Ausgabe 
3.7.1895 Erstes Blatt
 
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Nr 153 ErAes Blatt. Mittwoch ben 3. Juli

Der -iebever £ttjtig<r erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».

Die Gießener A«mttte»vkS1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt.

Gießener Anzeiger

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de, (SxiofeOYtPY fifrtffoi* Äfle ^nnoncen-Bureaux deS In- und Ausländer nehm«

folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. U*V>VvHUy C^UUllUVUVlUllU. Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtliche* Theil.

Bekamttmachsng,

betreffend die Rothlaufseuche in der Gemeinde Oberbiel.

Unter den Schweinen in der Gemeinde Oberbiel, Kreis Wetzlar, ist die Rothlaufseuche amtlich festgestellt worden.

Gießen, den 1. Juli 1895.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Indem wir die nachstehende Polizei-Verordnung des Herrn Regierungspräsidenten zu Coblenz vom 10. Mai d. I. veröffentlichen, machen wir die im Kreise Wetzlar practicirenden diesseitigen Aerzte auf die ihnen nach § 1 dieser Verordnung obliegende Anzeigepflicht besonders aufmerksam.

Gießen, den 1. Juli 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Auf Grund des § 137 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (Ges. S. S. 195 ff.) und gemäß 6, 12 und 15 des Gesetzes über die Polizei- Verwaltung vom 11. März 1850 (G. S. S. 265) wird unter Zustimmung des Bezirks-Ausschusses für den Umfang des Regierungsbezirks Coblenz Folgendes verordnet:

$ 1. Alle diejenigen, welche sich mit Ausübung der Heil­kunde gewerbsmäßig beschäftigen, haben jeden in ihrer Praxis vorkommenden Fall von:

Diphtherie, Croup oder Bräune, typhoidem Fieber, gastrischem Fieber, Nervenfieber oder Schleimfieber sowie von:

Tollwuth, Rotz, Milzbrand und Trichinose bei Menschen

der Ortspolizeibehörde (Bürgermeisteramt, in Coblenz der Polizeidirection) unverzüglich und spätestens inner­halb 24 Stunden anzuzeigen.

§ 2. Auf ergangene Bekanntmachung des zuständigen Land­rathsamtes oder der hiesigen Polizei-Direction sind ebenso anzuzeigen alle Fälle von:

Scharlachfieber, Masern, contagiöser Augenent­zündung, Ruhr.

$3. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden, sofern nicht nach § 327 R.-Str.-G.-B. strengere Be­strafung eintritt, mit Geldstrafe von 5 bis 30 Mark für jeden Uebertretungsfall, im Unvermögensfalle mit verhältnißmäßiger Haft bestraft.

$ 4. Die Polizeiverordnung vom 18. September 1889 (Amtsblatt Nr. 40 S. 210 f.) wird hierdurch auf­gehoben.

Loblenz, den 10. Mai 1895.

Der Regierungs-Präsident.

Indem ich die vorstehende Polizei-Verordnung hierdurch zm öffentlichen Kenntniß bringe, bemerke ich zugleich, daß außer den in ihr angeführten Krankheiten noch anzuzeigen sind: a. Nach 9, 25, 36 und 44 des Regulativs, betreffend die sanitätspolizeilichen Vorschriften bei ansteckenden Krankheiten, vom 8. August 1835 (G. S. S. 240) alle Fälle von asiatischer Cholera, Typhus, d. h. Unter­leibstyphus, Flecktyphus oder Rückfalltyphus (Recurrens) und von Pocken, ferner:

b. Nach einer Bekanntmachung vom 1. August 1892 alle der asiatischen Cholera verdächtigen Fälle (heftige Brech- durchfälle bei Kindern bis zum Alter von 2 Jahren).

c. Nach § 1 der Polizei-Verordnung des OberPräsidenten der Rheinprovinz vom 22. November 1889 jeder zur Kenntniß gelangende Fall von Kopfgenickkrampf (Genick­starre, Gehirn-, Rückenmarks-Entzündung, Meningitis cerebrospinalis).

d. Nach § 1 der Polizei-Verotdnung des Ober-Präsidenten der Rheinprovinz vom 2. April 1891 alle in der be- treffenden Praxis vorkommenden Fälle von Kindbett­fieber.

Die zuständigen Polizeibehörden werden den Aerzten des Bezirks für Erstattung der Anzeigen Meldeformulare oder Meldekarten zugehen laffen, um deren möglichst vollständige Ausfüllung ich im öffentlichen Jntereffe ersuche.

Loblenz, den 10. Mai 1895.

Der Regierungs-Präsident.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Amtszimmer des Grotzherzogl. Kreisgesuudheits- amtes Gießen sich von heute an Moltkestratze 5 befindet.

