Ausgabe 
2.4.1895 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 2 April

Zweites Blatt

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Amts- und Zlnzeigeblatt fSr den ICrets Gieren

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den ^säenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

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Neid und Mißgunst verstummen.

Die Glocken der Dorskirche läuteten, als sich der ernste

Gewiß, der Heinz hatte ihn verdrängt. Er wollte die heimsühren, welche Niklas mit glühender Leidenschaft liebte. Doch jetzt senkte man Heinz inS kühle Grab, darum hatte auch Niklas ihm verziehen. Ja, er gab sich im Stillen be­reits der Hoffnung hin, daß er nun doch noch Grete als fein W:ib heimführen würde.

Er war ja jung, er konnte warten, bis sich ihr Gram um Heinz gemildert hatte. Vielleicht um Jahresfrist, vielleicht auch schneller, denn was die Erde deckt, vergißt man, ach, nur zu bald. Dann, wenn sie ruhiger geworden war, wollte wieder um sie werben. Sie hatte ihn ja nächst Heinz am meisten bevorzugt. Er konnte wohl hoffen, daß sie ihn nicht abschlägig bescheiden würde.

Monate waren vergangen. Dem Sommer war der Herbst gefolgt, dem Herbst der Winter und wieder nahte der Früh- ling. Doch Grete hatte th^u Heinz noch nicht vergeffen. Er war ihr ja auch zu jäh entrissen worden.

Vergebens hatte die Polizeibe.öcde alles aufgeboten, die Spur des Mörders zu entdecken. Ein Wilderer mußte es gewesen sein, so nahm man an, ein Wilddieb, welcher bem Förster oder seinem Gehilfin die Kugel zusenden wollte und sich in der Finsterniß in der Person getäuscht hatte.

Die verwegensten Wilderer wurden auch, einer nach dem andern, gefänglich eingezogeu, aber man mußte sie wieder freigeben, denn ausnahmslos konnten sie Nachweisen, wo sie an dem verfänglichen Abend sich aufgehalten hatten. Und daun auch war keiner unter ihnen, der Grund gehabt hätte, Heinz zu grollen.

So war denn jeder Anhalt, auf welchem die Sicherheit-. behörde weiterbauen konnte, verloren. Im Dunkeln war die That vollbracht, in Dunkel hüllte sich aber auch der Mörder.

Man mußte sich damit zufrieden geben und die Ent­deckung dem Zufall überlassen.

Endlich hatte Grete dem Drängen der Eltern nachgegebe«, ungern zwar, gezwungen, denn noch immer hing sie in treuer Liebe ihrem Heinz an. Sie willigte trotzdem darein, sich Niklas zu verloben, doch nur unter der Bedingung, daß sie erst dann ihm die Hand zum Ehebund reichen sollte, wenn das Klagelied, das noch immer ihr Herz durchbebte, ver- klungen war.

Liebe konnte sie NiklaS nicht entgegenbringeu. Als aber der Bauer und die Bäuerin ihr immer wieder klagten, daß sie bald alt werden und der Wirthschaft nicht mehr vorstehen könnten, und Grete einst, wenn die Eltern heimgegangen wären, allein und ohne Halt stehen würde, willigte sie end- lich -.in. (Schluß folgt.)

Nummer

S3.WU.«

2d

Margarete, des Hufenbauern Tochter, schwankend dem Geliebten das Geleite gav

Und der Hufenbauer folgte und die crin. Und die ganze Gemeinde der beiden Dörfer, zwischen denen der Mord verübt worden war, denn die meisten hatten den Heinz gern, und selbst die wenigen, welche ihm noch vor vier Tagen sein Glück geneidet hatten, sie waren jetzt mit ihm ausgesöhut, denn unverschuldetes Unglück, das den Menschen trifft, macht

urgmuh Suinba

LierikijShrr-cr Alennewentsprrt*: S Mark 20 Pfg. mit Bringrrlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

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Kchulstraße Mr.7.

HerniprcHcr 51.

1 Appell Nachmittags 1 Uhr:

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten sowie zur LlSpofitton der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

2 . Appell Nachmittags 2 Uhr 30 Minuten: Wchrlentc «.Aufgebots aller Waffen und Ersatz-Reservisten.

