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M. HO Erstes Blatt Donnerstag Sen 12 Mai
1892
Trr Hteßener Anzeiger erscheint täglich, tr.it Ausnahme deS Montags.
Die Gießener M««tti<n5tätter werden dem Anzeiger v-Schentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
vierteljähriger AVo«neme«tspreisr 2 Mark 20 Pfg. mN Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Zchukstratze Ar.7. Fernsprecher 51.
Amts- und Anzeigeblutt für den Kreis Gieren.
fetgmben lag erlchrinendkn Nummer bi* 8arm. SZ | Gratisbeilage: Hießener Jamitienökätter. |
2lnrtlichev Theil.
Nr. 28 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 3. d. M., enthält:
(Nr. 2028). Gesetz, betreffend die Vergütung des Cacao- zolles bei der Ausfuhr von Eacaowaaren. Vom 22. April 1892.
(Nr. 2029). Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Walz- und Hammerwerken. Vom 29. April 1892.
(Nr. 2030). Bekanntmachung, betreffend die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Hechelräumen und dergl. Vom 29. April 1892.
Gießen, den 10. Mai 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gag ern.
Gießen, 10. Mai 1892. Betreffend: Ausübung und Schutz der Fischerei. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien und Localpolizeibeamten des Kreises.
Soweit in Ihren Bezirken sich Fischereien befinden, beauftragen wir Sie, das Ihnen unterstellte Polizei- und Feldschutzpersonal daraus hinzuweisen, daß die Verwendung von Stangen beim Fischfang — gemäß Art. 46 pos. 2 des Ges. v. 27. April 1881 —, das ganze Jahr hindurch, die Anwendung von Schleifgarnen, welche die junge Fischbrut zu zerstören geeignet sind, — gemäß § 4 der Verordnung v. 14. December 1887 —, während der Schonzeit verboten ist. Sie wollen dafür Sorge tragen, bezw. Ihre Bediensteten instruiren, daß Uebertretungen dieser Verbote nach Maßgabe des Gesetzes v. 27. April 1881 unnachsichtlich zur Anzeige gebracht werden.
v. Gagern.
Gießen, den 11. Mai 1892. Betreffend: Die Einsendung der Sterbzählkarten und Todeszeugniffe pro März—April 1892.
Das
Großh. Kreis-Gesundheitsamt Gießen an die Grotzherzogl. Bürgermeistereien Bersrod, Göbelnrod, Hausen, Heuchelheim, Klein-Linden, Langd, Lanter, Lumda, Nonnenroth, Ober-Hör- gern, Ldenhausen, Ruttershausen, Saasen und Steinheim.
Wir erinnern die umgehende Einsendung der rubr. Sterbesall-Anzeigen.
Dr. Follenius.
Nerrefte Nachrichten.
WolstS telkgrapüriHeS fcorrrfponben^iÖuttQtL
Berlin, 10. Mai. Das Abgeordnetenh aus berieth die von der Budgetcommission vorgeschlagene Resolution über die Beschaffung der Mittel für Erneuerungsbauten von Bahnhöfen aus dem für den Staatshaushalt gegebenen Wege. Im Lause der Sitzung bringen die Abgeordneten Lieber und Genossen den in der Commission abgelehnten Antrag ein, die Regierung möge Bedacht nehmen, daß die Mittel für Bauten an bestehenden Bahnen schrittweise im Staatshaushaltsplan ausgebracht und aus den Betriebseinnahmen der Staatsbahnen beschafft werden. Minister Miquel erklärt sich gegen jeden derartigen Antrag. Die Frage, was durch eine Anleihe, was aus Betriebsmitteln zu decken sei, sei doch sehr discretionär. Ueberdies erscheine es bei der jetzigen Finanzlage gefährlich, sich durch den Antrag sestzubinden. Wenn es dem Hause nothwendig erscheine, daß die Ausgaben der Eisenbahnen möglichst durch eigene Einnahmen gedeckt werden, so halte er das im Allgemeinen für richtig. Er werde jedoch nie zugeben, Laß die Eisenbahnverwaltung der allgemeinen Finanzverwaltung entzogen werde. Das hieße, einen Staat im Staate bilden. Sollte der Antrag angenommen werden, so würde er denselben nur so interpretiren, daß die in Rede stehende Frage nicht mit einem Schlage gelöst werden, sondern deren Lösung an- qebobnt werden solle. Schließlich wird der Antrag Lieber angenommen. Ferner wird in erster Berathung der Gesetzentwurf, betr. die Gewährung einer Staatsrente für Stol- gebührenentschädigungen in der evangelisch-lutherischen Kirche -ec Provinz Hannover, angenommen. Der Gesetzentwurf, Letr. Geheimhaltung der Ergebnisse der Veranlagung zur Staat^einkowmensteuer, wird der Commission überwiesen- die .Anträge Reukirch und Drave, betr. die Regelung der guts
herrlichen und bäuerlichen Verhältnisse in Neuvorpommern und Rügen, werden in der Commissionssassung angenommen. — Nächste Sitzung Donnerstag: Landgemeindeordnung und Berggesetznovelle.
