preisung medicuujchtt PrSparaie bctt. mkb an den Reichskanzler zur Kenntnih abgegeben. (Res.: Adg. Stephan.)
Montag 1 Uhr: MtlttLretat.
Neueste Nachrichten.
Depeschen de- ^Bureau Herold*.
Saarbrücken, 15. Februar. Der GrubenauS schuß der siScalischeu Bergwerke richtete eine Petition an den Landtag um Gewährung der Achtstundenschicht, Aende« rungen im Knappschaftswesen und theilweise Lohnerhöhung.
Rom, 14. Februar. Der Papst hat den Wunsch geäußert, daß aus den anläßlich seines Bischossjubiläums in Rom stattfindenden Bischoss-Conserenzen die sociale Frage und ihre Lösungsmittel erörtert werde.
Brüssel, 15. Februar. Anläßlich des gestrigen Jahresfestes deS Vereins ehemaliger Unteroffiziere betonte Exgeneral Vandersmiffen die Nothwendigkeit allgemeiner Persönlicher Wehrpflicht. Diese habe die deutsche Armee auf eine Höhe gebracht, welche er als Vertreter Belgiens bei dem Manöver des 14. Armeecorps bewundert habe. Die Rede veranlaßt lebhafte Erörterungen in der Presse.
Localer und provinzieller.
Gießen, 15. Februar 1892.
— Bon der Univerfität. Oberconsistorialrath Superintendent Köstlin hat die Berufung als Professor der Theologie an der hiesigen Universität abgelehnt.
— Sitzung Großh. Handelskammer vom 9. Februar 1892. Anwesend waren die Herren: Scheel, Heichelheim, Katz, Klings por, Kraatz und Wortmann. Seitens der Handelskammer Bromberg ist der Kammer eine an das Reichsbank - Directorium zu Berlin gerichtete Eingabe zur Unterstützung übersandt worden, in welcher beantragt wird, „Bestimmungen dahingehend erlassen zu wollen, daß sämmt- liche Giro - Ueberweisungen auch von den Reichsbanknebenstellen mit nur einem Vorstande ohne Rücksicht auf die Höhe des zu überweisenden Betrags und bei Nichtconto-Jnhabern ferner ohne Rücksicht darauf, ob die Einzahlung in baarem Gelde oder aus Grund eines Discont- oder Lombardgeschästs geschieht, mit Beseitigung der zeitraubenden Vermittelung der vorgesetzten Bankanstalt unmittelbar und direct an die Empfangsstelle erfolgen dürfen". Die Kammer hat sich dem Vorgehen der Handelskammer Bromberg durch eine entsprechende Eingabe unterstützend angeschlossen.— Im Jahr 1892 findet in Moskau eine electrische Ausstellung statt. Die russische Regierung hat nun nach einer von dem Reichsamt des Innern an das hessische Ministerium ergangenen Mit- rheilung den Wunsch zu erkennen gegeben, darüber unterrichtet zu werden, in welchem Umfange die beteiligten deutschen Kreise diese Ausstellung beschicken werden und hat das hessische Ministerium die Kammer ersucht, bei den hiesigen Interessenten Umfrage zu halten. Wir ersuchen diejenigen Interessenten, welche die Ausstellung zu beschicken gedenken, dies der Kammer bis zum 20. l. Mts. mittheilen zu wollen. Eine gleiche Mittheilung erbitten wir uns von den Interessenten, welche die Weltausstellung in Chicago 1893 beschicken werden.
