E. 3u Sich
am 27. April 1895 aw Bahnhof für die Bewohner von. Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher- Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder.Besfingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
L Appell Nachmittags 3 Uhr:
Offiziere, Sanitäts-Offiziere und Beamte, der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.
Reservisten, sowie zur Dispofition der Truppentheile und der Ersatz - Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Nachmittags 4 Uhr.
Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatz- Refervisten.
Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Nothfalle genehmigt.
Diejenigen Mannschaften, bei denen Fußmessungen noch nicht vorgenommen wurden, haben überhaupt keine Aussicht ans Befreiung.
Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher wegzulegen.
Die Militarpapiere (Paß und FührungSzeugniß) mtiffex zur Stelle sein.
Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe de8 ganzen Lontroliages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.
Gießen, den 25. März 1895.
Großherzogliches Bezirks-Commando.
I. V.: Beck.
Premierlieutenant und Bezirks-Adjutant.
Deutscher Reichstag.
74. Sitzung. Samstag, den 80. März 1896.
Nach Erledigung einer Rechnungsvorlage wird der Antrag Möller-Hitze, betreffend die Aenderung der Einheitszeit, ki dritter Lesung angenommen.
Fortsetzung der Beratbung deS Antrags Kanih.
Abg. Graf Galen (Emir.): Seine Partei habe die Frage gewiffenhaft geprüft. Zwei Weltanschauungen kämpften gegen ein- a der, die christlich-sociale und die materialistische. Er muff' das . Princip des Antrages adlehnen. Redner empfiehlt schließlich Com- ; missionSberaihung.
Abg. Barth (frs. Vg). Der Antrag würde wie eine Kopf- j steuer wirken, da man ja für das Getreide Mindestpreise Herstellen will. . Mit demselben Rechte könnten aber auch alle anderen Mindestpreise i für ihre Maaren verlangen. Da» ganze Princip sei zu verwerfen ! und daS genüge allein, den Antrag entschieden zurückzuweisen. <
Abg. Ltmburg-Sttrum (bc.) wundert sich, daß das Eentrum, ; welches den Antrag verwerfe, denselben nicht sosort ablehne. Redner ; btfh eitet die UnauSsührbarkeit deS Antrages. Herr v. Marschall habe die Anbahnung neuer Verhandlungen abgelrhnt und fich auf die Stabilität berufen, sei denn unsere Politik in den letzten fünf fahren nicht auch sehr schwankend gewesen/
StaatSsecretär v. Marschall: Wir haben die Frage ernst behandelt. Wenn wir den Vertragsstaaten zumuthen wollen, die Verträge aufzuheben, so würde das Vertrauen in unsere Politik erschüttert und weite Kreise deS Erwerbslebens berunruhigt werden, denn tf. würde sich nicht um eine Revision, sondern um eine Aushebung der Verträge handeln. Die Regierung wolle nicht Hoffnungen und Ei Wartungen erwecken, die sich nicht erfüllen können!
Abg. v. Dollmar: Der Antrag Kanitz sei gleichbedeutend mit einer Zollcrhöhung von 3* */i auf Mk. 10.— , aber nicht der Land- wiribschast werde der Antrag nützen, sondern gewissen Leuten, welche die MaSke der Bauern anlegten. Den Bauern könne nichts schlimmeres «IS die Annahme des Antrages geschehen, denn ^dadurch werde der Großgrundbesitz gestärkt.
ES sprechen noch für den Antrag der Abg. Holtz (Rp.) und KomierowSki (Pole).
Nach einem Schlußwort deS Abg. Kardorff wird der Antrag Gegen die Stimmen der Freisinnigen und Soctaldemokraten an eine rver-Eommtssion überwiesen.
