Ausgabe 
28.7.1892
 
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Revolutionären nicht besonders nachspüren, jegliche Unruhen aber sofort mit Waffengewalt niederschlagen, die Urheber derselben sofort am Platze hängen und die Theilnehmer sofort -öffentlich abstrasen lassen.

Effeu a. Ruhr, 26.Juli. Stempelproceß. Angeklagter Ingenieur Bering erklärt, er sei in keiner Weise an den etwaigen Strafthaten der Meister betheiligt, er habe stets auf Lieferung guten Materials gedrungen. Gremme weiß nichts von Unregelmäßigkeiten bei den Zerreißproben, er ließ nie nach Bleiabdrücken Stempel unfertigen. Sodann erfolgt die Beweisaufnahme.

Wilhelmshaven, 26. Juli. Die Ankunft des Kaisers erfolgt morgen früh 9 Uhr. Nach dem Frühstück im Casino erfolgt die Taufe des Panzerfahrzeuges, um 1 Uhr die Weiterreise.

Königsberg (Ostpreußen), 26. Juli. Heute sand unter Borsitz des Oberpräsidenten eine Conferenz vor maß­gebenden Persönlichkeiten beider Regierungsbezirke der Provinz statt. Dieselbe berieth die Abwendung der Cholera- gesahr. Es wurde beschlossen, an den Grenzstationen und Eisenbahnknotenpunkten Maßregeln zur Verhütung der Cholera- esnschleppung zu treffen.

Hamburg, 26. Juli. In drei hiesigen Ställen brach die Maul - undKlauenseuche aus. Die Polizei traf energische Gegenmaßnahmen.

München, 26. Juli. Der Magistrat lehnte die Petition des Vereins bildender Künstler, genannt dieSecessionisten", um einen Bauplatz für ein Ausstellungsgebäude mit allen gegen eine Stimme ab.

Wien, 26. Juli. Die Behörde schloß daSitalienische Theater in Roma wegen antiösterreichischer Demonstrationen.

Brüssel, 27. Juli. Die Verbindung der katholischen organisirten Arbeiter mit den Socialdemokraten zwecks gemein­samer Erkämpfung des allgemeinenStimmrechts macht im ganzen Lande Ungeheuern Eindruck und dürfte zur Bildung einer großen allgemeinen Stimmrechtspartei, unab­hängig von der katholischen und liberalen Partei führen.

Paris, 26. Juli. Die Geschworenen deS Departe­ment Seine et Oise erhielten Drohbriefe. Vor diesem Gericht wird der Dynamit'Diebstahl in Soisy zur Verhandlung kommen.

Marseille, 27. Juli. Wie aus Kotonu gemeldet wird, ernannte Behanzin einen früheren deutschen Artillerieoffizier zum Armeeinstructeur, besonders zur Ausbildung des Artilleriecorps. Behanzin erhielt aus Widdah eine Menge Schnellseuergcwehre, Kanonen und Munition.

Belgrad, 26. Juli. Das Ernteergebniß ist zumeist befriedigend, eine Ausnahme bilden blos die von Elementar­schäden heimgesuchten Gegenden. Die Sommersaaten ver­sprechen einen Mittelertrag. Mais steht sehr gut.

Liffabou, 26. Juli. Die Kornernte ist so schlecht, rheilweise ganz ergebungslos, daß eine Million Gentner Ge­treide im Herbst importirt werden muß, um eine Nothstands- gesahr abzuwenden.

Randers (Jütland), 26. Juli. AuS Posen und Ost­preußen kommen hier fast täglich größere Trupps männlicher amd weiblicher landwirthschaftlicherArbeiter polnischer Rationalität an. Der Arbeitslohn ist hier wesentlich höher als in Deutschland.

totales rrnd provinjicllos,

Gießen, 27. Juli 1892.

40jähriges Stiftungsfest der VerbindungWingolf". Zu dem in der Nummer 170 dieses Blattes mitgetheilten j Festprogramm können wir noch Folgendes mittheilen: Der Mittwoch Abend 7J/2 Uhr stattfindende Festzug wird sich von der Kneipe aus (RestaurantDeutscher Kaiser") durch folgende Straßen bewegen: Grünbergerstraße, Ludwigstraße, Alice- straße, Seltersweg, MäuSburg, Marktplatz, Schulstraße, Neue Bäue nach Steins Garten, woselbst um 87a Uhr der Festcommers beginnt. Donnerstag Morgen ist Frühschoppen mit Musik auf der Kneipe. Das Programm des am Nach­mittag 5 Uhr stattfindenden Gartenfestes setzt sich aus folgenden Stücken zusammen: Concert, Abendeffen, Festspiel, Tanzkränzchen, Feuerwerk.

