Hamburg, 12. September. Das statistische Bureau der Gtcuerdcputalion hat die Revision der vom Medicinal-Collegium ausgestellten Statistik über die Choleraerkrankungen und Todesfälle in Hamburg beendigt. Danach sind vom 20. August bis 10. September Mittags 13238 Erkrankungen und 5805 Todesfälle erfolgt.
Hamburg, 12. September. Die Droschkenbenutzuug hat fast ganz aufgehört, trotz der Bekanntmachung, daß Droschken für den Krankentransport nicht benutzt werden dürfen.
Hamburg, 11. September. Nachdem die Polizei am Samstag 10 Kranken-, 19 Leichentransporte weniger beschafft, als Freitag, wurde heute wiederum Abnahme der Erkrankungen sowohl als der Todesfälle gemeldet. Die Berlin- Hamburger Bahn stellt morgen, mangels Benutzung, die Eilzüge ein, die in der letzten Zeit zuweilen nur sieben, neun Passagiere brachten. Für das Nothstandscomito sind nahezu 900 000 Mark, viele Nahrungsmittel, Kleidungen eingegangen. Die Socialisten erweisen sich bei Aufsuchung Nothleidender sehr nützlich, ihre Vertrauensleute revidiren die betreffenden Straßen und weisen Hülssbedürstige den Bezirkscomites nach. Auch die Privatwohlthätigkeit greift energisch ein. Fr. Z.
Bremen, 12. September. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Kaiser Wilhelm II.", der am 10. d. Mts. in Newyork eingetroffen ist, landete heute früh nach erfolgter ärztlicher Beobachtung sämmtlicher Passagiere.
Leipzig, 12. September. Das sächsische Ministerium theilte dem hiesigen Rathe mit, daß es seine Genehmigung zum Ausfall der diesjährigen Michaelismesse wegen der Choleragefahr ertheile.
Eberswalde, 12. September. Die auf einem von Stettin gekommenen Kahne befindliche neunjährige Tochter des Schiffers Seeger ist an choleraverdächtigen Symptomen gestorben. — Die Polizeiverwaltung erklärte den Finowcanal für choleraverseucht.
Augsburg, 12. September. Der Magistrat der hiesigen Stadt erhöhte den Credit für die Maßnahmen gegen die Cholera auf 30000 Mark.
Cocalcs rrnd ^provinzielles.
Darmstadt, 12. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Ihre Grobherzoglichen Hoheiten die Prinzessinnen Victoria und Alix trafen heute Vormittag von Jagdschloß Wolfsgarten hier ein und begaben sich direct nach dem Mausoleum, wo der Oberhosprediger D. Bender bereit war, an dem Sarkophage des Höchstseligen Großherzogs Ludwig IV. eine Gedächtnißfeier für den Hohen Entschlafenen abzuhalten. Nach derselben begaben Sich die Allerhöchsten Herrschaften in das Neue Palais und von dort nach Jagdschloß Wolfsgarten zurück.
Darmstadt, 12. September. Der Großh. Untersuchungsrichter I am Landgerichte der Provinz Starkenburg erläßt unterm 10. dss. Mts. folgende Bekanntmachung: Die des Mordes bei Mörfelden zunächstverdächtigerscheinenden Personen: August Becker von Wächtersbach und Carl Fricke von Mannheim sind nach erhobenem Aufenthaltsbeweise von mir alsbald wieder entlassen worden. Ich gebe dies bekannt, damit die Nachforschungen wegen der Täterschaft mit ungeschmälerter Energie fortgesetzt werden.
Heppenheim, 9. ^ept. Auf die Eingabe der Psarrgeist- lichkeit des kath. Dekanates Heppenheim, betreffend die öffentlichen Tanzmusiken, hat Großh. Kreisamt Heppenheim an die Großherzogl. Bürgermeistereien des Kreises folgende Verfügung erlassen:
„Unter Bezugnahme aus unser gedrucktes Ausschreiben vom 10. Juni 1887 beauftragen wir Sie, die Wirthe in Ihren Bürgermeistereien wiederholt nachdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß ihnen die Tanzerlaubniß längere Zeit hindurch werde verweigert werden, wenn es zu unserer Kenntniß kommen sollte, daß sie Knaben und Mädchen vor vollendetem 17. Lebensjahre bei öffentlichen Tanzgelegenhciten auf dem Tanzboden oder in den Wirthschastslocalitäten zulassen. Wir machen es Ihnen zur besonderen Pflicht, genau zu überwachen, ob die Wirthe dieser Anordnung nachkommen. In jedem Berichte wegen Nachsuchens eines Wirthes um Tanzconzession ist gewissenhaft und bestimmt anzugeben, ob er bei der letzten bei ihm stattgehabten öffentlichen Tanzgelegenheit Knaben und Mädchen, die das 17. Lebensjahr "och nicht vollendet haben, aus dem Tanzboden oder im Wirthschaftslocal zugelassen hat." v. Grancy.
