Jetzt zur Stunde ist es stürmisch und der Regen ergießt sich in Strömen. Der Fürst hat deshalb das Zimmer nicht ver- lasten. Er verblieb in seinen Appartement- in Gesellschaft des Grafen Herbert Bismarck und des gräflichen Paares Rantzau. Der Fremdenzufluß ist infolge des trüben Wetters nicht sehr groß, dagegen laufen unausgesetzt zahllose Briefe, Telegramme und Geschenke ein, unter denen besonders kost- bare Blumenspendeu, die Professor Lenbach malerisch im Schloßhofe gruppirte. Wie auS dem Schlosse verlautet, sollen morgen auf dringendes Anrathen des Professors Schweninger die Ovationen möglichst eingeschränkt werden. Der Fürst wird bis 12 Uhr Mittags ruhen und dann bis 1 Uhr die hervorragendsten Deputationen in rascher Folge empfangen. Um 1% Uhr trifft die große Studenten »Deputation ein. Reden werden beim Empfange derselben nicht gehalten, sondern nur die Adresse verlesen und übergeben, worauf dem Fürsten ein Ehrentrunk angeboren wird. Ob der Fürst selbst in längerer Rede antworten wird, ist noch fraglich. Unmittelbar nach Empfang dieser Deputation zieht sich der Fürst sofort zurück und empfängt Niemand bis Abends. Um 7 Uhr beginnt der Fackelzug, der glänzend zu werden verspricht. Heute Abend erfolgt in Hamburg großartige Illumination. Auf der Alster wird ein prächtiges Feuerwerk abgebrannt, während der große Studenten -CommerS im zoologischen Garten stattfindet. DaS Befinden des Fürsten ist ein gutes, dennoch ist aber Schonung dringend geboten. Professor Schweninger ist unausgesetzt in der engsten Umgebung des Fürste». Rings um daS Schloß herrscht bewegtes Treiben.
Der 80. Geburtstag des Fürsten Bismarck in Rüdesheim.
H. RüdeSheim, 31. März 1895.
Mit dem Grauen deS Tages machte sich ein Leben und Treiben bemerkbar, wie es wohl RüdeSheim lange nicht ge- sehen haben dürfte. Ununterbrochen liefen Züge ein, welche neue Theilnehmer mitbrachten, die Stadt wurde förmlich unter dem Fremdenverkehr erdrückt, welcher um die elfte Morgenstunde auf viele Tausend Personen angewachsen war. Leider hielt daS schlechte Wetter an, so daß eine imposante Ausschmückung der Stadt nicht erfolgen konnte, der größte Theil der Häuser hatte Flaggenschmuck angelegt, während diele Weinwirthschaften in Tannengrün und Guirlandeu prangten. Aber auch daS schlechte Wetter mit seinen Regenschauern und unangenehmen Temperaturverhältniflen vermochte den gewaltigen Eindruck deS heutigen TageS nicht zu verwischen. Die Zahnradbahn zeigte sich den an sie gestellten Anforderungen nicht gewachsen. Bet dem ungeheuren Gedränge, daS jedeSmal bet dem Anzug der Bahn entstand, war eS vielen Festthetlnehmern nicht zu verübeln, wenn sie lieber auf die Auffahrt verzichteten, als sich in einem Raum, der regulär 8 bis 10 Fahrgäste faßt, bis zu 20 Personen rinpferchen zu lassen. Unter solchen Verhältnissen ist selbst eine Fahrt auf den Niederwald nicht zu empfehlen. So Hanen auch viele tn wohlerwogener Voraussicht dieses unleidlichen Zustandes schon im Laufe deS gestrigen Abends sich ihre Wagen bestellt und sie hatten gut daran gethan, weil sie schnell und sicher expedirt wurden, waS man allerdings von der Zahnradbahn nicht gut behaupten konnte. Denjenigen aber, denen eS glückte, wohlbehalten deu Festplatz am Nationaldenkmal zu erreichen, bot sich ein herrlicher Anblick. Ein von der Stadt Rüdesheim gestifteter Lorbeer- kränz mit der Inschrift: „DaS dankbare Rheinland" wurde der auf dem Reltefbild der vorderen Seite befindlichen Statue Bismarck um den Kopf gelegt. Rechter und linker Hand des Festplatzes waren Masten aufgestellt, die Fahnen in preußischer Farbe trugen. Auch sonst hatte man auf und in der Umgebung