-* Turnerisches. Von dem aufs schönste verlaufenen Kreis turnfeste in Mainz kehrten unsere Turner mit Auszeichnungen bedacht zurück. Bei einer Betheiligung von 272 Wettturnern, welche Zahl noch selten erreicht wurde, errang von dem Turnverein C a r l H e u s e r mit 54 7* Punkten den 20. Preis mit Kranz und Th. Vogt mit 45 Punkten tine lobende Erwähnung. Die von demselben Verein gestellte Musterriege am Barren errang durch ihre tüchtigen und gleichmäßigen Leistungen unter 78 angetretenen Musterriegen mit 19,650 Punkten eine ehrenvolle Auszeichnung.

Verhaftet. Heute Morgen wurde ein fremder Zauber­künstler verhaftet, der auf dem Polizeiamt dahier den Beamten Grobheiten machte und sich auf Aufforderung nicht entfernte. Bei seinem Transport in die Arrestzelle widersetzte sich derselbe auch noch dem ihn transportirenden Schutzmann.

Die Ausstellung des Oberhesfifchen ObstbauBereius in Dad-Nauheim wurde Samstag den 23. Juli in Anwesenheit einer großen Anzahl von Interessenten eröffnet. Herr Kreis* rath Dr. Br ad en-Friedberg legte in seiner Ansprache die Aufgaben und Ziele des Oberhessischen Obstbauvereins aus­einander, eines Vereins, der vor noch nicht drei Jahren durch Dr. von Peter ins Leben gerufen, nun 3200 Mitglieder in den sechs Kreisen der Provinz Oberhessen umfaffe und in einer Reihe von Ausstellungen und Versammlungen, sowie durch die Herausgabe einer Zeitschrift aufs Vortheilhafteste zur Hebung der Obstzucht beigetragen habe und ersuchte hieraus, nachdem er noch den Ausstellern, den Comitvmitgliedern, der Badedirection für die bereitwillige Förderung des Unter­nehmens, der Geschäftsleitung und den Beamten des Vereins für die gelungene Einrichtung der Ausstellung gedankt hatte,

den technischen Leiter der Ausstellung, C. Reich elt, die Führung in der Ausstellung zu übernehmen. Bürgermeister Wörner begrüßte die Erschienenen im Namen der Stadt Bad-Nauheim, die ein besonderes Interesse daran habe, den Cursremden die Früchte deS Obstbaues der Umgegend zuzu­führen. Die Versammlung am Sonntag Nachmittag in der Krone war sehr stark besucht und wurde von Amtmann Dr. Wallau als Vorsitzender des Vereinsbezirks Friedberg eröffnet mit Begrüßung des Vertreters der Großh. Oberen landw. Behörde, Oeconomierath Müller und des Präsidenten des Oberhessischen Vereins, Kreisrath Dr. Braden, sowie des auswärtigen Preisrichters, Dr. Kraft. ES wurde der Geschäftsbericht für den Vereinsbezirk durch den Geschäfts­führer R e i ch e l t gegeben, alsdann sprach Herr Dr. v o n P e t e r über die Ausbildung des Baumwärterinstituts für die Provinz Oberhessen und wurden die Baumwarte: Heinrich Billasch, städtischer Baumwart in Friedberg, Ludwig Horn in Stein­bach, Kreis Gießen, Heinrich Fatum in Lindenstruth, Kreis Gießen, Ludwig Launspach in Reiskirchen, Kreis Gießen, Johannes Oestreich, Kreisstraßenwart in Stockhausen, Kreis Lauterbach, Ludwig Becker in Ruttershausen, Kreis Gießen, Hermann Ruppel in Obbornhofen, Kreis Gießen, Heinr. G e i b e l in Klein-Karben, Kreis Friedberg, zu Baurn- wärtern des Oberhessischen Obstbauvereins ernannt, womit die Vereinsleitung für deren theoretische und praktische Aus­bildung eine gewisse Garantie übernimmt. Die Diplome vertheilte der Präsident, Kreisrath Dr. Braden. Alsdann hielt Obstbautechniker John einen sehr gut ausgearbeiteten Vortrag über die Behandlung der Pfirsiche und C. Reichelt über die Behandlung der Beerensträucher. An die Ver­sammlung schloß sich gemeinsame Besichtigung der Aus­stellung an.

