Ausgabe 
27.4.1892
 
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schädigt, sondern auch zu einer scandalösen öffentlichen Calmität zu werden droht. Die Auswüchse moderner Bauspeculationen bringen es fertig, daß durch einen raffinirten Schwindel, dem strasgesetzlich oft gar nicht beizukommen ist, die Lieferanten und Bauhandwcrker um ihre Forderungen bei einem Neubau ganz oder theilweise gebracht werden. Das raffinirte Schwindelgebahren wird gewöhnlich auf folgende Weise zu Stande gebracht: Ein rasfinirter Bauunternehmer sucht sich einen Strohmann, d. h. er verkauft einen Bauplatz an eine vermögenslose Person unter der Bedingung, daß der vor­geschobene Strohmann ein schönes Haus auf der ihm ver­kauften Baustelle baut. Das erste Baugeld, sowie den Bau­platz selbst borgt der eigentliche Unternehmer dem Strohmanne und läßt sich dafür eine hohe erste Hypothek auf das Grund­stück eintragen. Es finden sich nun fast immer Lieferanten und Bauhandwerker, welche den Bau in Angriff nehmen und auf Grund kleiner Anzahlungen und späterer kleinerer Ratenzahlungen den Bau in der Hauptsache auf Credit vollenden. Die großen Restbaugelder kann der Strohmann dem Bauunternehmer natürlich nicht zahlen, das Haus kommt in Subhastation und wird dann von dem Inhaber der ersten Hypothek, d. h. dem eigentlichen Unternehmer billig erstanden und die Lieferanten und Bauhandwerker sind' um ihre Forderungen geprellt. Da ersahrungsmäßig solche Bau- schwindler vorzugsweise unerfahrene Leute aus der Provinz mit einigem Capital zu solchen Bauunternehmungen anzulocken pflegen, und da außerdem derartige Fälle nicht nur in großen, sondern auch in mittleren und kleineren Städten immer häufiger werden, so erscheint es dringend nöthig, die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese im Baugewerbe eingerissenen Mißstände zu lenken. Um hier aber auf gesetzlichem Wege Remedur zu schaffen, dazu sind die vorliegenden Schwierig­keiten fast zu groß, die durch die angedeuteten betrügerischen Manipulationen Geschädigten, also namentlich die Lieferanten und Bauhandwerker, müssen sich daher selbst möglichst gegen die Bauschwindler schützen. Dies kann in wirksamer Weise dadurch geschehen, daß sie keinen leichtsinnigen Credit mehr gewähren, wodurch schon viel verhütet ist, und daß sie außerdem sich selber die zweite oder doch wenigstens die dritte Hypothek bei dem betreffenden Bau sichern. Sollte es dann wirklich noch immer nöthig sein, zur Klinke der Gesetzgebung zu greifen, so könnte dann der Hebel vielleicht bei der Doppelbeschränkung des Creditgebens anzusetzen fein.

©rafcn Görtz. (Unsere aus zuverlässiger Quelle stammende , 9ioti$ in Nr. 95, wonach in den Reisedispositionen des Kaisers ; eine den Besuch in Schlitz ausschließende Aenderung eingetreten ! sei, bedarf sonach der Berichtigung. Red.)

-t Friedberg, 25. April. Am Sonntag Abend überfiel in einer dunklen Straße an der Stadtkirche ein Strolch den Wagner Haustein, schlug ihn auf den Kopf und suchte, nach­dem er dem Ueberfallenen die Uhr geraubt hatte, das Weite. Als Herr H. bald darauf in eine Wirtschaft kam, bemerkte er den Räuber an einem Tische sitzen. Der Räuber hatte nichts Eiligeres zu thun, als auszureißen, es gelang aber, ihn dingfest zu machen und der Polizei zu übergeben.

Vermischtes.

