auch von nicht zu einmüthigen Bestrebungen aller auf der Conserenz vertretenen Staaten zur Bekämpfung der Stlberentwerthung keine Rede fein können. Mit jeder Münzconferenz sinke die Sache deS Btmetallismus mehr und mehr und heute stehe sie tteser als je. Selbst wenn Graf Mirbach Reichskanzler würde, würde die deutsche Regierung die Goldwährung nicht ausgeben, weil das einfach unmöglich ist. Der weitgehendste Vorschlag in silberfreundlichem etnne aus der Brüsseler Conferenz war der Rothschtld'sche, der den amerikanischen Stlberminenbesitzern eine jährlicheLiebesgabevon 10 Millionen zuwenden wollte, v. Rothschild zog selbst seinen Antrag zurück. Wenn schon Liebesgaben gewährt werden sollen, so seien dieselben noch lieber den heimischen Branntweinbrennern als den amerikanischen Minenbesitzern zu gönnen. (Heiterkeit). Die erstrebte Münzconvention würde bei einem Kriege beim ersten Flintenschuß hinfällig werden. Die jetzige Münzconferenz unterscheide sich von den früheren Con- ferenzen nur dadurch, daß die früheren ausgtngen, wie das Hornberger Schießen, während diese gleich so anfängt. (Heiterkeit.)
Abg. Leuschner-Eisleben (Rp.): Die Goldwährung wirke bei uns wie eine Exportprämie, die aus deutscher Kasse an fremde Silberwahrungsländer gezahlt werde. In erster Linie leide darunter die Landwirthschaft, im Verfolg davon aber auch die Industrie. Die Stlberentwerthung sei nicht die Folge der Ueberproduction, sondern sie sei durch die Gesetzgebung veranlaßt, die dem Silber die Consumtionssähigkeit nehme. DieBehauptung, daß dieGoldproductton unerschöpflich sei, entbehre jedes Nachweises. Die Wtssenschast erkenne das Gegentheil als richtig an. Wenn noch andere Staaten zur Goldwährung übergehen, werde es an Edelmetall schien. Der Uebergang Deutschlands zur Goldwährung sei ein Fehler gewesen, der möglichst schnell verbessert werden müsse. Das erfordere auch daS Interesse des heimischen Stlberbergbaues, der sonst immer weiter zurückgehe. (Beifall rechts.)
Abg. Graf Mirbach (cont) bedauert die Antwort des Reichskanzlers, insbesondere auch die Aeußerung über BtmetallismuS und Antisemitismus. Der Reichskanzler hätte wissen können, daß die ostpreußtschen Conservattven gegen jede Aufnahme der Judenfrage in das neue Programm gewesen seien.
Reichskanzler Graf Caprivi: Er habe von der bimetallistischen und antisemitischen Agitation im Lande gesprochen. Gerade der Btmetallismus sei ein geeignetes Agttationsmtttel, weil so wenig Leute etwas davon verstehen. Er halte dieses Agitattonsmtttel auch für gefährlich, da es doch sehr fraglich sei, ob der Btmetallismus die auf ihn gestellten Erwartungen erfüllen könne. Er habe erfahren, daß mehrere Mitglieder des Hauses thre Zustimmung zur Mtlttärvor- lage von der Antwort auf die heutige Interpellation abhängig machen wollen. Er lasse sich nicht etnschüchtern. Er vertrete die Mtlttär- vorlage, weil nach seiner Ueberzeugung die Existenz Deutschlands davon abhängig sein könne.
Abg. v. Schalscha (Ctr.) hat sich durch das Zusammenwersen von Antisemitismus und Btmetallismus durch den Reichskanzler beleidigt gesühlt. Der Antisemitismus datire seit Einführung der Gewerbefreiheit, der Btmetallismus sei viel jüngeren Datums. Beide hätten miteinander nichts zu thun.
Abg. Büsing (natl.) begrüßt die Erklärung deS Reichskanzlers und hofft, daß der bimetallistischen Demagogie durch dieselbe ein Ende gemacht werden möge. Unsere Währung sei sehr gut, eine Aenderung derselben würde ganz unabsehbare Folgen haben. Zu erwägen wäre, ob es nicht richtiger wäre, zur reinen Goldwährung überzugehen. Gleichzeitig könnte aber eine größere Stlberausprägung stattfinden, um den Bedarf an kleineren Münzsorten zu decken. Durch den Uebergang zur Goldwährung ist uns erst der Weltmarkt erschlossen worden. Wäre die Schlußfolgerung der Bimetalltsten richtig, so müßten wir zur schlechtesten Währung übergehen, die es giebt: zur Papierwährung mit Zwangscours.
