geschästSzeit nach Lage der örtlichen Verhältnisse sestzusetzcn, eventuell sie zu beschränken oder aber zu erweitern.
Aus die Art der Ausführung der neuen Bestimmungen über die gewerbliche Sonntagsruhe seitens der zuständigen Behörden wird es demnach sehr wesentlich ankommen, inwieweit der eigentliche Zweck des nun in Kraft tretenden neuen ReichsgesetzeS, den im Handelsgewerbe beschäftigten Personen die ihnen nothwendige Ruhe, Sammlung und Erholung an Sonn- und Festtagen zu gönnen, sich erfüllt. Gewiß sind hierbei mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden, die sich nicht nur aus der Verquickung der einschlägigen reichsgesetzlichen Bestimmungen mit den landesgesetzlichen Vorschriften, sondern auch aus der Nothwendigkeit ergeben, bei Durchführung der Sonntagsruhe berechtigte Interessen der Geschäftsinhaber nicht gänzlich hintanzusetzen. Indessen steht bestimmt zu hoffen, daß es mit der Zeit gelingen wird, über diese Schwierigkeiten Hinwegzukommen und daß überall in den Einzelstaaten die Sonntagsruhe für das Handelsgewerbe in jenem humanen Sinnne ins Practische übersetzt wird, der das neue Sonntagsgesetz in Wahrheit als eine Wohlthat für die betheiligten Interessenten erscheinen läßt. Wenn dies geschieht, dann werden wir im Deutschen Reiche mit den am 1. Juli ins Leben tretenden neuen reichsgesetzlichen Bestimmungen abermals einen ersprießlichen Schritt nach vorwärts auf dem Gebiete der Sozialpolitik gethan haben.
Localer and provinzielles.
Gießen, 29. Juni 1892.
— Sitzung Großh. Handelskammer vom 21. Juni 1892. Anwesend waren die Herren: Koch, Gail, Heichelheim, Homberger, Klingspor, Kraatz, Wortmann. Vor Eintritt in die Tagesordnung erwähnt der Herr Vorsitzende das Hinscheiden des Präsidenten der Handelskammer Offenbach, Herrn Kugler, und gedenkt seiner hervorragenden Verdienste für Handel und Industrie. Die Kammer ehrt das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von ihren Sitzen. — Eine unS durch Vermittelung unserer Staatsregierung zugegangene Mittheilung des Kaiserlich deutschen General-Consulats in Konstantinopel, betr. Musterausstellung deutscher Fabrikate in Konstantinopel, bringen wir nachstehend auszugsweise zur Kenntniß der Interessenten. Dieselbe lautet: Der Zivil- Jngenieur Felix Moral hat im ^Auftrage des Export-Verbandes deutscher Maschinenfabriken und Hüttenwerke zu Berlin meine Unterstützung in Anspruch genommen, um Hierselbst eine permanente Muster-Ausstellung von Fabrikaten der deutschen Industrie ins Werk zu setzen. Derselbe ist durch meine Vermittelung mit dem dirigirenden Verwaltungsrath der Corn-. pagnie des Eaux de Constantinople, preußischen Staatsangehörigen Berthold Fernau, welcher bereits früher eine hiesige Ausstellung deutscher Industrie-Erzeugnisse geplant hatte, in Verbindung getreten. Von dem Ausstellungsunter- nehmen ist nunmehr in Galata, in der Nähe der Hauptstraße und in günstiger Geschäftslage, ein geeignetes Local gemiethet 'worden, welches sich in dem zur Zeit noch von der Verwaltung der türkischen Tabaksregie benutzten Gebäude befindet. Dieses Local besteht aus einem mit einem Glasdache gedeckten großen Hose und zehn um denselben herum gelegenen Magazinen. Die erforderlichen Beamten sind bereits angenommen und wird beabsichtigt, die Ausstellung im Juni d. I., sobald die Regieverwaltung in das für sie neuerbaute Gebäude über- gesiedelt sein wird, zu eröffnen. Soweit bis jetzt zu beur- theilen, steht das Unternehmen unter thatkrästiger, platz-und geschäftskundiger Leitung. Gleichwohl möchte ich warnen, allzugroße Erwartungen an dasselbe zu knüpfen, da die Kaus- krast des Landes gering und die Concurrenz anderer Länder eine große ist. Jedenfalls aber ist man berechtigt, ganz andere Erwartungen an dies Unternehmen zu knüpfen, als an das bekannte türkische Handelsmuseum. Letzteres, welches bisher so gut wie keine Fortschritte gemacht hat, dürste kaum zu einer gedeihlichen Entwickelung gelangen.
