Mr. 209
Freitag den 6. September
z 8K -
ießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger
Aints- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren
chratiskeikage: Hießener Jamitienötätter
Amtlichen T steil
tnderw,
ite an
7213
hier. Hjtttttjt
verwandelter Mann,
Kan-
Sinn für jugendliche Freuden.
seiner:
ernst, schwermüthig, ohne Er machte eine Station
rief ich in höchstem Erstaunen, gekommen? Warum hast Du
Alle Annoncen-Lureaux des In- und Lu-lande- nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Jagdpatroueu.
er, WäwO.
Die Gießener
Anmikien dkätter werben dem Anzeiger Wöchentlich dreimal brigelegt.
Der
-ießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS.
„Nun sage aber doch," — „wie ist denn das alles mir nicht geschrieben?"
Florence erwiderte statt
,eiL
ten, vorjähriger MM eines Neubaues mögW ulend unter Preis.
Slödner.
„Er hatte keine Zeit zum Schreiben. Wir hatten zu viel Glück nachzuholen. Ich werde Ihnen alles erzählen — oder Detlev, Du kannst das thun. — Ja, sehen Sie, das ist unser Baby! Ist es nicht ein StaatSkind? — Wir sind schon bald zwei Jahre verheiralhet. — Detlev, bitte, mach das Fenster ganz zu, es zieht ein bischen — so — da find wir schon zu Hause!"
Der sprudelnde Redeschwall der kleinen Frau versiegte auf einen Augenblick, als der Wagen anhielt. Wir stiegen auS und betraten die Billa des jungen Paares, welche in der Rauchstraße, mitten in einem großen Garten lag. — Welche geschmackvolle Pracht der Einrichtung! Ich brannte nachgerade vor Wißbegterde, das Nähere über diese Metamorphose in Detlevs Schicksal zu erfahren.
Als wir endlich behaglich in seinem großen Arbeitszimmer saßen, welches mit einer englischen Fensterthür in den Garten mündete, — Frau Florence hatte unS ein zierliches Gabelfrühstück anrichten lasten — erzählte mir Detlev mit kurzen Worten die Vorgänge, die fein Leben so um» gewandelt hatten.
wiegelung nicht zugänglich zu machen, eine fortbestehrnde Aufgabe der Regierung bilden, daß wir als die ArbeitSbaber, zu den wir unmittelbar aufgeboten sind, zur Niedcrkämpfung der auf die Verwüstung der vaterländischen und monarchischen Gesinnung deS deutschen Volkes abzielenden socialistischen Hetzpropaganda dastehen. Die „Post" wendet sich in scharfen Worten gegen die Socialdemokratie und knüpft dabei an die Stelle des Kaisertoastes an, in welchem es heißt, die Soctaldemokraten seien eine Rotte von Menschen, nicht wcrth, den Namen Deutsche zu tragen. Sie sagt: das vernichiende Wort ist aus dem Herzen deS deutschen Volkes gesprochen Von Volksgemeinschaft mit Männern, welche den greisen. Heldenkaiser mit schmachvollen Worten verfolgen, kann ernstlich nicht die Rede sein. DaS sind keine Deutsche, sondern Vaterlandslose. Alle Organe und Behörden müsten die Socialdemokratie rücksichtslos bekämpfen. Die bestehenden Gesetze und Einrichtungen müsten, soweit dies für diesen Zweck nicht genügt, verstärkt worden. Ein voller Ersolg aber kann nur dann erzielt werden, wenn alle Kreise unseres Volkes sich aus der optimistischen Duselei zu energischer Abwehr aufraffen. Möchten sich dre staaröerhaltenden Elemente zu einer festen Phalanx gegen die Socialdemokratie zusammen schließen. Der „ReichSbote" schließt einen längeren Artikel mit folgenden Worten: Wir sind der Meinung, daß eine energische Regierung den Reichstag jetzt unverzüglich einberufen und ihm eine neue Vorlage gegen den Umsturz machen sollte und wir find überzeugt, daß der Reichstag es jetzt unter dem Druck der entrüsteten öffentlichen Meinung nicht wagen würde, abermals eine ähnliche Vorlage abzulehnen, handelt es fich ja doch, daS hat uns gerade die Jetztzeit gezeigt, wo die Arbeiterwelt die nationalln Feste mitgefeiert hat, nicht um einen großen Theil deS Volkes, sondern nur um eine in den Händen weniger mit Gott und der Welt zerfallener Revolutionäre liegende Agitation in der Presse und in Vereinen.
