zei entdeckte die für das Attentat bereu» angefertigle Bombe, die in einem Steinbruche versteckt war. Perier wurde verhaftet, zwei Helfershelfer de» Perier find flüchtig.
Marseille, 31. Juli. Ein weiterer Transport von 900 für die Expedition bestimmten Land« und Seefoldaten, sowie von Proviant- und Kriegsmaterial wird morgen nach MadagaScar abgehen.
London, 31. Juli. Wie das Bureau Reuter erfahrt, habe die englische Regierung den Anspruch auf die Insel Trinidad nicht ausgegeben, sei jedoch bereit, diese Frag? mit der brasilianischen Regierung in freundlichem Sinne zu erörtern. Die Insel werde lediglich für Legung eines Tele- graphencabels beansprucht.
Warschau, 31. Juli. Graf Schuwalow hat sich gestern nach Militsch zur Jubiläumsfeier des Ulanen- regtmenrs „Kaiser Alexander HI. von Rußland" (West- preußisches Nr. 1) begeben.
Depeschen de» Bureau .Herold*.
Berlin, 31. Juli. Die Kaiserin-Mutter, verwitwete Herzogin Adelheid von Schleswig-Holstein, wird, wie dem „Berliner Tageblatt" gemeldet wird, Anfang August die Reise nach Potsdam antreten, um eine Zett lang bei der Kaiserin Aufenthalt zu nehmen. Diese Meldung spricht dafür, daß die Kaiserin den Besuch in Saßnitz auf Rügen vorläufig aufgeschoben, wenn nicht vollständig aufgegeden har.
Berlin, 31. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß Justizmtnister Schönstedt eine Wiedervorlegung des Entwurfes zur Abänderung der Strafproceßord- nung für unbedingt nothwendig erachtet.
Berlin, 31. Juli. Kaiser Wilhelm hat der „Voss. Ztg." zufolge dem König Oscar von Schweden auf drahr- b t)tm Wege mit den herzlichsten Worten seine Freude über die Natur-SehenSwürdigkeiteu und Schönheiten des Landes vud den außerordentlich guten Empfang, den ihm die Bevölkerung allenthalben bereitete, ausgesprochen.
Berlin, 31. Juli. Nach der „Militärisch-Politischen Eorrespondenz" bezeichnet man eS in Marinekreisen für sehr wahrscheinlich, daß in den nächsten Reichsetat eine Forderung für den Ersatzbau „König Wilhelm" eingestellt werden wird.
Berlin, 31. Juli. In der gestrigen Sitzung der vertraulichen Conferenz der Vertreter deutscher JnnungSverbände und Jnnungsausschüsse wurde d e Berathung über die Regierungsvorlage, betreffend die Organisation deS Handwerks, beendigt. Die Regierungsvorlage bafirt auf dem Prtncip der Zwangsinnung und die Eonferenz har sich diesem Princip angeschloffen unter Befürwortung einer Erweiterung deffelben. Nach der Regierungsvorlage sollen alle diejenigen Handwerker der Innung zwangS- weise beitreten, welche Gesellen und Lehrlinge beschäftigen. Die Conferenz hat diese Bestimmung dahin erweitert, daß auch der Großbetrieb, bei welchem handwerksmäßig ausgebildete Gesellen beschäftigt sind, Beiträge zu den Unkosten der Innung leisten soll. Geheimrath Wilhelmt erklärte, daß die Regierung mit dieser Erweiterung einverstanden sei. Die Forderung de» Befähigungsnachweises wurde zunächst noch fallen gelassen, nachdem der Regierungsvertreter erklärt hatte, daß die Re« gierung sich unter keinen Umständen auf den Befähigungsnachweis einlaffe.
Stuttgart, 31. Juli. Im Gasthaus zum Hirsch fand gestern Abend eine öffentliche Anarchistenversammlung statt, die von etwa 200 Personen besucht war. Als Referent trat der von München und Mannheim her bekannte Buchbinder Wolf auf, der sich in mehr als einstündtger Rede gegen den von der Socialdemokratie gepflegten Parlamentarismus wandte. Der Referent empfahl Bekämpfung der Regierungsgewalten und des Capttals mit Umgehung deS Parlamentarismus durch starke wirthschaftliche Organisationen. In sachlicher Beziehung trat dem Referenten der Redacteur Hildenbrand entgegen,- im Uebrigen bewegte sich die DtScusfion bis gegen Mitternacht auf persönlichem Gebiete, wobei es mitunter sehr lebhaft zuging.
