Ausgabe 
30.7.1892
 
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Nr. 175

"amtziag den 30. Juli

Die Gießener M«Mitie«AtSitsr »erben dem Anzeiger »Kchentlich dreimal deigelegt.

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W*w Z«-eiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Kichemr Anzeiger

Henerat-Anzeiger.

1892

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Amtliehev Theil.

Nr. 36 des Reichs-Gesetzblattes, ausgegeben am 21.d.M., enthält:

(Nr. 2043). Bekanntmachung, betreffend die Betriebs­ordnung für.die Haupteisenbahnen Deutschlands. Vom 5. Juli 1892.

(Nr. 2044). Bekanntmachung, betr. die Bestimmungen über die Befähigung von Eisenbahnbetriebsbeamten. Vom 5. Juli 1892.

(Nr. 2045). Bekanntmachung, betr. die Signalordnung für die Eisenbahnen Deutschlands. Vom 5. Juli 1892.

(Nr. 2046). Bekanntmachung, betr. die Normen für den Bau und die Ausrüstung der Haupteisenbahnen Deutsch­lands. Vom 5. Juli 1892.

(Nr. 2047). Bekanntmachung, betr. die Bahnordnung für die Nebeneisenbahnen Deutschlands. Vom 5. Juli 1892.

Gießen, den 28. Juli 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Juli. Kaiser Wilhelm ist im besten Wohlsein von seiner jüngsten Nordlandsfahrt, durch welche die mannigfachen Reise-Erinnerungen des hohen Herrn abermals in angenehmster Weise vermehrt worden sind, vorläufig wieder nach Potsdam zurückgekehrt. Die Landung nach Vollendung der Uebersahrt von Norwegen erfolgte am Mittwoch Morgen 8 Uhr in Wilhelmshaven. In Spandau traf der Kaiser am Mittwoch Abend kurz nach 9 Uhr ein; auf dem Bahnhose war Rctchskanzler Gras Eaprivl zum Empfange seines er- tauchten Souverains anwesend. Alsdann begab fich der Kaiser mittels des DampfersAlexandrine" nach Potsdam.

Je mehr unter dem Einflüsse der herrschenden hoch­sommerlichen Jahreszeit die eigentliche innere Politik zurück­tritt, desto mehr wendet sich das Tagesinteresse der Frage der Berliner Weltausstellung zu. In den letzten Lagen waren von Berliner Blättern ungünstige Mittheilungen über den Stand dieses Unternehmens gebracht worden, in­sofern, als von verschiedenen Bundesregierungen wie aus industriellen Kreisen absprechende Rückäußerungen auf die Umfrage des Reichskanzlers in Sachen des Berliner Aus- stellungsprojectes eingegangen sein sollen. Es läßt sich noch nicht beurtheilen, ob diese Meldungen der Wahrheit ent­sprechen, doch wenn dies auch der Fall wäre, so wäre hier­mit über das Schicksal der Berliner Weltausstellung noch nichts entschieden. Es kommt da auf die Gesammtheit der Meinungen in der Ausstellungssrage seitens der Einzelregie­rungen und der hierbei zunächst competenten gewerblichen und industriellen Factoren an und in dieser Beziehung ist noch nichts Bestimmtes bekannt, abgesehen von uncontrolirbaren Nachrichten und Gerüchten. Dringend nothwendig ist es jedoch, daß allseitig wenigstens darüber Klarheit herrsche, daß dre Chancen zur Veranstaltung einer Weltausstellung auf deutschem Boden für lange Jahre gleich Null sein würden, wenn das schwebende Project diesmal scheitern sollte.

Ausland.

