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1892
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen.
Hratisöeitage: Hießener Jamitienötätter
Alle Annoncm-Vureaux de» In. und LuSlandr» nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Vierteljähriger AVonnementspreiS» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Kchntstratze Ar.7.
Fernsprecher 51.
Locales und provinzielles.
Gießen. 12. April 1892.
Unterstützung der Familien der zu Uebungea einberufene« Mannschaften. Daß die verbündeten Regierungen sich für tiic Annahme des bez. Gesetzes ausgesprochen haben, sott einer nachdrücklichen Besürwortung desielben seitens des Reichs- kanzlerS Grasen Caprivi zu verdanken sein. Fortan erhalten nach dem Gesetze die Familien der aus der Reserve, Landwehr oder Seewehr zu Friedensübungen und der aus der
— Die bevorstehende Feier des 25jährigen Jubiläums der Krönung des Kaisers Franz Joseph zum König von Ungarn dürfte sich zu einem hochsest- ltchen Ereignisse gestalten. In Pest trifft man hierzu be- reits umfassende Vorbereitungen, während anderseits aus diesem Anlasse umsassende Gnadenbeweise des erlauchten Jubilars erwartet werden. Vermuthlich wird die Krönungsjubiläumsfeier in der ungarischen Hauptstadt den Herren Czechen Veranlaffung geben, nun wieder ihr Steckenpferd der Krönung Franz Josephs zum König von Böhmen zu reiten.
2lmtlid?cr Theil.
Bekanntmachung.
VI, Ed hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß «e nach §6 de« Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die bic bewaffnete Macht im Frieden ennittelten DurchschmttSmarktpreise. einschließlich eine« Aufschlag« von Fünf vom Hundert, pro Monat März 1892 Tur den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen;
Hafer JL 15.60, Heu JL 5.80, Stroh JC. 4.20. Gießen, den 11. April 1892.
Grobherzoglicher Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Bekanntmachung,
da« Mitnehmen von Hunden in Felder und Wälder betreffend.
Nachdem die Wahrnehmung gemacht worden ist. daß die Bestimmungen über das freie Umherlaufenlaffen von Hunden in Feldern und Wäldern vielfach unberücksichtigt gelaffen werden und daß die« besonders häufig Seitens der Land- wirthe geschieht, welche zur Feldarbeit ihre Hunde mitnehmen und ste dann zum Schaden der Jagd umherstreifen lassen, sehen wir uns veranlaßt, ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß dies strafbar und daß an die Polizeiorgane Weisung ergangen ist, Zuwiderhandlungen unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen.
Gießen, den 11. April 1892.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Lüneburg, 11. April. Ueber 700 Hectar Wald bei Rieback im Landkreis Celle sind gestern niedergebrannt.
Bochum, 11. April. Eine in Gelsenkirchen abgehaltene Bergarbeiter-Versammlung kritisirte die Berggesetznovelle, sic enthalte nur Rechte für die Arbeitgeber und keine Bestimmung über die Arbeitsdauer. Es sei nothwendig, einen Normalarbeitstag festzusetzen. Es erfolgt eine Eingabe an den Landtag.
Stuttgart, 11. April. Der König verlieh dem Fürsten von Dsenburg das Großkreuz des Ordens der württem- bergischen Krone.
Stuttgart, 11. April. In Sontheim ist das Haus des Bäckers Gscheidle abgebrannt- ein Mann verbrannte.
Wien, 11. April. Bei den diesjährigen größeren Manövern werden die Truppen zum ersten Male mit Preßbrod, Fleischzwieback und Suppenconserven verpstegt.
Wie«, 11. April. Die Umgebung des Herzogs von Cumberland bestätigt die Nachricht von einer Fortsetzung des Briefwechsels zwischen dem Herzog von Cumberland und dem deutschen Kaiser, bestreitet aber, daß ersterer dte vorher gemachten Zugeständnisse eingeschränkt habe.
Wien, 11. April. Die Kriegsverwaltung wird bei den Delegationen die Forderung zweier neuer Cavallerie- Regimenter stellen und aus Erhöhung des Mannschaftsstandes der Infanterie auf 100 per Compagnie beharren.
Paris, 11. April. Die Budgetcommission bewilligte dir Credite für Dahomey, erklärte sich aber gegen die Colonialpolitik der Regierung.
Paris, 11. April. Ein Sack, enthaltend mehrere Bomben und Granaten, wurde bei der Kaserne der Invaliden gefunden.
Nkwyork, 11. April. Große Quantitäten Weizen werden von Chicago ostwärts über die großen Landseen verladen, um 'eine Ermäßigung der Eisenbahnfrachten zu erzielen.
