Ausgabe 
29.9.1892
 
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London, 28. September. Der (Konsul von Mozambique meldet, die portugiesische Schaluppe mit einem Theile der Forschungsexpedition unter Führung Vivyans ist im Juli auf einer Sandbank im Flusse Mana gescheitert. Alle, aus­genommen der Engländer Gardner, sind ertrunken. Unter den Tobten sind die Deutschen Hasselbach, Herz, Renner, Fritz, Homann.

Die Cholera.

Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom 26. bis 27. September, Mittags, gemeldete Cholera-Erkrank­ungs- und Todesfälle:

Berlin, 27. September. Die Abendblätter meiden: Bel dem gestern Abend in das Moabiter Krankenhaus einge­lieferten 18jährigen Sohne des Schiffseigners Gladow, dessen Kahn am Stralauer Thor ankert, ist asiatische Cholera constatirt worden.

Berlin, 27. September. DerReichsanzeiger" ver­öffentlicht eine Bekanntmachung des Staatscommissars zur Gesundheitspflege im Stromgebiet der Oder über die Er­richtung einer ärztlichen Controlstation in Gartz. Die Errichtung weiterer Controlstationen wird angekündigt.

Berlin, 27. September. DerReichsanzeiger" ver­öffentlicht die von der Cholera-Commission hinsichtlich cholera- gefährlicher Nahrungsmittel aufgestellten Grundsätze, wonach der Genuß gut durchgekochter, durchbratener Fische, Krebse rc. völlig ungefährlich ist. Seefische, Häringe, Bück-

Flundern, auch gesalzen und geräuchert, sind unver­dächtig. Wo nach Herkunft und Bereitungsart von Butter und Weichkäse der Verdacht ausgeschlossen' ist, daß sie mit choleraverdächtigem Wasser gewaschen, in unsauberen Gesäßen oder mit unreinen Händen bearbeitet worden seien, liege kein Grund vor, diese Nahrungsmittel zu vermeiden. Der Genuß von Milch aus verseuchten Orten sei nur in gekochtem Zustande zu empfehlen.

Hamburg, 27. September. Der Ep i d emie stand ist heute anhaltend gebessert,- bis 3 Uhr Nachmittags sind 21 Kranke und 9 Tobte zum Polizeilichen Transporte an­gemeldet.

Hamburg, 27. September. Heute sand eine Sitzung von Vertretern erster Bank- und Handelsfirmen unter dem Vorsitz des Oberlandesgerichtsraths Martin statt, welche die Gründung einer Vor schuß kaffe für kleine Geschäftsleute und Gewerbetreibende beschloß. Demnächst finden Zeich­nungen für einen Garantiefonds statt. Die neue Sparkasse stellte bereits 200,000 Mk. in Aussicht. Als erster Vor­sitzender wurde Dr. Martin, als Stellvertreter Hugo Brand und Rudolph Möring, als Schriftführer Dr. Mönkeberg und Moritz Melchior gewählt. Es ist vorgeschlagen, die Bürger­schaft möge beide Verordnungen betreffs der Anmeldungs- psticht choleraartiger Erkrankungen und vorschriftsmäßiger regelmäßiger Reinigung der Wasserkasten durch die Grund- eigenthümer zum Gesetz erheben. Die Gesammtsumme der für die Nothleidenden einaeqanaenen Beträge übersteiat 1,620,000 Mk. a

der Anknüpfung von Geschäftsbeziehungen mit unbekannten ausländischen Firmen dienen laffe.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 27. September. DieBörsenztg." meldet von angeblich zuverlässiger Seite, die Militärvorlage gehe dem Reichstag erst nach Neujahr zu.

Berlin, 27. September. DiePost" erfährt, der Finanz­minister habe sich über den Etat 1893/94 dahin ausgesprochen, daß die Mehrforderungen bedeutend, die Mindereinnahmen erheblich seien, sodaß voraussichtlich ein Deficit von 86 Millionen zu erwarten sei.

Berlin, 27. September. DasTageblatt" meldet aus Rom: Der Papst beabsichtige dem Präsidenten Carnot den Christusorden zu verleihen. Derselbe soll Carnot zu Neujahr überbracht werden.

Breslau, 27. September. Nach derSchlesischen Ztg." stehen anläßlich der Geburt der Kaiserlichen Prinzessin Be­gnadigungen weiblicher Verurtheilter bevor.

