Nr 194 Drittes Blatt. Sonntag den 21. August
1892
Der
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erscheint täglich,
«4t Ausnahme bei
Montag-.
Die Gießener jgMmifUalhHflt «erben dem Anzeiger .wöchentlich dreimal beigelegt.
Weßener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
Bierkeljähriger AöounementspreiO- 2 Mark 20 Pfg. mti Brrngerlohn.
Durch die Poft bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
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Amts- und Anzeigeblutt für den 'Kreis Gießern
HratisKeikage: Gießener SiamificiißfäHtr
Umtlidjcr Thell.
5.
6.
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3. ein Preis ä
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zusammen
15 Preise — 300
II. Bezüglich
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4. folgenden Raffen angehören:
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Annah m r von Anzeigen zu der Nachmittag- für bee folgenden Tag erscheinenden Nummer bi< Corrn. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Vureaux des In- und Lu-lanbe- nehme» Anzeigen für den „Siebener Anzeiger^ entgegen.
70
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Diese Thiere müssen selbstgezüchtet oder zum Zweck der Zucht mindestens 2 Monate vor der PreiSvertheilung erworben sein und
a. der reinen Vogelsberger Raffe: Mutterthiere, welche eine hellere Färbung am Euter zeigen, werden erst in zweiter Linie prämiirt,
b. der Simmenthaler Raffe und zwar dürfen
aa. Bullen nur der reinen Simmenthaler Rasse angehören,
bb. dagegen können Mutterthiere auch dann prämiirt werden, wenn solche wenigstens ausgesprochen des Simmenthaler Typus sind.
Unter solchen gleichen Verhältnissen erhalten selbstgezüchtete Thiere bei der Prämiirung den Vorzug. Hinsichtlich der Bullen Simmenthaler Rasse ist urkundlich nachzuweifen, daß solche entweder direct aus dem Simmenthal eingeführt worden sind oder daß dieselben aus einer Reinzucht stammen.
Bekanntmachung,
betreffend öffentliche Faselschau zu Grunberg.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß am 25. August d. I gelegentlich des an diesem Tag stattfindenden Viehmarkts und in Verbindung mit der durch den landwirthschaft- lichen Bezirksverein veranlaßten Viebpreisvertheilung auf dem Biehmarktplatz zu Grünberg eine öffentliche Faselschau durch die Köreommission abgehalten werden wird. Die Schau beginnt Vormittags 8 Uhr; zur Ankörung kommen nur Fasel der Vogelsberger und Berner, speciell Simmenthaler Raffe, auch müffen die Bullen bereits sprungfähig sein. Die Thiere müffen sicher geführt und gefeffelt sein, anderenfalls hat der Besitzer sich der Wegweisung vom Markt zu gewärtigen.
Gießen, den 10. August 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
v v , der Sparkasse und der von der Stadt Grünberg zur Ausführung der Viehpreisvertheilung zur Disposition gestellten Mittel, von der Stadt Grünberg 100 JL unb von der Sparkasse 160 eX gelten ebenfalls vorstehende Bedingungen, jedoch sollen aus diesen Mitteln auch nicht im Kreise Gießen wohnende Züchter bei Vorführung von preiswürdigem Vieh mit Prämien bedacht werden.
III. Es bleibt dem Ermessen der Prämiirungs-Commisston überlassen, die bestimmten Preise innerhalb des Gesammt- betrages je nach der Güte der ausgestellten Thiere jeder Gattung auch zu übertragen.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
zwei Preise
wirthschastlichen Bezirksvereins Gießen abgehalten werden. — Alle Mitglieder des landwirthschastlichen Bezirks- Vereins und der landwirthschastlichen Ortsvereine, der Viehzuchtgenossenschaft, sowie alle Freunde der Landwirthschast werden zu dieser Versammlung hierdurch ergebenst eingeladen.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gemeinden vorhandenen Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Tagesordnung:
1) Vorlage und Festsetzung des Voranschlags des land- wirthschaftlichen Bezirksvereins zu Gießen pro 1892/93.
2) Vorlage und Prüfung der Rechnung des landwirth- schaftlichen Bezirksvereins pro 1891/92.
3) Viehpreis - Vertheilung auf dem Viehmarktsplatze zu Grünberg.
Gießen, den 10. August 1892.
Der Director des landwirthschastl. Bezirksvereins Gießen. Jost.