Abg. Graf Ballestrem erklärt, daß v. Schalscha nurin seinem eigenen Namen, nicht im Namen des Centrums gesprochen habe.
Abg. Bebel (Soc.) erklärt, daß dieSoctaldemokraten auf dem Boden der Goldwährung stehen. Nur der verstorbene Abgeordnete Käufer sei Bimetallist gewesen, und zwar mit Rücksicht auf die eigenartigen Verhältnisse seines Wahlkreises (Freiberg). Es sei ganz unmöglich, eine dauernde Relation zwischen dem Werth von Gold und Silber herzustellen. In dieser Frage hätten ausnahmsweise die Arbeiterklasse und die Bourgeoisie dasselbe Interesse. Für die Agrarier würde durch eine Aenderung nur der Vorthetl erwachsen, daß sie ihre in Gold gemachten Schulden in schlechter Währung, in minderwertigem Silber bezahlen. Die Kosten würden die landwtrth- schaftlichen Arbeiter zahlen müssen, wie dies bei der Schutzzollpolitik der Fall gewesen.
Abg. Dr. Frege (cont): Die Goldwährung habe nicht den Hochschutzzoll hervorgerufen. Die heutige Verschuldung des Grundbesitzes, besonders in Preußen, rühre aus einer Zeit her, wo es galt, das letzte für das Vaterland einzusetzen; diese Verschuldung gereiche ihm gewiß nicht zur Unehre. Mit Gold allein lassen sich die mont- tären Verhältnisse der Welt nicht decken, deshalb müsse man daran denken, chen Werth des Silbers zu heben. Nicht durch die Goldwährung hat sich unsere Industrie ihre Stellung auf dem Weltmarkt erobert, sondern durch deutschen Fleiß und Intelligenz.
Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antts.) vertheidigte den Antisemitismus gegen die Bemerkungen des Reichskanzlers und anderer Redner. Der Antisemitismus werde daS feurige Roß fein, das den Staatswagen wieder aus dem Koth ziehen wird.
Die Debatte wird geschlossen.
Morgen 12 Uhr: Fortsetzung der ersten Berathung der Mili- tärvollage.
Uetieftc Hach richten.
Wolffs telegraphische« Correspondenz-Bureau.
Berlin, 12. December. Die den deutschen Delegirten zur Brüsseler Münzconferenz ertheilte Instruction besagt, die Delegirten sollten keinen Vorschlägen zustimmen, die geeignet seien, Deutschlands Selbstbestimmungsrecht (Autonomie) auf dem Währungsgebiete zu beschränken. Sie sollten erklären, daß Deutschland mit seinem Währungssystem zufrieden sei und keinen Grund hätte, davon abzugehen, denn von allen großen Staaten sei Deutschland der bestsituirte.
Berlin, 12. December. Vertreter des Verbandes der nordatlantischen Dampserlinien beschlossen heute in Anbetracht der von den Vereinigten Staaten gegen die Einwanderung getroffenen außerordentlichen Maßregeln vom 1. Januar 1893 ab nur noch Paffagiere erster und zweiter Cajüte nach den Vereinigten Staaten zu befördern. Ferner wurde beschlossen, die Zahl der nächstjährigen Expeditionen wesentlich einzuschränken und durch eine erhebliche Erhöhung der Fahrpreise für erste und zweite Cajüte Ersatz für den Ausfall der Zwischendeckbeförderung zu schaffen. Deßhalb wurden auch die im letzten October vereinbarten Ermäßigungen für ExcursionsbilletS zur Weltausstellung nach Chicago wieder aufgehoben.
Washington, 12. December. Der Bericht des Marine- secretärs an den Congreß stellt fest, daß unter der Verwaltung Harrisons die Marine um 16 Schiffe vermehrt und 18 Schiffe derzeit im Bau begriffen seien. Vier der neuen Schiffe hätten über 8000 Tons Gehalt und das für die Panzerschiffe verwendete neue Metall (Harveynickelstahl) übertreffe das in den Marinen der übrigen Länder verwendete Metall. Der Marinesecretär glaubt, daß England zu dem
selben übergehen werde. An Torpedobooten hätten die Vereinigten Staaten nur zwei.
