Budapest, 2. Januar. In parlamentarischen Kreisen ist die Annahme verbreitet, daß der BanuS Graf Khueu- Hedervary die Bildung des neuen EabiuetS ablehnte; doch fehlen beglaubigte Nachrichten. Die Entscheidung liegt ausschließlich in den Händen deS Königs. Wenn der BanuS mit der Cabinetsbildung betraut werden sollte, was bisher noch nicht geschehen, dürfte er ohne Zweifel Erfolg haben.
Prag, 2. Januar. Im Walde nächst Braunau fand eine Ansammlung von ungefähr 6000 Personen statt infolge deS verbreiteten Glaubens an eine MuttergotteS-Er- schetnung. Die Gensdarmerie schritt ein, wobei zwei Personen leicht verletzt wurden. — Im Kleinseitener StaatSleihamt ergab sich bei einer Nachprüfung, daß zahlreiche Pfänder nur vergoldet waren, wodurch das Leihamt um 50,000 Gulden geschädigt erscheint.
Depeschen bet Bureau „Herold*.
Berlin, 2. Januar. Bet dem gestrigen NeujahrS- empfang soll der Kaiser den Reichskanzler mit großer Auszeichnung behandelt haben. Der Kaiser und die Kaiserin traten bet dem Herannahen des Reichskanzlers eine Stufe vom Throne herunter und reichten demselben beide Hände.
Berlin, 2. Januar. Bet der gestrigen Parole Außgabe soll der Kaiser eine politische Ansprache nicht gehalten haben. Die Unterhaltung drehte sich lediglich um die diesjährigen Kaiser-Manöver zwischen dem Garde-Corps und dem zweiten Armee-CorpS.
Berlin, 2. Januar. Der „Localanzeiger" meldet: In der Rede des Kaisers an die commandtrenden Generäle bet der gestrigen Parole-AuSgabe legte der Monarch denselben dringend ans Herz, die Offizier-Corps zur möglichsten Sparsamkeit anzuhalten. Der Kaiser gedachte auch der vorzüglichen Leistungen der Japaner in dem Kriege gegen China.
Berlin, 2. Januar. Wie die „Post" meldet, hat der Kaiser bet dem gestrigen Neujahrsempfange der Botschafter politische Fragen nicht berührt, auch keine den Gesandten geltende Ansprache gehalten.
Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" bringt die Verleihung des schwarzen AdlerordenS an den General Grasen Wa ldersee.
Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzetger" bringt ausführlich die Verhandlungen, welche zwischen dem deutschen Vertreter in Tanger und der marokkanischen Regierung anläßlich der Ermordung des deutschen Reichsangehörigen Franz Neumann stattgefunden haben und deren Ergebntß war, daß der Mörder hingerichtet und desien Mitschuldige zu lebenslänglichem Gefängniß verurtheilt wurden.
Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" bezeichnet die Angaben des „Vorwärts" vom 25. November 1894, wonach bei den gegenwärtig stattfindenden Control-Vcrsammlungen den Mannschaften mitgetheilt worden sei, daß im Jahre 1894 eine so massenhafte Bestrafung von Heerespflichtigen habe ftättfinden müssen, wie nie zuvor, als gänzlich unrichtig. Die Zahl der Bestrafungen sei im Jahre 1894 erheblich geringer gewesen, als im Vorjahre.
Berlin, 2. Januar. In einer gestern in Friedenau bei Berlin abgehaltenen Volksversammlung sprach Retchs- tagSabgeordneter Zubeil über die Entstehung deS Bier« boykotrS und die Ursachen des Kampfes. Bei der Aufhebung des Bierboykotts seien die bevorstehenden politischen Ereignisse mit bestimmend gewesen, die Kräfte dürften bei dem der Arbeiterschaft bevorstehenden Kampfe nicht zersplittert werden. Redner ist der Ansicht, in nächster Zeit stehe die Auflösung deS Reichstages bevor, nicht wegen der Umsturzvorlage, die höchst wahrscheinlich eine Majorität finden werde, sondern wegen der Steuervorlagen, wegen der geforderten Panzerschiffe, sowie wegen der Erhöhung der Halbbataillone in Vollbataillone. Deshalb sei es gerathen, alle Parteikräfte beisammen zu behalten. Am Schluffe der Versammlung wurde der sogenannte Kleinkrieg gegen einzelne Wirthe, welche sich während des Bierboykotts gegen die Arbeiterschaft ungehörig benommen hatten, angekündigt.
