Man wird sonach in Preußen einer sehr langen und arbeitsreichen Sitzungsperiode entgegensetzen dürfen.
— lieber den Einfluß der umfangreichen Arbeiterausstände, die gegenwärtig im Gange find, auf die beabsichtigten Lohnbewegungen in anderen Gewerben, giebt folgende Notiz des „Vorwärts" bemerkenswerthen Ausschluß: Durch Unterstützungsgesuche ist die deutsche Arbeiterschaft gegenwärtig sehr stark in Anspruch genommen. Neben den Buchdruckern stehen bekanntlich noch die Weißgerber, Handschuhmacher und Brauer im Ausstand. Diese StrikeS ersordern Summen, die eS nothwendig machen, daraus hinzuweisen, daß etwa in einzelnen Berufen geplante Lohnbewegungen für die nächste Zeit keine Aussicht aus den Sieg haben, sofern dazu die finanzielle Unterstützungskraft der deutschen Arbeiter in besonderem Maße in Rechnung gezogen werden müßte. Die Arbeiterschaft muß jetzt schon allwöchentlich große Summen für die ausständigen Arbeiter der oben erwähnten Gewerbe ausbringen; mehr zu thun ist sie vor der Hand, soweit sich das überblicken läßt, außer Stande.
— Die Reichsbank hat heute den Discont aus 3 pCt., also um 1 pCt. ermäßigt; der Lombardztnssuß für Darlehn gegen ausschließliche Verpfändung von Schuld- Verschreibungen des Reichs oder eines deutschen Staats wurde gleichzeitig aus 31/* * pCt., gegen Verpfändung anderer Effecten und Maaren aus 4 pCt. herabgesetzt.
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Depeschen M „Bureau Herold".
Berlin, 11. Januar. Der Landtag wird durch den Reichskanzler Grasen v. Caprivi eröffnet.
Berlin, 11. Januar. Die „Nordd. Allg." erklärt hoch- osficiös, bei Einleitung des Disciplinarversahrens gegen Gras Limburg-Stirum seien nicht politische Gründe, sondern ausschließlich die Wahrung der Beamtendisciplin maßgebend gewesen. Die conservative Partei könne sich durch diese Maßregel nicht verletzt fühlen.
Berlin, 11. Januar. Das „Berl. Tgbl." meldet aus Moskau, in den Gouvernements Pensa und Saratow sanden Judenhetzen statt. In Sindorowo wurden 100 Häuser zerstört und mehrere Menschen getödtet. In Saransk wurde der Versuch gemacht, ein jüdisches Bankhaus in die Luft zu sprengen. Die Ursachen der Hetzen war ein Gerücht, die Juden hätten Getreidemassen aufgespeichert, um den Preis zu steigern.
Berlin, 12. Januar. Nack den „Berl. Polit. Nachr." erfolgt die Berathung des Trunksuchtsgesetzes im Bundesrath am nächsten Donnerstag. Die Vorlage über den Unterstützungswohnsitz soll jedenfalls noch in dieser Session des Reichstags erledigt werden.
Dortmund, 11. Januar. Am 17. Januar findet hier eine VertrauenSmänner-Versammlung der Bergleute Rheinlands und Westphalens statt. Aus der Tagesordnung steht Berathung über die Unterstützungskasse der Bergleute und die augenblickliche Lage.
Wien, 11. Januar. Trotz der Dementis der Oesterr. Ereditanstalt wird festgehalten, daß 6 Millionen Tilgungsrente zu durchschnittlich 93 verkauft wurden. Die angeblich geplante Cooperation der Mittelbanken bei der Valutaregelung, vorläufig ein „ballon d’essai“, wird nicht sehr aussichtsvoll beurthellt.
Pest, 12. Januar. In der ungarischen Grenzstation Bekszid wurde gestern ein fremdes Individuum, angeblich russischer Nationalität, als der Spionage verdächtig, verhaftet. Bei dem Verhafteten wurden Notizen und Pläne über die Festung Munkazs vorgesunden.
Rom, 12. Januar. Die Mittheilungen über die Reise des Kaisers von Oesterreich nach Rom sind sämmtlich erfunden.