des Festplatzes Decorationen angebracht, um den Eindruck der Feier würdig zu gestalten. Gegen 11 ’/a Uhr waren bereits alle, auch die reservirten Plätze derartig überfüllt, daß ein Nachzug gar nicht mehr zu wünschen war. Krieger-, Gesangs- und Turnvereine aus der. Rheingegend hatten auf der Tribüne Platz genommen, während man daS Publikum auf die reservirten Plätze je nach der Qualification vertheilte. Von bekannten Persönlichkeiten waren die Prinzessin Luise von Preußen, der Ober- Präsident von Hessen-Nassau, Magdeburg, und der Regierungspräsident von Tepper-LaSki mit Familie erschienen. Aus militärischen Kreisen sah man den Brigadecommandeur von Mainz, General v. Bardeleben und den BezirkScommandeur, Oberst HtnniuS. Ganz besonder- fiel daS Mainzer Offizier- eorps der Pioniere auf, welches in großer Anzahl erschienen war. Neben anderen Offizier - Corps hatten noch Coblenz und Wiesbaden Vertreter entsandt. AuS Mainz, Biebrich und Wiesbaden waren Mannschaften zahlreich abcommandirt worden. Die Reihe der glänzenden Uniformen wurde aber von der Damenwelt reichlich übertroffen. Die anwesenden Vertreterinnen deS schönen Geschlecht» bewiesen, daß auch bei einfachen, sehr geschmackvollen Toiletten sich daS Auge an ihrem Anblick ergötzen kann. Pünktlich um 12 Uhr bestieg der Oberpräsident Magdeburg die geschmückte Rednertribüne. In bewegten Worten begrüßte er die Erschienenen, welche gekommen sind, um den 80. GeburtStag desjenigen Mannes zu feiern, dessen Namen in der Geschichte ewig fortleben wird. Ueberwältigend sei eS für ihn, wenn er an die Zeit zurückdenke, wo ein Denkmal auf dem Niederwald, welches an die Wiedervereinigung deö deutschen Reichs erinnert, noch nicht vorhanden war. Nur dem thatkräftigen Eingreifen Bismarcks fei eS zu verdanken, baß dem deutschen Namen überall gebührende Achtung entgegengebracht wird. Der Redner schließt mit einem Hoch auf den Kaiser und mit der Bitte an den Monarchen, die gepflogenen Traditionen wahren zu wollen. Dem Oberpräsidenten folgte der Festredner, Geh. Hofrath Prof. Dr. Oncken auf die Tribüne. Herr Oncken ist ordentlicher Professor an der Universität in Gießen und hat in der nationalliberalen Partei al» Redner sich einen klangvollen Namen erworben. Er ist ein Sechziger
von mittlerer Statur, der trotz seiner weißen Haare und weiße» Bartes sich die jugendllche Frische seiner Glieder bewahrt hat. Er verfügt über ein kräftige», sympathisches Organ, welches er io verschiedenen Nuancen gut anzuwenden versteht. Seine Rede ist auf historischem Hintergründe erbaut und beschäfttgte sich mit den KriegSpertoden unter Bismarck, der wie Seiner ein weite», offene» Auge für die Ent- Wickelung Deutschland» gehabt habe. Der Redner zergliedert die einzelnen Daten der GeschichStperiode au» der BiSmarck- zeit und führt den Nachweis, daß der Krieg 1870/71 Deutschland aufgedrungen worden sei. Die glänzenden formvollendeten Ausführungen des Redners wurden mit Enthusiasmus ent- gegengenommen. Zum Schluß erbat sich Herr Landrath Wagner die Erlaubniß, von den Versammelten an den Kaiser und den Fürsten BiSmarck eine Depesche absenden zu dürfen, waS mit großem Beifall ausgenommen wurde.
CocaU» und provinzieller.
Gieße», den 1. April 1895.
• * Pflanzung einer BtSmarck Eiche. Heute Nachmittag 4 Uhr wird in unserem Forstgarten zur Erinnerung an den 80. Geburtstag deS Altreichskanzler» eine Eiche auS dem Sachsenwalde eingepflanzt werden. Auf Veranlassung de» Herrn Hofrath Professor Heß, als Director des Akademischen ForstgartenS, sind 12 UrkundSpersonen, Männer aus allen Ständen der Bevölkerung, zu diesem Act, der feierlich ge- staltet werden wird, eingeladen.