Kriegsinvaliden, rührt Cuch!
Die Kriegsinvaliden aus den Jahren 1864, 66, 70 und 71 Bretts feit einiger Zeit in mehreren Städten Deutschlands Schritte gethan, um durch eine Petition an den Reichstag ihre Lage zu verbessern und eine Erhöhung ihrer Jnvalidenbezüge, »er* ru erstreben. Es l rr r gerechtfertigt, da bet allen sonstigen Erhöhungen und Verbesserungen aller Berufsklassen und dem Steigen der Lebensmittel- ^nnhVh,fbeh,mThrbhn hat, auch die voihandmen
Fonds bet dem Ableben vieler Kameraden eine gute Verbesserung ?®^.nun bte Leitungen berichten und wie auch vom Herrn Reichskanzler in der Reichstagssitzung vom 27. November v. I. erwähnt worden ist, steht eine neue Mititärvorlage bevor, welche dem R?i§^ase bei seiner Wiedereröffnung im Herbst d. I. zugehen (-); dieselbe soll 60 Millionen Mehrausgaben erfordern, ^lm März d. I. ist in der Budget: Commission des Reichstags über die Verbesserung der dienenden Unteroffiziere beraten worden, und hat r? ^ertreter des Kriegsministers den Vorschlag gemacht, Gelder für Prämien der UnterosNjiere und Verbesserung derselben aus dem Jnvalidenfonds zu nehmen. Es ist die höchste Zett, daß sich die Kriegoinvaltden allerwärts regen, denn wenn wir nicht vereint und mit allen Kräften vorgehen könnte unser Jnvalidensond arg ge- schadigt werden. Bis letzt ist die Bethetltgung leider noch nicht eine solche, wie sie bei der Wichtigkeit unserer Bestrebungen vorhanden sein mutzte. Es ist zu bedauern, daß so viele Kameraden aus Bequemlichkeit oder Feigheit oie Leiter der Bewegung nach keiner Sette hin unterstützen. Die Petition ist bereits in Ausarbeitung und wrrd demnächst zur Unterschrift beim Kameraden Valentin « V h • *, Abergasse 3, aufgelegt werden, von wo aus bereitwilltgst jebe Auskunft und Anleitung zur Sache gegeben wrrd. Deshalb, Kameraden, tretet mit uns ein für unser autes ^echt- Mit derselben Zähigkeit und Ausdauer, mit welcher wir vor dem Feinde gefochten, wollen wir unser Ziel Hochhalten, denn der Fonds ist unser heiligstes Vermächtniß von Seiten unseres Vaterlandes, gegen dessen anderweitige Verwendung wir vrotefiiren Erreichen werden wir aber nur etwas durch Massenpetittonen : Petitionen p°n nur einigen Kreisen haben nie den Erfolg, als wenn alle Krteas- ^validen Deutschlands vereint ihre Wünsche darbringem Die 9idti^^ag§wa&Ifre^^en; mit dem betreffenden Abgeordneten ist Rucksprache zu nehmen, wenigstens muß derselbe von der Sachlage Kenntniß erhalten. Es werden wohl wenige Ab- J!xtbnme ! fdn' unfere gerechte und zeitgemäße Angelegenheit
Wärme unterstützen Deshalb, Kameraden, säumt nicht! Keine Zeit ist mehr zu verlieren. Anfangs November müssen die C1f Reichstags eingesandt werden, damit
die Sache gleich bei der Militäroorlage mit zur Debatte kommt oberhalb des Wahlkreises Darmstadt-Groß-Gerau wollen Auskunft ebenfalls an den Kameraden Valentin Ä welcher gerne bereit ist, nach allen Richtungen hin
nähere Anleitung zur Sache zu geben. 0 M "
" Vermischtes.
