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2.4.1895 Erstes Blatt
 
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Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Lu-nahme de« Montag«.

Die Gießener PamirtenSrälter ivnden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt.

Erstes Blatt. Dienstag den 2. April

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Deutsche» Reich.

Berlin, 30. März. Der Kaiser hat heute den Vortrag deS Fürsten zu Hohenlohe im Reichskanzlerpalais ent- gegengenommen.

Berlin, 30. März. DerReichSanzetger" verVffent« licht den Wortlaut der Glückwunschadressen deS Bundesraths und des preußischen StaatSmini- ßeriumS, welche Fürst Hohenlohe am 27. d. Mts. dem Fürsten BiSmarck nach FriedrtchLruh persönlich überbrachte.

Berlin, 80. März. In dem vomReichsanzeiger" ver- öffenlltchten Glückwunschschreiben deS Bund es - ratheS qn den Fürsten BiSmarck heißt eS: Der BundeSrath habe nicht vergessen, daß er während zweier Decennien unter dem Vorsitz deS Fürsten BiSmarck an dem Ausbau deS Reiches Mitwirken konnte und daß die von ihm im Austrage hoher Machtgeber verfolgte Politik durch die «eise Leitung deS Fürsten Ziel und Richtung empfangen habe. Wenn Dank dieser Politik der Bund der Fürsten und Freien Städte gefestigt dastehe gegenüber den zersetzenden Elementen, «eiche in dem Versuche, die schöpferische That einer großen Zett zu zerstören, nicht ermüden, so weiß sich der BundeSrath eins mit allen vaterländisch gesinnten Gliedern der Nation. In der Ueberzeugung, daß eS Euer Durchlaucht weitfchauender Glick gewesen, der den sicheren Grund zu solchen Erfolgen gelegt hat, wird auf dem von Euer Durchlaucht vorgezeich- aeten Wege der BundeSrath fortfahreo, den Ausbau des Reiches za fördern und damit einen Theil des Dankes abzutragen, welcher der wahrhaft staatsmännischen Arbeit deS erstenKanzlers gebührt. Möge der Segen, welcher sichtlich auf dieser Arbeit ruht, zum Heile des Vaterlandes fortwirken, möge Gottes Gnade geben, daß Euer Durchlaucht noch lange Jahre dem Kaiser und Reich erhalten bleibe, möge Ihnen beschieden sein, neben der Befriedigung über Ihre Schöpfung reiche Freude an deren Entwickelung zu erleben. In dem Glückwunschschreiben des preußischen Staatsministeriums heißt es: Das Vaterland werde den seltenen Festtag in dankbarer Gesinnung begehen eingedenk der unvergänglichen Verdienste, welche der Fürst in seiner langjährigen, unermüdlichen, reichgesegneten lhätigkeit um den Ruhm und die Größe Preußens und des Deutschen Reiches sich erworben hat.

Berlin, 30. März. In der heutigen Sitzung der Um­sturz-Commission wurde der in erster Lesung abgelehnte neue § 184b mit 11 gegen 8 Stimmen angenommen. Bei der Debatte über den § 210 (Zweikampf) bedauert General­major v. Spitz, daß man das Duell mit der Vorlage verquicke; die Militärverwaltung wünsche dringend, daß das Duell nicht

in die Vorlage ausgenommen werde. Abg. EnnecceruS (natl.) , bezeichnete den Antrag betreffend Aufnahme des Duells in i daS Gesetz als ein juristisches Monstrum. Minister v. Köller , erklärte, die Regierung lege auf daS Zustandekommen des t Gesetzes den größten Werth- er bitte um Annahme der ; Vorlage. Der § 210 wurde sodann mit 14 gegen 9 Stimmen angenommen. Schließlich fand Abstimmung über die Vorlage im Ganzen statt. Dieselbe gelangte mit 17 gegen 8 Stimmen < zur Annahme - dagegen stimmten die Socialdemokraten, Frei- , sinnigen und Antisemiten. Zum Berichterstatter für das Plenum wurde der Abg. v. Buchka bestellt.