Depeschen de« Bureau „Herold".
Berlin, 12. December. Nach der „Nationalliberalen Correspondenz" hat der Centralvorstand der national- liberalen Parte: in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den nächsten allgemeinen Delegirtentag in einer mittel« oder süddeutschen Stadt abzuhalten und für die Vorbereitungen einen Ausschuß zu wählen.
Berlin, 12. December. Der Kaiser hat betreffs des Berliner Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. seine Entscheidung zu Gunsten eines dritten, von BegaS ganz neu entworfenen Planes getroffen.
Berlin, 12. December. Die „Staatsbürgerzeitung" schreibt: Aus Ansuchen Ahlwardts und dessen Familie übernahm Rechtsanwalt Hertwig wieder die Verteidigung und zwar wurde bereits Revision eingelegt, auch Antrag auf Herausgabe der Caution gestellt.
Berlin, 13. December. lieber den Inhalt der demnächst zur Vorlage kommenden Novelle über das Unter st ützungs- wohnsitzgesetz verlautet, daß das Erwcrbsalter bezüglich des Unterstützungswohnsitzes vom 24. aus das 18. Lebensjahr verlegt und die Nichtgewährung des vorliegenden Unterhaltes mit Haststrafe bedroht werden solle. — Als Beginn der Reichs tagsferien ist der 15. December vereinbart. — Die erste Lesung der Steuervorlage ist aus Januar vertagt.
Köln, 12. December. Aus Petersburg erfährt die „Köln. Z.", daß in der russischen Heeresverwaltung immer mehr das Bestreben sich geltend mache, in den eroberten asiatischen Ländern aus Eingeborenen bestehende Truppentheile zu bilden, um das eigentliche bestehende Heer zu entlasten und auf dem europäischen Kriegstheater verwenden zu können. Im Kaukasus und in Turkestan habe man bereits zahlreiche derartige Truppenstämme geschaffen. Nun sollen laut soeben eingetroffener Verfügung auch in Turkmenien zwei Schwadronen turkmenischer Miliz zum Stamm für spätere Neubildungen dienen. Man will versuchen, wie die Angehörigen der dortigen räuberischen Stämme sich im russischen Truppendienst zeigen, weßhalb sogar ein großer Theil des niederen Offiziercorps aas Eingeborenen bestehen soll, um in der Bevölkerung Vertrauen zur neuen Einrichtung zu wecken.
Bremen, 12. December. Die Weser ist stellenweise voll von Treibeis. Drei Eisbrecher halten das Fahrwasser offen.
Würzburg, 12. December. Der bekannte frühere Landtagsabgeordnete Stamming er, Univerfltätsbibliothekar, ist gestorben.
Paris, 12. December. Hubbard bringt in der Kammer einen Gesetzentwurf ein, wonach die höchste Strafe aus Wahlbestechung gestellt wird.
Paris, 12. December. Der Afrikasorscher Gaston Mery hat eine Durchkreuzung der Sahara von Algier aus angetreten zum Zwecke der Vorbereitung der Arbeiten für eine die Wüste durchquerende Eisenbahn.
totale» ntti provinzielles.
®ießen, 13. December 1892.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadverordueten Donnerstag den 15. December 1892, Nachmittags 4*/t Utjr: 1. Den Voranschlag des Großh. Realgymnasiums und der Realschule pro 1893/94. 2. Voranschlag über die sachlichen Bedürfnisse der höheren Mädchenschule pro 1893/94. 3. Die Gesellschaft für deutsche ErziehungS- und Schulgeschichte. 4. Gesuch der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung um Bewilligung eines Jahresbeitrags. 5. Vergrößerung des Pscrdeschlachtraumes im Schlachthause. 6. Einführung der mitteleuropäischen Zeit im Eisenbahnverkehr.