— Heber das Leben und die wissenschaftliche Bedeutung Karl Heyers, dessen Denkmal seit einigen Tagen in unserer Nordanlage errichtet ist, mögen hier einige kurze Notizen ihre Stelle finden. Geboren am 9. April 1797 im Beffunger Forsthause bei Darmstadt, wo sein Vater als Forstmeister und Leiter einer sogenannten „Meisterschule" lebte, gewann K. Heyer seine wissenschaftliche Ausbildung aus dem Gymnasium in Darmstadt, der Universität Gießen und der Forst- akadcmie Tharand. Als im Jahre 1825 neben der hiesigen Universität und in Verbindung mit derselben ein Forstinstitut errichtet wurde, dessen Leitung I. CH. Hundeshagen als ordentlicher Professor übernahm, wurde Heyer gleichzeitig als Reviersörster und zweiter Lehrer der Forstwissenschaft ebendahin versetzt, verließ jedoch 1831 diese Stelle, welche ihm durch gewiffe Umstände verleidet war, und kehrte erst 1834 nach Hundeshagens Tode als dessen Nachsolger, dem Ruse der Universität folgend, wieder hierher zurück, wo er zugleich bis 1843 die Forstmeisterstelle, im Jahre 1848 die Rectorwürde bekleidete und am 24. August 1856 starb. Unter den Männern, welche die Forstwirthschast aus exacter wissenschastlicher Grundlage auszubauen bemüht waren, nimmt K. Heyer eine der ersten Stellen ein; dies bezeugen außer den hervorragenden Ersolgen seiner akademischen Lehrthätigkeit mehrere vortreffliche Lehrbücher, welche bis zur heutigen Zeil in wiederholten Auslagen erschienen sind. Gleich Ausgezeichnetes leistete er in der sorstlichen Praxis - insbesondere verdankt ihm die Stadt Gießen die Aufforstung mehrerer tausend Morgen früheren Weidelandes, welches jetzt mit schönen Kiefern- und Fichtenbeständen bedeckt ist und hohe Enräge abwirst. — Daß einem Manne von so hohen Verdiensten gerade hier, an der Stätte seiner hervorragendsten wissenschaftlichen und wirthschastlichen Thätigkeit, ein passendes Denkmal zu setzen sei, hatten die Leiter unseres städtischen Gemeinwesens schon vor Jahrzehnten, noch zu Heyers Lebzeiten, erkannt. Ein darauf abzielender Plan war aber damals an dem Widerstande, welchen ihm der gefeierte Mann in feiner schlichten Bescheidenheit selbst entgegensetzte, ge
scheitert. Neuerdings nun hat der Forstverein für das Groß- herzogthum Hessen diesen Plan wieder aufgegriffen und, unterstützt durch Beiträge von Nah und Fern, auch von Seiten unserer Stadt, glücklich durchgeführt. Aus die Herstellung einer Büste mußte dabei verzichtet werden, weil kein genügendes Porträt vorliegt, nach welchem eine solche hätte gearbeitet werden können. So trägt der Stein nur eine einfache, von Eichenlaub umkränzte Inschrift. Die Uebergabe des Denkmals an die Stadt wird am nächsten Montag erfolgen. Mit derselben wird, wie bereits gemeldet, eine Versammlung des hessischen Forstvereins verbunden sein. Hier sei nur noch darauf hingewiesen, daß die Theilnahme an dieser Versammlung Jedem freisteht, welcher durch Interesse an der Sache ober durch freundschaftliche Beziehungen zu Vereinsmitgliedern hierzu Veranlassung findet.
-s. Zubiläum. Herr Loeomotivsührer Moritz Flett feierte am vergangenen Samstag sein 25jähriges Dienstjubiläum. Herr Flett hat sich während dieser Zeit die Liebe und Achtung seiner Vorgesetzten, Collegen und Freunde zu erringen gewußt, welches Beweis dafür bietet, daß schon am frühen Morgen der Jubilar mit Gratulationen und Geschenken in überaus reichem Maße bedacht wurde. Am Abend des Tages fand eine Feier, welche durch Freunde und Bekannte des Festgebers stark besucht war, auf dem „Lahnstein" statt, die durch Ansprachen, sowie Vorträgen von Gesängen, ausgeführt von einigen Mitgliedern der Gesangsabtheilung der „Bürger-Gesellschaft" in bester Weise verlies. Wir wünschen dem Jubilar, daß er seinen mit großen Ge'sahren verknüpften Dienst noch recht lange in bester Gesundheit versehen möge.