* Vervollkommnung der unterseeischen Telegraphen. Da dre unterseeischen Telegraphenleitungen (Kabelleitungen) keineswegs |o gut und sicher functioniren wie die Telegraphen- anlagen des Festlandes, so wird man im Verkehrswesen einen m Frankreich gemachten Fortschritt aus diesem Gebiete mit Freuden begrutzen. Dem französischen Telegraphen-Jnspector ^.5° , ?°r-s ist em Patent auf einen Telegrahenapparat
" '‘ 'r.f welchem aus unserseeischen Telegraphenleitungen mehr als dreimal so schnell gearbeitet werden kann, als mit ■^n 'w Gebrauch befindlichen Apparaten. Bisher
ist die höchste Leistung der transatlantischen Kabel 30 Tele- Bramme in der Stunde- mit dem Willot'schen Apparat lassen sich dagegen mehr als 100 Telegramme in der Stunde ver- ar ei en. Aus kleineren Kabeln beträgt die Leistung des neuen Apparates sogar über 200 Telegramme in der Stunde ®er Apparat ist auf dem Kabel Marseille-Algier bereits in ^leuetbinns e b°" diese Leistungsfähigkeit ergeben.
Kabeln Jtoh ?me be “uf den großen transatlantischen Kabeln eingesührt werden. Es ist zu hoffen, daß dadurch e,ne wesentliche Ermäßigung der Gebühren für Kabel- telegramme Eintreten wird.
ift der Döblinger Irrenanstalt
ist dieier Tage der Universitalsprosessor Dr. Lud w ig Bandl
Gießen, 13. September 1892.
— Verhaftet wurde heute Morgen ein Dienstmädchen wegen eines außerhalb zum Nachtheil seiner früheren Dienst- Herrschaft begangenen Gelddiebstahls.
— Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Todt- geborenen, betrug in der Woche vom 28. August bis 3. September in Mainz mit Castel 23, in Darmstadt 25, in Offenbach 14, in Worms 9, in Gießen 8, zusammen 79, davon 30 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner kamen in Mainz 14,6, in Darmstadt 22,4 tn Offenbach 20,1, in Worms 17,6, in Gießen 20,2 vor. — Die Todesursache anbelangend, berftarben an Scharlach 1 (Mainz), an Rachenbräune (Diphtherie) 2 (je 1 in Mainz und Gießen), an Diarrhöe und Brechdurchfall 19 (je 5 in Mainz >A Offenbach, 6 in Darmstadt, 2 in Worms, 1 in Gießen - unter diesen 19 Sterbesällen durch Diarrhöe und Brechdurchfall betraf 1 (Darmstadt) eine erwachsene Person Don 62 Jahren, alle übrigen betrafen Kinder im ersten Lebensjahre), an Lungenschwindsucht 7 (2 in Mainz, je 1 in Darmstadt und Offenbach, 3 in Worms), an acuten entzündlichen Krankheiten der Athmungsorgane 2 (je 1 in Darmstadt und Gießen), an Gehirnapoplexie 5 (je 2 in Mainz und Darmstadt, 1 in Gießen)- gewaltsamen Tod erlitten 4 (2 in Darmstadt, je 1 in Offenbach und Gießen).
Ober-Mörlen, 11. September. Bei der vorgestern vorgenommenen Ergänzungswahl zum Gemeinderatb wurden Peter Fritz II. wieder-, Carl Scheibel VII., Loren» Schneider und Adam Scheibel I. zieugewählt.
wir fast alle unsere alten Bekannten dieser kleinen Geschichte dort bereits versammelt finden. Lugen wir ein wenig in den herrlichen Park der prächtigen Villa, über deren Eingang in goldenen Lettern die Worte prangen: „Villa Louise" Da erblicken wir denn den alten Papa Bonardelle, früheren Bürgermeister von Sedan, wie er gemüthlich aus seiner kurzen Pfeife den »Petit carporal“ schmaucht und lächelnd seinen beiden Enkelkindern Frederie und Charles zusieht wie sie „Preußen und Franzosen" spielen. „Papa, Papa'"'ruft Charles, „Friedrich will sich nicht ergeben." „Ja, Du mußt ihr, einfach dazu zwingen, mein Sohn," sagt Papa Armand, dessen beiden Wangennarben durch einen üppigen Backen- bart verdeckt sind. „Dazu gehört nicht immer allein rohe Gewalt- durch Klugheit solls oft noch besser gehen, ftrnae nur Onkel Friedrich, der wirds Dir schon sagen, wie es gemacht wird, zum Beispiel bei Sedan."
