Wir Deutsche sind von Natur Pessimisten und Weltverbesserer. Wir spmnen unß nun einmal gern in da? Kleine, daß Nächne ein und umfassen unsere Gren;vfähle mit zärtlicher Liebe, der Gießener, der Grünberger, der Friedberger, der Butzbacher u. s w. ist zuerst Gießener und Grünberger und Friedberger und Butzbacher, dann ist er Qberhesse, dann G.oßherzoglich Darmftädtischer Hrffe, dann Hesse überhaupt, bann Mitteldeutscher und endlich fällt es ihm auch einmal ei,, daß er doch auch D utscher ist. Und das Gleiche gilt vom ganzen Reich. Das hat auch sein Gutes; es gibt unserer Baterland-liebe bte behagliche Wärme, die starke Betonung KeS Hrimathltchen, e8 erlaubt ihr nicht, sich in chauvinistischen Abttracttonen zu berauschen, es schastl eine sich ergänzende und erziehende Mannigfaltigkeit: aber lasten rott eS deS Guten nicht zu viel werden. Wenn wir eS unS g flatten können, in unseren zahllosen kleinen Kreisen und Verbänden und engeren Vaterländern, welcher Art sie auch sein mögen, zu wirken und zu schaffen, unS zu vergnügen und unS zu streiten, so sollen wir doch nie vergessen, daß wir daS nur können, weil ein mächtiges einiges Reich dies bunte Wimmeln deckt und schirmt. Wehe, wenn eS anders rotrb; vergessen wir nicht, daß wir, jeder Einzelne, ebensogut das Reich zu schühm haben wie da« Reich unS, und daß wir eS nur schützen können, wenn wir einig find. Zuerst find wir Deutsche-, da« Andere kommt hinterher.
Wir Deutschen find Welioerbesterer und meinen, wenn uns etwas ärgert, so rnüste gleich von Grund auS Alles anders gemacht werden. Da könnte bet Glaube und die Liebe zum gtoßen Vater- lande Vieles zum Guten teuren, rote 1870 bte Wogen der nationalen Bewegung so unendliche Mengen unfruchtbarer Negation hinweg- geschwemmt haben. Sagen wir unS doch einmal, daß der Einzelne gar nicht das Recht hat, seinen Verstand ober waS meisten« nur der Fall ist, ben Verstand seiner Partei über da« Ganze zu stellen; merken wir unS daS Sprüchlein: Ob Recht, ob Unrecht, es ist mein Vaterland. Es ist mindesten« ebensoviel wetth, da« Vaterland zu erhalten, als eS mit fragwürdigem Erfolge zu verbessern: daS Ganze ist eS, das dem Einzelnen c st ein Recht zu leben gibt und für daS jeder Alles einzusetzen hat, ohne zu fragen. wte'S gelohnt wird.
Der große Krieg und seine Siege haben das alte Verhältniß zwischen dem Volk und seinen Fürsten, daS der Rheinbund und die Metternich'iche Zeit arg getrübt hatten, wieder zu Ehren gebracht. Uns Germanen verkörpert stch nun einmal der Staatsgedanke im König und im Herzog, wir haben stetS, auch in den traurigsten Zeiten, daran festgehalten, daß diese Macht etwas Gegebenes und Göttliches ist, mit deren Zerstörung daS Volk fich selbst rerstört. Und daS traf sich so schön in diesem Krieg, daß die Herrschenden getragen und gehoben wurden von dem Willen und dem Schwung der Nation und daß sie alle die Kräfte, die ihnen anvertraut wurden, so geleitet haben, daß nichts verloren ging.
lieber schlechte Führung zu klagen bei den märchenhaften Siegen, daS fiel Niemanb ein, und daß die Feder des Diplomaten etwas verdorben hätte, waS das Schwert gut gemacht halte, die Furcht kam bet Bismarck nicht auf. Vor Allem aber ber alte Kaiser, bas war ein Kaiser seines Volkes unb seine« VolksheereS, der es wahrhaftig ernst nahm mit bem Wort Friedrich« des Großen, daß er der erste Beamte seines Staates sei. Längst vergessen sind die Klagen, baß die deutschen Fürsten die Feinde ber deutschen Einheit sei n; als die besten Stützen haben sie sich von 1870 an allezeit bewährt und nicht« trennt den Deutschen mehr von seinen Thronen.
