Ausgabe 
1.11.1895 Erstes Blatt
 
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Borstädte von Dijon, bi- eS Nacht wurde- der Ort brannte stark. In der Nacht zog der Feind ab. Heute früh ergab sich die Stadtverwaltung.

C^eeU» und ptoohjkOef«

Glehn», den 31. October 1896.

Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog empfingen am 30. October u. A. den Dirigenten vr. v. Peter und den Lehrer Reichelt von der Land- wirthschaftl'chen und Obstbauschule zu Friedberg.

* Orbenlverleihuog. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Ällergnädtgst geruht, dem Vorfitzend,n de- Ort-gewerbevereinS und des Ausstellung- - EomiiöS für die diesjährige Industrie« und Gewerbe Ausstellung zu Als­feld, Jakob Rößner, Rentner in Alsfeld, das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienst OcdenS Philipps des Großmürhigen zu verleiben.

Inbilanm. Nahezu 39 Jahre find entronnen, feit einer der größten Lichtverbretter unserer Stadt unser Gas­werk nämlichseine immer umfangreicher werdende Thätig- kett entfaltet. Unter den Beamten und Arbeitern deS Werkes befinden fich einige, welche schon vor Jahren auf ihre 26jährige Wirksamkeit an dieser Anstalt in stillem Ge­denken, unter den Glückwünschen der Verwaltung und der BerufSgenoffen zurückblicken konnten. Auch heute ist wieder ein solcher Ehrentag herangekommen, welcher einem Beamten gilt, der im Mittelpunkte de- Gaswerksbetriebs ein wichtiges Amt bekleidet. Herr Friedrich May trat heule (31. October) vor 25 Jahren al» GaSmeister in die Dienste deS hiesigen Gaswerks. ES liegt in der Natur dieser Stellung, daß sie nur von einem gewiffenhaften, um» sichtigen, vielseitig gewandten Beamten bekleidet werden kann, der fich durch nichts abhalten läßt, seines verantwortungs­vollen Amtes zu warten. Da die hervorgehobenen Eigen­schaften bet unserem Jubilar der auch bet der wieder­holten Erweiterung des Werkes thatkräftig mitgewirkt hat in erfreulich anzuerkennender Weise zurreffen, so wollte man diesen Tag nicht vorübergehen laffen, ohne seiner Be­deutung zu gedenken. Herr GaSmeister May wurde heute Morgen an festlich geschmückter Arbeitsstelle vom Director, den Beamten und Arbeitern des Werkes empfangen und herzlich beglückwünscht. Möge eS ihm noch eine lange Reihe von Jahren vergönnt fein, in guter Gesundheit seines wichtigen Amte- zu "warten?

Der Veteranen - Bereit, begeht, wie wir vernommen haben, am 2. November l. I. im Festsaale deS Eafö Leeb zur Erinnerung an den Gedenktag der Eapitulation von Metz eine Feier, welche nach den Vorbereitungen zu schließen, sehr reichhaltig in Bezug auf den Programmtheil zu werden verspricht. Wie man uns mittheilt, sind sünf Darstellungen lebender Bilder, Krieg-episoden rc. vorgesehen. Daß hierin wieder etwa« besonders Schönes und FeffelndeS geboten wird, darf man wohl auf Grund bisheriger Erfahrungen bei ähn­lichen früheren Festen de» Verein- vorauSsetzen. Auf dann an diesem Tage zum Feftsaale de» EasL Leib!

