»r. 173
Donnerstag den 28. Zuti
1892
Fer«tprecher 61.
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.
Hratiskeikage: Hießener Kamikienbtätter
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Die der
Llle Unnoncm-Bureaux de- In- und Au-limdes nehm« Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger^ tniqtya.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 26. Juli. Der „Staatsanzeiger" schreibt: Ausbreitung der Cholera in Rußland seit
vienellähriger ^Vonnementspreisz 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 60 Pfg.
Kedaeiion, Expedition und Druckerei:
die Herstellung neuerRepetirkanonen nach einheitlichem TyPuS zu beschleunigen.
Brest, 26. Juli. Gestern Abend lies bei einer Angriffsübung gegen die Hafeneinfahrt, welche von Torpedobooten vertheidigr wurde, das Torpedoboot 76 infolge des blendenden electrischen Lichtes aus den Sporn eines Panzerschiffes und sank 20 Meter tief. Die Besatzung wurde gerettet.
Schaden wird aus eine Million Dollars geschätzt. — Die Polizei in Pitts bürg führt das Attentat gegen Frick aus ein anarchistisches Complott zurück, wie das der 1887 in Chicago gehangenen Spies und Genossen. Es wurden Verzweigungen in vielen Städten entdeckt. Die Polizei muthet dahinter Most und dessen Complicen.
zweiten Woche des Monat Juli hat zu wichtigen Maßnahmen der preußischen Regierung geführt, welche dem früheren Erlaß vom 14. Juli 1884 entsprechen. Für russische Seeschiffe und Eisenbahnreisende wird eine strenge ärztliche Untersuchung angeordnet. Die Auswanderertrupps werden außerdem in Schneidemühl, Breslau, Ruheleben und Stettin einer Controlle unterworfen. Auch an der westlichen Grenze wird Vorbereitung zu gleichen Maßnahmen getroffen. Ferner werden Einsuhrverboterlasse den Regierungspräsidenten empfohlen. Die Veröffentlichung einer Anleitung zur Des- insection bei der Cholera steht bevor, desgleichen eine populäre Belehrung über das Wesen der Cholera und das Verhalten bei Hervortrelen derselben.
Berlin, 26. Juli. In unterrichteten Kreisen cursirt die Nachricht, verschiedene Bundesregierungen, darunter Bayern, hätten auf die von Berlin ergangenen Anfragen hinsichtlich der Berliner Weltausstellung ablehnend geantwortet. Ebenso hätten auch industrielle Kreise mehrfach ablehnend geantwortet und andere hätten ihre Zustimmung nur aus nationalen Gesichtspunkten ertheilt. Dessenungeachtet hält man die Entschließung des Kaisers für die Ausstellung gesichert und glaubt dadurch den Widerstand der vorläufig Ablehnenden zu besiegen.
Berlin, 26. Juli. In einem Schreiben aus Kissingcn wird der „Post" zufolge die Hier Herkunft Bismarcks bestätigt. Derselbe trifft von Jena kommend Sonntag Abend 8 Uhr aus dem Anhalter Bahnhof ein, übernachtet hier und reist am Montag Nachmittag weiter. Das Absteigequartier ist noch unbekannt.
Köln, 26. Juli. Der „Köln. Ztg." zufolge erhielten die Aerzte und Beamte in Nischnei-Nowgorod sowie auch der Gouverneur eine Menge Drohbriefe. Daraufhin erklärte ein Tagesbefehl des Gouverneurs, er werde Diesen
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, rß das 2. Bataillon des Gr. Infanterie-Regiments Kaiser üilhelm Nr. 116 auf der Schafweide bei Wißmar
1) Samstag den 13. August l. I«, Nachmittags von 4 Uhr ab bis gegen Mitternacht,
2) auf den Teufelsbergen nördlich von Wißmar in der Zeit vom 9. bis 16. August l. I.
-chießübungen abhält.
Die Schußlinie läuft in der Richtung Altenberg und irb hierdurch vor Betreten des gefährdeten Feldes und Waldes, sowie der von Wißmar nach Crumbach, Kirchvers nd Salzböden direct führenden Waldwege und vor dem Beeten der über die Teufelsberge führenden Feldwege, sowie er Straße Wißmar-Ruttershausen zur Zeit der Schießübungen :warnt.
Gießen, den 26. Juli 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Juli. Dem Vernehmen nach sind jetzt die ückäußerungen säst aller Bundesregierungen in der Frage :r Berliner Weltausstellung im Reichskanzleramte ngegangen und sollen dieselben im Großen und Ganzen zu- :mmend lauten. Da außerdem dem Reichskanzler zur Stunde rL die Mehrzahl der Antworten aus den wegen derselben ache befragten industriellen und gewerblichen Kreisen Deutsch- mds vorliegt, so handelt es sich eigentlich nur noch um die nrscheidung des Kaisers in Sachen des Ausstellungsprojectes. Bic verlautet, ist denn auch für nächsten Freitag Vortrag 's Reichskanzlers Grasen Caprivi beim Kaiser, dessen Rück- 'hr von seiner Nordlandsreise nach Potsdam im Lause des stmwoch erwartet wurde, im Marmorpalais zu Potsdam ^rreffs der Ausstellungssrage angesetzt. Die allerhöchste Ent- Yeidung in dieser schon so lange erörterten Angelegenheit ünbe demnach unmittelbar bevor und ist wohl nicht daran 1 zweifeln, daß sie eine dem großen Unternehmen der Berner Weltausstellung günstige sein wird.