L. St. Concertverem. FünstesConcert. Wie alljährlich, so war auch in diesem Jahre ein Concert des Concertvereins der Kammermusik gewidmet. Und es ist sehr dankenswerth, daß der Vorstand des Concertvereins für diese Musikgattung ein rechtes Interesse hat- ist doch gerade die edle Kammermusik danach angethan, den Geschmack und das Verständniß in feinsinniger Weise anzuregen und zu läutern. Das Programm wurde ausgeführt von dem bekannten Meininger Streichquartett (Fleischhauer, Abbas, Faust, Wendel) und dem vortrefflichen Clarinettisten und Kammervirtuosen Mühl- feldt, ebenfalls aus Meiningen. Die erste Nummer bildete das Quartett op. 74 es-dur (nicht 47, wie das Programm mittheilte). In Musikerkreijen gab man diesem Werke den Namen „Harsenquartett",- ein Name, der trefflich Inhalt und Form desselben characterisirt. Als zweite Nummer folgten drei Fantasiestücke für Clarinette von Schumann. Eine glückliche Wahl des Herrn Mühlseldt- denn die Schumann'sche Melodik in ihrer träumerisch düsteren Färbung ist sehr geeignet, die Vorzüge seines schönen Instrumentes zur Geltung kommdn zu lassen. Nr. 3 brachte die Variationen des d-woIl-Quartetts von Schubert, dessen Thema das Schubert'sche Lied „Der Tod und das Mädchen" ist, und ein Allegretto acherzando von Tschaikowsky. Für die Wahl der ersten Composition konnte man herzlich dankbar sein, aber durchaus nicht für die der zweiten. Der Russe Tschaikowsky hatte sich durch einige tüchtige Compositionen auch in Deutschland einen Namen erworben (ich denke an einige Suiten re.). Mehr oder weniger scheint man aber doch den Componisten überschätzt zu haben. Eine große Anzahl seiner Werke zeigt das Streben nach ungewöhnlichen Formen und Gedanken, eine Sache, die sich auch bei den meisten Componisten der jungrussischen Schule bemerkbar macht (Rubinstein nicht ausgeschlossen) und das wird russischer Nationalmusikstil genannt. Wenn man nicht wüßte, daß die Herren Russen sind, so könnte man aus manchen dieser Compositionen auch den Nationalstil eines Kalmücken rc. herauslesen; leer nach Seite des Inhaltes, ungewöhnlich nach Seite der Form und Formgebung, dabei ausgestattet mit allem möglichen und unmöglichen bizarren Putz und Flitter. Wie sehr stach Tschaikowsky gegen Schubert ab und noch mehr gegen das Mozart'sche Clarinettenquintett. Der Werth und die Schönheit dieses Werkes läßt sich nicht in Worten schildern. Jeder Hörer, der dies Werk noch nicht gekannt hat, muß gestaunt haben über die Fülle der reinen, klaren Gedankenwelt und noch mehr über die Klangschönheit, welche die Verschmelzung des Streichquartettes mit der Clarinette bot. Ein stille Weh- muth muß man empfinden im Interesse unserer classischen Meister, wenn man bedenkt, daß ihre derartigen Compositionen so außerordentlich wenig zu Gehör gebracht werden,- denn unsere Meister zeigen sich in diesen Compositionen nicht
minder bedeutend, als in ihren Kammermusiksachen für Streichinstrumente ohne Bläser. Leider sind Ausbildung und Routine unserer Orchesterbläser selten danach angethan, sie zu diesen Werken zu führen. Da steht Herr Mühlfeldt wirklich einzig da. Die Bedeutung dieses trefflichen Künstlers wird weit über die Grenzen Deutschlands hinaus einstimmig gewürdigt. In seinen Solovorträgen zeigte er weniger die virtuose Seite seines Könnens, sondern er war ganz und gar danach bestrebt, durch feinsinnige Ausführung nach der musikalischen Seite hin die Ergiebigkeit seines Instrumentes zur Geltung zu bringen. Ebenso war sein Zusammenspiel mit den Streichern. Auch der Herren vom Streichquartett kann nur in der rühmenswerthesten Weise gedacht werden. Sie schienen in der Weise H. v. Bülows, ihres einstigen Dirigenten, die Werke zu interpretiren, d. h. sie ließen ganz den Componisten in den Vordergrund treten. Von einer Vergewaltigung der Compositionen nach der virtuosen Seite hin, wie wir es im vorigen Jahre von Herrn Perri und Genossen mit dem Haydn'schen d-dur-Quartett erlebten, war hier keine Spur vorhanden. Zum Schlüsse möge aus einer kürzlich erschienenen Schrift A. Rubinsteins, die in keiner Weise zum Ruhme ihres Verfassers beiträgt, ein Satz, in welchem er, ohne Namen zu nennen, gegen H. v. Bülow zielt, auch zum Ruhme der Herren Meininger mitgetheilt werden. „Heutzutage, sagt Rubinstein, gefallen sich die Vorführer in Willkürlichkeiten, Tempowechsel, Fermaten, Ritardandos, Stringendos, Crescendos rc., die vom Componisten nicht vorgeschrieben sind — daran tragen meist Wagner und Liszt die Schuld —, Ausgaben mit Effcctuirnng von Claviercompositionen, Jgnoriren der Wiederholungszeichen und vieles Andere". Für das deutsche Publikum, welches die Thaten Bülows und seiner Schule kennt, braucht man diesem Satz keinen Commentar beizufügen.
