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Rr. 96 Erstes Blatt

Dienstag den 26. April

1892

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Kenerat-Anzeiger

Schntfiratze^r.^..

Amts- und AnzeiSelrlatt für drn Arers Gio^en.

Hratisöeikage: Hießener Jamikienbtätter

Aintlichev Theil

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für btw folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr.

Alle Lnnoncen-Bureaux deS In- uh» Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Neueste Nachrichten.

WolfiS telegraphisches Lorresponbenz-Hureau.

Wien, 24. April. Das Radetzky-Denkmal wurde heute Mittag in Anwesenheit des Kaisers, der Mitglieder des österreichischen Herrscherhauses, der in Wien anwesenden Fürst­lichkeiten und zahlreicher Würdenträger vom Militär und Civil aus der ganzen Monarchie feierlichst enthüllt.

Eisenach, 24. April. Se. Majestät der Kaiser ist heute Vormittag um 11 Uhr nach Neunkirchen abgereist. Der Großherzog von Sachsen-Weimar gab Allerhöchstdemselbcn bis zum Bahnhofe das. Geleit. Das zahlreich versammelte Publikum begrüßte Se. Majestät mit lebhaften Zurusen.

Berlin, 23. April. Das unerwartete Hinscheiden der Großherzogin-Mutter von Mecklenburg-Schwerin hat auch eine Veränderung in den Reisedispositionen Kaiser Wilhelms veranlaßt. Der erlauchte Monarch gedachte nach Beendigung seines Aufenthaltes auf der Wartburg zunächst nach Hessen weiterzureisen, statt dessen begab er sich am Sonnabend Nachts von Eisenach nach Schwerin, um der Beisetzung der irdischen Ueberreste der Großherzogin Alexan­drine beizuwohnen. (Siehe indeßNeueste Nachr.")

Die jüngste Sitzungsperiode des deutschen Colo- ni alrathes ist am Freitag durch den Vorsitzenden, Wirkt. Geh. Legationsrath Dr. Kayser, geschlossen worden. In der Schlußsitzung stimmte der Colonialrath zunächst einer Resolution des Ausschusses zu, betreffend die Regelung der Zollfrage in den deutschen Schutzgebieten. Weiter hieß die Versammlung den Ausschußantrag gut, wonach für die Schutz­gebiete als Ersatz für die einstweilen nicht durchführbare Vermehrung der Zollstellen schnellsegelnde Zollkutter beschafft werden sollen. Hinsichtlich der Sclavereifrage beschloß der Colonialrath, den Behörden in den Schutzgebieten auszugeben, nach den vom Colonialrath aufgestellten Gesichtspunkten Er­mittelungen einzuleiten, die einer Regelung der Sclaverei­frage zu Grunde gelegt werden könnten. Ferner genehmigte die Versammlung Resolutionen des Ausschusses, welche sich auf Strafbestimmungen hinsichtlich des Sclavenraubes und auf Aufwendung größerer Mittel zur Bekämpfung des Sclavenraubes und des Sclavenhandels beziehen. Zuletzt nahm die Versammlung eine von den Mitgliedern Fürsten Hohen- I lohe-Langenburg und Staatsminister v. Hofmann gestellte Resolution an, .welch.' den Wunsch ausspricht, daß bei Regelung des Auswandcrungswesens auch aus Hinleitung der deutschen Auswanderung nach den hierzu geeigneten Theilen der Schutzgebiete Rücksicht genommen werde, und I daß dem Colonialrath der Entwurf eines AuSwanderungs- | gesetzes thunlichst noch vor Zusammentritt des Reichstages I vorgelegt werden möge. Am Ende der Sitzung dankte I Geh. Legationsrath Dr. Kaiser den Anwesenden für ihre I aröeitsfreudige Betheiligung, worauf Namens der Versamm- I lung Fürst Hohenlohe-Langenburg dem Vorsitzenden Dank I ür die umsichtige Leitung der Geschäfte aussprach.

Unterstaatssecretär Magdeburg im Handels- I Ministerium soll zum Nachfolger des Grafen Eulenburg im Oberpräsidium von Hessen-Nassau auser­sehen sein.

Deutsches Aeich.

Darmstadt, 23. April. Wegen des Ablebens Ihrer Königlichen Hoheit der verwittweten Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin ist aus Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer von 14 Tagen angeordnet worden, welche mit der bereits bestehenden getragen wird.

Darmstadt, 23. April. Die Königin Victoria von England trifft Dienstag Vormittag 9 Uhr 25 Min. hier tin und wird, wie vor zwei Jahren, im neuen Palais ab- 'teigen. Sie gedenkt bis zum 2. Mai hier zu verweilen.

Gießen, den 25. April 1892. Betr.: Die Ausführung des Landesfeuerlöschordnung. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen sm die Grotzh. Bürgermeistereien de- «reifes.

Unter Hinweis auf unsere desfalls bereits ergangenen speciellen Verfügungen eröffnen wir Ihnen, daß wir die Firmen, welche sich um Aufträge zur Lieferung von Feuer­löschrequisiten für die Gemeinden des Kreises bewerben, ein­geladen haben, Proben ihrer Fabrikate

Freitag den 6 und Samstag den 7. Mai L I. im Regierungsgebäude dahier zur Ausstellung zu bringen und bezw. ihre Vertreter hierzu zu entsenden.

