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Abg. Schmidt (bfr.): Der Uebergang vom Oeconomiehand- roetTcr zur Gesängnißarbeit heiße den Teufel durch Beelzebub auS- tretben. Ja den Gefängnissen werde den die Gefängntßarbett bean- spruchenden Fabrikanten in weitestgehender Weife entgegengekommen, sogar durch Aufstellung der Motoren.

Abg. Di. v. Frege (conf.) anerkannt daS Entgegenkommen der MtlttLroerwaltung gegen daS Handwerk und wünscht, daß dieses Beispiel im Reichsamt des Innern Nachahmung finde.

Das CapitelBekleidung und Ausrüstung der Truppen" wird nach dem Commtfsionsantrage angenommen.

Abgesetzt werden ferner 14 240 Mk. bei demGarnisonverwal- tungS- und Serviswesen" und 5231 Mk. beimMilitär-Medicinal- wesen".

Zu letzterem Eapttel fragt Abg. Dr. Endemann (nl.) an, in welcher Weise in einem künftigen Kriege für den Transport der Ver­wundeten Sorge getragen werden solle, indem er auf die Rede Btll- rothS in der österreichischen Delegation Bezug nimmt. In einem künftigen Kriege werde die Zahl der Verwundeten eine erheblich größere sein, nicht blos mit Rücksicht auf die größere Zahl der Mann­schaften, sondern auch proportional und zwar infolge deS schnelleren Feuers. Die Verbandplätze würden weiter zurückliegen müssen, so daß mehr Kräfte zum Transport erforderlich werden. Er wolle die Gelegenheit nicht vorübergehen lasten, ohne der unvergeßlichen Ver­dienste Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta um das Santtätswesen zu gedenken.

Major Garde erwidert, daß die Billroth'sche Rede das größte Interesse in deutschen militärischen Kreisen heroorgerufen habe. Der nächste Krieg werde allerdings unter erheblich veränderten Verhält­nissen, sowohl hinsichtlich der Menschenmassen als hinsichtlich der Waffenwtrkung, stattsinden. Das heutige kleinkalibrige Geschoß dringe noch in der Mitte seiner Flugbahn durch einen Vi Meter starken Baumstamm und erst ein % Meter starker Erdwall gewähre Schutz dagegen. Dabei sei das neue Geschoß vielleicht aber doch noch humaner als man annehme, in naher Entfernung wirke eS allerdings explosibel, in weiterer Entfernung aber gehe es durch einen Knochen, den es früher zersplittert hatte. Wir werden in einem künftigen Kriege mehr Verwundete, aber nicht mehr Schwerverwundete haben. Jede Truppe sei reichlich mit Verbandzeug ausgestattet und bet jeder Truppe befinden sich Mannschaften, die alS Krankenpfleger ausgebil­det sind. Jedes ArmeecorpS habe drei Sanitätsdetachements mit 8 Wagen und 120 Träger. Diese Detachements referviren Ver­bandplätze und es sei auf eine Ausbildung der Militärärzte darauf htnzuwtrken, daß sie selbständig dispontren können. Für jedes Lrmeecorps sind 12 Feldlazarethe mit je 200 Betten bestimmt; doch kann jedes Lazareth auf 400 und 600 Belten erweitert werden. Die Zahl der Verwundeten betrug 1870/71 12%; sie sei bei den vorge­sehenen Maßnahmen auf 20 o/g angenommen, also sehr reichlich. DaS Verbandzeug reiche für 30 %. Für den Transport der Verwundeten von der Feuerltnte nach den Verbandplätzen sei ausreichend gesorgt. Redner erläutert eingehend die getroffenen Maßnahmen. Die mitt­lere Entfernung der Verbandplätze von der Feuerlinie sei auf 1600 Meter angenommen, also weiter, als Btllroth angenommen. Nach den getroffenen Einrichtungen werde es möglich sein, ein Schlachtfeld in 4 bis 5 Stunden zu räumen.

Abg. Dr. Virchow (bfr.) fragt, ob ausreichende Vorsorge für firicte Durchführung der Genfer Convention getroffen sei und empfiehlt Pflege der freiwilligen Mithilfe Privater bei der Kranken­pflege unter Hinweis auf den großen Nutzen derselben in den letzten Kriegen.

