Ausgabe 
6.3.1895 Erstes Blatt
 
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bewohnt wäre», fhib geplündert worden. Io Tamatave es den Soldaten aufs Strengste untersagt worden, die Gast« Häuser zu besuchen und nur an die Offiziere darf Wein verkauft werden.

Pari», 4. März. In allen französischen Häsen wird eine beständige Ueberwachung der einlaufenden Schiffe ouSgeüdt. Bon London au« ist der Polizeibehörde mitgetheilt worden, daß e n gefährlicher Anarchist Nomens Georg Renard sich nach Frankreich eingeschifft habe. Derselbe trägt eine umfangreiche Korrespondenz, sowie zahlreiche compromittirende Gegenstände bet sich.

Madrid, 4. März. Die Mehrheit der Cortez ist ent« schloffen, die von der Regierung geforderten Credite für eine Expedition nach Cuba abzulehnen, da der Aufstand daselbst voraussichtlich bald beendet sei.

Petersburg, 4. März. Die Studentendemonstra« Honen dauern fort. Au- diesem Grunde wurden auch die Vorlesungen an der Petersburger Universität eingestellt. Tine größere Anzahl Studenten wurde ausgewiesen- weitere Aus­weisungen sollen bevorsteheu.

Newyork, 4. März. AuS Toronto wird gemeldet, eine Feuersbrunst äscherte die kaiserliche Bank, sowie mehrere Fabriken ein. Ein Nachtwächter wurde als Brandstifter ver­haftet. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Dollars.

Gießen, den 5. März 1885.

