Napoleon selbst hat sich dem Sieger mit ergeben.
Unter dem Eindrücke dieser Ereignisse ist es schlechthin unmöglich, in ruhiger Forschung den Einzelheiten der Krieg- thaten der letzten Tage nachzuspüren- da-Herz möchte jedem Deutschen zerspringen angesichts der glänzendsten Erfolge deutscher Waffen, welche die Geschichte unsere- Volke- je zu verzeichnen hatte. In dem Sturmschritt der Ereignisse meinen wir den Fingerzeig Gotte- zu sehen, der sich nicht spotten läßt. Jede- Volk hat seine Ehre und jedem find zugleich seine natürlichen Grenzen gesetzt, wie viel auch die Menschen hineingepfuscht haben mögen. Unsere Nachbarn, die Franzosen, sprachen von dem blutigen Gange mit Deutschland wie von einem Duell, da- Duell ist aber wie in alter Zeit zum Gotteöurtheil und zum Weltgericht geworden. Er, der eS frevelhaft herauSgefordert, der daS greise Oberhaupt eine- mächtigen Volke- zur schimpflichen Abbitte zwingen wollte, wo nicht- abzubitten war, er hat sein Schwert in die Hand deö Beleidigten, de- Vertreter- eine- mannhaften Volkes, niederlegen müssen und liegt gefangen darnieder, seine Heere find gefangen und zerschlagen und sein Volk knirscht unter dem Tritte der Sieger. Da- Kaiserreich war nicht, wie er versprochen, der Friede, der Friede aber wird zum Kaiserreich.
Mac Ma hon commandirte nach mancherlei Verstärkungen eine Armee von etwa 100 000 bis 120 000 Mann. Don den beiden Möglichkeiten, mit feiner Armee zum Schutze von Pari- auszuziehen oder dem in Metz eingeschloffenen Bazaine zu Hilfe zu eilen, wählte er die letztere, er wandte sich, die Verbindung mit Paris aufgebend, zuerst nördlich nach NheimS und Rethel, dann nordöstlich gegen Sedan. Er setzte nach dem Vorbilde Napoleon- I. alle- auf eine Karte. Gelang der Plan, konnte der Marschall der deutschen Be- lagerungSarmee vor Metz in den Rücken kommen, dann war die Vereinigung mit Bazaine gelungen und eine glückliche Wendung des Krieges möglich, mißlang aber der Plan, wurde der Marschall an den Ufern der MaaS von dem in seiner Flanke marschirenden Heere angegriffen und geschlagen, dann war alles verloren. Und die Intelligenz und die Energie der deutschen Heerführung hat dieses Ende mit Schrecken herbeigeführt. Das ist die Bedeutung der jüngsten Siege.
Die Gießener Industrie auf der Alsfelder Ausstellung.
(Originalbericht für den »Gießener Anzeiger"'.)
IV.
Dor der Weiterbesprechung der im Realschulgebäude ausgestellten Gegenstände kommen wir nochmals auf die Pelz- Ausstellung des Kürschners A. Kretzschmar in der Haupt- Halle zurück. Bei Besichtigung der Muff - Collection finden wir, daß diese Sorten von dem ausgesuchtesten Material der letzten Winter-Saison angefertigt sind, z. B. ein Stein- marder-Muff von ganz besonders schöner Farbe, de-gl. ein
Edelmarder-Muff und verschiedene Iltis-Muffe ustv. Die Pelzsachen find nach Modellen der Saison 1895—96 zur Fach - Ausstellung in Leipzig gearbeitet.
In den Räumen der Reiber'schen Zimmer-Einrichtungen har Archüect L. Seultng seine ja bekannte BentllationS'Einrichtung an der Decke angebracht.