Generalmajor v. Goßler weist in Erwiderung darauf auf die Thatsache hin, daß ja eine Organisation der freiwilligen Kranken­pflege bestehe.

Der Rest der fortdauernden Ausgaben wird nach den Com­missionsanträgen angenommen.

Weiterberathung morgen 2 Uhr. Außerdem Gesetzentwurf detr. Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht.

Uencfte Nachrichten.

WvlflS telegraphifcheS Lsrrespondmz-Burecu'.

Berlin, 18. Februar. Die deutschen Schi ff fahrt s- interessenten beschlosten in ihrer heutigen Versammlung, die deutschen Canalvereine zur geschlossenen Betheiligung am Pariser internationalen Binnenschiffsahrts-Congreß auszufor­dern, die Schiffsbauanstalten und Schifffahrtsgesellschaften um Einsendung von Modellen deutscher Strom- und Canalsahr­zeuge für die Pariser Ausstellung zu ersuchen und ein für den Congreß eingesetztes deutsches Count« mit der Ausführung dieser Beschlüsse zu betrauen.

Petersburg, 18. Februar. Das Hilfscomite unter dem Vorsitze des Thronfolgers überwies nach dem neuesten Be­richte den N o t h st a n d s - G o u v e r n e m e n t s gegen l1/* Mill, baar und über 800,000 Pud Korn.

Depeschen detzBureau Herold".

Berlin, 18. Februar. Der Kaiser wird dem dies- zährigen Feste der Boruffen beiwohnen. Die Kaiserin ist fast gänzlich hergestellt.

Berlin, 18. Februar. Der Regierung liegt besonders an dem Zustandekommen des C h e ck g e s e tz e s. Obgleich der

«ms, wie beispielsweise in diesem Augenblick, wo es ihr absolut nicht gelingen wollte, den Neffen zu ihrer Meinung zu be­kehren. Ei, wie vor Erregung die Augen blitzten und die Wangen im heißen Roth erglühten! Es war ja aber auch geradezu unerhört, was sich dieser Jüngling herausnahm! Den Assessor aus einem Himmel in den andern zu heben und an dem Baron kein gutes Haar zu lassen das war einfach himmelschreiend? Bis über die Ohren sollte er in Schulden stecken, den Spielteufel im Leibe haben und jedem hübschen Kinde nachlausen! Gerade das hatte ja der Baron von dem Assessor behauptet, dem man im Hinblick aus seine Jugend so etwas allerdings zutrauen konnte. Die gute Tante hatte sich so in Hitze geredet, daß sie kaum wußte, was sie sagte. Hoch ausgerichtet stand sie vor dem Neffen und schleuderte ihm, den letzten Trumps ausspielend, die denk­würdigen Worte zu:

Wenn sie alle auch mit Fingern aus ihn zeigten und das Schlimmste behaupreten ich glaube nichts von alledem. Mein Vertrauen zu ihm ist so groß, daß ich selbst, ja ich, ihm meine Hand nicht versagen würde, wenn er sie begehrte!"

Das Milchgesicht des Jünglings war plötzlich wie mit Gluth übergossen- die Lippen fest zusarnrnengepreßt, glaubte er ersticken zu müssen. Zum Glück sah die Tante nichts mehr davon, denn hoheitsvoll hatte sie ihm bereits den Rücken gekehrt und das Zimmer mit majestätischen Schritten ver­lassen. Jetzt aber explodirte der augehäuste Zündstoff und ein Lachen erschütterte die Wände, wie es diesen Raum noch nie durchklaug.

(Fortsetzung folgt)

BundeSrath die Berathung sehr beschleunigt, ist es zweifel­haft, ob dieselbe noch in dieser Session erledigt wird.

Berlin, 19. Februar. Dem Bundesrath ging ein Gesetzentwurf über daS Auswanderungswesen zu, ent­haltend die Bestimmungen über Unternehmer, Agenten und allgemeine Bestimmungen über die Auswanderung, besonders die überseeische nach außereuropäischen Ländern, die Beauf­sichtigung deS Auswanderungswesens, Beförderung von den außerdeutschen Häsen auS und die Strasbestimmungen.