Bei der am 2. August in Gießen abzuhaltenden Provinzial-Consereuz der evangelischen Geistlichen Oberhessens wird Herr Pfarrer Schlosser referiren über die Fürsorge der Kirche für die conftrmirte Jugend.

Höhere Schulen und zwar staatliche bestehen im Großherzogthum zur Zeit 27. Hiervon sind 8 Gymnasien, 4 Realgymnasien, 14 Realschulen und eine höhere Bürger- gerschule (Butzbach). Aus die Provinz Starkenburg kommen 11, aus Oberhessen 8 und auf Rheinhessen auch 8 höhere Lehranstalten. Am Ende des letzten Schuljahres waren besucht die Gymnasien von 2494, die Realgymnasien und Realschulen von 4669, die Butzbacher Schule von 123 Schülern. Von diesen 7286 Schülern standen vor der Maturitätsprüfung in den Gymnasien 159, in den Realgymnasien 58 Schüler. Von je 100 Schülern der höheren Lehranstalten waren 67 evangelische, 21 Katholiken und 12 Israeliten. Im Lande kommen auf 100 Christen 3 Israeliten, in den höheren Schulen dagegen aus 100 Christen bereits 12 Israeliten - eine für die Letzteren ungewöhnlich günstige Zahl. An den hier in Betracht kommenden Anstalten wirken 370 ordent­liche Lehrer und 65 Hülsslehrer. Unter diesen 435 Lehrern sind nur 6 über 60 Jahre alt und 42 zwischen 50 und 60 Jahren, also 387 unter 50- Jahren. Die Aussicht, nach dem 60. Lebensjahr noch im Dienste stehen zu können, ist in jedem anderen öffentlichen Dienste größer als an den höheren Lehranstalten.

Gegenstände, welche von der Poftbesörderung aus» geschloffen find. Zur Versendung mit der Post dürfen nicht aufgegeben werden Sendungen, deren Beförderung mit Gefahr verbunden ist, namentlich alle durch Reibung, Lustzudrang, Druck oder sonst leicht entzündliche Sachen, sowie ätzende Flüssigkeiten. Die Postanstalten sind befugt, in Fällen des Verdachts vom Aufgeber die Angabe des Inhalts zu ver­langen,^und falls dieselbe verweigert wird, die Annahme der Sendung abzulehnen. Diejenigen, welche derartige Sachen unter unrichtiger Angabe oder mit Verschweigung des Inhalts ausgeben, haben vorbehältlich der Bestrafung durch das Gesetz für jeden entstehenden Schaden zu haften.

Nidda, 24. Juli. Gestern Nachmittag sand zu Ehren des in den Ruhestand tretenden und von hier scheidenden Herrn Steuerrath Pfannmüller im Gasthaus zur Traube dahier ein Abschiedsessen statt.

Wallertheim, 22. Juli. Dieser Tage ereignete sich hier ein Vorkornmniß von erschütternder Tragik. Offenbar aus Schwerrnuth hat sich ein junges 22jähriges Mädchen erhängt. Als der schon bejahrte Vater heimkehrend so sein Kind sand, gerieth er derart in Verzweiflung, daß er sich neben dem Mädchen erhängte. Nachbarn fanden später die beiden Leichen.

Seligenstadt, 25. Juli. Eine mit über 100 Unterschriften bedeckte Bittschrift der hiesigen Geschäftsleute erstrebt eine anderweitige Regelung der sonntägigen Ge­schäftsstunden durch die zuständige Verwaltungsbehörde. Während nämlich im benachbarten Bayern die Verkaufsläden bis Nachmittags 4 Uhr geöffnet bleiben, müssen hier die Ge­schäfte schon um 1 Uhr geschlossen werden. Unterfränkische Geschäftsinhaber ließen kürzlich in diesseitigen Gemeinden durch die Ortsschelle auf diese Thatsachen Hinweisen und szum Besuche ihrer zu günstigerer Zeit geöffneten Geschäfte einladen. Natürlich folgen zahlreiche Landleute diesem Ruse, wodurch unsere hiesigen Ladenbesitzer empfindlich geschädigt werden. Eine Gleichlegung der Geschäftsstunden würde diesen Mißstand ziemlich beseitigen.

