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Mittwoch den 19. October

1892

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger

Die Gießener

Aamtkiex V kälter wrrden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

#<e|e*er Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

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Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg.

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folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Bekanntmachung,

Maul- und Klauenseuche zu Leihgestern betreffend.

Nachdem in einem Gehöft zu Lechgestern die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, haben wir die Sperre des betr. Gehöfts und weiter verfügt, daß Rindvieh, Schafe Stegen, Schweine aus der Gemarkung Leihgestern bis auf Weiteres nur zur sofortigen Abschlachtung und nur auf Grund thierärztlicher Gesundheitsscheine ausgeführl werden dürfen.

Gießen, den 17. October 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bayerns gegen dieses Steuerproject aufgegeben worden lein. So melden wenigstens dieM. N. Tu", und es ist allerdings sehr wahrscheinlich, daß man in den Münchener Regierungs­kreisen sich nicht geneigt gezeigt hat, auf dieBiervorschläge" des Reichsschatzamts-Secretärs v. Maltzahn einzugehen. Man hat ja in Bayern seine eigene Brau- und Biersteuer und fährt hierbei so wohl, daß es erklärlich erscheint, wenn Bayern aus dieses Reservatrecht nicht verzichten will.

Der bevorstehende Rücktritt des deutschen Gesandten in Peking, des Herrn v. Brandt, soll ui stattgefundenen Differenzen d-.s genannten Diplomaten mit dem Berliner Auswärtigen Amte seinen Grund haben, nicht aber in der Verlobung Herrn v. Brandts mit einer Ausländerin. Die Annahme, es bestehe eine amtliche Bestimmung, welche den Botschaftern und Gesandten des Deutschen Reiches die Vermählung mit Ausländerinnen verbiete, infolgedessen Herrn v. Brandt auch die kaiserliche Genehmigung zu seiner beab­sichtigten Verbeirathung mit der Amerikanerin Miß Heart versagt worden sei, wird von derKreuzztg." als unbegründet erklärt. Das genannte Blatt erinnert hierbei daran, daß z. B. der deutsche Botschafter in Madrid, Herr v Radowitz, mit einer Russin, der deutsche Botschafter in Petersburg, General v. Schweinitz, mit einer Amerikanerin verheirathet ist. Jedenfalls steht aber das baldige Ausscheiden des Herrn v. Brandt aus dem diplomatischen Dienste des Deutschen Reiches fest, was in Hinblick auf seine langjährige und sehr erfolgreiche Thätigkeit in China unter allen Umständen be­dauert werden muß.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 17. October. DiePost" meldet, der Kaiser unterzeichnete am Samstag die Militär vor läge.

2I»ueftc Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Errrefpondenz-Bureau.

®erlin, 17.' October, Der'Post" zufolge lud der Kaiser zur Feier in der Schloßkirche zu Wittenberg nicht nur die protestantischen Landesfürsten, sondern auch die protestantischen ausländischen Souveräne ein. Die Königin von England wird hierbei und wahrscheinlich auch bei der Taufe der Prinzessin am 22. October durch den Herzog von Uork vertreten werden.

Berlin, 17. October. DerStaatsanzeiger" publicirt eine Cabinetsordre, wodurch genehmigt wird, daß von der vorgeschriebenen gleichzeitigen allmonatlichen Revision der ö fentlichen Kassen Berlins durch den zuständigen Minister im Einvernehmen mit dem Finanzministcr abgesehen und eine gleiche Ermächtigung auch für die öffentlichen Kassen der Provinz den zuständigen Beamten ertheilt werden darf sowie daß statt der allmonatlichen Revision zwei- oder drei­monatliche für die öffentlichen Kassen angeordnet werden.

Berlin, 17. October. DerSlaatsanzeiger" veröffent­licht eine Zusammenstellung des Staatscommissars der Gesundheitspflege für das Stromgebiet der Weichsel des Herrn von Goßler, über die Thätigkeit der ärztlichen

Untersuchungsstellen vom 2. bis 15. October. In 12 Be­zirken wurden untersucht 3233 Schiffe und 257 Flöße, des- inficirt 1138 Schiffe und 77 Flöße. Untersucht wurden 20 519 Personen, von denen nur eine choleraverdächtig be­funden wurde. Der Staatscommissar für das Odergebiet veröffentlicht eine gleiche Zusammenstellung, wonach in vierzehn Controlstationen 7223 Schiffe untersucht, 4075 desinficirt und 24835 Personen untersucht wurden. Davon waren 4 cholera­verdächtig, 8 cholerakrank.

Berlin, 17. October. Die Choleragefahr gilt für Berlin als beseitigt, wenigstens offiziell, nachdem die städti­schen Behörden beschlossen haben, den Nachtdienst in der Devinfectionsanstalt Nr. 1 in der Reichenbergerstraße mit dem 15. d. M. aufhören zu lassen. Diese letztere Einrichtung hat vom 30. August bis 15. October gedauert.

