Ausgabe 
27.11.1892
 
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Nr 278 Erstes Blatt

Sonntag ton 27. November

<892

Der

Mmt A«zei-«r erscheint täglich, Mi Ausnahme bei

Montags.

Die Gießener

»erden dem Anzeißer Wöchentlich dreimal d eigelegt.

Gießener Anzeiger

Keneral-Anzeiger.

viertelsahrlger ASo«uemeutiprelO< 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Potz bezog« 2 Mark 50 Psg

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Fernsprecher 51.

Amts- ttttb Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen.

Hratisönkage: Hießmer Jamirienkkätler

Alle Anvoncen-Vureaux del In. und Auslandes nehm«

Atntlicl^sv Theil

des

Berlin, 25. November.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmitta-I für den fnlgenden Lag erscheinenden Nummer bis vor». 10 Uhr.

Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde Obstbaues werden hierzu freundlichst eingeladen.

Gießen, den 25. November 1892.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen.

Nebel, Amtmann.

Gefunden: 1 schwarzer Boa, 1 Fächer, 1 Gummi­schuh, 2 Kellerfensterläden, 1 Verbindungszeichen, 1 Paar Handschuhe, Geld, 1 Photographie, 1 goldenes Medaillion und 1 Taschentuch.

Gießen, den 26. November 1892.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

durch Beschwerden bekleidet und aus- die Müheseligkeiten auf nassem Boden, nicht überwinden, Beinkleidern! So

Geschichtliche Wahrheit über die Landwehr.

Von Karl Bleibtreu (Charlottenburg).

DasMilitär-Wochenblatt" brachte bekanntlich, um für die Militärvorlage Stimmung zu machen, kürzlich einige Angriffe auf die volksthümliche Einrichtung der Landwehr.

Bei Vertheidigung heimischer Berge und Wälder haben sich Schweizer, Tyroler, Amerikaner Milizen letztere noch 1814 gegen Wellington'sche Veteranen vor New-Orleans stets jedem Heere überlegen gezeigt, und die Leistungen im amerikanischen Bürgerkriege stiegen zu ungeahnter Höhe. Und welche Dinge haben von Acker und Werkstatt soeben her­getriebene Nationalgarden und Conscribirte 1814 in Napoleons Händen vollbracht! Man denke an die heldenhaften Bauern in Kitteln, Zipfelmützen, runden Hüten des Corps Gerard und der Division Pacthod. Waren die Rekruten Napoleons 1813 besser gedrillt und hielten sich diese milchsuppigen Jüngelchen gegen preußisch-russische Garderiesen bei Lützen nicht überraschend gut?

Doch wir vergessen, es ist ja insbesonderS von der preußischen Landwehr die Rede gewesen, und um deren historische Proben handelt es sich. Lassen wir also ruhig die Thatsachen mit der verzerrenden Darstellung in dem Militär­wochenblatt abfinden!

socialen Verhältnisse künstlich zu hemmen und nehme immer seltsamere Formen an. Man kenne die Symptome des Uebels, ohne dessen Sitz zu berühren.

Berlin, 25. November. DerVoss. Ztg." wird aus Paris gemeldet, daß Journalist Deshoux vomMatin", welcher Bismarck interwiewte, in den nächsten Tagen die Mittheilungen des Fürsten veröffentlichen wird.

Berlin, 25. November. Der Hauptgewinn der sächsischen Lotterie von 500000 Mark ist auf Loos 67 832 gefallen.