Leuedig, 31. Juli. Durch daS gestrige Erdbeben wurde in den Provinzen Ferrara, Rovigo, ToScana, Vicenza und Venedig bedeutender Schaden angerichtet. In vielen Ortschaften wurden Häuser beschädigt.
Brüffel, 31. Juli. Gestern Abend hielten Delegtrte der belgischen Arbeiterpartei eine Versammlung im VolkShause ab, in welcher die Frage über den nächsten Gemetnderath gelöst wurde. Mehrere Hundert Deputirte waren erschienen. Die Abgeordneten Van der Velde und DeSmert hielten Reden, in welchen sie mit großer Energie Wahlbündntffe mit den Radtcalen befürworteten, um dem Vordringen des KatholiciSmuS ein Halt zu setzen. Die Versammlung wählte sofort Delegirte, welche mit den Radicalen verhandeln werden.
Paris, 31. Juli. Der serbische Gesandte Garaschanin erklärte über die Lage im Orient, man könnte die Abdankung deS Fürsten Ferdinand als bevorstehend ansehen. Sein Nachfolger sei Persona grata in Petersburg. T)« Gesandte erklärte ferner, daß die Befürchtungen betreffend die Lage in Macedonien aufgebauscht seien.
Paris, 31. Juli. Die Blätter heben den großartigen Sieg der Franzosen in Marokko, die officielle Anerkennung de» französischen Consul» in Fez Seitens deö Sultans hervor. Sie bemerken, daß bis jetzt kein europäisches Consulat in Fez bestehe und diese französische Errungenschaft für die Europäer sehr werthvoll sei.
London, 31. Juli. Die Königin wird anläßlich der Anwesenheit des deutschen Kaisers drei große Festeffen im prachtvollen indischen Saale des Schlaffes Arborni geben.
«ießen, den 1. August 1896.
" Zum Beste» bei „Rothe» Kreuzes". Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog hat für die Sonderausstellung des „Rothen Kreuzes." auf der Industrie« und Gew erbe-
| Ausstellung zu Straßburg einen silbernen Pokal ge- spendet. — Am letzten Sonntag wurde die Ausstellung von rund 26,000 Personen besucht.
*♦ Sitzung der Großh. Handelskammer vom 25. Zolt i. j. Anwesend die Herren Koch, Gail, Heichelheim, Homberger, Klmgspor, Kraatz, Wortmann. Wegen Einführung von Saison-Billet» G ießeu — Nord ern ey und übrige Nordseebader mit ähnlicher Fahreis-Ermäßigung, wte die m Frankfurt a. M. und Cassel aufliegenden BilletS, richtet die Kammer eine Eingabe an die Königl. Eisenbahn • Directwn Frankfurt a. M. — Die Beschlußfassung über verschledeue emge- laufene Eingaben wegen deS Winter-FahrplanS wird bis zum Emgang der betreffenden Fahrplanentwürfe vec- schoben. — Die Petition des hiesigen Kaufmännischen Vereins um staatliche Subventionierung soll unterstützt werden. — An den Bestrebungen um Canal ist ruug der Oberweser wird die Kammer sich auch fernerhin beteiligen als Mitglied der freien Vereinigung der Weser- schifffahrts - Interessenten. — Nach einer Mittheilung der Deutschen Botschaft in Paris hat der Pariser CassationShof in Abweichung von der früheren Rechtsprechung entschieden, daß deutsche Actiengesellschaften in Frankreich proceßfähig seien auf Grund der Meistbegünstigungsclausel im Art. 11 deS Frankfurter Friedens, die sich nicht nur auf physische Personen beziehe. — Die Kammer ist von Großh. Ministerium deS Innern und der Justiz aufgefordert, ihre Ansicht bezügl. Abänderung des Aichwesens zu äußern. — Auf Grund eines Referats des Herrn Kraatz spricht sich die Kammer für Einführung der periodischen Nachaichung aus, dergestalt, daß an Stelle der bisherigen zeitweisen Revisionen in bestimmten Zwischenräumen sämm t- liche Maße neu geaicht werden und nur die mit dem Stempel der jeweilig letzten Aichung versehenen Maße gültig sind, daß die Kosten der Aichung möglichst auf die Selbstkosten herabgesetzt und die Strafen gegen die gutgläubigen Besitzer eingeschränkt werden.
