Rr. 43
Samstag den 20. Februar
1892
Amtr- nnS Anzeigeblatt ffit? den "Kreis (Stegen.
Hratisdeitage: Hießener Jamikenetätter
Amtlichem Thsrl.
v. Knorr.
de Beauclair.
Alle Lnnoncm-Bureaux deS In- und Auslands «ehm« Anzeigen für den »Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Blitzableitern beschäftigen, in gemeinverständlicher Weise, so daß Vorkenntnisse nicht erforderlich sind, mit den wissenschaftlichen und technischen Grundsätzen bekannt und vertraut zu machen, welche zur sachgemäßen Herstellung dauernd zuverlässiger Blitzableiter und zur sicheren Prüfung der Zuverlässig, keit derselben unbedingt erforderlich sind.
Der Unterricht und die daran sich anschließenden prac- tischen Uebungen in Bezug auf Projectirung M Neuanlagen sowie Untersuchung und Prüfung bestehender Einrichtungen werden geleitet von dem auf dem Gebiete der Blitzableitertechnik als Autorität bekannten Physiker Herrn Dr. W. A. Nippoldt.
Etwaige Anmeldungen zum Besuche des Lehr-Cursus sind an die electrotechnische Lehranstalt des Physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. zu richten und zwar möglichst frühzeitig, da zur Sicherung eine- guten Erfolges des Unterrichts nur eine beschränkte Zahl von Theilnehmern ausgenommen wird.
Das Honorar beträgt 30 Mark und ist vor Beginn des Cursus zu entrichten.
Gießen, den 18. Februar 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Vierteljähriger LöonnementspreiO i 2 Mark 20 Pfg. tat Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pf,.
Redaetion, Expedition und Druckerei:
Schntstraße Hkr.7.
Fernsprecher 51.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 18. Februar. Seine Königliche Hoheit der Erb groß Herzog sind gestern »benü 11 Uhr 10 Minuten in Begleitung der persönlichen Adjutanten Premierlieutenant v. Frankenberg u. Ludwigsdorff nach Nizza obgereist.
Bekanntmachung,
betr. Lehr-Cursus für Anlage und Prüfung von Blitz, ableitern.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß die electrotechnische Lehranstalt des Physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. auch in diesem Jahre einen Lehr - Cursus für Anlage und Prüfung von Blitzableitern veranstalten wird, der von Montag den 14. März bis einschließlich Samstag den 19. März l. I., täglich Vormittags von 10—12 und Nachmittags von 3 Uhr an im Hörsaal des Vereins, Stiftstraße 32, abgehalten werden soll.
Der Zweck dieses Cursus besteht darin, Mechaniker, Schlosser, Dachdecker u. s. w., welche sich mit Herstellung von
Der ShfttMT Z-i-ig" erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener AnmikienStütter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal taget egt
Gichemr I uzeiger
Henerat-Anzeiger.
I Mannschaften des Beurlaubtenstandes angesichts der Ausbildung der Mannschaften in anderen Armeen. Die Lücken in der Ausbiiöuns seren schon lange fühlbar, es sei hohe Zeit, dieselben auSzusülle* Gerade bei den letzten Manöoern habe sich bei aller Tüchtigkeit dock eine gewisse Schwerfälligkeit gezeigt, die bet der heutigen Technik der Kriegführung bedenklich sei. Es handle sich hier um eine Frage von grober Bedeutung für unsere Kriegstüchttgkeit. So tief einschneidend wie Rrchter meine, seien die Uebungen nicht, da die soeben aus de« activen resp. dem Reserveverhältntß entlassenen Mannschaften schon im nächsten Jahre wieder eingezogen würden.
Abg. v. Schöning (cons.) wünscht, daß die jetzt Mitte August eingezogenen Mannschaften mit Rücksicht auf die Ernte künftig erst später eingezogen werden. ö p
Generallteutenant v. Spitz sagt Erwägung dieses Wunsche- in. (JöettflU rechts.)
Dem Eommisfionsantrage entsprechend werden nur 55377 Mk abgesetzt.
m ^K^^aturalverpflegung werden in Consequenz des vorstehende« Beschlusses unter Absetzung von 49 048 Mk. nur 82 598363 Mk bewilligt.
