Ausgabe 
1.4.1892
 
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Freitag den 1. April

Rr. 78. Erstes Blatt.

1892

Der

Lietzener Aazeiser erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».

Die Gießener yi*UUneri(ttr werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

KicheuerAnzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Vierteljähriger Aösnncmeulsprer,» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Pofi bezogen 2 Mark 50 Pfg.

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Amts- und Anzeigeblatt füt» den Aveis Gieren.

Hratisbeikage: Hießener Jamitienökätter.

Deutsches Reich.

am 22. April

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Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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Inn,hm« Bon Anzeigen ju btt Nachmittag, für dm folgmdm Tag «rfchkinkndm Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.

Butzbach, Niederwöllstadt, Reinheim, Bickenbach, Groß-Gerau, Gernsheim, Lampertheini.

Futterzustand bei den zum Berkaus zu siellenden Remonten nicht stattfindet, weil dadurch die in den Remontedepots vor­kommenden Krankheiten sehr viel schwerer zu überstehen sind, als dies bei rationell und nicht übermäßig gefütterten Re- montcn der Fall ist. Die auf den Märkten vorzustellenden Remonten müssen daher in solcher Bersaffung sein, daß sie durch mangelhafte Ernährung nicht gelitten haben und bei der Musterung ihrem Alter entsprechend in Knochen und Muskulatur ausgebildet find.

Kriegsministerium, RemontirungS-Ablheilung. gez. Hoffmann-Scholtz.

Berlin, 30. März. Am Freitag den 1. April tritt das vom Reichstage im vorigen Jahre angenommene Arbeiter­schutzgesetz in seinen wesentlichsten Bestimmungen in Kraft.

Die neue Einkommensteuer in Preußen hat, wie Finanzministcr Dr. Miquel in der Dienstagssihunq des Herrenhauses mittheilte, ein Mehr von circa 43 Mill. Mk. gegen das Erhebungssoll ergeben. Dr. Miquel bezeichnet dies als einen Beweis für die absolute Nothwendigkeit der eingeleiteten Steuerreform, deren konsequente weitere Durch- fuhrung der Finanzministcr bestimmt verhieß.

Dte von der Remonte. Ankaufs - Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort aeaen Quittung baar bezahlt. J J

Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landes­gesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der Unkosten zurück- zunchmen, ebenso Krippensetzer und Klophengste, welche sich tn den ersten zehn bezw. achtundzwanzig Tagen nach Ein- lieferung in den Depots als solche erweisen. Pferde, welche den Verkäufern nicht eigenthümlich gehören, oder durch einen nicht legittmirten Bevollmächtigten der Commission voraestellt werden, sind vom Kauf ausgeschloffen.

Die Verkäufer sind verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit zwei min­destens zwei Meter langen Stricken ohne besondere Ver­gütung mitzugeben.

Um die Abstammung der vorgeführten Pferde seststellen zu tonnen, sind die Deckschcine resp. Füllenscheine mitzubrinqen I auch werden die Verkäufer ersucht, die Schweife der Pferd- Nicht zu coupiren oder übermäßig zu verkürzen. Ferner ist i ea dringend erwünscht, daß ein zu massiger oder zu weicher |

m,r ,ft /ch°n lange mein Herzenswunsch, ein eigenes Nestchen zu besitzen. Mancherlei Widerwärtigkeiten, die das Menschenleben mit sich zu bringen pflegt, haben mir die Er- suüung dieses Wunsches bisher versagt.

nQ* '°ugeu und schweren Kämpfen eine geachtete Stellung erworben habe und an die Schaffung eines eigenen Heimes denken könnte, fehlt mir dazu die Haupt- g'ern will Gefährtin, die mit mir durch das Leben pil-

Hier gfibts nur wenige heirathsfähige Damen; die hier inb, pa)|en ntitt für mich, ober besser gesagt, ich passe nicht " daher mein suchendes Auge in die Ferne schweifen lassen, da diesmal für mich das Gute nicht nahe tu liegen scheint. v

Ich bin gänzlich vermögenslos und kann daher vor der

Hand noch getrost mit dem Philosophen Bias sagen: omnia mea mecum porto.

n,rto^ma.n5aller 9i"9 bci bEr B-rloosung leer aus- sie r« «' Einige der Briefe, die weiter nichts als einen outen oder schlechten Scherz enthielten, wurden znm allgemeinen Gaud.um vorgetragen- die ernster und länger gehaltenen Briefe hingegen wanderten in die Taschen der jungen Damen. Daun trennte man sich mit dem Wunsche auf baldiges Wieder- f9lUc£*id'en ®rfo(9- Doctors Lieschen und Apo- thekers Helene konnten es sich nicht verlogen, Emma Faller noch ganz besonders einen glücklichen Ersolo zu wünschen

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solgeiwermB: b» Z^ll Emma zugewiesen, lautete

Meine hochgeehrten Damen!

scher-^i"«" idl ftT'S eorQuSfe6c" mu6' daß Ihr Gesuch mehr Mllbe n t ,ft' f0 will ich doch Zeit und

zu finde*eUEn/ C,m9Cdc,lcn Qn d-° geschätzten Dichterinnen ,

den Ankauf von Remonten für 1893 betreffend.

