Ausgabe 
27.4.1892
 
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Nr. 97

Der Eichener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener H»«m1ttcnötLiter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt

Mittwoch den 27. April

1892

Gießener Anzeiger

Henerat-Anzeiger.

Vierteljähriger AVonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogeu 2 Mark 50 Pfg.

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chratisöeikage: Hießener AamilienökätLer.

Alle Lnnoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlichem Theil.

Nr. 20 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 16. d. M., enthält:

(Nr. 2013.) Gesetz über die Abänderung des Gesetzes, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter, vom 15. Juni 1883. Vom 10. April 1892.

(Nr. 2014.) Bekanntmachung, betreffend die Nedaction des Krankenversicherungsgesetzes. Vom 10. April 1892.

Nr. 22 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 16. d. M., enthält:

(Nr. 2016.) Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1892/93. Vom 10. April 1892.

Nr. 23 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 20. d. M., enthält:

(Nr. 2017.) Uebereinkommen zwischen dem Reich und den Vereinigten Staaten von Amerika über den gegenseitigen Schutz der Urheberrechte. Vom 15. Januar 1892.

Gießen, den 25. April 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 23. April 1892.

Betr.: Die den Krankenkassen und örtlichen Stellen für die Einziehung der Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- Beittäge von der Versicherungs-AnstaltGroßherzog- thum Hessen" zu leistende Vergütung.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an sämmtliche mitErhebungderBeiträge betrauten Stellen des Kreises.

Die nachstehend abgedruckte Bekanntmachung Großherzog­lichen Ministeriums des Innern und der Justiz theilen wir Ihnen zur Kenntnißnahme mit.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Vom 23. März 1892.

An Stelle des § 10 unserer Bekanntmachung vom 30. September 1890 (Regbl. Nr. 32 von 1890) tritt mit Wirkung vom 1. Januar d. I. an folgende Vorschrift:

Die Versicherungsanstalt hat den Orts- und Innungs- Krankenkassen, Gemeindekrankenversicherungen, sowie den örtlichen Stellen für Jnvaliditäts- und Altersversicherung vier Procent, den Fabrik-(Betriebs-)Krankenkassen zwei Procent der von denselben zur Jnvaliditäts-und Alters­versicherung erhobenen Beiträge für die mit der Ein­ziehung dieser Beiträge verbundenen Geschäfte, ein­schließlich der Kaffen-, Rechnungs- und Registerführung, als Vergütung zu gewähren.

Darmstadt, den 23. März 1892.

Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz.

Finger.

Fey.

Bekanntmachung,

betreffend Prüfung im Hufbeschlag.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß durch Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 16. l. M., zu Nr. M. I. 10 799, zu Mitgliedern der nach § 1 der Verordnung vom'7. November 1885, die Ausführung des Gesetzes über die Ausübung des Hufbeschlags betreffend, für die Zeit vom 1. April 1892 bis dahin 1895 zu bestellenden Prüfungscommissionen folgende Personen ernannt worden sind:

Für die Provinz Starkenburg:

der Großh. Kreisveterinärarzt Dr. Weinsheimer zu Darmstadt,

der Schmiedmeister am Großh. Hofstall E. Mohrmann zu Darmstadt,

der Großh. Bürgermeister Müller zu Roßdorf, Kreis Darmstadt;

für die Provinz Oberhessen:

der Großh. Kreisveterinärarzt Professor Dr. Winckler zu Gießen,

der Lehrschmied an Großh. Veterinäranstalt Georg Lamberth zu Gießen,

der Rentner F. Georgi zu Gießen;

für die Provinz Rheinhessen:

der Großh. Kreisveterinärarzt Dr. Wollpert zu Mainz,

der Schmiedmeister August Liß mann zu Mainz, der Major a. D. Göbel zu Mainz;

als Vorsitzender der drei Prüfungscommissionen: der Großh. Obermedicinalrath Dr. Lorenz zu Darmstadt.

Gießen, den 23. April 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. April. Der bevorstehende Besuch des italienischen Königspaares am Berliner Hofe erhält durch den Umstand, daß Ministerpräsident Marquis di Rudini die Majestäten auf deren Reise nach Potsdam begleiten wird, eine ausgeprägt politische Umrahmung. Der Leiter der italienischen Gesammtpolitik wird bei seiner An­wesenheit am Berliner Hofe selbstverständlich eingehend Ge­legenheit haben, sich mit den maßgebenden politischen Persön­lichkeiten, in erster Linie mit dem Reichskanzler Grasen Caprivi selber, zu besprechen. Es kann wohl als feststehend betrachtet werden, daß diese zu erwartenden Besprechungen nach wie vor die völlige Uebereinstimmung in den Grund­linien der auswärtigen Politik Deutschlands und Italiens ergeben werden, so daß die hie und da aufgetauchten Be­fürchtungen, als ob die Stellung Italiens im Dreibunde besonders im Hinblick aus die jüngste italienische Minister­krisis und deren Ursachen einigermaßen schwankend ge­worden wäre, von vornherein als hinfällig erscheinen.