— Die noch immer uncontrolirbaren Meldungen über die neue Militärvorlage, welche dem Reichstage in I seiner nächsten Session zugehen soll, haben weitere Gerüchte über eine in naher Zeit in Aussicht genommene völlige Um- I Salzung m den deutschen Wehrpflichtgesetzen gezeitigt. Von Berliner halbamtlicher Seite aus wird aber 'dem gegenüber I versichert, daß sich nichts ereignet habe, was zu einer solchen I ^nahme berechtigen könnte, daß sich im Gegentheile die I maßgebenden Stellen seit der bekannten Erklärung des Reichs- I Kanzlers in der Reichstagssitzung vom 27. November 1891 I hinsichtlich einer durchgreifenden Armee-Reorganisation voll- I ständige Zurückhaltung auferlegt hätten. Allerdings wird I dann zugegeben, daß in den Kreisen der verbündeten Regie- I rungen schon Erwägungen über eine solche Reform, speciell I hlnsichtlich der Einführung der zweijährigen Dienstzeit, statt- I gefunden haben, indessen betonen diese offiziösen Darlegungen I zugleich, daß das Stadium der betreffenden Versuche und I Vorberathungen noch keineswegs bereits überwunden sei. I Schließlich heißt es sehr deutlich, daß, wenn seitens der poli- I Echen Parteien eine Militärresorm gewünscht werde, dieselben I dann auch die Mittel hierzu bewilligen müßten.
I — Nachdem jetzt die Ermittelungen betreffs der neuen I Einkommensteuer in Preußen im Allgemeinen ab- I geschlossen sind, steht die Inangriffnahme der Arbeiten zur I Fortführung der Steuerreform und Vorbereitung der bezüg- I ^.cheu Vorlagen für die nächste Landtagssession seitens des Finanzministeriums zu erwarten. Es handelt sich, wie erinnerlich, um die Umgestaltung der Grund- und Gebäudesteuer, um die Reform des Communalsteuerwesens und um die unterschiedliche Besteuerung des sundirten und unsundirten
1 Einkommens. Man darf annehmen, daß der Wunsch, der- artig große, alle Kreise berührende Gesetzentwürfe vor ihrer Einbringung im Landtage zur öffentlichen Discussion gestellt zu sehen, auch diesmal Berücksichtigung finden wird.
— Vor dem UlmerSchwurgericht fand am vorigen Freitag und Samstag eine überaus sensationelle Verhandlung m Sachen von Rekrutenmißhandlungen statt. Dieselben sind bei dem württembergischen Dragoner-Regiment Nr. 26 aus Befehl des Rittmeisters Lauenstein verübt worden. Die Anklage, die Mißhandlungen begangen zu haben, richtete sich gegen fünf Reservisten genannten Regiments. Der Gerichtshof lehnte es bei Beginn der Verhandlung ab, den mitanwesenden Rittmeister Lauenstein zu vereidigen. Lauenstein suchte zu leugnen, daß er den Befehl zu den Mißhandlungen ertheilt habe, es wurde ihm aber das gerade Gegentheil nachgewiesen; als er den Sitzungssaal verließ, wurde er vom Publikum ausgepfiffen. Der Vertheidiger der Angeklagten, Friedrich Haußmann, schloß seine wirkungsvolle Rede vom Samstag mit den Worten: „Der wahre Schuldige saß nicht unter den Angeklagten, sondern aus der Zeugenbank," was den stürmischen Beifall der Gallerien zur Folge hatte. Schließlich sprach der Gerichtshof sämmtliche Angeklagte frei, worauf der Präsident mittheilte, die militärische Untersuchung gegen Rittmeister Lauenstein werde sofort ausgenommen werden.
Üactyrieten.
Öolffä telegraphische» Lorresponbenz-Burean.
Berlin, 11. April. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser beauftragte den Staatssecretär Hanauer mit der Stellvertretung des Reichskanzlers in der Reichsjustizverwaltung. 0
Berlin, 11. April. Eine Privatmeldung des „Berliner Tageblatts" nennt als die KoScielecer Attentäter den Töpfergesellen Grzeszkiewicz aus Pilacteski, ferner einen ae- wlssen Pietrowski, der sich kürzlich in Berlin aufgehalten habe.
Berlin, 11. April. Zu dem Attentat auf den Decan Pontnski meldet der „Localanzeiger" Folgendes: Die Spuren der Verbrecher führen nach Skifeenfee bei Berlin. Sei einer Haussuchung in der Wohnung des Tischlergesellen j von Zakowski wurde ein polnischer Brief gefunden, nach | welchem Zakowski zu den Attentätern gehörte. Derselbe ' wird seit drei Tagen vor dem Attentate bermifet; die Frau ! unb zwei Töchter wurden verhaftet. Der als Attentäter
Der >e|d»CT erscheint täglich, eit Ausnahme be» Montag».