Berlin, 4. September. Wie die „Berliner Corresp.,, schreibt, hat fich daS preußische Staatsministerium nach eingehender Prüfung der abgegebenen Gutachten, in Ueberein- stimmung der SraatSrathes, im Jntereste der Förderung und Erleichterung des Vieh Verkehrs, für allgemeine Einführung der auf den östlichen Staatsbahnen bestehenden niedrigen Viehtarife, in dem ganzen Staatöbahnnetz entschieden.
Befehl fortgesetzt Ausschnitte aus dem „Vorwärts" vorgelegt worden sein.
Berlin, 4. September. Die Nummern des „Vorwärts" vom 17. August und 1. September find co nfiSctrt worden. Beanstandet werden die Artikel „MilitartsmuS", „Sedanfeier" und „Aegirkirche". Der derzeitige verantwortliche Redacteur Max Pfund wurde verhaftet. ES soll gegen ihn wegen Verleumdung und Majestätsbeleidigung Anklage erhoben werden.
Berlin, 4. September. Der „Vorwärts" behandelt heute in ausführlicher, aber maßvoller Weise den Pastus der vorgestrigen Kaiserrede, welcher fich mit den Socialdemokraten beschäftigt. Dem Blatte ist unklar, wie die Befreiung von solchen Elementen vor fich gehen soll und was die Garde damit zu thun hat. Gutwillig schüttelten die Socialdemokraten den Staub nicht von den Füßen, also müßten fie mit Gewalt entfernt werden. Man commandirt nicht Soldaten zum Angriff auf Leute, die eine politische Agitation mit friedlichen Mitteln treiben. Daran habe doch wohl der Kaiser nicht gedacht. Eine Aufklärung über die Verwendung der Garde sei jedenfalls nöthig. Zum Schluß bedauert der „Vorwärts" die Haltung der liberalen Preffe der Kaiserrede gegenüber. — Das „Kleine Journal" schließt seinen Artikel mit den Worten, der Kaiser hat fich ohne Ansehen der Partei an sein Volk gewandt. Seinem feurigen Geiste find engherzige Parteiprogramme gewiß ein Gräuel. Möge daS deutsche Volk seinem Kaiser im entscheidenden Augenblick auch ohne die Vormundschaft irgend welcher Parteigrößen die richtige Antwort geben.
Berlin, 4. September. Die „Nordd. Allgem. Zeitung" bespricht in ihrer heutigen Abendnummer den Trinkspruch des Kaisers und sagt: der neue energische Appell, den der Kaiser an daS gesammte deutsche Volk, soweit es diesen Namen verdient, gerichtet hat, trifft nun auf ein geläutertes und durch merkliche Erfahrungen bester tnformirteS Urtheil, als dies früher der Fall war. Vor Allem ist es erforderlich, daß wir uns über den Grund des zunehmenden Mißerfolges bei Bekämpfung der Socialdemokratie klar werden. Wir weisen für heute darauf hin, daß Anklagen gegen frühere angebliche Mißgriffe der Regierung unS nicht helfen und nicht fördern können, daß wirthschaftliche Reform-Maßnahmen um bestimmte Schichten des Volkes der socialdemokratischen Auf-
Bekanntmachung.
betreffend: die Erwerbung des zum Bau der Nebenbahn Hungen—Friedberg erforderlichen Geländes.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung in obigem Betreff vom 30. v. M. bringen wir hiermit zur Kenntniß der Jnterestenten, daß der Antrag auf Einleitung des Enteignungsverfahrens nebst den betreffenden Geländeerwerbsplänen nicht, wie in der früheren Bekanntmachung angegeben, auf den Rathhäusern zu Inheiden ■ und Utphe, sondern auf den Büreaus der Gr. Bürgermeistereien daselbst, vom 6. bis zum 21. l. M., offen gelegt werden.