— Das Kaiserpanorama, welches seit Sonntag die so gern gesehene Weihnachtsserie „Palästina" ausgestellt hat, erfreut sich immer eines sehr guten Besuches. Die Bilder der Gebirgslandschaften Palästinas bieten zwar keine üppige und wechselvolle Vegetation, aber sie zeigen uns doch die ewig denkwürdigen Stätten, mit vielen historischen Ruinen bedeckt, welche unser Heiland durchwanderte und woselbst er sür das Heil der Menschheit gelitten hat. Es ziehen an unserem Auge vorüber die Stelle des Jordans, wo Jesus getauft worden, Jerusalem von verschiedenen Punkten aus gesehen, die Straße, in welcher der Heiland unter dem Kreuze zusammenbrach, Betlehem, Nazareth, Gethsemane, der Oel- berg und Golgatha- ferner verschiedene Grabdenkmäler heiliger Personen, der Friedhof der Mohamedaner, der Lustgarten des Salomon, das tobte Meer und viele andere recht interessante Bilder. Der Anblick dieser in geordneter Reihenfolge vorgeführten Bilder bietet nicht nur angenehme Augenweide, es wird auch das Herz dadurch erfreut und die Seele in ernste Stimmung versetzt bei der Erwägung, welchen hohen Werth das Land dadurch erhalten, daß allda der Weltheiland geboren, dort gewirkt, gelitten und sich ausgeopfert hat. Diese Darstellungen üben namentlich auf das empfängliche Herz der Jugend einen wohlthuenden Eindruck aus, wie Referent wahrzunehmen verschiedentlich Gelegenheit hatte. Eltern, welche ihren Kindern gern eine vernünftige und nutzbringende Erholung gestatten wollen, mögen sie zum Panorama schicken, Palästina zu schauen, das denselben durch die biblische Geschichte hinreichend geschildert worden.
— Vorstellung Krause. Zu der gestern Abend statt- gefundencn Vorstellung deS Experimentators Albin Krause über Suggestion hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, das mit Interesse den vorgesührten Experimenten folgte. Wie wir erfahren, beabsichtigt Herr Krause auf vielseitigen Wunsch eine zweite (ergänzende) Vorstellung zu geben (s. Inserat).
— In der am vorigen Sonntag stattgefundenen Versammlung des evangel. Arbeitervereins hielt zunächst Herr Pfarrer Schlosser einen Vortrag über allerlei von Haushalten, worin er etwa Folgendes aussiihrte: Die Kunst des Haushaltens ist die Kunst, Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu erhalten, und die Ausgaben so zu vertheilen, daß alle berechtigten Bedürfnisse eines Haushaltes wirklich ausreichend befriedigt werden. Das ist unter den heurigen Verhältnissen für den Lohnarbeiter und den kleinen Handwerker eine sehr schwere Ausgabe. Die Socialdemokratie erklärt es sogar für völlig unmöglich und hat auf alle Fragen und Nöthe, die sich da aufbrängen, nur die eine Antwort: Aendert die kapitalistische Productionsweise, sickert dem Arbeiter den vollen Antheil am Arbeitsertrag. Um die Arbeiter für diese ihre Forderungen zugänglich zu machen, pflegt sie die Unzufriedenheit, verwirft daher alle Versuche und Veranstaltungen, durch die es dem Arbeiter ermöglicht werden soll, auch unter den heutigen Verhältnissen sein Leben und seine Häuslichkeit behaglicher zu gestalten und verdächtigt sie als Mittel, den Arbeiter in seiner beschränkten Lage festzuhalten. Die Leute, die zu den evangel. Arbeitervereinen gehören, erstreben auch eine Besserung ihrer Lage und eine Hebung ihres Standes. Aber sie verabscheuen den Weg der Unzufriedenheit und der Verbitterung. Sie wollen die Flinte nicht ins Korn werfen, nicht darauf verzichten, sich auch unter den heutigen Verhältnissen ein zufriedenes, häusliches Dasein zu schaffen. Sie können nicht daraus verzichten, weil ihr Familienleben ihnen als das größte irdische Glück gilt. Auf dem socialen Programme der evangel. Arbeitervereine steht oben an die Pflege des Familienlebens und der Kampf wider alles, was seinen Bestand bedroht. Dazu gehören allerdings eine Reihe socialer Mißstände, an deren Beseitigung mitzuarbeiten auch Ausgabe der evangel. Arbeitervereine ist (z. B. Regelung der Wohnungsfrage, der Sonntagsruhe, der Arbeitszeit überhaupt u. s. w.). Aber wir