Berlin, 80. März. Der Entschluß der japanischen Re­gierung, hinsichtlich der FrtedenSverhandlungen mit China gemäßigte Bedingungen zu stellen, wird, wie die Post" meldet, in unterrichteten Kreisen Berlins auf die Vermittelung der diplomatischen Vertreter der Großmächte in Tokio zurückgeführt.

Att»land.

Wien, 30. März. Wie daSN. $3. T." meldet, werden die Abgeordneten der Stadt Graz am Schluß der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses einen DringlichkeitSantrag einbringen, nach welchem oie Regierung aufgefordert wird, dem Recurse der Stadt Graz gegen die Ststirung der Beschlüsse bezüglich der Bismarckseier durch den Regierungspräsidenten von Steiermark stattzugeben und die Entscheidung deS Letzteren aufzuheben.

Madrid, 30. März. Der Erzbischof von Saragossa ist gestorben.

Lissabon, 30. März. DaS amtliche Blatt veröffentlicht daS Decret betreffend die Reform deS Wahlgesetzes- durch daffelbe wird dir Zahl der Deputirten auf 120 fest­gesetzt.

Belgrad, 30. März. Sämmtliche Inseln der Donau und der Save sind infolge deS Hochwassers überschwemmt.

Neueste Nachrichten»

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

FriedrichSruh, 31. März. Heute ist dem Fürsten BiSmarck ein berziicheS Glückwunschtelegramm deS Königs OSkar von Schweden und Norwegen zugegangen. Der Fürst empfing heute eine Abordnung des Cösener 8. C.

FriedrichSruh, 31. März. Fürst BiSmarck hatte eine gute Nacht und fühlt sich wohl. Telegraphische und briefliche

Gratulationen treffen in unzählbarer Menge ein. Marge« früh gratulirt zunächst die Deputation deS Kürassier-RegimentS von Seydlitz (MagdeburgischeS) Nr 7, dann folgen die Pro- fefforen, Mittags die Studenten. Abends findet der Ham­burger Fackelzug statt. Wie verlautet, sollen morgen Vor­mittag auch die Offiziere deS Lauenburgischen Jäger-BataillouS Nr. 9 auS Ratzeburg zur Beglückwünschung empfangen werden.

FriedrichSruh, 31. März. Die Adresse der deutschen Burschenschafter an den Fürsten BiSmarck hat folgenden Wortlaut:Zu Ew. Durchlaucht 80. Geburts­tage bringt in einmüthiger Liebe und Begeisterung die deutsche Studentenschaft innigen Glückwunsch dar. Dankbaren HerzenS feiern wir heute den Ehrentag deS Mannes, der unser Vaterland aus langer Zerriffenheit herrlich empor­führte zur lichten Höhe eines stolzen, machtgebietenden Reiches. Was im Schlachtendonner unter den siegreichen Fahnen unserer Väter zur Frucht reiste, unS, dem werdenden Ge­schlecht, fiel es als mühelose Ernte in den Schooß. Aber wir geloben es: tapferen Sinnes festhalten, unermüdlich weitcrbauen wird die deutsche akademische Jugend an dem Werke, dem Ew. Durchlaucht die rastlose hingebende Arbeit eines reichen Lebens weihten. Mit diesem unverbrüchlichen Gelübde verbinden wir heute unseren herzlichen Wunsch: Glück und reichen Segen schenke Gott der Allmächtige Tw. Durchlaucht heute und immerdar!"