Nun kommen wir zu denjenigen Gegenständen, welche die Tapifferie-Manufactur PH. Schlatter uns vorführt. Zwei wundervolle Gemälde „Die TellS Capelle" und „Luzern am Dierwaldftädtersee^ auf Leinen mit dem 6. Theil eines FadenS Florettseide in Plattstich gestickt, liefern den Beweis, welcher so oft bestritten wird, daß die Kunst eS in der Stickerei dem Oelgemälde gleich zu thun, heute noch nicht verloren gegangen ist. Allerdings gehören hierzu bedeutende Farbenkenutniffe und ungeheuere Geduld. An diesen beiden Bildern, die ursprünglich nicht für eine Ausstellung bestimmt gewesen, hat der Verfertiger sechs Monate täglich fünf Stunden gestickt. Ferner hat dieselbe Firma 1 Notenständer, 1 Ofenschirm, 1 Papierkorb und 1 Ruhekissen mit herrlichen Blumenstickereien ausgestellt, welche das besondere Interesse der Damenwelt erregen.
In dieser Abtheilung der Ausstellung hat H. Hochstätt er Glanztapeten in sehr geschmackvoller Zusammenstellung an den Wanden arrangirt, welche dessen gewählten und feinen Geschmack darthun.
Im Park neben dem Gabriel'schen Zeltpavillon standen drei Grabmonumente, an denen in den ersten Tagen nach Eröffnung der Ausstellung der Name des Verfertigers fehlte. ES find Arbeiten des Bildhauers Emil Kalbfleisch, die dessen Können und Leisten im besten Lichte veranschaulichen. Speciell daS in kararlschem Marmor auSgesührte Kreuz ist bewunderungswürdig und ein Meisterwerk der Bildhauerkunst. Die am Kreuze auSgehauenen Blumenzweige wirken in ihrer Plastik vorzüglich.
Nachträglich wollen wir auch noch der Firmen Ehr. Jnderthal und Mayer Katz Söhne, welche beide verschiedene Sorten Liqueure in vorzüglichen Qualitäten ausgestellt haben, Erwähnung thun.
Räumlich von der Gewerbe-Ausstellung getrennt, befindet fich tm Stadtschulgebäude eine Landesausstellung der erweiterten Handwerker- und Sonntagsschulen. Es ist lohnend, dieser Ausstellung einen Besuch zu machen. Gießen mit seinen Arbeiten nimmt unstreitig hier die Führung ein, denn man sieht ohne Zweifel an der ganzen Gruppirung der ausgestellten Arbeiten, daß das Bestreben hier vorherrschend ist, nur für das practische Leben Benutzbare- zu schaffen, man merkt, daß alles Parademaßige streng vermieden ist. Die Schule scheint ihr Augenmerk fest darauf gerichtet zu haben, die ihr anvertrauten Schüler planmäßig daS zu lehren, was ein tüchtiger Handwerker kennen muß, wenn er als selbstständiger Meister dereinst den Concurrenz- kampf mit Erfolg aufnehmen will. Selbst der Laie, welcher mit Aufmerksamkeit die den Raum füllenden Zeichnungen und Arbeiten durchgeht, findet regelmäßig an den letzten Arbeiten
der Schüler, daß daS Wirken«der Lehrer auch mit Erfolg gekrönt ist, denn man muß gestehen, daß von den in Be- tracht kommenden jungen Leuten etwa- nicht Ungewöhnlichegeleistet ist und alle Anerkennung verdient. Betrachten wir uns die Arbeiten des Bauhandwerks, wie des Kleinhaudwerk-, fo ist den ausgestellten Objecten nach zu urtheilen ein breites Feld zur Special Ausbildung freigelassen. E» ist nicht dringend genug gerade den Lehrlingen au- de« Kleingewerbe der Besuch dieser Schule zu empfehlen.
