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__Samstag den 13. August
Gießener Anzeiger
Heneral'-Mnzeiger.
1892
vierteljährige, KhonnemenlspreiO > 2 Mark 20 Pfg. mi‘
Bringerlohn. Durch die Poft bezöge» 2 Mark 50 Pjg
♦ieboetion, Cpebitt»« und Druckerei
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Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis istiefzen
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Hratisbeitage: Hießener Jamikienökätter.
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für ben „Gießeuer Anzeiger" entgegen
Anrtlich-v ebetL
Bekanntmachung, betreffend Gesuch des Vorstandes der Colonie für Epileptische „Bethel" bei Bielefeld um Erlaubniß zur Veranstaltung einer Hauscollecte im Großherzogthum.
ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großh. Ministerium des Innern und der Justiz dem Vorstande der Colonie für Epileptische „Bethel" bei Bielefeld (Pastor von Bodelschwingh), die Erlaubniß erlheilt hat, während der Monate August, September, October, November und December l. I. eine Hauscollecte zum Besten der genannten Anstalt innerhalb des Großherzogthums zu veranstalten.
Gießen, den 11. August 1892.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend den Oberhessischen Obstbauverein.
Sonntag den 14. August d. I., Nachmittags 3 Uhr, findet bei Gastwirth Görlach zu Eberstadt eine Versammlung des Oberhessischen Obstbauvereins statt, bei welcher Herr Landwirthschaftslehrer Reichelt von Friedberg einen Vortrag über Obstsortenwahl und Obstbaumpflege halten wird.
Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues lade ich zu dieser Versammlung freundlichst ein. Die Herren Bürgermeister von Eberstadt und den umliegen- oen Orten ersuche ich, zum Besuch der Versammlung durch irtsübliche Bekanntmachung noch besondere Einladung ergehen ,u lassen.
Gießen, den 10. August 1892.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen.
Nebel, Amtmann.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. August. Die in Berlin stattgehabten Ministerbesprechungen in Betreff des projectirten deutsch, russischen handelspolitischen Abkommens werden in ihren Ergebnissen noch ängstlich geheim gehalten. Es läßt stch darum noch nicht mit Sicherheit beurtheilen, ob die deutsche Regierung aus Grund dieser Vorerörterungen der oon russischer Seite aus ergangenen Anregung zu einer landelspolitischen Verständigung zwischen Deutschland und Rußland auch wirklich entsprechen wird. Doch ist dies aller )ings sehr wahrscheinlich und falls sich die Meldung bestä- igen sollte, daß der zur Zeit noch auf Erholungsurlaub lefindliche russische Minister des Auswärtigen, Herr v. Giers, tächstens nach Berlin zu kommen gedenkt, so dürste an )er Einleitung der directen Verhandlungen zwischen der reutschen und der russischen Regierung wohl nicht mehr zu jweifeln sein.
Anstand.
— Die Franzosen gehen jetzt endlich in Dahomey ,schneidig" vor. Oberst Dodds, der Oberstcommandirende ;er französischen Streitkräfte an der Dahomeyküste, ließ am Dienstag den befestigten feindlichen Platz Wydah, den Hafen ür die dahomeyanische Hauptstadt Abomey, durch das Kanonen- wot „Talisman", Abomey selbst aber durch den Aviso „Opale" wmbardiren. Heber das Ergebniß des Bombardements liegen ndessen noch keine Meldungen vor. Außerdem rückte aus ^em französischen Hasenorte Kotonu eine Recognoscirungs- olonne aus, die mit etwa 4000 Dahomeyanern ein scharfes Feuergesecht zu bestehen hatte. Die Franzosen wollen nur »wei Todte und zehn Verwundete gehabt haben, der Verlust )cr Dahomehaner soll viel stärker fein.
— In England dürften zur Zeit die parlamentarischen Würfel über das Schicksal des Cabinets Salisbury zesallen seiu und ist wahrscheinlich das letztere bereits zurück- getreten. Der alte Gladstone hat offenbar sein viertes Ministerium schon fertig, mit dem er vor Allem das irische Problem lösen will, — wenn nur „Old Glad" hierbei nicht lecken bleibt.
Die Choleraepidemie in Rußland hat in letzter Jett nur mäßige Fortschritte gemacht. Es wächst darum die Wahrscheinlichkeit, daß das übrige Europa von einer Cholera- >erseuchung von Rußland her verschont bleiben wird.
Den Russen haben die in der persischen Stadt l str ab ad, am Süduser des Caspisees gelegen, statt- esundenen Choleraunruhen, bei denen auch das Eigen-
thum russischer Untertanen zerstört wurde, einen willkommenen i Vorwand gegeben, sich aus persischem Boden festzusetzen. Drei [ russische Kanonenboote sind vor Astrabad eingetroffen und ! landeten Infanterie und Cavallerie, allerdings ein etwas j starkes Stück! Wollen vielleicht die Russen Astrabad in aller I Gemüthlichkeit annectiren ?