Hamburg, 17. October. Der Kaiser überwies dem Senat 50,000 Mk. für die Nothleidenden Hamburgs.

Hamburg, 16.October. Die Cholera-Commission prüft neuerdings jeden gemeldeten Krankheitsfall durch eigene Aerzte bezüglich der Entstehung und des Verlaufs der Krank­heit. Dabei hat sich herausgestellt, daß von den vorgestern gemeldeten acht Cholerakranken zwei gestorben sind, welche nickt an asiatischer Cholera, sondern an Brechdurchfall gelitten hatten. Hiernach sind also nur noch fünf Cholerakranke und fein Todter transpdrtirt worden. Heute werden wiederum günstige Ziffern gemeldet. Bis Nachmittag wurden nur zwei Kranke, aber kein Todter transportirt. Die Socialisten haben ein Flugblatt verbreitet, welches die Aufnahme einer Statistik der Cholerafälle und des durch die Seuche ver­ursachten Nothstandes und der Arbeitslosigkeit einleitet. Be­treffende Zählformulare sind beigefügt.

Antwerpen, 17. October. Da die Cholera-Epidemie hier erloschen ist, so gibt die Verwaltung der Civil- Krankenhäuser keine täglichen Bulletins mehr über den Gesund­heitszustand aus.

lonn9*01' 17e O^°ber. Während der neun ersten Monate E impovtirte Italien für 822^Millionen, das heißt d /io Millionen weniger als in der gleichen Periode von 18u ; ,e§ ekportirte 691»/io Millionen, das heißt 72 Mill.

Petersburg, 17. October. Ein im Finanzministerium ausgearbeiteter Entwurf, betreffend die Revision der Gerreidetarife, wird zunächst einer aus Vertretern der Regierung, der Eisenbahnen, der Landwirthschaft, des Handels und der Industrie bestehenden Commission zur Vorberathuna unterbreitet, dann im Reichsrathe eingebracht werden. Die Einführung der neuen Getreidetarise ist für den 1. Scv- tem&er k. I. in Aussicht genommen.

Amtlicher* Theil.

_ Gießen, 17. October 1892.

Betreffend: Maßnahmen gegen die Cholera, hier die amtliche Handausgabe derselben.

Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen * die »rotzt,. Nürgermtiftertie« M Äwtlei.

Unter Kreuzband übersenden wir jeder Bürgermeisterei ein Exemplar der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz veranstalteten amtlichen Handausgabe der Maß- nahmen gegen die Cholera.

Sie wollen sich mit dem Inhalt dieses Schriftchens vertraut machen und dasselbe so verwahren, daß es jederzeit zur Hand ist und von Ihnen zu Rath gezogen werden kann. __________________v. Gagern.

Amts- und AnzeigebLatt für den Ureis Gießen

.......Gießener 3antifien(ifäto

Bekanntmachung,

Maul- und Klauenseuche zu Lang-Göns betreffend.

Mit Rücksicht auf den Ausbruch der Maul- und Klauen­seuche in Lang-Göns und einigen Orten der Umgegend ist d:e Abhaltung des auf den 1. November l. I. anberaumten Lang-Gönser Schweinemarktes untersagt worden.

Gießen, den 17. October 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. ____________________v. G agern.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. October. Aus Berlin wird die Erkrankung des Finanzministers Dr. Miquel gemeldet, derselbe muß das Bett hüten. Eine andere Berliner Meldung enthält die Mittheilung vom Ableben des berühmten Schlachten­malers Prof. Georg Bleibtreu, Mitgliedes der Akademie der Künste in Berlin.

Die geplante Reichs st euer auf Bier resp. die Erhöhung der Biersteuer, soll wegen des Widerstandes

Feuilleton.

Chicago.

Von Ernst Otto Hopp.

(Nachdruck verboten.)

Der NameKönigin des Westens" ist schon etwas zu abgebraucht Cincinnati hat ihn jahrelang geführt auch for AusdruckPorkopolis", die Stadt des geräucherten Schweinefleisches, wird in Chicago nicht beliebt er weist Ail deutlich aus das Geschäft hin, in dem dort die Cents und Dollars verdient werden vielleicht die Pilzstadt, denn wie ein Pilz ift sie über Nacht emporgeschoffen oder noch poetischer: die Phönixitadt, da sie sich wie ein Phönix aus der Asche ihrer Feuersbrünste aufs Neue emporgeschwungen für das kommende Jahr aber die Weltausstellungs- und Jubelfeierstadt für einen anderen Beinamen, an dem es in Amerika nie zu fehlen pflegt, mag das kommende Geschlecht sorgen, fin de siede . .