* Leipzig, 20. April. Congreß für innere Me- dlzrn. (Fortsetzung.) In der heutigen Nachmittags­sitzung machte nach einem kurzen Referate des Herrn Dehio (Dorpat) Herr time her (Basel) interessante Mttrheilungen über die durch einen menschlichen Parasiten (Distiomum haematobium) hervorgebrachte Bilharzia- Krankheit. Dieselbe kommt als Volkskrankheit im größten Stile vorzugsweise in Aegypten vor, wo ungefähr ein Drittel der eingeborenen Fellachen und Koptenbevöl'kerung davon be­fallen wird. Die ausgewachsenen Würmer leben beim Menschen im Blute der Pfortader, der Milz- und Mesenterialvenen, sowie der Venenplexus der Harnblase und des Mastdarms. Die klinischen Symptome bestehen besonders in schweren Er­krankungen der Harnorgane (zu Blutharnen führend) loroie in dysenterischen Prozessen des Mastdarms. Die Erkrankung der Harnorgane wird meist von schweren Steinleiden begleitet. Die Art der Jnsection geschieht am wahrscheinlichsten durch Genuß von die Parasiten, bezw. deren Eier enthaltendem Wasser. Die Würmer gelangen durch Durchbohren der Darm­wand in die venösen Gefäße. Im Anschluß an diese allgemeinen Mittheilungen berichtet der Redner über einen in Alexandria selbst beobachteten schweren Fall dieser Krankheit, der zum Tode führte- es gelang hier der Nachweis der Parasiten- Eier in den erkrankten Organen. Prof. Maxagliano (Genua) berichtete über die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Blutflüssigkeit- das Blutplasma, das unter pathologischen Verhältnissen durch Veränderung seiner Zu­sammensetzung (besonders Herabsetzung semes Kochfalzgehaltes) eine Zerstörung der rothen Blutscheiben herbeizusühren im Stande ist. Therapeutisch war der Autor in einer Reihe von Fällen im Stande, durch intravenöse Kochsalzinjectionen die krankhaften Veränderungen zu beseitigen. Professor Litten (Berlin) berichtete über eigenthümliche Blutbe- snnde bei einer anderen schweren Form von Bluterkrankung (Leukämie) und zwar mit besonderer Berücksichtigung eines ganz acut verlausenden Falles. Besonders bemerkenswerth ist, daß die genauesten Untersuchungen nach der bacterio­logischen Seite hin, welche im Institut für Jnfectionskrank- heiten in Berlin ausgeführt wurden, vollständig negative Er­gebnisse gehabt haben. Während die genannten Redner mehr die pathologisch anatomische, symptomatologische und ätiologische Seite der schweren Blutveränderungen ins Auge gefaßt hatten, brachte Herr Geheimrath von Ziemssen (München) einen Beitrag zur Behandlung schwerer anämischer Zustände mit Besprechung der Methode der sog. Bluttransfusion. Die Bluttransfusion, d. h. die Uebertragung von Blut eines gesunden Menschen auf einen anderen schwer anämischen wurde zu Heilzn^ecken zuerst 1850 durch Martin aufgebracht, dann durch die Thierblut­transfusion vorübergehend zu ersetzen versucht, und als diese

Gesundheitszustand und Sterblichkeits­verhältnisse im Kreise Gießen

im Jahre 1891.

3® Kreise Gießen ereigneten sich im Jahre 1891 im Ganzen 1562 Sterbesalle; hiervon entfallen 509 auf die Stadt Gießen und lUod aus den Landkreis.

