Esealer uttö provinzielles.
Gießen, 23. Mai 1892.
— Die Seiet bet Grundsteinlegung für die zweite evange. lischt Kirche sand heute Vormittag 11 Uhr unter Theilnahme von zahlreichen Gemeindeangehörigen, Vertretern der Regierung, des Kreisamts, der Geistlichkeit, des Militärs, der Universität, der Stadt, der Schulen usw. statt. Indem wir uns einen besonderen Bericht für die nächste Nummer Vorbehalten, theilen wir hier nur den Wortlaut der Urkunde mit, welche in den Grundstein gelegt wurde. Die Urkunde lautet:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes!
ho i 1892, feiert die evangelische Gemeinde Gießen die Grundsteinlegung für eine zweite evangelische Kirche
Mit dem Bau dieser Kirche soll einem in der Gemeinde längst vorhandenen Bedürfntß abgeholfen und ein von Vielen aebeater Wunsch erfüllt werden. Unsere Gemeinde, über 17000 Seelen um-
. — einen Pfennig. Der Landwirth CH. Z. IV. in Weiskirchen, der an den wohlhabenden Rentner M. M. daselbst zu Anfang dieses Jahres Kaufschilling zu entrichten hatte, glaubte im Vorjahre einen Pfennig zu viel gezahlt zu haben, und sich deßhalb bei der diesjährigen Schuldabtragung durch Abzug eines Pfennigs schadlos halten zu sollen. Der Gläubiger aber wollte sich unter keinen Umständen hierauf etnlassen und so entstanden zwischen den beiden Theilen Zwistigkeiten. Endlich schien die Sache geschlichtet zu sein, indem der Schuldner Z. seinen hartnäckigen Gläubiger durch Zahlung des strittigen Pfennigs befriedigte. Nachträglich aber erfuhr M., daß seine eigene Schwiegertochter, Frau R. M. zu Weiskirchen, den Pfennig dem Z. vorher übermittelt hatte, um aus diese Weise die Streitigkeiten zu besei» Ngen. M. ließ aber den Pfennig nun nicht mehr in seinem Besitze, trug ihn vielmehr aus die Bürgermeisterei zur Zurücklieferung an den Schuldner Z. Dieser aber fühlte sich durch die ihm widerfahrene Behandlungsweise an seiner Ehre verletzt und strengte gegen M. eine Beleidigungsklage an. Der Sühneversuch vor der Bürgermeisterei Weiskirchen blieb erfolglos, ebenso der Vero.leichsvorschlag am Seligenstädter Schöffengericht. M. war durch Herrn Rechtsanwalt Freund aus Offenbach verbeistandet, während sich Z. durch Herrn Rechtsanwalt Dr. Schödler von Darmstadt vertreten ließ. Nach längerer Verhandlung wurde M. der Beleidigung des Z. für schuldig befunden und in eine Geldstrafe von 20 Mk., sowie zur Tragung der ansehnlichen Kosten ver- urtheilt.
Citeratur unö Rrrnst.
— Die vorliegenden neuesten Bände von GrrgelhorrrS fllb gemeiner Romanbibliothek (Verlag von I. Engelhorn in Stutt- aan) bezeugen in Form, Inhalt und Ausstattung, daß die Verlags- Handlung bemüht ist, die Perlen deutscher Romanliteratur dem Volke so leicht wie möglich zugänglich zu machen. Die „Romandibliolhek" beging vor Kurzem a.wissei maßen «in Jubiläum, indem der 200. Band seine Reise in die Lestrwelt antrat, gewiß ein Bewrtö, daß das Un»
Die Berliner Weltausstellung.
