der vornehme Geist BrahmS'scker Kammermusik vom großen und noch nicht an ihn gewöhnten Publikum unverstanden bleibt und nur den allgemeinen und tiefen Eindruck des Bedeutenden und Erhabenen zurückläßt, so dürfen wir doch gerade bei diesem OpuS nach den in anderen größeren Städten gemachten Erfahrungen und der geradezu begeisterten Ausnahme in Frankfurt hoffen, daß die Zuhörer auch bei der Marburger Ausführung des Genusses im Einzelnen froh werden können. Da ein solcher Clarinettist nun einmal zur Verfügung steht, war es willkommene Gelegenheit, auch einmal daS Mozart'sche Clarinetten Quintett (Nr. 3, in A-dur) zu Gehör zu bringen, zu dessen Empfehlung wohl kein Wort von Nöthen ist. Ausführliches Programm siehe Jnseratentheil.
— Sonntags Extrazüge. Wie aus der Bekanntmachung des König!. Eisenbahn-Betriebsamts in vorliegender Nummer ersichtlich ist, wird von nächsten Sonntag (15. Mai) ab während der Dauer der Sommersahrplans ein Sonderzug von Marburg nach Frankfurt a. M. abgelassen. Zweck dieses Sonntags-Sonderzuges ist es, von Sommerausflügen zurückkehrende Reisende nach Gießen und Frankfurt zu befördern. Der Zug führt 1., 2. und 3. Wagenklasse und hält auf allen Stationen, mit Ausnahme von Großenlinden, Lang-Göns und Ostheim. Die Abfahrt erfolgt von Marburg um 8 Uhr 40 Min. Abends, von Gießen um 9 Uhr 29 Min., Bad- Nauheim 10 Uhr 9 Min., die Ankunft in Frankfurt 11 Uhr 23 Min. __________
— Schuldienst - Nachrichten. Am 21. April wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Philipp Emmert aus Hohen- Sülzen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Monsheim übertragen- — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Jacob Bausch aus Langsdorf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Gemünden, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Weber aus Storndors die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hops- mannsseld, — am 23. April wurde dem Schullehrer Heinrich Etling zu Heidelbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Arheilgen, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Johann Espenschied zu Horrweller eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Ingelheim, — am 26. April wurde dem Schullehrer Albert Wolf zu Nieder- Eschbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heisters, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Franz Diehl aus Grebenau eine Lehrerstelle an der evangel. Schule zu Lindenfels, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Georg Dirlam zu Ober-Ohmen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Eschbach, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Peter Büttner aus Mühlheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bodenheim übertragen.
— Die diesmalige Hauptversammlung des Gustav-Adolf- Vereins in Heffeu findet Dienstag den 5. Juli in Bingen statt. Für die Vorversammlung ist Momag der 4. Juli in Aussicht genommen. Die Abweichung von der früheren Uebung, wonach die Hauptversammlung an einem Mittwoch stattfand, hat darin ihren Grund, daß am Mittwoch in Bingen Markttag ist. — Der Sonderausschuß der evangelischen Landessynode, die Verwaltung des kirchlichen Vermögens betr., tritt Mittwoch den 15. Juni, Vormittags, zur Be- rathung der ihm überwiesenen Angelegenheiten zusammen.
— Großh. Landes Brandverficherungsaustalt. Das Be- dürfniß der Großh. Laudes-Brandversicherungsanstalt für 1891 beziffert sich im Ganzen aus 946 151.98 Mk. (darunter an Brandentschädigungen mit Abschätzungskosten in der Provinz Starkenburg 370 704.11 Mk., in Oberhessen 253 314.89 Mk., in Rheinhessen 206 492.36 Mk., zusammen 830511.36 Mk., der Rest entfällt aus Besoldungen, Pensionen, Gebühren, Diäten re.). Gemäß Versügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 22. April 1892 soll dieses Be- dürsniß durch einen Ausschlag von 8 Psg. aus je Einhundert Mark Brandversicherungscapital, das am Schluffe des Jahres 1891 in der Provinz Starkenburg 466 347 830 Mk., in Oberheffen 306 966 680 Mk., in Rheinhessen 417 268400 Mk., demnach im Ganzen 1 190 582910 Mk. beträgt, gedeckt werden und die Erhebung dieses Beitrags in den ersten sünfundzwanzig Tagen des Monats Juli lausenden Jahres in Einem Ziele ersolgen.