Strafkammer. Der Prozeß Schultheis an hiesiger Strafkammer nahm gestern am Spätnachmittag einen unerwarteten Verlauf. Es handelte sich am Schluß der Vormittagsfitzung darum, ob die einzige Belastungszeugin, das Dienstmädchen Schad, zu vereidigen sei oder nicht. Der erste Staatsanwalt, Herr Dr. Güngerich, bejahte die Frage. ES sei im vorliegenden Fall ein Verdacht der Thetlnehmerschaft am zur Aburtheilung stehenden Verbrechen undenkbar. Die Bertheidigung begründete die entgegengesetzte Ansicht in längerer Auseinandersetzung. Um 3% Uhr Nachmittags, wo die Verhandlung fortgesetzt werden sollte, war der Sitzungssaal mit Zuhörern aus der Stadt und aus der Nauheimer Gegend überfüllt. Der Gerichtshof blieb bis gegen 5 Uhr in dem Berathungszimmer versammelt. Als die Richter darauf im Saale Platz genommen, war die Spannung des Publikums aufs Höchste gestiegen, denn allgemein glaubte man, daß mit der erwarteten Nichtver-idtgung der Belaftungszeugin die Sache entschieden werden würde. Nachdem der Vorsitzende, Herr Landgerichtsrath Dr. MöbiuS, den Beschluß verkündet hatte, daß die Schad wegen des immer noch bestehenden Verdachts, einen Meineid geleistet zu haben, nicht zu vereidigen sei, stellte die Anklagebehörde den Antrag, der Gerichtshof solle sich für incompetent erklären und die Sache mit ober ohne die Schad (das Letztere überlasse er dem Entscheid des Gerichtshofes) an das nächste Geschworenengericht überweisen. Vertheidiger, Herr Rechtsanwalt Jöckel, motivirt seine Meinung, daß man eventuell seine Clientin freisprechen möge, es sei nichts erwiesen, was dieselbe etwa belasten könne, denn die einzige Zeugin, die Schad, verdiene keinen Glauben. Herr Rechtsanwalt Grünewald steht auf dem Standpunkte, daß aus rechtlichen Gründen nach Lage der Sache nur auf Ueberweisung an das Geschworenengericht erkannt werden könne, welches zweifellos die Angeklagte freisprechen werde- aus diesem Grunde und weil die Angeklagte eine leidende Person fei, die bei ihrer Körperconstitution der freien Bewegung benöthige, weil eine Beeinflussung der Zeugen nicht mehr bestehe und Fluchtverdacht wohl ausgeschloffen fei, beantrage er deren Haftentlassung, eventuell gegen CautionShinterlegung. Der Gerichtshof verkündet gegen 6 Uhr den Beschluß, daß, da der begründete Verdacht vorltege, daß die Zeugin Schad vor dem Schöffengericht Nauheim einen Meineid geleistet und eö sich daher nicht um eine versuchte Verleitung, sondern um eine Anstiftung zu diesem Verbrechen handelt, so sei die Sache an das nächste Schwurgericht zu verweisen. Die Angeklagte ist gegen CautionSleistung von 30000 Mark auS der Haft zu entlassen.
