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Freitag den 14. Oktober

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Shttte* und rlnzclgeblatt für den Ureis Gieren

Der chie5-«er A»zeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MonkagS.

Die Gießener Aa«itien0kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Annahme Don Anzeigen zu der Nachmittag« für den I l°l«cnden Tag ersAMendcn Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

rienefLe Nachricht«»».

Wolffs teleqr. phische-s Correspondenz-Bureau.

Berlin, 12. October. lieber die Ergebnisse der Ver- I «ijTöguiiß zur Einkom men sl euer in Preußen für 1892/93 !

Kammer. Die Neuwahlen werden auf den 6. November, die Stichwahlen aus den 13. November, der Zusammentritt

eine Rede, worin er die Beziehungen Italiens zur Union als herzlich bezeichnete. Aehnliche Kundgebungen sanden in Chicago, Philadelphia, Baltimore statt. Ueberall herrscht

Newyork. 12. October. Anläßlich der Columbus- er fand gestern Abend Feuerwerk statt. Mehrere tausend Katholiken Newyorks defilirten vor dem Vicepräsi­denten Morton. Daran schloß sich eine vom katholischen Club veranstaltete Musikaufführung. Dem Concert der deutschen Musikvereine, die sich unter der BezeichnungColumbus, freter Sängerbund" zusammengethan hatten, wohnten Cleve­land, der Mayor von Newyork und viele hervorragende Deutsche bei.

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Newyork, 12. October. Heute, als am zweiten Tage der Columbusfeier, fand eine große Flottenschau statt. Das Wetter war prächtig. Erne aroße Anzahl herr­sch geschmückter Schiffe und Kähne bedeckten den Fluß. Die ^o^sahrt erfolgte in drei Colonnen unter Salutschüssen Dle Mtttelcolonne wurde von ausländischen, die anderen von amen kant sch en Knegsschiffen gebildet. Den Ehrenplatz nahm das spanische Schiff ^Jnfanta Isabel" ein. ' 9

Newyork, 12. October. Columbusfeier. Heute fand eme große militärische Kundgebung und Enthüllung des von den Nallenischen Vereinen gewidmeten Denkmals statt. Bice-

| veröffentlicht derReichsanzeiger" ausführliche Mittheilunqen. I ! ??o7^ößnb rfür ba* Steuerjahr 1892/93 veranlagt

mC-Mr^3lnmC^ fnb bic er^ steuerpflichtig gewordenen fei furistischen Personen mit 2028 Censiten und 10,056,743 Mk ©teuer betheiligt. Veranlagt sind gegenüber dem Vorjahre Censiten zu einem Einkommen bis 3000 Mk. 86,99 pCt. «egen 87,27 pCt. im Vorjahre, von 3000 bis 6000 Mk 8 40 gegen 9,05 pCt.; die Zahl der Censiten mit höherem Einkommen ist dagegen durchweg gestiegen.

?rc*obe5 ®Er ^änis empfing um 4 Uhr i ......... s«1»1« «jcmmui» pau. vice*

die deutsch», und österreichischen Distanzreiter im Ball- Präsident Morton hielt im Namen des Präsidenten Harrison saale des Residenzschlosses. Der preußische Gesandte Graf ' ---' - - v

Nonhoff, der österreichisch,lmgarische Graf Chotek, und der bayerische, Freiherr v. Niethammer, stellten vor. Der König I begrüßte den ersten Sieger und Herzog Günther besonders. 9ro6c Begeisterung. Um 4«/? Uhr folgte die Galatasel mit 200 Gedecken in zwei Paradeschritt Außer dem König und den Prinzen des Hauses nahmen der Minister des Auswärtigen Metsch, die erwähnten Gesandten, die Generäle Kircbbach und Reyher Theil. Der König brachte folgenden Trinkspruch aus:Ich fordere Sie auf, dieses Glas zu leeren auf da« Wohl zweier Monarchen, dte selbst erhabene Vorbilder des schneidigen Reitergeistes sind welcher durch Sie, meine Herren, so vorzügliche Früchte gezeitigt. Der Kaiser von Oesterreich und der Deutsche Kaiser leben hoch !

