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21.8.1892 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Sonntag den 21. August

1892

Amts- und Anzeiseblatt für den Ureis Giefzen

Hratisöeilage: chießener JamikienökätLer.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Ausstellung als solche betrachtet werden müsse. Für dieses aber glaubte die Reichsregierung nicht genügende Garantie zu besitzen. Und zwar mußte sie ein Mal an der, gelinde ausgedrückt, recht kühlen Haltung der Industrie Anstoß nehmen, dann auch Zweifel hegen, ob die im Anschluß an die Chicagoer Weltausstellung sicherlich auftretende Aus­stellungsmüdigkeit bis zum Jahre 1898, in welchem bekanntlich die Berliner Weltausstellung stattgefunden haben würde, soweit geschwunden wäre, um nicht den Ausstellungsbesuch zu be­einträchtigen, endlich stand natürlich von Anfang an fest, daß im Falle eines Deficits von beliebiger Höhe das Reich dieses hätte decken müssen. Unter diesen Umständen wird die Reichs­regierung mit ihrer Entscheidung wohl das Richtige getroffen haben. Auch über das Schicksal der Militärvorlage scheint in nächster Zeit entschieden werden zu sollen. Nachdem Se. Majestät der Kaiser und der Kriegsminister von ihren Erholungsreisen nach Berlin zurückgekehrt sind, wird voraus­sichtlich die Auswahl unter den verschiedenen Fassungen der Militärvorlage getroffen werden und dann wohl auch die Veröffentlichung der ausgewählteu nicht mehr allzulange aus sich » arten lassen. Von den Steuerprojecten, welche von 'en betheiligten Ressorts mit Rücksicht auf die Deckung der in der Militärvorlage vorgesehenen Mehraufwendungen für das Heer gegenwärtig erwogen werden, hat namentlich der Plan, durch Verbot des inländischen Tabakbaues und hierdurch entstehende Steigerung der Einfuhr von Tabak aus dem Auslande die Zolleinnahmen des Reiches zu vergrößern, auch in der Parteipresse eine lebhafte Erörterung gesunden. Zu unserer Ueberraschung stehen nicht alle Parteiblätter dem Projekt grundsätzlich ablehnend-gegenüber. Allerdings wird auch vielfach betont, daß es doch sehr bedacht sein will, ob es sich wirklich in volkswirthschaftlicher Hinsicht empfiehlt, eine Industrie, die etwa 163 000 (nicht 22000, wie wir neulich in Folge eines Versehens schrieben) selbstständige Angehörige zählt und jährlich auf etwa 17 000 Hektaren rund 39 000 Tonnen getrockneter Tabakblätter im Brutto-

I türkischen Hof gegen Rußland erzeugte Verstimmung klug dazu benutzt, den Sultan der förmlichen Anerkennung des Fürsten Ferdinand von Bulgarien geneigter zu machen. Im Congostaat in Afrika sieht es im Augenblicke recht trübselig aus. Mit nicht weniger als drei Gegnern liegt die Regierung des Congostaates im Streite, ein Mal mit den Handelsgesellschaften, weil diese nicht dem Congostaate die Ausbeulung der Elsenbeinvorräthe als Monopol über­lassen wollen, dann mit Frankreich, das sich aus Kosten des Congostaates weiter ausdehnt, schließlich auch noch mit den Eingeborenen, gegen die allein in der letzten Zeit sechs Expeditionen entsandt worden sind. Diese befinden sich sämmtlich in sehr bedrängter Lage, diejenige unter Hodisters Führung ist sogar völlig vernichtet worden. In Marokko und Venezuela haben die Volksbewegungen ihr Ende noch nicht erreicht.

2lmtlid?er Lbeil.

Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche.

Nachdem in 15 Gehöften in der Stadt Alsfeld die 'laut- und Klauenseuche festgestellt ist, wird die Abhaltung an Viehmärkten daselbst, namentlich desjenigen vom Mon- den 22. l. M. hierdurch untersagt.

Alsfeld, den 18. August 1892.

Großherzogliches Kreisamt Alsfeld, v. Grolman.

Vierteljähriger Äbonneurcntspreis: 2 Mart 20 Psg. mit Bvingerlohn.

Du?ch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Kchutftraße Mr.7.

Fernsprechsr 51.

Bei der großen Ge'wandtheit HänslerS ist indessen damit rechnen, daß derselbe sein Aeußeres nach Möglichkeit ver- oert haben wird, um sich unkenntlich zu machen.

In Häuslers Besitz sich vorfindende Gelder und Werth- chen bitte ich zu beschlagnahmen.

Von dem Vollzüge der Verhaftung erbitte ich mir tele» aphische Nachricht.

Bei Schiffsagenturen und auf Bahnhöfen bitte ich Er­rungen in der Richtung zu veranlassen, ob Häusler sich oa nach Amerika oder nach England gewendet hat.

