rom, 5. September. Mehrere Cardtnäle, darunter der deutsche Cardinal Steinhuber, hatten dem Papste mit- getheilt, daß sie aus Gesundheitsrücksichten den Vatican ver- laffen würden. Der Papst ersuchte nun dieselben, ihre Abreise bis nach dem 25. September aufzuschieben, damit sie während der Festlichkeiten in Rom noch im Vatican anwesend seien.
Nürnberg, 5. September. Die socialistische „Fränkische Tagespost" ist wegen eines Artikels über die Kaiserrede confiScirt worden.
Rom, 5. September. Die Lage auf Sicilten wird mit jedem Tage schlimmer. Die Nachricht, daß die Socialisten Defelice, Barbato und BoSco nicht in die Amnestie einbegriffen werden, hat große Erregung hervorgerufen. Man bereitet eine Bittschrift an den König vor, in welcher die Freilassung der Genannten gefordert werden wird.
Ancona, 5. September. Im Bade-Etablissement Marotui stürzte eine ins Meer gebaute Plattform ein, wobei 64 Personen ins Wasser fielen. Dieselben wurden sämmtlich gerettet. Nur zwei erlitten schwere, mehrere andere leichte Verletzungen. M
Paris, 5. September. Der russische General Dragomiroff wurde gestern vom Kriegsminister empfangen. Darauf wurde derselbe vom General Saussier eingeladen. General Dragomiroff wird der Gast des Gouverneurs von Paris sein und wird ebenso wie Prinz Nicolaus von Griechenland den Manövern im Hauptquartier beiwohnen, um in keiner Weise Beschränkungen unterworfen zu sein.
London, 5. September. Auf dem Trade-Unionisten- congreß wurde eine Resolution angenommen, welche die Einführung des Achtstundentages verlangt. Ferner gelangte eine Resolution zur Annahme und zwar mit allen gegen eine Stimme, welche die Abschaffung der Lordkammer fordert.
Rustschuk, 5. September. Infolge der Entdeckung eines auf den Fürsten Ferdinand geplanten Attentats ist derselbe mit seiner Familie und dem Hofstaate Nachts nach
seinen Nachbarn festgehalten, während ich, blindlings meinem Stern vertrauend, hinter Florence hersprang. — Vier, fünf eilige Sätze brachten mich vor die Gleitende und ich konnte sie nun aufhalten, wenn ich auch selbst dabei in die Kniee stürzte.
Man rief mir zu, mich nicht zu rühren, und wirklich verharrte ich auch regungslos neben meiner halb ohnmächtigen Florence. Mit Stangen und ausgebreiteten Plaids holte man uns dann zu der Gesellschaft zurück, wo ein Sturm deS Jubels und der Glückwünsche uns empfing.
Florences Vater lehnte aschgrau an einem Felsen. Er zog sein Kind in die Arme und hielt es lange athemlos anS Herz gedrückt. Als er endlich wieder sprechen konnte, wandte er sich zu mir:
„War dar eine Verabredung?"
„Ja, Papa," sagte Florence freimüthig. „Detlev ist gestern Abend angekommen, da sagte ich ihm, daß Du unS Deinen Segen geben würdest, wenn er Dich durch irgend eine Thal zu ewigem Danke verpflichten würde- jetzt hat er mir das Leben gerettet — ist Dir das genug?"
Der alte Mann zitterte noch immer. „Ja," sagte er, „eS ist genug. — Kind, Du wärest wirklich zerschellt ohne ihn, weißt Du das?"
„Gewiß," meinte Florence kaltblütig. „Das wird Dir hoffentlich zeigen, wie ernst wir eS meinten."
Der Alte schwieg und wir fielen uns trotz der versammelten Leute in die Arme. — So kam eS, daß wir uns endlich „kriegten" wie im Märchen."
Detlev schwieg und goß mir ein GlaS Sherry ein.
„Du," sagte ich, „wie kam eS denn, daß Du auf dem EiS nicht auSglittest?"
„Ich? Ich hatte Eisftacheln unter den Sohlen," sagte er einfach.