* • Zn ViSmarckS Geburtstag zeigten gestern und heute zahlreiche Häuser Flaggenschmuck.
* * Die Feier de» 80. GeburtStageS des Altreichskanzlers Fürsten LiSmarck fand am gestrigen Tage in programmmäßiger Weise statt. Wie bereits bekannt, wurde der ursprünglich auf 6 Uhr Nachmittags anberaumte Festact, der übergroßen Entnahme von Eintrittskarten wegen, zweimal gegeben und war sowohl der erste, auf 3 Uhr festgesetzte, sowie der zweite zahlreich besucht. Ein Unterschied zwischen beiden Festacten bestand nur darin, daß im ersten Herr Rechtsanwalt Dr. Fuhr, im zweiten Herr Geh. Hofrath Prof. Dr. Oncken die Festrede hielt. Nach musikalischer Einleitung des Festes sprach Herr Schulrath Büchner den von ihm verfaßten Prolog- wir veröffentlichen den Wortlaut desselben im heutigen „Familienblatt". Dem Prolog folgte als erstes lebendes Bild „die trauernde Germania", ein von den hiesigen Männergesang-Vereinen Acadcmischer Gesangverein, Kronbauer'scher Quartettverein, Männergesangverein und Liederkranz ausgeführter Männerchor: „Dir möcht ich meine Lieder weihn", die Festrede, ein Vortrag von „Wolframs Ansprache" aus dem 2. Acte der Oper „Tannhäuser", vorgetragen von Herrn Felix Dahn aus München, einem Neffen des Dichters Felix Dahn, ein weiterer Männerchor : „Bismarcklied" von Paul Heyse, componirt von Herrn Univ.-Musikdirector Felchner, das Greif'sche Festspiel „DaS erste Blatt im Heldenkranz", das lebende Bild „Bismarck und das deutsche Reich" und schließlich der allgemeine Gesang der „Wacht am M)cin". Sämmtliche Programmpunkte gelangten vorzüglich zur Wirkung und fanden deu wohlverdienten Beifall. Ein besonders lebhafter Empfang wurde dem Redner des zweiten Festactes, Herrn Prof. Dr. Oncken, bereitet, als er, eben von RüdeSheim zurückgekehrt, wo er am Mittag vor einer mehrtausendköpfigen Festtheilnehmerschaar am Fuße deS Na- tional-DenkmalS stehend, die Festrede gehalten. (Ueber diese Feier berichten wir $n anderer Stelle. Red.) Der Redner schilderte kurz die großartige Versammlung und den berauschenden Eindruck, den sie auf alle Festtheilnehmer gemacht und bemerkte, daß angesichts des Nationaldenkmals ein Feuerwerk abgebrannt und eine Beleuchtung der Rheinufer arran- girt werde, wie man sie dort noch nicht gesehen- eS sei dies der Theil deS Feste», dem er sich entzogen habe, um hier sein Wort einzulösen (Bravo). Er habe aus demNtederwald über dasjenige gesprochen, waS bis 1870 an Thaten und Wirken BiSmarckS mißverstanden gewesen sei, waS aber Bismarck im Jahre 1870 als den erkennen ließ, waS er war, als den größten Patrioten der Thar, durch welche er die Sehnsucht der Deutschen erfüllte. — Das Thema, über welches sich Herr Prof. Dr. Oncken in der Festrede zur hiesigen Bismarckfeier verbreitete, behandelt die Vorgänge in der Zeit zwischen der Capilulation von Sedan und dem Friedensschluß. BiSmarckS StaatSkunst, sein Patriotismus, sein entschiedenes Eintreten für die Wiedergewinnung von Elsaß-Lothringen, daS unentwegte Verlangen nach Friedensgarantien nach Beendigung deS Riesenkampfes der Jahre 1870/71, dessen Früchte er voll und ganz dem deutschen Vaterlande sichern wollte, wurden tn ein glänzendes Licht gestellt durch Schilderung der zu Donchety, nach der Capttu- lation von Sedan, mit Wimpfen, zu Versailles mit Jules Favre und zu Frankfurt mit demselben und Thier» geführten Verhandlungen. DaS deutsche Volk, stolz auf die Feier, solle darum festhalten da» Bild BiSmarckS, er möge unS erhalten bleiben al» Schutzgetst deS Reiche», da» feine Kraft geschaffen, und zum Schutze der GetsteSgüter deS deutschen