«Laßt mich zufrieden mit Taktik und Strategie" er- widerte der Oberstlieutenant Burkhart, der von Metz hierher aus Besuch gekommen ist. „Hier bin ich in Civil, der Oberstlieutenant hängt in Metz im Kleiderschrank."
,/J°, mein theurer Armand, wenngleich der Krieg auch unser Lebensglück begründet hat," sagte Madame Louise Bonardelle und küßte ihren Gatten auf die Stirn, „der bloße Gedanke an ihn flößt mir Grauen ein, und ich flehe zu Gott, daß er denselben noch recht lange fernhalte."
„Möge Gott Deinen Wunsch erhören," erwiderte Papa Bonardelle. v v
, ich danke," sagte brummig der Oberstlieutenant, „glaubst Du, ich will ewig Oberstlieutenant bleiben?"
* *
... " , 1geehrter Leser, die Geschichte ist aus: ich konnte höchstens noch erzählen, daß die damalige kleine Jeanette mit einem höheren französischen Forstbeamten ver- cheirathet und Eveline die Braut eines badischen Premierlieutenants ist. v cmicr
im 50. Lebensjahre gestorben. Ein wahrhaft tragisches 53er» hängniß hat sich da an einem der bedeutendsten Wiener Aerzte erfüllt. Bandl bezog Anfangs des sechsziger Jahre die Universität Wien und warf sich mit Eifer aus das medizinische Studium. Später wendete er sich der Geburtshilfe zu und hatte die Genugthuung, sein Streben in gelehrten Kreisen bald anerkannt zu sehen. Aus den großen wissenschaftlichen Erfolgen Brandl's, welchen er die Ernennung zum außer- ordentlichen Professor an der Wiener Universität dankte, mußten bald auch günstige materielle Erfolge sich ergeben. Bandl wurde einer der gesuchtesten Frauenärzte Wiens. Zu Ende des Sommers 1886 trat in der Stellung des Professors eine wesentliche Aenderung ein. An der deutschen Universität in Prag war die Lehrkanzel für Geburishilse erledigt und Bandl wurde für diesen Lehrstuhl vorgeschlagen. Seine Ernennung zum Professor für Prag erfolgte im September. Er freute sich darüber — er wußte damals noch nicht, daß ihm der Abschied von Wien so schwer werden wurde. Aber je näher die Zeit heranrückte, welche ihn von Wien entführen sollte, desto trauriger wurde er. Er ging im September nach Prag, um seine Klinik zu besichtigen. Im October trat er seine Professur dort an, aber er konnte sich nur schwer entschließen, die Vorlesungen zu beginnen, : Wiederholt mußte ihn der Deean Chiari auffordern, seine Antrittsvorlesung zu hatten. Bandl erschien im Hörsaal, aber von einem schrecklichen Weinkramps befallen, mußte er aus dein Hörsaal gebracht werden. Er versuchte nach einigen Tagen der Erholung ein zweites Mal zu seinen Schülern zu> sprechen aber er brach wieder zusammen. Sein Geist war gestört und nun ist er, schon seit Jahren irsinnig, in der Döblinger Heilanstalt gestorben.
* Ein schönes Beispiel von friedlichem und einträchtigem Zusammenwirken der beiden christlichen Consesfionen findet man in Griesheim a. M. Dort veranstaltete nämlich der Jnstrumentalverein des Lehrercollegiums ein Jnstrumental- und Vocalconcert, dessen Reinertrag zu gleichen Theilen dem katholischen Kirchenbaufonds und dem Fond zur Erbauung eines Thurmes aus der evangelischen Kirche überwiesen werden soll. So ist's recht!
* Wie stark der Hamburger Handel durch die Cho lerar l sperre betroffen wird, lehren folgende Ziffern: Nach den Em- und Aussuhrwerlhen des Vorjahres entfiel aus jeden I Tag ein Ein- und Aussuhrwerth von etwa 15 Mill. Mk. Rechner man nun die letzten 12 Tage, so beziffert sich der annähernde Ausfall bereits aus 180 Millionen Mark im Handelsverkehr.
