Ausgabe 
1.5.1895 Erstes Blatt
 
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Mittwoch den 1. Mai

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Erstes Blatt

Nr. 101

Amts- und Anzeigeblatt für den tLreis Gieren.

chratisbeitage: chießener Jamilienötätter

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3704

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

ma neue es-Häringe, a-Kartoffeln, it Zwiebeln

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'reise. ®dim * 13,24, *. 10,50, Erbsen JL 18,00, H 00,00,fiotlofidn^550,

der Antrag Wolz wegen Erbauung einer Bahn von Seligenstadt nach Reinheim. Die Erste Kammer be- harrt aus früherem Beschluß, daß neue Projecte nicht ge- nehmigt werden sollen bis die alten auSgeführt sind.

Dasselbe wird wegen des Antrags deS Abg. Schönberger beschlosien bezüglich Erbauung einer Nebenbahn Reichels- Heim-Fürth. Die Zweite Kammer beschloß s. Z., die Strecken zu genehmigen.

Auch bezüglich des Gesuchs des Bahnmeisters Feiger trat die Kammer dem ablehnenden Beschluß Zweiter Kammer nicht bei.

Desgleichen auch bezüglich der Aufbesserung der Gehalte der Hilfs - Gerichtsschreiber und GerichtSschreiber- ASspiravten.

Ferner lehnte die Kammer wiederholt die von der Zweiten Kammer beantragte Einführung einer Staatsklassen­lotterie und die Uebernahme der Kosten der Volksschulen aus den Staat ab. Auch bezüglich der Einführung der Feuer- beftattung bleibt bei dem früheren Beschluß.

Das Wildschadengesetz wurde entsprechend den Beschlüssen Zweiter Kammer angenommen.

Zum Schluß gelangt die Novelle zum Gesetz über die Nebenbahnen zur Berathung. Die Erste Kammer trat dabei dem Beschluß Zweiter Kammer wegen der Bahn Laubach Mücke bei, ebenso bezüglich der Strecke SchlitzSalzschlirf. Im Ganzen wurden 5,700,000 Mk. genehmigt. Damit war die Tagesordnung erledigt. '

Die Kammer wird vor dem 20. Mai nicht mehr zu­sammentreten.

Deutscher Reichstag.

79. Sitzung. Montag, den 29. »lpril 1895.

Die Preissteigerung für Petroleum.

DaS Petroleum hat in den letzten Wochen einen plötz­lichen und erheblichen Preisausschlag erfahren, welcher sich nicht nur im Haushalte deskleinen Mannes", sondern auch in weiteren Kreisen schon recht bemerkbar macht. Im Detail- Handel ist der so beliebte Leuchtstoff von dem bisherigen durchschnittlichen Preise von 15 Pfennig pro Liter auf 25 und 30 Pfennig emporgeschnellt, und gilt es als keineswegs auS- geschloffen, daß diese Steigerung noch bis zu 50, ja sogar 60 Pfennig pro Liier weitergeht. Selbst wenn aber letzterer ganz außerordentlicher Preisaufschlag für Petroleum schließlich nicht eintreten sollte, so ist doch schon die jetzige Preiserhöhung eine derartige, daß sie den Volkswirth und Wirthschaftspolitiker mit ernsten Bedenken erfüllen muß. Denn einerseits spielt das kostbare Erdöl in zahlreichen Haushaltungen und Gemeinde­verwaltungen als Beleuchtungsmaterial die hervorragendste Rolle, während eS anderseits auch zu vielfachen industriellen Zwecken dient und man dürfte daher in den meisten betreffenden Interessentenkreisen die wesentliche Dertheuerung dieses Natur- producteS höchst unliebsam empfinden.

Woher stammt nun die eingetretene wilde Preistreiberei in dem genannten Weltartikel?

