Nr. 63 Zweites Blatt
Dienstag den 15. März
Aintr- und Anzeigeblatt für beit Areis Giefzen.
HratisLntage: Hießencr JamitienLtättet
Ernst Ludwig.
Finger.
Dr. v. Wedekind.
und
Herbstsange aus.
davon, nur Greise und
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deS In. und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
des als der sein und
be
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-chntstrahe Ar.7.
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durch Sparsamkeit erworbenes Vermögen besessen, aber ein unredlicher Speculant aus Husum hatte ihn schmählich darum betrogen- jetzt besaß er nicht einmal so viel, daß Wilmas größter Wunsch, die Seesahrerschule in Husum besuchen zu können, Aussicht aus Erfüllung versprach. Herr Kaut aber, der Vater Linas, sagte in seinem Dankgefühl nun Wilm Brook zu, ihm die Mittel zur Realisirung dieses seines Lieblings« Wunsches gewähren zu wollen. — Er hielt Wort und unser Liebling durfte nun zum Herbste zur Schule abgehen. Damals erhielt er von der Regierung die goldene Rettungsmedaille.
Ganz Wyk war stolz aus Wilm Brook und als er zum Frühjahr wieder zu uns kam, männlicher, schöner, klüger und erfahrener, bescheiden, wie er geblieben war, da schlug ihm jedes Herz offen und ehrlich entgegen.
Zwei Jahre ging Wilm nun mit einem Grönlands« sahrer in das Nordmeer, besuchte dann die Schule wieder ein Semester und — machte das Steuermanns- und Lootsen- examen mit Nr. 1. Ach, und wie kindlich war er dabei ge- blieben, toie sittlich rein und tief gottesfürchtig! Herr College,, der Junge war mir ans Herz gewachsen, darum werde ich warm bei meiner Erzählung!"
„Das verstehe ich wohl, mein lieber Freund! Doch berichten Sie weiter!" forderte ich den alten Herrn auf und jener fuhr fort:
„Herr Kaut bestand daraus, den Lebensretter seiner Tochter in den besten Verhältnissen wissen zu wollen. Er schickte ihn aus die Schule nach Schleswig, wo der junge Mann auch das Obersteuermannsexamen für große Fahrt mit einer hübschen Nummer ablegte. Zum folgenden Frühjahr ging er als Obersteuermann mit einem Schiffe nach Indien ab, kehrte nach zwei Jahren zurück und legte nun in Schleswig auch die Capitänsprüsung mit Glanz ab. Zu unser Aller Ueberraschung kam damals Wilm Brook plötzlich übeiselig heim: er hatte sich mit der jetzt sechzehnjährigen Tochter seines Wohlthäters verlobt. Selig hing er an der Vaterbrust, überströmend umarmte er die Mutter. Ich war damals gerade
Großherzogliches Staatsministerium.
Finger.
Der Alte schwieg eine Weile, schiiltelte dann den Kons fuhr fort:
Gegeben zu Darmstadt, am 13. März 1892. (L. 8.)
Der H-leßcner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener ^«wikien0tätter werden dem Anzeiger ISchentlich dreimal beigelegt.
Feuilleton.
Ein Held der Nächstenliebe.
Erzählung von (£. Western.
(Fortsetzung.)
Das war Wilms erste Heldenthat. Der Herr Bade- commissar berichtete darüber nach Kopenhagen — wir waren damals noch dänisch — und erlangte für Wilm die silberne Rettungsmedaille. Stolz trug sie unser Aller Liebling seitdem bei festlichen Gelegenheiten, aber sein Herz, sein Fühlen und Denken blieb, wie es gewesen, einfach und bescheiden.
Aber es sollte seine einzige Thal nicht bleiben!
Wilm ward confirmirt und ging dem Vater zur Hand. Er versprach ein tüchtiger Fischer und Seemann werden zu wollen und hatte sich auch entsprechend körperlich entwickelt.
Wieder war die Badesaison gekommen. Wir Wyker rechnen schon voraus auf diese und den Goldregen, welchen dieselbe über unseren Ort aussprüht.