. m Unter Zuarundelegung des Ergebnisses der VolkszLHIung vom 1. December 1890 berechnet sich die Sterbeziffer, b. b. die 8abl

Verhältnis; der Gestorbenen zur Gesammtzahl der Lebenden °u^/uckt für den Kreis mit 74321 Seelen aus 21,01°/«,, für die 20535 Einwohner zahlende Stadt Gießen, wie bereits in einer früheren Berichterstattung ausgeführt wurde, auf 24,74°/«, nach Abzug der verstorbenen Ortsfremden auf 17,01 °/«> und für den ^nmreis auf 19,58°/«,. Die genannte Sterblichkeilsziffer des Kreises bleibt hinter derienigen des Borjahres, das allerdings in Folge des ^U>emischen Austretens der Influenza eine außergewöhnlich hohe ^^?"chkett au zuweisen hatte, nicht unerhchiich zurück, erreicht auch nicht die Durchschnitts,iffer des letzten Jahrzehntes und ist ,m Verr gleiche zur durchschnittlichen Sterbeziffer des ganzen Landes gerina zu nennen. d

Dem Alter nach vertheilen sich die Sterbesälle auf 957 Er- ^'^u"d 605 Kinder unter 15 Jahren; von letzteren verstarbm 283 im Säuglingsalter und 322 im Älter von 2 bis 15 Jahren D" Sterbezahl der Erwachsenen stellt sich um 92 niedriger als in Dem durch eine hohe Erwachsenensterblichkeit ausgezeichneten Vorjahr und zeigt gegenüber dem absoluten Jahresdurchschnitt des letzten Decenniums zu seinen Gunsten eine Differenz von 3

Die. Sterbltchkeilsverhältnisse der Kinder im ersten Lebensjahre roaren günstige, namentlich in Folge der auffallend geringen Ver- brettung der Darmaffectiomn, durch die diese Altersklasse in hervor- rfl£eiJaen/ Weise bedroht zu sein pflegt. Es bethetligte sich die letzte, e mit 18% an der Gesammtzahl der Todessälle, während im All­gemeinen nahezu der dritte Theil (30%) sämmtlicher Gestorbenen dem ersten Lebenswahre angehört.

Mehr gesährdet waren im Berichtsjahre und zwar in Folge davon, daß gewisse Jnfecttonskrankheiten in erhöhtem Maße an der Sterblichkeit b-.hetltg, waren, di- Kinder v°n 2 dis 15 Jahren es stoben °°n dieser Alters Katcgo.ie 322, 42 mehr als im Vorfahre und 23 mehr als im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. M

Der Regel entsprechend nahm das dritte Quartal mit 314 Todes­fällen die günstigste Stelle ein, ihm reihten sich das vierte mit 375 das zweite mit 410 und das erste mit 463 Sterbefällen an. Das erfte Halbjahr weist 873 Todesfälle, also 184 mehr auf als das zweite Semester, in dem 689 registrtrt wurden. Von den Monaten zeigte der September wie gewöhnlich die geringste Sterblichkeit (88), ihm in aufsteigender Linie der October (101), Juli (112), August (114), Februar (126). Am meisten belastet ist, wie regelmäßig ^ber SfK1' «r "Siri1?? Todesfällen den günstigsten Monat um 102 üben trifft, ihm schließen sich an der Januar (147), December (144) Slpril (142), Mat (137). November und Juni weisen mit 130 bezw. 131 Todesfällen die Durchschnittszahl des Berichtsjahres auf

Epidemische und ansteckende Krankheiten hatten im ®an8c!\ Sterbesälle veranlaßt gegen 134 im Vorjahr. Die des Atzten Jahrzehnts betrug 155. Die Epidemte- AHfb9i*aC deziffert sich in der Berechnung auf 10000 Einwohner , .Sehr verbreitet waren Masern, die in 13 Orten des Kreises herrschten und 28 Todesfälle verursachten; danach durfte sich die den gewöhnlichen Procentsatz der Sterblich­keit von 1,5 vorausgesetzt, auf etwa 1866 belaufen haben. 93onua8; MACimh^adt Gießen die Gemeinden Beuern, Lollar, Lich und Alten-Buseck von der Seuche betroffen. Die Erfahrung lehrt, daß Kinder, welche an dieser Jnfectionskrankheit erkiankt sind °wir dieselbe übe,standen haben, eine g'ößere em--

r btQ8 K?Lh.ustencontagtum besitzen; so ist denn auch im Berichtsjahre in verschiedenen Orten des Kreises zu gleicher Zeit

mit oder bald nach dem Auftreten der Masern Keuchhusten beob­achtet worden. Ihm erlagen 13 Kinder, eine Zahl, welche die Höhe ver zehniährigfn Durchschnittsziffer annähernd erreicht.