Eine Meldung aus Ostasrika besagt, daß nach nem an der Küste verbreiteten Gerüchte Ches Johannes, r Befehlshaber der zur Bestrafung der Aufständischen im ilimandjaro-Gebiet abgegangenen deutschen Colonne, die Re- llen geschlagen habe. Eine Bestätigung des Gerüchts liegt >ch nicht vor, selbstverständlich wäre eine empfindliche Züch- lun9 der unbotmäßigen Häuptlinge am Kilimandjaro, durch elche die Bülow Truppe ihre vernichtende Niederlage erlitt, tr dringend zu wünschen.
Heueftc Nachricht*».
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Breslau, 26. Juli. Zur Verhütung der Einschleppung der Cholera verfügte der Regierungspräsident in Oppeln, die Eisenbahnreisenden sollen außer an den Grenzstationen auch an den Hauptknotenpunkten sanitäts- polizeilich untersucht werden, ebenso auf den österreichischen Grenzstationen, außerdem werden die Flußschifffahrt und der Floßereiverkehr der Ueberwachung durch die Sanitätspolizei unterstellt. Den russischen Auswanderern gegenüber sind ganz besondere Controlmaßregeln anzuwenden.
Paris, 26. Jnli. Das französisch-russische Comite für die russischen Nothleidenden ersuchte Loubet, bei den großen Creditgenossenschasten für die Veranstaltung einer Lotterie zu wirken, wodurch die pünktliche Absendung einer Million an die Nothleidenden Rußlands ermöglicht würde. Der Ministerpräsident sagte zu, sprach jedoch den Wunsch aus, das Project mit einem ähnlichen zu Gunsten der französischen Nothleidenden verknüpft zu sehen.
Paris, 26. Juli. Der Marineminister hat der Arsenalverwaltung Ruelle ausgetragen, die Arbeiten, betreffend die Umgestaltung der alten Geschütze, einzustellen und beschlossen,
Siebener Anzeiger
Keneral-Anzeiger.
Drr Mn« rrfdjnnt täglich, ■b Ausnahme bei . Montags.
Tit Gießener
»erben dem Anzeiger »Hchenllich dreimal beifelrgt
Ausland.
— Die österreichische Regirrvag wendet der von Rußland her drohenden Cho lerag e;^r in höchst anerkennens- werther Weise ihre ernste . Aufmerksamkeit zu. So hat Ministerpräsident Gras Taasse in seiner Eigenschaft als Minister des Innern die LanoeSbehorden von Lemberg und Czernowitz angewiesen, während der Dauer der Cholera-Epi« demie in Rußland den Uedertritt von Feldarbeitern aus russisches Gebiet und den Besuch russischer Märkte, sowie Wallfahrten nach Rußland zu untersagen. Ferner ordnete der Minister gegen die Maffenzuzüge der Israeliten zu den sogenannten Wunderrabbinern in Galizien und der Bukowina besondere Maßnahmen an.
— Was nun den augenblicklichen Stand der Cholera- Epidemie in Rußland selbst anbxlaugt, so läßt sich im Allgemeinen sagen, daß die Seuche in den unteren Wolga- Gegenden allmälich abnimmt, daß sie sich dafür aber im Dongebiet immer mehr ausbreitet - auch in den Cholera- districten jenseits des Kaukasus soll es noch schlimm aussehen. Characteristischer Weise hat in Npchni-Nowgorod am Mittwoch die Eröffnung der großen Sommermesse stattgesunden, obwohl 1 daselbst die Cholera täglich mehr Fortschritte macht. — Sollte man sich in den maßgebenden Petersburger Kreisen über die eminente Gefahr einer weiteren Verschleppung der Cholera durch die zahlreichen Besucher der Messe von Nischni- Nowgorod wirklich so sehr täuschen?
— Das neue griechische Cabinet Trikupis setzt in Verwirklichung der von ihm angeiundigten Ersparnißpolitik an einem merkwürdigen Punkte ein. Aus Athen wird nämlich der feste Entschluß der Regierung gemeldet, die meisten griechischen Gesandten im Auslande aus Ersparnißrücksichten ; baldmöglichst abzuber^sen. V^yrscheinkich sollen dann die Gejandtschastsgeschäfte nur noch durch Legationsseeretäre geführt werden, was aber schwerlich dem Ansehen Griechenlands entsprechen würde.
