Nr. 9 Erstes Blatt
Dienstag dm 12. Januar
1892
Clints- und Anzeigeblatt fnv den Aveis Gieszen.
Hratisöeitage: Gießener IamitienMtter
Amtlichem Theil
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Vierteljähriger Avounementsprets: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Schutstraße Ar. 7.
Fernsprecher 51.
Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.
Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.
Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufüaen:
a. Geburtszeugniß;
Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß.
Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.
Darmstadt, den 17. December 1891.
Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende: Dr. Zeller.
Bekanntmachung,
betreffend die Schafräude zu Hof-Albach.
Nachdem die Schafräude in Hof-Albach nunmehr erloschen rst, haben wir die über diese Gemarkung verfügte Sperre unter dem heutigen aufgehoben.
Gießen, den 9. Januar 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Ausland.
Bern, 9. Januar. Die Botschaft des Bundesraths über die Handelsverträge mit Deutschland und Oesterreich. Ungarn berechnet die künftigen Zollerträgnisse auf jährlich 36,230,000 Frcs.
Mailand, 9. Januar. Die Influenza ist hier im Abnehmen begriffen, dagegen tritt sie in Genua und Turin sehr ernst auf.
Nom, 9. Januar. „Popolo Romano" erwartet eine ungestörteBesitznahmedesThrones durch den neuen Khediven Abbas. Die „Tribuna" befürchtet das Wiederaustreten des englisch-französischen Gegensatzes.
Dorpat, 9. Januar. Der Unterrichtsminister hat verfügt, daß die Abiturientenprüfung in russischer Sprache stattfinden muß.
ein selbstgeschriebener Lebenslauf.
-5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.
Srnwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen nctiben Dtenstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt fein;
ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist;
Hettefte Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Torrespondenz-Burcau.
Aachen, 10. Januar. Auf dem Schacht „Wilhelmine" bei Nothberg wurden zwei Bergleute infolge des vorzeitigen Losgehens eines Sprengschusses getödtet.
Paris, 10. Januar. Senator Admiral Peyron, früherer Marineminister, ist gestorben.
Petersburg, 10. Januar. Das Verbot der Ausfuhr von Weizen wird durch ein heute veröffentlichtes Manifest aus Finland ausgedehnt.
Kairo, 11. Januar. Die hierher gelangte Nachricht von der Ansicht der europäischen Aerzte, daß der Tod des Khedive durch die Pflichtvergessenheit und Unfähigkeit der egyp- tischen Aerzte verursacht sei, hat große Entrüstung hervorgerufen und ist die weitere Untersuchung der Angelegenheit wahrscheinlich. » » s
London, 11. Januar. Der Herzog von Clarenee ist an der Influenza mit Lungenentzündung erkrankt.
Depeschen deS „Bureau Herold".
Bremen, 10. Januar. Der Norddeutsche Lloyd beförderte 1891 über Bremen 138457 Personen gegen 140 410 im Vorjahre.
Deutscher Reich.
Berlin, 9. Januar. Der Kaiser hielt am Samstag in Begleitung seines aus Kiel in Berlin eingetroffenen Bruders, des Prinzen Heinrich, und einer Anzahl hierzu eingeladener Herren eine größere Hofjagd auf Damwild im Grünewald ab.
— Die Besserung im Befinden des Prinzen Georg vonSachsen schreitet regelmäßig fort. Der Prinz bringt bereits einige Stunden täglich — allerdings mit Unterbrechung — sitzend außer Bett zu. Appetit und Allgemeinbefinden sind befriedigend.
— Der Bundesrath hielt am 7. Januar seine erste Plenarsitzung im neuen Jahre ab. Nachdem zunächst der Gesetzentwurf über die Rechtsverhältnisse der Lehrer in Elsaß- Lothringen den zuständigen Ausschüssen überwiesen worden war, trat der Bundesrath in die Specialberathung des Trunksuchtsgesetzes auf Grund der Ausschußberichte nn, doch wurde die Debatte schließlich abgebrochen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung gelangten verschiedene Angelegenheiten von untergeordnetem Interesse zur Erledigung.