Nächste Sitzung den 23. April. ZoMartfnovelle.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. März. Der „Vorwärts" veröffentlicht heute eine Zuschrift des Freiherrn von Buol, Präsident dc» Reichstags, an die soclaldemokratische Fraktion, in welcher die Gründe der Ablehnung des bekannten Antrages der Socialdemokraten über daS Telegramm des Kaisers an den Fürsten Bismarck dargelcgt werden. In der Zuschrift heißt es: Der soctalisttschr Antrag stehe in keinerlei Zusammenhang zum Etat und müßte schon auS diesem Grunde zurück- gewiesen werden. Außerdem wäre daS Telegramm deS Kaisers an den Fürsten Biömarck vom Reichskanzler Fürsten Hohenlohe nicht gegengezcichnet und ist daher nicht eine Kundgebung, die den Beschluß de» Reichstags widerlegt. Der „Vorwärts" fügt hinzu: ES werde nun zu überlegen sein, ob der Präsident nicht in Zukunft verpflichtet werden soll, alle in parlamentarischer Form eingehende, mit der durch die Geschäftsordnung vorgrschriebenen Zahl von Unterschriften versehene Anträge dem Reichstage zur Beschlußfassung vorzulegen.
Berlin, 30. März. Daß neue ReichStagS-Pra- si d tu m v. Buol - Schmidt - Spahn war für diesen Montag zum Empfang durch den Kaiser empfohlen worden. Der Empfang sollte unmittelbar vor der Festtafel beim Kaiser- paare zu Ehren deS Fürsten Bismarck stattfinden, zu welch' letzterer die Herren deS Reichstages eine Einladung erhalten hatten. Herr Schmidt hat, wie gemeldet wird, angezeigt, daß er am Erscheinen verhindert sei.
— DaS Abgeordnetenhaus erledigte heute debatte- loS daS Pfarrer-Relictengesetz und die neue Berliner Stadt- Synodal-Ordnung und trat dann in die zweite Lesung de» GerichtSkvstengesetzeö ein. Bei § 11 deS Gesetzes wurde die Debatte abgebrochen. Nächste Sitzung Dienstag.
— Im Herrenhause wurde heute der Gesetzentwurf, betreffend die Eingemeindung der Stadt Bockenheim in de, Gladtbezirk Frankfurt ,. M. nach kurzer Debatte angenammen.
8tritt, 29. März. In der heutige« Sitzung der Umsturzoommission wurde die zweite Lesung der Umsturzvorlage fortgesetzt. § Illa der Novelle wurde mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt, desgleichen der Antrag, den § 113 (Widerstand gegen Beamte) in den § 111 wieder I aufzunehmen. Außerdem wurden die §§ 166 und 167 (Beschimpfung religiöser Einrichtungen und Störung de» Gottesdienstes) auf den Antrag des Abg. EnnecceruS auS § 111 wieder auSgeschiedev, dagegen wurde die Aufnahme de» § 115 (Aufruhr), § 124 (Verletzung der öffentlichen Ordnung), und § 125 (Landfriedensbruch) beschlossen. Die Aufnahme , der §§ 201 und 205 (Duell-Paragraphen) wurde mit allen gegen 7 Stimmen abgelehnt. Die Einreihung der §§ 240, 242, 253, 305 und 321 de» Strafgesetzbuchs in den §111 der Vorlage wurde genehmigt. Hierauf wurde über den Absatz 2 deS § 111 abgestimmt. Derselbe wurde nunmehr genehmigt. Desgleichen der §§ 112 der Novelle, der sogen. Militärparagraph, 126 (Androhung eine» verbrechen»), 129 a (Verabredung zum Verbrechen). Ebenfalls zur An- • nähme gelangte § 130 (Angriff auf Religion, Monarchie, . Ehe u. s. w.) mit einem Amendement Gröber, §§ 131,166 > mit einer kleinen Abänderung, welche Abg. Bröckmann de- \ antragt hatte, §§ 184, 184a, die beiden letzten ebenfalls i in der ihnen vom Abg. Bröckmann gegebenen Fassung. Morgen Weiterberathung. voraussichtlich glanzt die zweite Lesung zum Abschluß.
