Ausgabe 
6.4.1895 Drittes Blatt
 
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Nr 82

Der $1*«" A-zeig" erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag»

Die Eießener IttrmtktenStäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Samstag den 6. April________________

Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

1S93

vierteljähriger KvouaemenlspretAe 2 Mark 20 Pfg. mit Vringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schukstraße Ar.7.

Fernsprecher 51.

Zlnrts- und Anzeigeblutt für den Kreis Gieszen

Hratisbeikage: chießener Kamikienbkätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den fügenden Tag erscheinenden Nummer bis Borin. 10 Uhr.

Deutsches Reich.

©erlitt, 4. April. Zwischen Berlin und Petersburg sollte derDraht" infolge der plötzlichen Abberufung des deutschen Botschafters v. Werder aus Petersburg abgeschnitten worden sein, wie speciell dieKöln. Bolksztg." zu melden wußte. So schlimm ist die Sache nun zwar gewiß nicht, immerhin scheint aber die Abberufung deS Generals von Werder eine gewisse Empfindlichkeit in den Petersburger Hsfkre'sen gegen den Berliner Hof hervorgerufen zu haben, besonders, da die Gründe für diesen Schritt noch immer mcht klar zu Tage liegen. Indessen stehr wohl nicht zu be­fürchten, daß die augenblickliche kleine Verstimmung zwischen Berlin und Petersburg nun auch auf das deutsch-russische Gesammtverhältniß bedenklich zurückwirken werde. Osfictöse Petersburger Meldungen erklären die Gerüchte von einer im Befinden des zur Zett in Algier weilenden Großfürften- rhronfolgers Georg eingetretenen Wendung zum Schlimmsten für unbegründet.

Sitzung der Stadtverordneten

am 4. April 1895.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Bel- geordneter Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten bit Herren Brück, Faber, Flett, Habentcht, Helfrich, Wiges- ftaedt, Homberger, Keller, Löber, Scheel, Simon, Schwall, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Am 6. April, Abends 8 Uhr, findet im Vereinslocale des Kaufmännischen Vereins eine Prüfung der Schüler der kaufmännischen Fachschule statt, zu welcher die Mitglteder des Stadtvorstandes eingeladen wurden.

Das Gesuch der Frau C. L. Rübsamen Wwe. ** Erlaubnih zur Anbringung eines Wegweisers nach den Bade­anstalten am Thorhaus der Neustadt wird genehmigt, die jährliche Anerkennungsgebühr auf 20 Pfg. festgesetzt.

Gegen die Anbringung eines Schaukastens Seitens des Herrn Zahntechnikers Frech am Hause Neustadt 1 hat die Versammlung nichts zu erinnern.

Das Gesuch des Herrn W. Plank um Erlaubnih zur Ueberwolbung der Stadtbach entlang seinem zu beiden Seite« desselben belegenen Eigenthum zwischen Tiesenweg und Bahnhofstraße wird genehmigt unter der Bedingung, daß die Ausführung der Ueberwölbung nach Angabe des Stadtbau' amtes erfolgt und Bauten auf oder neben der Ueberwölbung nur nach Genehmigung des Stadrbauamtes vorgenomme« werden dürfen- die Anerkennungsgebühr wurde auf 3 Mk. sestgesttz^^^r $$ hat um Erlaubnih jur Er-

um sie zum Rücktritt zu zwingen. In Zsagutbitsa feuerte ein Gehilfe auf den Vorstand, welcher Lärm schlug, worauf der Thäter die Flucht ergriff. In Gradtst wurden 70 liberale und rad-cale Wöhler grundlos verhaftet.