Berlin, 19. Februar. DerLiberalen Correspondenz" zufolge soll der BundeSrath in der gestrigen Sitzung den Entwurf des Spionagegesetzes berathen haben, welcher nächstens an den Reichstag gelangen soll. Die wiederholt angekündigte Einsetzung einer Commission von Hydrotechnikern, Verwaltungsbeamten und Sachkundigen aus den Kreisen der au der Wasserwirthschast Jnteressirten soll beschlossen sein. Die nächste Aufgabe soll die Untersuchung der Frage sein, ob die vorgekommenen Hochwasserschäden in ursächlichem Zu­sammenhänge mit den Flußregulirungen stehen, sodann die Erforschung der Ursachen der letzten Ueberschwemmungen und deren Verhütung.

Bürbach, 18. Februar. Aus dem hiesigen Hüttenwerk ist zum dritten Male innerhalb kürzerer Zeit einer Anzahl Leute gekündigt worden wegen Einschränkung des Hütten­werkes.

Rom, 18. Februar. Die Urheber der Tagesordnung, beschließend einen allgemeinen Ausstand, sollen wegen Aufreizung zu Tumulten gerichtlich belangt, die Garnisonen sollen consignirt, die Tiberbrücken überwacht werden.

Paris, 19. Februar. Gestern erklärte Fr eh ein et, daß nach den Sympathiebeweisen des Papstes für die Re­publik die Regierung den Dringlichkeitöbeschluß bezüglich der Trennung der Kirche vom Staate nicht zulasse. Pichon, Brisson und Clemenceau bekämpfen die Versöhnungspolitik. Caffagnac, Gras de Mun unterbrechen. Eine Tagesordnung Trouillot-Laserre, besagend, die Kammer verfolge die von Freycinet eingeschlagene republikanische Politik, wird mit 212 gegen 304 Stimmen verworfen. Die Minister verließen den Saal. Die Tagesordnung Pichon - Julien, erklärend, die Kammer setze den Kamps gegen die clericale Partei fort, wird mit 279 gegen 191 Stimmen angenommen, die Dringlichkeit mit 246 gegen 287 Stimmen verworfen.

Paris, 18. Februar. Laut Mittheilung aus Regierungs- J kreisen beschränkte sich Freycinet gestern wegen der Em- psangssoireoe bei Carnot darauf, letzterem die durch Ablehnung des Vertrauensvotums seitens der Kammer her- vorgerusene Situation darzulegen. Freycinet werde Freitag früh die Demission des gelammten Cabinets einreichen.

Sitzung bet Stadtverordneten

am 18. Februar 1892.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Bei­geordneter Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren : Adami, Georgi, Heyligenstaedt, Hornberger, Jughardt, Keller, Löber, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schmoll, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Vor Uebergang zur Tagesordnung erfolgten zunächst einige Mittheilungen. Die erste behandelt das Ergebniß des vor einiger Zeit auf dem Submissionswege erfolgten Nutzholz- Verkaufs. Es wurden erlöst für 470 Festmeter Eichen- Schnitt- und Schwellenholz und für 194 Festmeter Bau- und Grubenholz Mk. 17 708. Der Verkauf wird, da die Taxe erheblich (um 4400 Mk.) überschritten wurde, genehmigt. Die zweite Mittheilung bezog sich auf die Verhandlungen der zum Zwecke der Begutachtung über die Regelung der Sonntagsseier eigens eingesetzten, aus Stadtverordneten, Handelskammer-Mitgliedern und Kaufleuten bestehenden Com­mission. Das Wesentlichste aus der Sitzung wurde in voriger Nummer des Anzeigers bereits mitgetheilt und zwar, wie Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkte, zu dem Zwecke, um den Interessenten Gelegenheit zu geben, sich mit der Frage nach den in der Commission vertretenen Gesichtspunkten zu beschäftigen und event. derselben noch Material für die auf nächsten Dienstag anberaumte weitere Sitzung zugänglich zu machen. Schließlich berichtete der Herr Oberbürgermeister über die Verhandlungen des am Dienstag, den 16. d. Mts. in Mainz abgehaltenen hessischen Städtetages. Es wurde, wie bereits mitgetheilt, über die wesentlichsten Be­stimmungen des Entwurfs der neuen hessischen Verwaltungs­gesetze, im besonderen über die Stellungnahme derjenigen Städte berathen, die (nach dem Entwurf) der bisherigen Ver­waltung durch den Kreis entzogen, bezw. besondere Stadtkreise bilden sollen, (lieber das Wesentlichste aus den Verhand­lungen des Städtetages werden wir in nächster Nummer berichten. Red.)