Berlin, 30. März. Die Umsturz-Eommission deS Reichstages hat heute bei der Gesamrntabstimmuug die Umsturzvorlage mit 17 gegen 8 Sttmmen angenommen. Dagegen stimmten Soctaldemokraten, Freisinnige und Antisemiten. (Durch Anschlag bereits bekannt gegeben. Red.)
Att-Urrrd.
Pari», 30. März. In dem Dorfe Cognac entdeckte die Polizei bei dem Anarchisten Raynal 24 Dynamitpatronen, die 3 Kilo wogen. Raynal wurde verhaftet.
London, 30. März. Die „Times" meldet au» Shanghai: General Ito habe den Hafen Boughse am 24. d. M. bombardirt und eingenommen, wobei zehntausend Chinesen zu Kriegsgefangenen gemacht wurden. — Dasselbe Blatt meldet aus Hongkong, daß 31 japanische Schiffe die Formosainseln bloktren.
L ondon, 30. März. AuS Uokohama wird gemeldet, der Mikado gewährte den von den Chinesen verlangten Waffenstillstand bedingungslos.
Antwerpen, 30. Marz. Bei einer Vereinigung der Arbeiterpartei wurde der Generalausstand von dcr zahlreich besuchten Versammlung auSgerufen. Im ganzen Lande bereiten die Arbeiter ProtestmeetingS gegen daS Ge- meindewahlgesetz vor. Der „Peuplt" fordert alle Genossen auf, gegen das Gesetz zu protestiren.
CocäUs ttttö provinzielles.
* * An» dem Znstizditnst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den LandgerichtS- rath bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Theodor Schulz zum Landgerichtsdirector bei diesem Gericht, den LandgerichtSrath bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Dr. Georg Best zum LandgerichtSrath bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen AmtSgerichtSrath Theodor Seeger zum LandgerichtSrath bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen zu ernennen.
• • Reue AmtStitel. Mit Allerhöchster Genehmigung Sr. Köntgl. Hoheit de» Großherzogs wurde verfügt, daß vom 1. April 1895 ab u. A. der BetriebSinfpector bet den Oberhessischen Eisenbahnen, Georg Schoberth zu Gießen, den AmtStitel ,,Eisenbahn-Bau- und BetriebSinfpector", der Eisenbahnbaumeister bei den Oberhesfischen Eisenbahnen, Ludwig Roth zu Gießen, der Maschinenmeister bet den Oberhessischen Eisenbahnen, Carl Querner zu Gießen, der Eisenbahnbaumeister bei den Oberhessischen Eisenbahnen, Heinrich Simon zu AlSfeld, und der Vorstand der Baubehörde für Nebenbahnen in Oberheffen, Eisenbahnbaumeister Arthur Wolpert zu Gießen, den AmtStitel „Etsenbahn- Bauinspector" zu führen haben.
• * Srinneruagsfest an 1870. Am vergangenen Mittwoch Abend fand in Darmstadt eine Sitzung deS geschästS- führenden Ausschusses für daS in den Augusttagen dieses Jahre» daselbst zu feiernde große Erinnerungsfest an 1870, zugleich 25jähriges VerbandSfest der Kriegerkameradschaft „Hassia", statt. Die Vorsitzenden der einzelnen Ausschüsse erstatteten Bericht über die Constituirung derselben und über die von ihnen bereit» für daS Fest geschehenen Schritte. ES zeigte fich dabei, daß die zur würdigen Begehung der Festtage erforderlichen Vorarbeiten recht schwerer und mannigfacher Art sind, daß aber auch alle Mitarbeiter von bestem Geiste beseelt sind und sich mit Eifer den ihnen obliegenden Aufgaben widmen. Bis jetzt kann mitgetheilt werden, daß Se. Köntgl. Hoheit der Großherzog, der Hohe Protector der „Hasfia", auch da» Protectorat deS ErinnerungSfeste» zu übernehmen geruht haben, während Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm da» Ehrenpräsidium übernommen hat. Die Festtage fallen auf den 11. August — al» Tag der Vorfeier —, 18. August — als den Haupttag —, 19., 20. und 25. August und — zugleich als Sedanfeier — 1. September. 6» darf der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß alle hessischen Feldzugskameraden, so weit sie nicht durch Krankheit rc. verhindert sind, am 18. August, dem Ehrentage der hessischen Division, in Darmstadt ein großartige» Wiedersehen feiern werden.
