Ausgabe 
31.1.1892
 
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Nr. 26.

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Kiejjever Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener

M«»itte«ötL1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

1882

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Zweites Blatt. Sonntag den 31. Januar

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Vierteljähriger Aöonuemeutspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei: KchntstratzeAr.7.

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.

felgmbtn Tag erscheinenden Nummer bi» Barm. wu£ | Gratisbeilage: Gießener Jamitienötätter. | ^77^^77«^3Tn

Anrtlichev TNeil.

Nr. 4 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 25. d. M., enthält:

(Nr. 1987.) Bekanntmachung, betreffend den Beitritt Rumäniens zu der unterm 3. November 1881 abgeschloffenen Reblaus-Convention. Vom 19. Januar 1892.

Gießen, den 29. Januar 1892.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Herr Landwirthschaftslehrer Leit Higer von Alsfeld wird an folgenden Orten Vorträge halten:

1) Sonntag den 7. Februar 1892, Nachmitt. 3 Uhr, in Grün berg einen Vortrag über Bodenbearbeitung unter Anwendung verschiedener Düngemittel, in dem Englischen Hof,

2) Sonntag den 21. Februar 1892, Nachmitt. 3 Uhr, in Weitershain einen Vortrag über Entwässerung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Theiß - schen Wirthschaft,

3) Samstag den 12. Marz, Abends 6 Uhr, in Hat­tenrod über verschiedene Fragen aus der Bodenbear­beitung und Viehzucht,

4) Sonntag den 13. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in Rodheim über Entwäfferung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Reichhar dt'schen Wirtb- schaft,

5) Sonntag den 27. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in Lich einen Vortrag über rationelle Viehfütterung, in der Heiland'schen Wirthschaft

6) Sonntag den 3. April 1892 in Watzenborn einen Vortrag über die Anwendung der künstlichen Dünge­mittel,

7) Sonntag den 1. Mai 1892 in Hausen einen Vor­trag über die rationelle Bewirthschaftung des Bauern­gutes insbesondere mit Berücksichtigung der künstlichen Düngemittel.

Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Versammlun­gen ergeben ft eingeladen.

Die Herren Bürgermeister der obengenannten und be­nachbarten Orte werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Be­such der Versammlungen hinzuwirken.

Gießen, den 28. Januar 1892.

Ter Director des landw. Bezirksvereins Gießen. Jost.

An die Großh. Ortsgerichte Allendorf a. d. Lahn, Annerod, Daubringen, Garbenteich, Heuchelheim,

Treis a. d. Lda. und Wieseek.

Wir ersuchen Sie um Rücksendung der bescheinigten Bau- und Cultur-Veränderungs-Verzeichniffe.

Gießen, den 30. Januar 1892.

Großh. Steuer-Commissariat Gießen. Süffert.

Aus dem VerwsUungsbrricht der Stadt Gießen im Jahre 1890/91.

(Schluß aus Nr. 22.)

Eine wesentliche Unterstützung in der Armen- und Krankenpflege wurde der Stadt auch im Berichtsjahre von Seiten der dasür bestehenden Vereine zu Theil. DerAll­gemeine Verein fürArmen- und Krankenpflege" hat was Armenpflege betrifft 227 Personen und Familien in 1025 Fällen mit im Ganzen 4091 Mk. unter­stützt. In der Krankenpflege des Vereins waren beschäftigt im Winter 8, im Sommer 7 Schwestern, die zusammen 400 ganze Tagespflegen und 10,004 Pflegebesuche, 666 Nacht­wachen und 311 Maffagen leisteten. 17 Kindern wurde Bade- cur zu Nauheim gewährt. Die Krippe war an 245 Tagen geöffnet und zählte einen durchschnittlichen Besuch von 13 bis 14 Kindern. Der Erwerb von Häusern und die Ein­richtung des Miethspatronats hat sich auch im Berichtsjahre bewährt. Auch die neu eingerichtete abendliche Näh- und Fltckschule hatte sich eines lebhaften Zuspruchs zu erfreuen. Der Verein für Krankenpslege hat im Berichtsjahre sieben Schwestern beschäftigt und für deren Unterhaltung, Miethe rc. 2688 Mk. 67 Pf. aufgewendet.