Volkes. Brausender Beifall folgte der zu Herzen gehenden Rede. — Der für den Abend vorgesehene CommerS konnte infolge einer Verzögerung in der Aufführung des Festspiels erst nach 10 Uhr eröffnet werden. Der Saal des Stein'fchen Saalbaues war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Herr Professor Dr. Wimmena uer mit einer Ansprache den CommerS eröffnete. ES fei, führte Redner auS, heute doppelt noth, jener großen Zett zu gedenken, die die deutschen Stämme tm heilige» Kampfe wieder zusammengesührt - die Theilnehmer an der Feier seien eines Sinnes mit Millionen, in deutscher Treue den Geburtstag deS größten Mannes zu feiern, den daS Jahrhunden hervorgebracht- er wteS auf die frühere Ohnmacht und Zerrissenheit de» deutschen Vaterlandes und auf die Zeit der nationalen Erhebung zurück- die Einmüthtgkeit de» Volke» habe uns zum ersehnten Ziele geführt, die Wogen der Begeisterung gingen auch heute noch hoch, Zeugniß sei
die Feier de» heutigen Tage», von der früher oft betonte« Zwietracht der Fürsten sei heute keine Rede mehr, die Zwietracht liege in den Parteien, unsere Fürsten hätten un» vor- celeuchtet auf dem Wege selbstloser Pflichterfüllung und deutscher Treue- wie seine großen Vorgänger habe auch unser junger Kaiser erhebende Proben deutscher Gesinnung abgelegt und in ehrfurchi»voller Anerkennung dieser Thatsache fordere er die Anwesenden auf, mit ihm einzustimmen in den Rus: „Seine Majestät der Kaiser, Seine Königliche Hoheit der Großherzog, sie leben hoch!" Da» jubelnd von der Versammlung ausgenommene Hoch klang au» in dem Gesang der National» Hymne. — Herr Professor Dr. Stamm ergriff hierauf da» Wort, um hinzuweifen auf BiSmarckS Wirken, dessen Zeugen die lebende Generation gewesen. An früheren Versuchen zur Einigung deS deutschen Volke» habe e» nicht gefehlt, aber unfruchtbar seien alle Bestrebungen sowohl der Fürsten, wie der Staatsmänner gewesen, ihre Wirksamkeit begann erst mit BiSmarck: er hatte die lleberzeugung, daß Reformen nur durch die Krone Preußens und mit der preußischen Armee dnrchzusühren waren, mit dem Strome zu schwimmen und vor dem Winde zu eilen, galt nicht in de» ersten Jahren der Wirksamkeit Bismarck», er suchte alle Hindernisse zu beseitigen, allen Verdächtigungen zu begegnen. Sein Ziel, die nationale E nignng Deutschland», leitete ib» nach Beendigung des dänischen Kriege», nach dem Kriege mit Oesterreich, deßhalb machte er Halt vor Wien und vor der Mainlinie, deßhalb stimmte er der Zurückziehung der preußischen Truppen au» Luxemburg zu, um nicht vorzeitig zur Abrechnung mit Frankreich gezwungen zu werden- gar Mancher habe ihm ob diese» Verhalten» geflucht, aber er habe sich nicht irre machen lassen - mit dem Ausbau Norddeutschlands baute er zugleich au» da» Deutsche Reich - er begnügte sich mit Schutzbündnissen mit den süddeutsche» Staaten, so daß, al» 1870 der große Kampf gegen de» Erbfeind begann, ihn vereinigte deutsche Armeen zu Bode» werfen konnten. Elsaß und Lothringen kehnen zu Deutsch» land zurück. Neunzehn Jahre de» Frieden» wgr e» Bismarck vergönnt, als Kanzler de» neuen Reiches zu wirken, friedliche Ziele zu verfolgen- er brachte den Dreibund zu Stande, förderte die Erwerbung von Colonien, bestand die Kämpfe im Innern gegen Ultramontane unb Socialdemo- traten und verfolgte eine ersprießliche Politik de» Schutze» der Schwachen. BiSmarck ist auS dem Staatsdienste geschieden, aber vergessen ist er nicht- tn den letzten fünf Jahren hat Deutschland BiSmarckS starke Hand vermiß', ein Stein sei allen Deutschen vom Herzen gefallen, al» die Versöhnung zwischen dem Kaiser