Bekanntmachung.
Der landwirthschaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird
Donnerstag den 25. August 1892
auf dem Viehmarktsplatze in der Nähe des Wagner'scheu Gartens zu Grün berg eine Ausstellung von Zuchtvieh, verbunden mit einer Viehpreisvertheilung, veranstalten, für welche die nachstehenden Bestimmungen getroffen sind:
I. Bezüglich der von dem landwirthschaftlichen Bezirksverein zur Ausführung der Viehpreisvertheilung zur Ver- ugung gestellten 550 JL.
1. An der Ausstellung können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter, Viehhändler ausgenommen, betheiligen.
.2. Sämmtliche aufzustellende Thiere sind bis Morgens 8 Uhr auf dem Viehmarktplatze zu Grünberg auszu- zutreiben und von den Besitzern auf den ihnen, von der Commission angewiesenen Ständen aufzustellen.
Nur preiswürdige Thiere werden prämiirt und zwar: a. Bullen im Alter von 1— 2>/z Jahren, b- Rinder, welche sichtbar trächtig und e. Kühe, die sichtbar trächtig sind oder frisch gekalbt haben.
zusammen 8 Preise — 250 Für Rinder und Kühe:
4. „ „ a
5. zwei Preise ä 25 Jt.
An Preisen werden aus Vereinsmitteln gewährt
1. für den schönsten Bullen, Simmenth. Raffe 45
2* n ff ff
„ Vogelsberger
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Gießen, den 6. August 1892.
Der Vorstand des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.
Bekanntmachung.
Donnerstag den 25. August 1892, Vorn,. 9 Uhr präcis wird im „Englischen Hof" zu Grünberg (Herrn Wagner) eine Generalversammlung des land-
Bekanntmachung,
betr.: Maßregeln gegen die asiatische Cholera.
Bei einer Revision der Abtritte, Abtrittsgruben und Tonnen 2c. wurden vielfache Verstöße gegen die Bestimmungen des Regulativs vom 20. März 1869 vorgefunden, so daß wir uns veranlaßt sehen, die Bestimmungen des genannten Regulativs, insoweit sie noch in Gültigkeit sind, mit dem Bemerken wiederholt zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, daß das Aufsichtspersonal angewiesen ist auf das Strengste auf die Handhabung des Regulativs zu sehen und Zuwiderhandlungen zu Bestrafung anzuzeigen. Auch wird die Herstellung von Ordnungswidrigkeiten auf Kosten des Säumigen von uns veranlaßt werden.
Gießen, den 19. August 1892.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Aegukativ,
die Anlegung und Einrichtung der Abtritte, Abtrittsgrubeu und Dungstätten in der Provinzialhauptstadt Gießen, und das Reinigen derselben betreffend.
Zur Beseitigung gesundheitschädlicher Einflüsse wird nach Anhörung des Gemeinderaths und mir Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 29. September 1868 zu Nr. M. d. I. 10265 und 10302 aus Grund der Art. 136, 137 und 310 des Polizeistrasgesetzes, sowie des §. 13 der Verordnung vom 4. Februar 1857, die von den Bauhandwerkern zu beobachtenden technischen Vorschriften betreffend Folgendes verfügt:
Feuilleton.
„Nr. 81691".
Nooelletle von B. Corony.
(Nachdruck verboten.)
Dr. Hermann Welker hatte sich erst seit einem halben Zahre als praclischer Arzr in seiner Vaterstadt Bromberg nedergelassen und ein allerliebstes blondes und blauäugiges brauchen hcimgeführr. Wenn Grethe, das leicht gekräuselte paar mit dem niedlichen Morgenhäubchen geschmückt, anmuthig geschäftig am Frühstückölisch waltete, hörte sie keine Minute plaudern und zu scherzen aus. Dies Reden und Lachen iland ihr gar gut, man konnte dann die kleinen, schimmernden Zähne zwischen den rothen Lippen sehen und die Grübchen 'n den Wangen. Sie sorgte so zärtlich für den Gatten und vltckte ihn dabei so schelmisch und innig an, daß er bald ihren weichen Mund, bald ihre hübsche Hand küßte und nicht müde wtirde, die süßesten Schmeichelnamen zu flüstern.