Köln, 2. Januar. Das katholisch sociale Programm der katholischen Socialpolitiker Deutschlands, welches in der katholischen Presse im letzten Sommer veröffentlicht wurde, ist vor kurzer Zeit dem Papste mit der Bitte um Billigung des Vorgehens und um Verleihung des apostolischen Segens zugegangen. Wie die „Rhein. Volksstimme" erfährt, hat der Papst der Bitte entsprochen, was durch ein Schreiben deS Cardinals Rampolla mitgetheilt wurde. Der Preffe dürfte in Kürze eine Abschrift des Schreibens zugehen.
München, 2. Januar. - Se. Königl. Hoheit der Prinz- regent und Fürst BtSmarck haben auch Heuer wieder anläßlich deS Jahreswechsels herzlich gehaltene Glückwunschtelegramme ausgetauscht.
München, 2. Januar. Nach einer Meldung der „Münch. Neuest. Nachr." hat daS KriegSmtuisterium angeordnet, daß eine durchgreifende Sanirung des LechfeldlagerS vorzunehmen sei.
Stuttgart, 2. Januar. In dem heutigen RegierungS-. blatt wird daS königliche Wahlausschreiben, nach welchem die Landtagswahlen auf den 1. Februar festgesetzt sind, publicirt.
Karlsruhe, 2. Januar. Auf dem Schwarzwalde sind ungeheure Schneemassen gefallen. Der Schnee liegt meterhoch. Am Montag ist ein mit zwei Maschinen bespannter Zug der Zell Todtnauer Bahn bei Wambach im Schnee stecken geblieben und mußte ausgegraben werden. Der Verkehr zwischen Zell und Todtnau tonb durch Schlitten aufrecht erhalten.
Wien, 2. Januar. Der Kaiser begibt sich morgen nach Budapest. Wie von gut unterrichteter Seite behauptet wird, wird Graf Khuen Hedervary mit der Cabinetsbildung betraut werden. Dagegen soll nach Bester Meldungen die liberale Partei auf einem Cabinet Banffy bestehen.
Wien, 2. Januar. Ungefähr 200 von einer kroatischen Sokol'Versammlung zurückkehrende Personen stürmten elu
koeal, in welche« italienische Bürger nebst ihren Frauen belästigt wurden. ES entstand eine große Panik, da die Angreifer sich grober Ausschreitungen schuldig machten. Die Frau eines Gerichtspräsidenten flüchtete durch daS Fenster. ES kamen zahlreiche Verwundungen vor.
Lemberg, 2. Januar. Infolge großer Schneefälle sind Verkehrsstörungen eiugetreten. Der Bahnverkehr ist theilweife unterbrochen.
Paris, 2. Januar. In einer'auSführlichen Besprechung über die im Jahre 1894 stattgefuudenen politischen Ereignisse hebt ein Theil hervorragender Blätter die zwischen dem Norden und dem Süden in Deutschland ausgebrocheueu Streitigkeiten hervor. Die Blätter behaupten, eß wäre auf höheren Befehl geschehen, daß die Berliner Preffe sich enthalten habe, auf die Provocationen der süddeutschen, besonders der Stuttgarter Blätter zu antworten, um nicht die Einigkeit des Reiches zu gefährden.
Paris, 2. Januar. Entgegen dem Gerücht, daß die Expedition nach Madagaskar nicht stattfinden werde, theilt die officiöse Preffe mit, daß die von der Regierung früher gemachten Angaben über die Expeditionscorps im ganzen Umfange bestehen bleiben und daß die Anwerbung der neuen Truppen bereits begonnen habe. Am 15. März soll das ganze Expeditionskorps marschbereit sein.
Loudon, 2. Januar. Der „Standard" bespricht heute die Neujahrsansprache Casimir PerierS an daS diplomatische Corps und sagt: Wie seine Vorgänger leitet Perier den Staatswagen mit Würde. Dieses ist ein wichtiger Punkt, denn der Augenblick ist vielleicht nicht mehr ferne, wo die europäischen Nationen aufeinanderplatzen. Krieg bleibt möglich, denn überall bemerkt man in Europa die Zeichen bedenklicher Agitationen.
Petersburg, 2. Januar. Als Nachfolger deS Grafen Schuwalow für den Botschafterposten in Berlin wird jetzt außer General Richter auch der Gesandte am bayerischen Hofe Graf von der Osten-Sacken genannt.
Petersburg, 2. Januar. Kaiser Nicolaus hat eine Commission ernannt, deren Aufgabe es ist, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, welcher die Lage der auf administrativem Wege nach Sibirien verschickten Personen günstiger gestalten soll.
Belgrad, 2. Januar. Gestern begann der Proceß gegen den BeztrkSsecretär Diakovics, welcher angeblich geplant hat, den König bet einem Festmahle zu ermorden.
Belgrad, 2. Januar. Wie verlautet, herrscht zwischen König Alexander und Exkönig Milan ein ernster Zwiespalt.