und Bismarck zu Stande kam, er, der Achtzigjährige, werde hoch geehrt. WaS Bismarck vielleicht gefehlt haben mag, daS sei vergessen, nur an seine großen Verdienste werde gedacht und in dieser Größe trete uns Bismarck auch menschlich nahe in seinem Gottvenrauen, als liebenswürdiger Gesellschafter, treuer Freund, kurz m ächter deutscher Art. Wir Alle wünschen ihm Glück zu seinem 80. Geburtstage, deshalb fordere er Alle auf, mit ihm ein zustimmen in den Ruf: „Bismarck hoch, hoch und abermals hoch!" Nach langandauerndem Jubelruf wurde die „Wacht am Rhein" gesungen. — Herr Ehr. Reiber ergriff hierauf das Wort zu einem ebenfalls stürmisch aufgenommenen Hoch aus das deutsche Vaterland- die Hochrufe auf Kaiser, Großherzog und Bismarck hätten bethäligt, daß wir Deutsche seien - zu allen Thaten BiSmarckS bildete seine große Vater landsliebe die Triebfeder, ohne Vaterlandsliebe sei kein Deutscher denkbar- Vaterlandsliebe hätten schon unsere ältesten Vorfahren bethätigt, von den Cheruskern an, die die Römer vertrieben, bis zu den Freiheitskämpfern von 1813 und den Helden von 1870- auch hier, in dieser Versammlung solle bethätigt werden die Liebe zum Vaterland, „em donnernd Hoch dem Vaterland, wo unsrer Kindheit Wiege stand". Der Gesang: „Deutschland, Deutschland über Alles" folgte de» kernigen Worten des Herrn Reiber.—Inzwischen war e» 12 Uhr geworden und Herr Prof. Dr. Wimmenauer theiltr mit, daß BiSmarckS Geburtstag nun wirklich angebrochen, er brachte deshalb ein zweites Hoch auf Bismarck aus, das ebenso wie da- erste jubelnd ausgenommen wurde, viel Beifall fand das inzwischen auf der Bühne getroffene Arrangement: die Büste Bismarcks, bekränzt mit Lorbeeren, decorirt mit Helm, Küraß und Pallasch. — Den vierten offiziellen Toast brachte hierauf Herr Prof. Dr. Schwarz auf die Frauen, finnig wie humoristisch überaus ansprechend, au». Der 1. April sei angebrochen, wer unS aber nicht in den April geschickt, sei Bismarck. Das heutige Fest sei ein Volksfest, und zu einem solchen gehörten auch die Frauen. Zum CommerS allerdings hätten sich die Versammelten auch ohne die bessere» Hälften zusammengefunden. DaS verhältniß BiSmarckS zu den Frauen bedürfe keiner Schilderung, auch BiSmarck habe seine Ehe wie ein guter Deutscher gefunden, leider habe nu» der Tod seine Schatten hineingesenkt - die Frauen feien immer die eifrigsten Verehrerinnen BiSmarckS gewesen, nicht wegen der Partei, sondern wegen deS Vaterlandes. Er hoffe, daß die Poesie, in der daS Verhältniß der Frauen zu BiSmarck so ausgiebig besungen, weiter lebe, möchten die Frauen ihre» Söhnen, der künftigen Generation, eS lehren, würdig zu fern dem Streben und Wirken BiSmarck». WaS BiSmarck aber mit den Frauen gemein habe, fei, daß er vorzüglich verstand« habe zu regieren, dies verständen unsere Frauen auch, obwohl sie eS in Abrede stellten. BiSmarck fei eigentlich selbst eine gute Hausfrau im deutschen Staatshaushalt gewesen, den» er habe immer für die nöthige Ruhe gesorgt, e» könne nicht» schaden, wenn er wieder einmal den Reichsscheuerbesen ergriffe, um vielen angesammelten Unrat b auSzufegen. Auch al» Diplomat habe BiSmarck ein Vorbild in den Frauen gehabt, er habe immer danach gestrebt, daß Alle» nach seinem Kopfe gehe- als Redner sei BiSmarck insofern mit den Frauen z» vergleichen, als er immer da- letzte Wort gehabt. Redner ging, nachdem er die Frauen der angcfteQten Vergleiche roege» um Verzeihung gebeten, zur Verherrlichung der schon vo» allen Poeten besungenen Liebe über, bemerkend, daß man t» der Versammlung dabei wohl nicht an die Schönen im Plural,