Dr. Haberkorn, Grotzherzogl. Kreisarzt.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Juni. Heute Morgen um 2 Uhr wurde auf dem Packetpostamt an der Oranienburgerstraße eine Höllenmaschine entdeckt, die aus Fürstenwalde au den Polizeioberst Krause abgesandt und offenbar in Er­innerung an die bekannte Thomasuhr mitAbsender Thomas" gezeichnet war. Aus der Kiste sickerte Benzin, wodurch man aufmerksam wurde. Man hörte nun das Ge­räusch eines Uhrwerks und lüftete den Boden der Kiste. Jetzt sah man sieben mit Benzin gefüllte Flaschen, die unter­einander durch fünf Schnüre verbunden waren. Die Schnüre standen mit einem scharf geladenen Revolver in Zusammen­hang, der sich beim Oeffnen des Deckels entladen haben würde, da ein Schnur vom Deckel nach dem Drücker des Revolvers ging. Die Uhr enthielt einen Wecker, der auf Vsll Uhr gestellt war, so daß die Maschine, auch wenn sie nicht geöffnet wurde, heute Vormittag bald nach der Abliefe­rung explodirt sein würde. Das Polizeirevier wurde als­bald benachrichtigt, und sandte Beamte, die die Maschine un­schädlich machten und mit Beschlag belegten.

Neueste Nttchrschten»

Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 1. Juli. Der ehemalige Hofprediger Con- fistorialrath Schrader ist heute gestorben.

Berlin, l.Juli. Die Abendblätter melden bezüglich des AttentarsversuchS gegen den Polizetoberst Krause, daß das Packet am Samstag Abend in Fürstenwalde von einer unbekannten, etwa 20jährigen Persönlichkeit von mittlerer Größe mit blondem Schnurrbart aüfgegeben wurde. Dom Thäter fehlt bisher jede Spur. Da vorläufig die Voraussetzung zu der Annahme eines politischen Attentats nicht vorhanden ist, hat die politische Polizei die Unter­suchung an die Criminalpolizei abgegeben.

Berlin, 1. Juli. Die Berliner Frauengruppe des Vereins zur Förderung des DeutschthumS in den Ostmarken veröffentlicht einen Aufruf an die deutschen Frauen und Jungfrauen, bei der Beschaffung von Fahnen für die Feier des 25. Gedenktages des Sieges von Sedan in der Provinz Posen behilflich zu sein, damit die Feier nicht nur der großen Vergangenheit geweiht sei, sondern auch ein Mittel zur Stärkung des nationalen Empfindens bilde.

Berlin, 1. Juli. Der französische Deputirte F o u g e i r a l, Vicepräfident der französischen Bimetallisten-Liga, und Herr Edmond Phvry, Generalsecretär der französischen Bimetallisten-Liga, find in Berlin eingetroffen und hatten heute im Abgeordnetenhause eine Conferenz mit dem Vor­stande des deutschen Bimetallisten-BundeS, an welcher u. A. Graf Mirbach, v. Kardorff, Dr. Arendt theilnahmen. Zweck der Conferenz ist, die Verständigung über ein gemeinsames ActionSprogramm herzustellen. Die französischen Delegirten hatten vorher in London Besprechungen mit der englischen Bimetallisten-Liga.

Kiel, l.Juli. Der Kaiser traf heute Abend 6^ Uhr nochmals in dem Schlöffe zum Besuche der Kaiserin ein, um daselbst bis zur Abendtafel zu verweilen. Heute Nach­mittag 4 Uhr fand mit großer Feierlichkeit die Beerdigung dreier Opfer der am Freitag erfolgten Explosion statt. ES sind dies der See-Cadett Bahlen und die Torpedomatrosen Buhmann und Elster. Die Leiche des letzteren ist gestern bei FriedrichSort aufgefunden worden.

Paris, 1. Juli. Der Unterrichtsminister P o i n c a r e conferirte mit der Budgetcommission über ein Denkmal zur Erinnerung an den Krieg von 1870, dessen Errichtung die Regierung beantragt. Der Minister wünscht, daß die Grundsteinlegung dieses Jahr stattfinde wegen der 25. Jahres­wende deS Krieges. Drei Anträge liegen vor, wonach daS Denkmal im Pantheon oder Tuileriengarten oder im Walde von Vincennes errichtet werden soll. Die Budget Com­mission wünscht indeß die Errichtung auf der Invaliden' ' ESplanade.

Kovstautiuopel, 1. Juli. Der Sultan empfing heute ; den deutschen Botschafter v. Saurma-Jeltsch, der sein ' Beglaubigungsschreiben überreichte.

Depeschen deS Bureau .Herold".