Eine» der auch für den Laien interessantesten AuS- üellungSobjecre auf der Gewerbe-Ausstellung zu Alsfeld ist der vom Lehrer Carl Gaub erbaute und dem Publikum dort täglich vorgeführte „Astronomische Uni- versal-Apparat für den Unterricht in der mathemathischen Geographie". Der Erbauer haue die Ehre, anläßlich der Anwesenheit Sr. Kgl. Hoheit des GroßherzogS demselben zu seinem Apparat die Erklärungen machen zu dürfen, welche» der Großherzog über Stunde lang mit dem gespanntesten Interesse anhörte. Der Apparat hat eine Gesammthöhe von 21/, Meter, die Himmelökugel mit ihren Gestirnen daran einen Durchmesser von 1% Meter. Diese Himmelskugel, welche auS Drath conftruirt ist, bewegt fich um die Erde und trägt auf ihrer Oberfläche 48 Sternbilder mit 421 Sternen. Bei der Größe des Apparates ist eS möglich, die scheinbaren und wirklichen Bewegungen der Himmelskörper mit einer wohl noch selten erreichten Anschaulichkeit darzuftellen. Die Conftruction deS Apparates und der Aufbau desselben bietet wesentliche Neuerungen auf diesem Gebiete dar und stellt nicht nur die Erscheinungen an den Himmelskörpern für die Zeit der Gegenwart dar, sondern man ist auch 'm Stande, wenn man die nöthigen Unterlagen benutzt, deren Constellationen in der Vergangenheit und Zukunft packend zu veranschaulichen. Die Poricesion, d. h. daS Fortrücken der Tag- und Nachtgleichepunkte wird mit selten erreichter Correctheit durchgeführt. Da- Himmel-gradurtz und ter Fixsternhimmel sind dabei vollständig von einander getrennt, wodurch eine außerordentliche Vielseitigkeit in den Bewegungen der Gestirne vorgeführt werden kann. Selbst die Bewegungen der Erde mit dem Monde um die Sonne läßt sich für den Beschauer sehr einfach durchführen. Die Sonnen- und Mont- fiusternisse werden mittelst diese- Apparate- auf die denkbar einfachste Weife dargestellt. Die planetarischen Bewegungen (Recht- und Rückläufigkeit) werden mittelst eines besonderen Einsatzes in daS Ganze gezeigt. Auf Größen- und Ent- fernungSverhältnisse der einzelnen Planeten hat der Erbauer des Apparates genau Rücksicht genommen. Wir hören, daß der Lehrer Gaub nach Beendigung der Ausstellung die Absicht hat, sein Werk hier tn Gießen öffentlich vorzusühren und die nöthigen Erläuterungen dazu zu geben.
Verdingung.
Die zu den Anbauten an den Oroßviehstall und die Freibank im städtischen Schlachthof erforderlichen
1) Erd- und Maurerarbeiten,
2) Steinhauerarbeiten,
3) Zimmerarbeiten,
4) Dachdeckerarbeiten,
5) Spenglerarbeiten,
6) Eisenlieferungen,
7) Schreinerarbeiten,
8) Schlosserarbeiten,
9) Glaserarbeiten,
10) Weißbinderarbeiten und
11) Pflasterarbeiten
sollen auf unserem Stadtbauamte öffentlich verdungen werden und wird Termin hierfür auf
Dienstag den 10. September
d. I., Vorm. 11 Uhr, anberaumt.
Arbeitsbeschreibung, Bedingungen und Pläne liegen während der Amtsstunden auf dem Stadtbauamte offen. Angebote sind auf vorgeschriebenem Formular, verschlossen und mit ent- sprechender Aufschrift versehen bis zu genanntem Termin dorthin einzureichen.
Zuschlagsfrist 14 Tage.
Gießen, den 28. August 1895.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth. 7211
Versteigerung.
Dien-tag den 8. Leptembe, 1. A., Nachmittags 2 Ubr, versteigere ich tm Vieker'schen Saale dahier - Neustadt 65 — gegen Baar, zahlung:
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dose, 6 Esslöffel, 6 Desserimesser, 1 Geldkassette, 1 Revolver, 3 Reise- koffer, 4 Kaffeeservice. 1 Küchentisch und verschiedenes Küchengeschirr, elf leinene Herrenhemden, circa 20 ge iragene Herrenanzüge, 5 Sommerund Winterüberzieher, 2 Regenmäntel, 14 Paar Stiefel und Schuhe und sonst Verschiedenes.
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