Loudon, 11. Januar. Die bekannten australischen Woll- Exporteure L. N. Benjamin und F. S. Benjamin in Brisbane sa Hirten. Die Passiva betragen 57000 resp. 59 000 Psd. Sterl. Weitere Insolvenzen werden daselbst befürchtet.
Loealer uttb provinzieller.
Gießen, 12. Januar 1892.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 14. Januar 1892, Nachmittags 4 Uhr: 1. Unterhaltung der städtischen Wiesen. 2. Vergebung der Faselhaltung. 3. Gesuch des Kalkbrenners Karl Haas zu Gießen um Octroirückvergütung von Steinkohlen. 4. Gesuch des Jean Hantel nm pachtweise Ueberlassung des Kellers in dem Hosgerichtsgebäude. 5. Niederlegung des vormals Walter'schen Hauses am Lindenplatz. 6. Der Voranschlag des städtischen Gaswerks pro 1892/93.
— Der Vorstand des Concert Vereins hat beim Eintritt in das hundertste Vereinsjahr seinen Mitgliedern das Versprechen gegeben, dieses Jvbeljahc besonders auszuzeichnen. Nicht durch äußeren Prunk soll sich dieses Jahr abheben, vielmehr ist daß Streben daraus gerichtet, in den dargebotenen musikalischen Leistungen die möglichste Vollendung zu bieten. Aeußeren Prunk können wir hier in Gießen leider nicht entfalten, die Aufführung größerer weltlicher Chorwerke verbietet sich von selber, der letzte Versuch am 6. December zur Mozart Feier in Steins Saal hat das erdrückend bewiesen. Wir haben kein Coneertlocal, wenigstens kein solches, wo Chor und Orchester Zusammenwirken können. Für Kammermusik dagegen und diesem verwandle Musikaufführung steht uns in dem prächtig akustisch gebauten Saale deS Gesellschaftsvereins ein Raum zur Verfügung, um den uns manche größere Stadt beneiden kann und beneidet. Aus diesem Grunde ist auch der Vorstand stets bestrebt, diesen günstigen Factor nach Möglichkeit im künstlerischen Interesse auszunützen und ist es unbestritten, daß derartige Concerte stets den ungetrübtesten Genuß bereiteten. Nicht immer gelingt es bei der Fülle von Angeboten das beste auszuwählen, selbst die gewiegteste
Concertleitung, die doch gewiß hinter die Couliffen zu sehen weiß, wird durch die schwungvollen Tiraden eines mit besonderer Schläue versehenen Jwpressario getäuscht, daher ist einem Concertverein nur Dank zu wissen, wenn er nicht so hastig von dem Neuen daS Neueste bringt, bei einem Künstler ist das „Avant la lettre“ nicht immer das Beste. Diesem Grundsatz huldigend hat auch unser Concert-Verein selten mal einen Mißgriff zu beklagen, er kann auf eine Reihe trefflicher Leistungen zurückblicken; einen besonders glücklichen Griff aber hat der Vorstand für daS vorliegende Concert gethan, er ist zwar dadurch gezwungen, diesmal eine größere Panse, als üblich, zu machen, in Hinsicht aher aus das Gebotene hofft er die Zustimmung Aller zu haben. Für den 31. Januar ist Fräulein Pia von Sicherer, die vortresfliche Münchener Concertsängerin (Sopran) für Gießen gewonnen worden. Fräulein von Sicherer nimmt in der Kunstwelt einen hervorragenden Platz ein, es dürsten wenige sein, die neben ihr genannt werden, sicher keine. Die Künstlerin erblickte als Tochter des Bauinspectors v. S. das Licht der Welt, ihre ersten Musikstudien machte sie bei dem Stadtcantor Hornickel zu Hof und setzte diese mit bestem Erfolge bei der Gesangsmeisterin Emilie Kaula in München fort. Hier, als ganz junges Mädchen, feierte sie mit ihrem ersten Debüt als Hanne in Haydns Jahreszeiten ihren ersten Triumph, an den sich mit jedem Auftreten neue knüpften. Trotzdem verschmähte es i)ie Künstlerin nicht, noch einmal bei Meister Stockhausen Schülerin zu werden, „in der Kunst lernt man nie aus". Der Erfolg hat bewiesen, wie unumstößlich wahr diese Worte sind,- von nun an glichen die Kunstreisen der Sängerin Triumphzügen. Mit diesem frenöig erwarteten Gaste lud man auch den trefflichen Pianisten Dr. Neitzel ein, ein Programm birgt die vornehmsten Gaben eines Beethoven, Schumann, Liszt, daß allein empfiehlt ihn als einen Auserwählten, der es sehr ernst mit seiner Kunst nimmt. So dürfte denn das Concert des 31. Januar ein hoch bedeutungsvolles werden, auf welches der Concertverein berechtigt ist mit Stolz und Freude hinzuweisen.