Der Kaiser unb seine Bundesgenossen haben das deutsche Volk zum Sieg geführt, das war die Lösung der deutschen Frage, zu der Jeder, der die Waffen trug, sein Thetl beisteuerte. „Es ist Keiner zu gut, um für’« Vaterland zu sterben/' schrieb Th. Körner 1813; bas Haden Alle gedacht, die vor 25 Jahren hinauszogen. Ehre ihnen Allen, denen, die fielen und die zu ückkehrten. daß sie ihre Pflicht «baten, Ehre den Wtttwen und Waisen, die ihr Bestes hergegeben baden, ein sreudiger Glückwunsch denen, die heute in Glück und Frieden auf die heißen Tage damals zurückblicken können, wir ernten iägUch unb stünblich daS, was sie gesäet haben. Lohnen wir es ihnen, sehen wir in unserem Heere unser kostbare« Gut, erhalten wir den kriegerischen, den militärischen Geist lebendig, dienen wir Alle bem Ganzen, so wie fie damals DaS ist im Frieden oft schwerer als im Krieg, aber auch nöthig; wenn daS Reich stehen bieiben, wenn daS Blut nicht umsonst vergossen sein soll, so hat ein Jeder mitzuschaffen in stiller, bescheidener Pflichterfüllung, aber auch mit dem Muth ber Hoffnung und deS Glaubens an daS Vaterland, ber lieber untergeht als verzweifelt. Möchten diese FesteStage eins bewirken, daß der stumpfe unb dumpfe, faule Pessimismus aufhört, daß wir die Köpfe wieder so hoch tragen wie damals unb banach hanbeln: bann ist ber Jubel nicht umsonst gewesen.
Meine Prebigt von beS Deutschen Reiche« Herrlichkeit ist zu Ende. Da« Reich, baS unsere Brüber unS erftritten, für daS wir Alle Alles hergaben unb bem wir treu bleiben bis zum letzten Stünblein, Seine Majestät ber Kaiser unb Seine Königliche Hoheit ber Grohherzog, bie Kriegsherren unserer Heere unb unserer Veteranen, sie leben hoch! hoch! hoch!
Dem jubelnd aufgenommenen Hoch folgte ber Gesang deS „Heil dir im Siegerkranz".
Herr Pfarrer Dr. Naumann nahm hierauf bas Wort zu einer heiter stimmenden Ansprache, bte er mit ben Worten einleitete: „Wir fitzen so fröhlich beisammen unb haben einander so lieb." Vor 25 Jahren allerdings habe man nicht so fröhlich beisammen geseffen wie heute, aber schon damals habe eß Leute gegeben, die Bier getrunken hätten unb dabei glaubten, daheim Alles bester machen zu können wie unsere Truppen da draußen, aber bie ba draußen verdienten trotzdem unseren Dank. Redner schilderte die großen Thaten unserer Armee, bie großen Strapazen unb Entbehrungen, die sie durchmachen mußte, die Führung und daS Zusammenziehen so großer Heere zu entscheidenden Thaten, angesichts deren man fast glauben sollte, daß eS unser Moltke beinahe so gut verstanden habe, wie unsere Biertrinker daheim- er gedachte der harten Kämpfe zur Winterszeit unb betonte, wie der Wahlspruch der Belagerer von Belfort gewesen sei „Hier kommt Niemand durch". Diesen Wahlspruch hätten unsere Truppen in Feindesland stets hoch gehalten, als aber der Wiebereinmarsch in bie Heimath erfolgte, bieSseitS ber Grenze unsere Truppen allerorten ein so herzliches Willkommen bereitet und namentlich in ber Pfalz dafür gesorgt wurde, daß die heimkehrenden Krieger keinen Durst litten, da sei eS auS gewesen mit diesem Wahlspruch, denn in der Pfalz sei Keiner durchgekommen, und wenn er fich noch so tapfer gewehrt, erst muhte kräftig getrunken werden. Uederall sei den Kriegern ein Empfang ohne gleichen bereitet worden, und man könnte eß eigentlich alß ein Unrecht bezeichnen, daß keiner von ihnen aufgefreffen worden sei. E« werfe sich die Frage auf: Hat Gießen seine Veteranen geehrt? Mit einem lauten Ja könne Niemand antworten, wohl aber mit einem leisen Nein. Wir haben bie Veteranen noch unter unß, deshalb wollen wir heute geloben, unsere Veteranen zu ehren. Zur Feier beß SedantageS unb zur Ehrung der Veteranen sei eine Sammlung unter ber Einwohnerschaft inß Werk gesetzt worden, in ben letzten acht Tagen seien 1230 Mk. eingegangen, bie heute Abend den Veteranen übergeben werden würden, damit sie nach Abzug ber Fest kosten in die UvterstützungSkasten der beiden hiesigen Krieger- vereine fließen- er sage Namen» der Veteranen allen Dank,
bie ihr Scherflein dazu beigetragen. Aber damit sei der den Veteranen schuldige Dank noch nicht abgeftattet, sie sollen weiter geehrt werden, fie sollen ein Kriegerdenkmal haben, baß Gießen bisher noch entbehrt. Wir wollen sammeln unb zwar mit ber Sammlung sofort, heute Abenb, beginnen, (Bravo! Herr Pfarrer Dr. Naumann: Jede« Bravo kostet 3 Mark!) und in wenigen Jahren bieten wir unseren Veteranen ein Rriegerbenfmal; der treue Gott segne den Anfang dazu und führe eß zu gutem Ende. Brausend erscholl hierauf daß auf die Veteranen außgebrachte Hoch durch den Garten. Auf Bitte beß Herrn Psarrerß unter- nahmen sofort zwei Dutzend junge Damen von Tisch zu Tisch eine Tellersammlung; die Erwartung, daß die jungen Damen offenere Hände finden, als bie Herren, bestätigte sich, denn halb konnte Herr Pfarrer Dr. Naumann mittheilen, daß 300 Mk. 65 Pfg. eingegangen unb Herrn Kirch zur Aufbewahrung übergeben worden seien. Wie unß mitgetheilt wurde, wird demnächst ein Gomit6 zusammentreten, um Schritte zu thun, baß Gießen bald ein würdiges Kriegerdenkmal erhält.
Herr Provinzialdirector Frhr. v. Gagern bankte hierauf Namens der Veteranen unb Krieger für bie erhebenden Worte beß Herrn Pfarrer Dr. Naumann - es sei ein freudiges Gefühl für die Veteranen, anerkannt zu sehen, was fie in Frankreich geleistet, daß sie gerechtfertigt die Eewar- tungen, bie man auf sie setzte. Aber nicht nur baß Gefühl ber Freude komme zum Außdruck, sondern daß deßPflichtbewußt- seinß, baß seine Pflege finde in unserem Heere- er habe bie Uederzeugung, daß diese» Pflichtbewußtsein nicht außfterben werde, Deutschland sei stolz auf fein Heer. Deshalb fordere er bie Versammlung auf, mit ihm einzustimmen in ein Hoch auf baß active Heer.
Die folgende Ansprache hielt ber Präfibent beß Krieger» Vereins, Herr Mayer. Ergebachte derer, die in christlicher Liebe und patriotischer Empfindung fich vor 25 Jahren bem Samariterbienste weihten - viele berfelben, besonders Frauen, weilten noch unter uns, fie hätten mit Opfer- unb TodeS- muth bie Verwundeten gepflegt unb erquickt, Verbandzeug geliefert, Charpie gezupft. Er forderte bie Anwesenden auf zu einem Hoch auf bie Samariter beß Krieges von 1870/71. — Der übrige Theil beß AbenbS verlief in schönster Weise. Ein von Herrn Buchbinder Bourgeois abgebranntes Feuerwerk fand verbienten Beifall, eS schloß ab mit bem unter Donnerschlägen erscheinenben eisernen Kreuz. Auch bie Leistungen ber Capelle Gröninger fanben verbienten Beifall - ein Mitglied derselben, Virtuos auf bem Holz- unb Strohinstrument, mußte sich sogar zu einer Zugabe herbei- lasten. — Der Gesammteindruck bes Festes war ein der Bedeutung beß Tages würdiger. Der Flaggenschmuck, welcher bie Hauser ber Stabt ziert, beweist, baß baß diesjährige Sedanfest in allen Kreisen freudig mitgefeiert wurde.