Beim Capitel „Bekleidung und Ausrüstung der Truppen" be- Eommtssion 27 662.M. abzusetzen und demgemäß nur 20 751 174 Mk. zu bewilligen.
.. Abg Schmidt-Elberfeld (dft.) fragt an, welche Erfahrunge» MH ^«!?waltung mit der Gefängntßarbeit gemacht habe, und butet, die Prtvatindustrie nicht durch die Concurrenz der Gefängniß- arbett schädigen zu lassen. Redner beschwert sich spectell darüber daß neuerdings die Fabrikation von Sttefeletsen der Prtvatindustrie entzogen und in die Strafanstalten verlegt worden sei.
Generallteutenant v. Funck erwidert, daß, nachdem die 8abl der Oeconomtehandwerker um 25pCt. vermindert worden, die Ge- sangnißarbeit mehr in Anspruch genommen werde. Wünschenswertb wäre, daß die Anstalten sich auf größeren, den Bedarf der Mtlitär- verwaltung deckenden Betrieb einrichteten. Darüber schwebten noch Unterhandlungen. Was die Sttefeletsm anlange, so handle es sich nur um einen Versuch.
schließt sich dem Abg. Schmidt an und wünscht daß die Oeconomte-Handwerker ganz beseitigt würden. Bi- dahin aber sei dafür zu sorgen, daß sie nicht dem Prtoathandwerk Concurrenz machten. *
Generallteutenant v. Funck erwidert, daß die Derringentua der Oeconomtehandwerker ja im Interesse der Verwaltung liege da sie dann ja mehr Leute für den Dienst mit der Waffe gewinne Eine weitere V-rringerung werde aber nicht möglich sein, da die Armee einen Stamm von Handwerkern haben müsse.
. , Ad«- Richier führt aus, daß auch für dm Kriegsfall der Be- darf durch das Privatgewerbe gedeckt werden könne
. ^bg. v Frege (coni.) empfiehlt, die Getängnißarbeit mehr in »^nst der Landwirthschaft zu stellen, anstatt durch dieselbe eine künstliche Unterstützung der Ueberproduction, die in vielen Kreisen des Handwerks bestehe, zu schaffen.
Abg. Hinze (bfr.) empfiehlt der Verwaltung, nach österreichi- ^ch^^Dorgange mit größeren LieferungSverbänden in Verbindung
Abg. Osann (natl.) spricht gleichfalls für weitere Verringern»* der Oeconomtehandwerker, welche dem Handwerk eine noch empfind- fttitbeb®OnCUtrtni bctriteten' 018 r,c durch di- G-fLngntßarbcit
Gmerallieut-n-nt -.Funck wledrrholt, daß eine weitere v-r- "^."^"?>^"-?"°"°"^dandw-rker unter dm heutigen Verhättnifien nicht mogltch sei.
reine Erklärung darüber, daß durch die Militärschneider, Schuster usw. die Soldaten nicht zu Arbeiten für Privatleute verwendet werden dürfen. Der Htnze'sche Vor schlag würde nur dem Grotzcapital zu Gute kommen und das Handwerk
vetttßsher Reichstag.
175. Plenarfitzung. Donnerstag de« 18. Februar, 1 Uhr.
Zum Mitglied der Reichsschuidencoürmi'sston an Stelle deS aus der Commission auSgeschtedenen Abg. Kochann wird Abg. Prinz v. Arenberg (Ctr.) gewählt. M
Die Berathung des MtlitäretatS wird fortgesetzt.
ur Ntel .Geldverpflegung der Truppen" beantragt die Commission (Referent Abg. v. Keudell), von der für Löhnung in Ansatz gebrachten Summe 55 377 Mk. abzusetzen. mstbin statt 60164 283 Mk. nur 60 108 906 Mk. zu bewilligen * "
Abg- Richter (bfr.) beantragt 795 345 Mk. abzusehm, das ist den gesammten im Etat eingestellten Mehrbedarf, der die Mittel '»ten soll, um künftig außer den besonderen Uebungsklassen durch- chnittllch reden Mann im Reserve- und im Landwehrverhaltniß zu
Uebung von 14tägiger Dauer heranziehen zu können. ES ollten 53pCt. mehr Mannschaften zu Uebungen herangezogen werden. Er halte es nicht für richtig, eine immer größere Belastung der Leute eintreten zu lassen, ohne auf der anderen Seite dem gewünschten Ziele einer Entlastung der MUitärpfltchtigen durch Einführung der zweffährigen Dienstzeit näher zu kommen. Dazu komme, daß der Etat mit Rücksicht, auf die hohen Preise so wie so schon größer" Mehrforderungen für Naturalverpflegung enthalte und daß es den Leuten bei der heutigen wirthschastlichen Lage, die durch die Uebungen aus ihren Stellungen herausgertssm werden, schwer sei, neue Stellungen zu finden.