D. Zu Hungen

Ain 27. April 1895 am Friedhof für die Bewohner von: Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Längs- darf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen^ Rabertshausen Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villmgen.

1. A^ell Vormittags 9 Uhr 30 Minuten:

Offiziere, Sanitäts-Offiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots. .

Reservisten, sowie zur Disposition, der truppentheile und der Ersatz-Behörden entlaßenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten: Wchrlente I. Aufgebots aller Waffen und Ersatz-

Reservisten.

Trauerzug nach dem Kirchhof bewegte.

Draußen am Grabe sprach der Herr Pfarrer so schön und erbaulich, daß eS Allen zu Herzen ging und die Augen Aller feucht wurden. Er sprach von dem Verderben, daS oft dem besten Menschen nahe In dem Augenblick, wo sein Herz in Glück und Wonne schwelgt. Sr rief auch Gottes Zorn herab aus den Elenden, der die lichtscheue That verübt hatte und prophezeihte, daß ihn schon hier auf Erden der seiner schändlichen That treffen würde, wenn auch nur den strafenden Richter deS Gewissens.

Alle schienen tief ergriffen, auch der RiklaS, der des WiefenbauerS, er hatte wohl am aufmerksamsten den Worten des Pfarrers gelauscht, denn als dieser von den Folter- quälen deS Gewissens sprach, blickte NlkiaS scheu zu Boden und eS zitterte wie Angst und Grauen Über sein kräftiges Gesicht. Ss war, al» ob er selbst die Schrecken empfand, die der Pfarrer so lebhaft geschildert hatte.

»Der Tod söhnt alles a»S!"

Alle «nnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Mund sein.

Drei Tage später trug man Heinz zu Grabe.

ES thut nicht gut/ klagte die Mutter, welche an ihm die einzige Stütze verloren, während sie ' hiurer der Bahre herwankte.

Aber noch eine junge Mens«

Bekauntmachuag.

Bei den diesjährigen Frühjahrs-Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Hießen gehörigen:

1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots (Anzug: Helm, Waffenrock ohne Schärpe).

2) Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlassenen.

3) Wehrlcute I. Aufgebots, die vom 1. October 1882 ab eingestellt worden.

4) Ersatz-Reservisten, geübte und nicht geübte.

Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Ämtrolpflichtigen anzutreten haben:

A. Zu Gießen

m Oswalds Gatten für die Bewohner von Annerod, Burk­hardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchel- brim, Klein-Linden, Oppenrod und zwar:

am 25. April 1895.

1. Appell Vormittags 8 Uhr:

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve Hub Landwehr I. Aufgebots.

Reservisten sowie zur Disposition der Ersatz-Behörde« rntlaffenen Mannschaften der Infanterie. _____________

H-Ulst suiy. will n'ii 249'1,943." iSl.SOjlSl-' 133.2Vj 132' 134.80 134 ' 92.4«!

106.10| 102.20

Gießener Anzeiger

Kmerat-Wnzeiger.

mühle, Georgenharnrner, Strel'- .u.> o.o struth, Londorf mit der Bui mühle, Reitzenmühle unb J Klein-), Odenhausen mit Appenböruerh . ..

Hain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollndach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stockhausen, WeickattS- Hain, Weitershain mit Hainerhof, Winnerod.

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Max Maytt, Wcherstr. 3. [2885

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Sriminal - Novelle von N. I. Ander«.

(Fortsetzung.)

Wohl schon zu« dritten Male war Grete bi« zum Walde «teufen, ängstlich forschend seh ste auf den Fußsteig- Jeder menschliche Laut, den sie vom Walde her vernahm, ließ ihr Herz aufjubeln, damit sie in der nächsten Minute um so «ehr niedergedrückt war. Eine tödtliche Angst empfand sie. Sie wußte es sich nicht zu erklären, daß Heinz wortbrüchig war. Er hatte ihr gestern, als fi: voneinander gingen, ver­sprochen, heute Abend wiederzukommen. Xnb nun war« »ich schon um die achte Stunce und noch nichts von ih« |U ^Ach/ klagte sie für sich,er ist gewiß wie alle andern!" Doch schnell verscheuchte sie so häßliche Gedanken.