Die Ortskrankenkasse, neben welcher in unserer Stadt noch 14 Betriebskrankenkassen bestehen, hatte durchschnittlich 1343 männliche und 125 weibliche Mitglieder mit rund 9500 Krankheitstagen. Sie erhob an Mitglieder­beiträgen 22,856 Mk. 13 Ps., die Gesammteinnahme belief sich aus 26,952 Mk. 35 Pf., ausgegeben wurden 25,321 Mk. 77 Pf., darunter für ärztliche Behandlung 5433 Mk. 24 Ps., für Arznei rc. 6356 Mk. 58 Pf., an Krankengeldern 8123 Mk. 86 Pf.- die Verwaltungskosten betrugen 1925 Mk. 77 Pf., das Capitalvermögen Ende 1890 9853 Mk. 4 Pf. Für die im eigenen Betriebe der Stadt thätigen Arbeiter zahlte diese zu verschiedenen Berufsgenoffenschasten 920 Mk. 19 Pfg. Umlagen.

Das Inkrafttreten desJnvaliditäts- undAlters- versicherungsgesetzes hat der Bürgermeisterei erheb­lichen Arbeitsaufwand verursacht. Am Schluß des Berichts­jahres 1890/91 hat bei 1124 Arbeitgebern die Zahl der Versicherten 3215 betragen, im ersten Vierteljahre 1891

wurden Marken verwendet im Betrage von 5947 Mk. 94 Pf. Altersrenten wurden an 15 Versicherte zugebilligt.

Das Grundvermögen der Stadt hat betragen an Feld 110,74 ha, an Wiesen 72,06 ha, an Wald 1351,26 ha.

Was das Bauwesen betrifft, so wurden neben den ständigen Unterhaltungsarbeiten und Anschaffungen für die städtischen Gebäude, Straßen und Grundstücke eine Anzahl größerer Herstellungen und Bauten zur Ausführung gebracht, die mehrfache Veränderungen und Verstärkungen im Personal des Stadtbauamts näthig machten. Baugesuche wurden vorgelegt und geprüft 41 für Neubau von Wohnhäusern, 77 für Neubau von Nebengebäuden und 108 für Bau­veränderungen.

Neben den Baugesuchen hatte sich die städtische Ver­waltung aus dem Gebiete des Bauwesens vielfach mit Weiter­führung der früher in Betreff der Stadterweiterung und Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Innern der Stadt in Angriff genommenen Arbeiten zu besaffen. Die C analisation der Stadt wurde im Berichtsjahre insofern gefördert, als der Erläuterungsbericht zu dem Project den Mitgliedern der Stadtverordneten-Versammlung zur Prüfung übermittelt werden konnte.

Im Jahre 1890 wurden 31 Krämer- und Vieh­märkte abgehalten. Auf letzteren waren ausgetrieben 15,197 Stück Rindvieh gegen 24,959 in 1889, 7310 Schweine gegen 11,698 in 1889 und 3 Pferde gegen 7 in 1889» Der Rückgang dieser Zahlen ist vorzugsweise zuzuschreiben den von Großh. Kreisami wegen Auftretens der Maul- und Klauenseuche erlaffenen Marktverboten.

Der Fleischverbrauch hat den bei den hohen Fleisch­preisen schon im Vorjahre beobachteten Rückgang fortgesetzt. Es wurden geschlachtet 1434 Ochsen (1470 in 1889), 250 Faselochsen und Kühe (281), 1129 Rinder und Stiere (1200), 5629 Saugkälber, Stoppelkälber, Hämmel und Schafe (6489), 6942 Schweine (7206), 9 Spanferkel, 142 Pferde (140).

Wegen Zuwiderhandlung gegen das Octroi-Regle­ment mußten 171 Anzeigen erhoben werden.

Im Jahre 1890 ereigneten sich sieben Brände.

Zur Aeußerung über die Bedürfnißfrage für den Ausschank von Branntwein wurden der Stadt 39 Ge- sucpe vorgelegt, worunter 30 einfache Uebergänge bestehender Wirtschaften in andere Hände,- die Bedürfnißfrage wurde in 32 Fällen unbedingt, in 7 Fällen unter der Voraussetzung bejaht, daß Gesuchsteller überhaupt Wirthschaftsconcession erhalten.

In Betreff der Quartierleistung für die be­waffnete Macht wurde versucht, inwieweit vorkommende Einquartierung ohne zwangsweise Heranziehung der Ein­wohnerschaft zur Uebernahme derselben im Wege der freien

Feuilleton.

Der Lohn des Dichters.

Von Lars Dilling.

Aus dem Norwegischen von Gg. Gärtner.

(Nachdruck verboten.)

Lorenz Falk war Autor, und Jedermann weiß, wie herrlich es ist,Schriftsteller" zu sein vor Allem in Norwegen.

Das lesende Publikum ist zwar keinesfalls so groß, daß man Gefahr läuft, durch das, was man schreibt, Millionär zu werden, aber der junge Dichter findet allerorts freundliche Ermuthigung.