Wien, 27. September. Der Kaiser von Oester­reich empfängt die deutschen am Distanzritt theilnehmenen Offiziere am 9. October in der Burg, woselbst eine militärische Soiree angeordnet ist. Kaiser Wilhelm empfängt die deutschen Offiziere wahrscheinlich in Dresden, trifft am 11. October hier ein, ohne Wien zu berühren und fährt per Bahn nach Schönbrunn weiter- dort nimmt er einen drei­tägigen Aufenthalt. Bisher meldeten sich 100 österreichische Offiziere zur Theilnahme am Distanzritte an.

.Wien, 27. September. In Wirschow ttz bei Troppau wurden mächtige Kohlenflöze aufgefunden.

Staat und Bezirk

O r t

23./9.

Datum

26/9.

24./9.

25/9.

erkrankt

gestorben

erkrankt

gestorben

erkrankt

gestorben

erkrankt

gestorben

Hamburg

Hamburg

115

56

81

49

126

47

70

33

Preu ßen Schleswig

Altona

9

5

6

11

7

11

4

Lüneburg

Wilhelmsburg

1

1

2

3

1

Lettin

Ueckermünde

1

1

_

_

_

3

Fi^dichow

2

1

Vereinzelte Erkrankungen:

Regierungsbezirk Schleswig: in einem Orte des Kreises Stormarn 1 Erkrankung.

Regierungsbezirk M a g d e b u r g: in der Stadt Schönebeck, Kreis Kalbe 1 Erkrankung, 1 Todesfall.

Regierungsbezirk Potsdam: in einem Orte des Kreises Oberbarnim 1 Erkrankung.

Regierungsbezirk Stettin: in einem Orte des Kreises Randow 1 Todesfall.

Berlin: 1 Erkrankung.

als mittleres Extrem0, als absolutes1/6, Multan sogar 1,7°, ja selbst in Benares kann das Thermometer bis aus0/6° fallen. Solche Temperaturen entsprechen ungefähr denen des 2107 Meter hoch gelegenen Dardschiling oder Cantons.

In den Küstenstrichen liegen die Verhältnisse anders - zwar hat Kalkutta noch eine mittlere Minimumtemperatur von + 12°, Madras aber schon + 16 °, Colombo -j- 206 °, Bangkok 4- 15y6°, Manila + 17zl °, und erst an der kalten Ostküste, wo die Gebirgsumwallung das Land nicht mehr vor den nördlichen Winden schützt, fällt das mittlere Minimum wieder auf + 6/7° in Hongkong,1,7° in Canton.

Der Gang der Temperatur ist in Nordindien im All­gemeinen folgender: im October steht das Thermometer überall ziemlich gleichmäßig bei + 27/6°; dann aber kühlen sich die nördlichen Landschaften rasch bis zu 12° ab, im Innern von Dekan bis zu 1620 °, in Assam bis 14 und 17°, während die Küstenstationen Süd- und Mittelindiens auch im Januar über 20°, Madras 24,7, Bombay 22,, Colombo 26,50 Wärme behalten. Vom Januar an nimmt die Wärme allmälig wieder zu, am stärksten vom April zum Mai, und dies namentlich im Pandschab. Im März reisen auf den Fluren dieses Gebietes schon europäische Getreide- arren und im April setzt eine glühende, trockene, westliche Luftströmung ein, die bis Juni anhält und diese Monate zu den heißesten des Jahres macht- schon bei Sonnenaufgang werden dann die Häuser geschlossen und Grasthüren, die man fleißig mit Waffer begießt, vor die Thüröffnungen ge­stellt- Nachts aber wird mittels gewaltiger Fächer (Punka) Kühlung geschafft, denn das Thermometer steht selbst gegen Morgen oft noch auf über 35 0. Die Vegetation verdorrt, da der Regen saft ganz ausbleibt, und die Bevölkerung er­mattet unter der furchtbaren, unaufhörlichen Hitze, bis endlich rm Juli erlösende Regen eintreten, doch hält sich die Tem­peratur noch bis zum October auf mehr als 27

/Fortsetzung folgt.)

Cocalcs rrnd provinzielles,

Gießen, 28. September 1892.

In der letzten Sitzung der Stadtverordneteu Versamm- lung wurde u. A. auch noch beschlossen die Anstellung des Großh. Geometers 1. Kl. Wißner als Stadtgeometer, unter Einreihung der neuen Stelle in die 2. Klasse der Besoldungs­übersicht. Neben der damit erreichten Uebertragung der zahl­reichen geometrischen Arbeiten auf dem Gebiet der Stadtver- waltung an einen städtischen Beamten verspricht man sich von solchem Vorgehen insbesondere auch noch bei entsprechender, vorübergehender Heranziehung weiterer Hilfskräfte eine rasche Förderung bezw. Vollendung unserer seit 1875 im Gang befindlichen Parzellenvermessung. HerrWißner wird die neu geschaffene Stelle am 1. November d. I. antreten und von da ab Aufträge für Private, wie Meßbriefe und dgl. nur noch zu Gunsten der Stadtkasse übernehmen und ausführen.

