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Nr. 144

Freitag den 24. Juni

1892

Der eutnur frmtUtt erscheint täglich, Bit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener tteeiCitwICaUtt »erden dem Anzeiger BSchentlich dreimal veigelegt.

Kchemr Anzeiger

Henerat-Anzeiger.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

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Ennahmr von Anzeigen zu der Nachmittags für den TtOtt6^44W Alle Lnuoncm-Vureaux deS I«. und «uslaude» nehm«

folgenden Dag erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uhr. VUl-lPVvllUtJv« Anzeigen für denGießener Anzeiger^ entgegen.

Amtlicher Theil

daß die

2.

Z.

Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts- ort hat.

Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.

Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.

Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a. Geburtszeugniß;

b. Einwilligungs Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten stir Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein/

Gießen, den 20. Juni 1892.

Betr.: Erhebung der Umlage.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen e* die »rotzh. Bürgermeistereien de» Greife».

Nach § 20 der Großh. Verordnung vom 11. Juli 1888 sind die zu der Berufsgenoffenschaft zu leistenden Beiträge von den Gemeinde-Einnehmern innerhalb einer Frist von 4 Wochen nach Empfang der Heberolle in ganzer Summe an den Genossenschaftsvorstand einzusenden. Bei Erhebung der Umlage für die Jahre 1889 und 1890 hat es sich jedoch ergeben, daß ein großer Theil der Gemeinde-Einnehmer diese Frist nicht innehält und die Beiträge erst viele Wochen nach Ablauf derselben einsendet. Hierdurch wird der Genossen- schastsvorstand in die mißliche Lage versetzt, den Abschluß der Bücher, die Stellung der Jahresrechnung und die Anlage des gesetzlich vorgeschriebenen Reservefonds über Gebühr hinausschieben zu müssen. Auch erwachsen ihm dadurch nicht unerhebliche Zinsverluste.

c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der Vorgesetzten Dienstbehörde aus­zustellen ist/

d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.

5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, La­teinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.

6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prü­fung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen.

Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß.

Bezüglich des Prüsuugstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekannt­machung/ aus specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.

Darmstadt, den 10. Juni 1892.

Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.

Der Vorsitzende:

Dr. Zeller.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Juni. Die Pforten des preußischen Landtages dürften sich zur Stunde geschlossen haben. Wenigstens war das Abgeordnetenhaus mit seinen Arbeiten | nach Erledigung der vr. ^attler'schen Theater-Interpellation und endgiltiger Annahme "des Lehrergesetzes in der Fassung des Herrenhauses bereits am Montag fertig, im Herrenhause aber galt es nur noch, das Kleinbahnengesetz, welches am Mittwoch auf der Tagesordnung stand, zu erledigen. Frei­lich sind dem Herrenhause von seiner Commission verschiedene Abänderungen des genannten Gesetzentwurfs vorgeschlagen worden und deren Gutheißung durch das Plenum würde die Zurückverweisung des Entwurfs an das Abgeordnetenhaus bedingen, doch auch in letzterem Falle konnte sich der Sessions- schluß um höchstens einen Tag verzögern. Allerdings erscheint nicht ausgeschloffen, daß das Abgeordnetenhaus an seinen Beschlüssen dritter Lesung beim Kleinbahnengesetz sesthält, was also das Scheitern dieses nicht unwichtigen Gesetzes bedeuten würde.

Ueber die jüngste Unglücks-Botschaft aus Deutsch-Ostafrika, die Niederlage der Bülow'schen Truppen durch die aufständischen Maschi und die Zerstörung der Kilimandjaro-Station, liegt an amtlicher Stelle in Berlin noch immer keine ausklärende Nachricht vor. Inzwischen hat aber die erste, aus englischer Quelle stammende Kunde von diesem neuesten Schlag, der die deutsche Colonialpolitik in Ostasrika betroffen, ihre Bestätigung seitens des deutschen Consuls erfahren, so daß also die gemeldete Niederlage wohl kaum mehr zu bezweifeln ist. Zur Beurtheilung ihrer etwaigen Tragweite muffen indessen nähere Nachrichten noch abgewartet werden. (S. Depeschen.)