Arnswalde, 25. November. Reichstags-Ersatz­wahl. Ahlwardt 5600, Waldow (cons.) 2253, Drave (freif.) 2494, Hobrecht (natlib.), 352, Millarg (Socialdem.) 873 Stimmen. Es fehlen noch 37 Ortschaften.

und Witterung, trotzdem sie viel besser gerüstet war. Die Landwehren konnten des steten Marschirens und Biwakirens an regengeschwollenen Flüffen, natürlich ohne Schuhe und Mäntel, mit leinenen

Es ist richtig, daß die Landwehr Blüchers nach der Katzbach'Verfolgung, welche alle Kräfte aufrieb, jede Wider­standsfähigkeit verlor. Ja, ein Theil wich von.der Fahne, weil die guten Leute das Elend nicht länger ertragen konn­ten und im Uebrigen ihre Schuldigkeit vollendet glaubten, deshalb gemüthlich nach Hause heimkehrten, um sich zu stärken. Aber auch die Linie litt außerordentlich

(gegen das Vorjahr 5 853803 Mark mehr), die der Reichs­eisenbahnen 35 845 000 Mark (1 226 000 Mark mehr gegen das Vorjahr).

schmolz z. B. ein einziges Bataillon aus 180 Mann, und die Landwehr verlor im Ganzen damals über die Hälfte ihres Bestandes.

Aber ein genauer Vergleich der Corpsstärken ergibt, daß die Verlustliste der Linie nicht so sehr viel schmaler ausfiel, da von etwa 83000 Mann Linie damals schon 15 274 Mann daraufgingen, etwas weniger als ein Fünftel. Diese Differenz ist in Anbetracht des bloßen zeitweiligen Desertirens vieler Landwehren, die später wieder zur Fahne stießen, nicht erheb­lich. Denn, wie gesagt, ließen Ausrüstung und Verpflegung der Linientruppen weit weniger zu wünschen übrig, und es wäre eine wahre Schande gewesen, wenn sie sich nicht bester gehalten hätten, als die armen Wehrmänner!

So allein sieht hier die Wahrheit aus und das Gleiche gilt für den Winterseldzug 1814 in Frankreich, in den auch jetzt noch die preußische Landwehr mit ungenügender Beklei­dung eintrat. Dann kann man sich über ihre reißende Ab­nahme unter Strapazen nicht wundern. Kommt aber die Kriegstüchtigkeit der Landwehr auf dem Schlachtfeld in Frage, so erscheint jede Herabminderung ihrer Verdienste als eine unritterliche Verleumdung.

Das 1. neumärkische Landwehrregiment verlor bei Dcnne- witz die Hälfte seiner Offiziere und 550 Mann, eine beredte Zahl, die für ausdauernde Feuerthätigkeit zeugt. Nur ein Linien- und ein Reserveregiment verloren mehr Mannschaften,

Deutsches Reich.

Berlin, 24. November. Nach der Milirärvorlage sollen neu errichtet werden: Infanterie: 173 vierte Bataillone bei jedem Regiment eins zu zwei Com­pagnien (133 preußische, 20 bayerische, 12 sächsische und 8 württembergische). Cavallerie: Ein Regiment zu drei Escadrons (Bayern), 9 Reserve - Stamm - Escadrons (acht preußische, eine sächsische). Fahrende Feldartillerie: 20 Abtheilungsstäbe (16 preußische, 2 bayerische, 1 sächsischer, 1 württembergischer)- 60 Batterien (48 preußische, 6 baye­rische, 3 sächsische, 3 württembergische)- außerdem ein Ab- theilungsstab und 3 Batterien bei der Feldartillerie-Schieß- schule (Preußen). Fuß-Artillerie: 2 Stäbe für die 5. und 6. Fußartillerie - Inspektion- drei Regimentsstäbe (Preußen)- 6 Bataillone (5 preußische, 1 bayerisches)- eine Compagnie (Sachsen), außerdem ein Bataillonsstab und eine Compagnie bei der Fußartillerie - Schießschule (Preußen). Pioniere: 3 Commandeure der Pioniere des 1., 15. und 16 Armeecoips Regiments-Commanoeure gegen Fort­fall von zwn Festungs-Jnspecteuren- 3 Bataillone (Preußen) - 1 Bataillonsstab und 1 Compagnie (Bayern), 2 Compagnien (Sachsen). Eisenbahntruppe n : Ein Regimentsstab (Preußen), 2 Bataillonsstäbe (Preußen), 9 Compagnien (7 preußische, 1 bayerische, 1 sächsische). Train: 1 Com­pagnie (Preußen), 17 Bespannungßabtheilungen für Fuß. arnllerie (14 preußische, 2 bayerische, 1 sächsische). Die zu je zwei Compagnien in der Stärke von zusammen 195 Unter­offizieren und Gemeinen geplanten vierten Bataillone der Infanterie sollen dem Zweck dienen, die Ausbildung sämmt- l.cher Diensttauglichen und zugleich die Durchführung der ver­kürzten Dienstzeit zu ermöglichen, indem sie die drei ersten Feldbataillone durch Ausbildung des Nachersatzes, der Ein­jährig.Freiwilligen, der Schulamtscandidaten, Abnahme des größten Theils der außerhalb der Front Commandirten und Uebernahme der Uebungen des Beurlaubtenstandes entlasten. Im Mobilmachungssalle werden sie die Ausstellung der Neu- und Reservesormationen erleichtern, ihnen einen festeren Halt geben und gleichzeitig die Feldbataillone von Abgaben ent­lasten. Sie beseitigen damit einen Uebelstand, der sich bei der bisherigen Organisation in einem geradezu bedenklichen Maße fühlbar machte.