halten dafür, daß das den Einzelnen nicht der Pflicht entledigt, vor allem seine eigene Schuldigkeit als Glied der Familie im vollsten Maße zu thun. Daß zum rechten Haushalten Fleiß, Sparsamkeit, Genügsamkeit gehören, ist für Leute vom evangel. Arbeiterverein selbstverständlich. Heute soll von allerlei sozusagen technischen Erfordernissen die Rede sein, die nicht immer genügend berücksichtigt werden. Wenn es im Geschäft und Haushalt nicht vorwärts will, liegt die Schuld oftmals daran, daß die Leute nicht rechnen können oder doch nicht genug rechnen. So geräth der Handwerksmann in Schaden, wenn er, besonders bei den Submissionen, bei der Preisberechnung nur Material- und Arbeitslohn, nicht aber die Generalunkosten (Miethe, Steuern, Zinsverlust, Abnutzung) mit in Anschlag bringt (was Redner an Beispielen erläutert). Das hängt aber wiederum zusammen mit dem Mangel einer geordneten Buchführung, durch die allein ein sicherer Einblick über den Stand der Verhältnisse zu gewinnen ist. Geradezu ver- hängnißvoll wird dieser Mangel, wo der Handwerksmann fremden Credit in Anspruch nehmen muß. Nicht genug ift zu warnen vor dem planlosen Borgen und besonders vor Wechseln. Im Haushalt sollte ohne bittere Noch überhaupt nicht geborgt werden. Borgen macht Sorgen. Darum muß man nicht mehr verzehren, als der Pflug kann ernähren. Wie über den Erwerb, so sollte über den Verbrauch genau Buch gefügt werden und zwar wo möglich nach geordneten Rubriken, ähnlich, wenn auch einfacher, als sie die in Frankfurt aus der Erfahrung aufgestellten Arbeiterbudgets (aus denen Redner Mittheilung macht) enthalten. Dadurch allein erhält man einen Ueberblick über die Verwendung seiner Mittel, über das Verhältnis in dem die Ausgaben für verschiedene Bedürfnisse stehen, und kann dann ab und zu thun und eine richtige Eintheilung machen- Man soll den Muth haben, nach Verbesserungen zu streben und, auch unter Entsagungen, dafür zu sparen.. Das Sparen ist im Arbeiterhaushalt auch heute nicht fo unmöglich, wie es dargestellt wird. In Preußen betrugen die Sparanlagen Ende 1888/89 2889 Millionen Mark, während es 1841 nuj: fünf Millionen waren. Der größte Theil davon kommt auf kleine Einlagen. Eine bessere Ernährung ist zu erzielen durch eine bessere Ausbildung der weiblichen Jugend für ihren zukünftigen Beruf, wie sie die Haushaltungsschulen erstreben. Unter Benutzung der Erkenntnisse über den Nährwerth der verschiedenen Speisen, wie sie unsere Wissenschaft gewährt, leiten diese Schulen dazu an, gehaltvollere Speisen zu billigerem Preis, herzustellen. Um den Muth zu solchem Streben den Widrigkeiten des Lebens gegenüber zu gewinnen und zu bewahren, bedarf es aber eines ganzen Capitals an sittlichem Ernst und Gewissenhaftigkeit, von Gottesfurcht und Gottvertrauen. Dieses Capital zu hüten und zu mehren ist eine der Ausgaben, die die evangel. Arbeitervereine sich gestellt haben, weil sie überzeugt sind, daß es nicht dazu dient, wie man den Arbeitern vorredet, die Leute dumm und in zufriedener Beschränktheit zu erhalten, sondern vielmehr hilft, sie weise zu machen und stark in dem Kampf, der uns verordnet ist. Reicher Beifall wurde dem Redner gezollt. — Aus den weiteren Mittheilungen sei hervorgehoben, daß Mittwoch vor Weihnachten die erste geschäftliche Sitzung stattfindet — zu der natürlich nur Mitglieder Zutritt haben — und am zweiten Feiertage im Bramm'schen Locale in der Neustadt ein Famtlienabend, für den allerlei Musikalisches und Declamatorisches vorbereitet wird.
— Gestern tagte im „Postkeller" eine stark besuchte Versammlung der Brauer Oberhessens, des Lahnthales und Umgpgenb. Auf der Tagesordnung stand die auch weite Kreise der Bevölkerung interessirende drohende Erhöhung der Br au st euer. Der in vorberathender Sitzung am Samstag gewählte Obmann, Herr Ed. Röhrle, Gießen, welcher die Versammlung leitete, gab, nachdem er die zahlreich erschienenen Collegen, sowie den gleichfalls anwesenden Reichstagsabge- ! ordneten Herrn Dr. Gutfleisch begrüßt, ein anschauliches