Das bescheidene Flüßchen, nach dem Chicago den Namen führt, wurde in der ersten Urkunde, in der es vorkommt, noch Chelajo geschrieben. Dertolle Anton" oder dergroße Stuim", wie ihn die Indianer nannten, nämlich der Gene­ral Anthony Wayne, halte die Rothhäure zu Boden getreten uiw schloß mit ihnen 1795 einen Vertrag ab, in dem die stelle vorkommt:ein Stück Land, sechs Meilen im Geviert, an er Mündung des Chekajo-Flusses". Wayne hatte etwas Talentvolles, er verstand mit den Indianern umzuspringen m10 begriff auch, daß dieser Platz am Südende des Michigan- I »ecS an dem zu seiner Zeit em einsames Blockhaus stand, sich dermaleinst zu einem Handelsorte entwickeln könnte. I

Die erste Ansiedelung eines weißen Mannes hatte 1778 an der Stelle, wo heute Chicago liegt, stattgehabt,- damals gehörte die umliegende Gegend noch zumDistrict Illinois" imStaate Virginia",- aber schon einige neunzig Jahre zuvor erregte dieser Punkt die Aufmerksamkeit eines großen Forschers und Reisenden, des eigentlichen und wahren Ent­deckers des Mississippistromes, des Franzosen La Salle. Warum mußte eine große Stadt dort entstehen, wo Chicago liegt? Weil von dort aus die nächste Verbindung der großen amerikanischen Seen mit dem Mississippi vorhanden ist. Es ist das Herz des amerikanischen Continents fcer ^nze Reichthum des gewaltigen Thales, in dem einst Hun­derte von Millionen betriebsamer Menscken leben werden, muß zur Ausfuhr den Weg nach der Gegend einschlagen, in der Chicago liegt, er muß das Südende des Michigansees aufsuchen. a

Als La Salle von dem Punkte aus, an dem heute Chicago liegt, die Quellen des Jllinoisflusses suchte, der in Frager Richtung nach Südwesten zum Mifsissippistrome zieht sand er dort eine großartige schweigende Oede - in den wüsten Sümpfen, die sich bis nahe zum See erstreckten, gab es

Ottern, Reiher, Opossums; der Rüffel zog durch die .ilduitz, die keinen Weg außer dem von ihm getretenen aus- toieö. Am Jllinoisflusse fand er ein großes Jndianerlaqer. Mehrmals mußte er im Spätwinter, zu der Zeit, da der erste wärmere Hauch deS Frühlings über die mit Schnee und Eis bedeckte Flur des Waldes zog und die Gegend eine fast unpassirbare wurde, nach dem Michigansee wandern. Halb erfroren und halb verhungert, unter unerhörten Leiden und Strapazen erreichte er sein Ziel. Die Berichte La Salles bilden die erste geschichtliche Kunde über die Landschaft, in der später Chicago erbaut worden ist.

mehrere Familien nieder.

Bald nachdem der letzte engllsch-franzäsische Keieg mit bem Untergang der französischen Herrschaft m Amerika ae- enöet batte, erfahren wir noch einmal etwas aus dem wild und Ode daliegenden District am Chicagoflusse. Unter Führung des klugen Häuptlings Pontiac waren die Indianer im ganzen amaltgcn Westen gegen die Engländer ausgestanden, die eben eist da» sranzäsische Erbe angetreten und sich festgesetzt batten 21n einem einzigen vorher bestimmten Tage fielen sie über bte meist unbedeutenden kleinen Forts he'r, die als erste q'mT 2B,l6ni6 erbtet worden waren; eine ganze derselben wurde meist durch listige Anschläge von ihnen gewonnen und die Beiatznng niedergemetzelt. Das Robal American-Regiment, das die Garnisonen im damals fernsten SBeften besetzt hatte, bestand säst lediglich aus deutschen Penn- sylvaniern. In einer Palstadenverschanzung am St. Joseob- fluffc tm nördlichen Indiana befehligte Hauptmann Schlosser eine kleine Schaar von 36 Deutschen. Eine mit Pelzen be- labene Jndtanerhorde, die scheinbar aus Handelszwecken erschteu, gewann durckt diesen Borwand Einlaß Aus ein gegebenes Zeichen warfen die Rotbhäute die Felle weg und überfielen d,e nichts Böses ahnende Mannschaft; sie tödteten die Gemeinen und schleppten den Hauptmann Schlaffer als Gefangenen nach ihrem Dorfe, daS in tiefer Einsamkeit, ,m Schweigen des Waldes ungefähr da lag, wo sich beute die Millionenstadt Chicago erhebt und unendliches Geireibe der Menschen herrscht. Dort erlitt der arme Deutsche den Marter- od, er wurde lebendig am Pfahle verbrannt.

?Cr?tb° "^de 1803 in dem heutigen Chicago angelegt; bald ließen sich im Sänitie der gg.rfrfmM,

balb ließen sich im Schutze der Verschanzungen c, , , -. -------- Im Jahre 1825 hatte sich der

S inllrvwCri^n ^a!,fcr "erwehrt. Fünf Jahre daraus gab e« in Chicago zwei Schankinhabcr, drei Händler, einen