Der österreichische Reichsrath hat am Mittwoch seine Sommerserien angetreten, nachdem noch am gleichen Tage die V a l u t a v o r l a g e n im Herrenhause in beschleunigtem Tempo )urchberathen und dann einstimmig angenommen worden varen. Die hiermit eingeleitete parlamentarische Sommer- lülle in Oesterreich wird indessen nicht von langer Dauer ^in, da in einigen Wochen die österreichischen und ungarischen Delegationen wiederum zu ihrer gemeinschaftlichen Session zusammentreten werden. Die österreichische Delegation wird )tesmal durch die Theilnahme der Jungczechen an den Dele- ganonsarbeiten ein einigermaßen verändertes Bild aufweisen und kann man sicher sein, daß die jungczechischen Hitzköpfe ichon für Abwechslung in den bevorstehenden Delegations- lebatten sorgen.

~ 3" Rußland steht die Choleranoth fortgesetzt im Mittelpunkte des Tagesinteresses. Die Cholera schreitet zwar lur langsam, aber doch sichtlich im russischen Reiche von Osten mch Westen weiter vor, ohne dabei an ihren bisherigen Werden trn unteren Wolga-Gebiete völlig zu erlöschen, denn ioch immer erliegen in Astrachan, Saratow, Samara u. s. w. ahlreiche Personen der Seuche. Auch nehmen die Unruhen n den verseuchten Gebieten Rußlands ihren Fortgang, z. B. oerden solche aus dem Gouvernement Saratow gemeldet, sie ollen indessen von nur geringer Bedeutung gewesen sein.

In Spanien dauert die Gährung in verschiedenen Städten wegen der neuen Lebensmittelsteuer noch immer fort. So ist es neulich auch in der nordspanischen Stadt Santander zu bedenklichen Crawallen gekommen, welche schließlich die Verhängung des Belagerungszustandes über Santander nothwendig machten. Alle bei diesen Un­ruhen Verhafteten werden vor ein Kriegsgericht gestellt werden.

Neueste 2lac$rtc6te*.

Wolffs telegraphische« Correspondenz-Bureau.

Paris, 28. Juli. Der Ministerrath beschloß, den vom Munizipalrath Saint Quen einberufenen Congreß socia- listischer Gemeindevertretungen Frankreichs zu untersagen.

Versailles, 28. Juli. Das Urtheil gegen die vier des Dynamitdiebstahls von Soisy-sous-Etioles angeklagten Anarchisten lautet: Faugoux 20 Jahre Zwangsarbeit, Che- venet 12 Jahre, Drouhet 6 Jahre Zuchthaus, Estievaut 5 Jahre Gefängniß.

Petersburg, 28. Juli. C h o l e r a st a t i st i k vom 26. Juli: Astrachan 46 Erkrankungen, 42 Todesfälle; Woronesch 15 Er­krankungen, 10 Todesfälle; Rostow-Woronesch Bahnstationen 17 Erkrankungen, 9 Todesfälle; Kasan 9 Erkrankungen, 7 Todesfälle; Ssamara 120 Erkrankungen, 74 Todesfälle; Ssaratow 91 Erkrankungen, 61 Todesfälle; Ssimbirsk 68 Erkrankungen, 38 Todesfälle; Rostow 106 Erkrankungen, 69 Todesfälle; Taganrog 5 Erkrankungen, 4 Todesfälle; Gouvernement Charkow 15 Erkrankungen, 3 Todesfälle; Zarizin (25. Juli) 48 ErLankungen, 29 Todesfälle; Oren­burg (bis 27. Juli) 9 Ertränkungen, 6 Todesfälle.

Petersburg, 28. Juli. Der Minister des Innern erhielt vorläufig bis zum 1. Januar 1893 die Ermächtigung, länd­liche Schankwirthschasten, falls Unruhen ausbrechen oder durch die Wirthschaften die materielle Lage der Bauern gefährdet erscheint, schließen zu lassen.

Christiania, 28. Juli. Der Storthing bewilligte für außerordentliche H eereszw ecke 2,769,000 Kronen statt der geforderten drei Millionen.

Catania, 28. Juli. Der Aetna-Ausbruch hat zu­genommen. Ein starker Aschenregen ergießt sich bis nach Catania.

