lodung gut unb sagt, die Regierung verbiene keinen Borwnrf eo* franzvfischen Patrioten. — Der ^GauloiS" führt an-, mau müßte consequent bleiben; wenn man Frieden wolle, müsse man auch Alle« thun, um Frteben aufrecht zu erhalten. Die SouSblätter, Libre Parole, Jntransigeant re., greifen natürlich die Regierung wegen ber Annahme der Ein- labung an.
CotaUs nnö provinzieller.
Gieße», ben 6. März 1895.
• • ProvinzialauSschuß-Sitzung. Samötag ben 9. März b. I., Vormittags 9 Uhr beginnen!), finbet im Regierung-« gebäube dahier eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschuffes ber Provinz Oberheffen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Beschwerde des Heinrich Seid von Bad Nauheim wegen Heranziehung zu den Rohen der Herstellung von A-phalttrottoirS. 2. Gesuch de- Georg Hacker zu Fauerbach bei Friedberg um Erlaubn'h zum Betriebe einer Schankwirthschaft. 3. Die Anlage von Canälen zu Hungen, hier R^cur» de- Jacob Sulzbach daselbst gegen einen Polizeibefehl de- Großh. KreiSamtS Gießen.
Vortrag de- Herrn Iusti-rath Dr. Reah über daS bürgerliche Gesetzbuch. In der Monateversammlung des nattonalliberalen Verein- wird Herr Justizrath Dr. Reatz über ein.elne politisch wichtige und interessante Fragen und deren Regelung im Entwürfe zum bürgerlichen Gesetzbuch sprechen. Da Herr Dr. Reatz unzweifelhaft einer der besten Kenner de- Entwurfes ist, gibt er doch im Auftrage des deutschen Anwalivereins eine Gegenüberstellung der beiden Lesungen deS Entwurfs M't Erläuterungen heraus, so dürste dcr Voitrag da- Jntereffe weiterer Kreise unserer Bürgerschaft verdienen. Der Vortrag findet am 12. l. MtS., Abends 8V2 Uhr, im Saale deS Casö Ebel statt.
* • Neue- Theater. Wir machen darauf aufmerksam, daß heute Mittwoch Abend die zweite und letzte Aufführung deS Ausstattungsstückes „Die sieben Raben" statlsindet.
* * Fürst Bitmarck alS Ehreamitglieb bet Hasfia. Den zum Landesverband der „Hasfia^ gehö enden nahezu siebenhundert Kriegervereinen ist eS ein Herzensbedürfn ß, an dem 80. Geburtstage deS Fürsten BiS m ar ck öffentlich Zeugniß von der bohen Verehrung und unauslöschlichen Dankbarkeit ablegen zu dürfen. Im Einverständniß mit dem Allerhöchsten Protektor des Verbände-, Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog, hat daS Präsidium beschlossen, dem Fürsten BiSmarck auS diesem Anlaß die Ehrenmitgliedschaft deS Landesverbandes der Kiiegerkameradschaft „Hassia" an« zubieten.
Befitzwechsel. Der Kaufmann Friedrich Bang verkaufte sein SelterSweg 25, Ecke Matgaffe gelegenes Haus für den Preis von 28000 Mk. an den Eigarrenhändler Wilh. Semmler dahier.
* • Gaöpreise. In dem „Statistischen Jahrbuch deutscher Städte" findet sich eine Zusammensullimg aus den 43 grüßten deutschen Städten über die Ga-preise Ende 1892—93. Es geht daraus hervor, daß Esten, Stettin, Köln und Frank fnrt da- billigste, Augsburg, München und Darmstadt da- theuerste Leuchtgas haben. An Private betragt der Preis des Kub kmcterS: in Esten und Stettin 15, In Köln 15—16, in Frankfurt 15,7, Berlin, .Königsberg, Düsseldorf, Aachen, Dorimund, Hannover, Charlottenburg 16, in Dresden und Danzig 17, in Barmen und Potsdam 17,5, in Halle, Braun schweig, Karlsruhe, Erfurt. Magdeburg, Lübeck, Chemnitz, Leipzig und Hamburg 18, in Posen 19, in Crefeld 19,4, in Stuttgart, Mainz, W e-baden, Metz, Altona, Nürnberg und Bremen 20, in Darmstadt und Augsburg 22 und in München 23 Pfg. — In Gießen kostet der Kubikmeter Leuchtgas 22 Pfg. bet Abnahme bis zu 1000 cbm jährlich - dieser Preis vermindert sich um 10% bei Abnahme von über 10000 cbm.