— Ein Zubiläum der deutschen Turner. Das Jahr 1892 dars als Jubeljahr der deutschen Turnerei insofern gefeiert werden, als vor 50 Jahren (6. Juni 1842) Friedrich Wilhelm IV. vom Schlosse Sanssouci aus die bekannte Cabinetsordre erließ, nach welcher „die Leibesübungen als nothwendiger und unentbehrlicher Bestandtheil der männlichen Erziehung" vom Staatsoberhaupt anerkannt und Verfügungen getroffen wurden, das Turnen in den Lehrplan der Schulen einzusügen." Seit 1819, dem Jahre des Sand'schen Attentats aus Kotzebue, waren bekanntlich alle Bestrebungen, die aus Hebung der Turnerei abzielten, streng untersagt, da an höchster Stelle ein Zusammenhang der umsturzdrohenden Ideen mit der Turnerei vermuthet wurde. Deshalb trat die sog. Turnsperre ein- alle Turnplätze wurden geschlossen und der Turnvater Friedrich Ludwig Jahn selbst gefänglich eingezogen, um nach siebenjähriger Haft als unschuldig entlassen zu werden. Erst mit dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. (1840) besserten sich diese Zustände.
— Der „Verein für HandluugS • Commis von 1858", dieser größte kaufmännische Verein mit dem Sitz in Hamburg, hat soeben seinen Bericht über das Jahr 1891 herausgegeben. Aus demselben geht hervor, daß der Verein in dem verfloffenen Jahre, trotzdem die allgemeine geschäftliche Lage in 1891 eine günstige nicht zu nennen war, wieder einen recht erfreulichen Fortschritt ausweist. Sowohl an besetzten Stellen, als auch an Mitgliedern des Vereins, der Pensionskaffe und der Kranken- und Begräbnißkaffe, e. H., ist em erhebliches Mehr zu verzeichnen. Alle sonstigen Ab- theilungen und Einrichtungen zeigen ebenfalls ein kräftiges
Gedeihen und der Rechnungsabschluß ist — obgleich die Aus gaben für den Verein und seine Abtheilungen von Jahr zu Jahr erheblich steigen, der jährliche Beitrag jedoch noch immer der gleiche niedrige ist wie bei Gründung des Vereins — diesmal ein sehr günstiger.
— In dem Gesetzentwurf betr. die Beausfichtiguug der Schlafstellen re. ist den mit der Untersuchung der Mieth- Wohnungen befaßten Polizei- und Gesundheitsbeamten eine gesetzliche Befugniß verliehen. Es wird ferner eine obligatorische Anzeigepflicht für die Wohnungsvermiether in Gemeinden von 5000 und mehr Seelen unter der Voraussetzung begründet, daß die zu vermiethenden Wohnungen weniger als vier Räume, einschließlich Küche, enthalten, oder Kellergeschosse oder nicht unterkellerte und weniger als 0,25 Meter über Terrain, oder unmittelbar unter Dach gelegene Wohnungen vermiethet werden sollen. Dieselbe Anzeigepflicht, jedoch ohne Rücksicht auf Seelenzahl der Gemeinden, wird eingesührt für alle, welche Schläfer bei sich aufnehmen wollen. Die Polizeibehörde erhält die Befugniß, die miethweife Benutzung der als gesundheitsnachtheilig befundenen Räume überhaupt z* verbieten oder nur nach Erfüllung gewisser Bedingungen zuzulasfen. Aehnliche Bestimmungen sind für Schlafstellen erlaffen mit der Verschärfung, daß für jeden Schläfer ein Mindest-Lustraum von 10 Kubikmeter vorhanden sein muß. Gegen Versügungen der Polizeibehörden ist ein Beschwerderecht an Kreis- und Provinzial-Ausschuß gegeben. Unter- laffene Anzeigen und miethweise Benutzung vor Ablauf 6e* stimmter Frist oder gegen Verbot sind mit Geldstrafe bedroht. Im Wege der Polizeiverordnung können weitergehende Bestimmungen nach verschiedenen Richtungen erlassen werden.
