Ausgabe 
22.4.1892
 
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Fries mit einer patriotischen Ansprache eröffnet. Es folgte ein Bericht Gersteneggers (München) über Reformen auf dem Gebiete des Gymnasial-Schulwesens und Vereinsthätigkeit im letzten Jahre, der Kassabericht des Profeffor Gebhart (München) und das erste fachmännische Referat von Gymnasialrector Lechner (Nürnberg).

Fürth, 20. April. Der Magistrat und das Bezirksamt untersagten den Demonstrationsumzug der Social- dcmokraten am 1. Mai.

Stuttgart, 20. April. Ministerpräsident Mittnacht begeht am 27. April sein 25jähriges Minister- jubiläu m.

Rom, 21. April. Der Minister des Innern verbot die Versammlungen am 1. Mai.

London, 20. April. Der Kohlenarbeiter-Aus­stand wird fortgesetzt. Ein einziges kleines Werk im ganzen District arbeitet. Die Beisteuer zu dem Fonds beträgt heute 10000 Pfd. Sterl.

Loudon, 21. April. Das Comitv für die große Arbeiterdemonstration am 1. Mai ordnet in täglichen Sitzungen die Details. Zahlreiche Schreiben vom Continent sind bereits eingetroffen, den englischen Arbeitern ihre Sym­pathie ausdrückend und zu der Kundgebung beglückwünschend. Eine Resolution aus dem Meeting am 1. Mai soll durch eine Deputation der Regierung überreicht werden.

Newyork, 20. April. Die Farmer halten ihr Getreide wegen der niedrigen Preise zurück. Die Saatenstands­berichte aus den Getreidegegenden sind günstiger.

totales rrnd provinzielles,

Gießen, 21. April 1892.

Die Kapelle des Regiments Kaiser Wilhelm (2. Groß« Herzog!. Hess.) Nr. 116 folgt zu Anfang der Sommer-Saison einem Rufe nach Hamburg. Die Capelle ist für das Concert- haus (Gebrüder Ludwig), wohl eines der schönsten und größten Locale Hamburgs, auf vier Wochen, vom 15. Mai bis 9. Juni, engagirt. Die künstlerischen Leistungen, durch welche sich die Capelle hierorts der Gunst des Publikums zu erfreuen hat, werden hoffentlich auch die Herzen der Hamburger zu gewinnen vermögen. Wir wünschen unserer braven Regiments-Capelle die Gunst des Publikums und guten Erfolg.

Am 4. Mai beabsichtigt der Oberheffische Verein für innere Miffion das Jahresfest in Gießen abzuhalten. Man hofft, daß Freiherr v. Göler aus Karlsruhe, der jüngst ein Aussehen erregendes SchristchenAn einem geschichtlichen Wendepunkt" (bei E. Salzer, Heilbronn 1892, 1 M.) heraus­gegeben hat, ein Referat übernehmen wird.

Eine Anzahl oberhessischer Gemeinden hatte Eingaben an die zweite Kammer gerichtet, anstatt der bei Berathung des Rebevbahngesetzes im Jahre 1890 bewilligten Linie Londorf-Lollar eine solche von Londorf nach Gießen zu beschließen. Nach einem vom Abg. Schröder erstatteten Bericht empfiehlt der Finanzausschuß Ablehnung dieser Gesuche, da nach Ansicht des Finanzausschusses für die Bewohner des Lumdathales die Führung der Bahn nach Lollar die naturgemäße sei, weil sie dann auf kürzestem Wege Anschluß an eine bestehende Hauptbahn erhalte - eine directe Bahn Londorf-Gießen würde wegen der entgegen­stehenden erheblichen technischen Schwierigkeiten eine wesent­liche Verkürzung der Verbindung nach Süden gegenüber dem Wege über Lollar nicht ergeben, dagegen aber alle Verbin­dungen nach Norden ganz bedeutend vergrößern. Außer Gießen hätten an der directen Verbindung auch nur die Orte Wieseck und Alten-Buseck ein Interesse, dagegen würden die Interessen anderer Gemeinden des Lumdathales ge­schädigt. Frkf. Ztg.

das junge Mädchen schnell erhob und sie leidenschaftlich um­armte.Nein, nein, Tante, keine Thränen, ich verlasse Dich nicht, wenn Du es wünschest- es wird sich ja sonst noch wohl eine Gelegenheit bieten, daß ich meine Zeit nützlich ver- werthen kann."