Die Vorerörterungen zu dem Plane, in der deutschen Reichshauptstadt eine Weltausstellung zu veranstalten, sind allmälig so weit gediehen, daß man mit dem Dichter auö- rusen kann: „Der Worte sind.genug gewechselt, nun laßt mich endlich Thaten sehn!" Es sind zahlreiche Gutachten auS den industriellen, wie commerziellen Kreisen Deutschlands über das Project eingefordert worden und auch eingelausen, «an hat in den städtischen Vertretungen Berlins daffelbe eifrig besprochen und schließlich einstimmig befürwortet, und es ist endlich auch die «eichsregierung über ihre Stellung zu dem Berliner Weltausstellungsplane sondirt worden. DaS letztere ist bekanntlich durch die Entsendung der Deputation des deutschen Handelstages au den Reichskanzler geschehen, und wie ja weiter bekannt, hat sich Graf Caprivi wohlwollend über den Plan geäußert, ohne natürlich besondere bindende Erklärungen abzugeben. Die eigentliche Stellungnahme der deutschen Regierung zu dem Unternehmen, das sich in seinen Consequenzen allerdings als eine nationale und hochpolitische Angelegenheit darstellt, wird aber nun durch ein bestimmteres Vorgehen der communalen wie commerziellen und industriellen Vertreter Berlins bedingt. Die Reichshauptstadt ist ja der nächste Interessent in der Angelegenheit und so müssen denn auch aus ihrer Mitte die nächsten ferneren Schritte zur Verwirklichung des gesammten Planes erfolgen.
In der That scheint jetzt die hierauf zielende Bewegung in Fluß zu kommen. Wie Berliner Blätter melden, sind vom Vorstande des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller nunmehr Eingaben im Sinne einer Befürwortung des Weltausstellungsunternehmens an den Reichskanzler wie an den Staatssecretär im Reichsamte des Innern, Herrn v. Bötticher, und an den Handelsminister Frhrn. v. Berlepsch gerichtet worden. Don den Rückäußerungen dieser maßgebenden Regierungsvertreter dürste die weitere Wendung in der Angelegenheit abhängen, indessen steht zu erwarten, daß man von all den genannten amtlichen Stellen sich sympathisch zu dem Werke stellen wird, dessen energische Durchführung zweifellos dem Ansehen der deutschen Industrie und des deutschen Namens im Auslande zu Gute kommen muß. Der nächste Hauptpunkt ist freilich die leidige Geldfrage, man darf aber wohl erwarten, daß die Stadt Berlin und die eommerziellen und industriellen Vertretungen der deutschen Hauptstadt einen Garantiefonds beschaffen, der als Grund, stein für die finanzielle Basirung des Unternehmens genügen dürfte. Berlin hat schon oft bewiesen, daß es trotz seiner bekannten Sparsamkeit mit dem Gelde nicht geizt, wenn es sich um wichtige Dinge handelt, es wird darum auch in der Frage der Weltausstellung gewiß mit Freuden zu vorläufigen finanziellen Opfern bereit sein.
Nach der Zeichnung des Garantiefonds für die Ausstellung seitens der interessirten Berliner Kreise würde nun allerdings an die Regierung die Forderung herantreten, auch ihrerseits ein Unternehmen zu unterstützen, das zur Festigung des Ansehens des Deutschen Reiches und zur Förderung unserer industriellen Entwickelung durchaus am Platze erscheint. Man kann daher an leitender Stelle in Berlin kaum mehr darüber im Zweifel fein, daß sich die öffentliche Meinung in Deutschland weit überwiegend günstig zu der geplanten Berliner Weltausstellung stellt und daß man auch auf denjenigen Seiten, wo ursprünglich ernste Bedenken wegen des Erfolges und der Wirkungen der Ausstellung gehegt wurden, zu einer freundlicheren Beurtheilung ihrer Chancen gelangt ist. Je eher aber die Reichsregierung eine entschiedene Stellung zu dem Projecte im Sinne einer wohlwollenden Förderung desselben nimmt, desto besser wird es für das Unternehmen fein, namentlich in Hinblick auf die noch schwankende Haltung einflußreicher Kreise gegenüber der Berliner Ausstellung. Dies gilt speciell von dem kürzlichen Rundschreiben des Präsidiums des deutschen Handelstages an die deutschen Handelskammern. Aus dessen Schlußwendung geht herror, daß der deutsche HandelStag dem Ausstellungsplane nur dann praktisch näher- treten will, wenn die Reichsbehörden die Sache zu der ihrigen machen. Zur kräftigen Inangriffnahme und Durchführung dieses Werkes ist aber die Mitwirkung einer solchen gewichtigen Corporation, wie sie der deutsche Handelstag darstellt, schwerlich zu entbehren, um so notwendiger ist es, daß die Reichsregierung endlich mit einer bindenden Erklärung zu Gunsten des Ausstellungs - Unternehmens hervortritt und hiermit auch der genannten Körperschaft die gewünschte Parole gibt.