D Ruppertenrod, 29. März. Nachdem im Laufe de» heutigen Nachmittag» mehrfach Gewitter aufgetreten, bei denen man nur da» Donnern vernehmen konnte, nicht aber Blitze sah, entlud fich gegen 6 »he ein Gewitter mit so heftigen elektrischen Entladnagen, wie man fie sonst nur im
Hochsommer gewohnt ist. Richt weniger al» drei Mal schlug e» ein, indem Blitz und Donner jede» Mal unmittelbar aufeinander folgten. Die Blitze hatten ein eigenartige» Licht, nämlich lilaröthlich. Die Donuerschläge waren so heftig, daß die Fensterscheiben zitterten. Der dabei auftretend« Regen war schwach. Gewitter in solcher Heftigkeit um diese Zeit gehören zur Seltenheit.
H. An» dem Horlossthole, 29. März. Durch die heftige» Regengüsse in der zu Ende gehenden Woche find alle Bäche und Gräben mit Wasser gefüllt, die Wiesen find auf »eite Strecken überschwemmt, der Ackerboden ist wie Brei, ähnlich wie e» im Frühjahr vorigen Jahre» gewesen ist. Auf den Feldern und in den Gärten ist noch nicht» geschehen, von einem Bischen Märzenstaub sieht man keine Spur. Gestern Nachmittag hatten wir einen gewitterartige» Sturm mit Hagel untermischt, was man in dieser Zett nicht ungern sieht, denn e» deutet auf ein gewächfige», milde» Frühjahr. — UjifeTe Fi sch ereiberech tig t e n begeben sich, sobald die Flüsse hoch steigen ober gar über die Ufer treten, auf den Fischfang, weil bei solchem Wasserstande und wenn die Fluthen trüb sind, auf Beute gerechnet werden kann. Besondere Erfolge sind bi» jetzt noch nicht bekannt geworden.
§ Alsfeld, 29. März. Ein ebenso sinnreiche» al» echt patriotische» Andenken an da» 80. Geburtsfest de» große» Kanzlers Bi»marck wird von feinen hiesigen Freunden und Verehrern am nächsten Montag den 1. April gestiftet bezw. gefetzt werden. Es ist die» die Pflanzung einer „Bismarck- Eiche" au» dem Sachsenwalde auf dem Kirchplatze.
-b- Wolfersheim, 29. März. Die Absteckungs- Arbeiten gehen auch auf der Linie Friedberg Hungen unaufhaltsam vorwärts und werden durch schlechte Witterung nicht im geringsten beeinträchtigt. Wir gewinnen die Heber» zeugung, daß unsere Strecke bi» zum Herbst 1896 fahrbar sein wird, wie von Sachverständigen vorauSgesagt worden ist.
-n. Friedberg, 29. März. In der verflossenen Nacht wurde zweimal hier eingebrochen. Im Amtsgerichts- gcbäube wurde die Kasse auf der Gerichtsschreiberei geplündert und dann wurden in einer Wirthschaft und Metzgerei am Bahnhof mittelst Leiter diverse Wurftwaaren gestohlen. Beide Einbrüche zeugen sowohl für ausgezeichnete Local- • kenntniß als auch von Raffinement der Diebe. BiS jetzt i fehlt jede Spur zur Entdeckung der Diebe.
Friedberg, 29. März. Viel Aufsehen erregten heute Morgen eine Anzahl Militärpflichtiger, die fich auf dem hiesigen Rathhause der MusterungScommifsion vorzustellen j hatten. Es waren Insassen de» Butzbacher ZellengefängniffeS. Je zwei und zwei zusammengefchlossen, wurden dieselben von drei GenSdarmen und einem Aufseher eScortirt und nach • beendigtem MusternngSgefchäft per Bahn wieder nach Butzbach , verbracht. ES waren dies jedenfalls die ruhigsten der die»- ! jährigen Rekruten, die anderen sorgten mehr als genug für i Gesang und Lärm.