Bundescommissar Major Garde rechtfertigt die Mehrforderung unter Hinweis auf die Rothwendigkeit einer besseren Ausbildung der
Gießen, den 16. Februar 1892. 33 e t r.: Die Anschaffung der Heffen-Darmstädtischen Regenten- Tasel für die Volkschulen des Kreises.
Die
Großh. Kreis-Schulcommfffion Gießen an die Großh. Bürgermeistereien und Schulvorstände des Kreises.
Nachstehende Verfügung theilen wir Ihnen unter Empfehlung ^ur Anschaffung rubr. Werkes zur Kenntniß mit. Wrr fügen noch an, daß die Regenten - Tafel, Originalzeich- nung von Peter Halm, im Verlag der Buchhandlung von jJ- Dremer in Mainz erschienen ist. Die Tafel ist 73/94 Zentimeter groß, in Umrahmung und enthält die 13 Brust- •ilber der Hessischen Regenten von Philipp dem Großmüthi- gen bis zur Gegenwart. Das große Bild unseres jetzigen vroyherzogs nimmt die Mitte des Bildes ein.
v. Gagern.
Darmstadt, am 30. Januar 1892.
Vetr.: Hessische Regententafel.
Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz
(Ablheilung für Schulangelegenheiten)
«m die Großh. Kreis-Schuleommissionen.
Im Verlag von I. Diemer zu Mainz ifl das oben- genannte, für den Schulgebrauch bestimmte Bildwerk, eine Zusammenstellung der Bildnisse sämmtlicher Hessen-Darm- ssadttschen Regenten bis zur Gegenwart, in Umrahmung er- ichicnen und für die Schulen zum Preise von « Mark pro Exemplar im Buchhandel zu beziehen.
Wir empfehlen Ihnen, die Ihnen unterstehenden Schul- Vorstände auf dieses Werk aufmerksam zu machen.
Feuilleton.
Demaskitt.
«ne Carnevalsgeschtchte von Erich zu Schirfeld.
(Nachdruck verboten.)
,1t, gute* Morgen, Hans! Wo in aller Welt kommst Du her und was führt Dich zu uns?"
Tante Sophie rief diese Worte ihrem soeben eingetretenen Reffe«, einem sehr jungen Manne mit offenem blühenden Gesichte, freudig überrascht entgegen.
,Ia, denke Dir," erwiderte Hans, der Tante galant die dargereichte Hand küssend, „ich beabsichtige, den vom Wohlthätigkeitsvercin „Hilaria" für heute Abend veranstalteten Maskenball zu besuchen und komme deswegen direct von E. herüber."
^Hans!" rief die Tante entsetzt und ließ sich vor Schreck in einen Sessel fallen. — Die „Hilaria" hatte nämlich bei ihr aus verschiedenen Gründen noch nie im besten Ansehen gestanden.
„Noch mehr," fuhr Hans unbeirrt fort, „ich erlaube mir, Dich, liebe Tante, und mein Schwesterchen einzuladen, mich dorthin zu begleiten — wenigstens als Zuschauer."
„Hans!" entfuhr es, diesmal um zwei Töne höher, der Dame abermals und vor Entsetzen sprang sie wieder in die Höhe. „Was fällt Dir ein, mein Lieber! Eine so gemischte Gesellschaft und Du, der Sohn des seligen Rittergutsbesitzers »nd Hauptmanns der Reserve Ewald Horst, sein einziger Sohn und Universalerbe, ich, feine Schwester, nnd nun gar Grethe, die künftige Baronin —"
„Was ! ?" rief Hans anscheinend überrascht und die Tante verständnißlos anstarrend..'