folgende Depesche: „Der zur Feier des 25jährigen Bestehens der nationalliberalen Partei tagenden Versammlung spreche ich für die mir übersandten warmen Worte treuer Anhänglichkeit meinen besten Dank auS. Wilhelm." Das Telegramm wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen.
Darmstadt, 23. Mai. Der Großherzog, die Prinzessin Alix und Prinz Heinrich besuchten heute die Kaiserin Friedrich in Homburg.
— Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Todt- geborenen, betrug in der Woche vom 1. bi«
------- — 7. Mai in
Mainz mit Castcl 32, in Darmstadt 27, in Offenbach 12 i« Worms 11, in Gießen 14, zusammen 96, davon 18 im erk'en Lebensjahre. Es kamen Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner in Mainz 20,4, in Darmstadt 24,1, in Offenbach 17,2, in Worms 26,6, in Gießen 34,5.
faffenb, besitzt bi« jetzt nur Eine Kirche, Et-dtkirche genannt: die st°h-nde alte Kirche hieb Pankratiuskirche.
Allerdings hatte die evangelische Gemeinde vor Jahrzehnten noch eine »wette Kirche, die Burgkirche, die aber al« baufällig abgebrochen worden ist. ö
Universität- - Nachrichten.
. — Etwas Universitäts-Statistik. Der „Franks. Rta."
treibt mon: In der letzten Zeit ist vielfach die Rede davon gewesen, daß Italien zu viel Universitäten habe und im Interesse einer MerS?lt.un?iPle^n derselben abschaffen müsse. Einen Einblick in die Richtigkeit dieses Verlangens gewährt und die von Kukula in der Zeitschrift „Akademische TageSfragen" ?^ffentlichte Weltstatistik der Universitäten. Dieselbe stützt fid) auf d°s Wintersemester 1890/91 und berücksichtigt nur die matrikulirten Studenten. Wir entnehmen ibt die auf Italien bezüglichen Daten, indem wir zugleich die übrigen Länder, insbesondere Deutschland zum Vergleiche heranziehen. Italien hat von allen Ländern die meisten n8mIt5 2l, während das deutsche Reich, das 20 Millionen mehr Einwohner hat, nur 20 Universitäten besitzt. (Außerhalb des deutschen Reiches giedt es noch 8 Universitäten, auf denen in deutscher Sprache gelehrt wird, nämlich: Wien, Prag Graz, Innsbruck Czernowitz, Basel, Zürich und Dorpat.) In Italien gab es in dem gedachten Semester 17558, in Deutschland 29569 Studenten; in Italien lehrten 1522, in Deutschland 2406 Professoren. Das Verhöütniß von Studenten zu Lehrern war in Italien 1 zu 11,5, in Deutschland 1 zu 12,3; das Derhältniß von Studenten zu der ganzen Bevölkerung in Italien 1 zu 1705, in Deutschland 1 zu 1584 Das wären keine allzugroßen Verschiedenheiten. Das Bedenkliche tritt darin hervor, daß in Deutschland auf einer Universität durchschnittlich 1478, in Italien nur 836 Studenten sind. DaS ist die niedrigste Ziffer von allen Ländern, Holland und die Schweiz ausgenommen, wo nicht alle Universitäten sämmtliche Fakultäten besitzen Im Einzelnen wird der Unterschied noch drastischer. Die kleinste deutsche Universität, Rostock, zählt 371 Studenten, bann kommen Kiel mit 489, Gießen mit 549, Jena mit 675, Königsberg mit