DieVoss. Ztg." bemängelt den Gesetzentwurf bezüglich der Beschränkung der Aus­wanderung, welcher in offenbarem Gegensatz zu Artikel 11 der preußischen Verfassung stehe. Der Gesetzentwurf zeige, von welchem Geiste die Reichsregierung heute beseelt sei. Diese suche die natürlichen Wirkungen der politischen und

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 25. November. DerReichsanzeiger" meldet: Der Kaiser verbrachte eine gute Nacht. Der Erkältungs­zustand ist als beinahe überwunden auzusehen.

Berlin, 25. November. Die Centrumsfraction hat beschlossen, beim Reichstage einen Antrag aus Aufhebung des Jesuitengesetzes einzubringen.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 25. November. Das Abgeordnetenhaus wird, derNatlib. Correspondenz" zufolge, morgen bis zum 10. Januar vertagt. Die Niedersetzung einer einzigen Com- Mission für sämmtliche Steuervorlagen sei gesichert. Abg. Freiherr v. Huene soll das Präsidium der Commission erhalten.

Berlin, 26. November. DieNat.-Ztg." schreibt: Daß anerkennende Preßstimmen des Auslandes über die Rede des Reichskanzlers an der Spitze des nichtamtlichen Theiles desReichsanzeigers" verzeichnet seien, beweise nur das selbstverständliche Interesse Oesterreichs und Englands an dem Vorhandensein eines starken deutschen Hxeres. Der Versuch, durch Berufung auf Stimmen aus diesen Ländern die kritische Prüfung der Militärvorlage zu beeinflussen, sei ganz vergeblich.

Berlin, 25. November. Die Einnahmen der Po st­und Telegraphenverwaltung während der ersten sieben Monate des Etatjahres betragen 139 378 360 Mark

Bekanntmachung, betreffend den Oberhessischen Obstbauverein.

Herr Obstbautechniker Metz von Friedberg wird die nachstehend verzeichneten Orte zu den beigefügten Zeiten be. suchen und daselbst Vorträge bezw. Demonstrationen in den Baumstücken halten.

I. Lich, Samstag den 2«. d. M., Abends 8 llbr: Vortrag.

2. (Harb ent eich, Sonntag den 27. d. M., Nachmittags 3 Uhr: Vortrag; Montag den 28. d. M., Vormittags 9 Uhr: Demonstration.