• • Eivjahrigeu-Ptüfung. In der vorgestern in Darm« studt zu Ende gegangenen Prüfung für einjährig Freiwillige sind von 24 Candidaten 9 bestanden. Außerdem hatten sich der Prüfung 3 Leute gemäß § 89 Pos. 6 der Wehr-Ordnung unterzogen, von denen 2 bestanden sind.
• • Bon hessische» Behörde» werden steckbrieflich verfolgt: Die Dienstmagd Anna Appel auS Ulrichstein, zuletzt in Gießen, vom AmtSanwalt in Gießen wegen Unterschlagung- Hausbursche Daniel Braun aus Etschberg (Pfalz), zuletzt in Frankenthal, vom AmtSanwalt in Gießen wegen Diebstahls - Bierbrauer Franz Otto Fischer auS Treuen vom Amtsgericht Friedberg wegen StrasvollzngS- Bäcker Michael »ilz auS Ludwigshafen vom AmtSanwalt in Friedberg wegen Unterschlagung; Gustav Rohr auS Halle alias Euge- niuS Lenz auS Lieblos, vom Amtsgericht Herbstein wegen Strafvollzugs.
Butzbach, 5. März. Unsere Garnisonfrage ist im Reichstage wieder einmal berührt worden. Gelegentlich der veratbung deS M'litäretatS kam unser ReichStagSabgeord- neteT Herr Graf Ort 0 la u. A. auch kurz auf die beabsichtigte Verlegung der beiden hier garntsonirenden Dragoner« EkcadrvnS zu sprechen und bat hierbei um Forterhaltung der hiesigen Garnison im allgemeinen Jntereffe, und Aufstellung einer Uebersicht über die CasernemcntS, dir brauchbar sind, die aber nicht mehr benutzt werden. KriegSmin«ster Bronfort v. Schellendorf erklärt hierauf auf ersten Pasta-: Die den beiden Schwadronen in Butzbach vorgesetzten Behörden haben seit langen Jahren im Jntereffe der Ausbildung auf die Verlegung der beiden Schwadronen gedrungen. Es liegen dort, wie sich die Militärverwaltung überzeugen mußte, thatsächliche schwere Mißstände vor. ES ift vorläufig ermöglicht worden, eine Schwadron von Butzbach »ach Darmstadt zu verlegen, ohne daß Mehriorderungen entstehen. Wann die zweite Schwadron verlegt werden wird, ist noch nicht festgestellt. ES ist auch noch nicht der Befehl zur Verlegung der ersten Schwadron gegeben, er kann aber vielleicht demnächst erfolgen.
W. Rieber-MockSodt, 5. März. Bei ber gestern hier abgehaltene» Holzverftetgernng wurde der Raummeter erstclaifigeS Buchen« Scheitholz im Durchschnitt mit 10 Mark bezahlt. Vor etwa 4 Wochen kam ein Raummeter Holz der gleichen Qualität im etwa 1% Stunden von hier entfernten Ranstädter Wald auf 6 Mk. 50 Pfg. Diese über fünfzig« procentige Steigerung ist zweifellos auf die Februarkälre znrückzusühren, welche die Holzbestände ganz bedeutend Der» rtngerte, hier und da sogar vollständig auszehrte.