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 13. October. Wie demBerl. Tagebl." aus siondon gemeldet wird, sind an der Küste von Neusnndland bei den letzten Stürmen^ mehrere Schisse unter- gegangen, wobei 19 Personen ertrunken sind.

9 oAa?cbn0' 12 Dct°ber- Amtlich. 19 Erkrankungen, 2 Todesfälle - davon gestern 14 und 1. Transporte: ®eftern 10 Kranke. Altona: eine Erkrankung, kein Sterbefall. ö/

12\°c'o6er- Nach Besichtigung des Museums und Besuch des Barackenspitals empfing der Deutsche Kaiser, nach Schönbrunn zurückgekehrt, außer Taaffe auch

.72' und Szögyenyi. Die Chefs der diplo-

matischen Missionen gaben beim deutschen Kaiser ihre Karten °b. Morgen Vormittag findet Jagd in den Donauauen bei Mannswörth statt. Die Rückfahrt ist mittelst Separatdampfer ®ep.[asn?- ~ ®er Deutsche Kaiser verlieh dem Erzherzog Friedr,ch den schwarzen Adlerorden. Beim Gala-Diner gebracht S°'^r iU" Trinksprüche wurden nicht aus- j

Paris, 12. October. Der Bericht des Deputirten Chochery über das Kriegsbudget ist festgestellt. Die or entlichen und außerordentlichen Heeresausgaben seit 1870 betrugen 15 Milliarden und 368 Millionen."

«om, 12. October. Das Amtsblatt veröffentlicht heute Abend das Deere« des Königs, betreffend Auflösung der I

Berlin, 13. October. DerNationalzeitung" schreibt in unterrichteten Börsenkreisen' gelte der Abschluß einer russischen Anleihe mit Rothschild al§ bevorstehend. Der anwesende Delegirte des russischen Finanzministers würde morgen Abend nach Petersburg zurllck- kehren. Die Anleihe würde angeblich 500 Millionen betragen äu 4pSt. Der Emmissionscurs sei ungefähr 95, jedoch sei dies noch unverbürgt.

Hamburg, 12. October. Der ärztliche Wachdienst wurde von heute ab in sämmtlichen Desinfectionsanstalten aufgehoben.

Wilhelmshaven, 12. October. Contreadmiral Köster, der Director des Marinedepartements, ist zum Viceadmiral, die Capitane zur See Hoffmann und Aschenborn sind zu Contreadmirälen befördert worden.

. W'-n, 12. Ociober. Kaiser Wilhelm besichtigte

heute Nachmittag die von der freiwilligen Rettungsgesellschaft

Berlin, 12. October. Wie dieNational - Zeitung" meldet, ist heute früh zu Glion am Genfer See Geheime- rath Lothar Buchen gestorben.

Amtlichem Theil.

r r Gießen, den 10. Oktober 1892.

>0etr.. Die Aufnahme der taubstummen Kinder in die Taub- stummen-Anstalt des Landes.

Das Grohherzogliche Kreisami (Sieben

an die Schulvorstände des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom ^4. August noch nicht nachgekommen sind, werden hierdurch an Erledigung derselben erinnert.

________________v. Gagern.

Bekanntmachung.

Klagen und sonstige Erklärungen sind bei unserer Ge- richtsschrelberei an allen Wochentagen Vormittags zwischen I« und 1.2 Uhr vorzubringen. Wer einen Richter sprechen * vorgeladen zu sein, hat sich Mittwoch Vor-

«uttags einzufinden.

Gießen, den 11. Oktober 1892.

Großherzogliches Amtsgericht Gießen.

Fresenius.__________

Deutsches Reich.

