im I. Wahlbezirk 2, im II. V. VI. VII. IX. XII. XIII. Wahlbezirk je 1 Abgeordneter zu wählen.
Nachstehend wird das Verzeichniß der zu den einzelnen Wahlbezirken gehörenden Gemeinden mit Angabe der Be- völkerungsziffer und der von jedem Gemeindevorstand zu wählenden Anzahl von Bevollmächtigten mit dem Anfügen bekannt gegeben, daß Anträge auf Berichtigung dieses Verzeichnisses binnen einer unerstrecklichen Frist von 4 Wochen nach Ausgabe dieses Blattes bei dem Kreisausschuß anzubringen sind, gegen dessen Entscheidung die Berufung an den Provinzialausschuß innerhalb 10 Tagen offen steht.
Gießen, 9. Juli 1892.
Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.
Namens desselben:
v. Gagern.
4468 18
V. Wahlbezirk (Großen-Buseck).
Gemeinden der Wahlbezirke
Kreistags- Abgeordnete
Seelenzahl nach der Volkszählung v. l.Dez. 1890.
Bevoll- mächtigte der
Gemeinde- Vorstände.
I. Wahlbezirk (Gießen-Stadt).
Gießen......
2
20535
Stadtvorstand.
II. Wahlbezirk (Gießen, Land).
Wieseck......
2461
10
Heuchelheim . . . .
| 1
1844
7
Trohe......
163
1
Deutscher Reich.
Großen-Buseck . . .
1689
7
Alten-Buseck ....
1245
5
Rödgen.....
647
3
Annerod.....
1 1
537
2
Oppenrod.....
312
1
4430
18
VI. Wahlbezirk (Staufenberg).
Staufenberg mit Friedel-
662
3
Hausen . . . .
Lollar......I
1436
6
Ruttershausen . . . '
1
397
2
Daubringen mittzeiberts- /
675
3
Hausen . . . .
Mainzlar.....'
428
2
Treis a. d. Lda. . .
1036
4
4634
20
VII. Wahlbezirk (Londorf).
Londorf.....
755
3
Mendorf a. d. Lda. .
1093
4
Kesselbach.....|
Odenhausen mit '
423
2
Appenborn . .
) 1
306
1
Geilshausen . . . . ।
507
2
Lumda...... 1
350
1
Weitershc.in ....
490
2
Rüddingshausen . . .
673
3
4597
18
IX. Wahlbezirk (Reiskirchen).
Reiskirchen.....
765
3
Climbach.....
223
1
Allertshausen . . . . j
247
1
Beuern......
1043
4
Bersrod ..... |
390
2
Winnerod.....
1
22
1
Reinhardshain . . . j
300
1
Saasen......
465
2
Lindenstruth . . . . 1
317
1
Burkhardsfelden . . .
586
2
Harbach.....
l
362
1
4720
19
XII. Wahlbezirk (Hungen, Stadt).
Hungen......
1327
5
OberBessingen . . .
404
2
Röthges.....I
290
1
Nonnenroth ....
1
344
1
Willingen.....
927
4
Langd ......
611
2
Rodheim mit Hof Graß
334
1
4237
16
XIIL Wahlbezirk (Hungen, Land).
Langsdorf.....
* 892
4
Bettenhausen ....
393
2
Bellersheim . . . . ,
558
2
Obbornhofen . . . .
543
2
Utphe......
1
508
2
Trais-Horloff. . . . .
1
334
1
Steinheim.....
Rabertshausen I. und II. 1
483
2
mit Ringelshausen .
192
1
Inheiden.....
358
1
4261
17
Berlin, 9. Juli. Der Bundesrath hat in seiner letzten Plenarsitzung vom 7. d. M. sich u. A. auch mit der vom Reichstage seinerzeit beschlossenen Resolution, welche sich für Gewährung von Diäten und Reisekosten aus Reichsmitteln an die Reichstagsmitglieder ausspricht, besaßt. Gemäß dem Anträge des Versassungsausschusses ist vom Bundes- rathe beschlossen worüeu, der Resolution keine Folge zu geben, die sich also als ein Schlag ins Wasser erweist. Die Gründe,
welche die genannte Körperschaft veranlaßt haben, eine ablehnende Stellung zu der Diäten-Resolution des Reichstages einzunehmen, sind noch nicht bekannt, jedenfalls läßt sich aber nicht bestreiten, daß diese Resolution nur eine Forderung der Billigkeit ist. Sie wird darum trotz der ablehnenden Haltung des Bundesraths im Reichstage sicherlich auss Neue gestellt werden und daß sie schließlich doch Erfüllung finden wird, daran läßt sich gewiß nicht zweifeln.