Localer tut» proDtniteQe»
Gießen, den 3. Januar 1895.
* ♦ Kreisausschuß'Sitzuug. Samstag den 5. Januar d. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreisausschuffes des Kreises Gießen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen: 1. Wildschadensklage in der Gemarkung Leihgestern (Verkündigung des UrtheilS)- 2. Die von dem Wirth Adolf Vogt zu Gießen in den Stadtbach angelegte Treppe.
* * Auszeichnung. Sein^Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgst geruht, dem Rentner Friedrich Kofler zu Darmstadt den Character als Hofrath zu ertheilen.
* * Theater-Verein. Dem Vorstande des Theater-Vereins ist es gelungen, das Wiesbadener Residenztheater für eine Reihe von Gastspielen zu gewinnen. Am 18. Januar findet die erste Vorstellung statt und wie wir erfahren, ist die Wahl auf ein ebenso intereffantes wie wirkungsvolles Stück gefallen, daß uns die Wiesbadener Künstler gleich bet ihrem ersten Auftreten im feinsten Zusammenspiel und in schönster Be- thätigung ihrer vorzüglichen Kräfte zeigen wird. Das Programm wird binnen Kurzem bekannt gegeben. — Auch das Ensemble des Darmstädter Hoftheaters dürfen wir im Laufe der nächsten Wochen erwarten. Zur Darstellung ist ein Stück ausersehen, für deffen Jnscenirung am Darmstädter Hoftheater sich Seine Königliche Hoheit der Großherzog lebhaft interesfirt hat. Niemand wird es der Leitung des Theater- Vereins verargen, wenn sie auS Gründen der Taktik und Diplomatie nicht aus der Schule plaudert. — Es sei schließlich noch bemerkt, daß auch daß Frankfurter Stadttheater unß einen genußreichen Abend in Aussicht stellt, sodaß sich die diesjährige Saison des Theatervereins zu einer besonders glanzvollen gestalten dürfte.
* * H. Das zweite Auftreten der „Schlierseeer" hatte gestern Abend eine kleine Völkerwanderung nach dem Cafe Leib veranlaßt. Wie schon am Dienstag war auch diesmal das Publikum enthusiasmirt von der geradezu verblüffenden Natürlichkeit der Darstellung. Das Stück „Almenrausch und Edelweiß" trägt einen ernsteren Character und der Humor tritt etwas in den Hintergrund. So hatten die Darsteller Gelegenheit, eine Innigkeit und zugleich Feinheit des Gefühls zu entwickeln, die auf Jeden überwältigend wirken mußten. Athemlos lauschte das Publikum der Sennerin Eri (Anna Dengg) und Rühelbäuerin (Anna Reil), die beide ohne Zweifel das höchste Lob verdienen, hingerissen war es von dem Spiel des RühelbauerS (Gustl Wild) und seines Sohnes (Joseph Meth). Und alle die anderen, Therese Dirnberger als Cordl, Xaver Terofal als lustiger Hies vom Rühel, Mathias Gailing als Gaberl, Willi Dirnberger als Quasi, Michael Dengg als Reinthaler u. s. w., verstanden es meisterhaft, die richtige Stimmung zu treffen. In den Zwischenacten boten uns AndraS Mehring und Paul Schell prächtige Leistungen auf der Zither, von denen besonders daß Solo „Heimkehr" mit Orchesterbegleitung großen Anklang fand. Die Schlierseeer haben sich schon jetzt die volle Gunst beß Publikums erworben, möge der Erfolg der nächsten Vorstellungen dementsprechend sein.
• * Omnibus - Gesellschaft - Generalversammlung. Die für morgen Abend anberaumte Generalversammlung, in welcher
über die Einschränkung bcß Betriebes Beschluß gefaßt werderr sollte, wußte eingetretener Erkrankungen wegen, wie aus bent Juserarentheil ersichtlich, um acht Tage verschoben toerben.
* • Kirchliche Dieustoachrichten und eoueurreureroffuuNge«. Dem Pfarrverwalter Hermann Rückert zu Griebel wurde die evangelische Pfarrftelle daselbst übertragen. Der Pfarrassistent Schnellbächer in Bönstadt wurde zum Pfarrverwalter zu Blofeld ernannt. — Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die erledigte evangelische Pfarrstelle zu Nieder-Ohmen, die erledigte evangelische Pfarrstelle zu Grebenau.