* * Lavdwirthschaftlicher BezirkSerein Gießen. In der gestern aus Lonys Bierkeller hier abgehaltenen, zahlreich besuchten Generalversammlung wurde nach einigen geschäftlichen Mtt- rhetlungen seitens des Vorsitzenden, Herrn RegierungSrath a. D. Jost, darüber berathen, ob sich der Anbau der Futterpflanzen Lathyrus ailvestris (Waldplatterbse) und Polygonum sachalinenae (Sachalin - Knöterich) empfehle. Bezüglich der Waldplatterbse bemerkte Herr Landwirth« schaftSlthrer Leithiger, daß mit deren Anbau vorsichtig zu Werke gegangen werden ftüffe, denn sie gebe auf unserem Basalt- und Lehmboden zu wenig Futtermaffe, man möge lieber Luzerne ziehen. Sachalin-Knöterich dagegen ic* auf schwerem Boden fortkömmlich, doch empfehle sich der Versuch der Andauung nur auf kleinen Flächen. Weiter wurde von anderer Seite mitgetheilt, daß die Waldplatterbse ! nicht gerne vom Vieh gefressen würde- Samen zu beziehen für »heureS Geld sei unnütz, denn man könne denselben im ' Walde gewinnen. Sachalin-Knöterich sei Unkraut und da, wo er sich eingebürgert, schwerer zu vertilgen als Quecken. Nachdem durch den Vorsitzenden festgestellt, daß man eine Anpflanzung dieser Futterpflanzen nicht für empfehlenSwerth erachte, theilte Herr Lehrer Seipp-Birklar mit, daß man überhaupt bezüglich des Ankaufs fremder Sämereien sowohl wie auch von Geflügel rc. vorsichtig sein müffe- er theilte einige Fälle aus seiner eignen Wahrnehmung mit. Hier­auf hielt Herr LandwirthschaftSlehrer Lett hig er-Alsfeld einen Vortrag über Viehzucht. Redner führte aus: Unsere Dlehzucht werde und müffe noch eine große Ausdehnung an« nehmen, denn in Anbetracht der geringen ErtragSfähtgkeit des Getreidebaues sei der Landmann gezwungen, seine Kraft der Viehzucht zuzuwenden- durch diese sei eS nur möglich, die sog. marktlosen Producte, Heu, Stroh u. s. w. zu verwerthen. Hierbei solle der Landwirth aber darauf sehen, daß er Vieh halte, welche- diese landwirthschaftlichen Producte am besten verwerthe, denn hierin liege ein gewaltiger Unterschied, wie vielfach Versuche zwischen einzelnen Viehstücken, die gleiche- Futter in gleicher Menge erhielten, bewiesen- daS eine habe sich als guter Futteroerwerther, sei es als Milch-, Mast- oder Jungvieh erwiesen, da- andere nicht, der Landmann solle sich bei jedem SlückVieh vergewissern, daß e- ein guter Futterverwerther sei - hierzu sei eine stetige Controlle nöthig, beim Milchvieh in Bezug auf Quantität und Qualität der Milch, bei Mastvieh und zur Zucht bestimmtem Jungvieh in Bezug auf Gewichts­zunahme. Vieh, welches sich nicht als guter Futterverwerther erweise, solle.abgeschafft werden- die Coutrolle sei jetzt durch die in fast allen Gemeinden vorhandenen Viehwagen erleich­tert. Ein Hauptaugenmerk in Verfolgung dieser Ziele sei auf die Züchtung guter Futterverwerther zu richten, die Zucht sei eine Kunst, die gelernt sein wolle, sie basire auf zwei Gesetzen, dem der Vererbung und der Anpaffung- wer aber Viehzucht treiben wolle, müsse die Abkunft der jungen Thiere kennen, um festzustellen, welche Eigenschaften auf diese sich vererbt hätten. Hier sei von hoher Wichtigkeit das Halten guter Zuchtbullen bei kleinbäuerlichem Besitz, aber auch weibliche Thiere seien zu controlliren hinsichtlich ihrer Eigen­schaften als gute Futterverwerther. Zur Erhaltung geeig­neten Jungviehes fei die Einrichtung von Stammbüchern, die Errichtung von Zuchtgenoffenkchaften nöthig, denn eine planlose Kreuzung, der Mangel jeglicher Zuchtrichtung bringe eine Nachkommenschaft mit schlechten Eigenschaften hervor. Als wesentlichste Aufgabe der Viehzucht bezeichnete Redner die Züchtung nach Raffe, da hierbei sich am zuverlässigsten die Eigenschaften deö ThiereS hervorthäten. WaS die Provinz Oberh.ffen betreffe, so solle hier daS Ziel der Viehhaltung sein: Milchvieh und Aufzucht, Beibehaltung deS Vogelsberger Schlages, welcher diesen Anforderungen am besten entspreche- bie Haltung von Simmenthaler Vieh, welches mehr die Eigenschaft von Fleischvieh besitze, sei zwecklos. Redner empfahl eindringlich die Errichtung von Ort-stotuten und viehzuchtgenoffenschaften. Bon hoher Wichtigkeit für eine ge­eignete Zuchtrichtung in unserer Gegend sei die Errichtung von Molkereigenoffenschaften, die eine gute Verwerthung der au- der Milchviehhaltung gewonnenen Producte verbürgten; el seien in den Molkereien zu Alsfeld, Gedern, Storndorf, Niederohmen und Niedergemünden zusammen 13,500 Liter Milch täglich zur Verarbeitung gelangt, wa- einem jährlichen Betrage von rund einer halben Million Mark gleichkomme- die Berhältniffe im Kreise Gießen seien wohl noch günstiger. Redner empsahl alS Zuchtziel: Einheitlichkeit auf Grund von 1 Statuten in der Richtung rationeller Futterverwerthang -

Errichtung von Zachtgenosienschaften für größere Gebiete - Errichtung von Molkereigenoffeaschaften überall da, wo die Grundbedingungen vorhanden seien. An der DiSeussion betheiligten sich mehrere Herren. Herr Seipp Birklar sprach sich für daS Halten von Borträgen innerhalb kleinerer Bezirke auf, damit die Landwirrhe nicht zu weit zu gegen hätten, wenn sie einen Bortrag hören wollten. Herr Schle nke-Gießen bemerkte, die Einhaltung einer bestimmten Zuchtrichtung sei erschwert durch die vielen kleinen Vieh­bestände- diese wechselten zu oft, weil ihre Besitzer den Fehler begingen, bet einigermaßen günstiger FutlerauSficht die Ställe mit Bieh vollzuftopfen, daS dann im Herbst des drohenden Futtermangel- wegen abgeschafft werden müßte- sei im Frühjahr Aussicht auf eine gute Futterernte vorhanden, so werde zu theueren Preisen Vieh aus aller Herren Länder angekauft, ohne Frage nach seiner Abstammung und Raffe- man solle den Landwirthen anrathen, in guten Futterjahren nicht zu viel Vieh zu halten, damit im Herbst sie nicht ge­zwungen würden, zu schlachten oder zu jedem Preis zu ver­kaufen, der in den kleinen Wirthscha'ten vorkommende Wechsel in den Viehbeständen und der Zukauf fremden DiehrS schade viel und macht eine bestimmte Zuchtrichtung unmöglich. Herr Provinzialdirector Frhr. v. Gagern empfahl den an­wesenden Herren Bürgermeistern, der Frage wegen Errich­tung von Zuchtstatuten in ihren Gemeinden, eventuell unter Mitwirkung deS GemeinderathS, näher zu treten und von den Wünschen dem Präsidium Mittheilung zu machen, damit geeignete Vorträge gehalten werden könnten.