— Der General-Co nsul der französischen Republik in Leipzig, Jacquot, macht daselbst durch einen „großartigen" Scandal derartig von sich reden, daß die Affaire mehr als einen nur localen Character besitzt. Herr Jacquot erschien in Begleitung mehrerer Landsleute Nachts in einem bekannten öffentlichen Locale und vollführte hier einen solchen Scandal, daß ein großer Auflaus entstand. Der Vertreter der französischen Republik benahm sich auf eine solche gemeine Weise, daß ihm gegenüber der gröbste und roheste Hausknecht als ein seiner Gentleman erscheint- namentlich leistete Herr Jacquot in unfläthigen Beschimpfungen des deutschen Volkes („deutsche Schweine" u. s. w.) das denkbar Größte. Schließlich wurde der Herr General Consul gewaltsam aus dem Locale hinausbesördert, wobei es für ihn eine tüchtige Tracht Prügel absetzte- dann verbrachte man ihn mittels Droschke nach dem Polizeigebäude, wo Herr Jacquot nochmals eine gewaltige Radauscene aufführte. Leider konnte er nicht wie ein gewöhnlicher Sterblicher eingesteckt werden, da ihn seine amtliche Eigenschaft hiergegen schützte. Zweifellos wird der überaus peinliche Zwischenfall noch ein Nachspiel haben, zum Mindesten steht zu erwarten, daß die französische Regierung dieses merkwürdige Exemplar eines Diplomaten von Leipzig abberuft.
Berlin, 9. Juli. Heute Vormittag um 11 Uhr sand eine Audienz des Bürgermeisters Ze l le beim Reichskanzler Grafen v. Caprivi statt, zu welcher dieser den Bürgermeister ausgesordert hatte. Der Reichskanzler nahm die Mittheilung von der durch den Magistrat geschehenen Bewilligung der 10 Millionen Mk. zur Berliner Weltausstellung mit Interesse entgegen. Wie verlautet, kam dabei auch die höchst schwierige Platzsrage zur Sprache.
Chemnitz. 9. Juli. Laut amtlichem Ausweis des amerikanischen Consulats in Chemnitz hat sich der Export aus dem Consulatsbezirke Chemnitz nach den Vereinigten Staaten in dem_am 30. Juni dss. Js. beendeten Geschäftsjahre um 1,492,703 Dollars gegen das Vorjahr vermindert- doch zeigt das letzte Vierteljahr eine Zunahme von 69,943 Dollars gegen das entsprechende Quartal des Vorjahres.
Cleve, 9. Juli. Prozeß Buschhoss. Zeuge Bürgermeister Schleß vermißte Erörterungen über den vom Crimi- nalisten Wolff und Polizisten Schlör bei Buschhoff beschlagnahmten Sack und macht deßhalb den Oberstaatsanwalt darauf aufmerksam. Der Sack wird nachträglich unter der Emballage und Asservaten gesunden. Derselbe sah blutbefleckt aus und enthielt etwas Spreu. Die Leiche hatte auch Spreu in den Händen. Schleß und Schwor bekunden, Frau Buschhoff sei verwirrt gewesen bei ihrer Vernehmung in Lauten, als sie den Sack gesehen, und habe gesagt, es sei dies der Sack, der über der Tonne hing, wenn Fleisch geräuchert wurde. Der Angeklagte sagt dasselbe aus. Das Fleisch wurde in einer Tonne geräuchert, weil das Kamin abgebrochen war. Angeklagter, befragt, ob das Fleisch blutig war, wenn es zum Räuchern in die Tonne gebracht wurde, sagt, es könne sein, die Salzlauge, woraus das Fleisch komme, sei röthlich. Der Chemiker soll prüfen, ob Blut am Sack ist.
Ausland.
Wien, 9. Juli. Die Kriegsverwaltung verlangt von der österreichischen Regierung die Beibehaltung der Asfichi- rung aller üeurschen Ortenamen m den slawischen Provinzen, wo erstere von den communalen und autonomen Behörden beseitigt wurden.
Trieft, 9. Juli. In der hiesigen Umgebung wurden neuerlich drei Fälle von Cholera Nostras constatirt.