* ♦ Erledigte Lehrerstelleu. Erledigt find: Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Ge- meindeschule zu Ober Ohmen, Kr. Alsfeld, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Appenheim, Kr. Bingen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiftendienft verbunden. Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Büdesheim, Kr. Bingen, mit einem nach dem Dienstalter sich berneffenden jährlichen Gehalte von 1000 biß 1600 Mk. Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Die mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu SoonSheim, Kr. Singen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Dietersheim, Kr. Bingen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienft verbunden. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Elsheim, Kr. Bingen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiftendienft verbunden. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Arheilgen, Kr. Darmstadt, mit einem nach dem Dienstalter sich berneffenden jährlichen Gehalte von 1000—1600 Mk. Mlt der Stelle kann Organistendienft verbunden werden, auch können dem zu ernennenden Lehrer die Functionen eines Oberlehrers an gedachter Schule gegen besondere Vergütung übertragen werden. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Schar- bach, Kr. Heppenheim, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Die mit einem katholischen Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeinkeschule zu Ober-Abtsteinach, Kr. Heppenheim, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organtftendienst verbunden. Dem kathol. Pfarrer zu Ober-Abtsteinach, lowle den OrtSvorständen zu Ober- und Unter-Abtsteinach, Trösel, Flockenbach, Gorxheim, Löhrbach und Mackenheim steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Nieder Liebersbach, Kr. Heppenheim, mit einem nach dem Dienstalter sich berneffenden jährlichen Gehalte von 900 biß 1000 Mk. Eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Wimpfen a. B., Kr. Heppenheim, mit einem nach dem Dienstalter sich berneffenden jährlichen Gehalte von 1000 biß 1200 Mk.
♦ * Schvldienstnachrichlen. Am 30. November wurde der von dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, auf eine Lehrerstelle (1. Mädchenschulstelle) an der Gemeindeschule zu Schlitz, Kreiß Lauterbach, präsentirte Schulamtsaspirant Karl Stein aus Köddingen, für diese Stelle, am 8. December wurde der von dem Stadtvorstand zu Grünberg auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Grünberg, Kreiß Gießen, präsentirte Schullehrer Georg Länder zu Lehnheim für diese Stelle bestätigt; am 14. December wurden die provisorischen Lehrerinnen an der höheren Mädchenschule zu Alzey Elisabeth Rah aus und Elisabeth Sommerhof zu Lehrerinnen an dieser Schule, an demselben Tage wurde der provisorische Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Dieburg, Benefiziat Wilhelm Engelhard zum Lehrer an dieser Schule, unter Verleihung der Rechte eines definitiv angestelletn Vo kß- schullehrers, ernannt; am 19. December wurde demSchulamtß- aspiranten Johauneß Martin auß Hochheim, Kr. Wormß, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Büdeßheim, Kr. Bingen, übertragen; am 21. December wurde der von dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Werthheim-Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg auf die Lehrerstelle an der ev. Schule zu Seckmauern, Kr. Erbach, präsentierte Schulamts- aspirant Adam Pfeiffer auch Rohrbach, Kr. Erbach, für diese Stelle bestätigt; an demselben Tage wurde dem Schulamtß- aspiranten Ernst Becker auß Groß-Felda, Kr. Alsfeld, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stockstadt, Kr. Groß- Gerau, übertragen.
* * Daß Schwert Karls des Großen. In Alsfeld — so berichtet die „Did." — spielte sich Mitte der fünfziger Jahre ein heiterer Vorfall ab, der heute noch im VolkS- munde weiterlebt. Besagter Stadt war die Ehre eineß landesherrlichen Besuches angekündigt worden, und männlgllch freute man sich darüber. Der Bürgermeister R. hatte an dem festlichen Tage die Ehre, den Großherzog bei der Besichtigung deS mittelalterlichen, schönen RathhauseS führen und ihm die daselbst aufbewahrten werthvollen AlterthÜmer, darunter ein prachtvolles Miffale mit herrlichen Initialen und kostbarer Malerei, sowie ein altes Schwert mit seltener Ciselierarbeit, das die Sage Karl dem Großen zuschreibt, vorzeigen zu dürfen. Dieser Stolz der Sammlung bildete auch zugleich den Schluß, und im Gefühle der Bedeutung des Augenblickes zog der Bürgermeister mit den Worten: „Das Schwert Karls des Großen" kühn die Klinge. Und siehe da! Blank wie ein Spiegel, als hätte eß eben die Werkstätte verlassen, leuchtete daß zu Ehren beß hohen Be- sucheß vorher geschliffene Schwert bem Laubeßvater entgegen. — Welcher E . . l hat baß Schwert schleifen lasten?" — „Ich, königliche Hoheit", war bie prompte Antwort beß Bürgermeisterß. — Zu Vorstehenbem bemerkt bie Rebaction beß „Hestenlanbeß", baß bie Sache historisch ist; sie hat sich unter bem Großherzog Ludwig III. zugetragen und wird