— Zur Decentralisation des Corrigeudeuwesens berichtet die „Deutsche Gemeindezeitung" u. A. wie folgt: Es dürste die Mittheilung von Interesse sein, daß für das Großherzog- thum Hessen, woselbst für die der Nachhaft überwiesenen ein großes, vom Staate erhaltenes Arbeitshaus in Dieburg besteht, neuerdings ein kleines Ftlialarbeitshausin unserer Stadt (Gießen) errichtet worden ist, welches zunächst zur Entlastung der Hauptanstalt bestimmt, weiterhin aber auch geeignet ist, die Vortheile einer sehr weitgehenden Decentralisation zu veranschaulichen. Als „Filialarbeitshaus" sind lediglich einige — zur Aufnahme von im Ganzen 6—8 Häftlingen geeignete, anderweit verfügbar gewordene — Zellen des Polizeigesäng- nisses verwendet; die Beaufsichtigung im Gefängniß und die Beköstigung der Häftlinge geschieht durch den Arresthausverwalter, während für deren Anleitung und Beaufsichtigung bei der Arbeit ein besonderer Vorarbeiter angenommen ist. Die Häftlinge werden zunächst ausschließlich im Interesse der Gemeinde zu gemeinnütziger, strenger Arbeit im Freien verwendet (bis jetzt zur Bereitung von Compost aus Straßen- kehricht und den Kaldaunenabgängen des städtischen Schlachthauses, zum Auseisen von Straßen u. dgl., wozu im Sommer noch hauptsächlich die Reinigung der städtischen Canäle kommen wird). — Die finanzielle Seite der Einrichtung ist durch Vereinbarung zwischen Großherzoglichem Ministerium der Justiz und der Bürgermeisterei dahin geregelt, daß die Stadt das Risiko der Anstalt trägt, ihr dazu vom Staat jedoch neben dem vollen Lohn des Vorarbeiters (mit 750 Mk. pro Jahr) noch für jeden Häftling pro Verpllegungstag ein Zuschuß von 40 Pfg. geleistet wird. Anderseis werden von der Stadt für die volle Verköstigung eines Häftlings neben Gewährung von täglich 1 Kgr. Schwarzbrod dem Arresthausverwalter wiederum 40 Pfg. pro Kops und Tag vergütet. Mit Einrechnung der Generalunkosten wird danach der Stadt der Arbeitstag eines Häftlings etwa aus 70—80 Pfg. zu stehen kommen, was annähernd wohl dem Werth der für die Gemeinde geleisteten Arbeit entsprechen dürfte. — Eine ähnliche Einrichtung besteht bereits seit einigen Jahren in Worms; es ist zu erwarten, daß durch solche Decentralisation ebensowohl der intensiveren Beschäftigung der Häftlinge und damit der wirklichen Besserung derselben gedient wird, wie der Abschreckung ihrer vagabundirenden Gesinnungsgenossen durch die (später leicht noch zu vermehrende) Zahl und Erscheinung solcher, über alle Lanvestheile verstreuter Filialarbeitshäuser. — In diesem Sinn verdient das durch das Entgegenkommen der Gemeindeverwaltung ermöglichte Vorgehen der Großherzoglichen Regierung sicherlich auch in weiteren Kreisen ernste Beachtung.