. Deutschland hat überhaupt nur 9 Universitäten mit weniger al« 1000 Studenten. Italien aber hat solcher 12, darunter folgende 10 mit weniger als 400 Studenten: Modena 319, Messina 310, Ferrara 191 Siena 183, Perugia 178, Cagliari 157, Laffari 132, Macerata llö' Camerino 96 und Urbino 93 Studenten. Acht Universitäten, also mehr als der dritte Theil, haben überhaupt weniger als 200 Studenten Da ist natürlich auch das Derhältniß von Studenten zu Lehrern ein unrichtiges. Unter den deutschen Universitäten hat verhältnißmäßig am meisten Lehrer Krel, nämlich 89, so daß dort 5 Studenten auf dnen Lehrer kommen. In Königsberg und in Jena kommen 7, in Göttingen 8, in Straßburg und in Rostock 9, in Heidelberg, Marburg, Gießen und Breslau 10 Studenten auf einen Lehrer u s w Die größte Verhättnißziffer haben München und Würzburg- 22 zu 1* bann kommen Erlangen (19:1), Leipzig (18:1), Tübingen (17 1)' »erlin (16:1) u.s.w. So Hobe Ziffern hat Italien überhaupt nicht; die höchste bat Turin (16), bann kommt Genua und Pavia (13) Palermo und Neapel (11), Padua und Rom (10), Ferrara (9) Pifa (7), Perugia (6), Urbino (5), endlich haben in Messina, Cagliari Modena, Lassarie und Siena je 4 Studenten die Ehre, einen Professor zu haben, und in Camerino haben sogar schon 3 Studenten diese Ehre Hier ist offenbar der wunde Punkt, wo die italienische Universitätsreform, wenn es zu einer solchen kommen soll, ansetzen muß. Der erwähnten Statistik entnehmen wir neeb folgende Angaben; Oesterreich- Ungarn zählt 11 Universitäten mit 19659 Studenten und 994 Lehrern England 10 Universitäten mit 19264 Studenten und 596 Lehrern Rußland 9 Universitäten mit 13809 Studenten und 739 Lehrern' Spanien bat 11, die Schweiz 6, Belgien und Holland je 4 Universitäten. Die besuchteste Universität ist Paris mit 9215 Studenten sie ist dafür auch die einzige vollständige Universität in Frankreich' Dann kommt Wien mit 6220, Berlin mit 5527, Neapel 4328 München 3551, Budapest 3533, Athen 3500, Edinburg 3488' Moskau 3473, Leipzig 3458, Madrid 3182 u. s. w. Eine eigen- thümliche Stellung nimmt Prag ein, das eine doppelte Universität hat, eine deutsche und eine czechische; erstere ist von 1580, letztere von 2361 Studenten besucht; die Gesammtzahl beträgt also 3941 Im Uebrigen muß man mit Schlüssen aus der vergleichenden Universitätsstatistik etwas vorsichtig sein, da Organisation und Umfang der Universitäten nicht überall die gleichen sind.