Das Glück des Ehepaares wäre ein vollständig ungetrübtes gewesen, hätten ihnen ihre Verhältnisse nur erlaubt, dem Geschmack und den Anforderungen der Neuzeit Rechnung ;n tragen. Die Wohnung war gar zu beschränkt, es fehlte in einem entsprechend ausgestatteten Wartezimmer, die Möbel gatten ein derbes, dauerhaftes, theilweise altmodisches, aber keineswegs elegantes Ansehen und die ganze Einrichtung überhaupt etwas Hausgebackenes. Die Praxis ließ einstweilen in Ausdehnung noch viel zu wünschen über, die junge Frau neinte aber, ein wenig Prunk würde den Patienten imponiren rnd ihnen größeres Zutrauen einflößen. Diese Ansicht mochte wch wirklich keine irrige sein, doch Gretchen bemühte sich -ergebens, ihre Tante zu derselben zu bekehren und auch
Hermann konnte seinen Vater von der Nothwendigkeit, einige tausend Mark zu opfern, nicht überzeugen.
. Als Fräulein Ludovika Koch ihre früh verwaiste Nichte ausstattete, schenkte sie unter anderem einen Theil der vor- handenen Möbel, welche trotz ihres respectablen Alters noch ziemlich gut erhalten waren, weil man sie nur höchst selten zum Zwecke der Benützung von den grauen Leinwandkappen befreit hatte, und der Steuerrath a. D. Welker vervollständigte die Einrichtung, zeigte sich aber bei dieser Gelegenheit nicht freigebiger als die alte Dame und blieb ebenso wie sie taub für alle versteckten Andeutungen und halb ausgesprochenen Wünsche. Dieser Umstand bildete die einzige Wolke an dem Ehehimmel des jugendlichen Paares, welches übrigens keineswegs die Hoffnung aufgab, doch noch eine Aenderung der Dinge zu erzielen.
Eines Morgens antwortete der Doctor nur zerstreut aus die Neckereien der reizenden Schelmin, hielt den Aschen- becher statt der Tasse an die Lippen, zuckerte den Kaffee zweimal nacheinander und schien so lebhaft mit seinen offenbar nicht ganz angenehmen Gedanken beschäftigt, daß Grethchen endlich erstaunt und ängstlich fragte:
ff Was ist Dir denn, um Himmelswillen? Du bist doch nicht krank?"
/fAcklf nein, nein," beruhigte er, „aber es geht mir etwas im Kopse herum. Ich faßte gestern einen raschen Entschluß und führte ihn ebenso rasch aus — und jetzt steigen mir doch Bedenken auf."
„Ja, was hast Du denn gethan?"
„Ich miethete die hübsche, geräumige Wohnung mit dem Balcon — weißt Du, in dem Eckhaus, vor welchem wir unlängst standen. Sie ist freilich um einige hundert Mark
theurer, aber die werde ich schon zusammenbringen, kamen doch erst gestern zwei neue Patienten zur Sprechstunde."
„Ach, Hermann, das ist ja entzückend!" rief die junge Frau. „Wie prächtig muß sich Dein Schild an dem eleganten Gebäude ausnehmen!"
„Und wir haben drei Zimmer mehr als hier."
„Herrlich! . . . . Aber da fällt mir ein — was stellen wir denn eigentlich in diese Räume?"
„Das frag ich mich auch."
„Sieh nur — dieser Tisch, auf dessen großer Platte man tanzen könnte, dieses Sopha, auf dem sechs Personen Platz hätten, diese breiten niederen Spiegel und der winzige Teppich paßten doch höchstens in die Wohnstube."
„Ich pflichte Dir vollkommen bei."
„Die unumgänglichen Neuanschaffungen werden Geld — viel Geld kosten."
„Daran ist nicht zu zweifeln."
„Qa, — wo nehmen wir das aber her?"
ffJe nun — ich denke einer vollzogenen Thatsache gegenüber werden Tante Ludovika unb Papa mit sich reden lassen."
„Meinst Du?"
„Ich hoffe wenigstens."
Wie electrisirt sprang das Frauchen auf und rief mit vor Eifer glühenden Wangen: „So wollen wir keine Zeit verlieren! Geh Du zu ihm und ich geh zu ihr."
Eine Halde Stunde später trippelte sie schon, einen zierlichen Hut, unter dem ihr Gesicht noch frischer und rosiger aussah, auf ihre goldigen Flechten gedrückt, über die Straße.
(Fortsetzung folgt.)