Gesuch des Bäckermeister Ludwig Kämmerer um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränder­ungen. Gesuchsteller beabsichtigt, an seinem Hause an der Ecke Seltersweg-Teuselslustgärtchen einen Laden einzurichten und den Hauseingang auf die Seite vom Teufelslustgärtchen zu verlegen, bezw. dort einen Treppenanbau zu errichten. Das Gesuch soll wegen des Verstoßes gegen § 18 des Orts­baustatuts dem Anträge der Baudeputarion entsprechend nicht beanstandet werden, wenn, dem § 15 und 16 des Ortsbau­statuts nach, durch Abbruch eines alten Nebengebäudes der Hofraum vergrößert wird.

Der Pachtvertrag über die Vermiethung der Kellerräume in dem Schulhause der höheren Mädchenschule soll unter den feltberigen Bedingungen mit dem derzeitigen Pächter verlängert werden.

Gegen die geschehene Abgabe von Deckreisern auS dem Stadtwalde im Werthe von 540 Mk. einschließlich Fuhrlohn findet die Versammlung nichts zu erinnern.

Der Pächter eines in das anzulegende städtische Ob st bäum stück fallenden Triebviertels sucht um Vergütung für auf dasselbe verwendeten Dünger nach. Es wird nach Gutachten des Feldgerichts beschlossen, dem Gesuchsteller 28 Mk. zu bewilligen.

Herr Stadtbaumeister Sties hatte während feiner Amts­zeit den für das Stadtbauamt bestimmten Raum mit ben Gehilfen inne; es wird aber für nothwendig erachtet, bem am 1. Mai sein Amt antretenben neuen Stadtbaumeister ein besonderes Zimmer zu überweisen. Es wird beschlossen, vorläufig das Vorzimmer des Ortsgerichts dem Secretär bei Armendeputation und das von diesem innegehabte Zimmer dem Stadtbaumeister zu überweisen, lieber die für zweck­mäßig erachtete Verlegung des Ortsgerichts nach der Raths- dienerwohnung und Verlegung dieser in ein auf dem betr. Nebengebäude zu errichtendes Stockwerk soll später Beschluß gefaßt werden.

Metzgermeister Sack hat ein Gesuch eingereicht, nach welchem ihm gestattet werden möge, die an den Consumverein zu Lollar geliefert werdenden Fleischwaaren zwecks Rück­vergütung des Octrois bei dem Erheber am Wallthor anmelden zu dürfen. Es wird nach Kenntnißnahme einer von Herrn Octroiinspector Jost erstatteten Gutachtens und Annahme der von demselben vorgeschlagenen Bedingungen beschlossen, dem Gesuche versuchsweise stattzugeben.

Dem Gesuch des Herrn Aug. Schlessinger um Gestattung eines Transitlagers in seiner Hofraithe an den Bahnhöfen wird, nachdem die Finanzdeputation unter Darlegung der gegen Genehmigung des Gesuchs sprechenden Gründe einen diesbezüglichen Antrag gestellt, Genehmigung nicht ertheilt.

Das Gesuch des Herrn Ed. Deuker um Übertragung ber seiner Ehesrau erteilten Wirthschastscoucefsion auf dem Lahnstein auf seinen Namen wird nicht beanstandet.

Betreffs zweier nicht auf der Tagesordnung stellender Gesuche um Ertheilung der Wirthschaftsconcession wird in Übereinstimmung mit dem Bericht Großh. Polizei­amts ein Bedürsniß zum Ausschank von Branntwein als nicht vorliegend erachtet. Herr Carl Mattheis beabsichtigt Wirthschast in seinem Hause Franksurterstraße 109, Herr Georg Hebstreit im Lehrer Schmidt'schen Hause am Wall- thor zu betreiben. Die hierfür in Aussicht genommenen Localitäten entsprechen nach Angabe des Polizeiamts übrigens nicht den polizeilichen Vorschriften.