a^! ^0biS 11 Jahren wurde die Errichtung einer zweiten Kirche ernf«^ ins Auge gefaßt. Gegebener Anregung folgend, schenkte im Decemder 1882Hr. ve. Weiffenbach, damals nochaußerordentl.Professor der Theologie an der Universität Gießen, jetzt Professor am Predigerseminar zu Friedberg, dem Kirchenvorstand 20 X als erste Gabe zur Begründung eines Kirchenbaufonds. Dieser wurde von da an stetig vermehrt. Iw Lutherjahre 1883 wuchs er durch eine Haus- collecte auf rb. MOO X. im Jahre 1888 floß ihm durch den fieber; ubufe der hier abgehaltenen Lutherfestspiele eine weitere bedeutende (Summe gu, im Jahre 1891 waren 15000 vorhanden. Schon am 11. November 1891 hatte die evangelische Gemeindevertretung beschlossen, auf dem von dem Kirchenvorstand vorgeschlagenen Bauplatz RtwCUe un& lur Beschaffung aller weiterhin
nothig werdenden Geldmittel den Weg der Aufnahme eines Capitals ^?^tten. Mit ben 15000 x des Kirchenbaufonds wurde der Bauplatz der Kirche käuflich erworben. Darauf wurde infolge AuL- schreibenS eines allgemeinen Wettbewerbes und infolge der Entscheidung des Preisgerichts und der Beschlüffe des Kirchenvorstands der von den Herrm Architecten Griesebach und Dinklage in Berlin ge- fertiflte Entwurf zur Ausführung angenommen. Diese beiden Architecten wurden auch mit der Bauleitung beauftragt, und noch im Herbst 1891 begann die Arbeit des Baues.
»m Montag den 12 October 1891 wurde im Beisein der KirchenoorstandeS und zahlreicher Gemeindeglieder auf mT» eine einfache religiöse Feier deS ersten Spaten-
stichs gehaltm. Hiermit begannen die FundamentirungSarbeiten, die in. demselben Jahre beinahe zu Ende gebracht werden konnten. Zeitig rm Fruhiahre 1892 wurde dann die Arbeit fortgesetzt, und nachdem die Grundmauern bis zur Sockelhöhe bereits aufgebaut worden sind, wird heute die Feier der Grundsteinlegung begangen. Wir hoffen, daß die Kirche noch in diesem Jahre unter Dach gebracht und zu Ende Herbst 1893 vollendet werden wird.
AlS im Herbst 1891 der Kirchenbau begonnen wurde, regierte ®r,°6p'UO0 Subn-ig IV. Als wir Im Frühjahr 1892 Die Sauarbeit wieder aufnahmen, verkündeten die Trauerglocken durch daS Land hin den Tod des geliebten erst 54 Jahre alt gewordenen Fürsten. Er war am 13. März ds. Js. infolge eines Schlaganfalls nach kurzer Krankheit gestorben. Ihm folgte auf dem Xbron Der lugendliche Sohn, der Großherzog Ernst Ludwig. Unter Seiner Regierung feiern wir die Grundsteinlegung; in Seiner ©egenmart als der Summns Episcopus unserer Landeskirche hoffen wir die Einweihung der Kirche zu feiern.
x tt*ir «-"?s/re Kirche unter der Regierung bei dritten Au sichen Kaisers seit Neuerrichtung des Deutschen Reiches, des Kaisers Wilhelm II.
, Die neue Kirche, die 850 Sitzplätze und Raum für einige Ä Platze enthalten soll, wird eine Gesammtbausumme von 370000 X in Anspruch nehmen.
Der Bau der Kirche fällt zusammen mit der Eintheilung unserer ^er selbstständige Kirchengemeinden, die die Namen Matthäus-, Markus-, Lukas- und Johannisgemeinde erhalten werden. Da Die neue Kirche in das Gebiet der letztgenannten Gemeinde zu stehen kommt, soll dieselbe den Namen Johanniskirche erhalten.
x ix am en ba& n auch ferner über dem Bau der Kirche über Allen, die daran Mitwirken, gnädig walten möge, damit W/rk gut und fteudig hinausgeführt werde, und daß er bann Die vollendete Kirche zu einer reichen Segensstätte für unsere Gemeinde setzen wolle.
Gießen, am 23. Mai 1892.
Der evangelische Kirchenvorstand. (Unterschriften).
bie die Urkunde bergende Kapsel wurden noch eingelegt: Das Programm nebst Einladung zur heutigen Feier, der Kirchen-Kalender der evang. Gemeinde für 1892, die Nr. 119 des Gießener Anzeigers, eine Goldmünze und eine Silbermünze (beide mit dem Bildnisse des Großherzogs Ludwig IV.), eine Nickelmünze und eine Kupfermünze.