Berlin, 10. Mai. Heute Vormittag fand die feierliche Grundsteinlegung für die zweite Kirche in Schöneberg statt. Ihre Majestäten waren bei der Feier durch den Prinzen und die Prinzessin Friedrich Leopold vertreten.
Vom Kyssh'auser, 10. Mai. Soeben hat der feierliche Act der Grundsteinlegung zum Kaiser Wilhelm- Denkmal stattgefunden. Nachdem der Protector Fürst zu Schwarzburg-Rudolstadt bei feinem Erscheinen vom Generallieutenant z. D. von Renthe, Vorsitzendem des Denkmal- Ausschusses, empfangen worden war, begann die Feier mit dem Gesänge „Friedrich Rothbart", der Festrede des Schriftführers Dr. Westphal und der Verlesung der Urkunde. Hieraus wurde unter den Klängen des Gesanges „Deutscher Schwur" die Urkunde in den Urkundenkasten und mit diesem in den Grundstein eingefügt und dieser unter den üblichen Hammerschlägen geschloffen, welche zuerst der Fürst zu Schwarzburg-Rudolstadt that, auf welchen die Ehrengäste, Ausschubmitglieder, Deputationen, der Denkmalsbaumeister Bruno Schmitz, Bauführer und Werkmeister folgten. Der Fürst zu Schwarzburg-Rudolstadt gedachte in seiner Ansprache der nationalen Bedeutung des Denkmals und des Kaisers, dessen Andenken dasselbe gewidmet sei, und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser Wilhelm II., in welches die zahlreichen Anwesenden dreimal begeistert einstimmten. Nach der Weiherede des Oberpfarrers Hesse und dem Segen schloß der Choral „Lobe den Herren" die erhebende patriotische Feier. Der Festplatz bot ein herrliches farbenprächtiges Bild mit den vielen Fahnen, den mannigfaltigen Uniformen, dem festlichen Schmuck besonders am fürstlichen Pavillon, Alles inmitten des frischen Waldesgrün. Die bei den Terrain- verhältnissen besonders schwierigen Anordnungen waren musterhaft, um dieselben hat sich der Vorsitzende des Festausschusses, Hofrath Dinckelberg, besonders verdient gemacht.
Paris, 10. Mai. Der „Liberte" zufolge wäre die Polizei im Besitze von Anhaltspunkten über die Urheber des Attentats gegen Bery. Die Namen der Verdächtigen hätten große Ueberraschungen hervorgerufen. Wegen neuerlicher Drohbriefe sind umfassende Maßnahmen zum Schutze der Börse getroffen.
Lüttich, 10. Mai. Die Polizei verhaftete gestern Abend in einem berüchtigten Hause den Anarchisten Po ui Ile. Bei demselben wurde eine Dynamitpatrone vorgefunden. Ebenso wurde ein zweiter Anarchist, Namens Broith, verhaftet.
Petersburg, 10. Mai. Der Reichsrath nahm die neue Städteordnung an, in der den Juden das Wahlrecht verliehen wird. — Nachrichten des Finanzministeriums zufolge ist der Stand des Winterkorns in Polen, Baltien, dem Nordwestgebiet und Südwestgebiet, in Mittelrußland, der Krim, dem Kaukasus günstig,- theilweise jedoch unbefriedigend in Cherson, etwas besser in JekaterinoSlaw, Poltava und dem Dongebiet. In Nordrußland und Ostrußland ist die Wintersaat meistens noch unaufgegangen.
Newyork, 10. Mai. Dem „Heralb" wird aus Caracas (Venezuela) gemeldet, daß bei Losteques ein Kampf zwischen 400 Mann Regierungstruppen, welche eine Ab- theilung Ingenieure begleiteten, und 300 Insurgenten statt- gesunden habe. Letztere hätten sich unter Verlust von etwa 100 Todten und Verwundeten zurückgezogen, während der Verlust der Regterungstruppen auf 25 Tobte und 13 Verwundete angegeben werde.
Depeschen deS „Söureau Herold".
Berlin, 10. Mai. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, v. Köller, reift Donnerstag Abend nach Stettin, um bei dem Kaisersest des pommerschen Provinziallandtags die Honneurs zu machen. Der Kaiser und die Kaiserin treffen Freitag Vormittag in Stettin ein.
Berlin, 10. Mai. Die „Allg. Reichscorr." erfährt über das neue Programm der Conservativen, daß die Judenfrage nur derart in das Programm ausgenommen sei, daß diejenigen Uebelftänbe scharf bekämpft werden sollen, als deren Urheber und Begünstiger das Judenthum bezeichnet wird, wie das Börsenunwesen, die Güterschlächterei, Wucher rc. Da ferner birecte Gesetze gegen bie Juben bei ber jetzigen Zusammensetzung bes Reichstags aussichtslos seien, soll bas Fernhalten ber Juben von öffentlichen Aemtern auf bem Verwaltungswege empfohlen werben.