— Welches Interesse mar jetzt der Lehrerbildungsfrage auch im Auslande eutgegenbringt, beweist der Umstand, daß demnächst Herr Professor Collcrd von der Universität Löwen (Belgien) im Auftrag der Regierung Deutschland bereisen wird, um von den Einrichtungen der pädagogischen Seminare Kenntniß zu nehmen. Eine ehrende Anerkennung für den Leiter der hiesigen Anstalt st es, daß der Besuch des Gießener pädagogischen Semimrs in erster Linie ins Auge gefaßt ist.
— Im Vereinslocal der RuderGesellschast (Cafö Ebel) wird morgen Mittwoch Abend 9 Uhr der zweite Vorsitzende einen Vortrag über den „Rudersport in Gießen" halten.
— Auf der Eisbahn des Eisvereius findet am nächsten Donnerstag von Nachmittag V/4 Uhr an Concert der Regiments-Capelle statt.
— Das am 11. Januar ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 3 enthält Bekanntmachung des Groß- herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die bahnpolizeilichen Vorschriften für den Betrieb der Geleiseverbindung zwischen Station Flonheim der Hessischen LudwigS- Eisenbahn Gesellschaft und den Steinbrüchen bei Flonheim betreffend. Vom 5. Januar 1892.
— Kirchlich-Statistisches. Im Jahre 1889 sind im Großherzogthnm Hessen zur evang. Landeskirche übergetreten: von der katholischen Kirche 80, von anderen christlichen Bekenntnissen 73, sonstige 10, zusammen 163; ausgetreten sind zur katholischen Kirche 13, zu anderen christlichen Bekenntnissen 3, zusammen 16. Die Zahl der von der evangelischen Landeskirche Getrennten betrug: Altlutheraner 505, Dissidenten 44, Baptisten, Mennoniten und Wiedertäufer 955, Methodisten 23, Freiprotestanten 3824, zusammen 5350.
— Die Dienftprämie von 1000 Mk., welche den Unteroffizieren bei ihrem Ausscheiden nach 12jähriger Dienstzeit gewährt wird, ist nach einer Verfügung des preußischen Kriegsministeriums von der Pfändung ausgeschlossen, da diese Prämie entweder zu dem Sold ober zur Jnvalidenpension der Unteroffiziere zu rechnen ist und durch eine Pfändung die Zwecke vereitelt werden, deren Erreichung durch die Verwendung staatlicher Geldmittel angestrebt wird. Ist der Psändungsbeschluß des Gerichts bereits vollstreckbar, so darf bis zur endgültigen Entscheidung der Sache eine Zahlung der Prämie weder an den Unteroffizier, noch an dessen Gläubiger erfolgen.
Grünberg, 10. Januar. Dieser Tage circulirte Hierselbst eine gegen die Vorlage Großh. Regierung über die Abänderung des Verfahrens bei den Bürgermeisterwahlen gerichteten Petition. Mit einer größeren Anzahl Unterschriften versehen, wurde dieselbe heute an unseren Landtagsabgeordneten, Freiherrn v. Rabenau, übersandt.
Homberg a. d. Ohm, 11. Januar. Im Laufe des Winters hat sich hier eine freie Vereinigung der Landwirth e der Umgegatb gebildet, welche bezweckt, allmonatlich einmal hier zusammenzukommen, um über alle Vorgänge des land- wirthjchastlichen Betriebes sich gegenseitig aus dem Lausenden zu erhalten und brennende Tagessragen zu erörtern. Es sollen weniger Vorträge gehalten als Discussionen gepflegt werden. Beiträge werden in Anbetracht der „nothleidenden Landwirthe" nicht erhoben und es ist Jeder, auch Nicht- landwirthe, zu den Versammlungen eingeladen. Die erste Versammlung im December war sehr zahlreich besucht, ein beredtes Zeichen, daß die Veranstaltung ein Bedürfniß war. Als Vorsitzender wurde Jnspector Schmidt in Neu-Ulrichstein gewählt.