Wir empfehlen Ihnen, sich zu dieser Ausstellung, welche am 6. Mai Vormittags von 10 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 4 Uhr, am 7. Mai von 9% Uhr Vormittags bis 121/a Uhr Mittags geöffnet sein wird, an einem der beiden Tage einzufinden. Die Kreisfeuerwehrinspectoren werden zugegen sein, um Sie mit ihrem Rathe zu unterstützen und etwaige Anfragen zu beantworten. Wir überlassen es Ihnen zwar, wie erwähnt, an welchem der beiden Tage Sie die Ausstellung besuchen wollen, bemerken indessen, daß Samstag den 7. Mai, Nachmittags 2 Uhr, Herr F. W. Feller, Vorsitzender des Oberhessischen Feuerwehrverbandes, im Saale des Cafe Leib (Gühlholtz), Wallthorstraße, einen Vortrag über die zweckmäßige Bekämpfung von Schadenfeuern halten wird, und stellen Ihnen anheim, diesen Vortrag sowohl selbst zu besuchen, als auch die 'Befehlshaber und Vorstände Ihrer Pflichtfeuerwehren und freiwilligen Wehren zur Beiwohnung und Besichtigung der Ausstellung zu veranlassen, mit dem Anfügen, daß wir es für gerechtfertigt erachten, die eventuellen Diäten der Befehlshaber der Feuerwehren auf Ihre Gemeinde­kassen zu übernehmen.

v. Gagern.

Cocalcs unb provinzielles, Gießen,. April 1892.

Militärdieustnachricht. Beck, UHlerarzt vom Ins.- Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 zum 1. Großh. Hess. Jns.-(Leibgarde-) Regt. Nr. 115 versetzt.

Verhaftet. Am vergangenen Samstag wurden zwei Knechte verhaftet, die ein Sittlichkeitsverb rechen be­gangen hatten. Gestern wurde eine Frau verhaftet, welche einer armen, mit ihr in einem Hause wohnenden Witttwe

Im Großherzogthum Baden begeht man am 29. April die officielle Feier des vierzigjährigen Regierungs­jubiläums des Großherzogs Friedrich. Am ge­nannten Tage werden voraussichtlich in allen Städten des Landes einheitlich Festacle abgehalten werden, während der Festempfang am Hofe von Karlsruhe selbst nur ein be­schränkter sein wird, da sich Großherzog Friedrich von seiner jüngsten Krankheit noch nicht gänzlich wieder erholt hat. Ueber eine militärische Feier des Jubiläums scheinen abschließende Dispositionen noch nicht getroffen zu sein.

Berlin, 23. April. DerReichsanz.", die Reform der directen Staats st euer und der Communal- b e st e u e r u n g besprechend, erklärt, das über Erwarten günstige Ergebniß der neuen Einkommensteuer-Veranlagung gestatte, das Mehrergebniß der letzteren lediglich zu weiterer Durch­führung der Reform und Entlastung der Steuerpflichtigen zu verwenden. Der Staat werde aus vier Fünftel der Grund- und Gebäudesteuer verzichten können. Bei stärkerer Heran­ziehung des fundirten Einkommens werde der Staat auf die gesammte Grund- und Gebäudesteuer verzichten. Das Finanz. Ministerium hat sich mit der Prüfung der Frage besaßt, die Vorlage sei für den nächsten Landtag zu erwarten.

Berlin, 23. April. DieVoss. Ztg." meldet aus Sofia : Die Polizei entdeckte in Ruftschuck gelegentlich einer Haus- suchung bei dem Armenier Garabet 14 mit Eisenstücken ge­füllte Dynamitbomben, welche in Galatz gefüllt worden waren. Die Haussuchung geschah infolge einer Information der türkischen Polizei. Es scheint ein neuer Anschlag gegen bulgarische Staatsmänner geplant gewesen zu sein.

Berlin, 23. April. DieAllg. Reichscorr." meldet aus Petersburg vom 21. April: Neue, dem Finanzministerium I vorliegende Nachrichten constatiren die eingetretene Ver- I schlechterung des Standes der Wintersaaten im I südwestlichen Rußland. Die Gestaltung der Ernte hänge I mehr als je vom Eintreten des Mairegens ab.

Schwerin i. M., 23. April. Am Montag und Diens- I tag in der nächsten Woche findet die öffentliche Aus- bahrung der Leiche der verstorbenen Großherzogin Alexandrine tatt. Am Mittwoch 2 Uhr 30 Min. Nachmittags erfolgt die eierliche Beisetzung. Zu derselben werden Großsürst Wladimir und Gemahlin am Sonntag erwartet.

Bekanntmachung.

Herr Landwirthschaftslehrsr Leit Higer von Alsfeld wird Sonntag den 1. Mai 1S92 in Hausen einen Vortrag über die rationelle Bewirthschaftung des Bauern­gutes, insbesondere mit Berücksichtigung der künstlichen Dünge­mittel halten.