. ® >5 ar la elfter blieb feit war, wie auch in anderen Kreisen,

eine auffallend geringe. Es ist nur ein Todesfall in Folge dieser 5trQnrbeit zu verzeichnen (Wiescck), während sich im Laufe der letzten haben 3a^tC durchschnittlich 18 Scharlach: Sterbefälle p. a. ereignet n,rh®1' ^un-krankh-Ilen (Diphtherie und Croup) Fallen zur Todesursache; von denselben treffen 55, zehnibh'igen Durchschnitt Übereinstimmende Zahl, auf 8 45A darunter allerdings 33 zum größten The«

nicht kreisangehörige Ortsfremde auf die Stadt Gießen. Vorwiegend wurden di- Gemeinden Gründer g, Großen-Buseck, Wteseck, n ®cllercn 14 Gemeinden wurden vereinzelte Opfer durch die Seuche gefordert.

"treulichen Rückgang zeigte im Vergleich mit den Vor- kommen nur 3 Todesfälle, je 1 in Gießen, Lumdoa und Ober-Besfingen vor.

eine P^son D,ermal den Tod herbei und an Ruhr verstarb

Friedberg, 25. April. Als gestern gegen Abend zwei Damen von Nieder-Wöllstadt, die in Offenheim bei Verwandten zu Besuch waren, mit ihrem Wagen zurückfuhren, scheute das Pferd an der Usabrücke bei Fauerbach und sprang über die Brücke, den Wagen und einen Theil des eisernen Geländers mit sich reißend. Bei diesem gefährlichen Sturze brach die eine der Damen das Bein am Schenkel und erlitt wahr­scheinlich innere Verletzungen, da Blutspeien eingetreten ist, die andere Dame trug einige leichte Hautabschürfungen da­von- der Kutscher sowie ein zwölfjähriger Junge kamen mit dem Schrecken davon.

r. Büdingen, 25. April. Eine Milchverkäuserin vom nahen Hof Thiergarten wurde gestern Vormittag bei ihrer Rückfahrt unweit der sog. Saline von einem jungen Burschen an gefall en und vergewaltigt. Der Thäter, Sohn eines hiesigen Landwirths, wurde heute Morgen ermittelt und gefänglich eingezogen.

A Mainz, 25. April. Um 4V2" Uhr heute Nachmittag rassirte der Kaiser, von Neunkirchen kommend, mittelst Sonderzug den hiesigen Centralbahnhof. Der Zug fuhr ohne anzuhalten durch die Station. Die seither für die Actionäre der Hessischen Ludwigsbahn am Tag der ordentlichen Generalversammlung auf allen Strecken genannter Bahn bestandene Freifahrt hört, nach einem von dem Verwaltungs­rath in seiner letzten Sitzung gefaßten Beschluß, mit morgiger Generalversammlung auf und haben die Actionäre für die Folge nur noch freie Hin- und Rückfahrt nach dem jeweiligen Orte der Generalversammlung. Die seitherige Einrichtung, ein Unicum in der Geschichte der deutschen Eisenbahnen, die derart ausgenutzt wurde, daß Kind und Kegel der Actionäre am Tag der Generalversammlung vom frühen Morgen bis zum späten Abend auf allen Strecken der Bahn herumfuhren, war für die Bahnverwaltung stets mit großen Kosten ver­bunden und bildete für wirkliche Reifende, welche die Ludwigs­bahn passiren mußten, immer eine arge Belästigung, so daß die Aenderung nur mit Freuden zu begrüßen ist.