Friedberg, 9. Januar. Heute Mittag statteten die Herren Geh. Staatsrath Dr. Knorr von Ro senroth und Geh. Oberschulrath Greim dem hiesigen Schullehrerseminar einen Besuch ab und nahmen eine Prüfung der Zöglinge der drei Klassen in deutscher Literaturgeschichte und Pädagogik vor. Wie wir hören, ist dieselbe zur Zufriedenheit beider Herren ausgefallen. D. Ztg.
Offenbach, 8. Januar. Im Stadtbade wurden im verflossenen Jahre 80,646 Bäder gegen 78,437 im Jahre 1890 verabreicht. Die Gesammteinnahme stellt sich aus 24,621.65 Mk. gegen 24,342.61 Mk. im Jahre 1890.
Alzey, 8. Januar. Der hiesige landwirthschaftliche Verein hat folgenden Beschluß gefaßt: „An Anbetracht dessen, daß die Errichtung einer Haushaltungsschule, wie solche in der Provinz Oberhessen bereits seit Jahren mit bestem Erfolge besteht und kürzlich auch in der Provinz Starkenburg eine (in Langen) eröffnet wurde, ein für Rheinhessen anerkanntes und nicht minder berechtigtes Bedürfniß ist, ersucht der Ausschuß des Bezirksvereins Alzey den landwirthschaftlichen Provinzialverein, der Frage der Gründung einer Haushaltungsschule in Rheinhessen näher zu treten und schlägt die Stadt Alzey als geeignetsten Ort für die Errichtung einer derartigen Schule vor, von wo aus voraussichtlich namhafte Mittel zur Verfügung gestellt werden können."
* Berlin, 7. Januar. Der Säbel soll bei der deutschen Cavallerie und reitenden Artillerie endgiltig abgeschafft werden. An den Lanzen soll eine Vorrichtung getroffen werden, welche es ermöglicht, den Revolver an derselben mittelst einer Einbiegung der Lanze zu befestigen. Auch spricht man vom Ankauf von drei Millionen Stück Feldflaschen aus Aluminium zum Preise von ä 5 Mark. Für letztere ist aber nirgendwo im Etat bisher eine Geldsumme angesetzt oder bewilligt worden.
* Berlin, 4. Januar. In Kriegervereinen, besonders unter denen des dritten Armeecorps, wird schon seit längerer Zeit eine außergewöhnlich große Sterblichkeit der alten Combattanten von 1870/71 bemerkt und man führt diese Erscheinung wohl nicht mit Unrecht auf die Nachwirkungen des großen Kriegs zurück, der ja bekanntlich ganz besonders für die Armee des Prinzen Friedrich Carl bei der Belagerung von Metz und dem Feldzuge nach der Loire so große Strapotzen und Elend aller Art mit sich brachte. Eine Hauptplage der Ueberlebenden ist das „Reißen", welches auch den Tapfersten „unter sich kriegt".
* Straßburg (Westpr.), 8. Januar. Nicht Vielen dürste es bekannt sein, daß in unserem Kreise noch Menschen in Erdhöhlen wohnen. So lebt z. B. der „Th. Ostd. Ztg." i zufolge bei Pohryadowo eine zehn Personen starke Familie in einer solchen, auf einem Flächenraume von ungefähr , 14 Quadratmeter bei 21/i Meter Höhe. Dazu befinden sich in diesem Raume ein Pferd, eine Kuh, zwei Schweine, j! mehrere Hühner, Enten und Gänse. Bewundernswerth da- j bei ist die Gesundheit der Leute und ihre Zufriedenheit mit dieser Lebensweise.
♦ Aus dem Erzgebirge wird ein lehrreiches Beispiel über die Wirkungen des UnterstützungswohnsitzgesetzeS mitgetbeilt: Die Arbeiter auf einem Kohlenwerk, daS in- ' mitten einer Anzahl von Dörfern liegt, sind gezwungen, in 1 diesen umliegenden Dörfern Wohnung zu nehmen, die Dors- bewohner jedoch lassen einen Arbeiter nicht länger als anderthalb Jahre am Orte wohnen, nach dieser Zeit bekommt er ' einfach kein Logis mehr und muß in ein anderes Dors ziehen. Die Dorsbewohner suchen so zu verhüten, daß der Mann