Rein, nein, er ist nicht wie die andern! Er Hebt sie »icht des Geldes halber, das hat sie oft aus feinen treuen Augen gelesen unb die Augen trügen nicht, und ein liebendes Mädchen sieht scharf.

Sie athmete erleichtert auf.

Dort kam der Förster mit zwei Waldläufern, «r kam tUia. sichtlich aufgeregt. Sr wollte gewiß zum OrtSschu z

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bte ibn beherrscht-, nicht »u oerrathen.

8 Sikfttr, d-r v-wj wollte ja heute ,u un, kommen. Sie werden ja schon gehört haben, das, wir feit gestern ein Rrautuaal find, und da wollte ich nur fragen, eb Sie ihn Reicht auf dem W-g- g-f-h-n h-ben, denn es ist m r Homer fo ängstlich, wenn ich ihn in der Abendstunde attein "habe ihn gesehen, »rete," erwiderte der Förster _.jt tjtfe zitternder Stimme, .aber Du kannst nur ruhig »jeder nach Hause gehen. Ich glaube, er wird heut nicht «chr zu Dir hmnteu."

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Der chleb«"" Znjkiger niefttiut täglich, e>n Ausnahme be» Montag»

Die Gießener Pamitien vlätler enbrn dem Anzeiger »Schentlich dreimal beizet egt.

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C. Zu Grünberg

am 26 April 1895 am Bahnhof für die Bewohner von . Allertsbausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grimberg mit der Tickelsmühle, Reumühle, Stadtmühle, Steinmuhle^ Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der ~ Arztmühle, Bing-

, Linden

, chmidt- l ovß und Reinharde-

2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten: Wehrleute I. Aufgebots der Jnfantctte.

3. Appell Ra mittags 1 Uhr 30 Minuten:

Reservisten, sowie zur Disposition der T. .ippenthette und der Ersatz-Behörden entlassmcn Mannschaften und bte ^-brltute L Aufgebots aller übrigen Waffen und -war der i.de, Jäger, Caoallerie, Feld- und Fuß-Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- unb Luftschiffertruppen, des Trains (einschl. t anfenträger), Sanitäts- und Veterinarpersoualö, Büchsen- machergehülfen, Oeconomie - Handwerker^und Maune Monn- schäften.

4. Appell Nachmittags 3 Uhr

Sümmtliche Ersatzreservisten.

5. Appell Nachmittags 4 Uhr:

für die Bewohner von Allendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen.

Reservisten und Wehrleute I. Aufgebots zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassene Mann­schaften aller Waffen sowie der Ersatz-Reservisten.

B. Z« Lollar

am 26. April 1895, neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibettshausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.

1. Appell Vormittags 8 Uhr 45 Minuten:

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten sowie zur Disposi­tion der Trnppentb-tte und der Ersatz-Behr" en entlassenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 9 Uhr 45 Minuten:

Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen. .

3. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten: Ersatzreservisteu.

'Daß ist garstig, Herr Förster. Da kennen Sie den . Heinz nicht. Wenn Sie ihm im Forst b-gsgnet sind, dann kommt er sicher. Wo sollte ernenn auch in aller Nacht ^in?

In be Augen be8 aftm Forstmannes schimmerte eS plötzlich feu nt. Er hatte Antwort auf die Frage deS wackeren Mädchens. Er konnte ihr ja nicht sagen, daß er, dem sie sich gestern verlobt hatte, an dem sie in inniger Liebe hing, nicht mehr zurückkehren würde, daß er kalt und starr braußen im Forst lag, daß eine mörderische Kugel seinem frisch pulsirenden Leben ein Ende gemacht hatte.

Er mochte die Hiobspost nicht überbringen. Der wackere Mann fühlte sich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Mußte sie eS erfahrev, so sollte eS wenigstens nicht durch seinen

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Amtlicher Thett.

Gießen, am 28. März 1895.

«11 r.; Frühjahrs-Controlversammlungen.

VaS Großherjogiiche Kreisamt Gießen

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Ra iithcnbe Bekanntmachung wollen Sie aut ortsübliche Besse ' hf1 ntlichen Kmntniß bringen lassen.

v. Gagern.