Es ist hier und da behauptet, sie bringe nur ein bisher bestandenes Mißverhältniß zwischen Production und Consumtion auf dem Petroleummarkte zum natürlichen Ausdruck. Die Production von Petroleum in den Erdäldistricten Nord­amerikas sei tn rascher Abnahme begriffen, während der Bedarf hieran sich stark gesteigert habe, nunmehr sei durch die ftattgefundene Preiserhöhung nur der zu erwartende Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage erfolgt. Diese Argumentation hat nun insofern wirklich etwas für sich, als Ipeciell im vergangenen Jahre die Petroleumpreise niedrige waren und als weiter ein so hervorragender Verbrauchs- artikel, wie Petroleum, begreiflicher Weise wechselnden Con- juncturen unterliegt. Dennoch könnte die Regelung zwischen Angebot und Nachfrage im Petroleumhandel schwerlich allein einen so erheblichen PretSaufschlag bewirkt haben, wie er thatsächlich bereits eingetreten ist und vielleicht auch noch weiter steigen wird, vielmehr liegt die sehr wahrscheinliche Annahme nahe, daß hinter der Sache eine häßliche, rücksichts­lose Speculation der amerikanlschen Petroleum-Producenten steckt. Klar lasten sich allerdings die Verhältnisse in dieser Beziehung noch nicht übersehen, indessen bezeichnet man in unterrichteten kaufmännischen Kreisen den durch die Standard- Oil-Gesellschaft repräsenürten Trust oder Ring der Petroleum­quellenbesitzer und größten Petroleumhändler Nordamerikas bereits als den Urheber der Pctroleumhauffe. Der Ring hat allmölig eine Abnahme der Zufuhren bewirkt, um den Preis zu steigern, unabhängige Vereinigungen und Händler vom Petroleummarkte zu verdrängen und sich der ganzen Concurrenz im Lande zu entledigen, und auf dieses ver- gewaltigende Vorgehen der nordamerikanischen Petroleum- kvnige wird die Preissteigerung für Petroleum zurückgeführt.

ES handelt sich also anscheinend um eine künstliche Mache bet der plötzlich eingetretenen Vertheuerung für einen der wichtigsten Artikel des allgemeinen Bedarfs, aus welchem Umstande man vielleicht die Hoffnung schöpfen darf, daß die gegenwärtigen Zustände auf dem Petroleummarkre doch nicht von längerer Dauer sein werden.

Auch ist es nicht ganz belanglos, daß der Preisaufschlag in die beginnende sommerliche Jahreszeit fällt, in welcher natürlich der Bedarf an Petroleum für Beleuchtungszwecke weit geringer ist als im Herbst und Winter. Außerdem wird versichert, daß die schon seit einiger Zeit eingeleiteten Be­strebungen der Standard-Oil-Company, sich mit den durch die Häuser Rothschild und Nobel repräsentinen Petroleum- und Naphta-Jndustriellen Rußlands zu einem Weltring zu vereinigen, infolge des entschiedenen Einspruches der russischen Regierung gescheitert seien, es stünde demnach sogar ein scharfer Concurrenzkampf zwischen beiden Parteien zu erwarten, der den Consumenten nur zum Vortheil gereichen könnte! Jedenfalls kann nur lebhaft gewünscht werden, daß die vom crastesten Egoismus dictirte Action der amerikanischen Petroleum- sürsten bald inS Blaue verpuffen möge, zum Wohle der gesammten Consumentenwelt.

Vierteljähriger A5o«ue«entsprei» r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post oezoge« 2 Mark 50 Psg.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchntstraße Hlr.7.

Fernsprecher 51.

Aus den Verhandlungen der Ersten Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt. 29. April 1895.

Die Erste Ständekammer trat heute Mittag um 1 Uhr zu einer kurzen Sitzung zusammen, um über noch bestehende Distense der Zweiten Kammer zu berathen. Zunächst ist es

Deutsche» Reich.

Berlin. 29. April. Mehrfach ist das Gerücht aufge­taucht, daß der Reichstag vor Pfingsten bis zum Herbst vertagt werden solle, um hierdurch zu verhindern, daß die bislang noch nicht erledigten Vorlagen zum größten Theilunter den Tisch fallen", welches Schicksal die meisten der schwebenden Berathungsstoffe bei einem thatsächlichen Schlüsse der Reichstagssession vor Pfingsten zu gewärtigen hätten. Es wird indessen versichert, daß ein solcher Ver- tagungSplan bei den maßgebenden Reichstagsmitgliedern nur geringen Beifall finden würde, mawglaube in parlamentarischen Kreisen, daß außer derUmsturz-Vorlage" diejenigen Gesetz­entwürfe, welche überhaupt Aussicht auf Annahme besitzen, bequem vor dem Pfingstfeste durchberathen werden könnten. Daran, daß der Reichstag noch über Pfingsten hinaus zu­sammenzuhalten wäre, ist im Ernste nicht mehr zu denken- wenn trotzdem die Regierung dem Hause noch so wichtige und umfassende Berathungsstoffe in dem nachösterlichen Sessionsabschnitte vorlegen sollte, wie die signalisirten Gesetz­entwürfe über die Börsenreform und die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, so wäre dies unter den obwaltenden Umständen ein unnützes Beginnen.