•* Eapitalrenlensteuer. Das am 29. v. MtS. zur Ausgabe gelangte Regierungsblatt Nr. 22 bringt daS aus 39 Artikeln bestehende Capitalrentenfteuergesetz. Die Besteuerung nach diesem bei der Veranlagung für 1896/97 erstmalig zur Anwendung kommenden Gesetz tritt vom 1. April 1896 an in Wirkung. Der Capitalrentensteuer unterliegt der Reinertrag auS Capitalvermögen, soweit solches nicht in Grundstücken, Gebäuden und gewerblichen Anstalten angelegt ist oder im eigenen landwirthschaftlichen oder dec Gewerb- steuer unterworfenen eigenen gewerblichen Betriebe Verwendung findet. Der Capitalrentensteuer sind unterworfen: 1. Die Zinsen oder Renten auS Anlehen des Deutschen Reiches, sowie aus Schuldbriefen deutscher und nicht deutscher Staaten, Gemeinden ober anderer öffentlicher Verbände. 2. Die Zinsen, Renten und Dividenden aus Actien oder GeschäftSantheilen von Unternehmen jeder Art- ferner die Zinsen auS Schuldbriefen von Eisenbahn-, Bank-, Bergwerksund anderen industriellen ober Handelsunternehmungen, insbesondere auch der Actiengesellschaften. 3. Die Erträge sonstiger verzinslicher Capitalforderungen, insbesondere auS Darlehen, Kaufschillingen, Ablösungsbeträgen, Sparkaffeguthaben, Dienst- und anderen Cautionen, Hinterlegungsgelbern, sowie die Erträge auS verzinslich geworbenen ZinS- und anderen Ausständen. 4. Die Zinsen, welche infolge deS Besitzes von Lotterie-AnlehenSloosen, verzinslichen wie un
verzinslichen, bezogen werden, ferner solche, welche in unverzinslichen KaufschiklingSzielen, diScontirten Wechseln, Schatz, scheinen und in anderen unverzinslichen Capitalforderungen einbegriffen find. Dividenden und Zinsen von Aktien der im Großherzogthum gewerbsteuerpflichtigen industriellen und Handelsunternehmungen bleiben bei der Capitalrentensteuer außer Betracht.
*♦ Jugendlicher Durchgänger. Im Marburger Arbeit». Hause war vorgestern ein 13 Jahre alter Junge untergebracht, der seinen Eltern auS Gießen durch gebrannt und auf dem Wege nach Berlin begriffen, zu Jesberg völlig mittellos aufgegriffen und zurückrranSportirt wurde. Wie verlautet» ist eS derselbe Junge, der kürzlich schon einmal seinen Elter, entlief und einige Tage darauf in Frankfurt ermittelt wurden
*• Diebstahl. Gestern Abend wurden einem hiesigen Wirth von einem Unbekannten 48 Mark auS der Tageskasse gestohlen.
** Erinnerung an! dem Kriege 1870/71. Einer der jüngsten Ritter des eisernen Kreuzes dürfte wohl l. „D. T. A." ein Rheinhesse gewesen fein, eS war dies der zu Nierstein geborene Karl August Frommann. Kaum 181/» Jahre alt, rückte er mit dem Großh. Hess. Artillerie-CorpS schon als Unteroffizier und Geschützführer mit ins Feld und er» warb sich am 16. August 1870 bei Vionville den Orden des eisernen Kreuzes. Die Nachricht an seine Eltern lautete: „Heute Abend nach beendigter Schlacht wurde mir vor versammeltem Regiment der Orden deS eisernen Kreuzes ver» liehen, ich nehme nicht 3000 Thaler dafür." Leider war es ihm nicht vergönnt, die hohe Auszeichnung lange zu tragen; er starb den Tod fürs Vaterland am 24. October 1870 und liegt in der Nähe von Metz begraben.
Aus dem Jahre 1870. Im Anschluß an den CorpS- befehl vom 31. Juli in Betreff deS Vormarsches der Großh. Hessischen Division wurde am 1. August vom Divisionskommandeur die Dislocatton für den 2. August an die Truppentheile außgegeben. Am 2. August Vormittags traten die Truppen der Großh. Hessischen Division von ihren Can- tonnementSquartieren den Vorbeimarsch in der Richtung nach Stetten an, wo daS Stabsquartier blieb, und setzten denselben am 3. und 4. August fort. Am 3. August wurde bad Stabsquartier nach Grünstadt, am 4. August nach Münchweiler verlegt. D. T.