Gießen, den 4. September 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend: die Rothlaufseuche unter den Schweinen.
Die Rothlaufseuche unter den Schweinen in der Gemeinde Atzbach, Kreis Wetzlar, ist erloschen.
Gießen, den 3. September 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
„Junge!" rief ich, „Mensch! Detlev! Wo kommst Du her?"
Er lachte mich glücklich an,- das war wieder sein altes, sonniges Lachen.
„Geradewegs auS dem Paradiese," sagte er. „Komm mit, Du darfst auch hineinschauen."
Und er führte mich zu dem Landauer; darin saß Florence, blühend wie vor acht Jahren und ebenso jung auS- sehend. Auf dem Rückfitz aber thronte eine Kinderwärterin in bunter Tracht mit einem rosigen Baby im Arme.
Florence streckte mir die Hand entgegen.
„Ich erkannte fie gleich wieder," sagte fie herzlich. „Detlev hätte mir nicht erst zu sagen brauchen, wer Sie sind. — Wollen Sie nicht einsteigen? Wir fahren gerade nach Hause."
Natürlich stieg ich ein. Detlev setzte sich neben die Kinderfrau und ich mußte neben Florence Platz nehmen.
).7O ne
lehre
iultnfilitn
nach der andern durch und lebte wie ein Asket, um so viel Geld zusammenzusparen, daß er einstmals Florence nachreisen und von ihr hören könne, ob sie noch an eine Heirath mit ihm denke. — Nach Berlin war Florence seit damals nicht zurückgekehrt und nur durch jene Freundin von der Eisbahn hörte er zuweilen, daß sie lebe und fast gesund sei, daß fie nur aus eigenem Antriebe erklärt habe, nach Berlin nicht eher zurückkehren zu wollen, als bis ihr Vater seine tyrannischen Absperrungs» und Spionage»Maßregeln aufgehoben habe.
Alle« dies hörte ich auch nur brieflich von Detlev, da ich längst in die heimathliche Provinz zurückgekehrt war und als Affeffor hier und da ein Commissorium genoß.
Bor nunmehr einem Jahre gedachte ich einen kurzen Urlaub in Berlin zuzubringen und dabei meinen alten Detlev aufzusuchen, von dem ich seit fast zwei Jahren nichts mehr gehört hatte. Er hatte s. Z. baß Examen „mit dem Prädicat" bestanden und war in daS Ministerium des Innern eingetreten.
Während ich vergnügt in der klaren Winterluft die Thiergartenstraße hinaufging, um über die Linden nach dem Ministerium zu gelangen, fielen mir die hundert schönen Tage ein, die ich mit Detlev hier unter den bereiften Bäumen entlang geschlendert war. Der gute Mensch! Wie mochte eS ihm gehen?
Die Augen aufschlagend, bemerkte ich einen geschloffenen, eleganten Wagen, dessen Pferde im großen Trab auf mich zukamen. Mit einem plötzlichen Ruck — ich sah die Der- bindungsschnur am Aermel deS Kutschers zucken — hielten ste aber an, die Wagenthür wurde aufgestoßen, und — ich glaubte zu träumen — Detlev sprang heraus und geradewegs in meine Arme.
4 Norrefte 3
Depeschen deS Bureau .Herold'.