♦ * Laubesgewerbevereiu. Für bie am 5. September in AlSfelb stattfindendeHauptversammlung beß hessischen LandeS- gewerbevereins ist folgenbe Tageßordnung aufgestellt: 1. Begrüßungen - 2. Geschäftliche Mittheilungen unb Bericht beß Handwerkerfchulaußschustes - 3. Antrag des Ortßgewerbe- oerelnß Worms auf Abänderung ber Paragraphen 123 unb 124 ber Gewerbeordnung, Berichterstatter: Fabrikant Jochem- Worms- 4. Vortrag beß Reallchrers Kahl-Wimpfen über den „Befähigungßnachweiß im Handwerk"- 5. Außschußwahl von 16 Mitgliedern unb zwar 11 auß Oberhesten, 4 auß Starkenburg unb 1 auß Rheinhessen- 6. Bestimmung beS Ortes ber nächsten Hauptversammlung. Die Sitzung beginnt Vormittags um */8ll Uhr in ber „Concordia."
** Militärdieustuachrichleu. Dr. Bötticher, Assistenzarzt 1. Kl. in ber etatsmaßigen Stelle bei bem Corps Gen.-Arzt beß Garbecorpß, zum Stabs- unb Bats.-Arzt des 2. BatS. 1. Großh. Hess. Infanterie (Leibgarde-)RegtS Nr. 115, Dr. Friedrich, Assistenzart 2. Kl. der Res. vom Landw.-Bezirk I Darmstadt zum Assistenzarzt 1. Kl., Weißheimer, Unterarzt der Res. vom Landw.-Bezirk Worms, Koch, Unterarzt der Landw. 1. Aufgebots vom Landw. Bezirk Gießen, zu Assistenzärzten 2. Klasse befördert. Dr. Boeckh, StabS- und Bats.-Arzt vom 2. Bat. 1. Großh. Hess. Jnf.-(Leib- garbe )RegtS. Nr. 115 zum 2. Bat. beß Königin Augusta- Garde-Gren.-Regts. Nr. 4 versetzt.
* * Sittlichkeitsvergehen. Vergangenen Samßtag Abenb würbe ein hier in Stellung befinblicher Bäckergehilfe von Friedberg wegen Uebertretung beß § 183 verhaftet.
• ** Man lasse die Huube zu Hanfe. Bei ber gestern Abend in so erhebender Weise in Steins Garten abgehaltenen Feierlichkeit waren leider auch wieder verschiedene Mißstände wahrzunehmen, die in Zukunft abzustellen Sache des Publikums selbst sein dürfte, wenn nicht immer bie Polizei bei ber- artigen Gelegenheiten eingreifen soll. Die Rebe beß Herrn Professors Dr. Schwarz wurde nämlich durch plötzlich ein- fallendes Hundegekläff gestört. Ist es denn wirklich verschiedenen Leuten nicht möglich, ohne Begleitung ihres Köters eine Feierlichkeit ober ein Vergnügung-local zu besuchen? Der Anstand erfordert eß neben dem bestehenden Verbot.
* * Beim Abbrennen de8 Feuerwerk» in Steinß Garten drang ein großer Theil beß Publikums über bie einzäunenben Drähte hinweg in bie Anlagen unb auf bie Grasplätze, dabei die aufgestellten Pflanzen in keiner Weise schonend. Diese Rücksichtslosigkeit erregte bei bem übrigen Publikum Unwillen.