Alle Mitglieder des landwirlhschaftlichen Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung ergebenst eingeladen.

Gießen, den 28. Januar 1892.

Der Director des landw. Bezirksvereins Gießen. Jost.

Bekanntmachung.

betreffend Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach, hier den allgemeinen Meliorationsplan für den II. Bereinigungsbezirk.

In der Zeit vom 22. April bis 5. Mai l. Js. liegen die Arbeiten des ersten Hauptabschnittes des II. Be­reinigungsbezirks (Feld zwischen der Kreisstraße nach Garben­teich und dem alten Anneroder Weg) nämlich: der allgemeine Meliorationsplan mit Erläuterungsbericht nebst den dazu er­gangenen Beschlüssen der Vollzugscommission und dem Protokoll über die Prüfung dieser Arbeiten auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Steinbach zu Jedermanns Einsicht offen.

Termin zur Entgegennahme von Einwendungen gegen oiese Arbeiten habe ich auf Freitag den 6. Mai l. I., NachmiÄ^as von 3 bis 5 Uhr, in das Rathhaus zu SteinvHch .anberaumt. Die in diesem Termin nicht Er­scheinendes find mit Einwendungen ausgeschlossen.

Gießen, den 16. April 1892.

Der VollzugScommissär: Nebel, Amtmann.

Ausland.

Wien, 23. April. Nach einer Meldung derPolitischen Correspondenz" aus Rom werden der König und die Königin auf ihrer bevorstehenden Reise nach Potsdam von dem Ministerpräsidenten di Rudini begleitet werden.

Budapest, 23. April. Die öffentlichen Arbeiter- l Auszüge und Demonstrationen am 1. Mai sind ver­boten. Die hiesigen Arbeiter beschlossen, einen einfachen Ausflug nach außerhalb zu machen. Eine Broschüre, betitelt: Der erste Mai 1892", welcher die Wichtigkeit des irner- I nationalen Feiertages betont und den Achtstundentag und I das allgemeine Stimmrecht fordert, wird in 40,000 Exemplaren I vertheilt.

Vern, 23. April. Das von der Socialdemokratie gegen das neue Auslieferungsgesetz geplante Referendum ist wegen der ungenügenden Zahl von Unterschriften gescheitert.

Paris, 22. April. Im Laufe des Tages wurden hier noch vier Anarchisten verhaftet. In Argenteuil wurden drei Anarchisten verhaftet. Die beschlagnahmten Papiere I ergaben, daß die Anarchisten beschlossen hatten, am 1. Mai I die Kirche, die Mairie und das Polizeibureau in die Lust zu I sprengen. Die Gesammtzahl der verhafteten Anarchisten be- I trägt gegenwärtig 51, weitere Verhaftungen sollen heute Vor- I mittag vorgenommen werden.

I Rom, 23. April. Die internationale Conferenz der I Vereine vom Rothen Kr e uz stimmte der vom internationalen Comite beantragten Tagesordnung, betreffend Verhinderung der Mißbräuche mit dem Abzeichen des rothen Kreuzes, zu, I und beschloßene' najlonal-n Comites znm Studium von I Mitteln aufzufordern, um nichttransportablen Verwundeten Aufenthalt und Verpflegung an gesunden Orten zu sichern.

I London, 23. April. DemStandard" zufolge dürfte I das Gerücht von einer bevorstehenden Unabhängigkeits­erk lärüng der brasilianischen Provinzen Rio Grande und San Paulo jeden Tag Bestätigung erfahren.

London, 23. April. Der französische DampferCanada", welcher für Colon unterwegs ist und im Hasen von Puerte Cabello in der Nacht vom 5. April vor Anker gehen wollte, wurde von der Hafenwache verfolgt und wegen eines Miß­verständnisses für das dem früheren Präsidenten von Venezuela, Rojas Paul, gehörige Schiff gehalten. Die Wache gab Feuer aus ihren Remingtongewehren aus den aus der Commando- brücke stehenden Capitän, welcher mit Mühe dem Tode ent­ging. Es sind keine Reisenden verwundet.

Paris, 23. April. Den Anarchisten wird trotz der letzten Massenverhastungen der Plan zugeschrieben, am 1. Mai in den von der Polizei entblößten Vororten einen Handstreich auszuführen, womöglich in Paris selbst einen der großen Waarenbazare zu plündern.

Petersburg, 23. April. Die Gesuche um Gestattung der Haferausfuhr aus Libau, der Kornausfuhr aus Süd­rußland wurden abschlägig beschieden,- das Verbot soll bis zum September fortdauern.

Petersburg, 23. April. In Jekaterinoslaw wurde eine nihilistische Verschwörung und eine den Nihilisten gehörende Geheimdruckerei entdeckt. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen.

Petersburg, 23. April. Der Kaiser ist auf einige Seit nach Petersburg übergesiedelt und bewohnt hier zum ersten Male während seiner Regierung das Winterpalais.

Der

>i«fcener «Ztnjeiger erscheint täglich.

mit Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener M«mitienb kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.