* * Turnerische». Gestern Abend tagte im Restaurant Schnell unter Vorfitz deS ersten Sprecher-, Herrn W. Herbert, die Hauptversammlung deS Gießener Turnvereins. Der Vorsitzende erstattete eingehenden Bericht über die deutsche Turnerschaft, verbreitete sich sodann über die Verhältnisse deS Kreises, des Gaue- und des verein-- er erklärte, der Glrßener Turnverein habe im verflossenen Jahre nach turnerischer Richtung Erfreulichcs geleistet. Bei allen fich dargeboteneu Gelegenheiten, besonders aber beim KreiSturnfest hat er fich turnerisch hervorragend betheiligt. Die Mitgliederzahl ist um 59 gegen daS Vorjahr gewachsen, 6 Ehrenmitglieder, 682 Mit­glieder, 91 Zöglinge und 41 Angehörige der Damenriege, zusammen also 820 Mitglieder bilden den jetzigen Bestand deS Vereins und dürfte derselbe somit der stärkste deS Mittel- rheinkretseS sein. Turnwart Wigandt berichtete hierauf über die Betheiligung an den turnerischen Uebungen Seiten- der Verein-Mitglieder im verflossenen Jahre. Der erste Sprecher Herbert gab nun einen Bericht über den Verlauf de» 22. Mittelrheinischen Turnfeste». Redner dankt bei dieser Gelegenheit Namen- de-Turnverein-allen Gießener Vereinen, besonders aber Denen, welche durch ihre Opfer» Willigkeit den Festzug durch Stellung von Prunkwagen in so Überaus prächtiger Weise gestaltet haben, ebenso sprach er den vereinigten Sängern, welche durch ihre zu Gehör gebrachten Leistungen so viel zur Unterhaltung der Gäste beigetragen haben. Herr Herbert bedauert, über das finanzielle Ergebniß des Feste- bis jetzt noch kein definitives Resultat miltheilen zu können. Nach Verlesung deS Kasseberichte« stellte der Vorsitzende fest, daß da» VereinSvermögen 40,160 Mk. 67 Pf. betrage. In den Vorstand wurden wiedergewählt die Herren: Wtlh. Herbert, 1. Sprecher, Wtlh. Löb er, 2. Sprecher - Wilh. Etdmann, Schriftführer, neugewählt: Buchhändler Ed. Taschö und Kaufmann Richard Buchacker. Durch Wiederwahl in seinem Amte bestätigt wurde der 1. Turnwart Wigandt, neugewählt als 2. Turnwart wurde Theodor Vaupel. Herr L. Pirr wurde für daS Amt al» Gegenschreiber wiedergewählt. Als Turnälteste gingen au» der Wahl hervor die Herren: Earl Köhler, Earl Häuser und Herrn. Köhler. Beisitzer sind die Herren Martin Dörr, Jean Köhler und Georg Balser. Nach beendetem Wablgeschäft wie» der 1. Sprecher darauf hin, daß der 1846 gegründete Verein im kommenden Jahre fein 50jährigeS Jubiläum feiern wird unb schloß die Versammlung mit dem Wunsche, der Verein möge ferner wachten, blühen und gedeihen.

Turnerisch Statistische». Der Turnverein hat im verflossenen BereinSjahr an 148 Turnabenden mit 9432 Turnern geübt- davon fallen aus Rlegenabende 90 bei einer Gesommt- betheiligung von 7252 Teilnehmern, per Abend also durch- schnittlich 83 bis 84 Turner. Kürturnen wurde an 32 Abenden abgehalten, woran sich im Ganzen 1920, per Abend durchschnittlich 60 Turner beteiligten. Aus

Borturoerstunden wurden 26 Abende verwandt, eS beteiligten fich daran 260 Turner, per Sbevd durchschnilrlich 10. Am stärksten war der Besuch der turnerischen Uebungen in den Monaten April bis August (90 bis 150 per Abend), wohingegen in den Winterabenden der Besuch zwischen 50 und 60 Turner heruntergegangen ist. Die Gauturnfahrt nach Kirchhain hatte starke Betheiligung, e« wurden dort 11 Preise erhoben, ebenso wurde da- Feldbergsest, seiner Bedeutung entsprechend, von den Mitgliedern deS Turn­verein- stark besucht und wurden dort 6 Preise erhoben. Don den Preisen de- MittelrheinfesteS entfielen 2 auf den Verein. Zu diesem schön oerlaufenen KreiSturnfest hat der Turnverein 6 Riegen gestellt, welche auch je 1 Preis erhielten. Die fo sehr bewunderte Damenriege veS Verein» zählt z. Z. 41 Teilnehmer, welche per Woche regelmäßig einen Turn­abend mit einer Betheiligung von 30 bis 36 Turnerinnen abhält.