BreSlau, 4. April. Wie derBresl. Gen. Anz." von zuverlässiger Seite erfährt, conferirte dieser Tage ein schlesischer Magnat mit dem Cardinal Fürstbischof Kopp. Der Magnat fragte hierbei, wie Se. Eminenz über die Haltung des Cemrums bet der Abstimmung über den Antrag LevetzowS, betreffend die Bi-marck-Ehrung im Reichs­tage, denke. Der Cardinal antwortete, daß er die ablehnende Haltung des Centrums aufs Tiefste bedauere- auf die Frage des Magnaten, ob er von dieser Acußerung Gebrauch machen dürfte, erwiderte der Kirchenfürft:Ich stelle Ihnen an- heim, von meiner Aeußerung Jedem gegenüber beliebig Ge­brauch zu machen."

München, 4. April. Der Medicinal-Congreß setzte gestern die Discussion über die Heilserum-Behandlung zur Diphtherie fort. Es ergab sich hierbei folgendes Resumö. Es ist nicht eine einzige ausgesprochen schädliche Wirkung des Behring'schen Heilserums zu verzeichnen. Es macht sich t» der K>ankheitSerscheinung eine überraschende Befferung be­merkbar, ebenso ein Rückgang der Sterblichkeit. Da die wiffenschaftlichen Untersuchungen noch lange nicht abgeschlossen sind, sei eS Pflicht, in der Anwendung des Heilserums fort- zufahren und wettere Erfahrungen zu sammeln.

München, 4. April. In einer gestern Abend von den hiesigen Badern im Mathäserbräu einberufenen Versamm lung, in welcher über den Ladenschluß am Sonntag eine Einigung erzielt werden sollte, kam es gegen Mitternacht zwischen Prinzipalen und Gehilfen zu einer solchen Keilerei, daß acht Gendarmen einschreiten und den Saal räumen mußten.

Wien, 4. April. Das Wiener Extrablatt meldet aus Prag, daß ein großer Theil deS an der bayrischen Grenze belegenen Städtchens Neumark in die Erde zu ver­sinken droht. Eine Reglerungs Commiision ist dorthin abgegangen. Einzelne Häuser find bereits eingestürzt. Mehrere Straßen sind abgesperrt.

Paris, 4. April. Die medicintsche Fachschrift theilt mtt, daß ein neues Serum entdeckt worden sei und zwar zur Heilung der Lungenentzündung.

Paris, 4. April. Gestern wurden in Pantin, wo sich die größte Niederlage der Zündhölzer befindet, große Send­ungen belgischer Züadhölzer ausgeladen. Die Polizei mußte die strik enden Arbeiter, die die übrigen Arbeiter an der Arbeit verhindern wollten, thätlich angreifen und aus­einandersprengen. v . ..

Madrid, 4. April. Der Finanzmlmster erklärte, daß die Regierung keine Hoffnung auf die Auffindung der Fregatte Königin Regentin" mehr setze und daß den Familien der Opfer Geldmittel zugewendet würden.

Warschau, 4. April. Hier wurde eine geheime nihi­listische Druckerei entdeckt, infolge deffen zahlreiche Ver­haftungen vorgenommen wurden.

splittert waren 540, uugiltig 687 Stimmen.

Madrid, 4. April. Der Ministerpräsident Canovas theilte dem Cabinetsrathe ein Telegramm aus Hab ana mit, das bestätigt, daß die spanischen Truppen bei jedem Zu­sammentreffen die Aufständischen schlagen.

Madrid, 4. April. In Cadix wird an der Ausrüstung eines kleinen Geschwaders von Avisoschiffen und acht Kanonenbooten mit großer Beschleunigung gearbeitet. Das Gestwader soll zur besseren Ueberwachuug der Küsten \ Tubas dienen.

Depeschen deS Bureau .Herold".

Berlin, 4. April. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge ; «ahmen an der unter dem Vorsitz des Kaisers am 1. Apnl stattgefundenen Covserenz, welche sich mit dem Programm

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung, betreffend: Maul- und Klauenseuche zu Nieder-Ohmen und Wettsaasen.

Die Maul- und Klauenseuche in Nieder-Ohmen und Dettsaasen, Kreis Alsfeld, ist erloschen und die angeordnete Sperre aufgehoben.