Die Gießener P«mttie« »kälter werden dem Anzeiger wAchentlich dreimal beigelegt.
mitgenannte Pilatowski wohnte bis März ebensall- in Skifeenfee. .
Leipzig, 11. April. Die vom geschästssührenden Aus- schufe berufene außerordentliche General - Versammlung des Deutschen Schriftsteller-Verbandes fand gestern hier im „Hotel de Pruffe" statt unb war von ungefähr 30 Mitgliedern, welche gegen 170 Stimmen vertraten, besucht.
Paris, 11. April. Die gestern eingeschifften 300 Mann der Marine-Infanterie erhielten den Befehl, nach Bordeaux zurückzukehren, da die Schutztruppen im Senegal zu der Expedition in Dahomey ausreichten.
Petersburg, 11. April. Die Frage der Aufhebung der Getreideaussuhrverbote ist verschoben worden bis zur völligen Sicherstellung der Aussichten betreffs der neuen Ernte.
Chicago, 11. April. Eine Arbeiterkundgebunq, an der sich an 20,000 Personen betheiligen dürsten, wird beabsichtigt. Der Centralausschuß erließ ein anarchistisch angehauchtes Rundschreiben in deutscher und englischer Sprache an die Arbeiter. Diese werden aufgefordert, die Solidarität ihrer Vereinigung zu bekunden. Es wird erklärt, die diesjährige Kundgebung habe einen zweifachen Zweck: die Sache des Achtstundentages und einen Protest gegen die Bedrückung der Chicagoer Arbeiter durch die Polizei.
Devefchen deS „Bureau Herold*.
Berlin, 11. April. Nach der „Kreuz-Ztg." wird sich der rumänische Thronfolger Ferdinand mit der Prinzessin Maria Alexandra von Großbritannien verloben.
Berlin, 11. April. Nach der „Nordd. Allg. Ztg." trifft die Königin der Niederlande voraussichtlich am 9. Mai in Berlin ein.
Berlin, 12. April. Nach der „Voff. Ztg." wurde sämrnt- Uchen m Serbien befindlichen bulgarischen Emigranten, Rizow an der Spitze, gestern die Ausweisung zugestellt.
leisen heute mit einem serbischen Regierungsdampfer nach Deligrad donauabwärts. Nur Rizow hatte einen russischen Paß. "
Bekanntmachung,
betreffend die Maul- und Klauenseuche zu Trais-Horloff und Langsdorf.
s . -W*1" di- in einem Gehöft zu Trais-Horloff und in ‘Wften zu Langsdorf ausgebrochen gewesene Maul- mtd Klauenseuche erloschen ist, werden die angeordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben.
Ließen, den 12. April 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
_________v. Ga gern.
x rr /■ m Gießen, den 11. April 1892. Betreffend: den Wieiengang.
Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen
« die Grotzh. Bürgermeistereien de- »reise-.
Soweit Sie unserem Ausschreiben vom 10. v. M. — Anzeiger Nr. 62 noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an sofortige Erledigung.
v. Gagern.
m rp t _ Gießen, 11. April 1892.
Betreffend: Wie oben.
Das Gwßherzogliche Kreisamt Gießen an bic G oftherzogl. Bügermeistereien, Polizeibehörden und Gendarmerie des Kreises.
Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung be- ruftragen mir Sie, Uebertretungen des Art. 25 des Jagd- Uafgesetzes unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Soweit An en Feldschützen und Polizeidiener unterstellt sind, wollen Sie dieselben entsprechend bedeuten.
v. Gagern.
__________Mittwoch den 13. April
MchmerIuzeiger
Henerat-Anzeiger.
Bekanntmachung,
betreffend das Einhalten der Tauben zur Saatzeit.
Die Besitzer von Tauben werden aufgefordert, während >er Saatzeit — vom 15. April bis 15. Mai — ihre Lauben in den Schlägen einzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift muffen nach Art. 79 des Feldstrafgesetzes zur An- eige und Bestrafung gebracht werden.
Gießen, den 12. April 1892.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gn a u t h.
Deutsche» Reich.
Berlin, 10. April. Der Kaiser von Oesterreich rof am Sonntag früh in München zu einem mehrtägigen ksucke der bayerischen Königssamilie ein. Soweit bekannt, edenkt Kaiser Franz Joseph am Mittwoch Abend die Rück- eift nach Wien anzutreten.