Noch hielt Erna die schluchzende Tante umschlungen, als plötzlich schwere, eilige Männertritte auf der Treppe hör­bar wurden, gleich daraus wurde die Thür mit Ungestüm geöffnet und Curt, der Sträfling, stürmte ins Zimmer und warf sich den vor Schreck und Ueberraschung in dte Höhe schnellenden Damen vor die Füße. Es mußte etwas Furchtbares passirt sein! So nur konnte ein Flüchtender, Verfolgter aussehen. Die Augen des jungen Mannes blickten unheimlich aus ihren Höhlen, wie die eines zu Tode gehetzten Edelwildes, das sein Leben mit der letzten Kraft zu verthei- digen gedenkt.

Mutter, ich kann es nicht ertragen, ich, ich bin dem Kerker entsprungen, da ich heute noch die Sträflingskleider anziehen sollte. Frage nicht, Mutter, schilt nicht! Zehn Jahre Kerker bedeuten für mich den Tod! Ich kann nur leben in der Freiheit! O vergieb, wenn ich Dir noch ein­mal Schmerz bereite, wenn ich mit dieser That Gesetz und Ordnung nicht achte! Aber nicht der allwissende Gott, nein, schwache, fehlende Menschen richteten mich an mir ist ein Justizmord verübt! Und Du, Erna, kannst Du meine That begreifen? O, erschrick nicht, diese Hand, die jetzt die Deine umschließt, ist rein, nichts Böses that sie nur die un­würdige Kette zerriß sie. Zürnt nicht, Ihr Lieben, ist doch heute der Tag, wo unser Heiland die Fesseln des Todes von sich warf und im strahlenden Glanze der himmlischen Freiheit zuschwebte. Wie sich auch mein Leben in der Fremde gestalten mag, stets werde ich Euer beider Bild im Herzen tragen und sogleich zurückkehren, wenn der Schleier von dem furchtbaren Geheimnisse in unserer Familie gewichen ist."

(Fortsetzung folgt.)

Stotternde Schulkinder in Hessen. Nach einer stati­stischen Zusammenstellung von Rudolf Den Hardt in Eisenach betrug im Jahre 1890 die Zahl der stotternden Schulkinder in den Städten Hessens: In Darmstadt 42 Knaben, 30 Mädchen- in Mainz 38 Knaben, 13 Mädchen - in Offen­bach 59 Knaben, 14 Mädchen- in Worms 32 Knaben, 12 Mädchen- in Gießen 13 Knaben, 3 Mädchen.

Um die Frage:Bienenzucht oder Obstzucht" wird in landwirthschastlichen Kreisen oft gestritten. Die einzig richtige Antwort aus den Streit lautet: Nicht das eine oder das andere, sondern beides muß getrieben werden, weil Obst- und Bienenzucht sich wunderbar ergänzen. Richtig ist zwar, daß die Obstzucht größere Erträge auf einem und demselben Complex liefert. Dies erfolgt aber nur dann, wenn auf demselben Cornplex oder in der Nähe gleichzeitig Bienenzucht betrieben wird. Die Bienen dienen zur Befruchtung, die Obstblüthen sind dafür auch geradezu nothwendig. Wo keine Bienenzucht am Orte oder in der Nähe besteht, gibt es nur geringe Obsterträge. Und wo viele Obstbäume sind, finden natürlich, zumal im Frühjahre, die Bienen auch viele Nahrung.