Berlin, 9. Januar. Der Kaiser forderte einen Bericht ein über vorhandene Rettungs- und Schutzeinrichtungen für die durch Hochwasser gefährdeten Gegenden und drückte die Hoffnung aus, daß Jeder sein Leben einsetze im Falle der Gefahr.
Berlin, 9. Januar. Nach dem „Staats-Anz." findet die Eröffnung des preußischen Landtags am 14.Januar- Mittags 12 Uhr im weißen Saale statt.
Berlin, 9. Januar. Nach Meldungen des „Berl. Tgbl." beruht das Gesetz über das Armenwesen, welches demnächst vor den Senat gelangen wird, auf den Statuten I des Elberfelder Armengesetzes.
Breslau, 9. Januar. Zu der Blättermeldung über einen Erlaß, betr. Ersparnisse der Eisenbahnverwaltung, bemerkt die „Schles. Ztg.", sie erfahre von berufener Seite, daß es sich weder um einen Ministerialerlaß noch um eine Verfügung der hiesigen Direction, sondern, die Authentität des Schriftstücks vorausgesetzt, lediglich um eine Verfügung des Betrtebsamts handle. Eine Herabsetzung der Arbeiterlöhne im Breslauer Bezirk sei nicht beabsichtigt. Es sei eine Untersuchung eingeleitet, ob eine derartige Verfügung von dem Betriebsamte des Directionsbezirks Breslau tatsächlich ergangen sei.
Hamburg, 9. Januar. Die „Hamb. Börsenhalle" erklärt aus Grund. bester Informationen, die Mittheilungen des ,,-vemps über den in Weidah betriebenen angeblichen I Menschenhandel beruhten auf einer irrtümlichen Darstellung der Verhältnisse. Es handelte sich um Engagements I bon Arbeitern auf bestimmte Zeit für den Eisenbahnbau int Congostaat, wie solche schon immer, auch für Plantagen, bei verschiedenen Volksstämmen abgeschlossen wurden.
München, 9. Januar. Im Landtage theilte Minister Crailsheim mit, die bayerischeVerwaltnng stehe der Reform I des Etsenbahntarifs sympathisch gegenüber.' Die Verhandlungen seien bisher an der ablehnenden Haltung anderer I Verwaltungen gescheitert.
totales und provinzielles.
Gießen, 11. Januar 1892.
. . 3 -b'°terverein hat mit Lessings „Emilia Galotti" sein erstes Vereinsjahr roürbig und wohlgelungen abgeschlossen. Freilich, das Jahr war etwas lang, Julian und Gregorian rechnen wesentlich kürzer diese Zeitspanne. Die Schwierig- I . ten, die stch dem jungen Unternehmen entgegenstellten, waren mcht unbedeutend, stets sehr unerwartet, die Führer des Vereins hatten nirgends einen Anhalt, alles mußte erst aus eigener Praxis gelernt werden- es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, selbst nicht einmal ein Theatermeister. Es wäre nicht uninteressant, nachzuforschen, ob unser, jetzt im sicheren Fahrwasser steuerndes Vollschiff „Co ne ertverein" I hundert Iah ren alle Klippen ohne Havarie umschiffte, ob nicht auch damals, wie es jetzt der kleinen Schaluppe „T h e a t e r v e r e i n" geht, ihm der Vorwurf der Seeräuberei I geuwcht worden ist. Weiter wäre es interessant, zu wissen, wie der Theaterverein sein erstes Säeulum begehen wird, ledenfalls im eigenen Hause, wohl gar mit der Tetralogie von I Richard Wagner? Ehe aber dieses goldene Zeitalter herein- gebrochen ist, soll fleißig weitergearbeitet werden. Warum dem Verein eigentlich Widersacher erwachsen sind, ist nicht recht verständlich,- der die Legende gebildet hat, daß dem hiesigen Theaterunternehmen eine illoyale Coneurrenz geschaffen, ist noch nicht ermittelt worden, wohl aber weiß man, wie falsch, wie thöricht diese Behauptung ist. Wer die Mitgliederliste des Theatervereins mit der Abonnementsliste des Herrn Reiners vergleicht, wird fast dieselben Namen finden, jene ober, die über Gewalt schreien, glänzen aus beiden durch ihre Abwesenheit. Der Theaterverein gönnt fich sechs Abende im Jahre, dem Theaterdirector bleiben weit über