— Der Gesangverein „Liederkrauz" hielt am Samstag Abend in Steins Saalbau seinen Maskenball ab. Dieser Ball dürfte wohl der schönste und anregendste der diesjährigen Maskenbälle gewesen sein. Der ,,Liederkranz" pflegt alle sechs bis acht Jahre einen solchen zu veranstalten und setzt alsdann aber auch seinen Stolz darein, daß „alles klappt". So war es auch am Samstag Abend, woselbst den Mitgliedern im reichsten Maße Genüsse geboten wurden, die andere Vereine bis jetzt in dieser Reichhaltigkeit nicht boten. Da war eine „Jockey-Gruppe", aus acht Paaren bestehend , das Costüm der Damen und Herren ein reiches und gediegenes. Die zweite Gruppe, „Schotten", ebenfalls aus acht Damen und acht Herren bestehend, fesselte in gleichem Maße das Auge der Zuschauer. Einen prächtigen Reigen tanzten die Paare, um sodann der dritten Gruppe, einer „Conferenz weiblicher Aerztc", Platz zu machen, welche nach moderner Art alle menschlichen Gebrechen nach den verschiedensten Heilmethoden kuriren, um schließlich doch darin einig zu gehen, daß alles ärztliche Wissen nur Flickwerk sei. Den Glanzpunkt des Maskensestes bildete eine Herrengruppe: „sechszehn auf Ziegenböcken reitende Schneider", welche nach Kamerun reisen wollten, um dort zu suchen, was sie bei uns nicht mehr finden konnten, reichliche und lohnende Arbeit für sich und ihre Familien. Der ärgste Hypochonder mußte lachen, wenn er diese widerspenstigen Reitobjecte vor sich her- turniren sah. Eine sehr hübsch gerittene Quadrille bildete den Schluß dieser Aufführung, welche wohl alle Theilnehmenden in die größte Heiterkeit versetzte. Der nun später folgende Ball vereinte dann noch die Mitglieder bis zum frühen Morgen und für einige noch etwas länger. Allen Theil- nehmenden dürfte aber dieses Maskenfcft eine bleibende Erinnerung hinterlassen haben.
— Gestern Nachmittag fand aus dem „Felsenkeller" Hierselbst ein Säugertag des Lahnthal Sängerbundes statt. Zum Bundespräsidenten wurde Herr Dircetor Kühler aus Biedenkopf gewählt. Weiter wurde beschlossen, das diesjährige Sängersest am 19. und 20. Juni in Weilburg abzuhalten. Zu Ehren der Delegirten hatten sich die beiden hiesigen Bundeßvereine „Harmonie" und „Bauer'scher Gesangverein" eingefunden, um denselben durch Vorträge einiger Lieder den Aufenthalt zu einem angenehmen zu gestalten.
- Ferusprech Verbindung Gießen—Frankfurt a. M. Alle, welche Interesse an einer Fernsprech-Verbindung zwischen hier und Frankfurt a. M. haben, werden ersucht, sich baldmöglich mit dem Kaiserlichen Postamte hier ins Benehmen zu setzen. Es wird hierbei bemerkt, daß von etwa einzugehenden Verpflichtungen wegen des Anschlusses nach Ablauf eines Jahres zurückgetreten werden kann. Berichtigend fügen wir hinzu, daß das Kaiser!. Postamt besondere Erhebungen in den Kreisen der Betheiligten nicht anstellt; es wird wohl lediglich von der Zahl der Anmeldungen abhängen, ob und wann eine Verbindung mit Frankfurt hergestellt wird.
— Als gefunden wurde gestern dahier abgegeben eine erbrochene Sammelbüchse mit der Aufschrift „Beiträge für die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger". Dieselbe hat die Form eines kleinen Bootes und steht auf Rädern, der Anstrich ist schwarz weiß-roth. Bis jetzt konnte noch nicht ermittelt werden, wo die Sammelbüchse entwendet worden ist und werden diesbezügliche Mittheilungen auf das hiesige Großh. Polizeiamt erbeten.
Grünberg. 12. Februar. Die Großh. Bürgermeisterei Grünberg läßt in diesen Tagen in unserer Stadt eine Liste circutiren, um sich über die Zahl der Hausbesitzer zu vergewissern, die an die vom Stadtvorstande beschlossene, im Lause dieses Jahres zu errichtende Wasserleitung angeschlossen zu werden wünschen. Dem Vernehmen nach beabsichtigt man nämlich, den sich jetzt meldenden Hausbesitzern die Leitung kostenlos bis an das Haus legen zu lassen, während diejenigen, welche erst nach Fertigstellung der Anlage den Anschluß wünschen, nicht allein die Rohre, sondern auch deren Legung zu bezahlen hätten.
A Mainz, 14. Februar. Den Zeichnery des Garantie- ! sonds für das im Jahre 1893 hier stattfindende XI. Deutsche
Bundesschießen ist von dem Vorstand mitgetheilt worden, daß der Garantiefonds jetzt eine Höhe von 290000 Mark erreicht habe und nunmehr die diesbezüglichen Unterschriften als rechtsverbindlich angesehen werden. Nachdem die finan- cielle^Seite erledigt, wird der zweite wichtige Factor bei dem Feste, die Wohnungsfrage, bet der bewährten Mainzer Gastfreundschaft wohl keine besondere Schwierigkeiten mehr bereiten.
