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str. 186 Freitag den 12. August

Der

erscheint täglich, it Ausnahme bei Montag-.

Die Gießener

W-Mtktea Stätte» »erden dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt.

Gießener A nzeiger

Kenerat-Anzeiger.

1892

Vierteljähriger ASonnementsprelO» 2 Mark 20 Pfg. mit Brmgerlohn. Durch die Poft bezog« 2 Mark 60 Psg.

Nedaction, Erpebiti« und Druckerei:

Ach«tfir«tze Kr.H.

Fernsprecher 61.

Amts- und Anzeigeblntt für den Kreis Gieren.

feiflmbm lag rrfdjtinenbm 9.'uintntt bi* Porta. [~ Hratisöeilage: Hießen er Jamikienbtätter.

Amtlicher» Theil.

Bekanntmachung.

Zu Heuchelheim, Kr. Büdingen, ist die Maul- und I Klauenseuche festgestellt und Gehöftsperre angeordnet worden.

Gießen, den 10. August 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Zu Schotten ist die Maul- und Klauenseuche aus- I ebrochen und Gehöft- wie Gemarkungssperre angeordnet I )orden.

Gießen, den 10. August 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend öffentliche Faselschau zu Grünberg.

Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß am 25. August ». I. gelegentlich des an diesem Tag stattfindenden Vieh- larkts und in Verbindung mit der durch den landwirthschaft- chen Bezirksverein veranlaßten Viehpreisvertheilung auf dem iiehmarktplatz zu Grünberg eine öffentliche Faselschau urch die Körcommission abgehalten werden wird. Die -chau beginnt Vormittags 8 Uhr; zur Ankörung kommen ur Fasel der Vogelsberger und Berner, speciell Simmen- j ialer Rasse, auch müssen die Bullen bereits sprungsähig sein. Pie Thiere müssen sicher geführt und gefesselt sein, anderen- rlls hat der Besitzer sich der Wegweisung vom Markt zu ewärtigen.

Gießen, den 10. August 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Ga gern.

Bekanntmachung.

Donnerstag den LS. August 1892, Vorn«. > Uhr präcis wird imEnglischen Hof" zu Grünberg Herrn Wagner) eine Generalversammlung des land- »irthschaftlichen Bezirksvereins Gießen abgehalten werden. Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirks- ereins und der landwirthschaftlichen Ortsvereine, der Vieh- lchtgenofsenschaft, sowie alle Freunde der Landwirthschaft erden zu dieser Versammlung hierdurch ergebenst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren »emcinden vorhandenen Mitgliedern des Vereins von dieser inladung Kenntniß zu geben und auf zahlreichen Besuch :r Versammlung hinzuwirken.

Tagesordnung:

1) Vorlage und Festsetzung des Voranschlags des land­wirthschaftlichen Bezirksvereins zu Gießen pro 1892/93.

2) Vorlage und Prüfung der Rechnung des landwirth­schaftlichen Bezirksvereins pro 1891/92.

3) Viehpreis - Vertheilung auf dem Viehmarktsplatze zu Grünberg.

Gießen, den 10. August 1892.

Der Director des landwirthschastl. Bezirksvereins Gießen.

Jost. ____________________

Bekanntmachung,

betreffend den Oberhessischen Obstbauverein.

Sonntag den 14, August d. I., Nachmittags »Uhr, findet bei Gastwirth Gör lach zu Cberstadt eine Zersammlung des Oberhessischen Obstbauvereins att, bei welcher Herr Landwirthsckastslehrer Reichelt von riedberq einen Vortrag über Obstsortenwahl und Obst- aumpflege halten wird.

Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des bstbaues lade ich zu dieser Versammlung freundlichst ein. üe Herren Bürgermeister von Eberstadt und den umliegen- ;n Crten ersuche ich, zum Besuch der Versammlung durch ttsübliche Bekanntmachung noch besondere Einladung ergehen i lassen.

Gießen, den 10. August 1892.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen.

Nebel, Amtmann.

Gießen, den 10. August 1892. Betreffend: Die Strafregister, hier: die Nachweisungen der im 1. Halbjahr 1892 verstorbenen, seit dem 1. October 1882 bestraften Personen.

Der Großherzogliche Erste Staatsanwalt

beim Landgericht der Provinz Oberhesien

an die Ortspolizeibehörden zu Bersrod, Birklar, Geilshausen, Klein-Linden, Obbornhofen, Oppenrod und Winnerod.

Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 30. Juni d. I. (Anzeiger Nr. 151) werden Sie hiermit nochmals aufgefordert, die vorgeschriebene Nachweisung bezw. Fehl­anzeige innerhalb drei Tagen bei Meldung disciplinärer Ahndung an mich einzusenden.