I 100 zur Verfügung - mit demselben Rechte müßten alle | Bijoutenewaarenhändler Gießens ihr Ende nahe sehen, wenn sich Jemand aus der Sommerfrische ein „Souvenir" mit« bringt. In den nächsten Tagen wird der Mitgliederbeitrag für das Jahr 1892 erhoben werden, aus practischen Gründen wird diesmal nur ein Cyclus von drei Vorstellungen geboten, also auch nur die Hälfte des Beitrags (Mk. 2.50) eingefor« öert werden. Im October 1892 beginnt das dritte Theater- jahr, vom October 1892 bis April 1893 datirend. Einer oder der Andere wird zweifellos fahnenflüchtig werden, dafür treten aber, ohne Zwangsaushebung, genügend Freiwillige und zwar nicht nur Einjährige hinzu- ein Verein, der sich ein ideales Streben vorgesteckt hat, wird in Gießen stets fruchtbaren Boden vorfinden.
— Neues Theater. Das Gastspiel des Fräulein Thessa Klinkhammer brachte uns gestern die Aufführung eines der besten Stücke von R. B e n e d i x. Im „A s ch e n b r ö d e l" ist das bekannte Kindermärchen für die „großen Kinder" bearbeitet, es ist ein prächtiges Stück voll tiefer Empfindung. Di- Aufführung war tadellos,- der berühmte Gast, Fräulein Klinkhammer, ist dem hiesigen Publikum nicht fremd,- ihre gestrige Leistung war ein schauspielerisches Meisterstückchen, eine Darbietung, an der man von der ersten bis zur letzten Scene eine Freude haben mußte. Schon die erste Scene entzückte das Publikum, der Zauber von Frl. Klinkhammers Persönlichkeit und ihr treffliches Spiel weckten jubelnden Beifall. Das einheimische Personal trat gestern naturgemäß etmaä hinter dem Gaste zurück, leistete aber durchweg Gutes,
Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährigfreiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1892.
Diejenigen jungen Leute/welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1892 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsiqen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung
spätestens bis zum 1 Februar 1892
bei der unterzeichneten Commission einzureichen.
Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- cteUcn das Folgende bemerkt:
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs - Corn- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende un Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts, ort har.
Ter Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener Aamitieubtäiter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
ichenerFnzeiger
Keneral'-Mnzeiger.
Bekanntmachung.
«. wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß » . a L 6 beS Reichzgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ennittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aus. Ichlags von »ünf vom Hundert,pro Monat December 1891 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen;
Hafer JL 16.10, Heu Jt 5.80, Stroh JC. 5.50.
Gießen, den 9. Januar 1892.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 7. Januar 1892. Setr.: Das Hallen der Hess. Feuerwehrzeitung.
Das Eroßherzogliche Kreisamt Gießen
die Grotzh. Bürgermeistereien de- «reife-.
Wir machen Sie, insbesondere diejenigen Gemeinden des Kreises, in welchen freiwillige Feuerwehren vorhanden sind, auf die in Büdingen erscheinende Feuerwehrzeitung für das Groszherzogthum Hessen aufmerksam und empfehlen Ihnen dtese^e (jährlich 5 Jt) zur Anschaffung. Ebenso machen wir die Befehlshaber und Führer der Feuerwehren auf dieses Blatt aufmerksam.
v. Gagern.
6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung emgereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegeu.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die PrÄsungs-Ordnung (Anlage 2 zur |