— Weltausstellungs-Notizen. Von der „Amerikanischen Bibelgesellschaft" wird die Bibel, in zweihundert verschiedenen Sprachen gedruckt, ausgestellt werden. — Der bisher in sämmtlichen Ausstellungspalästen vergebene Raum umfaßt eine Fläche von vier Millionen Quadratsuß- ein wenig über ein Dritttheil dieses Raumes ist von ausländischen Ausstellern reclamirt worden. — Laut Wiener telegraphischen Nachrichten vom 18. d. M. trägt man sich in Tyrol mit dem Plane, die Abtheilung jenes GebirgS-Districtes zu der anziehendsten der Ausstellung der österreichischen Monarchie in Chicago zu gestalten. In dieser Section soll das typische Tyrolerleben in drastischer Weise zur Anschauung gebracht werden. Die Section soll kreissörmig gehalten sein- im Vordergründe erfolgt die plastische Ausstellung der Tyroler Industrien, während der Hintergrund, längs den Wänden, ein Panorama der Alpen darstellt. — In der bekannten Thierhandlung von Karl Hagenbeck in Hamburg wird gegenwärtig die Dressur einer für die Weltausstellung bestimmten Thiergruppe vorgenommen. Es handelt sich darum, aus 50 Löwen, Tigern und Jaguars eine friedlich zusammenhausende Familie zu gestalten. Die Thiere sollen einen Kauswerth von zwei Millionen Mark repräsentiren. — Special Commiffär Koerte, Vertreter des Ausstellungs-Commiffärs für das Deutsche Reich, Geheimrath Wermuth, der bekanntlich die Ausstellungsbehörde um eine Mehrbewilligung von Raum für die deutsche Abtheilung anging, war erfolgreich in seinem Bestreben. Herr Koerte befindet sich bereits auf der Heimreise.
Alsfeld, 6. Mai. Am 19. Juni d. I. wird in unserer Stadt der Deleg irten tag der Kriegerkameradschast „Hassia" abgehalten. Für denselben ist folgende Tagesordnung ausgestellt. Feststellung der Präsenzliste- Rechenschaftsbericht des Schriftführers- Kaffenbericht- Providentia- Verträge- Jahrbuch- Vorstands-Auslosung und Neuwahl- Wahl des Ortes für den nächsten Verbandstag in Starkenburg (hierfür liegt bereits eine Einladung nach Heppenheim vor)- Prinz Ludwig-Stiftung- Kaiser Wilhelm-Denkmal aus dem Kyffhäuser- Anträge - endlich Berathung des Voranschlags sür 1892. Letzterer schließt in Einnahme und Ausgabe mit 6160 Mark ab. Die Verhandlungen finden im Gasthaus zum „Deutschen Kaiser" statt und beginnen pünktlich um 9Vj Uhr. Daselbst sind auch die Bureaus errichtet und von 7V3 Uhr ab geöffnet. Den Verhandlungen schließt sich um 2 Uhr ein Festessen im Gasthaus zum „Deutschen Haus" an. — Tags zuvor, Nachmittags 3 Uhr, findet eine Sitzung des Präsidiums statt.
? Flensungen (Kr. Alsfeld), 10. Mai. Der hiesige Landwirth Gemmer ging am gestrigen Morgen in seine Scheuer, um Stroh herabzuwerfen. Hierbei glitt er aus und fiel aus beträchtlicher Höhe in die Scheuertenne. Schwer am Rückgrat verletzt, wurde der Verunglückte heute in die Klinik nach Gießen verbracht.
Darmstadt, 9. Mai. Das Großh. Finanzministerium hat folgende zwei Vorlagen an die Stände gelangen lassen: 1) betr. Verwendung des Betrags von 33,564 Mk. 60 Ps. zu Lasten der Ueberschüsse vorderer Finanzperiode zur Herstellung einer Floßlandestelle im sogen. C a st e l e r L o ch'.- 2) betr. Verwendung von 18,058 Mk. zu Lasten des Kurfonds von Bad Nauheim zur Herstellung der neuen Jnhallation.