(Schluß folgt.)

H. Neves Theater. Nachdem wir drei Abende durch daS erste Gastspiel der Herren Directoren Hartmann in die moderne Gegenwart geführt worden waren, und nach, dem man uns gezeigt hatte, waS seit der Dampskraft allcS erreicht werden kann, wurden wir gestern Abend in die Märchenwelt zurückversetzt. DaS AusstattungsstückDie sieben Raben" ist daS dramatisirte Märch n, daS un- allen bekannt ist. ES giebt zu den hübschesten Bildern Veranlas­sung, bet denen eigentlich der dargestellte Text Nebensache ist. Trotzdem war diesmal bei sehr hübschen Dekorationen daS flotte Spiel bemerkenSwerth. Die Musik deS Stückes ist melodiös und ansprechend. Alles in Allem wird unS ein genußreicher Abend geboten, weßhalb Niemand die zweite und letzte Vorstellung dersieben Raben" am morgigen Mittwoch versäumen sollte.

* * Circus Straßburger giebt gegenwärtig hier auf OS- waldSgarten feine Vorstellungen und finden dieselben den Beifall der Besucher. Die vorgesührten equestrischen Leistungen, sowie die übrigen Darbietungen in Parterregymnastik, auf dem Drahtseil und Trapez verdienen alle Anerkennung und sei Circusfreunden ein Besuch besten- empfohlen.

* ErioueruugSfeier deS 18. August. Am Donnerstag, den 7. März, findet die erste Sitzung des geschäftSführenden AuSschuffeS der KriegerkameradschaftHassia" für die Er­innerungsfeier am 18. August in Darmstadt statt. Nach Er­füllung der satzungsmäßigen Pflichten ist der ßrieger-®eretn Rödgen, Bezirk Gießen, mit 26 Mitgliedern in den Landes­verband der KriegerkameradschaftHassia" ausgenommen worden.

Diebstahl. Der Ehefrau eineß hiesigen Bierbrauers stattete vor einigen Tagen ein ihr befreundetes junges Mädchen einen Besuch ab. Tags darauf fehlte ein goldner Ring auS der Commode. Die polizeilichen Nachforschungen ergaben, daß sich der Ring im Besitze der Freundin befand- dieselbe gestand den Diebstahl auch ein.

* * § 176. Gestern Abend wurde ein fremder Händler, welcher in einem hiesigen Gasthause logirte, wegen Vergehens gegen § 176 des R.-St.-Gesetzes verhaftet.

* Schonzeit. Am 2. März hat für das ganze Groß- herzogthum Heffen die Hegezeit für männliches Rehwild und für Enten begonnen- für das erstere dauert die Hegezeit bis zum 30. April er., für die letzteren bis zum 30. Juni.

* Korupreife. Der Durchschnittspreis des Korne- auf den inländischen Fruchtmärkten de- Jahre- 1894 stellt sich auf 13 Mk. 11 Pfg. für 100 Kilogramm. Bei der Vergleichung mit den Jahren feil 1875 ergibt sich der nächst- niebrigfte Preis für 1887 mit 13 Mk. 81 Pfg., der höchste für 1891 mit 23 Mk. 55 Pfg. Da inzwischen der Preis aber noch weiter heruntergegangen ist und für den Jan-ar 1895 mit nur 11 Mk. 62 Psg. berechnet wurde, so ist daraus zu entnehmen, daß zur Zeit der Preis deS KorneS kaum die Hälfte deS Preises von 1891 beträgt.

Postperfoualvachricht. Versetzt find: Der Oberpost- assistent Wolfschmidt von Friedberg (Heffen) nach Nidda und der Postassistent Schäfer von Londorf nach Mainz.