Turnerisches. Trotz des in vergangener Woche herrschenden schlechten Wetters hat Jupiter Pluvius für die edle Turnsache immer noch etwas übrig und schickte zu der gestern stattgehabten Turnfahrt des Gaues Hessen, welche dieses Jahr nach Usingen, in dem schön gelegenen Usthal, unternommen wurde, das schönste Wetter. Der Empfang der auswärtigen Turner und das Entgegenkommen der Usinger Bürgerschaft und Turngemeinde war recht würdevoll. Um 11 Uhr trat das Kampfgericht zusammen und schritt man nach Sitzung desselben (*/tl Uhr) zum allgemeinen Mtttagstisch, an welchem circa 120 Turner theilnahmen. Ein Festzug durch die Stadt eröffnete das Fest und wurden nach Ankunft auf dem Festplatz Freiübungen aufgeführt, worauf die PreiSturner zum Turnen antraten. Dasselbe bestand aus Freihoch- und Freiweitsprung, Handeln und Klimmen. An demselben nahmen 69 Turner Theil und erhielten hierbei Preise: den 1. W. Bamberger, Marburg: 2. Chr. Weeg, Gießen, T.-V., Gg. Veßeldreher, Heuchelheim- 3. L. Hammel, Gießen, M.-T.-V., Herm. Haubach, Gießen, T.-V.j 4. Ernst Gerlach, Wetzlar, Louis Kracht, Wetzlar- 5. Hugo Fatum, Wölfersheim- 6. H. Weller, Gießen, M,-T.-V. - 7. W. Große, Wetzlar, Fr. Christ, Wieseck, H. Pfeffer, Bad-Nauheim, W. Dosch II, Wölfersheim^ 8. E. Steinmetz II, Usingen, C. Mllller, Wölfersheim, Otto Philippi, Usingen- 9. Joh. Adam, Anspach- 10. Gg. Weber, Usingen, stud. Hch. Sohn, Gießen, T.-V.- I I. Joh. Siegfried, Wetzlar- 12. Carl Trautmann, Wieseck- 13. Carl Schweitzer, Wetzlar- 14. Gerh. Groh, Wetzlar, Gg. Kautz, Friedberg, H. Schmidt, Wetzlar, Jac. Germer, Heuchelheim, W. Schweighöser, Usingen, Sallh Hirschberg, Usingen, Th. Baumann, Gießen, M.-T.-V., Th. Müffing, Gießen, T.-V. Nach beendeter Prcisverthcilung mußten die Turner die Rückreise in die Heimath antreten und bringen wir aus den schönen Verlauf dieses Festes und aus ein fröhliches Wiedersehen beim Gausest in Grünberg ein dreifaches »Gut Heil!" aus. '
— Erledigte Lehrerstellen. Erledigt ist: Eine mit einem katholsichen Lehrer zu besetzende Lehrerstellc an der Volksschule zu Mainz mit einem Anfangsgehalte von 1300 Mk. jährlich.
Verkehr, Land« und Volkrwirthschaft.
»rLnberg, 21. Mal. Frachtpreise. Weizen jn21.00, Korn vM 19.70, Gerste X 16.30, Hafer X 13.00, Erbsen x Linsen X . Wicken X Leinet —Kartoffeln X 7.00 Samen X ——. *
— Nach den statistischen Ermittelungen deS Vereins deutscher Eisen- und Stahlinduftrieller belief sich die Roheisenvrodurtto« des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Monat April 1892 auf 396 821 Tonnen, darunter Puddelrobeisen und Spiegeleisen 159 304 Tonnen, Bessemerrobeisen 28 233 Tonnm, ThomaSroheisen 160182 Tonnen und Gießereiroheisen 49 102 Tonnen — Die Production im April 1891 betrug 354 350 Tonnen im März 1892 413 644 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. April 1892 wurden vroducirt 1597 540 Tonnen gegen 1404 383 Tonnen im gleichen Zeiträume des Vorjahres.