Offenbach, 29. März. Im hiesigen Stadt bad wurden im vergangenen Jahre verabreicht: 73 399 Schwimmbäder, i 22 787 Wannenbäder, 2728 Dampf- und Heißluftdäder, zusammen 88 914, gegen 101526 im Vorjahre und 56 604 in 1888, dem ersten BetriedSjahre.
WormS, 29. Marz. Eine eigenartige Feier deS achtzigsten Geburtstages deS Fürsten Bismarck wird um 1. April in der Lederfabrik von Dörr u. Reinhart hier stattfinden. AuS Anlaß der Feier des 70. GeburStageS deS ersten Reichskanzler» wurde in dieser Fabrik ein geselliger Verein der hier angestellten Beamten und Arbeiter gegründet. Dieser Verein hat nun dem Fürsten die Ehrenmitgliedschaft angeboten und der Fürst hat sie angenommen. E» ist interessant, daß neben den vielen Gemeinden, (Korporationen und anderen Bereinigungen auch ein Arbeiterverein den Fürsten BiSmarck zum Ehrenmitgliede zählen darf. Der verein feiert am 1. April zugleich mit dem achtzigsten Geburtstage seines fürstlichen Ehrenmitgliedes fein zehnjährige» Stiftungsfest. Die ganze Arbeiterschaft mit ihren Frauen ist von der genannten Firma zu der Feier geladen. (D. Zig.)
* LandSberg a. d. W., 29. März. Heute Morgen um 7 Uhr wurde der zum Tode verurtheilte Arbeiter Schmidt, genannt Kollmann, au« Bernauchen, der den Förster Reimann bei Wusterwitz ermordet hatte, durch den Scharfrichter Reindel hingerichtet.
• Folgender hochtragifche Vorgang wird aus Berlin berichtet: Am Donnerstag starb ein 19jährigeS Mädchen, da» Braut war, und deren Hochzeit nahe devorftand. Für den Sonntag Mittag war die Beerdigung anberaamt. Die Leiche war in einem leerstehenden Laden des HaufeS aufgebahrt. Im Brautkleide und mit dem Brautschleier geschmückt, lag fie im Sarge. Bei dem Ankleiden der Leiche, bei der Aufbahrung u. f. w. hatte die Flurnachbariu, eine Schneidermeistersfrau, au« Freundschaft für die Familie di« wesentlichen Dienste geleistet. Kurz vor Beginn der Leichenfeier begab sich die Frau hinauf nach ihrer Wohnung, nm sich für den Weg nach dem Friedhöfe zu rüsten. „Mama, mach schnell," rief die kleine Tochter, „der Leichenwagen kommt schon!" Die Frau eilte an da« Fenster, um fich z« überzeugen, doch fiel sie mit dem Kopfe in die Fensterscheiben, die klirrend auf die Straße fielen, fie selbst stürzte zu Boden. „Mutter, steh doch auf/ flehte die kleine Tochter; doch die Mutier regte sich nicht, fie stöhnte nur. Da« Lind rief die Nachbarn zu Hilfe, welche die Frau in« Bett brachte« und Aerzte herbeiriefen. In kurzer Zeit erschienen drei Nerzte, doch alle Hilfe war vergeblich: sie conftattrte« den Tob durch Herzschlag. Urnen trag man eine Leiche hinan«, oben brachte man die Freundin ans da« Todtenlager.
e Die Kneipe iß der Größte Feind del dentschen Familien- , leben». Da« ist der lettende Gesichtspunkt, den der bekannte Cnlturhistoriker Otto von Leigner in der erste« seiner „Ungehaltenen Reden eine« Ungehaltenen" a «»spricht. Ma«