Sörgenloch, 23. April. Auch eine Seltenheit! Sei den zwölf diesjährigen Erstcornmunicanten ist auch ein Kind, dessen leiblicher Vater im 81. Lebensjahre steht.

JwaUf und Provinzielles.

Gießen, 26. April 1892.

Tagesordnung fiir die Sitzung bet Stadverorbueteu Donnerstag den 28. April 1892, Nachmittags 4 Uhr: 1. Gesuch des Hülssvercins deutscher Reichsangehörigen zu Prag um Verwilligung eines jährlichen Beitrags. 2. Gesuch um Erlaß von Realschulgeld. 3. Die von Ludwig Seuling in der Bleichstraße besorgte Auffüllung. 4. Die aus dem Provinzialschulfonds für Oberbeffen zu zahlenden Zuschüsse zu Schulbesvldungen; hier: Ablösung derselben. 8. Errichtung einer Zapfstelle für Quellwasserversorgung auf dem Friedhof. 6. Gesuch des W. Friedel um Erlaubniß zur Aufstellung einer Dampfmaschine- hier: zur Verwendung von Braunkohlen. 7. Gesuch der I. Kann Söhne um Erlaubniß zur Erbauung eines Hintergebäudes. 8. Gesuch des Valentin Moser um Erlaubniß zur Herstellung einer Einfriedigung am Wiesecker- weg. 9. Die Grabenstraße- hier: Gesuch des Architecten Stein um Freigabe der von ihm gestellten Caution. 10. Die Ausführung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1891, die Ab­änderung der Gewerbeordnung betreffend- hier insbesondere die Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. 11. Die Feststellung des ortsüblichen Taglohns. 12. Die Kranken­versicherung der unständigen Arbeiter bei der Ortskranken­kasse- hier: Bewilligung einer Vergütung für den Rechner der Ortskrankenkasse rc. 13. Unterhaltung der Staatsstraßen innerhalb der Stadt Gießen- hier: die Uebernahme derselben Seitens der Stadt. 14. Gesuch des W. Seuling um Her­stellung einer Einfriedigung an der Schottstraße. 15. Ausbau der Steinstraße - hier: Herstellung einer unterirdischen Wasser­leitung rc. 16. Gesuch des Adam Uhl zu Gießen um Wirth- schastsconcession für das Haus Frankfurterstraße 95.

Alitefchule. Gestern Vormittag wurde demAlice- Verein für Frauenbildung und Erwerb" das Schulhaus am Oswaldsberg, nachdem dasselbe den Zwecken des Vereins entsprechend eingerichtet worden, übergeben, lieber die Er­öffnungsfeierlichkeit werden wir in nächster Nr. berichten.

Im Turnsaale der Knaben-Miitelschule in Darmstadt begann am 25. d. M. unter Leitung des Herrn Turninspectors Marx em vierwöchiger Turncursus für Volksfchullehrer. Aus jedem der 18 Kreise des Großberzogthums wurden zu dem- selben meistens zwei Lehrer auf Staatskosten entsandt Der Cursus erstreckt sich auf die practische Anleitung zur erfolg­reichen Ertheilung des Turnunterrichts in der Volksschule persönliche Vervollkommnung in den gymnastischen Hebungen' Besuche von Musterlectionen in den hiesigen Bildungsanstalten und aus Vorträge über die geschichtliche Entwickelunq des Turnwesens.

Verhaftet wurde gestern ein Schmiedelehrling, der einen Diebstahl begangen haben soll. Weiter verhaftet wurde ein Mann von Annerod, der mit Recruten des Guten wohl etwas zu viel gethan hatte- er machte fortgesetzt Scan- dal, so daß er arretirt werden mußte. Bei dem Transport nach dem Polizeigesängniß widersetzte er sich dem Schutzmann wollte diesem den Säbel abnehmen rc. Als dann Hülfe her­beikam, legte sich der Mensch auf den Boden und behauptete, er könne nicht weiter, so daß er mittels Karren in das Ge- sängniß verbracht werden mußte. Außerdem wurde ein junges arbeitsscheues Bürschchen festgenommen, das sich Nachts ohne Obdach in den Straßen und Anlagen Herumtrieb.