* Oberhesfische Gewerbe Ausstellung in Alsfeld. Der Ortögewerbeverein zu AlSfeld veranstaltet gelegentlich der im Auguit d. I. in AlSseld stattfindenden Generalversammlung deS LandeSgewerbevereinS eine Ausstellung von Erzeugnissen der Industrie und der Gewerbe auS der Provinz Oberheffen, wozu die Vorarbeiten bereits tüchtig vorgeschritten sind. Allem Anscheine nach wird die Provinz sich sehr lebhaft an der Ausstellung betheiligen und darf auch wohl von der Provinzialhauptstadt G eßen eine umfangreiche und würdige Betheiligung erwartet werden, zumal verschiedenen hervor­ragenden gewerblichen Industrien, die sich insbesondere In den letzten zehn Jahren hier entwickelt haben, dadurch Gelegenheit geboten wird, ihre Erzeugnisse auch weiteren Kreisen bekannt zu geben. Abgesehen davon, daß die von den Ausstellern zu bringenden Opfer an Platzmiethe, Transportkosten u. f. w. äußerst gering fein werden, wird sich eine lebhafte Bethel- ligung insbefondere deßhalb empfehlen, weil für die hier in Betracht kommenden Industriezweige auf einer kleineren Aus­stellung viel mehr Erfolge zu erzielen find, als auf den jetzt üblichen PrunkauSstellungen, die in der Regel bei unverhält« nißmäßig hohen Opfern gar keinen oder einen nur minimalen Erfolg bieten. Um nun den hiesigen Gewerbetreibenden eine Beteiligung zu erleichtern und die Jntereffen derfeldeo nach jeder Richtung wahren zu können, hat der hiesige Gewerbe­

verein eine Spec alcommiffion für diesen Zweck gebilbet welche auß den Herren F. Schiele, Ed. Röhrte, C. Reiber, O. Schmidt, Fr. Krogmavn und L. Traber besteht und find die Herren gerne bereit, jede Auskunft zu erteilen und Anmeldungen entgegenzunehmen. Anmeldeformulare stehen bei Herrn L. Traber in der Hand- werkerfchule am Asterweg zur Verfügung der Jntereffenten. Wir verweisen noch auf eine bezügliche Bekanntmachung im Anzeigenteil und wünschen, daß Gießen- Gewerbe und Industrie eine recht würdige und erfolgreiche Vertretung in AlSfeld finden möge.

Ausstellung. Mit der am Pfingsten in Darmstadt tagenden Versammlung deutscher Gewerbeschulmänner wird eine Ausstellung von technischen Lehrmitteln und von Zeichnungen auS den technischen Lehranstalten de- Großhcrzog« thumS verbunden fein.

Kartoffel fade. Seit mehreren Jahren konnte man die auffallende Wahrnehmung machen, daß die Kartoffeln im Herbst teurer verkauft wurden als im Frühjahre. Für das letzte Jahr läßt sich allerdings besagte Erscheinung dadurch erklären, daß man glaubte, die Kartoffeln faulten stark zusammen, so daß der Verkäufer auf eine starke Nach­frage im Frühlinge rechnete. Ader eS ist mit der Kartoffel­fäule doch lange nicht so schlimm, als man befürchtete, und so kommt, daß noch ganze Keller voll der besten Sorten liegen und die Nachsrage nicht so bedeutend ist, als daS Angebot. Ein starker Rückgang in den Preisen macht sich allenthalben bemerkbar.