Weltausstellungs Notizen. Gar wunderliche und originelle Blüthen zeitigt die kommende Weltausstellung - außer den vielen großartigen Unternehmungen taucht auch mancherlei Bizarres aus. So ist unlängst in Chicago die Mammoth Autograph Co." von einigen unternehmungs­lustigen Deutschen gegründet worden, an deren Spitze Herr Phil. Köhler steht. Die Gesellschaft beabsichtigt, vier riesige Albums, in Gold und Silber gefaßt, und jedes im Gewicht von 700 Pfund, Herstellen zu lassen. In diesen vier Albums kann nun Jeder, der Lust dazu verspürt, gegen eine Gebühr von 25 Cents seinen Namen einzeichnen. Eines der Albums soll der Landesbibliothek in Washington, eines der Chicagoer Bibliothek usw. vermacht werden. Eine Million Namens­unterschriften sollen verzeichnet werden. Die Gesellschaft, welche bereits in allen größeren Städten der Vereinigten Staaten, behufs Sammlung der Namensunterschriften Agenten stationirt hat, unterhält ihr Hauptbureau imBort"-Gebäude in der Weltausstellungsstadt. Ein Eskimodorf mit 50 bis 75 Eingeborenen der arktischen Region wird eine der vielen Sehenswürdigkeiten am Midway-Plaisance sein. Die Con- cession zur Errichtung einer Badeanstalt, verbunden mit einem Wiener Cafe, am Midway-Plaisance, ist dieser Tage von der Ausstellungsbehörde vergeben worden.

Darmstadt, 20. April. Wie derDarmst. Ztg." aus Coburg gemeldet wird, wohnten Se. König!. Hoheit der Großherzog am ersten Osterseiertage mit den Höchsten Herrschaften dem Vormittagsgottesdienste in der Stadtkirche bei. Nachmittags besuchten die Herrschaften die Rosenau. DieFranks. Ztg." veröffentlicht folgendes, von Hosrath Rothbart unterzeichnetes Telegramm aus Coburg:Im höchsten Auftrage Ihrer Kaiserlichen Hoheit, der Fran Herzogin von Edinburg, ersuche ich Sie, die heute gebrachte Nachricht Ihres Coburger Correspondenten bezüglich der Ver­lobung der Prinzessin Marie von Edinburg mit dem Thron­folger von Rumänien zu bementiren."

Mainz, 18. April. Eine Wiener Firma hat ein Über­einkommen mit der Stadtverwaltung getroffen, nach welchem dieselbe die Erlaubniß erhält, aus den Promenaden und öffentlichen Plätzen automatische Sessel aufzustellen, welche durch den Einwurf eines 5-Psennigstückes zur Be­nutzung gelangen können. Dem Vernehmen nach ist dieselbe Wiener Firma auch mit den Stadtverwaltungen von Frank­furt, Darmstadt, Wiesbaden, Worms rc. in Unterhandlung getreten, um auch dort solche Seffel aufzustellen.

Mainz, 18. April. Viel belacht wird hier der Jrrthum einer Pariser Firma, von der hier dieser Tage ein Bries mit folgender Adresse einlief:Madame Reichsbankstelle, Mayence." Die Post lieferte das Schreiben an den Vor­steher der Reichsbankstelle ab, der aus dem Umschlag eine Empfehlung von Corsetts hervorzog. Madame Reichs­bankstelle dürfte nicht in der Lage fein, auf die Offerte ein­zugehen.

A Aus Rheinhessen, 20. April. In Folge der rauhen, kalten Witterung erleiden die Spargelzüchter in den berühmten Spargelorten der diesseitigen Provinz einen be­trächtlichen Ausfall. Obwohl die Zeit der Spargelsaifon längst begonnen, treiben die Spargeln nur sehr langsam her­vor und das geringe Quantum, das zum Stechen kommt, läßt bezüglich der Qualität viel zu wünschen übrig. Die meisten Producenten in den bekannten Gemüseorten Gonsen­heim, Mombach, Finthen rc. rc. haben übrigens den Ertrag schon lange an Grossisten verkauft, welche die Spargeln in Norddeutschland und am Niederrhein auf den Markt bringen. Zu einem voraus stipulirten Preis werden die gestochenen Spargel täglich von dem Käufer in dem betreffenden Orte in Empfang genommen.

z vermischtes.