B. Bad Salzschlirf, 25. April. Heute Abend 8 Uhr traf ' Se. Majestät der Deutsche Kaiser mittelst Extrazugs dahier ein und fuhr per Wagen nach Schlitz zum Besuch des '

reu Wochenb-ttes wurden zwölsmal, darunter Wochenbettfleber siebenmal als Todesursache anaeaeben üehlcie G-melÄ m^ 6CI,iaU (ce,r Durchschnittszahl des letzten Decerntums. Gemeldet wurden 14 Erkrankungen an Puerperalfieber.

k 2)k hoben erroartungen, die mnn an die allgemeine Einfühlung der aseptischen Behandlung der Gebu.l knüpfte, haben sich bis jetzt ^?^^^b"rtSdtlflichen Privatpraxis der Hebammen nicht erfüllt, während die Entbindungsanstalten seit der Handhabung des anti- fepttschen Verfahrens in auffallendstem Gegenratz zu den traurigen ?er voranttsepttschen Zett vorzügliche Ergebnisse aufzuwetien ?egen der Antisepttk auch den außerhalb der An­stalten mit Hilfe der Hebammen ntederkommenden Frauen zu Tdeil den ersteren in Hessen die eingehendsten dtes- bezuglichen Vorschriften und Verhaltungsmaßregeln ertheilt worden, die indessen nicht überall die gehörige Beachtung gefunden haben.

Eine weitere sehr wichtige Einrichtung, der nach den bis jetzt Erfahrungen auch im Kreise Gießen, in welchem etwa 43/0 sämmtlicher Hebammen in der vorantisepttschenZett ihre Aus­bildung erhalten haben, der gewünschte Erfolg sicherlich nicht fehlen wird, wurde im Berichtsjahre getroffen. Es wurde die Einführung von Wiederholungscursen angeordnet, an welchen sich bereits 20 Heb­ammen des Kreises betheiligen konnten. Vom Publikum sollte man erroarkn, daß es von den Hebammen die Anwendung der neuen Behandlungsweise fordert und ihr nicht, wie dies vielfach geschehen, Widerstand entgegensetzt. v '

6cnounb vorherrschenden Krankheiten Berichtsjahre Lungentuberculose 203, im Vorjahre 220 Sterbefälle veranlaßt. Von je 10000 Einwohnern starben, wenn bi.e. tn Gießen verstorbenen nicht kreisangehörigen Ortsfremden ausschetdet, 24 Rechntt man ferner die in den Kliniken zu Gießen verstorbenen Angehörigen des Landkreises dem letzteren zu, dann ergibt sich daß ein Unterschied in der Häufigkeit der Lungentuberculose rm Berichtsjahre zwischen Stadt und Landkreis nicht bestanden hat.

Die acuten entzündlichen Erkrankungen der Ath- Son0c!znr6an!l ?arenr roie im Vorjahre sehr verbreitet und in ?^ ^2llen Todesursache; die zehnjährige Durchschnittszahl

. Z" acutem Gelenkrheumatismus starb eine Person; dem Gehirnschlagfluß erlagen 38, dem Darmcatarrh und Brechdurchfall 25 (zehnjähriger Durchschnitt 36), und anderen £<£aÄnnrCl? 763 Personen. Unbekannt blteb die

Todesursache in 101 Fallen.

. Eines gewaltsamen Todes verstarben 44 Personen 19 durch.Verunglückung, 23 durch Selbstmord (16 im zehn­tägigen Durchschnitt) und 2 durch Todtschlag und tödtlicher Körperverletzung.

Gießen, den 19. April 1892.

Großh Kreisgesundheitsamt.

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