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Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 11. August. Ein hier verbreitetes Gerücht, daß im Krankenhause am Friedrichshain ein Cholera-Todesfall vorgekommen sei, ist vollkommen unbegründet. Die erkrankte Frau starb in Folge der gewöhnlichen Brechruhr,' die mikroskopische bacteriologische Untersuchung ergab weder das Vorhandensein des Koch'schen Erregers noch des Kommabacillus.
München, 11. August. Der „Allgemeinen Zeitung" zufolge wird hier vom 27. bis 29. September eine Conferenz von Geschichtsforschern zur Erörterung der Neugestaltung des höheren Geschichtsunterrichts abgehalten.
Paris, 11. August. Es bestätigt sich, daß Ribot den Befehl ertheilte, die Ues glorieuses und die anderen kleinen Inseln nördlich zwischen Madagaskar und den Comoren in Besitz zu nehmen.
London, 11. August. Reuter-Meldung aus Tanger: Die Truppen des Sultans verloren in dem gestrigen Gefecht über 100 Todte und Verwundete und 25 Pferde, während der Verlust der Aufständischen nicht 50 betrug.
Rom, 11. August. Nach neueren Meldungen aus Catania nimmt der Actna-Ausbruch wieder zu- es findet ein großer Lavaerguß statt.
Petersburg, 11. August. Nach amtlichen Meldungen nimmt die Cholera in Ssamara, Ssaratow und im Don- gebiete ab. Am 9. August waren in Rostow 48, in Ssamara 33, in Ssaratow 32, in Moskau 6 Todesfälle. Von Städten ist Orenberg am stärksten heimgesucht. Daselbst waren am 9. d. M. 253 Erkrankungen und 127 Todesfälle.
Pittsburg, 11. August. Die Differenzen zwischen den Besitzern der Eisenwerke und den Arbeitersyndikaten sind durch gegenseitige Zugeständnisse beigelegt. Der Strike, der 130,000 Menschen hier und im Westen zu umfassen drohte, ist dadurch verhütet.
Konstantinopel, 11. August. Da Johannes Effendi Sakis nicht die einmüthige Zustimmung der Mächte zu seiner Candidatur für den Posten des Gouverneurs im Libanon erhielt, so schlug die Pforte in der Botschaster- Conserenz den Generalsecretär des Auswärtigen, Raum Effendi, vor, welcher Christ und der Schwiegersohn des früheren Gouverneurs Franko Pascha ist.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 11. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt, es liege kein Entlassungsgesuch von dem Gouverneur in Deutsch-Ostafrika, Freiherrn von Soden, vor. Derselbe trete demnächst einen mehrmonatlichen Urlaub an und sei die Gestaltung seines Gesundheitszustandes über die Frage der Rückkehr entscheidend. Wenn v. Soden nicht zurückkehre, sei dies jedenfalls kein Erfolg des Kampfes gegen das System Soden.
Berlin, 11. August. Die Strafkammer des Landgerichts begann heute den Proceß gegen Commerzienrath Wolff, Bankier Leipziger und Procurist Szermatolski. Die Beschuldigung gegen Wolff geht auf Unterschlagungen in den Jahren 1887—1891, fünf Fälle mit zusammen 937 500 Mk. baar, 62 Fälle mit zusammen 4 203 000 Mk. Effecten, gegen Leipziger wegen Hehlerei bei 4 203 000 Mk., gegen Szermatolski aus Hilfeleistung in 64 Fällen durch 5 Handlungen.
Berlin, 12. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." widerlegt die Angriffe der „Hamburger Nachrichten" gegen die deutsche Handelspolitik. Das Blatt sagt, die „Hamb. Nachr." mögen ihre Angriffe aus die Verträge besser begründen, wenn sie sich den Vorwurf der Agitation ersparen wollen. Sollte es zu Verhandlungen mit Rußland kommen, dann würden die deutschen Interessentenkreise ebenso zu Rathe gezogen wie bei den bisherigen Verhandlungen.
Berlin, 12. August. Das „Berl. Tagbl." hält trotz des Dementis der „Nordd. Allg. Ztg." feine Meldung aufrecht, Freiherr v. Sodens Abschiedsgesuch liege auf dem Auswärtigen Amt und sei nicht das erste, welches Soden einreiche.
Bremen, 11. August. Der gestern in Southampton von Newyork angelangte Lloyddampser „Saale" meldet, er habe am 4. August bei dichtem Nebel die norwegische Bark
I „Fordenskjöld" in den Grund gebohrt. Das Schiff sank, die Mannschaft wurde gerettet. Die Passagiere der „Saale" überreichten dem Capitän eine Dankadresse für die bei dem Unfall bewiesene Umsicht.