12. October. Die Unsicherheit der inneren poetischen Lage in Deutschland, wie sie durch die vtelfachen uncontrollirbaren Meldungen über die neue Militär­vorlage und die hiermit zusammenhängenden Erscheinungen characterisirt wird, läßt sich trotz aller Beruhigungsartikel der Berliner Officiösen doch nicht vollständig hinwegdisputiren Datz Sensationsnachrichten, wie diejenigen, wonach sowohl Rcichskanzter Graf Caprivi als auch der preußische Minister­präsident Graf Eulenburg wegen der infolge der Militär- frage geschaffenen Situation bereits ihre Entlassung einaereicht haben sollen, weit übers Ziel hinausschießen, ist zweifellos, aber ebensowenig kann' es wohl einem Zweifel unterliegen, daß durch die Militärvorlage in den maßgebenden Kreisen von Berlin eine gewisse Krisis hervorgerusen worden ist. Ob und wie sich dieselbe weiterentwickeln wird, das hängt allerdings von dem Gange der Parlamentarischen Ereignisse ab und da dem Reichstage die Militärvorlage vermuthlich erst nach Neujahr zugehen wird, so ist vorläufig eine weitere Zuspitzung der Situation kaum zu befürchten. Immerhin wäre es für den Stand der Dinge characteristisch, wenn die Nachricht wahr sein sollte, daß man sich in Regierungs­kreisen mit dem Plane einer eventuellen Reichslags-Auflösung

ichener AmeiaerM

. 1 Redaction, Expedition

Kenerat-Anzeiger.

. «UiUeton

Die Entdkckung von Amerika vor 400 Iahrrn.

Ein Gedenkbla:t an Christoph Columbus.

Von Dr. Adolph Kohut.

(Nachdruck verboten.)

In unterer Zeit der Schnelldampfer und Blitzzüge, in der eine Reise von Europa nach Amerika kein besonders beachtenswerthes Ereigniß mehr ist, kann man sich kaum eine Vorstellung von der Aufregung machen, welche die gesummte Culturwelt erfaßte, als vor 400 Jahren der kühne genuesische Seefahrer Christosero Colombo, ober, wie er mit der la"n«sirten Form seines Namens, der Sitte jener Zeit ge- mnß, allgemein genannt wird, Columbus, am 12. October 1492 eine neue Welt entdeckte. Aber weder der große Mann,- der genialste und berühmteste unter den Entdeckern aller Zeiten, noch dasJahrhundert der Entdeckungen" iuie unsere bewundernde Mitwelt den Zeitraum von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts nennt hatte eine blasse Ahnung davon, daß es außer Europa, Äflten und Afrika noch ein großes Festland jenseits des atlan- üschen Oceans geben könnte. Wenn Portugiesen und Italiener 10n dem fieberhaften Bestreben beseelt waren, Entdcckungs Speditionen auszurüsten, so trieb sie lediglich der Eifer, den lächsten und bequemsten Weg nach Indien zu erreichen. Indien bildete das große Ziel, die letdenschastlichste Sehn- "cht aller Abenteurer, Seefahrer und Staaten. Von hier ^us bezog die mittelalterliche Welt mit unendlicher Mühe die leblmgßwaaren und Schätze des tropischen Klimas: Gold­laub, Diamanten und Perlen, Elfenbein, Porzellan, Sammt I

unö Seide, theuere Gewebe, Wolle, kurz, alles, was Menschen Begehr. Der Handelsverkehr mit jenem märchen- paften, die Einbildungskraft fortwährend beschäftigenden Lande machte Amalfi, Pisa, Genua und Venedig, sowie später Spanien und Holland, zu den mächtigsten Seestaaten der Welt.