A Mainz, 26. Juli. Mittelrheinisches Turnfest. Die Turnerei hat an dem heutigen Tage keine Rolle mehr gespielt. Durch das herrlichste Wetter begünstigt, entwickelte sich schon in den Vormittagsstunden auf dem Festplatz das fröhlichste Treiben eines ungezwungenen, allgemeinen Volks­festes, wie es in solcher Art eben nur in einer rheinischen Stadt möglich erscheint. Während am Sonntag und gestern wenigstens in den verschiedenen außerhalb der Festhalle gelegenen Wein- und Bierrestaurationen mit einiger Mühe noch ein Platz zu erhalten war, konnte man schon in den ersten Stunden des heutigen Nachmittags auf dem Festplatz kaum mehr verkehren und ein geradezu unheimliches Gedränge

herrschte allenthalben. Um 5 Uhr stieg der Luftichiffer Lattemann mit fünf zusammengekoppelten BallonS aus. In der Gondel bei dem Luftschiffer befand sich ein Redacteur der FrankfurterKleine Presse". Bei vollständiger Wind­stille nahm der Ballon in westlicher Richtung seinen Weg über die Stadt; wo derselbe gelandet ist, ist bis jetzt noch nicht bekannt. Mit Eintritt des Abends strömten immer neue Massen nach dem Festplatz, auf welchem gegen die mitternächtliche Stunde noch das tollste Festtreiben herrschte. Gestern wurden 3238 Tageskarten gelöst. WaS die Turner im Trinken zu leisten vermögen, läßt sich aus der Tharsache ermessen, daß am Sonntag aus dem Festplatz allem 12 930 Mk. für Wein vereinnahmt wurden. Der feit einigen Tagen hier ausgestellte Walfisch, welche interessante Sehenswürdigkeit bekanntlich in vielen Rheinorten große Anziehungskraft ausübte, rnußie auf Anordnung der Polizei seines üblen Geruches wegen von dem hiesigen Ufer entfernt werden. Derselbe wurde an das jenseitige Ufer unserer Mainspitze gebracht. Heute Nacht soll derselbe nach Frankfurt geschafft werden.

' Vermischter.

* Frankfurt, 23. Juli. Die gefühllose Mutter, welche in der Nacht auf Donnerstag ihr Kind am SraatS- güterbahnhos vergrub und aus dessen Kopf einen vier Pfund schweren Stein gelegt hatte, in der Absicht, das Kind dadurch zu tobten, ist in der Tochter eines hiesigen Geschäftsmanns ermittelt worden.

* Bayreuth, 25. Juli. Mit der heute erfolgten Auf­führung derMeistersinger" gelangte der erste CycluS- Ver Festspiele zum Abschluß. Gura als Hans Sachs und Nebe-Karlsruhe als Beckmesser boten besonders hervorragende Leistungen. Auch AntheS-Dresden in der Rolle des Walter Stolzing, Hosmüller-Dresden als David, Frauscher-Nürnberg als Pogner, sowie die Sängerinnen Mulder und Staudigl in den Rollen der Eva bezw. Magdlllene sanden lebhafteste Anerkennung. Die Chöre und das Orchester waren vortrefflich. Die Vorstellung schloß unter anhaltendem großem Enthusiasmus des Publikums.

* 17 Tage verschüttet. Aus Reichenberg i. B- wird gemeldet: Am 4. Juli wurden in der Emeranzeche bet Bilin durch den Hereinbruch von Schwemmsand sechs Bergleute vom Schachte abgeschnitten. Zwei davon wurden kurz darauf herausgezogen, vier aber, welche sich in den Abbauplan geflüchtet hatten, wurden von der Außenwelt abgeschnitten. Nach 17tägiger angestrengter Arbeit gelang es nun, diese vier Bergleute noch lebend aufzufinden.