Heber die den preußischen Kriegsminister v. Kaltenborn-Stachau betreffenden Rücktrittsgerüchte ist bis jetzt noch nichts Zuverlässiges zu erfahren gewesen. Indessen kann es wohl als sicher gelten, daß der Kriegs­minister dem Kaiser noch kein formelles Entlaffungsgesuch eingereicht hat, es sind demnckch die hie und da schon ge­äußerten Muthmaßungen hinsichtlich der Person seines eventuellen Nachfolgers zunächst noch grundlos. Man erinnere sich jedoch dessen, daß Herr v. Kaltenborn längere Zeit leidend gewesen ist und genöthigt war, eine mehrwöchige Badekur vor Kurzem zu gebrauchen, so daß es allerdings nicht überraschend erscheinen könnte, wenn er im Laufe der nächsten Monate aus Gesundheitsrücksichten wirklich aus seiner Ministerstellung scheiden würde.

Dieunabhängigen Socialisten" regen sich jetzt auch in Sachsen. Am Sonntag fand in Dresden eine Versammlung oppositioneller Socialdemokraten statt, in welcher die Gründung eines Vereins unabhängiger Socialisten beschlossen wurde. Endgültige Beschlüsse in dieser Frage sollen indessen erst später gefaßt werden.

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Au-land.

Paris, 25. April. Um 3/410 Uhr Abends fand eine furchtbare Explosion statt im Hause des Schankwirths Very, wo Ravachol verhaftet wurde, 34 Boulevard Magenta. Der Laden des Wirths wurde gänzlich zerstört, Very selbst schwer verletzt, der Kellner l'Herot, sowie zwei Gäste leicht verletzt. Alle Vier wurden ins Hospital geschafft. Die Bombe war im Keller niedergelegt. Vier Personen wurden ver­haftet. Die Bombe war unter den Zinktisch niedergelegt vor dem kleinen Fenster des Weinschanks, die Lunte lief über das Trottoir und endete an einer Bank gegenüber dem Hause. Der Hergang wird so geschildert: Ein Unbekannter trat in das Schanklocal, bestellte ein Getränk und legte währenddessen die Bombe unter den Tisch. Dann zahlte er, ging hinaus und zündete die Lunte von außen an. Die Explosion zer­störte die Außenseite des Weinschanks und das Comptoir Verys, der sich in letzterem befand. Beide Beine wurden ihm zermalmt, er wurde sofort ins Hospital transportirt, wo eine Amputation der Beine vorgenommen wurde. Außer­dem ist eine 12jährige Tochter Verys verletzt. Im Locale waren zwei Gäste anwesend. Ein Photograph Hamond erlitt zahlreiche Wunden am Unterleib, Ganden, ein Typograph, wurde der Kinnbacken zerschmettert. Die Zahl der leicht­verwundeten Passanten wird aus 15 angegeben. Der Kellner l'Herot und Frau Very wurden vor Schreck halb wahnsinnig. Die Feuerwehr nahm sofort die Räumungsarbeiten vor. Die oberen Etagen des Hauses wurden nicht beschädigt. Der Polizeipräfect erschien um 11 Uhr am Thatort. Die Polizei verhaftete drei Tischlerei-Arbeiter, deren Unschuld sich im Verhör herausgestellt hat. Die Thäter sind bislang un- bekannt. (F. Ztg.)

Neneste Nachrichten.

WolffS telegraphische- Lorrespondenz-vureau.

Berlin, 25. April. Im weiteren Verlause der Arbeiter- wohlsahrtsconserenz sprachen Albrecht-Llchterfelde über

die Mitwirkung der Arbeitnehmer bei der Lösung der Woh­nungsfrage, Nußbaum-Hannover über die Einrichtung der Arbeiterwohnungen, Täglichsbeck-Berlin über die Beförderung der Ansiedelung der Arbeiter der Staatsbergwerke, Hütten­werke und Salzwerke durch Gewährung von Bauvorschüffen und Bauprämien seilens des preußischen Bergfiscus, Harms- Friedrichsorl berichtete über die dortigen Arbeitercolonien, Thiele-Hannover über die Colonie Leinhausen für die Arbeiter der dortigen Eisenbahnwerkstätte.