Die Leipziger Loieertfäager boten in dem gestern Abend in Steins Saalbau veranstalteten humoristischen Abend ein fast durchweg neue- Programm, von welchem der gesangliche Theil in gewohnt künstlerischer Weise, die Eoupier« ?c. mit unübertroffener Komik zur Ausführung ge­langten. Die Leistungen de» Herrn Iler-Li pa rt aus dem Piston boten höchsten Kunstgenuß. Sämmtliche^Nummern wurdem mit reichem Beifall bedacht. Der Saal war auS- verkanft. Wir senden den beliebten Künstlern ein herzliche- Aus Wiedersehen !" zu.

**P. Der gestrige Zwiebelmarkt war von Verkäufern auS der Weiterau auffallend stark besucht. Bei dem von oben trockenen Weiter waren auch die Käufer zahlreich er­schienen und entwickelte sich hauptsächlich in den Stunden von 11 Uhr Vormittag- bis 3 Uhr Nachmittag- auf dem Hinteren Theil von O-waldS Garten in diesem Knollengewächs ein lebhaftes Geschäft. Außer der Wetterauer Waare waren auch viele sächsische Zwiebeln am Markt. Die Preise hielten sich bei größerer Abnahme zwischen 3.25 bis 3.75 Mark pro Gentner. Die kleineren Abnehmer zahlten für 10 Liter 60 bi- 65 Pfg. Der auf den Markt gebrachte Vorrath konnte wohl 600 Gentner betragen und war derselbe am Spätnachmittag ziemlich geräumt.

** Reisende ohne Fahrkarten. Ueber daS Verfahren gegen Reisende, die ohne giltige Fahrkarten betroffen werden, sind für die preußischen Staatsbahnen neue Bestimmungen getroffen worden, von denen folgende hervorgehoben seien: 1) Der Reisende, der ohne Fahrkarte oder ohne giltige Fahrkarte betroffen wird, hat für die ganze von ihm zurück­gelegte Strecke und, wenn die Zugangsstation nicht un­zweifelhaft nachgewtesen wird, für die ganze vom Zuge zurückgelegte Strecke das Doppelte des gewöhnliches Fahr- Preises, mindestens aber sechs Mark zu entrichten, auch wenn der Zug noch steht. 2) Die Strafe wird auch dann erhoben, wenn die bereit- abgelaufene Rückfahrkarte in gutem Glauben, daß sie noch gültig sei, vorgezeigt wird, oder aber der Reisende über die Zielstatton angeblich deshalb hinaus« gefahren ist, weil er das Rusen de- StationSnamens über­hört hat. 3) Wird ein Reisender mit einer nicht abge­stempelten Fahrkarte im Zuge betroffen, so wird nur seine Person festgeftellt- zur Lösung einer anderen Karte darf der Reisende nicht angehalten, auch an der Weiterreise nicht gehindert werden. Darüber, ob eine beschädigte Fahrkarte noch als giltig anzusehen ist, entscheidet im Zuge der Zug­führer, auf der Station der Stationsvorsteher.

E. Echzell, 30. October. Die vor wenigen Wochen hier neuerrichtete Molkerei hat einen sehr raschen Aufschwung gewonnen, denn aus guter Quelle erfahren wir, daß die Anstalt täglich bereit- 3000 bis 4000 Liter Milch verarbeitet, obgleich noch lange nicht alle Theilhaber mit voller Kraft hinsichtlich der Mtlchproduction in Wirksamkeit getreten sind. Auch werden noch viele Landwinhe auS der Umgegend zum Beitritt erwartet, sodaß daS TageSquantum auf das Doppelte steigen wird. WaS daS Ausfinden von verbrannten Menschenknochen neben dem Schloffezu Bingenheim betrifft (SieheGießener Anzeiger" Nr. 253, drittes Blatt vom 27. October), so haben wir Nachforschungen angestellt und in Erfahrung gebracht, daß der Hexen- und Aber­glaube bi- auf den heutigen Tag unter dem Landvolke noch nicht verschwunden ist. Manche Leute glauben noch, ) da- Blut und die Asche von armen Sündern gegen Gicht, Schlagfluß, Feuerbrand und Blitzschlag schütze, wenn man jene Gegenstände bei fich trüge, oder im Hanse, oder neben demselben aufbewahre, vor dritthaibhundert Jahren, al- die Hexenverfolgung und der Hexenwahn in ganz Deutsch­land allgemein herrschten, zweifelte Niemand an der schützenden Wirkung der sterblichen Ueberreste von armen Sündern. Die ausgegrabenen, verkohlten Menschenknochen dicht neben dem Schlosse zu Bingenheim sind daher sehr wahrscheinlich nur deshalb dort verscharrt worden, damit dem Schlosse selbst und dessen Bewohnern ein besonder- kräftiger Schutz gegen den bösen Feind, gegen Hexen, Gicht, Schlagfluß, Feuerbrand und Blitzschlag zu Theil werden möchte.