Mainz, 9. Mai. Alle Straßen unserer Stadt wurden gestern von Militärpatrouillen durchkreuzt auf der Suche nach einem aus der Festung Ehrenbreitstein entwichenen Soldaten, einem geborenen Mainzer. Derselbe befand sich als Baugesangener in Ehrenbreitstein, entfloh von dort und hielt sich gestern in Mainz aus. Der Gesuchte ist überhaupt ein gefährliches Subject, er erklärte offen, daß er denjenigen, der ihn fange, zusammenstechen würde, damit er ins Zuchthaus käme und dadurch aus dem Soldatenstand ausgestoßen würde. Der Soldat ist der Sohn eines seiner Zeit sehr berüchtigten, nunmehr verstorbenen Menschen. — Zum Capitel „Bettler- Frechheit" sei solgendes Vorkommniß mitgetheilt: Auf der Rheinpromenade, in der Nähe der Dampsboote der Köln- Düsseldorfer Gesellschaft, stand gestern Nachmittag ein Steltz- fuß und bettelte die zahlreichen Passanten in ausdringlicher Weise an. Ein Schutzmann, auf den Bettler aufmerksam gemacht, begab sich zu demselben und untersagte ihm daS
Betteln- da dies nichts sruchtete, sah sich der Schutzmann veranlaßt, den Bettler abzusühren. Dieser wollte aber nicht gutwillig mitgehen, weshalb ihn der Schutzmann am Arm packte. Es entstand in Folge des Widerstandes des Bettlers ein Ringen, wobei der Schutzmann hinstürzte und den rechten Arm brach. Ein Sergeant vom 88. Infanterie-Regiment eilte dem Schutzmann zu Hilfe- dieser begab sich zu einem Arzt, um sich einen Nothverband anlegen zu lassen, während aus das Geheiß des Sergeanten eine Anzahl Soldaten den Bettler nach der Polizei bringen wollten. Der Bettler wehrte sich aber sürchterlich, er biß und schlug um sich, so daß zehn Soldaten nothwendig waren, um ihn zu bändigen und nach dem Stadthause zu bringen. D. Ztg.
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Dermijdjtci.
* Frankfurt a. M., 10. Mai. Der Töpser-Strike ist heute ausgebrochen, nachdem gestern die Lohn-Commission der Töpfer in einer dreistünd'gen Berachung mit den voll- zählig erschienenen Meistern e*ne vollständige Einigung in Betreff der Lohnsrage, namentlich für Grund- und Plattsimsösen, nicht erzielen konnte. Eme gleich daraus in Kühmayers Local abgehaltene Gehilfen-Versammlung billigte das Verhalten der Lohncommission. Der Strike, der sofort seinen Anfang nimmt, wurde hierauf verkündet.
* Berlin, 9. Mai. Der Professor v. Hofmann hat, wie die hiesigen Blätter melden, ein Vermögen von etwa zwanzig Millionen Mark hinterlassen.