Jöckel.

Deutsches Seich.

Berlin, 10. August. Kaiser Wilhelm ist im besten Wohlsein von dem jüngsten Besuche in England wieder nach seiner Sommerresidenz Potsdam zurückgekehrt, woselbst er die nächste Zeit über zu verweilen gedenkt. Auch dieser Ausflug des erlauchten Monarchen entbehrte, wie schon die unmittel­bar vorangegangene Reise nach Norwegen, jeglichen offiziellen Characters, wie dies das ganze Auftreten des Kaisers wäh­rend seines Aufenthalts aus englischem Boden bekundete. Wenn derselbe diesmal gerade in einen für das englische Volk bedeutsamen politischen Zeitpunkt fiel, den der bevorstehenden Ersetzung des bisherigen Torycabineis durch ein liberales Ministerium, so war dies eben ein reiner Zufall, denn ganz sicherlich hat die englische Reise Kaiser Wilhelms mit den jüngsten politischen Vorgänge., jenseits des Eanals nicht das Mindeste zu thun gehabt.

Die am Montag im Reichsamte des Innern statt­gefundene Vorerörterung zwischen Vertretern der Reichs­regierung und der preußischen Regierung in Sachen eines etwaigen deutsch-russischen zollpolitischen Ab­kommens wird, Berliner Meldungen zufolge, die einzige Berathung dieser Art bleiben. Es würden also nunmehr die directen Verhandlungen zwischen Deutschland und Rußland über das projectirte Abkommen beginnen können; vermuthlich ist indessen die Sache noch nicht so weit gediehen. Was die Ergebnisse der erwähnten Vorberathung anbelangt, so soll hierüber einstweilenstrengste Amtsverschwiegenheit" von Seiten ihrer Theilnehmer beobachtet werden.

Der längst in Sicht gewesene Rücktritt des bis- herigen preußischen Ministers des Innern, des Herrn H err- furth, ist nunmehr zur Thatsache geworden. Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus England hat Kaiser Wilhelm das Entlassungsgesuch Herrsurths genehmigt und an dessen Stelle den Ministerpräsidenten Grasen Eulenburg zugleich auch zum Minister des Innern ernannt. Der sweidende Minister wurde seitens seines erlauchten Souverains durch Verleihung des Großkreuzes des Rothen Adlerordens mit Eichenlaub und der königlichen Krone ausgezeichnet. Herr Herrsurth über­nahm am 21. Juli 1888 an Stelle des von Kaiser Friedrich im Juni zuvor entlassenen Herrn v. Puttkamer die Leitung des Ministeriums des Innern und in dieser seiner mehr als vierjährigen Ministerthätigkeit hat sich Herr Herrsurth als ein streng gewissenhafter und überaus kenntnißreicher Ver- ' walkungsbeamter gezeigt, zugleich aber auch wiederholt Proben einer hohen, staatsmännischen Begabung abgelegt. Als her­vorragendstes Werk seiner ministeriellen Wirksamkeit hinter­läßt er die neue Landgemeindeordnung, deren practische Durch­führung seinem Nachfolger als nichts weniger denn leichte - Ausgabe zusällt. Was aber die Gründe für den Rücktritt des bisherigen preußischen Ministers des Innern anbelangt, so weiß man, daß sie in Differenzen mit dem Finanzminister Dr. Miquel wegen der weiteren Steuerreform wurzeln. Klar ' st aber die Geschichte des Rücktritts dieses verdienten I Ministers noch immer nicht, vielleicht, daß hierüber die nächste Zeit den wünschenswerthen Ausschluß ertheilt.

Das Comite für die Berliner Weltausstellung hat einen letzten Schritt zur Rettung des Unternehmens ge- than. Es ist von dem Comite eine Eingabe an den Reichs­kanzler gerichtet worden, in welcher Gras Caprivi ersucht wird, aus keinen Fall in der Ausstellungsfrage eine negative Entscheidung zu fällen, ehe nicht den für das Unternehmen eingetretenen Großindustriellen und Corporationen Gelegen­heit gegeben sei, einmal den Nachweis zu erbringen, daß die deutsche Industrie in ihrer überwiegenden Mehrheit doch die Veranstaltung einer deutschen Weltausstellung wünsche. Die Eingabe betont weiter, daß die der Ausstellung günstig ge- '

sinnten Industriellen beabsichtigten, der Reichsregierung einen Plan der Gestaltung der Ausstellung unter Darlegung der Finanziirung zu unterbreiten, doch könne der verheißene Nach­weis erst im October erbracht werden. Ob der Reichskanzler der Eingabe Rechnung tragen wird, ist freilich recht zweifel­haft , die angebliche ausstellungsfreundliche Mehrheit der deutschen Industrie hätte sich dann doch ganz anders ins Zeug legen müssen.