Dar es-Salaam, 28. Juli. Nachrichten aus Tanga zufolge haben die gegen den Kilimandjaro marschirenden Abtheilungen der Schutztruppe ohne Zwischenfall die Station Jkungu besetzt. Der Marsch wird fortgesetzt. Die Be­völkerung ist auch jenseits Jkungu friedlich.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 28. Juli. Reichskanzler von Caprivi hielt gestern während der Fahrt von Spandau nach Potsdam dem Kaiser Vortrag über die Berliner Weltausstellung. Er sprach die Ansicht aus, die Entscheidung könne nicht eher gefaßt werden, als nicht die Zustimmung sämmtlicher Bundes­staaten vorliege. Der Kaiser trat dieser Ansicht bei, sodaß die Entscheidung vorläufig vertagt ist.

Berlin, 28. Juli. DerStaatsanzeiger" veröffentlicht die Belehrung über das Wesen der Cholera, das Verhalten bei einer Epidemie und Anweisung zur Desinfection, sowie Rathschläge an practische Aerzte zur Mitwirkung an den sanitären Maßregeln.

Berlin, 28. Juli. DieVossische Ztg." meldet, die Dresdener Handelskammer sprach sich einstimmig für die Berliner Weltausstellung aus.

Essen a. Ruhr, 28. Juli. Stemp elproceß. Schmied Quantius fraiste den Stempel von den Schienen ab, um dem Gerichtshof das Aussehen einer solchen Schiene zu zeigen. Die beiden Portiers des Bochumer Vereins wissen nichts von einer Schelleneinrichtung auf dem Bochumer Verein. Quantius hält sämmtliche Aussagen aufrecht, er wird nachträglich ver­eidet. Der Abnahmbeamte Kertzenberger bekundet, Herda habe wiederholt gegen seinen Willen Schienen gestempelt. Herda bestreitet dies. Arbeiter Diensberg sagt aus: 1880 benutzte Herda einen blinden Stempel. Herda bestreitet dies. Neu­gebauer fand bei der Abnahme keine Unregelmäßigkeiten. Bahnmeister Oppermann sah 100 Schienen mit abweichendem Stempel. Behring sei hierüber ungehalten gewesen. Schlosser Hees behauptet auf das bestimmteste, es seien anstatt der richtigen aus Achsen herausgeschnittenen Probestücke falsche Proben unterschoben worden und bleibt trotz Kreuzverhör bei einen Aussagen.

Bremerhaven, 28. Juli. Laut amtlicher Bekanntmachung unterliegen die aus russischen Ostseehäfen kommenden Schiffe

der gesundheitspolizeilichen Controle Seitens des Quarantäneamts.

Danzig, 28. Juli. DieDanziger Ztg." meldet aus Kiel, nach der Auflösung der Manöverflotte finde am 1. October für die Winterübungen dieNeuformationdesUebungs- geschwaders statt. Das PanzerschiffKönig Wilhelm" wird als Flaggenschiff des Uebungsgeschwaders in Dienst gestellt.

Wien, 28. Juli. Polenblätter verlangen die Nicht­gewährung des öffentlichen Rechtes der neuerrichteten deutschen Militärschulen in Galizien. Letztere sollen nur Militär­kindern, aber diesen nicht zwangsweise zugänglich sein.

Kopenhagen, 28. Juli. Die Stadtbevollmächtigten be­willigten 50000 Kronen zur Errichtung einer Desinfec­tion sanstalt aufFjaederholmen für choleraverdächtige Schiffe und provisorische Krankenbaracken.

Paris, 28. Juli. Der Marineminister ordnete die Be­theiligung der Marineinfanterie und Artillerie an den Her bst- manövern der Landarmee an. Cherbourg, Brest, Rochefort und Toulon sormiren je eine Brigade Marine­infanterie. Die Manöver finden in der ersten Hälfte des Monat September statt.