Gießen, am 3. April 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Alle Annc-ncen-Bureaur des In- und AuSIandc» nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 4. April. DerReichsanzeiger" schreibt: Auf -aS Glückwunschschreiben dcs Bundesrath es an den Fürsten BiSmarck ging von Frtedrtchsruh nachstehendes Dankschreiben ein:Unter allen Begrüßungen und Auszeichnungen, die mir zu meinem Geburtstage zu Theil geworden sind, lege ich hervorragenden Werth auf die Kund­gebung der Vertreter der durchlauchtigsten Reichsgenoffen im BundeSrathe. Im dankbaren Hinblicke auf eine Zeit der gemeinsamen Arbeit mit den meisten Unterzeichnern der Urkunde, bitte ich den hohen BundeSrath, meinen ge­horsamsten Dank für die erwiesene Ehre entgegenzunehmen, Mnb zweifle nicht, daß das deutsche Volk in diesem höchsten Senate wie bisher für alle Deutschen den maßgebenden Aus­druck der nationalen Zusammengehörigkeit und Vaterlands­liebe finden wird." Das Dankschreiben an den Präsidenten des Staatsministeriums lautet: .Eurer Durchlaucht habe ich bereits, da ich den Vorzug hatte, Sie hier zu sehen, meinen verbindlichsten Dank für den Glückwunsch des StaatLministeriums ausgesprochen, den Hoch- dieselben mir die Ehre erzeigten, persönlich zu überbringen. Ich freue mich, in Eurer Durchlaucht einen mir von Alters her durch nationale Mitarbeit befreundeten Staatsmann an der Spitze der preußischen Regierung zu sehen und verbinde mit meinem Danke die aufrichtigsten Wünsche für das Ge­lingen der Aufgaben, welche die Zeit für unsere Regierung bringt. Die Aufgaben sind schwierig geworden, aber das sind sie alle gewesen, die der preußischen Regierung seit einem halben Jahrhundert obgelegen haben. Doch find sie mit VotteS Httfe unter der Leitung unserer Könige in der Weise gelöst worden, daß sie heute dem Rückblicke geringer erscheinen, 118 zur Zeit, wo sie brvorstanden."

Strahburg. 4. April Bei der Reichs tags-Ersatz­wahl im Wahlkreise Erftcin-Molsheim erhielten nach vorläufiger Feststellung Unterftaatssecretär Baron Zorn v. Bulach 11,751, Böhle (Soc.) 5400 Summen. Zer­

klage anzustrengen. . ... .

Berlin, 4. April. Wie aus Kiel gemeldet wird, ist der Kaiser heute früh mit sämmtlichen Schiffen der ersten und zweiten Panzerdivision, ausgenommen dieWeißenburg", zur Vornahme von Flottenmanövern in die Ostsee hinaus« gedampft, lieber Nacht herrschte Schneefall.

Berlin, 4. April. Prinz Joachim hat seine Krankheit bereits soweit überwunden, daß er sich außerhalb des Bettes befindet. Freilich erfordert der angegriffene Zustand noch große Sckonung, doch ist keine Gefahr mehr zu befürchten.

Berlin, 4. April. DiePoft" bestätigt, daß die Blätter­meldung, wonach der Kaiser angeordnet haben^oll, daß sich alle Regimenter des preußischen Heeres selbst einen Tag zu wählen hätten, um die Erinnerung an den Feldzug 1870 durch ein RegimentSsest zu feiern, durchaus unbegründet fei. Es seien in dieser Angelegenheit vom Kaiser keinerlei Anordnungen getroffen worden.