-n. Bo» ber Nidba, 4. März. Erfahrene Jäger befürchten, daß unter den Rehen infolge der auSgestandenen, durch Hunger und Kälte verursachten Roth, eine verheeren de Seuche auSgebrochen sei. Verschiedene That- fachen sprechen für die Richtigkeit dieser Annahme Man trifft näml'ch trotz angewandter Fütterung Rehe an, die sich kaum noch fortbewegen können und vollständig trübe Augen haben. In N eder-Florstadt biß ein Hund eine RebgeiS auf dem Felde todt. Der Finder unterschlug sie, aß mit seiner Familie von dem Fleisch und alle Glieder derselben wurden krank. Bei einer durch die Gendarmerie vorgenommenen Haussuchung sand man daS Fell, und so wird sich der Mann nun auch noch wegen Wilddieberei zu verantworten haben. In Stammheim fanden die Holzmacher am Samstag einen noch gut genährten Rehbock, der sich nickt mehr von der Stelle bewegen konnte. Sie banden ihn lose an und machten dem Jagdpächter von dem Funde Anzeige. Kurze Zeit darauf war daS Thier verendet. In einer Sandgrube bei Staden sah man mehrere Tage hintereinander zwei Rehböcke, von denen der eine fick kaum noch fortbewegen konnte. Jetzt kommt nur noch einer dahin. Die hier und da im Walde aufgefundenen Thterleichen haben überdies nicht den Anschein, als ob die Thier» infolge von Hunger zu Grunde gegangen wären.
0. Guazenau, 4. März. Der älteste Sohn des ehemaligen hiesigen Bürgermeisters Möller, welcher als Post- Assistent in Darmstadt steht und bei seinen Eltern auf Besuch war, hat sich gestern in seinem Zimmer eine Kugel in den Kopf geschossen. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte die im Kopfe sitzende Kugel n-cht entfernen, sodaß nach seiner Angabe der Tod über kurz ober lang eintreten wird. WaS den jungen hoffnungsvollen Mann zur That getrieben, ist noch unaufgeklärt.
Seligenstadt, 4. März. Ein fahrender Schcerenschleifer hielt vorgestern mit seinem Hundefuhrwerk vor unserer Stadt. Die loSgebundenen drei Hunde suchten das Feld ab, und scheinen dabei vergiftetes Fleisch gefunden und Der schluckt zu haben. Kurze Zeit darauf verendeten die drei Hunde unter augenscheinlichen Vergiftungssymptomen. Der arme Scheerenkllnftler erleidet durch den Verlust feiner Zughunde einen empfindlichen Schaden.
Verhandlungen des Schwurgerichts.
W. Gieße», 5. März.
Um 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende Herr Landgerichts- rath Dr. Best die Verhandlung gegen den ctßieftnroäTter August Huhn wegen Meineid. — Die Anklagebehörbe vertritt der Erste Staatsanwalt Herr Dr. Güng erich, die Vertheidigung führt Herr Rechtsanwalt Kell er-Friedberg. In der Sache sind 15 Zeugen geladen, von denen 14 erschienen sind. Angeklagter gibt bei Feststellung seiner Personalien an, in Oppenrod geboren, 34 Jahr alt und 3 Mal wegen Mißhandlung unb Körperverletzung vorbestraft zu sein. Vorsitzender Herr Landgericht-raih Dr. Best referirt zum defferen Verständniß der Herren G-schworenen Folgende-: Am 26. Mai 1894 soll nach dcr Darstellung deS Huhn Wilhelm Heil und Wilhelm Rühle von Kaichen mit einem Einspänner-Fuhrwerk vor der HauSthUr ber Frau Walter in Bauernheim gehalten unb dort soll Heil da- Pferd derart geschlagen haben, daß der Angeklagte Aergerniß daran genommen und stark gepfiffen hat, um der Thierquälerei ein Ende zu machrn. Gleich darauf ist das Fuhrwerk an dem Hau- deS WiefenwärterS vorbei gefahren und hierbei soll Rühle da- Thier über die Gebühr mit der Peitsche behandelt und will Huhn den Beiden mahnend zugerufen haben, die Thierquälerei zu Unterlasten. Gleich