Berlin, 1. Juli. Nach Meldungen aus Kiel wird der Kaiser seine Reise nach Schweden erst dann antreten, sobald es feststeht, daß die Kaiserin von Kiel abreisen kann.

Trier, 1. Juli. In dem Dorfe Oberkail in der Eifel wurden durch eine Feuersbrunst 31 Wohnhäuser und 47 Wirthschaftsgebäude eingeäschert. Mehrere Personen find verletzt- eine Anzahl Vieh ist verbrannt.

Budapest, 1. Juli. Die Getreidefirma I. NeumayerS Sohn ist mit 200000 Gulden Passiven fallit.

Lemberg, 1. Juli. In den Bezirken Przemhsl, Rzeszow, Jaroslaw und Glogow herrscht die Schweineseuche in großem Umfange.

Rom, 1. Juli. Heute wird in Livorno auf dem Campo Santo die Büste des Journalisten Bandt enthüllt werden, welcher von Anarchisten erdolcht wurde, weil er da- Verbrechen CaserioS energisch gerügt hatte.

Rom, 1. Juli. Wie verlautet, wird der König am nächsten Donnerstag ein Amnestiedecret unterzeichnen.

Paris, 1. Juli. Aus Toulon wird mitgetheilt, daß heute die großen Seemanöver beginnen, welche bis Ende Juli dauern werden.

Paris, 1. Juli. Nach hier circulirenden Gerüchten soll die chinesische Anleihe bereits abgeschlossen sein, nachdem sie von den vier Mächten garantirt worden ist.

Paris, 1. Juli. Nach Mittheilung derEstafette" ist im Sommer 1893 während der Anwesenheit des Minister- Gier S in Paris eine Militärconventionzwischen Frankreich und Rußland abgeschlossen und unterzeichnet wordeu.

Pari», 1. Juli. Mehrere Abgeordnete werden verlangen, daß der Antrag des Abgeordneten Barthieson, betreffend den Dau eines CanalS zwischen dem atlantischen Ocean und dem Mittelmeer, sofort in der Kammer zur Berathung kommt. Eine große Anzahl Handelskammern und Syndicate haben sich für Üen Bau des Canals aus­gesprochen. Der Canal soll 624 Kilometer lang, 63 Meter breit und Si/2 Meter tief sein.

Paris, 1. Juli. Der Präsident der Republik eröffnete gestern den internationalen Congreß der Straf­gesetzgebung. Zahlreiche Delegirte aller Länder waren anwesend, unter Anderen der berühmte Gelehrte Professor Lambroso.

Paris, 1. Juli. Die Regierung hat beschlossen, alle Geistlichen, welche gegen das Ordenssteuergesetz protestiren, exemplarisch zu bestrafen.

Paris, 1. Juli. DasJournal" will erfahren haben, daß König Humber.t C r i S p i in den Fürsten st and erhoben und ihm ein Kronlehen zu geben beabsichtige.

Sofia, 1. Juli. An der ganzen bulgarischen Grenze finden jetzt Zusammenziehungen von Truppen statt. Bei Mustapha sollen bereits 30000 Mann coucentrirt sein. Zwei türkische Soldaten wurden auf bulgarischem Gebiet festgenommen.

Gieße», den 2. Juli 1895.

* Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 8. Mai dem Maurer Anton Schulmeier zu Ilbenstadt das Allgemeine Ehren­zeichen mit der Inschrift:Für Verdienste", am 27. Juni dem Schullehrer Conrad Stein zu Ober-Breidenbach das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps deS Groß- müthigen zu verleihen.

* Von der Universität. Unserem gestrigen Berichte über das Jahresfest der Universität fügen wir hier noch an die Preis auf gab en, die für 1895/96 gestellt werden. Die­selben lauten: Theolo gische Facultät:Erklärung von Psalm 22." Juristische Facultät:DasBudgetrecht der hessischen Landstände in seiner historischen Entwickelung von Erlaß der Verfassung bis zur Gegenwart." M e dt- cinische Facultät: a) Akademischer Preis:ES find die Don M. Heidenhain und Cöhn im Epithel von Amphibien und Säugethieren, von Bonnet im Epithel des menschlichen Magens und verschiedener Drüsen entdeckten Schlußleisten bezüglich ihres Vorkommens, womöglich mit Berücksichtigung ihrer functionellen Bedeutung beim Menschen, einer systemati­schen Untersuchung zu unterziehen"; b) für den Balser-Preis: Die Frage, ob der Kopf deS Neugeborenen in einem ganz bestimmten Verhältniß steht zu dem der Mutter, soll durch eine größere Reihe vergleichender Messungen unter genauer Berücksichtigung des bereits vorliegenden Materials neu ge­prüft werden." Philosophische Facultät: a) Mathe-