** Die Ernte ist in Deutschland in vollem Zuge und man glaubt, daß der Ertrag dem vorjährigen nahe komme» werde. In Gerste liefert die Hallesche Gegend lehr schöne Qualitäten, während in Bayern aus einzelnen Districte» über den Ausfall der Gerste geklagt wird. In Oesterreich« Ungarn ist die Ernte weiter vorgeschritten, wie bei uns- in der transleithanischen Reichshälfte ist sie nahezu beendigt. In Pest wird für Weizen da» gleiche Erträgniß wie im Vorjahre angenommen, allein die Qualitäten fallen sehr ver« schieden aus und stehen hinter denjenigen de» Vorjahres sowohl an Gewicht wie in Farbe zurück - in Folge deffe» erzielt die vorjährige Waare heute schon einen um 30 bis 50 Kreuzer höheren Werth, als das neue Product. Auch bezüglich des Roggens, welcher wohl schwer im Hectoliter« gewichte ist, zeigt man sich von der Farbe nicht ganz befriedigt. Die Gerste soll in Ungarn minder gut geraden sein, dagegen lauten die Nachrichten auS Oesterreich und speciell aus Mähren befriedigend. Hafer liefert eine sehr gute Ernte, Mais steht schön, hat jedoch zuletzt unter der Hitze gelitten. Rußland hat, wie immer, sehr verschiedene Ergebnisse in be» einzelnen Gouvernements zu verzeichnen, der Süden liefert eine Mittelernte in Roggen und Weizen. In Frankreich ist die Ernte im Ganzen befriedigend, wenn auch daS Ergebuiß geringer ist, als im Vorjahre. AuS Amerika verlautet, daß nun auch der Sommerweizen ein geringeres Erträgniß liefert, als erwartet wurde. Daraufhin find die Weizenpreise in Newyork gestiegen. Die Verschiffungen au» Argentinien und Ostindien haben abgenommen, auch der russische Weizen export hat nachgelassen.
-g- Von der Bahnstrecke Hungen—Friedberg, 31. Juli. Die Bewohner einer Gegend, durch welche eine neue Bahnlinie geführt werden soll, werden oft ungeduldig, wenn der Bau nicht so schnell vorwärts geht, rote eS ge» wünscht wird. Daß derartige unliebsame Verzögerungen häufig durch die Einwohner selbst herbeigeführt werden, davon haben wir leider jetzt eine kleine Probe zu koste». Auf unserer Strecke handelt eS sich z. B. um einen kleine» Obstbaum, dessen Werth zu 6 Mk. geschätzt wurde. Die Commission offerirte 10 Mk., der Eigentümer aber verlangt 100 Mk. Weiter handelt eS sich um ein Stückchen Land, dessen Werth 50 Mk. beträgt. Um vorwärts zu kommen, ist die Commission bereit, 100 Mk. zu geben, der Eigen-« thümer verlangt 500 Mk. WaS soll man mit solcher? widersinnigen Forderungen anfangen! Werden sie bewilligt, so können sie Veranlassung geben, eine ganze Gegend unzufrieden zu machen, denn Jedermann will alSdann den dickste» Bracken haben. Werden sie abgelehnt, so muß daS Expropriations-Verfahren eintreten, was mindestens ein Vierteljahr in Anspruch nimmt. Dieses Vierteljahr ist dann für den Bahnbau verloren, denn eß darf gesetzlich mit dem Bau nicht eher begonnen werden, als biß daß ganze Gelände erworben ist. Da viele Leute dieß nicht wissen, schimpfen sie aus Verwaltungs- und Baubehörden wegen Verzögerung be» Bahndaueß, während der Verzögerer ganz anderswo gesucht werden muß. Eß kommt bei einem Unternehmen, ba> Millionen kostet, am Ende auch nicht auf 500 oder 600 Mk. "ehr oder weniger an, doch jeder Bürger sollte sein Theil dazu beitragen, daß eine gemeinnützige Sache so rasch al» möglich gefördert wird. Zu spitz sticht nicht und zu scharf- schneidet nicht. — Hierbei fällt dem Einsender folgende lehrreiche Geschichte ein. Vor etwa 50 Jahren sollte eine Bah» in Norddeutschland gebaut werden- die Trace führte an einem kleinen Bauernhöfe vorüber, dessen Besitzer gänzlich verschuldet war. Eine gichtbrüchige Scheuer und einige wackelige Hühner«, Schwein« und Kuhställe im damaligen
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