Hamburg, 10. Mai. Der englische Dampfer „Weimar" stieß auf ber Elbe bei Finkenwärber mit bem Hamburger Dampfer „21 r m l n" zusammen. Letzterer sank- „Weimar" I
gab schwer beschäbigt bie Reise auf, ein Mann bes „Armin^ ist bebenklich verletzt.
Stuttgart, 10. Mai. Der „Schwäb. Merkur" verzeichnet bas Gerücht, ber Kriegsminister Steinheil beabsichtige feinen Abschieb einzureichen. Zum Nachfolger werbe General Schott von Schottenstein, Commanbeur ber 30. Division in Straßburg, ernannt werben. Letzterer traf gestern hier ein.
Wien, 10. Mai. Infolge Lohnbisferenzen stellten bie Maurer bie Arbeit ein.
Wien, 10. Mai. Polnischen Blättern zufolge begannen in Charkow, Moskau unb anberen russischen Stäbten gestern neuerliche Masfenausweisungen von Juben mit un- nachsichtlicher Strenge.
Pest, 11. Mai. Die Leichenfeier bes Ministers Baroß wirb überaus imposant sein, aus allen Theilen des Laubes treffen Deputationen ein. Die beiben Häuser des Parlaments, die Ministerien und Staatsbehörden erscheinen in corpore. Die Leichenfeier wird der Fürstprimas celebriren.
Loudon, 11. Mai. Die Abstimmung der Bergleute von Südwales betr. Einführung eines wöchentlichen Ruhetages ergab folgendes Resultat: 19033 Stimmen dafür, 46 122 dagegen.
Paris, 10. Mai. Der Restaurateur Very ist gestorben. Die Polizei befürchtet neue Explosionen unb verdoppelt beshalb ihre Wachsamkeit.
Livorno, 10. Mai. Auf ben Treppenstufen bes Abels- casinos platzte eine Dynamitpatrone. Zwölf Verhaftungen würben vorgenommen.
Fourmies, 10. Mai. 23 anben junger Leute burch- ziehen bie Stabt. Es werben Unorbnungen befürchtet.
Warschau, 11. Mai. In Mienbzyrzecz zerstörte eine Feuersbrunst 350 Häuser. Der Schaben ist sehr be- beutenb. Drei Kinber unb vier Erwachsene kamen in den Flammen um.
Frankfurt a. M., 11. Mai. Der Defraubant Jäger würbe in Kairo verhaftet,- bie Verhaftung erfolgte an ber Börse. Jnbessen ist nicht, wie angenommen, ber größte Theil ber veruntreuten Summe gesunben, fonbern nur 500,000 Mk. Die im Steckbriefe angegebene Blonbme, Frau Lobz, würbe ebenfalls verhaftet. Die hiesige Staatsanwaltschaft ist überzeugt, baß bie Auslieferung Jägers erfolgt.
totales rrnd provinzielles.
Gießen, 11. Mai 1892.
— ProvinzialausschußSitzung. Samstag ben 14. Mai l. I-, Vormittags 9 Uhr beginnenb, finbet im Regierungs- gebäube zu Gießen eine öffentliche Sitzung bes Provmzial- Ausschusses ber Provinz Oberhessen mit folgenber Tages- orbnung statt:
1. Gesuch bes Lubwig Muhl in Großen-Linben um Wirthschasts-Concession.
2. Klage bes Ortsarmenverbanbes Bab-Nauheim gegen ben Gcsammt-Armenverbanb Marne wegen Verpflegung bes erblindeten Peter Horn in Bab-Nauheim.
3. Klage bes Ortsarmenverbanbes Burg-Gemünben gegen ben Ortsarmenverbanb Nieber-Gemünden wegen Unterstützung bes Lubwig Sennler.
— Kreisausschuß»Sitzung. Samstag ben 14. Mai l. I-, Nachmittags V23 Uhr beginnenb, finbet im Regierungs- gebäube bahier eine öffentliche Sitzung bes Kreisausschuffes bes Kreises Gießen statt, in welcher nachstehenbe Sache zur Verhanblung gelangt:
Ablösung ber auf Zehntgrunbrenten ber Gesammt- samilie von Norbeck zur Rabenau zu Gunsten ber Pfarrei Obbornhofen laftenben Baulast.
— Der in Marburg erscheinenben „Oberhess. Ztg." entnehmen wir Folgenbes. Musiksreunben wirb es von Interesse sein, zu hören, baß in bem am 12. b. M. statt- finbenben fünften Winter-Abonnements-Concert bes Akademischen Concertvereius in Marburg im dortigen Saalbau das Programm eine Novität von Joh. Brahms, op. 115, Quintett in H-moll für Klarinette und Streichquartett enthält. Es ist außer den in Marburg regelmäßig zusammenspielenden Quartettkünstlern, den Herren Professor R. Barth, Marburg, Bassermann, Welcker und Becker, Frankfurt am Main, gelungen, Herrn Kammervirtuosen Richard Mühlfeld aus Meiningen zur Mitwirkung zu gewinnen — einen Künstler auf ber (Klarinette, ber burch fein meisterhaftes Spiel in eben biefem Brahms'schen Quintett ungc* theilteste Bewunberung eregt hat. Wennschon im Allgemeinen