Bad «anheim, 29. October. Heute wurden in öffent» "4" Berstetgerung acht Bauplätze, die einem Amerikaner gehören, zu 70 000 Mk. loSgeschlagen. ES stellt fich der Quadratmeter auf etwa- mehr a!S 17 Mk. Der in wenigen Jahren erzielte Nutzen berechnet sich auf nahezu 100 pEt.

n. Friedberg, 29. October. Die bei Assenheim über die Ufa erbaute neue Straßenbrücke wurde dieser Tage dem Verkehr übergeben.

Worm». 29. October. DaS Radfahren kann nicht nur dem harmlosen Spaziergänger, sondern auch, wie ein Beispiel zeigt, den Thieren auf freiem Felde gefährlich werden. Dill da auf den Feldern an der Wein-Heimer Ehouffee ein HLSlein aus den lenseit» der Straße liegenden Acker über- setzen, a!S zu gleicher Zeit ein Radfahrer vorüdersanst. Da geschah da- Wunderliche, daß der arme Lampe beim Satze über die Fahrbahn direct in da- Hinterrad de« Beloc,pedS

hineinsprang, von diesem gefaßt und auf eine ganz neue Art­gerädert wurde. Der so jämmerlich Ueberfahrene klagte laut und nicht wenig überrascht war der Radfahrer, als er gewahr wurde, waS ihn plötzlich am Weiterkommen hinderte. Arbeiter, welche des Wege- kamen, halfen dem verunglückten Hasen auS dem Rade und überbrachten ihn dem Wormser Jagd­pächter.

Mainz, 30. October. Die hiesige Stadtverordneten­versammlung beschloß heute Abend nach ziemlich erregten Debatten mit 19 gegen 16 Stimmen die Errichtung eine- dritten städtischen Dolk-badeS hier. Da- neue Volksbad kommt in da» Gentrum der Altstadt, auf einen Theil deS ehemaligen Emmeran-kirchhofe-. Einschließlich deS zu erwerbenden Geländes ist daS neue Bolk-bad zu Mk. 100,40fr veranschlagt, welcher hohe Betrag die Veranlassung war, daß daS Projekt so viele Gegner in der Stadtverordnetenversamm­lung hatte. Den AuSschlag bei der Abstimmung gaben die focialistischen Stadtverordnetenmitglieder. In gleicher Stadtverordnetensitzung wurden Eharfreitag, FrohnleichnamS« tag, Maria HimmelsahrtStag urb Allerheiligen als Festtoge im Sinne der §§ 105 u. f. der Gewerbeordnung angenommen und beschlossen, bei der Regierung vorstellig zu werden, damit diese Tage, sowie Ostermontag und Pfingstmontag auch im Sinne der Wechselordnung, al- Festtage für Mein- Hessen anerkannt werden.

DermW«

Berlin, 29. October. Anscheinend in einem Anfalle von Wahnsinn erdrosselte die 45jährige Arbeiterfrau Schorsch in Rixdorf ,hr einjährige» Söhnchen und er­hängte fick dann selbst.

* Ein verhangnißvoller Lotteriegewinn ist auf ein Loo- gefallen, welches von einem Gonsortium von drei Spielern gemeinsam gespielt wurde. Der in Berlin in der Bernauer- straße wohnhafte Handwerker M. befand sich im B-fitze zweier Diertelloofe der preußischen Klassenlotterie, an weichem Atoei seiner Freunde parttcipirten. Da- eint Loo- wurde kürzlich mit einem Gewinn von 3000 Mk. gezogen. Da M. auS Noth die Otiginalloose inzwischen verkauft hatte, hat er fich nach der Version eine- Berliner Blatte- am Sonnabend Nacht au- Furcht vor Strafe und au- Scham­gefühl erhängt.