Von einem ungeheuren Jrrthum, welcher aber die glän- zendsten, bahnbrechendsten, unermeßlichsten Ergebnisse zeitigte war^also Christoph Columbus, der, im Jahre 1456 als Sohn eines Tuchwebers in G^nua geboren, geniale Entdecker Amerikas, befangen, als er den Entschluß faßte und es als seine ganze Lebensaufgabe betrachtete, den entfernten Osten öer Erde durch eine Fahrt gen Westen auszusuchen, um da­durch den nächsten und bequemsten Weg nach dem Eldorado der Menschheit, Indien, zu finden. Angeregt durck den berühmten florentimschen Astronomen Paolo dal Pozzo Tos- canelli, mit dem er im Ansange der 80er Jahre des fünf­zehnten Jahrhunderts in briefliche Verbindung trat, erfaßte er mit der ganzen Energie, welche diesen seltenen Genius auszeichnete, den Gedanken, das Morgenland in westlicher Richtung aufzusuchen. Toscanelli begnügte sich nicht damit, die Möglichkeit des Unternehmens warm zu befürworten, son­dern er gab auch 1474 eine Seekarte heraus, aus welcher man sich über die Länge des Weges ortentiren sollte. Natür­lich war hier d>e Entfernung zwischen der Westküste Europas und der Ostküste Asiens auch nicht entfernt correct angegeben. Columbus nahm mir Toscanelli und mit Pierres d'Ailly, aus dessen Werken erft.rcr einen großen Theil seiner kosmo- graphischeu Kenntnisse schöpfte, irrthümlich an, daß die Ost- küste Asiens von der heimathlichen Westküste nur um 130 Gr. entfernt fei; hätte er die wirtliche Entfernung gekannt, so wäre er wahrscheinlich von der Ausführung seines gefahrvollen

und abenteuerlichen Planes zurückgetreien. Ohne diese beiden Cardmalirrthumer wäre wohl die neue Well vielleicht noch Jahrzehnte hindurch der allen Well verschlossen geblieben. Thalsache ist, daß Columbus auf seinen Entdeckungsfahrten bte Karte Toscanellis bei sich Halle und daß er auf die Worte dieses Meisters schwor. Als der gewaltige Genuese Mn-i 6hh e:s arrle' blC $bee Toscanellis zu verwirklichen, I ^reb ,tm( dieser u. a.:Ich lobe Eure Absichl, nach Westen zu fahren, und ich bin überzeugt, daß Ihr auf meiner Karte bereits gesehen habt, daß der Weg, den Ihr nehmen wollt, nicht so schwierig ist, als man denkt- im Gegentheil feer Weg nach jenen Gegenden, welche ich ausgezeichnet habe, ist ganz sicher. Ihr würdet keine Bedenken haben, wenn flbr wie ich, mit vielen Personen verkehrt hättet, welche in jenen Landern gewesen sind, und seid gewiß, mächtige Könige an­zutreffen, viele volksreiche und wohlhabende Städte ru finden welche von jeder Art Edelsteinen Ueberflnß haben, und es wird die Könige und Fürsten, welche in jenen entfern,en Landern herrschen, hoch erfreuen, wenn man ihnen einen Weg bahnt, um mit den Christen in Verbindung zu treten und W) oon be.HeIbEu in der katholischen Religion und in allen

?a tfln' roc d,e tD,r besitzen, unterrichten zu lasten £.U,^roCr9C"t,Cler anderer Ursachen wundere ich mich so viel Muth zeig,, wie auch die ganze por- tugiesuche Nation, welcher es immer Männer gegeben hat die sich m allen Unternehmungen auszeichnen." '

Tascanelli irrte sich bezüglich der Nationalität des ® N'cht ein Portugiese, sondern ein Italiener sollte

das Zie» ber langiahrigen Anstrengungen der Portugiesen rnr See Indien, erreichen. Wohl aber wandte sich ,m Fab I

83 zuvörderst Colunibiis an Portugal um Unterstützung seines weltbewegenden Planes. Er erbat sich von K^önig