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 22. Juni. DiePoft" setzt ihre Mittheilungen bezüglich der Militärvorlage fort. Sie sagt, voraus­sichtlich würden 48 Cavallerie-Regimenter, bei welchen eine Etatserhöhung bisher nicht erfolgte, um je 15 Mann und Pferde verstärkt werden. Zur Vorbereitung der für Reserve­divisionen auszustellenden Regimenter im Frieden würden ver- muthlich schwache, mehr administrativen Zwecken dienende Stämme oder Cadreregimenter errichtet. Bezüglich der Feld­artillerie würde die Zahl der deutschen Batterien künftig nicht sehr wesentlich hinter 500 zurückbleiben.

Berlin, 22. Juni. Das italienische Königspaar empfing um 43/4 Uhr eine gemischte Deputation der italieni­schen Colonie und des Hilssvereins unter Führung des Con­suls Kaibel. Der Vorsitzende des Hilssvereins, Micotti, stellte die Mitglieder der Deputation vor/ Frau Morluzze überreichte ein prachtvolles Bouquet. Nach Ueberreichung der Adresse unterhielt sich das Königspaar mit den Mit­gliedern der Deputation über die Dauer ihres Aufenthalts und persönliche Verhältnisse, besonders über die Wirksamkeit des Hilssvereins, die sehr anerkannt wurde. Der König sprach sich auch über die Weinsrage aus/ er hofft eine gute Entwickelung des italienischen Weinexports nach Deutschland und äußerte seine große Freude über den glänzenden Em­pfang in Berlin. Auch die Königin sprach sich in gleichem Sinne aus. Die Deputation wurde um 5 Uhr entlassen.

Bekanntmachung.

Wir Dringen hiermit zur allgemeinen Kenntniß, daß die Heuankäufe bei dem Proviantamt Bockenheim ausge­nommen sind.

Das Heu muß aus langen, süßen Gräsern bestehen, vor allen Dingen trocken geerntet und frei von MooStheilen rc. sein. Producenten erhalten den Vorzug.

Zur Ertheilung weiterer Auskunft ist das Königliche Proviantamt Bockenheim gern bereit.

Gießen, den 21. Juni 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Mit Rücksicht hierauf und aus den Umstand, L«d uu Umlage für das Jahr 1891 soeben zur Erhebung gelangt, -wollen Sie die Gemeinde-Einnehmer anweisen, in Zukunft die Beiträge zur Berufsgenoffenschaft spätestens mit Ab­lauf der vorgeschrkebenen Frist von 4 Wochen an den Ge- noffenschaftsvorstand zu Darmstadt einzusenden.

Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum cinjährigsreiwilligen Militärdienst im Herbst 1892.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1892; stattsind end en rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßsallsigen Gesuche nm Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung

spätestens bis zum 1. August 1892

3ei der unterzeichneten Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- üellen das Folgende bemerkt:

1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs - Com-

__v. Gagern.________________

Bekanntmachung, betreffend die Abhalung des Fasel-, Zuchtvieh- und Schweine- Marktes zu Biebesheim.

Der Viehmarkt zu Biebesheim, sowie die damit verbun­dene Verloosung ist auf den 5. Juli l. I. verlegt worden. Es wird dies hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Gießen, den 21. Juni 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gag ern.

Berlin, 22. Juni. Der Kaiser verlieh Br in die Brillanten zu dem Großkreuz des Rothen Adlerordens, den dieser 1889 bei dem Besuche des Kaisers in Italien als Marineminister erhielt. Der Geschäftsträger Marquis Beccaria erhielt den Rothen Adlerorden zweiter Klasse in Brillanten, der Privatsecretär Brins, Pavarisii, den Kronenorden zweiter Klaffe; auch eine Anzahl anderer Per­sönlichkeiten aus dem Gefolge des Königs wurden durch Orden ausgezeichnet.