* Apolda, 24. October. Um Gäste heranzuziehen, kommen manche Wtrthe auf recht komische Einfälle. So hat der Wirth des Schützenhause- hier einPreisausschreiben" veransta'tet, nach welchem einen ersten Preis von 32 Mk. Derjenige erhält, welcher die Zahl der in einem GlaS befindlichen Erbsen erräth. Wenn Niemand die genaue Zahl erräth, erhält den ersten Preis der, welcher die der richtigen Zahl am nächsten liegende angegeben hat. Die sechs weiteren annähernd richtigen Zahlen erhalten gleichfalls Preise. Da- GlaS ist bis Weihnachten au-geftcllr.

* Essen, 29. October. Geh. Rath Krupp hat förn-nt» liche Vorstände und Führer der freiwilligen Feuerwehren in Rheinland und Westfalen zur Besichtigung der neuen Ein­richtungen im Feuerlöschwesen auf seinem Werke in Essen eingelaben. Darnach wird Herr Krupp seinen Gästen ein Festmahl geben.

Leipzig, 29. October. Von den Opsern der Katastrophe am Dresdener Bahnhofe beim Einzuge de- KaiserS am SarnStag befinden fich vier auf dem Wege der Besserung. Der getöbrete finabe wurde bereits beerdigt und die Amputation de- linken Unterschenkel- bei dem «auf- manne Kilz au- Dessau verlief normal und verspricht gute Heilung.

* Gera, 24. Oktober. Aus Eifersucht zur Brand­stifterin geworden. Die noch nicht zwanzig Jahre alte Elisabeth Döbereiner auS OberröSlau hatte sich vor dem Schwurgericht wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu verant- Worten. AIS Gomptoirmädchen in einem Greizer Geschäft thätig, war sie dort zu einem in demselben Geschäft ange- stellten Buchhalter derart in Liebe entbrannt, daß sie ihn förmlich verfolgte und deS Oeftercn auffoiderte, sie zu heirathen. Der Buchhalter unterhielt aber bereit» ein Lieb,« verhältniß mit einem anderen Gomptoirmätdjen. von Eifer sucht geplagt, schlich fich die Döbereiner eines Nachts zur Wohnung ihrer Nebenbuhlerin, schlug während deren Ab- Wesenheit ein Fenster ein und stieg in daS Zimmer der von ihr Gehaßten. Sie fand in der Wohnung eine Flasche Petro­leum, mit dem fie die Kleider und daS Bett ihrer Neben- buhlerin begoß und bann anzünbete, worauf sie fich entfernte. DaS Feuer, da» an dem Hause nur geringen Schaden an- richtete, wurde bald gelöscht. Da» Urtheil lautete auf ein Jahr und eine Woche Gesängniß.

Sera, 29. October. Der Lehrling einer hiesigen mechanischen Weberei ist mit 500 Mk. baar und 1500 Mk. Wechsel, die er von der Post erhoben hatte, flüchtig ge­worden, nachdem er einen 13*/,jährigen Schulknaben zur Flucht überredet hatte, der vor der Abreise bei einem Kansmanne eingebrochen war und die Labenkaffe geplün- bert hatte.

* München, 29. October. Wie bie Blätter berichten, ist Abele Bio, bekannter al» Adele Spitzeber, im Alter von 63 Jahren gestorben. Sie war uksprüngltch Schau­spielerin , gründete Ende der 60er Jahre die bekannte Dachauer Bank und wurde wegen der Schwindeleien, die fie als Bavkinhaberin beging, zu 2>/, Jahren Gesängniß ver- unheilt. Nach Verbüßung dieser Strafe wurde fie Eopell- Meisterin, daS Glück hat ihr aber nicht mehr gelächelt.

* Eia bnrchgegangene» Znteirab. In Steel na (Ruß­land) ereignete sich dieser Tage ein kurioser Vorfall, der aber einen gefährlichen Verlauf hätte nehmen können. Die Passanten einer Straße wurden von einem Manne, der blitzschnell ans einem Belociped vorüberrannte, mit einem entsetzlichen Geschrei:Haltet, haltet?" überrascht. DaS Publikum wußte nicht, wen e» eigentlich halten sollte, ob