* Man schreibt aus Paris: Der „Figaro" kündigt eine „Revolution in der Mode" an: Die anschließende Robe wird nicht mehr getragen, sondern der Rock sehr weit, ohne Naht, die Taille, wie bisher sehr lang, Genre Louis XIII., dabei die Aermel immer noch sehr pusfig. Zur Herstellung solcher Costüme sind Stoffe von besonderer Breite nöthig und Lyon ist außer Stande, der Nachfrage zu genügen. Der //Figaro" freut sich darüber, daß die deutsche Industrie keine Kenntniß von dieser Veränderung der Mode gehabt habe und in dieser Saison Paris nicht copiren könne.
* Wer tjat das Decimalsystem erfunden? Bisher glaubte man, daß das Verdienst, das Decimalsystem erfunden zu haben, den französischen Gelehrten Mouge und Romme gebühre. Nun behauptet aber der von den Salomoninseln naH Paris zurückgekehrte Welrreisende Dr. Kimbourne, daß das Decimalsystem schon uralt sei und von den Eingeborenen jener Inseln bereits seit langer Zeit angewandt werde. Die Einheit ist die Cocosnuß, zehn Cocosnüffe sind so viel werrh wie eine bestimmte Anzahl Perlen enthaltende Austernschalen- verzehnfacht man diese Austern, so gilt die erhaltene Summe so viel wie ein Seehundssell- zehn Seehundsfelle haben denselben Werth wie 50 Walfischbarten und für zehn Walfischbarten erhält man eine junge Frau. Mittels einer sehr einfachen Rechenoperation ergibt sich also nach dem „salomonischen" System das Resultat: Eine Frau = 200 Cocosnüsse.
* Liebeswerbeu vor 300 Zahreu. Von dem im Mittel- alter im nördlichen Deutschland hochangesehenen und weitver- i breiteten Geschlechte der Herren vonMiinchhausen zeichnete 1 sich der im Jahre 1570 geborene Freiherr Ludolph durch große Gelehrsamkeit und noch mehr durch einen unerschütterlich redlichen Charakter besonders aus. Man sagt von ihm, daß. nie ein unwahres Wort über seine Lippen gekommen sei und daß man aus sein gegebenes Wort, wie auf einen Eid habe bauen können. Diese Geradheit bewährte er auch bei feiner Werbung um die Hand Anna's von Bismarck. Als sich das junge Mädchen ein wenig zierte, polterte er heraus: j ,,Annexe wutt du, sau wutt du! süss gifft et der Meum— ] kens-Döchter noch mehr“ (Annchen willst du, so willst du! sonst gieb's der Mutter Töchter noch mehr). Da sagte sie \ ja, stellte aber die Bedingung, daß er seinen Zwickelbart ab- I schneiden solle. Ludolph aber faßte ein Haar seines langen Bartes und sprach: „Annexe süh, nig se dat Haar’“- (Aennchen sieh, auch nicht dies Haar!). Nun sagte sie doch ja und lebte sehr glücklich mit ihm.
* Aus der Alp Grüm, einem Aussichtspunkte in der Rahe des Bernina-Hospizes, erfreut den Leser des Fremdenbuches der nachfolgende Erguß eines frohgestimmtew Sachsen:
„Es hat D'r mancher Alpensee Ae wunnerbar Gouleur, Doch wie der Lago Bianco hier Gefällt m'r geener mehr.
Ob smaragdgrün, |ob Himmelsblau, So scheen gann geener fein, Das Seechen guckt ja g'rad so auS, Als wärs voll Aeppelwein."
Doch hart neben ber poetischen Laune steht die Pros» des Lebens mit seinen harten Gegensätzen. Da schreibt ein Deutscher: „So groß die Engländer als Ration sind, so klein und unmanierlich find sie als Individuen, wie uns die Erfahrung gelehrt hat, die wir heute hier gemacht haben " Auch die Politik treibt ihr Wesen in einer Einzeichnung: „5. Aisaee, France", wozu ein wackerer Deutscher
bann drei faustdicke Fragezeichen gesetzt hat. Daneben zur