Lausanne, 9. Juli. Im Hafen von Cuchy (Waffer- station von Lausanne) platzte derKessel einesDampf- sch ifses. Etwa 10 Personen sollen getödtet, 35—40 schwer verwundet sein.
Portouovo, 9. Juli. Die Dahomeer stürmten Ra- dagny, brannten die katholischen Missionen nieder und verbrannten lebendig sechs belgische Patres und drei weiße Schwestern. Commandant Riou machte einen Ausfall, holte die Dahomeer ein und schlug dieselben nach einstündigem Kampfe. Die Dahomeer hinterließen lOO Todte und 30 Verwundete , welche von den schwarzen Hilsstruppen geköpft wurden. Riou ist verwundet.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Cm8, 10. Juli. Der König Alexander von Ser- bien ist heute Nachmittag incognito zum Curgebrauch hier eingetroffen und in der Villa „Petit Elysee" abgestiegen. König Milan, welcher Vormittags hier eintraf, war dem König Alexander bis Ober»Lahnstein entgegengefahren.
Bodo, 10. Juli. Se. Majestät der Kaiser unternahm heute nach dem Gottesdienst auf einem norwegischen Privat- dampser mit Gefolge einen Ausflug nach Saltenström und kehrte um 3 Uhr an Bord des „Kaiseradlers" zurück.;
Petersburg, 10. Juli. Eine amtliche Mittheilung über die bereits gemeldeten Unruhen in Astrachan besagt: Die Maßregeln gegen die Choleragesahr riefen unter den Arbeitern das jeglicher Grundlage entbehrende Gerücht hervor, daß die Cholerakrankheit gar nicht vorhanden sei, daß die Kranken ohne allen Grund in die Spitäler gebracht, auch lebend in Särge gelegt und mtt Kalk begossen würden. Die Volksmenge beging infolge dessen Thätlichkeiten gegen die Aerzte, schaffte die Cholera Kranken und die Gestorbenen aus dem Spital und steckte letzteres m Brand. Gegen die Fenster des Hauses, in welchem sich die Wohnung des Gouverneurs
befindet, wurden Steine geworfen. Als alle Ermahnungen zur Ruhe erfolglos blieben, wurde von den Waffen Gebrauch gemacht. Nach dem ersten Schuß zerstreute sich der Volkshausen und nach Ankunft von zwei Bataillonen Infanterie aus Saratow wurde die Ordnung wieder hergestellt- die Schuldigen sind zur Verantwortung gezogen.
Petersburg, 10. Juli. Amtlicher Cholerabericht. Am 8. d. M. betrug die Anzahl der Erkrankten in Astrachan 191, von denen 32 starben, in Samara waren 8 Cholera- Kranke, eine Person starb, in Saratow 63 Cholera-Kranke, 16 Personen starben, in Zarizyn 9 Kranke, in Baku befanden sich in den Spitälern 180 Personen, , außerhalb derselben starben 37, in Tiflis starben in des Spitälern 3, außerhalb derselben ebenfalls 3 Personen.
Moutbrison, 11. Juli. Ravachol wurde heute früh 4 Uhr hin gerichtet. Es kamen keine Zwischenfälle vor. Ravachol ries im letzten Moment aus, er habe etwas anzugeben. Der Henker vollzog die Hinrichtung unter dem Ruse: „Es lebe die Republik!" Ravachol wies cynisch den Beistand des Geistlichen zurück.
Straßburg, 11. Juli. Bei einer Kahnfahrt, welche der gestern aus Jsenheim in Benefeld eingetroffene Musikverein auf derJll unternahm, sind elf Männer, darunter mehrere Familienväter, ertrunken.
totale» und provinzieller.
Sieben, 11. Juli 1892.