Frankfurt a. M., 31. März. Heute Vormittag fand hier die Enthüllung der Gedenktafel an dem ehe­maligen Wohnhause des Fürsten Bismarck in der Großen GalluSstraße Nr. 19 statt. Die Festrede hielt Rechtsanwalt Fester, daS Hoch auf Ge. Majestät den Kaiser wurde von dem Stadtverordneten-Vorsteher Justizrath Humser ausgebracht. Trotz der ungünstigen Witterung war eine außerordentliche Bethetligung aller Kreise der Bevölkerung zu bemerken. Die Kriegervereine rc. waren mit ihren Fahnen erschienen. Die Tafel ist vom hiesigen Nationalltberalen Verein gestiftet und trägt die Inschrift:In diesem Hause wohnte Otto von BiSmarck als preußischer Gesandter beim Bundestag 185258." Die Stadt trägt Flaggenschmuck.

Dirfchau, 31. März. Heute Nachmittag 3 Uhr 45 Min. ist der Durchstich an der Siedlersfähre (Wetchsel- mündung) eröffnet worden; der Strom nimmt jetzt einen neuen Lauf.

Depeschen beB BureauHerold".

FriedrichSruh, 31. März, 3 Uhr 30 Min. DaS Wetter war heute Morgen sehr schön, änderte sich jedoch gegen Mittag.

Fereilletsn.

Wochendriefk ans der Residenz

(Ortginalbertcht deSGießener Anzeiger".)

Z. Darmstadt, 28. März.

Drittes DecoriruugSfest des Odenwald-Clubs. Bom Groß- herzoglichen Hofe. Musikalische Genüsse.

Schon ttn letzten Briese habe ich Ihren Lesern den Odenwaldclub gelegentlich genannt und behauptet, daß er sich um die Erschließung unseres herrlichen Odenwald- Gebirges die allergrößten Verdienste erworben habe. All­überall wo man im Odenwalde hin wandert, leuchten einem die bunten MarktrungSschildchen entgegen, die vom Club an­gebracht find, um dem Touristen die lohnendsten und besten Wege anzuzeigen, sür die Anfertigung trefflicher und doch sehr billiger Karten, auf denen jene Marken eingezeichnet sind, hat der Verein gesorgt eine That die mir als das Haupt- »erdienst deffelben erscheinen will. Wenn ich dann noch hinzusüge, daß er der Instandhaltung und Berbefferung der Wege in dem Gebirge und der Frage nach der Verpflegung öer Touristen, der Erhaltung der Odenwälder Volkseigen- rhkimlichkeiten und der materiellen Hebung der Bewohnerschaft oie größte Sorgfalt zuwendet und auf allen diesen Gebieten chatsächiich Hervorragendes geleistet hat und noch stets leistet, dann wird Jedermann zugeftehen, daß ihm wirklich die Sym- pathieen gebühren, die ihm am vergangenen SamStag Abend

wiederum in geradezu überwältigender Weise bekundet wurden. I Der große Saal des städtischen Saalbaues war für daS Fest in einen herrlichen Taunenhain umgewandelt worden, »ahllose Fahnen und Emblemen in hessischen und deutschen Farben leuchteten aus dem satten Grün hervor, die eine «roße Wand zeigte eine prächtig auSgeführte Odenwald- Landschaft mit den Abbildungen deS Kaiser- und Irene- Thurmes. DaS Ganze wirkte ungemein anheimelnd auf den Beschauer und trug viel zur gemüthlichen Stimmung der