* Der kälteste Februar des Jahrhunderts. DieNeue Züricher Zeitung" schreibt: Wtr haben den kältesten Februar wohl deß ganzen Jahrhundert- eben hinter unS, denn bezüglich seiner mittleren Temperatur von 7,0 Grad Celsiuß (normal -s- 0,8 Grad), zuiammengeftellt nach den verläßlichsten Terminbeobachtungen unserer eidgen. meteorologischen Station, steht er, seitdem genauere Witterung-« beobadjtungen überhaupt gemacht worden find, in unierem Lande ganz vereinzelt da. Wir haben unß die Mühe ge­nommen, in den alten Zürcher BeobachtunngSregistern, die bis in die ersten Jahrzehnte diese- Säkulumß zu'ückretchen, genauer nachzuforschen, ebenso in den älteren WltierunpS- aufzeichnungen von Schaffhausen (vom Jahre 1794 biß 1845) und Basel (zurückgehend biS 1827), finden aber nichts Aehn liches, waS den ganz abnormen Temperaturverhältniffen deß kalten, heurigen Februar auch nur annähernd gleichsteht. Der kälteste Februar in der langjährigen Züricher B ob- achtungSreihe (18271894) war derjenige von 1845 (und 1827?), er weist ober nur 4l/a Grad Celsiuß Mittel« temperatur auf. Auch die sorgfältigsten Zusammen, stellungen von Proseffor Hellmann über die strengen Winter in Berlin fett 1728/29 biß 1880/81, die unß gerade vorliegen, ergaben nur zwei Falle in den letzten anderthalb Jahrhunderten, die mit dem gegenwärtigen concurriren können: sind die Februarmonate der wegen ihrer außerordentlich strengen Winterkälte berühmten Jahrgänge 1740 und 1855, welche ungefähr dieselbe obige mittlere Monotßtemperatur auiroeiieu, bezw. eine Abweichung von 8,2 und 8,5 Grad vom Durchschnitt ergeben. __

W. ©rünbetg, 3. März. Heute fand hier imEnglischen Hof" eine Sitzung deß Vorstandes deß Verbandes der Freisinnigen Volkspartei für die Provinz Oberheffen statt, an welche sich eine zwanglose Besprechung mit Grün- berger Parteigenoffen anschloß. Der Vorstand beschloß die Gründung localer fieiftnniger Vereine, Abhaltung kleinerer Versammlungen-ind die Veranstaltung einer größeren Provinzial- Versammlung, voraussichtlich in Nidda. Ferner wurde die Bekanntmachung und Verbreitung deS Eiienacher Partei­programm- und energische Bekämpfung der Landagitation der Socialdemokratie in Aussicht genommen. Sodann leitete der Vorsitzende, Rechtsanwalt Grünewald-Gießen, die Be­sprechung politischer TageSsragen ein und präcisirte feinen Standpunkt dahin, daß die freisinnige volkSpartei zu den agrarischen Fragen entschieden Stellung nehmen, der weiteren Durchseuchung der Landbevölkerung mit falschen wirthschaft- lichen Ideen, wie sie von den Agrariern verbreitet werden, entschieden entgegen zu treten habe, ober auch positive Vorschläge zur Hebung der Loge deS mittleren und kleineren Bauernstandes machen müßte. So wenig Mitleid er mit dem angeblichen Nothftand der Großgrundbesitzer habe, lo sehr müffe er auch anerkennen, daß die Lage des Bouernstandeß eine üble sei. ES fei Pflicht einer volksthümlichen Partei, dem Bauernstand die Existenzbedingungen schaffen zu helfen, die der Bauer feiner wirthschasilichen und focialen Bedeutung nach beanspruchen könne. Nicht mit den Mitteln, die die Agrarier Vorschlägen, könne und dürfe die- geschehen, nicht auf Kosten anderer Berufsstände, sondern durch Unterstützung aller auf Hebung derErtrag-fähigkeit de-Boden-, Meliorationen, deS landwirthschaftlichen Unterrichts- und Berfuch-weien-, der genossenschaftlichen Einrichtungen, der Beschaffung billigen und soliden CreditS. Auch die Gewährung von Siaat-dilfe in Nothständen hält der Redner für geboten. Hierauf sprach Rechtsanwalt Reh-Al-feld über den Antrag Sanitz, er­läuterte denselben an der Hand der Kanitz'ichen Broschüre und zeigte die Consequenzen, welche dessen Annahme Haden würde. Der Staat werde daS Rifico eines GetreidehändlerS tragen, wie er auch die Betriebsmittel für diesen Handel auf« zubnngen Hobe. Der Osten habe den Bortheil, während der Getreide beziehende Westen den Nachtheil haben werde. Die Durchführung deß Anträge- bedeute einen Bruch der Handels­verträge, weil diele unter der Voraussetzung geschloffen seien, daß die Vertragsstaaten nicht an einen Abnehmer, den Staat, sondern an diverse Einzelabnehmer absetzen könnten. Wenn die Au-landSpreise höher feien als der inländische MinimalpreiS plus 3 Mk. 50 Pfg., so könnten die vertragS« ftaaten nicht mehr nach Deutschland verkaufen. Den Grün­der landwirthschaftlichen Nothlage erblickt Redner wesentlich in der den Enrag-werth überftetgeaben Höhe deS