zustände sind normal. « . .

Graz, 29. April. Das Naabthal rst tm Bez'rs- Heldbach in ziemlicher Ausdehnung überschwemmt. Infolge dessen ist der Verkehr in einzelnen Straßen eingestellt.

Windischgratz, 29. April. In Wölling striken 300 Bergarbeiter. Ein Beamter ist zur Intervention von Graz abgegangen.

Paris, 29. April. Die StaatSingemeure erklärten, der Dammbruch in Boucey sei durch äußerlich nicht bemerk­bare Veränderungen herbeigeführt, welche der Wintersrost tn dem Mauerwerk verursacht hat.

Spinal, 29. April. Der Minister des Innern traf heute früh 7 Uhr hier ein und begab sich alsbald nach den von dem Dammbcuch betroffenen Ortschaften, um dort als erste Unterstützung 30000 Frcs. zu vertheilen. Ueberall spielten sich erschütternde Scenen ab. Die Einwohner durch- suchen, unterstützt von den Truppen, den Schlamm nach etwaigen Leichen. Unter dem Trauergeläute der Klrchen- glocken finden zahlreiche Beerdigungen statt. Der Minister ließ sich von den Ingenieuren Aufklärungen über die muth- maßlichen Ursachen der Katastrophe geben, die nach Ansicht der Ingenieure in der strengen Kälte des letzten Winters zu suchen ist. Mittags reiste der Minister wieder nach Paris zurück.

Spinal, 28. April. Die Anzahl der bet der Kata­strophe ums Leben Gekommenen überschreitet, soweit btsher sestgestellt ist, die Zahl Hundert. Vertreter der Behörden sind hier eingetroffen.

Spinal, 28. April. Ueber daS durch den Dammbruch bei Boucey herbeigeführte Unglück sind folgende Einzel- i heilen gemeldet: Der Damm bei Boucey diente dazu, daß Wasser deß für die Speisung deß Ostcanals bestimmten Reservoirs zurückzuhalten. DaS Reservoir enthielt 7 000000 Cubikmeter Wasser. Der 500 Meter lange Damm wurde auf einer Strecke von 100 Metern durchbrochen. Das bei dem Damme liegende Dorf Boucey wurde vollständig zerstört. Der Wafferstrom zerstörte ferner die Böschung deS Ostcanals, deffen Waffer ebenfalls ausströmten. Die Wafferfluthen stürzten auf einer Strecke von 15 Kilometern durch das Thal j deß Fluffes Ariere bis zur Mosel, zerstörten theilweise drei I Dörfer und vernichteten Alles auf ihrem Wege. In allen ! Häusern steht daS Waffer zwei Meter hoch. Pflanzungen ! wurden zerstört, Brücken weggerissen und die Bäckeröfen aus- ! gelöscht. Die Einwohner sind ohne Brod, ohne Obdach, ja ; ohne Kleider. In der ganzen Gegend herrscht äußerste Be- ! stürzung. Die erste Hilfe wurde sehr schnell organisirt. Der ! Präfect besuchte gestern alle von dem Unglück betroffenen I Gemeinden und ließ Listen der Bedürftigsten aufftellen. Die Truppen leisten Hilfe, um die Wege wiederherzustellen, die , Leichen aufzusuchen und daß umgekommene Vieh zu verscharren. ' Die Zahl der Tobten wird gegenwärtig auf 110 geschätzt- nur die Hälfte der Leichen hat biß jetzt aufgefunden werden

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Neueste Ua^rid^eii.

WolffS telegraphisches Corrcspondenz-Bureau.