Ausland.

Die längst erwartete Veränderung im Wiener Cabinet ist nunmehr eingetreten. Der Kaiser hat das Entlassungs­gesuch des bisherigen czechischen Mitgliedes des Ministeriums Taaffe, des Freiherrn v. Prazak, genehmigt und denselben unter Anerkennung seiner langjährigen Dienste als lebens­längliches Mitglied in das Herrenhaus berufen. Prazak war in feiner Eigenschaft alsLandsmann-Minister" der Czechen von feinen eigenen Landsleuten in Stich gelassen worden und somit entbehrte seine Stellung des nothwendigen Rückhaltes, die namentlich durch die überraschenden Wahlsiege der Jung- czechen schwer erschüttert worden war. Einen Nachfolger hat Prazak bis jetzt noch nicht erhalten, indessen ist es noch keineswegs gewiß, daß der Posten eines czechischen Ministers in der österreichischen Regierung nun überhaupt unbesetzt bleiben sollte. Mindestens haben die Deutsch-Liberalen keinen Anlaß, das Ausscheiden Prazaks aus dem Ministerium Taaffe in seiner politischen Bedeutung zu überschätzen. Wiener Meldungen bestätigen die Nachrichten über den bevorstehenden Rücktritt des österreichisch-ungarischen Botschafters am Ber­liner Hose, des Grasen Szechenyi. Wahrscheinlich wird Gras Szechenyi seinen Posten im October verlassen.

Die französischen Socialdemokraten können bei den am vorigen Sonntag vollzogenen Stichwahlen zu den Gcneralräthen auch einen Erfolg verzeichnen. In der bedeutenden Industriestadt Roubaix (Departement du Nord) siegte bei der Stichwahl zum Generalrath der socialistische Candidat über seinen republikanischen Mitbewerber, was zu einer Freudendemonstration der Socialdemokraten von Roubaix führte. An derselben beseitigten sich auch der Bürgermeister und ein Stadtverordneter, welche beide der socialistischen Partei angehören. Da die Demonstration einen sehr lärmenden Character annahm, so mußte die Polizei einschreiten, welche zwei der Demonstranten verhaftete und auch eine rothe Fahne wegnahm.

Der Zeitpunkt des Besuches des italienischen Königs- Paares in Genua anläßlich der dortigen Columbusseier ist nunmehr auf den 7. oder 8. September festgesetzt. Genua wird zu dieser Zeit ein großartiges Flottenschauspiel ge­währen, denn fast alle Mächte haben die Einladung Italiens zur Theilnahme an der Columbusseier in Genua angenommen und werden daselbst durch einzelne Kriegsschiffe oder auch durch ganze Geschwader vertreten sein. Die Zahl der fremd- mächtlichen Kriegsschiffe, welche sich zur Begrüßung des ita­lienischen Königspaares nach der Vaterstadt des Columbus begeben, dürste sich mindestens auf 120130 belaufen.

Die Meldung von einem in Bolivia stattgefundenen Aufstande bestätigt sich. Der Leiter der Bewegung, Gene­ral Camacho, wurde nebst 16 Deputaten indeß rasch über die Grenze geschafft. Der bolivianische Congreß ist zusammen­berufen worden, um Baptista zum Präsidenten zu wählen.

riewefk 2Iacbttd>ten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 10. August. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt zu den Conjecturen der Blätter über die Motive des Rück­tritts des Herrn Herrsurth:Dem Vernehmen nach machte Herrsurth als Rücktrittsgründe nur geltend die bekannte Meinungsverschiedenheit hinsichtlich der Steuerreform und gesundheitliche Rücksichten.

Dresden, 10. August. Der König eröffnete Mittags im königlichen Polytechnikum die dritte internationale Aus­stellung von Aquarellen, Pastellbildern, Handzeichnungen und Radirungen.

Straßburg, 10. August. Der deutsche Geologentag ist Vormittags zusammengetreten und sehr zahlreich besucht. Unterstaatssecretär Schraut begrüßte die Versammlung im Namen der Negierung. Beyrick-Berlin wurde zum Vorsitzenden gewählt. Benecke-Straßdurg sprach über die geologischen Verhältnisse der Reichslande. Morgen gibt die Stadt zu Ehren der Theilnehmer ein Abendfest. Der Geologentag dauert bis zum 21. August. Zehn Ausflüge in die Vogesen sind geplant.

Toulon, 10. August. Heute Nacht sanden drei Brände statt, die wahrscheinlich böswillig angelegt wurden.