Bremen, 11. August. Der Senat verbot die Ein - und Durchfuhr gebrauchter Wäsche, Kleider, Hadern, Lumpen, Gemüse, Butter und Käse aus Rußland.
Myslowitz, H. August. Mit den aus Krakau und Oswiecim eintreffenden Zügen kamen 3 60 Auswanderer an, welche schon seit Wochen an der Grenze lagen und auf Beförderung warteten. Nachdem dieselben aus ihren Gesundheitszustand untersucht waren, wurden sie nach Hamburg befördert. Das Passiren der Grenze ist nunmehr den russischen Auswanderern verboten worden.
Wien, 11. August. Der Linzer Katholikentag nahm eine Resolution an, welche das katholische Vereinsleben dem Papstvotum unterordnet. Prinz Lichtenstein bekämpfte die Annahme der Resolution, weil damit auch die Unfehlbarkeit des Papstes in politischen Fragen ausgesprochen werde.
Charleroi, 11. August. Die Kohlenpreise wurden plötzlich 2 Frcs. per Tonne für alle Abschlüsse herabgesetzt. Die Ursache ist die englische Concurrenz.
Paris, 12. August. Die Sterblichkeit in der verflossenen Woche blieb hinter der Durchschnittsziffer zurück und war geringer als in der entsprechenden Woche des Jahres 1891.
London, 11. August. Die „Daily Chronicle" fordert die sofortige Verständigung der Großmächte zwecks schleunigster gemeinsamer Action zum Schutze der Europäer in Tanger, welche infolge der Demoralisation der Truppen des Sultans den Aufständischen preisgegeben seien.
Madrid, 12. August. Die Stürme in Nordspanien dauern an, der Ebro ist ausgetreten und richtete großen Schaden an. 120 Häuser sind eingestürzt, drei Brücken wurden zerstört. Die Bahnverbindungen sind unterbrochen. Die Wafsermasien unterbrachen an drei Stellen den Bahndamm der Linie Targuenta-Hueska. In der Stabt Hueska sind zwanzig Häuser eingestürzt. Man zählt sieben Todte.
Tanger, 11. August. Die Truppen des Sultans weigerten sich heute früh, die Aufständischen anzugreifen und desertirten in hellen Hausen. Die Consuln traten unter dem Vorsitz Smiths zur Berarhung zusammen, um Maßregeln zum Schutze Tangers zu ergreifen.
Darmstadt, 12. August. Die Kaiserin Friedrich ist mit der Erbprinzessin von Meiningen, der Prinzessin Victoria von Schaumburg-Lippe und der Prinzessin Margarethe von Preußen im Jagdschloß Wolssgarten zum Besuche des Großherzogs eingetroffen. Die Rückkehr nach Homburg erfolgt heute Abend.
Paris, 12. August. Aus Bess6ges wird gemeldet, daß im Bergwerk Salle de gagnieres acht Arbeiter beim Verlassen des Schachtes infolge Reißens des Korbseils getödtet wurden.
Cocolei unb provinzielles.
Gießen, 12. August 1892.
— Gefaßt. Ein wegen Kuppelei und Betrugs strafrechtlich verfolgter Wirth und Metzger dahier war am vorigen Sonntag mit Hinterlassung einer bedeutenden Menge von Schulden flüchtig gegangen. Wie man erfährt, ist derselbe in Antwerpen wieder gefaßt und arretirt worden - er wird jetzt feine Rückreise unter polizeilichem Schutze an- treten müssen. Ein bet der Flucht behülslich gewesener Metzgergeselle und ein hiesiger Taglöhner wurden gleichfalls verhaftet. — Gestern Abend wurde in der Frankfurter- Straße ein junger Mann von circa fünf Leuten ohne jeglichen Grund förmlich üb er fallen und blutig geschlagen. Die erkannten Thäter werden sich jetzt wegen Körperverletzung zu verantworten haben.
— Schuldienst-Nachricht. Am 23. Juli wurde dem Schullehrer Johannes Maser zu Lichtenberg Obernhausen eine Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Schaafheim, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Balthasar Porth aus Wackernheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Ofleiden, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Georg Bürstlein zu Altenhain eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reiskirchen übertragen- — an demselben Tage wurde der von dem katholischen Pfarrer und dem Ortsvorstand zu Mainflingen auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mainflingen präsentirte Schulamtsaspirant Johannes Rieß aus Neu - Bamberg für diese Stelle bestätigt- — am 28. Juli wurde dem Schullehrer Franz Joseph Roth zu Urberach eine Lehrerstelle an der