— Theater Bereiu. Vor kurzer Zeit berichteten wir in den Spalten unserer Zeitung über eine höchst eigenartige Kurmethode. Ein hochgelahrter Herr Dr. med., wenn wir nicht irren, ein directer Nachkomme des berühmten Dr. Eisenbart, hatte erforscht und bewies durch glückliche Kuren, daß das „Gähnen" höchst respectable Heilerfolge erzielt habe. Wir sind nun heute in der angenehmen Lage, ein anderes, bequemeres, angenehmeres und vor allen Dingen viel ästhetischeres Heilmittel empfehlen zu können- es ist das „Lachen". Freilich, wenn Dr. Eisenbarts Nachfolger in der Ursache des Gähnens keinen Unterschied macht, so ist er uns über, wir machen für unser Lachmittel sehr strenge Vorschriften. Das Lachen, welches der Hohn, die Malice, auch die Dummheit erzeugt, ist wirkungslos, wenn es aber, einer Explosion gleich, aus vollem Herzen kommt und sich in ein behagliches Schmunzeln verliert, dann garantiren wir für den Erfolg. Wir verlangen nun keineswegs, daß Jedermann uns das so auss Wort glauben soll, im Gegentheil, wir werden uns sogar freuen, wenn wir auf recht viel ungläubige Thomase stoßen, die nach Beweisen fragen. Und der Beweis? — Nun ihr Zweifler gehet am D ie u s l a g A b en d um 8^ U h r nach Steins Saalbau, die „Wohlthätigkeits-Vor- stellung", die der Theater-Verein uns dort bietet, wird Jeden, wir zweifeln keinen Augenblick daran, zu einen überzeugten Lachianer machen.
-h. Sport. Die gestrige in Mannheim stattgehabte 19. oberrheinische Regatta war für die hiesige Ruder-Gesellschaft wieder von den schönsten Erfolgen begleitet, indem Herr R ü b s a m e n den Ehrenpreis des Mannheimer Regatta-Vereins in überlegener Weise gegen den Mainzer Ruder-Verein errang. Gleich vom Start weg lief der Gießener Sculler auf und davon, vergrößerte den Vorsprung zusehends und als der Mainzer Hüne einsah, daß er dem kleinen Gießener nur an Kraft, nicht aber im Styl (trotzdem er von dem berühmten englischen Berufstrainer Brightwell trainirt wurde) gewachsen war, gab er aus halber Bahn das Rennen auf, zweifellos um sich zu schonen und den Gießener Juniorsculler im folgenden Rennen niederzurudern. Es ist ihm dies denn auch, nachdem Herr Oßmann über die halbe Strecke geführt hatte, nach heißem Kampfe gelungen.
— Verhaftet wurde gestern ein anscheinend geisteskranker Mensch, welcher sich dahier umdertrieb.
— Aus dem Znftizdieust. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: den Präsidenten des Landgerichts der Provinz Oberhessen Ludwig Knorr zum Präsidenten des Oberlandesgerichts, den Präsidenten des Landgerichts der Provinz Rheinhessen Friedrich Conradi zum Senatspräsidenten bei dem Oberlandesgericht, den Oberlandesgerichtsrath bei dem Oberlandesgericht Emanuel Freiherrn v. Ricou zum Präsidenten des Landgerichts der Provinz Oberhessen und den Oberlandes- gerichtsrath bei dem Oberlandesgericht Adolf Lippold zum Präsidenten des Landgerichts der Provinz Rheinhessen — sämmtlich mit Wirkung vom 15. September t. I. an zu ernennen.
— Zur Hagelversicherung. Schon vor mehreren Jahren wurde der Hessischen Staatsregierung eine Eingabe unterbreitet mit dem Ersuchen, eine staatlich geleitete Hagelversicherung, etwa im Anschluß an die Brandversicherungsanstalt ins Leben zu rufen, eventuell eine Reichshagelversicherung anzustreben. Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat in Folge dieser Eingabe zunächst die Ausstellung einer Hagelstatistik angeordnet. Aus Grund des in den letzten drei Jahren gesammelten Materials über die Hagelschäden ist die obere landwirthschaftliche Behörde der erwähnten Eingabe näher getreten und hatte eine Commission gewählt mit dem Auftrage, unter der Benutzung des vorhandenen Materials die Frage der Errichtung einer staatlichen Hagelversicherung zu prüfen. Diese Commission bat nunmehr ihre Arbeit vollendet und dieselbe dem Landesausschusse der landwirthschaftlichen Vereine unterbreitet. In der vor einigen Tagen in Darmstadt abgehaltenen Sitzung des Landesausschuffes kam diese Angelegenheit zur Berathung- derselbe erachtete die Gemeinde- bezw. Kreisversickerung als ein sehr geeignetes Mittel, um der Hagelversicherung im Allgemeinen, sowie mSbesondere bei den kleineren landwirthschaftlichen Betriebsuuternehmern eine größere Ausbreitung zu verschaffen. Als anzustrebendes Ziel