Frankfurt a. M., 20. April. Seit heute Morgen wird der Hauptkassirer des Bankhauses M. A. v. Roth­schild u. Söhne, Rudolf Jäger, vermißt, nachdem die Geschäftsräume des Hauses von Donnerstag Abend bis heute früh geschloffen waren. Jäger ist 17 Jahre bet der Firma - er folgte seinem Vater auf dem Kassirerposten, welcher 45 Jahre in dem Hause thätig war. Es wird behauptet, Jäger habe an der Börse speculirt. Ob Gelder unterschlagen sind und eventuell in welcher Höhe, ist bis jetzt mcht in Er­fahrung zu bringen. Die Kasse ist seit heute Morgen behufs Vornahme einer Controle geschlossen.

Wir erhielten nachfolgende Depesche:

Frankfurt a. M., 21. April 1 Uhr 30 Min. An Ver­untreuungen durch Kassirer Jäger, welche durch Fäl­schungen verdeckt wurden, sollen bis jetzt 1700 000 Mk. gesunden fein.

* Berlin, 19. April. DerMagd. Ztg." wird tele­graphisch gemeldet:Die Nachforschungen bezüglich des

Uebersalles des Decans v. Poninski in Koscielec werden noch immer eifrig fortgesetzt. Nach den bisherigen Ergebnissen scheint lediglich Raubmord vorzuliegen- der Zusammenhang des Vorganges mit anarchistischen Bestrebungen ift bis jetzt noch nicht nachweisbar."

* Nordfeebad Westerland Sylt, April 1892. Auf der fernen Grenzmark deutschen Lebens, der meerumrauschten Insel Sylt, rüstet sich eine Anstalt, die ihre Entstehung und Erhaltung opferfreudiger, Werktätiger Menschenliebe verdankt die Kinderheilstätte in Westerland zur diesjährigen Entfaltung ihres segensreichen Wirkens. Der Eröffnungstag der Anstalt ist auf den 15. Mai sest- gefc^t worden, um den kranken Kindern die mächtige heil­bringende Wirkung der Frühlingsluft in reichem Maße zu­kommen zu lassen. Auch in diesem Jahre ist wieder eine Anzahl von halben Freistellen geschaffen worden und damit minderbemittelten Eltern die Möglichkeit eines Kuraufenthaltes ihrer Kinder geboten. Um den Geist echt christlicher Haus­ordnung bei den religiösen Andachten durch die Weihe der Musik zu verschönern, wird die an dem Anstaltsgebäude er­richtete Capelle mit einem Harmonium ausgestattet werden. Die Leitung der Anstalt liegt wiederum in den bewährten Händen von Schwestern der Diaconiffenanstalt in Flensburg. Die Direction der Nordseebäder auf Sylt wird auch in diesem Jahre der Anstalt eine Reihe von Vergünstigungen wieder zuwenden, so vor Allem den kostenlosen Gebrauch des hiesigen Stahlbrunnens, dessen günstige Wirkungen in allen Fällen von Blutarmuth, Bleichsucht rc. unerreicht sind. Möge auch in diesem Jahre wieder die Anstalt Gesundheit den Kleinen und glückliches Zufriedensein über die Genesung ihrer Lieben den Herzen der bekümmerten Eltern in reichem Maße bringen, dann ist der schönste Dank für die Wohl- thäter der Anstalt in diesem Segen enthalten.

Paris, 14. April. In der vorgestrigen Sitzung des Kriegsgerichts, vor dem Soldat Labize wegen Fahnen­flucht in Friedenszeiten stand, ereignete sich ein seltener Zwischenfall. Im Augenblick, als der Vorsitzende den An­geklagten fragte, ob er den Aussagen eines der Zeugen etwas hinzuzufügen habe, rief er aus:Nein, denn ihr seid alle Lumpen!" Das Kriegsgericht zog sich sofort zur Berathung zurück und verurtheilte dann Labize wegen Beleidigung der Mitglieder des Gerichts zu zehnjähriger Zwangsarbeit und wegen Fahnenflucht zu fünf Jahren Gesängniß.