Signalement: Häusler ist 34 Jahre alt, circa >7 m groß, schlank, hat röthlich-blonde Haare und solchen chnurrbart, längliches frisches Gesicht, etwas gebogene Nase; gt vermuthlich graues Jaquet, hellgestreifte Hose, aelblich- itzen Strohhut.

Mannheim, den 9. August 1892.

Großh Untersuchungsrichter beim Großh. Bad. Landgericht Mannheim.

Wengler.

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Iramikienbtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Henerat-Anzeiger.

politifctye Wochenschau.

Gießen, 20. August 1892.

lieber ben Plan, eine Weltausstellung in Berlin Jiran 0 en' ^at uc Reichsregierung nunmehr entschieden tiOrQU8Beia8t hamn, in verneinendem ' ( J V1 > "gterung Halle sich von vornherein mit n PU t,8Cft1nt' b°b nicht die Unternehmung r Weltausstellung als eme nationale Ehrensache an i°n se,, sondern allein das Gelingen einer unternommenen

Deutsches Reich.

Gegenwärtig sind seitens der Reichsregierung resp. des Reichsschatzamtes Erhebungen über den Umfang der Bier- besteuerung im Gange. Dieselben deuten daraus hin, daß eine Aenderung in der Bierbesteuerung, die natürlich nur in einer Erhöhung derselben bestehen 'könnte, thatsächlich geplant ist. Nicht nur mit der von süddeutscher Seite angeregten Reform der Branntweinsteuer beschäftigt sich das Reichsschav- amt, sondern auch das Bier soll noch mehr Steuern bringen um den erhöhten Bedarf für Militärzwecke zu decken. Die Regierung legt Werth darauf bei dieser Gelegenheit eine einheitliche Regelung der Bierstcner herbeizuführen. Sollte in dieser Richtung wirklich eine Vorlage beim Reichstage ein­gebracht werden, die beiläufig bemerkt, in Bayern wohl am wenigsten Sympathie finden würde, so erscheint es uns ge­boten, daß darin vorwiegend die kleinen Brauereien eine Be­günstigung, ähnlich wie im Branntweinsteuergesetz die kleinen Brennereien, erfahren. _ Letztere entrichten einen niedrigeren Steuersatz als die großen Betriebe. So würden auch zur Entrichtung der Brausteuer die kleineren Brauereien, welche nur einen geringen Absatz haben oder zum Theil in eigener Gastwirthschaft ihr Fabrikat absetzen, besser gestellt werden müssen. Auf eine empfindliche Vertheuerung des Bieres würde die Steuererhöhung aus jeden Fall hinauslausen.

Ausland.

Lyon, 18. August. DieKatholische Mission" veröffent­licht ein Schreiben des Btschofs Hirth aus Uganda an Cardinal Lavigerie vom 25. April, worin die Meldungen von den der Mission von den Engländern bereiteten Hinder­nissen bestätigt und die Intervention der Königin von England angerufen wird- ferner wird berichtet, der Ches der deutschen Station Bukoba sandte an Hirth 10O Katholiken, die während der Unruhen in die Sclaverei abgesührt wurden und deren Befreiung ihm gelungen war.

werth von mehr als 18 Millionen Mark produzirt, ein für alle Male kurzer Hand zu beseitigen. In Bezug auf die handelspolitischen Verhandlungen mit Rußland können wir mittheilen, daß die Vorbesprechungen, in denen der Umfang der auf deutscher Seite zulässigen Zugeständnisse und der entsprechenden Gegenforderungen festgestellt werden sollte, nunmehr abgeschlossen sind, so daß die eigentlichen Verhandlungen in naher Zeit beginnen können.

In Preußen hat das statistische Bureau kürzlich die Er­gebnisse seiner Ermittelungen in Betreff der Ernte­aussichten in diesem Jahre veröffentlicht. Im Gegensätze zu den beiden Vorjahren wird das lausende Jahr ein recht befriedigendes Resultat ergeben. Bei Winterweizen rechnet man auf eine Mittelernte, bei Winterkorn und Kartoffeln auf eine noch etwas bessere Ernte. Es ist auch in der That an der Zeit, daß die gegenwärtig noch immer außerordentlichen Getreide-, Mehl- und Brodpreise entschieden und bedeutend heruntergehenk Noch während des Juli stand der Durch­schnittspreis für Roggen auf 183 Mark, d. h. noch 3 Mark ü^er demjenigen Betrag, welchen der frühere LandwirthschaftS- mmtster Lucius im Jahre 1887 gelegentlich der Berathung über die Erhöhung der Getreidezölle von 30 auf 50 Mark als einen solchen bezeichnet hatte, bei dessen Eintreten die Reichsregierung alsbald eine Aufhebung der Getreidezölle aus freien Stücken veranlassen würde.