Besucher bei. Zur Verherrlichung des Feste« hatten hervor- i ragende Künstler ihre Dienste bereitwillig zur Verfügung gestellt. Der Großh. Kammermusiker A. Kugler hatte einen schwungvollen Festmarsch gewidmet sowie ein von Karl Schäfer, dem gefeierten Sänger des OdenwaldeS, übersandtes Gedicht Mein Odenwald" componirt, ein prickelnder Walzer war für den Tag von A. Neff dem Club dedicirt worden, einen kernigen, mit einem Hoch auf denHelden im Sachsenwalde" ausklingenden Prolog hatte ebenfalls Karl Schäfer verfaßt. Außerdem wirkten bet dem Feste, dem auch die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden und der nachbarlichen Touristen- und Alpen-Vereine anwohnten, mehrere der ersten Solokräfte unseres Hof-Schauspiel- und Opern-EnsembleS mit. Einen ganz besonderen Glanzpunkt deS Abends bildeten aber die Vorführung einer langen Reihe von Schattenbildern, Darstellungen von Ansichten und Gruppen auS dem Oden- walde, die sich durch große Klarheit und Schärfe auSzeichneten und Manchem von den Zuschauern liebe Erinnerungen an die herrlichen burggekrönten Berge deS OdenwaldeS wach­gerufen haben mögen. Zwischen den einzelnen Bildern wurde zur Erläuterung ein verbindender Text gesprochen, der den Zuhörern oftmals stürmischen Beifall abnöthigte. DaS letzte Bild zeigte daS wohlgelungene Porträt unseres unvergeßlichen Oberbürgermeisters Albrecht Ohly, deS langjährigen eifrigen Präsidenten der hiesigen Section deS Odenwaldclubs, der dazu gehörige VerS, mit dem ich meinen Bericht über daS herrliche Fest schließe, lautete:

Wie thatft Du eifrig uns're Sache pflegen! Wie tratst Du unermüdlich für sie ein! Drum töne noch im Jenseits Dir entgegen: Du wirft bet uns stets unvergeffen fein!"

Regeres Leben herrschte in den vergangenen Tagen wie­derum am Großherzogltchen Hofe. Wurde die Taufe der jüngst geborenen Prinzessin auch nicht als große glanz­volle Festfeier, sondern mehr im Rahmen eines internen Familienfestes begangen, so war doch eine große Zahl aus­

wärtiger Fürstlichkeiten erschienen, deren Anwesenheit immer­hin einen größeren Aufwand mit sich brachte: täglich konnte man die hohen Herrschaften spazierensahren, -reiten oder -gehen sehen, auch eine Parade der Truppen fand statt, so- daß die Umgebung deS kleinen Palais stets von Neugierige« in großer Anzahl belebt war. Ueber die Feierlichkeit selbst ist Ihren Lesern schon ausführlich geschrieben worden, eS erübrigt mir nur hier zu berichten, daß die Anthetlnahme der Bürgerschaft an dem freudigen Feste sehr groß war und die junge Erdenbürgerin bereit- mit poetischen Grüßen über­häuft wurde.

Musikalische Genüsse brachte die vergangene Woche wiederum in großem Maße. Hier genannt zu werden ver­dient vor Allem daS dritte große Winter-Concert deS Mozart-BereinS unter Leitung des Musikdirektor- R. Senff. Der Verein hatte als Programm für den Abend die AufführungAntigone" des Sophokles mit der Men- delsohn'schen Musik, für den Concerigcbrauch von U. RteSler eingerichtet, vorgesehen. Das geniale Werk, daS in seiner Vollendung seinesgleichen in der modernen Tonkunst kaum hat, wurde in vorzüglicher Weife wiedergegeben und fand eine geradezu begeisterte Aufnahme beim Publikum. (Einen weiteren Anziehungspunkt von seltener Stücke für die Musik- freunde unserer Stadt bildet die in diesen Tagen stattfindende Aufführung des Wagner'schenRing der Nibelungen". Seit vielen Jahren ist der Nibelungen-CycluS nicht mehr voll­ständig in der bestimmten Reihenfolge hier zur Darstellung gekommen. Auch diesmal waren die Schwierigkeiten, die fich ' der Wiedergabe entgegenstellten, nicht gering, und als sie I alle überwunden schienen, kam noch die Influenza und stellte Alles wiederum in Frage. Glücklicher Weise konnte für ' Herrn Kammersänger Bär, einen der am meisten beschäftigten Solisten, Ersatz geschaffen werdin und so ist denn bis jetzt Rheingold" undWalküre" vor jedesmal beinahe aus- verkauftem Hause «nd mit starkem künstlerischen Erfolge in Scene gegangen.