• • lief erschütternd wirkt der Bericht der Verwaltung ber UnterstnhnngSkasse der Hesfiischen Laude» Zrreuaupalleu über das Rechnungsjahr 1894/95. Geheimer Medizinalrath Dr. Ludwig in Heppenheim hat fich als Leiter der float- lichen Irrenanstalt ein roarmeß Herz bewahrt - er ist den Kranken nicht nur Arzt, sondern auch Freund. Er verbreitet fich sehr eingehend über die Verbesserung ber Jrrenpflege - so bespricht er bie Uebersüllung ber Irrenanstalten: „Auch hat man von der Uebersüllung einer Irrenanstalt überhaupt keine rechte Vorstellung, empfindet daher auch nicht da« Be- biirsniß, darüber klar zu werden. Nur um so hartnäckiger müssen wir daher bei jeder Gelegenheit erklären, daß die Uebersüllung einer Irrenanstalt, wenn sie einmal einen ge
wissen Grad erreicht hat, nicht- andere- ist, al- eine Tag und Nacht fortgesetzte thatsächliche Mißhandlung der geisteskranken Pfleglinge der Anstalt an Leid unb Seele, ein that- sächlicher Betrug an den Hoffnungen und dem vertrauen der Kranken und ihrer Angehörigen, eine Vernichtung der Arbeit»- freubigfeit und deS Pflichteifer» der Aerzte, deren Bemühungen fruchtlos bleiben müssen, und endlich noch ein unfehlbares Mittel, um ben willigen und eifrigen Wärter zu ent» muthigen und zur Dienstkündigung zu bewegen, die Rohheiten unb die Nachlässigkeiten de» schlechten Wärter» aber zu beschönigen." Sehr beredt fordert Dr. Ludwig, bem Wesen der Geisteskranken mit mehr Liebe nachzuspüren und ihnen nicht hartherzig zu begegnen. „Wäre die» ander»", so meint Dr. Ludwig, „so würde man doch in weiten Kreisen beß Volke» das Bedürfniß empfinden, sich über da» Wrseu, unb namentlich über bie Ursachen ber Geisteskrankheiten zu unterrichten und in Folge dessen unc- um nicht durch eigenen Schaden klug zu werden — der Mensch legt ja bekanntlich sonst großen Werth auf seinen eigenen Nutzen — würde man vernünftiger leben, man würde beispielsweise bem Mißbrauch geistiger Getränke entsagen, statt seine Kräfte im Taumel sogenannter Feste zu vergeuden, würbe man ben Stunden zweckmäßiger Erholung und erquickenden Schlaf» ihr Recht und ihre Macht einräumen unb mit einem Wort eine Lebensweise aufgeben, welche die Gesundheit zerrüttet und nur zu oft mit dem Tod in der Irrenanstalt endet. Nervöse Eltern, geisteskranke Kinder, blödsinnige Enkel!" Der Bericht schließt: „Während wir unseren heutigen Bericht nun schließen, ist der laute Schrei allgemeiner Entrüstung über schwere körperliche Mißhandlungen, welchen in einer auswärtigen, nicht unter ärztlicher Leitung stehenden Irrenanstalt eine Anzahl von Geisteskranken seit Jahren und bis in die neueste Zeit hilflos ausgesetzt war, noch nicht verhallt. Wem es mit dieser Entrüstung Ernst ist, wird unb muß felbstverstänblich nicht nur bann sich erregt zeigen, wenn in einer Anstalt eine gewisse Anzahl von Geisteskranken etwa geprügelt worden ist, er wird vielmehr für bie Zukunft, und bei jeber ihm gebotenen Gelegenheit bte Abstellung ihm bekannt geworbener Mißhandlungen Geisteskranker auch bann energisch fordern, wenn diese Miß,a iblungen die größte Mehrzahl der Pfleglinge einer Irrenanstalt ober gar nahezu alle Geisteskranke eines Landes getroffen haben, ober gar fortwährend treffen. Daß aber von solchen thatsächlichen Massenmißhandlungen ber Geisteskranken noch immer unb auch in unserem engeren Vaterland mit Recht gesprochen werden kann, glauben wir nachgewiesen zu haben, unb deshalb sind wir auch überzeugt, daß bie traurigen Vorfälle in jener auswärtigen Anstalt verbunden mit dem Inhalt diese» Berichte» unserem Verein zahlreiche Freunde zusühren werden, bie Hanb in Hanb mit und in Wort unb Schrift, in Rath unb That dafür eintreten, daß nicht allein der einzelne Geisteskranke jederzeit geschützt ist, sondern daß an maßgebender Stelle, wie überall, auch da» Gesammtwohl der Geisteskranken und die allgemeine aufrichtige Theilnohme an dem Geschick der Letzteren sachgemäß gefördert werden durch eine genügende Erweiterung der staatlichen Irrenanstalten, durch die Errichtung von Provinzial Cur-Anstalten und Äe- nesungShäusern, durch die Einführung der Jrrenheilkunde in die Prüfung der practischen Aerzte, durch die Erhöhung und Ermäßigung an die Irrenanstalten zu entrichtender Pflegegelder je nach ben im Einzelfall mafegebenben Verhältnissen der Zahlungspflichtigen, und überhaupt durch die eingehende Berücksichtigung aller durch die Natur ber Sache gestellten Beengungen, von deren ausgehender und begleitender Erfüllung bie nothwendige Veränderung ber Stellung abhängt, welche bie Gesellschaft gegenüber ihren Geisteskranken leider jetzt noch in der Regel einnimmt."