Paris, 28. Juli. Die Geschworenen (Dep. Seine) ver- urt heilten die Anarchisten Lapointa zu 8, Paradan und Leqiez zu je 10 Jahren Zuchthaus wegen Einbruch und Brandstiftung.

Pittsburg, 29. Juli. Gestern versuchte ein Unbekannter eine Hauptfabrik in Carnegie in die Lust zu sprengen, was zufällig entdeckt und verhindert wurde. Während der Abwesenheit der Maschinisten wurden die Gasleitungen in den Hochöfen geöffnet, während 144 Arbeiter dort beschäftigt waren. Der zurückkehrende Maschinist verhinderte eine Kata­strophe mit Lebensgefahr.

Rewyork, 29. Juli. Räuberbanden griffen die mexikanische Stadt Puerta an, nahmen sie ein und plünderten dieselbe. Die Räuber wurden indeß durch später eintreffende Truppen wieder zurückgeworfen.

Rewyork, 29. Juli. Die Weizenernte wird circa 15pCt. weniger günstig ausfallen als im Vorjahre, sie wird auf 500 bis 550 Millionen Bushel geschätzt. Die Maisernte wird auf 1 7 000000000 Bushel geschätzt, während der Ertrag im vorigen Jahre 2060000000 Bushel betrug. Die Hafer­ernte ergibt 620 bis 630 Millionen Bushel gegen 738 391000 im vorigen Jahre. Vom 1. Juli 1891 bis Ende Juli l. I. betrug der Weizen-Export 152,8 Millionen Bushel, der Mais- Export 73,77, die Mehlausfuhr 14,76 Million Baril. *

Rew-Orleans, 28. Juli. Nachrichten aus Cuba melden eine wachsende Gährung. Der Ausbruch einer Revo­lution wird täglich erwartet. Die in Mexico und Florida lebenden Cubaer rüsten ein Expeditionscorps zur Unterstützung der Aufständischen aus.

Kann von der Einführung der Doppelwährung eine Besserung der wirthschaftlichen Verhältnisse erwartet werden?

Da es noch immer viel Geschäftsleute und Landwirthe gibt, welche der Meinung sind, daß die einseitige Gold­währung die Ursache von vielen wirthschaftlichen Nothständen sei, und daß man daher wieder zur Silberwährung oder noch besser zur Doppelwährung zurückkehren solle, so verdient jetzt auf die auffallende Erscheinung aufmerksam gemacht zu werden, daß trotz der vorzüglichen Getreide, Mais- und Baumwollenernte der Vereinigten Staaten und trotz der Mac Kinley-Bill, welche die Einfuhr aus Europa, mit welcher sonst Europa seine vermehrte Getreideschuld hätte bezahlen können, umfangreiche Goldsendungen aus Nordamerika nach Europa strömen. Bis jetzt sind 1892 bereits über 150 Millionen Mark (38,5 Millionen Dollars) Gold nach Europa gegangen, und es gehört nicht zu den Unmöglichkeiten, daß in Kürze der Schatzmeister der Vereinigten Staaten nicht mehr in der Lage ist, die in Gold zurückzahlbaren Noten in Gold einzu­lösen.Europa treibt bei Amerika seine alten Schulden ein." Es traut der Währung, die man in Amerika auf Silber basiren will, nicht mehr. Es verkauft jene Millionen und Abermillionen von Actien und Eisenbahn-Obligationen, die es vor Jahren im festen Glauben an den Bestand der amerikanischen Goldwährung gekauft hatte, an die Amerikaner zurück und läßt sich Gold dafür schicken. Noch kann es goldne Dollars beanspruchen und noch macht es keine Schwierigkeit, sie zu erhalten. Noch ist kein Goldagio entstanden. Aber der vorausblickende Geschäftsmann sieht es kommen und bringt seine Forderung vorher in Sicherheit. Er hat keine Neigung, anstatt eines Goldstückes im Werthe von 4,20 Mk'. ein Silberstück zu erhalten, dem die Vereinigten Staaten gleichfalls