* Dublin, 15. April.Ein moralisches Scheusal" nennen englische Blätter die aristokratische Dame Mrs. Montagn, welche dieser Tage in Dublin vor dem Richter stand, um sich auf die gegen sie erhobenen Anklagen des Todtschlages, begangen an ihrer dreijährigen Tochter, und der Grausamkeit gegen drei andere Kinder, Knaben im zarten Alter, zu ver­antworten. Mrs. Montagu ist die Gattin eines Capitäns und Friedensrichters, eine passionirte Sportsdame und nebenbei noch Mutter von acht Kindern. Eine Frau von sehr strengen Grundsätzen, ließ sie sich bei der Erziehung ihrer Sprößlinge einzig und allein von den biblischen Worten leiten:Wer seine Kinder lieb hat, züchtigt sie." Ihre Handlungen waren dementsprechend. Sie bestrafte ihre Kinder bei dem geringsten Anlaß mit ausgesuchter Grausamkeit. Um nur einige Bei­spiele zu erwähnen, band sie einen kleinen Sohn fest an einen Baum im Garten und ließ ihn in dieser Stellung stundenlang allein. Sie sperrte ihn in diedunkle Stube" und schlug ihn so lange, bis er bewußtlos und blutüberströmt zusammenbrach. Einen anderen fünfjährigen Knaben ließ sie die ganze Nacht über allein in derselben dunklen Folter­kammer zubringen. Dies Alles geschah, wie sie erklärte, um die Seelen der Kinder zu retten".Ihr mißverstandenes Pflichtgefühl" ein häufig in ihrer Verteidigung gebrauchter Ausdruck hatte jedoch in dem Falle bei ihrer dreijährigen Tochter Mary Helen das denkbar schrecklichste Resultat, den Tod des Kindes zur Folge. Die Kleine kam eines Morgens ein wenig zu spät zum Frühstück und wurde dafür von der Gouvernante, Miß Dozell, einem würdigen Seitenstück zu Mrs. Montagu, in dieschwarze Stube" geschickt. Es ist dies ein dunkles, schwarzes, sechs zu acht Fuß großes Gemach ohne Fenster und Ventilation. Darin befinden sich einige an das Mittelalter erinnernde Folterinstrumente, zwei in die Decke eingelassene Ringe mit herabhängenden Stricken, eine Art Schraubenstock und andere sinnreiche Züchtigungsmittel. In dieser Schreckenskammer suchte die Mutter um Mittag ihr Kind auf, tadelte es strenge, und nicht allein mit Worten, band ihm mit einem Strumpf und einem herabhängenden Strick die Hände auf dem Rücken zusammen und entfernte sich alsdann. In dieser furchtbaren Stellung mußte das kleine, dreijährige Mädchen den Nachmittag verbringen. Als die Mutter um 5 Uhr endlich zurückkehrte, fand sie das Opfer ihrer Erziehungsmethode nur noch als Leiche. Der zur Bestrafung bestimmte Apparat war zum Galgen geworden. Der Strumpf war von den Armen geschlüpft, und hatte, von dem Strick in die Höhe gezogen, ihr den Hals zugeschnürt. Dies in kurzen Umrissen der Fall, welcher der sozialen Stellung der Angeklagten wegen im ganzen Vereinigten Königreiche ungeheueres Aussehen erregt hat. Die Ver­handlungen gelangten gestern Nachmittag zum Abschluß. Nach halbstündiger Berathung kam die Jury in den Sitzungssaal zurück und der Obmann sprach das Schuldig gegen Mrs. Montagu aus, empfahl sie jedoch gleichzeitig der Gnade des Richters. Dieser bemaß sodann ihre Strafe auf 12 Monate Zuchthaus, mit harter Arbeit verbunden, soweit ihr gesegneter Zustand es gestattet.

DerGigerlschritt". In der letzten Nummer des Hamburger Amtsblattes zieht die Staatsanwaltschaft einen gegen den Handlungsgehilfen Karl Hurlebusch wegen Unter­schlagung von 9000 Mark erlassenen Steckbrief alserledigt" zurück. Als besonderes Kennzeichen war in dem Steckbrief derGigerl"-Schritt des Gesuchten angegeben worden. Hurle­busch ist in Aarhus verhaftet wurden, feinGigerlschritt" hatte wesentlich zur Ermittlung beigetragen.