Zum Ankauf von Remonten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren sind im Bereiche des Groß- herzogthums für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden und zwar:

am 22. April in Nidda,

Auch auf Schönheit kann ich feinen Anspruch erheben bagegen habe ich ein redliches Herz, Sinn für Häuslichkeit und bin von ehrlichem Streben beseelt. Was ich nicht habe kann ich zum Theil noch erwerben, vielleicht eher an der Seue eines lieben Weibes als allein. Von meiner der- £ o rCnJ£aUc ** weder daß sie vermögend, noch lchön fii. Es .st besser, die Verhältnisse gleichen sich Unterschied. Ich verlange nur, treu ist und Interesse uni) Sinn für das hat, was ihr Gatte thut. Erfüllt sie diese Bedina- ungeu, dann werden wir zuversichtlich glücklich.

Und nun, meine hochverehrten Damen, wer will es wagen, mit m>r durch die Wogen des Lebens zu steuern?

zahle 35 Jahre, bin also über die Jünglingsjahre in"mei«r Brus? 6armf^Ienbcii

vetttßchee Re^chstng.

207. Plenarsitzung. Mittwoch den 30. Marz, 12 Uhr.

Dte Uebersicht der Reichs-Ausgaben und Einnabm-n für das Etatsjahr 1890/91 wird in zweiter Lesung genehmigt.

| mnnc DOn ^EN Abgg. Möller, Reestcke und Gen. eingebrachte 0 Un fallversicher g 2 aesetz Nerint-^ritiik-

MgenommenbC<m R-«chs»-rficherungsamt - wl,d in zweiter Lesung Gesetzentwurf belr. den Belagerungszustand in El saß-Lothringen ber-chtet Namens der Commission 9lfm ^er Anna'bm! ?/»,« "ung des Regterungsentwurfs und bofür

ii ftÄaGesktzeniwurfs über die Vorbereitung des Kriegs i a11® i n Lothringen empfiehlt. Danach kann für den dne3 Krieges oder eines unmittelbar drohenden feindlichen Sfnoriffä mtnbestens in ber Dienststellung eines Stadsofsirier« hpfinSH* oberste Militärbefehlshaber /um Rmetfe her ^^unterstellten Woher

rügltch etnzuholenben Entscheidung bes Kaisers über die

des Kriegszustandes, die Ausübung bero^Ä

Kriegsminister v. Kaltenborn-Stachau: Die ß'orninHfirm nen ^weis cinmülhiger Vaterlandsliebe geliesert üldem üe bemüh, war, den militärischen «nforberungen aeredtt ??uch die Vertreter Elsaß Lotdringens hätten freudig mitgewirkt Die Armeeoerw-ltung glaube mit dem auszukommen, was d«C°mm!ssi°?s !», bm

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bttferCbaracter sei burch ben Commissionsentwurf beseitigt worben.'

2lmilid?er Therl.

Betr.: Den Ankauf von Remonten im Jahre 1892.

Nachstehende Bekanntmachung des Königlich Preußischen Knegsmtmsteriums, Remontirungs-Abtheilunq, bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß.

Gießen, den 21. März 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Berlin, den 2. März 1892.

Bekanntmachung,

Feuilleton.

Das Ksrtenorakel.

Von A. vom Rhein.

(2. Fortsetzung.)

Wie alles in diesem Leben, so gerieth auch Anna Senners Brautchocolade mehr und mehr in Vergessenheit. Neue Dinge hatten den Gebankengang der neunundzwanzig jungen Damen welche der 23. Juli im Senner'schen Hause versammelt sah,' eine andere Richtung gegeben. Auch Emma Faller hatte den ihr zugefügten Schmerz vergessen und war heiter und guter Dinge wie zuvor.

So waren nun fünf Tage nach Erlaß des Collectiv- Hetrathsgesuches verflossen, ohne daß etwas Nennenswerthes passirt wäre.

Am sechsten Tage änderte sich die Situation. Die be­auftragte Annoncen - Expedition hatte an Herrn Senator WnnnCr-Ctn Packet eingelaufener Offerten gesandt und Jl na Senner hatte nichts Eiligeres zu thun, als die Ver- fasiertnnendes Inserats von dieser überraschenden Wirkung XoMriÄrH?11 fe$En' b'° Annoncen-Expedition in einem Begleitschreiben ausdrücklich bemerkt hatte, daß jedenfalls noch wettere Offerten einlaufen würden, so empfahl die junge Braut ihren Freundinnen bei der Mittheilung gleichzeitig bis zu dem festgesetzten Tage ruhig zu warten, um die bis dahin noch eintreffenden Briefe ebenfalls mit zur Verloofung oder Vertheilung bringen zu können.

Und so geschah es.