Berlin, 29. April. Der BundeSrath nahm den Gesetzentwurf wegen Feststellung eines Nachtrages zum Reichs- etat pro 1895/96 an.

Berlin, 29. April. In der Wohnung des Armee- bischofS Aßmann wurde in der Nacht zum Sonntag ein Einbruchsdiebstahl verübt. Eine größere Anzahl Gegen­stände wurden gestohlen, darunter das kostbare Bischosskreuz mit der Kette und dem Bischossring. Der Bischof sichert eine -Belohnung von 500 bis 1000 Mk. für die unverletzte Wieder­bringung des KreuzeS und Ringes rc.

Hamburg. 29. April. Die Social ist en vertheilten gestern abermals hunderttausend Flugblätter, in denen Arbeitsenthaltung zum 1. Mai empfohlen wird. Aus Ver­anstaltung eines Festzuges ist verzichtet worden. Die Polizei beschlagnahmte am Samstag in Ottensen 15000 Exemplare der BerlinerMaizeitung". In Hamburg und Altona wurden keine Vorräthe des Blattes vorgefunden.

Leipzig, 29. April. Professor Thiersch, bedeutender Chirurg, Leiter des hiesigen Krankenhauses und Generalarzt, ist heute früh 3 Uhr gestorben. Ec wurde 73 Jahre alt.

Metz, 29. April. Infolge der Katastrophe bei Boucey ist die Mosel seit gestern Mittag sehr hoch. Bei starkem Gewitterregen steigen die gelbbraunen Fluthmaffen immer noch.

Laibach. 29. April. Gestern Nachmittag erfolgte ein heftiger kurzer Erdstoß mit vorhergehendem starken Getöse. Nackts wurden zwei schwächere Stöße verspürt. Daß regnerische kalte Wetter ist für die Feldbewohner recht em­pfindliche Der Barackenbau, die Adaptirungs- und Demo- lirungsarbeiten schreiten fort. Die Sicherheits- und Samtäts-

Zweite Lesung der Vorlage, betreffend die privat rechtlich en Verhältnisse der Binnenschifffahrt

Bei den Paragraphen 1 und 3 stellt der Abgeordnett Stadt­hagen (©oc.j Anträge, welche jedoch abgelehnt werden. Den Para­graphen 4 will die Commission dahin geändert wißen, daß den Schiffseigner auch als Schtffsführer die Verantwortung trifft

Staatssecretär Rieb er ding erklärt, dies wurde dem Rechts­grundsatze widersprechen. , r £ _ , . . _ .. .

Nach längerer Dtscussion erfolgt die Genehmigung des S 4 in der Commtssionssasfung Nach S 23 darf der Schiffsmann das Schtff'ohne Erlaubntß des Schifters nicht verlassen.

Ein Antrag Stadthagen, daß dem Schiffsmann nur in außer­gewöhnlichen Fällen das selbstständige Verlassen des Schiffes ver­weigert werden darf, wird abgelehnt Ein weiterer Antrag Stadthagen, welcher als 8 23 einzuschalten wäre und der tn der Nacht den Schiftern die freiwillige Einstellung der Fahrt an der nächsten Haltestelle stattet, sowie außerdem von einer Sonn-und Feiertagsarbeit an Bord der Frachtschiffe nur tn wichtigen Fällen wissen will, wird abgelehnt. -

Zu 8 29 wird ein Antrag Bassermann angenommen; derselbe verbietet den Frachtführern die gleichzeitige mehrfache Erhebung von Liegegeld für denselben Tag von mehreren Absendern.

Beit der Berathung der übrigen Paragraphen des Gesetzentwurfs entsteht eine nmnenSwerthe Debatte nicht, dieselben werden nach den von der Commission vorgeschlagenen Beschlüssen angenommm. Jn gleicher Weise wird der Gesetzentwurf, welcher die prtvatrechtlichen Verhältnisse der Flößerei regelt, erledigt.

Ueber die Resolutionen soll erst in der dritten Lesung eine Ent­scheidung getroffen werden. ,

Morgen 1 Uhr: kleinere Vorlagen, darunter die Vorlage, be­treffend die Communalweinbesteuerung.

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Der cht,tz,«er Anzeiger rrfdjeint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener ^amiltendtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Keneral'-Anzeiger.

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