— Die Antwort auf die Frage nach der Bedeutung der räthselhasten Zuschrift aus dem Stein zwischen Oberhörgern und Münzenberg lautet:
Zu Geljn Bei 30, Zu Reiten Bei 45, Zu Bahren Bei 1 Gulden 30 Xer STtrafe.
— Gerichtliche Entscheidung. Das Oberlandesgericht Köln hat folgendes, die Geschäftsleute interessirendes Urtheil gefällt: „Wenn ein Kaufmann in seinem Gewerbebetrieb einen Beruss- genoffen einem dritten Kaufmann gegenüber als creditwürdig empfiehlt, so ist der Empfehlende für die. Folgen feiner Empfehlung verantwortlich. Wenn dagegen ein Nichtkausmann oder ein Kaufmann außerhalb seines Gewerbebetriebes eine derartige Auskunft ertheilt, so ist diese nur eine Gefälligkeit, für welche eine Haftung nur dann eintritt, wenn der Empfehlende arglistig verfährt, er also wider besseres Wissen die Empfehlung gemacht hat."
§ Lichenroth, 27. Juni. Heute sand hier in der festlich geschmückten Kirche das'Jahr essest des Zweigvereins der Gustav-Adols-Stistung für den Kreis Gelnhausen statt. Das Fest verlief in würdigster Weise. Die Festcollecte ergab die schöne Summe von 68 Mk. 50 Pfg.
+ Grebenhain, 28. Juni. Hier hat sich seit kurzer Zeit ein Musikverein gebildet, welcher bis jetzt schon eine schöne Anzahl Mitglieder besitzt und auch bereits bedeutende Erfolge zu verzeicht?er^hat. Der Vorstand ist Bürgermeister Jost hier.
Darmstadt, 28. Juni. Aus Anlaß des ersten Spatenstichs zum Bau der evangelischen Johanneskirche im Blumenthalviertel sandZ'hente früh 9 Uhr eine einfache kirchliche Feier statt, wozu seitens des Vorsitzenden des Kirchenvorstandes Einladungen in beschränkter Zahl ergangen waren.
y vermischter.
* Kassel, 27. Juni. Zur Herstellung von Arbeiterwohnungen vermachte, wie der „Post" gemeldet wird, der verstorbene Weißbindermeister Wimmel der Stadtverwaltung sein ganzes Vermögen im Betrage von einer halben Million.
* Berlin, 25. Juni. Einem tragischen Geschick ist hier in Berlin die Solotänzerin Martha Chmelicka zum Opfer gefallen. Die junge Dame, welche früher in Dresden und Petersburg auftrat und zuletzt im Circus Renz in Breslau thätig war, löste ihr Engagement, weil sie sich mit dem Generalsecretär des Fürsten von Galizin verlobt hatte. Die Ehe sollte in Petersburg vollzogen werden. Von einer Freundin in den Wahn versetzt, daß der Bräutigam ein Spiel mit ihr treibe, schrieb die Chmelicka von Berlin aus einen Brief an ihn und fragte, ob er sein Eheversprechen auch zu halten gedenke. Da bis gestern Nachmittag keine Antwort eintraf, so überließ sich die Bethörte völliger Verzweiflung und erhängte sich an einem Reisekorbstrick. Wenige Stunden..später traf von ihrem Bräutigam ein Bries des Inhalts ein, daß er sie in Petersburg zur Hochzeit erwarte.
* Bei der diesjährigen Pferdemusterung in Wernigerode ist auch ein 30 Jahre altes Pferd vorgesührt worden, das früher bei den Seydlitz-Kürassieren in Halberstadt gedient und den merkwürdigen Tag bei Mars-la-Tour mitgemacht hatte; es befindet sich trotz seiner Jahre noch in gutem Zustand. Der Rittmeister des Seydlitz'schen Kürassier-Regiments Gras Haugwitz sprach die Absicht aus, das Thier anzukaufen und ihm das Gnadenbrod zu geben.