* Knaben HaudarbeitsCongreß. Die Betheiligung an dem vom 10. bis 12. Juni in Frankfurt a. M. stattfindenden XL Deutschen Congreß für erziehliche Knaben-Handarbeit verspricht nach dem, was bisher zu übersehen ist, eine sehr große zu werden, zumal alle Schichten des Publikums reges Interesse für die wichtige Erziehungsfrage bezeugen. Schon die Zusammensetzung des Ortsausschusses beweist in ihrer Mannigfaltigkeit, daß Männer aller Stände dem Unternehmen ihre Unterstützung leihen. Diesem Ortsausschuß gehören u. A. an: Oberbürgermeister Adickes als Vorsitzender, Polizeipräsident von Müssling, mehrere Stadtverordnete, darunter die beiden Vorsitzenden der Stadtverordneten-Ver- sammlung, sämmtliche Directoren der hiesigen höheren, mittleren und niederen Schulen, die Vorstandsmitglieder des Vereins für Verbreitung von Volksbildung, des Kunstgewerbevereins, des Technischen Vereins, des Vereins für Kinderhorte, des Bockenheimer Vereins für Knaben-Handarbeit, die gesammte Presse, der Vorsitzende des Lehrervereins :c. Dem in diesen Tagen versandten Programm entnehmen wir noch Folgendes: Die Ausstellung im Kunstgewerbemuseum wird vom 10. bis 20. Juni für Jedermann bei freiem Eintritt geöffnet fein. Samstag, 11. Juni, 10 Uhr Vorm.: Vereinstag im Saalbau. Bericht über die wirthschastliche Lage des Vereins, von dem Schatzmeister desselben, Oberrealschul- Director Noeggerath-Hirschberg i. Schl. Ergänzungswahl für die ausscheidenden Mitglieder des Ausschuffes. Dann Vorträge des Directors der Lehrerbildungsanstalt des Deutschen Vereins Dr. Götze-Leipzig, des Stadtschulrathes Dr. Rohmeder-München, des Dirigenten der Görlitzer Handsertigkeitsschule, Lehrer Neumann. Sonntag, 12. Juni, 11 Uhr Vormittags: Oeffentlicher Congreßtag im Saalbau. Der Zutritt zur Versammlung und die Betheiligung an der Berathung steht Jedem frei. Eröffnung des Congreffes. Bericht über die Fortschritte der Bewegung in den letzten beiden Jahren. Begrüßung durch den Vorsitzenden A. Lammers- Bremen. Bewillkommnung des Congreffes durch die Stadt Frankfurt a. M. durch Herrn Oberbürgermeister Adickes. Ansprachen aus der Mitte der Gäste. Comenius-Feier. Festrede von Rector Rißmann-Berlin. Die sociale Frage und die Erziehung zur Arbeit in Jugend und Volk, von dem Landtagsabgeordneten von Schenckendorss -Görlitz. 3 Uhr Nachm.: Festessen im Zoologischen Garten. 61/, Uhr Abends: Fest- Vorstellung im Opernhause.
* Unsere oftafrikanische Post. Bei den neueren häufigen Mittheilungen aus Ostafrika tritt neuerdings recht lebhaft hervor, daß die Meldungen aus dem Innern, selbst von den großen Binnenseen, in ungewöhnlich kurzer Zeit zu uns kommen. Kaum 2 Monate nach dem Abgänge der Expedition Borchert erfuhren wir schon, daß sie in Mpwapwa angekommen sei und wenige Tage nachher wurde der Wechsel in ihrer Leitung bekannt. Noch auffallender waren die Nachrichten von Dr. Baumanns Expedition - im Januar war er von der Küste abmarschirt und bereits im April war die Nachricht da, daß er am Victoriasee angelangt sei, obwohl er selbst in seinem letzten Berichte angegeben hatte, man werde vor August wohl keine weiteren Nachrichten erwarten können. Die neueingeridjtete Deutsche Reichspost in Ost- afrifa will allerdings Postsachen In 90 Tagen von der Küste nach dem Victoriasee und zurück besorgen- aber es ist ein großer Unterschied zwischen der Bewegung und Verpflegung einzelner schnellsüßiger Boten und einer schwer belasteten Karawane von mehreren hundert Leuten. Aus den neuere* Nachrichten geht hervor, daß die Verbindungen auf unserem Schutzgebiete immer bessere werden und daß sich die Zeiten der Reisen stetig verringern.
♦ Eine heitere Umzugsgeschichte hat sich, nach sächsische* Blättern, im Städtchen Cölln a. d. Elbe abgespielt. I* einem dortigen Haufe bewohnte den ersten und zweiten Stock je eine Familie, welche aber so bitterbös auf einander zu sprechen waren, daß sie beide kündigten und zufällig ihren Auszug an ein und demselben Tage vornahmen. Die Möbelwagen kamen an, wurden beladen und einer nach dem andern fuhr ab. Wer beschreibt aber das Erstaunen der umziehenden Familienglieder, als die Wagen an ein und demselben Hause hielten- die feindlichen Parteien hatten sich wieder in dasselbe HauS eingemiethet. (Diese Geschichte erinnert an das Gedicht von den „zwei Madamme, die wieder sind beisamme".)