Emma Faller, welche durch die Nachricht von den zahl- Ä. r0*Än r?Aefen Aufregung geraten war, nL qn stch'°lbs gestehen mochte, war eine der Ersten, welche am 30. Jult das Zimmer ber jungen »raut und demnächsttgen

Die elsaß-lothringensche Beoölkeruna sei friedlich und ordnungsliebend' fie habe nur den Wunsch, daß Frieden und Ordnung erhalten bleiben mochten. Stt wolle treu zu Kaiser und Reich stehen, aber sie verlange auch gleiche Rechte wie die übrigen Bürger des Deutschen Reiches, wie fie auch dieselben Pflichten übernehme. (Beifall)

Abg. Dolles (Els): Man habe erklärt, daß man mit der f^runk E^ALo^n s zufrieden sei; er bitte nun, diese Zu- frtedenheit durch Aufhebung der Ausnahmegesetze zu beweisen, welche nun schon seit 20 Jahren beständen.

h,n Ä diesen Ausnahmegesetzen würbe durch

den zur Berathung stehenden Entwurf nur ein neues treten, deshalb stimme er dagegen. *

e. Der von der Commission vorgeschlagene Entwurf wird gegen die Stimmen der Soctaldemokraten angenommen.

Ueber den Nachtragsetat, Forderungen für strategische Eisen­bahnen enthaltend, berichtet Namens der Budgetcommtssion Abg weIdlCr bmc unveränderte Genehmigung empfiehlt. Dte spate Einbringung der Vorlage, welche in der Commission volle Jei n?it umfassenden und zeitraubenden Verhandlungen begründet worden, welche deshalb mit den betheiltgten Regierungen geführt werden mußten. Jnsgesammt handelt es sich um ein Gesammterforderniß von 32 239 440 Mk., wovon auf das erste Jahr nur 9 643 400 Mk. kommen. '

Abg. Fritzen (Ctr.) erklärt, daß das Centrum der Vorlage zustimme, da es sich von der Nothwendigkeit derselben im Interesse der Wehrhaftigkeit des Landes überzeugt habe. Bedenklich sei daß bte Vorlagezur Steigerung der Retchsschulden weiter beitrage. Die zweite MMarde der Reichsschuld weroe bald erreicht fein.0 Wenn öteieS L>ystem so weiter gehe, würden wir dem wirthschaftlichen Niedergänge entgegengeführt. Heute decken ja dte lieberschüsse der Reichspost und der Reichsbahnen die erste Milliarde. Bedenklich sei auch die verspätete Einbringung der Vorlage: wäre dieselbe früher fo Jatte ,mttn vielleicht bei der Etatsberathung weitere Abstriche zum Ausgleich vornehmen können.

nnn ou9' daß dte neu zu erbauende Ltnie

von Röschwoog (Station der Strecke Germersheim-Straßburg) Inder Richtung nach Karlsruhe lediglich im strategischen Interesse nickt

AF w'r<hfchai.^en Interesse Bavens tiege.^ Es Lrbe irn

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Abg. Hahn (cons.) erklärt die Zustimmung seiner freund- in ji* nur bürfe bnrtn mol'fov genüber empfehle auch

Bunvesstaoten gegenüber " 0eBn9£n roerbcn a,§ bt übrigen fpecÄftaVb» &^n|btr (®k-2 bf Interessen Bavens und etat uno^ränEtt ^ange^ommen ^^^^ W,tb ^adW

6« folgt die dritte Berathung deS Weingesetzes.

s)|l.rt».0h.Lir'<röb"ger (dsr.) wendet sich entschieden gegen alle den Dec arationszwang für Zuckerzusatz dmufüaen grnir bro,m abkUtc6 bLe deutsche Weinindustrie'stark schädigen da E dem Auslanbe gezuckerter Wein, ber als solcher nicht declartrt sei in

beä Ä2,b£lman" (6tr) p'°dtri für Declaration der Zuckerung eh.nfo21^,Dsri ,^NNY (natl.) befürwortet die Vorlage, welche ductton wahre 3nln,ffen bcS Weinhandels wie die der Weinpro-

Abg. vi-. Bür kl in (natl ): Ein zu wett aetrtebener Dei-la- rattonszwang sei undurchführbar; das hätten auch zahttetche In-

Frau betraten Ihr Herz zitterte bei dem Gedanken, daß I sie wiederum das Ziel unzarter Spötteleien, oder gar an die Vorgänge vom 23. Juli erinnert werden könne

Diesen unangenehmen Gedanken wurde sie indeß bald entrückt, denn in kurzen Zwischenpausen strömten die Heiraths- candidatiniien herbei. Die Neugierde hatte das Ihrige^qethan men ge Minuten nach der festgesetzten Stunde war die lustige Madchenschaar versammelt, um das Ergebniß ihrer dichter! chen Schöpfung unter sich zu vertheilen.

Es waren 42 Offerten eingelausen.

. 3" dessen einigte man sich dahin, daß zunächst

,ede der neunundzwanzig Bewerberinnen einen Brief aus w7llte'man loofin." "" bic brciie^ übrigen