** Zu Amerika verstorbene Hessen. New-Aork City, NH. Elisabetha Rausch, geb. Löhr, 56 Jahre alt, auS Seligenstadt; Heinrich Walther, 54 Jahre alt, au8 Worm» a. Rh.- Henry Gebhard, 73 Jahre alt, aus Gießen- Katharina Reitz, geb. Best, 46 Jahre alt, auß Urberach - Friedrich Müller, 65 Jahre alt, auß Flonheim. Aberdeen, South Dakota: I. A. Schneider auß Wormß. Brooklyn, N. U.: Michael Reinig, 40 Jahre alt, au» Ober-Mumbach- Theodor Schloerd, 57 Jahre alt, au» Schotten. Buffalo County, Wi».: I. P. Stein, 78 Jahre alt, auß Rimbach. Burlington, Iowa: Johanne« Becker, 67 Jahre alt, auß Kesselbach. Chillicothe, O.: Frau Johanna Kuhn, 84 Jahre alt, auß Lampertheim. Deß Moine», Iowa: Alexander Reinhard, 74 Jahre alt, aus Pfeddersheim. Detroit, Mich.: Heinrich I. Ruppel, 53 Jahre alt, auß Obbornhofen. East Haven, Gönn.: Heinrich Levy, 74 Jahre alt, au» Darmstadt. Fort Wayne, Jnd.: Johanne» Essinger, au» Reichenbach. Franklin, Wis.: Margaretha Gessert, geb. Mayer, 63 Jahre alt, au» Nierstein. Hamilton, Ontario Can.: Katharina Alternativ, geb. Roth, 73 Jahre, au» Eifa. HillSboro, O.: Georg Wcyrich, 68 Jahre alt, au» Ost' dosen. Cong J»land City, N. U : Philipp Beutel, 69 Jahre alt, au» Dalheim. Manchester, Mass.: Philipp Reischer, 69 Jahre alt, au» Worm» a. Rh. Paderborn, Jll.: Frau Barbara Knap», 84 Jahre alt, au» Fahrenbach i. O. Racine, WiS.: Frau Katharina Lutz, 91 Jahre alt, auß Freienseen. Union Di Ile, N. U.: Elisabeido Sprude, geb. Beutel, 56 Jahre alt, auß Dalheim. Whee> ling, B. Wa.: Maria Elisabetha, Ehefrau von GonrM Eisenach, 62 Jahre alt, au» Darmstadt. Woolwich, Gat Eckhardt Nie», 76 Jahre alt, au» dem Kreise Al-sti*. Noungstown, O.: Johann Georg Krichbaum, 65 Jahre alt, au» Niedernhausen.
W.B. Lang Göv», 2. September. Gestern wurde dahier da» Sedan fest gefeiert. Die Gesangvereine, Feuerwehr, fämmt» liche Schulen und Behörden unsere» Orte» veranstalteten einen Festzug mit dem Posaunenchor und der Freiwilligen Feuerwehrcapelle an der Spitze. Ein einfacher Sandsteinobelisk, gestiftet von der Gemeinde, mit ben Namen derer, die im Kriege geblieben und der Inschrift „Den Tobten zur Ehr,