Ist er freisinnig, so erhält er eine Zulage von dem //Storthing", ist er conservativ, dann wird er mit dem Schäffer'schen Legat" von 400 Kronen bedacht für eine lange Reise ins Ausland.

Also reich geworden, verweilte er ein Jahr in Rom und Pari-, wo er sämmtliche Museen besucht und ein treuer Gast desSkandinavischen Vereins" ist. Kehrt er wieder ins Vaterland zurück, dann ist Jedermann übertrieben freundlich und herablassend gegen ihn.

Alle seine Bekannten drücken ihm die Hand, als ob jeder von ihnen ein Jahr Kost und LogiS imGrand Hotel du Louvre" für ihn bezahlt hätte, und fragen ihn, ob er in der That Nutzen aus seiner Reise gezogen und viele Eindrücke in sich ausgenommen habe.

Und die jungen Damen, welche die feste Ueberzeugung haben, daß die Lust in Rom ebenso heilsam ist für einen Dichter wie das Klima von Mentone für Schwindsüchtige, leben in der Hoffnung, aus Weihnachten durch ein neues großes Gedicht" von feiner Mufe beehrt zu werden.

Lorenz Falk gehörte zu den Dichtern, deren Loos emiger- matzenrosenfarbener" ist.

Seine Bücher fanden stets Käufer, feine Arbeit wurde deßhalb gut bezahlt und so war er verhältnißmäßig wohl­habend geworden.

Er hatte die unbedingt notwendigen ausländischen Reisen gemacht, die nöthigen Eindrücke in sich ausgenommen.

Seine Bücher waren in Kopenhagen herausgegeben und auf dänischen Schnellpressen gedruckt worden und deßhalb fanden sie Gnade in den Augen der norwegischen Äritif.

Es ist mit norwegischen Schriftstellern gerade wie mit im Jnlande sabricirtem Eau de Cologne.

Wenn die Etikette ausländisch ist, dann ist das Odeur fein.

Eines Nachmittags saß Lorenz Falk allein in seinem Zimmer.

Es war ein großes, elegant möblirtes Gemach.

Die Augustsonne warf ihre Strahlen zwischen die reichen Blumengruppen in den Fensternischen und machte die Pris­mas der Gaskronen funkeln wie Diamanten, während die antiken, vergoldeten, mit rothem Saffian bekleideten Stühle fast das Auge blendeten^mit ihrem glühenden Glanze.

Der junge Autor war in schwarzen Frack, und weiße Weste gekleidet.

Hatte er Gäste zu erwarten?

Ach nein.

War er vielleicht aus einer Gesellschaft heimgekommen?

In gewissem Sinne, ja.

Er kam von einem Begräbniß.

Der elegante Salon, der nun so hell war und strahlend, sah einige Tage zuvor ganz anders aus.

Da diente er als Krankenzimmer, denn er war so weit und frisch.

Man hatte ein Bett in eine Ecke gestellt und in diesem Bette hatte die Frau gelegen, die er am meisten von allen auf Erden liebte: seine Mutter.

Stunden hintereinander hatte er sich un Krankenzimmer aufgehaltenden einen Augenblick saß er neben ihr, um ihr Gebete und Psalmen vorzulesen, der nächste sand ihn vor seinem Schreibtisch, wo er Couplets dichtete zu einer Offen- bach'schen Melodie.

Er konnte so fröhlich und geistreich fein und er arbeitete gerade an einem Lustspiel.

Aber das Lustspiel mußte geistreich und fröhlich sein, und das wurde es auch, trotzdem es an einem Sterbebette geschrieben worden war.

Man mag fast glauben, das sei erdichtet,- aber die Wirk­lichkeit allein ist so traurig.

Solche Dinge werden nie erdichtet. Man erlebt sie nur.

Das Begräbniß war vorüber,- Jedermann war in seine Wohnung zurückgekehrt. Er hatte die auswärtigen Leid­tragenden an den Bahnhof gebracht, nun faß er da ganz allein.

Ein Gefühl der Ermattung hatte ihn befangen. Die Luft war erfüllt von Blumenduft der Sarg war unter Kränzen begraben gewesen und sein Kopf war schwer.

Seine Augen brannten. Wie gerne hätte er feinem beklemmten Gemüth durch einige Thränen Luft gemacht, aber er konnte nicht meinen.

Da wurde schüchtern die Klingel gezogen.

Er blieb halb betäubt sitzen und lauschte mechanisch nach den Fußtritten deS Dienstmädchens, das öffnete.

Einen Augenblick später kam das Mädchen fast unhör­bar herein.

Sie war tief in Trauer und zeigte, wie es sich zu der