Verhaftet wurden vorgestern und gestern ein hiesiger Arbeiter wegen Urkundenfälschung, ein Dienstmädchen wegen schweren Diebstahls (sie harte aus verschlossenen Behältnissen ihrer Dienstherrschaft Geld entwendet), sowie rhr Bräutigam wegen Verdachts der Hehlerei, und schließ­lich ein Dienstknecht, der von einem Gartenzaun weg eine Hose gestohlen hatte.

Der Verschönerungs. Verein dahier stellte in der Südanlage (in nächster Nähe der neuen Kirche) ein elegantes Wetter-Beobachtungshäuschen mit Luftdruck-, Wärme- und Feuchtigkeitsmesser auf.

Aus dem Justizdienst. Durch Entschließung Groß­herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 24. September wurden beauftragt: 1) der Großh. Gerichts­assessor Beyke zu Groß-Umstadt vom 1. k. M. an auch fernerhin mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amts­richters daselbst, 2) der Großh. Gerichtsassessor Neuenhagen zu Gießen vom 1. k. M. an mit Wahrnehmung der Dienst­verrichtungen eines Amtsrichters bei Großh. Amlsqerichte Herbstein.

Eine neue Eomposition unseres Großherzogs wurde am Sonntag, wie Mainzer Blätter melden, bei der Parole­musik in Mainz zu Gehör gebracht. Es ist dies ein flotter Walzer und wurde derselbe vom Publikum sehr beifällig aus­genommen.

Mehrfach wird darüber Beschwerde geführt, daß das Bahnhofs- und Zugbegleitpersonal nicht aus eigenem Antriebe das Rauchen in Nichtraucher-Abtheilungen und das Betreten dieser Abtheilungen mit brennender Cigarre den Reisenden untersagt. Dem Bahnhofs- und Zugpersonal sind des­halb die bezüglichen Bestimmungen früherer Erlasse, ins­besondere des Erlasses vom 18. November 1885, den Schaffnern überdies § 12 Ziffer 6 ihrer Dienstanweisung in Erinnerung gebracht werden.

Die Sparkafferechner der Provinz Oberhessen hielten kürzlich in einem Orte des Vogelsberges eine Versammlung ab. Im Sinne der hierbei gefaßten Beschlüsse trat eine bei jener Versammlung ernannte Commission mit sämmtlichen ^parkasserechnern unseres Landes behufs gemeinsamen Vor­gehens zur Wahrung der Standesinteressen (Herbeiführung eines Sparkassengesetzes, Gründung eines Rechnervereins, Pensionsberechtigung der Rechner 2c.) in nähere Verbindung. Wenn die Fragenbeantwortungen durch die einzelnen Spar­

kasterechner eingegangcn sind, gedenkt man demnächst eine all­gemeine Rechnerversammlung zur Berathung der weiter zu unternehmenden Schritte nach Frankfurt a. M. einzuberufen» D. Ztg.

m _?ie Verbandsgruppe Großherzogthum Hessen und Hepen-Raffau der Handelsgärtner Deutschlands hielt gestern Nachmittag im Ko hl'sch en Saale zu Worms eine Ver- sammlung ab. Es wurde u. a. beschlossen, eine Petition an den Landesrath und die Einzelregierungenwegen Freigabe des ganzen Sonntags für den Blumenhandel" zu richten. Die nächsten Versammlungen finden statt am Sonntag, U5. October in Gießen, am Sonntag, 20. November in Darmstadt, verbunden mit Ausstellung.

r. Gambach, 27. September. Gestern Mittag gegen 1 Uhr wurden wir durch das Läuten der Sturmglocke er­schreckt.^ Es brannte eine gefüllte Scheuer nieder.

Nidda, 27. September. Zu der vom 6.-9. October hier stattfindenden O b st a u s st e l l u n g sind schon zahlreiche Anmeldungen eingelausen. Dieselbe verspricht eine sehr reich­haltige zu werden.