* Englische Leistungen im Locomotivenban. Eine Loco- motive in nicht ganz zehn Stunden aus den vorher einzeln fabrikmäßig sertiggestellten Theilen zusammenzusetzen und betriebsfähig zu machen, hat unlängst die Werkstätte der Ostbahn zu Stratsort (London) zu Wege gebracht. Es waren beschäftigt beim Montiren der Maschine 39 Monteure, 2 Schmiede, 44 Kesselschmiede und Nieter, beim Montiren des Tenders 52 Mann (16 Monteure, 16 Kesselschmiede und 20 sonstige Arbeiter, im Ganzen also 137 Mann. Noch an demselben Tage nach Fertigstellung machte die Maschine ihre Probefahrt und wurde unmittelbar darauf in Dienst gestellt. Zu einer ähnlichen Leistung waren in Nordamerika vor einiger Zeit 17 Stunden gebraucht worden.
* Eine Proletariersamilie. Ein Gewährsmann des „Berliner Jntelligenzblattcs" erzählt: Wir machten draußen bei ben Gaswerken die Bekanntschaft einer Familie, deren Ober» Haupt den Posten eines Wächters aus einigen Stätteplätzm bekleidet. Als Wohnung dient ihm eine alte wackelige Holz- hütte. Da haust er nun mit seiner Frau und feinen sechs jungen. Die Leute haben täglich Fleisch aus dem Tische - kaum glaublich, wird Mancher sagen, — aber die Sache ist doch recht einfach. Den beiden Jüngsten, Knaben im Alter von 10 und 12 Jahren, liegt die Beschaffung ber ©raten ob unb sie entlebigcn sich brillant dieser Ausgabe. Sobald die Schule geschlossen ist, begeben sich die kleinen Kerle aus die Jagd; kein Hund ohne Steuermarke unb Hals- banb entgeht ben gewiegten Nimroden. Uebrigens verschmähen sie auch Katzen nicht, die nach Aussage ber Hausfrau ein außerorbentlich feines Essen abgeben sollen. Einen hübschen Nebenerwerb hat sich bie Mutter durch Verkauf von kleinen Büchschen mit Hundeschmalz und Katzenschmalz geschaffen, ba£ ’ bei verschiedenen Krankheiten nach Ansicht weiser Frauen — Wunder wirken soll. Einer der ältesten Söhne ist bei einem Schuhmacher in ber Lehre unb biefer Jüngling fertigt aus ben Hunbe- unb Katzenfellen für die Familie Pantoffeln und Schuhe- ein anberer ©ruber, ber Schneiber ist, stellt aus alten Säcken bie Hausanzüge für bie Familienmitglieder her-
* Der größte Ochse Europas ist gegenwärtig in Mühl- b ors (Bayern) zu schauen. Von einem Augenzeugen wirb über das einem Elephanten gleichenbe Riesenthier geschrieben: „Der Bierbrauer Loibl in Mühlborf kaufte in Kitzbichl (Tirol) einen fünf Jahre alten, schöngebauten Ochsen (Pinzgauer Schlag, lichtroth gefleckt) um ben Preis von 1000 fl. (circa 1700 Mk.). Dieser Ochse hat ein Gewicht von 321/a Gentner; seine Höhe ist 2 Meter 8 Zentimeter, die £änge vom Kopse bis zur Schweiswurzel beträgt 3 Meter 90 Zentimeter, bie Rückenbreite (von einem Knochen zum nnbern) 1 Meter, besten Körperurnfang 3 Meter 20 Zentimeter, gewiß eine hübsche „Taille". Der vormalige Besitzer in Kitzbichl setzte öffentlich eine Summe von ' 1000 °fl. Demjenigen aus, der im Stande ist, ein Exemplar vom gleicher Schwere vorzuzeigen. Es meldete sich aber Niemand. Der Ochse wird Heuer zum Octobersest nach München spazieren, um sich in ber Ochsenbraterei zu probuziren."
Literatur unö Arßnft.