darauf soll Huhn vom Vater deS Wilhelm Heil, welcher hinter dem Fuhrwerk her- gegangen kam, gefragt worden sein, was denn loS gewesen sei und dabei geäußert haben, der Bub (Heil- Sohn ist erst 15 Jahre alt), hat da- Pferd so geschlagen, worauf er die Antwort erhielt, die Sache würde wohl nicht so schlimm gewesen sein. Die beiden, Heil und Rühle, fuhren nach dem Kleeacker der Frau Walter, um Futter zu holen. Nach dort hin folgte der Wiesenwärter Huhn und sprach zuerst mit Heil jun., welcher ihm keine Antwort gab unb sofort ganz in die Nähe seine- BaterS ging. Bei diesem will Hahn sich nach dem Namcn de- Buden erkundigt haben und soll der alte Heil darüber eine Auskunft nicht habe geben wollen und gefragt haben, ob der Frager etwa die Polizei fei; eS hat bann eine AuSeinanderfttzung gegeben, wobei der Wiesen« wärter seinen Rock aufknöpfte und sein AmtSschild zeigte mit dem Bemerken, er sei noch mehr als die Polizei, worauf der alte Heil tn Bezug auf da- AmtSschild eine gerade nicht salonfähige Bemerkung gethan haben fall, welche der jetzige Angeklagte in derselben Manier abwihrend erwidert hat. Au» diesen Vorfällen entwickelten sich zwei Prcceffe. Der Angeklagte benuncirte ben jungen Heil unb Rühle wegen Thierquälerei und beide Heil» unb Rühle wegen Beleidigung. Der Sohn deS Heil unb Rühle erhielten einfach Strafbefehle, wegen btr angeblichen Beleidigungen ber beibcn (diese sollten ihn im vorbeisahren mit Du angerebet habe»), wurde er auf den Weg der Privatk.age verwiesen, gegen den alten Heil aber von ArntSwegen die Anklage erhoben. Rühle erhob gegen den ihm behändigten Straszetlel Widerspruch, weil er sich einer Thierquälerei nicht schuldig glaubte unb würbe vom Schöffengericht Friedberg kostenlos frei- gesprochen. Auch der alte Heil wurde trotz der eidlichen
Belastung bei Huh» wegen ber ihm zur Loft gelegte» Be leib gung vom Schöffengericht Friebberg freigesprochen, unb bei dieser Verhandlung in den Terminen am 28. August unb 18. September 1894 soll der Angeklagte in vier Fälle» wiffentttch falsches Zeugniß abgegeben haben. SS werde» den Geschworenen die bezüglichen Protocolle der schöffen- gerichtlichen Verhandlungen unterbreitet.
Die darnach den Geschworenen vorgelegten Schuldfragen sind auf Grund deS § 154 bei R.«St -G. wegen Meineid und deS § 157 Abs. 1, ob ber Angeklagte bei Angabe ber Wahrheit gegen sich selbst eine Verfolgung (wissentlich falsche Anschuldigung) wegen eine» Verbrechen» oder eine» vergehen» hätte herdeiführen können, formulitl.
Hieraus nimmt der Erste Staat anwalt Herr Dr. Güngerich da» Wort zur Begründung der Anklage und führt den Geschworenen noch einmal den ganzen Gang der Beweisaufnahme in kurzen Umriffen vor. AIS Motiv der That weist ber Ankläger darauf hin, daß der Angeklagte von ber Fra» Walter einen Klceacker erwerben wollte, den diese schon ihrem Neffen, dem alten Heil, unter sehr günft gen Bedingungen Überlasten hatte. Nun kommt im Mat der EtgenthÜmer del Ritt» von außerhalb nach Bauernheim gefahren, um dal Futter zu holen unb tn feinem Aerger hierüber fängt ber Angeklagte mit diesem Streit an; er will ihm wa» einbroicn und erstattet bte falsche Anzeige, deren Consequenz der geleistete Meineid ist. Der Erste StaatSanwa'.t bittet die Geschworenen, die an sie gerichtete Sckuldsrage wegen Meineid» voll unb ganz zu bejahen. Die Frage, ob ter Angeklagte bei Angabe der Wahrheit sich selbst eine Verfolgung wegen eine» Verbrechens ober Vergehen» nach sich ziehen konnte, ebenfalls zu bejahen.