— Die türkische Regierung ist seit einiger Zeit damit beschäftigt, die unruhigen albanesischen Grenzstämme durch besondere Commissare zur Raison zu bringen. Dies ist bis jetzt auf gütlichem Wege auch nicht erreicht worden, doch scheinen nunmehr ernstere Schwierigkeiten aufzutauchen. Wenigstens ist der Gouverneur von Kossowo, Edhem Pascha, an der Spitze von sechs Bataillonen nach Pristina aufgebrochen, um die streitenden Albanesen-Stämme in dortiger Gegend zu „beschwichtigen". Daß Edhem Pascha zu diesem Beruhigungsgeschäft mit sechs Bataillonen ausrückt, ist immerhin eigenthümlich genug.
— In Genua, der Vaterstadt Christoph Columbus, wird die bevorstehende Jubelfeier der Entdeckung Amerikas durch glänzende Festlichkeiten begangen werden. König Humbert selbst gedenkt an denselben theilzunehmen und in der zweiten Augusthälste nach Genua zu kommen. Aus diesem Anlasse werden mehrere auswärtige Mächte Kriegsschiffe oder auch ganze Geschwader zur Begrüßung des Königs nach Genua entsenden. Genaueres hierüber ist indessen noch nicht bekannt, da nach einer Mitteilung des „Populo Ro- mano" der italienischen Regierung in dieser Beziehung noch keine Informationen zugegangen sind. Dieselben könnten auch nicht erfolgen, so lange der Minister des Auswärtigen die fremden Mächte über den Zeitpunkt der Anwesenheit des Königs in Genua offiziell noch nicht in Kenntniß gesetzt habe.
8ene|mt von Anzeigen zu brr Nachmittag« für den k»lgenden Tag erscheinenden Ne nmer bis vor«. 10 Uhr.
Lüttich, 26. Juli. Anarchistenproceß gegen M o in e aux und Genossen. Die Geschworenen bejahten die Frage wegen des Bestehens eines Complottes mit ein- sacher Majorität, ebenso diejenigen wegen der Existenz einer Verbindung zur Ausführung von Dynamitdiebstählen und einer solchen zur Zerstörung von Eigenthum, ferner die Frage wegen des Diebstahls und des Transportes von Explosivstoffen und Dynamit, wegen Hehlerei und wegen des Versuchs, die Pulvermühle von Ombret in die Luft zu sprengen, schließlich auch diejenige wegen der durch Explosionen herbeigeführten Zerstörung von Eigenthum. Die Geschworenen, welche sich um 93/4 Uhr in das Berathungszirnrner zurück- gHogen hatten, gaben ihr Verbiet um 2 Uhr ab- fast bei allen Fragen wurden die Unterfragen wegen Bewilligung mildernder Umstände verneint. Der Wahrspruch der Geschworenen wurde mit tiefem Stillschweigen ausgenommen. Das Urtheil lautet wie folgt: Moineaux 25 Jahre, Wolfs und Beaujean 20 Jahre, Mateyssen, Mareotty, Laeroix und Nossent 15 Jahre Zwangsarbeit, Hansen 10 Jahre Zuchthaus, Guilmot 3 Jahre Gesängniß- die Angeklagten Ehx, Naniot, Beduin, Charles und Jaeques, Berre, Hevsy und Schlebach wurden freigesprochen.
Bogota, 26. Juli. Heute ist hier ein Handelsvertrag zwischen Deutschland und Columbia von dem deutschen Ministerresidenten unterzeichnet worden.
Kopenhagen, 26. Juli. Ein Erlaß des Jnftizministers verbietet die Einfuhr von Lumpen und Hadern aus ganz Rußland.
Rewyork, 26. Juli. Reuter-Meldung. Ueberall herrscht ungeheuere Hitze. Mehrfach treten Stürme auf. Bei Wheeling, Westvirginia, ertrank eine Familie von neun Personen. Eine Tro mbe zerstörte Eisenbahnbrücken. In Baycity, Michigan, zerstörte ein Feuer vier Hotels, zwei Kirchen, etwa fünfzig Magazine und viele Gebäude. Der
Bekanntmachung,
detr. Ausbruch der Maul- und Klauenseuche zu Wieseck.
Nachdem in einem Gehöft zu Wieseck die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, haben wir die -pcrrc des betr. Gehöftes verfügt. Die Ausführung von lindoieh, Schafen, Ziegen und Schweinen aus der Gemark- ng Wieseck ist hiernach bis auf Weiteres nur auf Grund tierärztlicher Gesundheitsscheine zulässig.
Gießen, den 26. Juli 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, 25. Juli 1892. betreffend: Die Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen n die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises Gießen.
Unter Bezugnahme auf pos. I unserer Bekanntmachung am 25. Juni d. I. (Gießener Anzeiger Nr. 147) beauf- agen wir Sie, in Ihren Gemeinden/nochmals ausdrücklich kannt zu machen, daß die fünfstündige Beschäftigung der »ehülfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe, sowie er Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen an Sonn- und esttagen während der Stunden des Hauptgottesdienstes, als welche im Allgemeinen die Stunden von 9 bis 1 Uhr zu gelten haben, unterbrochen werden muß. — n diejenigen Bürgermeistereien, für deren Gemeinden die ! tunden des Gottesdienstes anders geregelt sind, ergeht I wndere Verfügung.
v. Gagern.