Darmstadt, 26. September. Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz läßt soeben eine Anzahl S i t u a l i 0 n s p l ä n e der hervorragendsten Bauten im Groß- herzogthum Hessen anfertigen, u. A. auch die Pläne der Straßenbrücke zwischen Mainz und Kastel, um damit die im ^d/cf 1893 *n Chicago stattfindende Weltausstellung zu

Bensheim, 25. September. EinentsetzlichesUnglück hat gestern unsere Stadt heimgesucht. Abends um 7 Uhr wurden plötzlich die hiesigen Bewohner von der Schreckenskunde über­rascht, daß in der dem Rinnthor gegenüberliegenden sehr eng zusammengebauten Straße ein Brand ausgebrochen sei. In wenigen Minuten war unsere Feuerwehr zur Stelle, aber trotz riesigster Anstrengung wurden 9 Häuser und zwei mit Frucht gefüllte Scheuern ein Raub der Flammen. Herz­zerreißend war das Jammern der meist armen Leute, welche den betreffenden nunmehr niedergebrannlen Häusercomplcx inne hatten es waren etwa 30 Familien d e theilweise nicht einmal mit ihrem Mobiliar versichert waren und nun um ihre ganze Habe gekommen sind. Die Ursache des Brandes ist noch nicht aufgeklärt.

Mainz, 26. September. Die diesmalige Schwurgerichts­session fällt wegen Mangel an Anklagen aus. Neben dem Gerichtspersonal ist dies besonders für die Personen sehr angenehm, welche für die ausfallende Session bereits als Geschworene ausgeloost waren.

Mainz, 28. September. (Privatdepesche). Auf dem von Duisburg kommenden DampferDisch 4" ist gestern der Maschinenmeister an der Cholera gestorben.

Vermischtes.

s Frankfurt a M., 27. September. Am Hauprbahnhof wird soeben im Auftrage eines amerikanischen Ccnsortiums ein neues Hotel zu 105 Zimmern erbaut, das zehnte un­mittelbar am Hauptbahnhofe belegene. Der heutige Poli­zeibericht meldet u. A.: Gestern Vormittag wurde m einem Abort des Hauptbahnhoss ein kleiner Affe bewußtlos aufgefunden. Das Thier war ganz durchnäßt und ist, offen­bar um es zu ertränken, in das Closet gesteckt worden. Als das Thier an Luft und Sonne gebracht wurde, erholte cs sich bald und konnte nach dem Zoologischen Garten verbracht werden.

* Gaffel, 27. September. Der Thäter der in der Sonnabend Nacht in der Mittelgasse verübten Blu tthat, der 18jähriqe Hausbursche Wetterau, wurde gestern Vormittag nach er­folgter polizeilicher Vernehmung vor den Staatsanwalt geführt und von da zur Untersuchungshaft ins Landgerichtsgefängnch eingeliefert. Die Section der Leiche des ermordeten Schmieds Ferck, Sohn des in der Weserstraße wohnenden Schmieds Fe ick, fand gestern früh durch Herrn Kreisphysikus Gch^ Sanitätsrath Dr. Gießler und Herrn Dr. Schotten statt. Die Mutter des Wetterau, welche schon lange leidend wax, ist infolge Erregung über die schreckliche That ihres Sohnes gestern gestorben.

* Siegen, 26. September. Hier hat sich ein Arbeiter seiner Frau, mit der er im Unfrieden lebte, in der Weise entledigt, daß er sie an der Thüre erhängte, nachdem er ihr vorher die Beine zusammengebunden hatte. Die That wurde bald entdeckt und der Gatrenmörder dem Gefängniß eingeliesert.

* Gera, 26. September. Bei dem in unserer Gegend stattgehabten Divisionsmanöver wurde bei einer Cavallerie- attacke ein Husar des 12. Regiments (Reservist) von einem Seydlitz-Kürassier erstochen. Die Truppen waren, da sie vor Staub nicht sehen konnten, zu nahe an einander gerathen.

Köln, 27. September. Das auf den 2. October fest­gesetzte Wett fahr en um die Meisterschaft von Europa aus dem Niederrad, deren Vertheidiger Vater-Frankfurt ist, wurde wegen der Choleragesahr polizeilich untersagt.

* Aus Rheinland-Westfalen, 26. September. In Mülheim (Ruhr) und in Dortmund sind falsche Fünfmarkscheine und falsche Drei-und Zweimarkstücke in den offenen Verkehr gelangt. Die Ausführung ist in allen Fällen eine ziemlich gute, so daß große Voosicht geboten ist.

* Hamburg, 26. September. Bei einem Bodenbrande aus Uhlenhorst in der Geibelstraße sind gestern drei Kinder v erbrannt.

* Altona, 27. September. Der ehemalige Director der Teuselsbrückener Actienbrauerei, Kunze, wurde wegen Ver­untreuung von 55000 Mark zu 21 Monat Gefängniß ver- u r t h e i l t.

* Kiel, 25. September. Beim Geschützputzen entlud sich am Bord derBaden" eine Schnellseuerkanone. Einem Matrosen wurde der Arm abgerissen- der Mann verblutete.