— »Der Stein der Weisen" beschließt mit einem sehr abwechslungsreichen. mit einer Fülle von Abbildungen vetsehenen Hefte (dem 12. des laufenden Jahrganges) fein erstes diesjähriges Semester. Aus dem beigegebenen Inhaltsverzeichnisse ersieht man erst, welch reicher Schatz an populär-wissenschaftlichen Dingen in den Heften niedergelegt ist. Am meisten überrascht ber großartige Aufwand a.i Abbildungen. Die nun einen Band (den VII.) bildenden 12 ersten Hefte enthalten genau 600 bildliche Darstellungen, Figuren, Tafeln und Beilagen. Das vorliegende Heft schließt sich würdig an seine Vorgänger an. Wir heben den sehr instructiven, durch Abbildungen und Photogramme erläuterten Aufsatz über Mikrophotographie hervor, alsdann den in mehr als einer Beziehung interefsanten, ftellenweiie ogar senfattonellen Artikel Der Feuerstoff als Erzeuger der Epidemien von L. Mann und die instructiven technischen Auseinandersetzungen über Eisenbahn-Waggonbelenchtung des Ingenieurs Kurz. Von actuellem Interesse ist ferner Ingenieur M. Buchholz' vergleichende Studie über den Stahl in der Baukunst, erläutert durch ein vergleichendes Tableau der gegenwärtig größten auSStahl aufgeführten Bauwerke. Erwähnen wir noch, daß in der Beilage „Die Wissenschaft für Alle" Jeder einige Erosionserscheinungen berichtet, eine Anleitung zum Sammeln und Eonservtren der Pflanzen gegeben wird — beides durch Bilder unterstützt — und daß auch der Notizen- theil schöne Illustrationen bietet, so haben wir in Kürze nritgetheitt. wäs diese so beliebte populär-wissenschaftliche Zeitschrift (A. Hartlebens Verlag, Wien) in dem neuesten Hefte ihren Lesern darbietet. Weiterer Worte der Empfehlung bedarf es wohl nicht.
Verkehr, Land« nnd Volkswirtschaft.
— Niederlegen deS Kartoffelkrautes. In verschiedenen Gegenden Frankreichs kommt seit einigen Jahren das Verfahren der Kartoffelcultur immer mehr in Anwendung, dem man nachrühmt daß dadurch nicht nur ber Ertrag im Allgemeinen vermehrt, sondern auch weniger kleine, dafür aber mehr große und mittelgroße Knollen gewonnen werden. Dasselbe ist höchst einfach und besteht darin, da^ man um Mitte Juni oder Anfangs Juli die Stengel der Pflanze,, wenn sie vollkommen entwickelt sind, niederbeugt und soweit mit Erde bedeckt, daß nur die Spitzen derselben heraussehen. Diese Bedeckung soll dazu dienen, die Saftbewegung in den Stengeln zu mäßigen und mehr auf die Knollen abzuleiten, aber auch wesentlich dazu beitragen, die Erkrankung der Knollen zu verhüten. Wenn sich nämlich bei ungünstiger Witterung die Kartoffelkrankheit auf dem Kraut ansiedelt, so dienen ihm die aufrechtstehenden Stengel als Leiter, an denen die Sporen durch Negengüsse zu den Knollen hinabgespült werden. Es kann dies aber nicht ftattsinden, wenn das Kraut niedergebeugt worden ist und somit bleiben die Knollen verschont. Das Niederlegen des Kartoffelkrautes ist also nicht nur geeignet, das Erträgniß eines Kartoffelfeldes zu erhöhen, sondern ist ein einfaches, mechanisches Mittel, die Kartoffelkrankheit zu verhüten-
Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in Gießen.
25. Woch«. Vom 19. Juni bii 25. Juni 1892.
Einwohnerzahl: 20 611 (ind. 1600 Mann Mililä,). SlerbUchk-itszlffer: 27,76°/»» bezw.20.19nach Ausschl.derOrlSsr-mden.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1.Lebensjahr: 2.—Ib.Jahr:
Diphtherie
1 (1)
—r-
—
1 (1)
Wochenbettffeber
1 (1)
1 (1)
—
—
Lungenschwindsucht
4
4
—
—
Gehirnschlagfluß Andere bekannte
1
1
—
—
Krankheiten
3 (1)
1 (1)
2
—
Unbekannter Krankheit 1
1
—
—
Summa:
11 (3)
8 (2)
2
1 (1)
A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Temperatur der Lahn und Luft
gemessen nach Reaumur am 29. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 18 Vs Grad, Luft 23 Grad im Scbatten.
Rübsamen'sche Badeanstalt