Tante Sophie drehte sich um und schlug sich mit der flachen Hand aus den Mund. Sie hatte sich fürchterlich ver- schnappt und gerieth in eine kleine Verlegenheit, die sie aber schnell abzuschütteln wußte. Sie drehte dem Neffen das Gesicht wieder zu und, ihn bedeutungsvoll ansehend, sagte sie:
„Reden wir einstweilen nicht mehr vom Carneval, ich habe, da das Wort nun einmal gefallen ist, Wichtigeres mit Dir zu besprechen. Willst Du mir in mein Zimmer folgen, lieber Hans?" 1 * * * * * * 8 '
Natürlich verbeugte sich der „liebe" Hans zustimmend und begleitete die Tante in ihr „Boudoir". Was da kommen würde, war ihm zwar nicht unbekannt, sein hübsches Schwesterchen hatte ihm ja ihr Herz schon geöffnet, neugierig war er aber trotzdem. Da wir uns von einer solchen Leidenschaft frei fühlen, wollen wir nicht so indiscret fein, zu lauschen, sondern uns inzwischen ein wenig mit den Personalfragen der handelnden Personen beschäftigen.
Hans und Grethe waren Zwillingsgeschwister. Ihre Eltern waren früh gestorben und hinterließen ihre Kinder der Sorge der unvermählt gebliebenen Schwester des Herrn Ewald Horst, während dem Bruder des letzteren die Pflichten der Vormundschaft zufielen, die ihm aber nicht sehr schwer wurden, da er zu Allem, waö Tante Sophie verfügte, „Ja" und „Amen" sagte. Nun, er konnte sich diese Erleichterung wohl gestatten, denn Tante Sophie liebte die Kinder, als wären es ihre eigenen und sorgte mütterlich für ihre Erziehung. Hans kam nach Absolvirung [einer Vorstudien auf die landwinhschastliche Hochschule zu E., um sich für die Uebernahme der väterlichen Güter vorzubereiten, und vrethe
war vor Jahresfrist aus einem ersten Pensionat der Schweiz unter das schirmende Dach der Tante Sophie zurückgekehrt um bald darauf in die große Welt eingeführt zu werde*. '
Auf einem von den Spitzen der Gesellschaft veranstaltete* Costumfeste hatte sie dann den Referendar Curt Weiher* kennen und lieben gelernt, der aber leider heute, wo er mit der Ernennung zum Assessor in der Tasche als freudig hoffender Freier bei der Tante erschienen war, eine schmachvolle Niederlage erlitten hatte. Tante Sophie hoffte für ihren Liebling mindestens auf einen Grafen,- allenfalls hielt sie im Nothsall einen Baron noch ebenhin für acceptabel und zwar den Baron von Henkelwitz, der sich auffällig um GretenS Gunst bewarb. Man sagte freilich, die Vermögensverhältniffe des Baronfeien stark derangirt — na du lieber Gott, Gretes Vermögen war mehr als groß, und für einen stolzen, altadligen Namen hatten Andere schon noch bedeutendere Opfer gebracht. Die Hauptsache blieb, daß man ihm sonst nichts nachsagen konnte die Ehre seines Namens war unbefleckt. — Daß er bereit« im Hochsommer seines Lebens stand, erschien ihr eher als et* Vorzug, denn die jungen Leute von heute — daß Gott erbarm! — Tante Sophie hatte sich also völlig in den Gedanken hineingelebt, ihr Pflegetöchterchen dereinst in Henkel- wltzhausen als Herrin regieren zu sehen — und nun kam der simple, neugebackene Asseffor dazwischen! Mitunter fteilich wußte sie nicht, ob der Baron sie oder Grete mehr bevorzugte. In den Träumen stiller Stunden sah sie sich zuweilen selbst als Hernn in dem sreiherrlichen Besitze, obgleich sie sich wacker mit allen Waffen der Vernunft gegen derartige Anwandlungen wehrte. Zu alt wäre sie wohl zum Heirathen wenigstens zu einer solchen Heirath — noch nicht gewesen • zuweilen sah sie, wie ihr nicht unbekannt war, noch sehr hübsch