3. Leihgestern, Montag den 28. d. M., Nachmittags 2 Uhr: Demonstration; Abends 8 Uhr: Vortrag.

4. Großen-Linden. Dienstag den 28. d. M., Nachmittags 2 Uhr: Demonstration; Abends 8 Uhr: Vortrag.

6 Lang. Göns, Mittwoch den 30. d. M., Nachmittags 2 Uhr: Demonstration; Abends 8 Uhr: Vortrag.

Bekanntmachung,

betreffend die Schafräude zu Climbach.

Nachdem die zu Climbach ausgebrochen gewesene Schaf­räude erloschen ist, haben wir die über die Gemarkung Climbach verhängte Sperre aufgehoben.

Gießen, den 24. November 1892.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, den 24. November 1892.

Betr.: Die Vertilgung der Mäuse.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

a« die Grotzh. vürgerrrreiftereieir de- Steifes.

Wir benachrichtigen Sie hierdurch, daß nach den bis jetzt eingelaufenen Berichten der Großh. Bürgermeistereien der gewünschte Erfolg von der Anwendung des Loeffler'schen Mäusebacillus nicht erzielt worden ist.

Die meisten Großh. Bürgermeistereien haben berichtet, daß man todte oder kranke Mäuse an den Stellen, woselbst das mit dem Bacillus durchtränkte Brod ausgestreut worden war, nicht wahrgenommen habe.

Einzelne Bürgermeistereien haben jedoch mitgetheilt, daß auf den Stellen, auf welchen der Mäusebacillus ausgestreut worden sei, eine Zeit lang keine Mäuse mehr beobachtet worden seien, daß jedoch kurze Zeit darauf sich wiederum auf denselben Stellen viele, wahrscheinlich von benachbarten Aeckern zugewanderte Mäuse gezeigt hätten.

Es scheint daher, daß die Angabe, daß durch die bacillen­haltigen Dejectionen der erkrankten, ferner durch Auffreffen der an dem Mäusetyphus verendeten Thiere diese Krankheit auch auf diejenigen Mäuse übertragen werde, welche von dem mit dem Bacillus inficirten Brode nicht gefressen haben, nicht in allen Fällen zutrifft. Da aber ein Reagenzglas des Loeffler- schen Mäusebacillus verhältnißmäßig sehr theuer ist, bei I. ß. Schwarzlose Söhne in Berlin 2 Mk. 50 Pf. kostet, so empfiehlt es sich, die Mäuse durch vergifteten Weizen rc.zu vertilgen.

Wir machen Sie jedoch darauf aufmerksam, daß nicht gestattet werden kann, daß die vergifteten Weizenkörner auf das Feld ausgestreut werden. Wir empfehlen Ihnen daher, dem Gemeinderath Vorlage zu erstatten, und falls in Ihren Gemeinden die Mäuse in bedrohlicher Weise überhand ge­nommen haben sollten, mit demselben darüber zu berathen und zu beschließen, ob die Mäuse nicht auf Kosten der Ge meinde durch vergifteten Weizen zu vertilgen seien.

Falls der Gemeinderath hierzu seine Zustimmung ertheilen sollte, dann sinh zuverlässige Männer mit dem Ausstreuen des vergifteten Weizens zu beauftragen und dieselben dahin zu instruiren, daß der vergiftete Weizen so tief in die Mäuse- löcher einzulegen ist, daß die Körner nicht von Vögeln, Hühnern, Fasanen rc. gefressen werden können.

Sollte der Gemeinderath die Vertilgung der Mäuse auf Kosten der Gemeinde ablehnen, dann wollen Sie, falls die Mäuse sehr überhand genommen haben sollten, die Grund­besitzer auf ortsübliche Weise zur Vertilgung der Mäuse durch vergifteten Weizen unter dem Anfügen ausfordern lassen, daß die vergifteten Körner so tief in die Mauselöcher einzulegen sind, baß sie nicht von anderen Thieren als Mäusen leicht gefressen werden können, und daß es untersagt ist, die ver­gifteten Körner auf dem offenen Felde auszustreuen.

v. Gagern.