* Luzern, 26. Juli. Gestern Abend 9 Uhr zerschellte ein Boot, in welchem sich 5 Engländer befanden, an einem Pfeiler der Reußbrücke am Ausflüsse des Sees. Zwei Personen klammerten sich am Gitterwerk des Pfeilers, zwei andere weiter unten am Stauwehr an und wurden gerettet. Eine Dame wurde vom Strome fortgerissen und ertrank.

* Wien, 20. Juli. Vor dem Strafrichter stand beule 1 jener Schankbursche Leopold Jauch, der aus Rache feinem Prinzipal und dessen Kellernachbar 54145 Liter Weiw im Werthe von 40653 fl. hatte auslaufen lassen. Der Vorsitzende fragt den Angeklagten: Bekennen Sie sich schuldig? Angekl.: Ja. Vors.: Was bat Sie zu der That veranlaßt? Angekl.: Der Herr Odersky hat mir durch den Kellerburschen sagen lassen, daß ich nicht einschänken | kann. Vors.: War denn das etwas gar so Arges? Angekl.: Ich bin so in Zorn gekommen und es hat mich nicht in Ruh' gelassen. I hab' zum Trinken angfangr, das iS mir in Kopf g'stiegen, nachher der Zorn dazu, da hab' i halt das than, Ich bin gleich zum letzten Faß hin und hab' den Zapfen herausgeschleudert, dann hab' ich ein Gla^ getrunken und auch die anderen Fässer aufgemacht und bin hinaus. Dann is mir eingefallen, ich könnt' es bei Hopfner, dem Schwager Oderskys auch so machen, weil der Keller grab in der Nähe ist. Weil ich keinen Schlüssel gbabt hab',,- hab' ich's Thor aufgesprengt und hab' die Fässer mit der Haue eingeschlagen. Ich hab' auch die Pumpmaschine z'samm- g'haut und bann Feuer gelegt. Der beschädigte Prinzipal, Herr Alois Odersky, wird als Zeuge vernommen. Er war mit dem Angeklagten zufrieden und kann ihm nichts Schlechtes nachsagen. Auch war derselbe stets nüchtern und nichts Aus­fälliges an ihm zu bemerken. Bezüglich der Rüge bemerkt der Zeuge: Ich habe ihm nur gesagt:Leopold, das ist keine Einschänkerei." Dabei ist ja weiter nichts. Ich habe übrigens nicht gemerkt, daß ihm die Sache so nabe geht. Der Zeuge beziffert seinen Schaden mit 22620 fl. und spricht dessen Ersatz an. Vors.: Fällt Ihnen der Schaden em­pfindlich? Sehr empfindlich, der Wein war mein ganzes- Vermögen. (Der Zeuge beginnt zu meinen.) Jauch leidet arr Ohrensausen. Der Vertheidiger beantragt, daraus gestutzt^ die Untersuchung des Geisteszustandes des Angeklagten. Der | Gerichtshof lehnt jedoch diesen Antrag ab und uerurtbeilt-j den Angeklagten zu acht Jahren Kerkers. Jauch erflärti barsch, die Strafe sofort antreten zu wollen.

* Die Berliner Cigarrenhaudler haben conftatirt, daß^' die Sonntags-Einnahmen auf ein Drittel unter der Sonntagsruhe zurückgegangen sind, ohne daß Wochentags eine wesentliche Mehreinnahme zu verzeichnen wäre. Sie ersuchen um Oeffnung der Geschäfte bis 5 Uhr.

Ein Sonutaguachmittags Besuch.Du brauchst nicht zu erschrecken, Julchen," sagte Herr Lehmann zu feiner ver- heiratheten Tochter, die er am Sonntag Nachmittag besuchte, mein Abendbrod habe ich mir rnitgebracht und auch einige Reserve-Schinkenstullen für den Fall, daß der alte Schulze mir nachkommen sollte. Du weißt, er kann mich Sonntags' schwer entbehren. So, und hier ist die Hutschachtel. . ®

Ja, was willst Du denn mit der?"

Mein Reservehut ist darin. Denkst Du denn, daß ich an einem Sonntagnachmittag in Berlin jemals wieder ohne einen Reservehut ausgehen werde? Fällt mir nicht ein Wie ist es mir am vorigen Sonntag ergangen? Ich sitze