Locale» ttttfr provinzielle».

Gießen, 19. Februar 1892.

Der Akademische Gesangverein hat sich aus Anregung entschlossen, zu der am Samstag den 20. Februar statt­findenden Hauptprobe Eintrittskarten zu wesentlich er­mäßigten Preisen (1 Mk. bezw. 50 Psg.) auszugeben. Wir können diesen Entschluß nur gutheißen, edle Musik in weite Kreise zu tragen, ist durchaus verdienstvoll. Wir glauben, daß diese Vergünstigung mit Freuden begrüßt und umfang­reich benutzt werden wird. Ausführliches bringt das heutige Inserat.

-s. Der Theater Verein hat gestern wieder bei gut- besetztem Hause mit der Aufführung von LessingsMinna von Barnhelm" einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Eine Besprechung der Vorstellung werden wir morgen bringen.

Neues Theater. Die Direction theilt uns mit, daß das für Montag den 22. Februar annonctrte Gastspiel und Benefiz für Herrn Ernst wegen Verhinderung des Herrn Hacker um einige Tage verschoben werden muß.

Neues Theater. Eine ganz besondere Ueberraschunz steht uns für kommenden Montag bevor. Herr Director Reiners und Frau, an deren Kunst als Darsteller wir uns schon so oft erfreuen durften, werden nun auch als Autoren vor das Publikum treten und zwar am nächsten Montag mit einem eigenen StückeSchön-Akothtraut, romantisches Zaubermärchen mit Gesang". Herr Musikdirector Krauße hat die Musik dazu componirt und wird bei der Ausführung selbst birigiren. Mehr wollen wir heute nicht verrathen, höchstens noch, daß Herr Director ReinerS mit großen Kosten eine ganz neue Ausstattung für das Stück er­worben hat. Da die Vorstellung außerdem zum Benefiz der so sehr beliebten Frau Anni Reiners gegeben wird, dürfen wir wohl sicher darauf rechnen, am Montag ein aus­verkauftes Haus zu sehen.

Die in heutiger Strafkammer Sitzung eröffnete Ver­handlung über die bekannten Schüler-Vergehen führte eine solche Zuhörermenge herbei, daß der hierfür bestimmte Raum alsbald überfüllt war und abgeschlossen werden mußte; zahlreiche Personen mußten auf dem Corridor der Befriedi­gung ihres Wissensdurstes über dieinteressanten" Fälle ent­sagen. Nach Verkündigung des umfangreichen Anklage­materials wurde zur Beweisaufnahme geschritten, die zum größten Theile durch Eingeständnisse sehr erleichtert wurde, aber mitunter recht gravirende Momente ergab. Bei Schluß der Redaction dauert die Beweisausnahme noch fort und wird mit dem darauffolgenden Zeugenverhör die Verhandlung bis spät Abends währen.

Warnung. Auch in der hiesigen Gegend treibt sich ein ehemaliger Uhrmacher und späterer Photographengehülfe Richard Mohrmanu umher, welcher lange Jahre hin­durch sein Geschäft als Wurm- und Bandwurm-Heilbefllssener betrieb. Nachdem dies durch die Neichsgewerbeordnung ver­boten wurde, empfiehlt er sein Mittel theils persönlich, theils durch Ueberfenbung von Prospecten, theils burch bie Zeitung. Wie amtlich sestgestellt würbe, hat biesesuntrügliche" Mittel nach ber Arzneitaxe einen Werth von 1 Mk. 20 Psg., da Mohrmann bas Mittel aber für 10 Mark verkauft, so wird hiermit vor dem Ankäufe gewarnt.

Ruhestands - Versetzung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht: Am 17. Feb­ruar ben Lanbgerichtsbirector bei dem Landgericht ber Pro­vinz Oberhessen Julins Muth auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung mit 1. März 1892 in den Ruhestand zu versetzen.

= Lich, 18. Februar. Als an einem der letzten Tage ein hiesiger Lehrer daS Schulzimmer betrat, wurde ihm von ben Schülern ein Laib Brod überreicht. Erstaunt über dieses