Der vertheidiger, Herr RecktSanwalt Keller, plaibine für Freisprechung beS Angeklagten; er führte au», daß ber Dorsitzenbe be» Schöffenger ck S, welche- f. Z. ben alten Heil wegen ber Beleidigung fcetge prochen, heute Morgen unter feinem Eide bekundet habe, es fei diese» Urtheil nicht etwa gefällt, weil ber Angeklagte, ber bamalige Zeuge, einen unglaubwürdigen Eindruck vor Gericht gemacht habe, sondern lediglich, weil AuSiage gegen Aussage gestanden hätte. Die heutige Beweisaufnahme habe für ben Angeklagten nickt» Belastendes ergeben, e« fei nicht» weiter festgestellt, all wal vor dem Schöffengericht bereits feststand. Der Erste Staats- anwalt trat in feiner Erwiderung der Ansicht der Vertheidig- ung scharf entgegen und schloß feine Rede an die Geschworenen : Met.ie Herren! Verurthetlen sie den Angeklagten wegen Meineids, damit derselbe — unb auch Anbere — lerne und beachte, er habe menschliche» unb göttliche» Recht ganz flivol verletzt unb mit Füßen getreten. Herr Rechtsanwalt Keller trat hierauf noch einmal sehr warm für seinen Clienten ein.
Hierauf zogen sich die Geschworenen zur verathung zurück unb betraten nach halbstündiger Abweienheit wieder den Saal, worauf der Obmann, Herr Bansa, deren Wahr- sprach dahin verkündete, daß ber Angeklagte bei Meineid- schuldig, ihm aber die Milderung be» § 157 Abs. 1 zu Gute komme. Der Erste Staa'Sanwalt beantragte hierauf, gegen den Angeklagten auf 2 Jahr unb 6 Monat Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu erkennen. Der Verthetd'ger plaidirte um eine wesentliche Herabsetzung der Strafe. Der Angeklagte erklärte, er fei unschuldig.
Der Gerichtshof verunheilte denselben zu 1 Jahr 6 Monat Zuchthaus und Verlust der bürgetlidien Ehrenrechte auf 5 Jahr. Auf Befragen, ob der verunheilte die R-chts kraft des Urtheil- anerkennen wollte, erklärie derselbe, die» seinem Vertheidiger überlasten zu wollen, welcher eine «eußer- ung hierüber sich vorbehielt.
W. Gieße», 6. März.
Heute Vormittag verhandelte da» Schwurgericht in der Sache gegen Hieronymus Simon au« Ruhlkirchen wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, die Vertheidigung führt Rechtsanwalt Justizrath Batst. 17 Zeugen sind geladen, die Verhandlung fand unter Ausschluß ber Oeffentlichkett statt. DaS Urtheil werden wir morgen bringen.
vermischtes.
• Nürnberg. 2. März. Der größte, nach Würzburg bestimmte Po st beutel, der bei dem diesigen Postbiedstahl abhanden gekommen war, ist heute Morgen von einer alten Frau zwischen Steinen versteckt vor dem neuen Postgebäube gesunden worden.
• Schrecke» n»b kein Ende. Der bei ber Katastrophe ber „Elbe" gerettete Kaufmann Eugen Schlegel hat seine Reise nach Newyork auf ber „Umbria" nicht ohne einen neuen Schrecken fortsetzen können. Er ging in Southampton am 3 v. M. roieber an Borb. Eben trifft von ihm vom Borb del „(Sunarb Royal Mail Steamship Umbria* ein Brief über Newyork ein, batirt vom 6 v. M. Aus ber „Umbria" vernahm er wieder in der Nacht gegen 12»/, Uhr auf Deck laute Rufe, Hin« unb Herrennen; bte Maschinen blieben stehen, unb plötzlich ertönte der SckreckenSruf: „Schiff I in Gefahr!" Nachdem er sofort auf Deck gestürzt war, fotz er in kurzer Entfernung von ber „Umbria" die Ursache bei Schrecken» in einem befähigten Schiff, da» Rothfignale gab , unb dem der erste Mast fehlte. Die »Umbra* setzte ein Rettungsboot au», da» den Kapitän unb 16 Matrose», die ganze Bemannung de» beschädigten Sck'ffel, glücklich an Bord herüberbrachte. E» waren französische Seeleute, die m't einer Ladung Holz schon Sonntag vorher Sch ffdruch erlitten batten unb sich nur durch angestrengte» Pumpen und Arbeite» so lange über Master hielten. Herr Schlegel schreibt, daß bet solche» Schrecken, wie er sie erfahren mußte, bet Tod viel von seinem Granen verliere.