Berlin, 25. April. Die heutige Versammlung von In­teressenten für bie Chicagoer Ausstellung constituirte sich auf Vorschlag des Reichscommissars als ständiger Aus­schuß und Beirath des Reichscommissars. Da die Anmeldungen die für Jndustriegebäude verfügbaren 100,000 Ouadratfuß bereits überschreiten, wurde der Reichscommissär ermächtigt, Anmeldungen, welche keiner Collectiv-Vereinigung angehören, den Fachmitgliedern des Ausschusses behufs Ausscheidung un­geeigneter Objecte zur Begutachtung zu unterbreiten. Bezüg­lich der Raumvertheilung wird der Reichscommissär mit den Gruppenvorständen sich benehmen und die Vertheilung an die einzelnen Mitglieder der Gruppen überlassen.

Berlin, 25. April. DerReichsanzeiger" schreibt: Der frühere persische Gesandte in London, Malcom, hatte wiederholt versucht, eine Vollmacht für eine persische Lotterie' Anleihe zu seinem eigenen Nutzen zu verwerthen. Er ist deßhalb aus dem Persischen Dienste entlassen und des Landes verwiesen worden. Selbstverständlich ist die Vollmacht in den Händen Malcoms rechtlich bedeutungslos. Vor Erwerbung derselben wird gewarnt.

Bremen, 25. April. Einem dem Norddeutschen Lloyd aus Santos zugegangenen Telegramm zufolge nimmt das gelbe Fieber in Rio und Santos ab. Die Mannschaften der daselbst befindlichen LloyddampserGras Bismarck" und Köln" befinden sich wohl.

Paris, 25. April. Ein Erlaß des Kriegsministers Frey- cinet, betreffend die Formation eines militärischen Velo- cipedisten-Corps und ein für dasselbe bestimmtes pro­visorisches Reglement, wird heute amtlich publicirt. Das Velocipedisten-Corps wird 3100 Mann umfasse.!, die auf die verschiedenen Generalstäbe und Truppenkörper vertheilt und vorläufig mit Cavallerie-Carabinern, später mit Revolvern ausgerüstet werden sollen. Die Verwendung des Corps soll im Allgemeinen auf den Ordonanz - Dienst beschränkt bleiben.

Paris, 25.April. Die zuletzt verhafteten Anarchisten werden in Folge der Ergebnisse der Untersuchung in Mazas internirt. Dem Vernehmen nach sollen gegen die fremden Anarchisten strenge Maßregeln ergriffen und viele ausgewiesen werden.

Depeschen deS23ureau Herold".

Brüssel, 26. April. Eine heute an der Nationalbank in Charleroi gefundene Bombe enthielt Dynamit genug, um die Oeffnung zum Kaffenraum von der Straße aus zu sprengen. Die Thäter sind unbekannt.

Rom, 26. April. Zum 1. Mai werden alle Auszüge und Versammlungen verboten. Eine diesbezügliche Kundmachung der Polizeidirection erscheint morgen. In Como wurden fünf, in Genua dreißig, in Brescia vier An­archist en verhaftet.

Paris, 26. April. Bei der Explosion im Restaurant Very wurden fünf Personen erheblicher verletzt, elf Personen befanden sich im Restaurant. Der Kellner l'Herot, welcher seinerzeit die Festnahme Ravachols veranlaßte, befand sich im Restaurant und blieb unverletzt. Zwei Individuen, welche im Restaurant gespeist hatten und sodann die darüber liegenden Hotelzimmer miethen wollten, jedoch abgewiesen wurden und daraus verschwanden, werden verdächtigt. Der Restaurateur Very ist gestorben.

Darmstadt, 26. April. Die Königin Victoria von England, die Prinzessin Beatrice nebst Gemahl trafen heute Vormittag 9 Uhr mittelst Extrazug hier ein. Wegen der Trauer sand kein officieller Empfang statt, nur der Groß- Herzog und die gesammte Großherzogliche Familie waren am Bahnhof. Die Königin fuhr in offenem Vierspänner mit dem Großherzog zum neuen Palais, wo Absteigequartier genommen wurde. Aussehen erregte die schottische und die indische Dienerschaft in Nationaltracht.

Der Schwindel im Baugewerbe.

In das Baugewerbe, oder vielmehr in die Bauunter- nehmungen großer Städte, hat sich in den letzten Jahren ein chwindelhastes Gebühren eingeschlichen, welches nicht nur die oliden Grundbesitzer und Bauhandwerker in hohem Maße