Babenhausen, 12. Februar. Der Storch ist gestern bei der gegenwärtig herrschenden milden Witterung hier ehr getroffen und hat von seinem alten Heim Besitz genommen.
vermischtes.
* Frankfurt a. M., 13. Februar. Am Freitag Mittag siel das neunjährige Töchterchen des Schuhmachers Dieterle aus der Fischergaffe am Metzgcrthor in den Main. Ein mit verschiedenen Collegen vorübergehender Candidat der Theologie aus Herborn, der zur Besichtigung der Anstalten für innere Mission hier anwesend ist, sprang in den hoch- gehenden Strom und rettete das Kind, das bereits unter einen Schelch getrieben war, vom sicheren Tode.
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde.
Bibel stunde heute Montag den 15. Febr., Abends ft Uhr, in der Kleinkinderschule; Römerbrief Kap 6, Vers 15: Fluch der Sünde, Segen der Gerechtigkeit. Marrer Dr. Naumann.
Missionsftunde am Donnerstag den 18. Februar, Abends 6 Uhr, tn der Kirche. Thema: Blantyre, eine Küftenstation in Oft- afttka. Pfarrer Schlosser.
Lpielplau der vereinigten Irauksurter Ltadttheater.
OberuhauO.
Dienstag den 16. Februar: Romeo und Julia. Mittwoch den 17. Februar: Viceadmiral. Donnerstag den 11. Februar: Cosi fan tutte. Samstag den 20. Februar: Afrikanerin. Sonntag dm 21. Februar: Don Juan. Montag den 22. Februar: Concert, veranstaltet vom Orchester-Personal. Dienstag ben 23. Februar: Tannhäuser.
Schauspielhaus.
Dienstag den 16. Februar : Dorina. Mittwoch dm 17. Februar: Großstadtluft. Freitag den 19. Februar: Dorina. Vorher: Buch Hiob. Samstag den 20. Februar: Krieg im Frieden. Sonntag den 21. Februar, Nachmittags 3*/« Uhr: Der Vogelhändler. Abends 7 Uhr: Böse Zungen. Montag dm 22. Februar: Demetrius. Esther.
Verkehr, Land« «nd Volkswirthschaft.
Grünberg, 13.Februar. Fruchtpreise. Weizen X 22.00 Korn X 22.00, Gerste X 17.—, Hafer 14.00, Erbsen X 20.—, Linsen X —, Wicken X —, Lein X ——, Kartoffeln X 0.00, Samen X —.—. _________
— Wann und wie soll der Landwirth mit Jauche düngen? Die Jauche ist bekanntlich wcgen ihres hohen Stickstoff - gehalteS eins der besten Düngemittel, aber es kommt dabei auch sehr auf die richtige Verwendung der Jaucke an. So darf man z. B. im Winter die Aecker niemals mit Jauche düngen, denn die Jauchendüngung hat nur dann Werth, wenn die Jauche sofort in den Boden dringen und von den Pflanzennütrzeln ausgenommen werden kann, weil fv, resp. der Stickstoff sich sonst an der Luft verflüchtigt. Im Winter soll man daher nur offene Wiesen und Kleefelder bei nicht kaltem, trockenem Welter mit Jauche düngen. Sonst düngt man am besten im Herbste die Aecker und Wiesen mit Jauche. Die vortheil- hafteste Verwendung der Jauche besteht aber darin, daß man sie in Torfdünger umwandelt. Zu diesem Zwecke stellt man zunächst eine flache Grube mit festgestampstem, möglichst undurchlässigem Boden her, auf dem man den gut zerkleinerten Torf in einer etwa 20 cm hohen Schicht ausbreitet. Dann gießt man die gut umgerührte Jauche mittelst Gießkanne bat übet. Ist die Torsschichl genügend durchtränkt, so breitet man über die Schicht eine zweite Torfschicht, diesmal aber nur von 15 cm Höhe, aus und dur^tränkt sie mit Jauche. Dies Verfahren setzt man so lange fort, als der Borrath an Jauche reicht. Die Ausnahmesähigkeit des Torfs ist 1 cbm Jauche auf 170 km Wenn man der Jauche auf je 1 cbm 6 kg Phovphor- faure und 1 kg Kali zufetzt, erhält man einen Dünger, der den besten Stallmist an Wirksamkeit um das Doppelte übertrifft oder, anders ausgedrückt, noch einmal soviel roertb ist.
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