Darmstadt, 4. September. Der „Darmstädter Zeitung" .zufolge kehrt der Großherzog am Sonntag hierher zurück. Später treffen die Großfürstin Sergius von Ruß- i anb und die Prinzessin Heinrich von Preußen hier ein..,
Berit«, 4. September. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine größere Anzahl von Ordensverleihungen an höhere Offiziere. ES erhielten unter Anderen hohe Auszeichnungen: General v. Wittich, Commandeur des 11. Armeecorps, der Gouverneur von Mainz, General v. Ho lieben.
Berlin, 4. September. Wie der „Localanzeiger" zu melden weiß, sollen dem Kaiser in letzter Zeit auf seinen
S.iiertcfi3I)rigcr AOonKuntntsprcU? 2 Mark 20 Pfg. mit Brmgerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.
Redaktion, ExpcditioU und Druckerei:
SSukstratze
Fernsprecher 51. <
1 September ab g24 Math.
in 8'12 2-6 Uhr.
1,11 Koch.
Zahnarzt.
Flaschen enthalten a<*
MckKchitlll ldcrMW mstt.3mckmMtu.SMch den billigsten Preisen. 2011 200 Ltüä auf Lager.
1 Nr. 30
er.
Essig
SSä'S '"toeibenbeW empfahl- pischbacn.
L30 wird für die leere Flasch' Rückvergütet
„Du denkst, mein Schwiegervater habe endlich gutwillig nachgegeben? Weit gefehlt. Menschen wie er, die in Egois- muS aufgehen, können niemals gerührt, höchstens überlistet werden. Und überlistet haben wir ihn.
Du weißt, daß ich mit einiger Mühe nach und nach so viel Geld zusammensparte, daß ich meiner Braut nach DavoS, wo sie regelmäßig den Winter zubrachte, nachreisen konnte. Die Ungewißheit, in der ich meine Jahre zubringen mußte, hatten mich zu einem nervösen, gereizten und mißtrauischen Menschen 'gemacht.
Eines Tages also, als ich jene Freundin, die inzwischen verheirathet war, wiedersah, bat ich fie, daS erste und einzige Mal einen Brief an Florence zu befördern. Ich hatte inzwischen mein Examen gemacht, war inS Ministerium eingetreten, war indeß immer noch der arme Schlucker von vor fünf Jahren, der noch lange, lange nicht aus eigenen Mitteln einen Hausstand erhalten konnte.
Mein Brief ging also ab und acht Tage später hielt ich ein kleines Briefchen in meinen Händen. Florence schrieb nur wenige Zeilen - hier find fie."
Detlev stand auf und holte aus einer winzigen silbernen Truhe, die er aufschloß, ein kleines Billet heraus, daS lautete:
„WaS sind Jahre für unsere Liebe? Krank ober gesund, zwischen Gletschern ober unter egyptischer Sonne, immer, jede Stunde habe ich Dein gedacht. Komm, wenn Du kannst, ich kann Dich hier allein sprechen und will Dir, wie ich eß vor Jahren versprach, den Plan zu unserer endlichen Erlösung sagen. Ach, werden unsere Lippen fich noch heimfinden?
Dein unverändertes Lieb."
Detlevs Geficht trug einen verklärten Ausdruck, als er baß Briefchen toieber verschloß.
„Ich reifte also hin. Dieses Wiedersehen und wie fich unsere Lippen dennoch wieder „heimfanden" — baß find heilige Erinnerungen. — Florence sprach mich in einer stillen Nachmittagsstunde in ihrem eigenen Salon, während der ahnungslose Vater mit noch einigen Gästen des Sanatoriums einen Spaziergang im Schnee machte.
(Schluß folgt.)
VSer nng. bUnther
Mm
Soncorte. *
cker ““
«uti? besten,
ittw*”1
101***
bind<.
20**
Feuilleton.
Mein Freund Detlev.
Von E. Fahrow.
(2. Fortsetzung.)
Nun kamen elende Jahre für Detlev. Er war ein