Unter den Badegästen war auch ein reicher Kaufmann aus Husum, der ein elfjähriges Töchterchen mit sich hatte. Eines Tages machte die Familie eine Vergnügungsfahrt nach Amrum in einem Kutter. Man war heiter und guter Dinge und trat bei Sonnenuntergang die Heimfahrt an. Im An- gcslcht des Nesselsandes, unserer schlimmsten Untiefe im Südwesten, beugte sich die kleine Lina zu weit über Bord und tvar in den Fluthen verschwunden, ehe man eine Hand drehen kann. Ein furchtbarer Schrei der Mutter und das Fehlen des Kindes sagte Wllm Brook, der mit dem einen Ruder betraut war, alles. Wie der Blitz war er in die See hinein und, o Freude, er hatte das Kind an den langen blonden Locken erwischt. Es war ein besonderes Wagniß, denn der schmale Canal am Nesselsand enthält scharfe Riffe und Felsen, an denen der kühne Springer hätte leicht zu Schaden kommen können. Wer beschreibt das Entzücken der Mutter, die Freude d-s Vaters, den Dank der Eltern, die ihr Kind gerettet an d r Brust hielten. Pieter Brook hatte einstmals schon ein
bei Pieter Brook zu Besuch im Hause und erhielt mein Theil auch von dieser frohen Begrüßung in unzähligen Händedrücken „Ihnen, Herr Bahnsen" — so ist mein Name — sagte er, „verdanke ich alles- Sie gaben meinem Kopfe und Herzen die erste Grundlage- ohne Sie wäre ich nicht brav, nicht geschickt, nicht glücklich geworden!" - Ach, wären doch alle Zöglinge so gegen ihre Lehrer, unser Sorgen und Arbeiten würde uns im Hinblick aus solchen Lohn leichter."
„Da haben Sie nur zu wahr gesprochen, mein Freund!"
//Ja, und so war es stets. Im Sommer kam die ganze I Emilie Kaut herüber, und ich sehe Wilm, den schmucken i Jungen, damals einundzwanzig Jahre alt, noch mit seiner Lina in meiner Wohnung vor mir stehen, das glücklichste Paar
„Gottes Wege sind wunderbar! Pieter wurde kränker und kränker, der September brachte schlechtes Wetter und Sturm über Sturm. Dann ward das Wetter heiter und unsere ganze Fischer- und Schifferflottille zog zum ersten
Landestrauer betreffend.
„ . . K°»igl,chi Hohe» d-r Großhuzog Hobe» zu b-I-hl-n gtml», d»b di- Landestrauer wegen des Höchs,betrübenden Ablebens -es Srobhirioas
Ludwig IV. Königliche Hobelt auf zwölf Wochen zu bestimmen fei. Mogyerzog^
Dieser Allerhöchste Befehl wird hiermit zur Nachachtung bekannt gemacht.
Darmstadt, am 13. März 1892.
Diki ^.age tvaren schon alle llNänner von Föhr auf und davon, nur Greise und schwächliche Knaben waren neben den Weibern zurückgeblieben, und, daß ich eö nicht vergeffe, Wilm, der junge Capitän, welcher den kranken Vater nicht verlaffen to°ntc' (Schluß folgt).
Mit Ende des Sommers reisten sie alle ab, nur Wilm blieb noch für ein paar Tage, denn der Vater lag bedenklich krank an einem Fieber darnieder. Zwischen den Eltern Paares war verabredet, daß Wilm seine erste Fahrt Capitän nach Surinam noch allein machen sollte, nach Rückkehr würde die Hochzeit sein, und dann konnte Wilm eigenes Schiff in die See führen. Der Mensch denkt Golt lenkt: Unser Vater im Himmel hatte es anders stimmt; gelobt sei sein heiliger Name!" „Amen!" sagte ich.
reyener Anzeiger
Henerat-Mnzeiger.
Verkündigungen Sr. Kgl. Kotzeit des chrotztzerzogs Grng Ludwig.
Das Regierungsblatt Nr 9, ausgegeben Sonntag, den 13. März, hat folgenden Inhalt:
Ernst Ludwig von Gottes Gnaden Großherzog von Heffen und bei Rhein re. re.
** •*«*■■*#*,*«»# S-iEn. Unletes eielgdieiten und hochgeehrten Herrn DöterS, des Srobherzons
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„.^^bctnibten Herzens verkündigen Wir dies allen Angehörigen des Landes mit dem Anfügen, daß Wir die vermöge der in Unserem Großherzoglicheil Erbfolgeordnung Uns als nächsten Ltammfolger nach dem Rechte der Erstgeburt und Linealfolge angefallene Regierung des Großherzogthums Grostberroatbums UtJren ^°uen Ständen, zu allen öffentlichen Beamten und Dienern, überhaupt zu allen Angehörigen des
G opher.,vgthums, daß ste Uns als dem rechtmäßigen Landesherrn Treue und Gehorsam leisten und sich in allen Stücken als getreue Unterthanen »weisen. 8-s N ft T 3811 bte Versicherung, daß Wir Uns die Handhabung von Recht und Gerechtigkeit, sowie die Förderung der Wohlfahrt und
sie hnn n i Laubes werden angelegen fern lassen, daß Wir die Verfassung des Großherzogthums hochhalten und beobachten, sowie auch dem Kaiser und Reiche die von Unseren Vorfahren erwiesene Treue bewahren werden. 1
■ lt erfüHenSanimtl’$en und Beamten geben Wir auf, bis zu etwaiger anderweiter Bestimmung die ihnen obliegenden Verpflichtungen nach wie vor