Jüterbog, 22, Juni. Der Kaiser und der König von Italien trafen um 10 Uhr hier ein. Sie wurden auf dem Bahnhöfe von dem commandirenden Generale v. MeerscheidtHüllessem empfangen und begaben sich zu Wagen nach dem Schießplätze, wo sie der Erbprinz von Meiningen, der Erbgroßherzog von Baden und der Schießplatz-Comman- deur erwarteten. Um IO1/* Uhr begann das Schießen.

Brüffel, 22. Juni. Eine Verordnung des Königs er­mächtigt den Kriegsrninister, drei Jahresklaffen der Infanterie zu einer zehntägigen Hebung mit dem neuen Gewehr einzuberufen.

London, 22. Juni. Der Bergärbeiterverband Groß­britanniens erließ einen Wahlaufruf, der die Mitglieder auffordert, nur für die Befürworter des Achtstundentages zu stimmen.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 22. Juni. Die Kaiserin traf mit der Königin von Italien heute Nachmittag 23/4 Uhr von Potsdam hier ein. Dev Wagen wurde von einer Ehren escorte von Garde-Dragonern geleitet. Im Gefolge befanden sich italienische und deutsche Hofdamen und Herren. Die Königin Margherita sprach sich sehr erfreut über den be­geisterten Empfang aus. Um 3V2 Uhr traf auf dem Anhalter Bahnhof der Kaiser und der König von Italien ein und fuhren im Vierspänner nach dem Schlosse. Am Branden­burger Thore begrüßte eine städtische Abordnung den König. Bürgermeister Zelle hielt eine Ansprache an den König und sprach seine Freude über das Weilen des Königs auf deutschem Boden und die Sympathie für das italienische Volk aus. Die Tochter des Stadtraths Marggraff überreichte an der Spitze von 15 Ehrenjungfrauen ein Bouquet von Kornblumen und Marschall-Nilrosen.

Berlin, 22. Juni. Zur Ankunft des italienischen Königspaares ist die Stadt, namentlich die Feststraße, herrlich geschmückt in den deutschen und italienischen Farben und mit Topfpflanzen und Guirlanden. Besonders prächtig sind der Anhalter Bahnhof, die Schloßbrücke und das Denkmal Friedrichs des Großen decorirt.

Berlin, 22. Juni. DiePost" theilt bezüglich der Militärvorlage weiter mit, die Etatserhöhungen bei der Cavallerie würden bereits in 10 Regimentern des Reichs­landes ausgeführt.

Berlin, 22. Juni. DieBerl. Pol. Nachr." schreiben: Angesichts der großen Aufgabe des Abschlusses der Steuer­reform^ und des Communalsteuergesetzes wird die nächste Session des Landtags ungleich länger dauern und bereits am 9. November eröffnet werden, was selbstverständlich noch nicht definitiv ist.

Berlin, 22. Juni. ES verlautet, der Rücktritt des Polizeipräsidenten von Berlin, v. Richthofen, sei un­mittelbar bevorstehend. Als Nachfolger gilt der jetzige Land­rath Stubenrauch.

Berlin, 23. Juni. Der Bau des Centralbahn­hofs in Hamburg ist durch Vertrag zwischen Preußen und Hamburg gesichert.

Berlin, 23. Juni. DerKreuzztg." zufolge ist in den Reisedispositionen des Kaisers insofern eine Acnde- rung eingetreten, als derselbe bereits am 27. Juni in Wilhelmshaven eintrifft und am 30. Juni die Reise nach England antritt.

München, 22. Juni. Nach einer nunmehr von Wien aus an das hiesige Empfangscomite gelangten Depesche trifft Fürst Bismarck bestimmt Freitag früh 1 Uhr 22 Min. hier ein.

Wien, 22. Juni. Bei dem Hochzeitsmahl trank Fürst Bismarck auf das Wohl der Braut, Schuwalow auf das Haus Bismarck. Wegen Ueberanstrengung ist Bismarck etwas unpäßlich, er verschob deshalb, Schweningers Rath olgend, die Abreise auf morgen. Die Neuvermählten sind nach der Schweiz abgereist.

Wien, 22. Juni. Schlosser Lorenz sagte ans, er habe das Briespacket in Bismarcks Wagen geworfen, weil der FriedrichSruher Gutsverwalter durch einen Mißbrauch dcS