In England hat sich das liberale Kabinet, welches in Folge des Ausfalles der Wahlen für das Unterhaus an Stelle des abtretenden conservatioen tritt, nunmehr endgültig con- stituirt. Gladstone ist selbstverständlich Premierminister ge­worden. Außerdem hat für uns Deutsche im Wesentlichen nur noch die Ernennung Roseberrys zum Minister des Aus­wärtigen ein größeres Interesse. Roseberry steht mit seiner Auffassung der auswärtigen Politik in scharfem Gegensatz zu seinem Parteigenossen Gladstone. Während dieser 'stets eine große Vorliebe für Rußland, eine gewisse Sympathie für Frankreich, einen starken Haß gegen die Türkei und eine recht kühle Haltung gegenüber Deutschland und dem Dreibund zur Schau getragen hat, ist Roseberry, wie der Exminister Salisburry, ein Freund des Dreibundes und er wird, da er sich bei seinem Eintritt in das Cabinet Gladstone völlig freie Hand gewahrt hat, die Politik feines Vorgängers fortzusctzen auch im Stande fein. Auch in Serbien haben die Ent­hüllungen derSwoboda" ebenso wie in Bulgarien einen Sturm des Unwillens gegen Rußland bervorgerusen, da aus den jüngsten Mittheilungen des bulgarischen Blattes hervor- geht, daß Rußland nicht allein Bulgarien gegenüber jedes Mittel für erlaubt hält, sondern auch an Serbien treulos handelt. Der gefdr *+e bulgarische Minister Stambulow, der die Veröffentlichungen veranlaßt hat, hat die durch diese am

Ileeieftc liacbrtcbton*

Wotffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 19. August. Der Kaiser ließ an den Berliner Magistrat durch seinen dienstthuenden Flügeladjutanten lele- graphiren, er habe dem Oberpräsidenten Achenbach besohlen, bei der jetzigen Temperatur den Nachmittagsunterricht m den Schul en bis auf Weiteres auszufetzen- erbitte, ein Gleiches für die öffentlichen Schulen Berlins schon heute anzuordnen. Der Magistrat beschloß, unverzüglich die erforderlichen An­ordnungen hierzu zu treffen,

Bern, 19. August. Der deutsche Gesandte Bülow überreichte heute Vormittag dem Bundesrathe sein Abbe­rufungsschreiben.

Catania, 19. August. Der große Krater des Aetna schleudert mit lautem Getöse eine Menge Rauch und Steine bis zur Höhe von 160 Metern.

Paris, 19. August. Die übermäßige Hitze dauert fort. Es werden neue Fälle von Sonnenstich gemeldet. Bei einem für den Markt von La Vilette angelangten Vtehtianspone sind 100 Stück Rindvieh und 300 Schweine durch Hitz, schlag gelobtet in den Eisenbahnwagen aufgefunden worden. Die Werkstätten der Kanonengießerei von Bourges wurden wegen der großen Hitze geschlossen.

Paris, 19. August. Meldungen aus Havre zufolge kamen dort 12 choleraartige Erkrankungen vor und starben an jebem der letzten Tage drei Erkrankte.

Petersburg, 19. August. Nach einem heute veröffentlichten Gesetze wird der Abschluß von Wuchergeschäften beim Getreideankauf von Bauern durch die Friedensrichter mit Arrest bis drei Monaten bczw. Gefängniß bis sechs

N a ch t r a g.

Das Großh. Ministerium der Justiz, des Cultus und bal mit Erlaß vom 13. b. Mts. eine Belohnung t 300 Mark für Denjenigen ausgesetzt, welcher solche gaben macht, die zur Ermittelung und Festnahme des aterS geeignet sind.

Mannheim, den 15. August 1892.

Großh. Untersuchungsrichter beim Großh. Bad. Landgericht Mannheim.

Wengler.

Gefunden: I Kinderstrohhut, 1 schwarzer Hut, 1 Kinder- chen, IJßaar Strümpfe, 2 Paar graue Handschube, 1 Hand- b 1 Stuck Band, 1 Schirm, 1 Badehose, 1 Peitsche, -pazierstöcke, 2 Bilderrahmen, 1 Sporn, 2 Hundemaulkörbe! i)undehalsbänder, 3 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Uhr ,l Kette und 1 Faß Branntwein.

®ie6en, den 20. August 1892.

Großherzoglrchcs Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Ausschreiben.

Der am 18. Juli 1858 zu Durlach (Baden) geborene, .rheirathete, bereits wegen Unterschlagung vorbestrafte Glosser, zuletzt Cassier Wilhelm Häusler ner der Führer der hiesigen Socialdemokratie und in social- 'mokratischen Kreisen sehr bekannt, steht wegen Unter- chlagung von mindestens 15,000 Mark Gelder s von der socialdemokratischen Partei begründeten Medicinal- rbandes Mannheim und wegen Betrugs und Untreue er in Untersuchung.

Seit dem Nachmittage des 6. d. Mts. ist Häusler ftüch- b Richtung der Flucht bisher unbekannt.

Socialdemokratische Kreise kommen bei der Ermittelung uptsächlich in Betracht.

Indem ich den diesseits erlassenen Haftbefehl und das ignalement des Häusler beifüge, ersuche ich ergebenst unK ergische Fahndung.