Köln, 4. April. DieKöln. Ztg." meldet aus B e l g r a d: In einer stürmischen Mimsterfitzung erklärten die Minister General Zdravkowitsch, Losanitsch und Kleritsch, falls der Ministerpräsident R'stitsch seine Gewaltstreiche vor den Wahlen fortsetze, aus dem Cabinet auszuscheiden. Die Gewalt- acte überbieten alles bisher Dagewesene. In einer Anzahl von Gemeinden überfielen die Präfecten mit ihren Gehilfen die Gemeindevorsteher in ihren Wohnungen mit Revolvern,

für die Eröffnung deS Nord-Ostsee-Can als de- t : chäftigte, außer dem Reichskanzler noch die Herren Minister | v. Boetticher, Thielen, Stephan, der commandirende General Graf Waldersee, die Admiräle Hollmann und Knorr u. A. Theil. Heute Abend werden sich die Minister v. Boetticher, v. Köller, v. Hammerstein, v. Stephan in Angelegenheit der Eröffnung des Nord-Ostsee Canals nach Kiel begeben. DaS enbgtltlge Programm für die Etnweihungsfeierlichkeiten ist noch nicht festgestellt.

Berlin, 4. April. DieNordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß der Börsenreform-Gesetzentwurf noch in dieser Tagung dem Reickstage zugehen wird.

Berlin, 4. April. Im Herrenhaufe wurden heute die Sitzungen auf unbestimmte Zeit vertagt.

Berlin, 4. April. Im Abgeordnetenhaufe wurden heute in dritter Lesung angenommen die Gesetze, betreffend die Aufhebung der Stolgebühren bei Taufen, Trauungen und kirchlichen Aufgeboten im Amtsbezirk des Consistoriums zu Wiesbaden und betreffend die Vertretung der Kreis- und Provinzialverbände in vermögensrechtlichen Angelegenheiten. Auf Antrag der Rechnungscommission wurde alsdann bezüglich der Rechnung über den Staatshaushalt der Jahre 1891/92 und 1893/94 die Entlastung ausgesprochen und die Etat- Ueberschreitungen nachträglich genehmigt, für daö Jahr 1893/94 vorbehaltlich der Prüfung der Oberrechnungskammer. Hierauf wurden Petitionen erledigt. Nächste Sitzung am 23. April, 12 Uhr.

Berlin, 4. April. Die außerordentltche General- Versammlung, des deutschen HandelStags wurde heute Vormittag eröffnet. In der Währnngssrage, welche zunächst erörtert wurde, gelangte eine Resolution einstimmig zur Annahme, worin der Handelstag seine am 22. Februar d. I. abgegebene Erklärung, daß die erwerbsthätigen Kreise in jeder Erschütterung der Goldwährung eine fundamentale Schädigung des gesammten deutschen Wirtschaftslebens erbl'.cken, diese bestätigt und auf die Erklärung des Reichskanzlers vom 15. Februar vertraut, wonach die Regierung keine Verhand­lung in Aussicht nimmt, durch welche die Grundlage des Deutschen Reiches ptäjudicirt würde. Bezüglich des Antrages Kanitz befürwortete der Referent Geh. Commerzienrath Schröder die Annahme einer Resolution, in welcher der deutsche Handclstag bte Verstaatlichung der Einfuhr ausländischen Getreides als practisch undurchführbar und unvereinbar mit den Handelsverträgen bezeichnet und infolge deffen den Reichstag ersucht, dem Anträge Kanitz die Zustimmung zu verweigern. , __ ,

©erlitt, 4. April. Gestern Abend conftiluirte sich im Kaiserhof" unter dem Vorsitze des Geh. Commerzienraths Frentzel und unter der Betheiligung hervorragender Industrieller und Kaufleute aus allen Theilen Deutschlands derVerein zum Schutze der deutschen Goldwährung". Die vorläufigen Leiter des Vereins sind die Herren Geh. Com­merzienrath Siegle-Stuttgart, Dr. Ludwig Bamberger-Berlin und Prof. Huber-Stuttgart.

Berlitt, 4. April. Der Chefredacteur derKreuz-Ztg. , Freiherr von Hammerstein, gegen deffen Geschäfts« gebahren die Frankfurterkleine Presse" schwere Vorwürfe erhoben hatte, bezeichnet dieselben in einer Erklärung in der Kreuzzeitung" als niederträchtige und lügnerische Angriffe. Er habe seinen Rechtsanwalt beauftragt, dic VerleumdungS-